Themenwelt Demenz

Demenz ist eine der häufigsten Krankheiten im Alter: Der Verlust der geistigen Leistungsfähigkeit und das quälende Verlöschen der Persönlichkeit betrifft weltweit mehr als 47 Millionen Menschen – und jedes Jahr erkranken weltweit mehr als 47 Millionen Menschen neu an Demenz. Allein in Deutschland sind etwa 1,7 Millionen Menschen an Demenz erkrankt (Stand 2018). Noch immer gibt es kein Heilmittel für die Erkrankung Demenz und nicht alle Demenz-Ursachen sind bekannt. Dennoch weiß man bereits, wie sich z. B. das Erkrankungsrisiko senken lässt. Und es gibt immer wieder neue Therapien und Betreuungsmöglichkeiten für Menschen mit Demenz. pflege.de klärt im großen Demenz-Ratgeber über die Krankheit auf, stellt die unterschiedlichen Demenzarten vor und gibt Angehörigen Tipps zum Umgang mit Demenz.

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Demenz – Demenzformen, Symptome & mehr

Inhaltsverzeichnis

Definition: Demenz bzw. „demenzielles Syndrom“

Alle Welt spricht von „Demenz“, doch genau genommen heißt die Krankheit „demenzielles Syndrom“. Denn das Syndrom, also ein Zusammentreffen verschiedener Symptome, ist es, was letztlich die Erkrankung ausmacht.

Wer an einer Demenz, einem demenziellen Syndrom, erkrankt, verliert Schritt für Schritt seine geistigen und intellektuellen Fähigkeiten. Gedächtnis, Denkvermögen, Sprache und praktisches Geschick verschlechtern sich kontinuierlich.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) definiert das demenzielle Syndrom als Folge einer chronischen oder fortschreitenden Krankheit des Gehirns, das eine Reihe von schwerwiegenden Folgen hat:

  • Eine Demenz führt zu Störungen von Gedächtnis, Denken, Orientierung, Auffassung, Rechnen, Lernfähigkeit, Sprache, Sprechen und Urteilsvermögen.
  • Die Symptome müssen über mindestens 6 Monate bestehen.
  • Es kommt auch zu Veränderungen der emotionalen Kontrolle, des Sozialverhaltens oder der Motivation.

Der Begriff „Demenz“ stammt übrigens aus dem Lateinischen und bedeutet so viel wie „ohne Geist“, „ohne Verstand“. Das klingt dramatisch, beschreibt aber keineswegs das Krankheitsbild einer Demenz.

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Ist Demenz eine Alterserkrankung?

Die Demenz ist keine normale Alterserscheinung, die jeden trifft. Demenz ist eine Erkrankung, die allerdings typischerweise im Alter auftritt.

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Demenz: Statistik

Aktuell sind weltweit mehr als 47 Millionen Menschen an Demenz erkrankt. Experten zufolge soll sich diese Zahl bis 2050 verdreifachen. In Deutschland sind derzeit (Stand: 2018) 1,7 Millionen Menschen an einer Demenz erkrankt, bis zum Jahr 2050 sollen es rund 3 Millionen sein. Schätzungen Sollen in Deutschland 300.000 Menschen jährlich neu an einer Demenz erkranken. Abzüglich der Sterbefälle steigt die Zahl der Menschen mit Demenz in Deutschland somit jedes Jahr um 40.000 – das sind rund 100 pro Tag. Die meisten (ca. 70 Prozent) von ihnen leiden an einer Demenz vom Typ Alzheimer.

Grundsätzlich wächst mit steigendem Alter das Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Dennoch trifft es statistisch gesehen vor allem ältere Frauen. Sind bei Menschen zwischen 65 bis 69 Jahren lediglich 1,6 % an einer Demenz erkrankt, so sind es bei den über 90-Jährigen bereits 40,95 %. Zwei Drittel der Menschen mit Demenz sind über 80 Jahre alt, 65 Prozent von ihnen sind Frauen.

Altersdemenz – ein umgangssprachlicher Begriff

Demenz gehört zu den häufigsten Krankheiten im Alter, daher hat sich auch der Begriff „Altersdemenz“ eingebürgert. Der Begriff ist jedoch unscharf, weil es eine „Altersdemenz“ als medizinische Bezeichnung einer spezifischen Erkrankung nicht gibt. „Altersdemenz“ ist eher eine umgangssprachliche Bezeichnung der Tatsache, dass eben vor allem ältere Menschen an einer Demenz erkranken.

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Demenzformen

„Die“ Demenz gibt es nicht. Es gibt eine ganze Reihe von unterschiedlichen Demenzformen. Sie gehören alle zu einer von zwei Gruppen: primäre oder sekundäre Demenzen (s. Grafik).

Wenn auch die meisten Menschen erst in höherem Lebensalter an einer Demenz erkranken, so gibt es leider Ausnahmen. Eine Demenz mit 20, 30, 40 oder 50 Jahren ist zwar selten, aber keineswegs unmöglich. Vor allem eine frontotemporale Demenz (FTD), bei der Gehirnzellen im Frontalhirn oder im Schläfenlappen (Temporalhirn) absterben, kann auch jüngere Menschen treffen. Sie ist mit 3 bis 9 Prozent aller Demenzfälle selten, verändert Betroffene aber besonders stark, weil sie zu Persönlichkeits-, Verhaltens- und Sprachauffälligkeiten führt. Tatsächlich treten frontotemporale Demenzen häufig zwischen dem 50. und 60. Lebensjahr auf, sie können aber auch schon mit 20 oder 30 Jahren beginnen.

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Ist Demenz vererbbar?

Forscher vermuten, dass das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, höher ist, wenn ein Verwandter ersten Grades erkrankt ist.

Demenzarten & Demenzformen: primäre Demenz & sekundäre Demenz

„Demenz“ ist ein Sammelbegriff für eine Reihe von Krankheiten, die höchst unterschiedlich verlaufen, aber alle die geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Die erste, grundlegende Unterscheidung der Demenzarten ist die zwischen primärer (hirnorganischer/kortikaler) bzw. sekundärer (nicht-hirnorganischer) Demenz:

Primäre Demenz Sekundäre Demenz
Ursache Nerven­zellen im Gehirn sterben ab, ihre Verbin­dungen gehen verloren („neuro­degenera­tiv“). Die Demenz ist eine Folge einer anderen Erkrankung, etwa einer Depression.
Häufigkeit 90 % aller Demenz­erkran­kung­en 10 % aller Demenz­erkran­kung­en
Heilung Eine Heilung ist derzeit nicht möglich, aber durch Therapien lässt sich der Krankheits­verlauf verzögern. Bei frühzeitiger Behandlung ist eine Heilung möglich. Lässt sich die Grund­erkrankung nämlich heilen, kann sich das Gehirn erholen – die demenzielle Erkrankung und ihre Symptome bilden sich zurück.

Neurodegenerative Demenz

Als „neurodegenerativ“ beschreiben Mediziner Erkrankungen des Nervensystems, bei denen es zum Verlust von Nervenzellen kommt (Neurodegeneration). Genau das ist bei einer Demenz der Fall. Ob es nun Eiweißablagerungen sind, die die Nervenzellen beschädigen (wie bei Alzheimer) oder Schlaganfälle (wie bei einer vaskulären Demenz) – die Konsequenzen sind ähnlich: Die Kommunikation der Nervenzellen ist gestört.

Zu den neurodegenerativen Demenzen gehören:

Bei Alzheimer– bzw. Lewy-Body-Demenz (auch: Lewy-Körperchen-Demenz) ist die Ursache die gleiche: Es kommt zu Eiweißablagerungen an den Nervenzellen im Gehirn. Diese Ablagerungen behindern die Kommunikation der Nervenzellen untereinander. Vergesslichkeit, Sprachstörungen, Orientierungsschwierigkeiten – die Symptome von Alzheimer und Lewy-Körperchen-Demenz ähneln sich.

Alzheimer
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Alzheimer – Definition, Symptome & Ursachen

Bei der Lewy-Körperchen-Demenz, benannt nach dem Pathologen Friedrich Lewy, einem Mitarbeiter von Alois Alzheimer, kommen noch spezifische Symptome hinzu:

  • Es kommt – auch in den frühen Stadien – zu Halluzinationen.
  • Der Gesundheitszustand der Betroffenen schwankt stark. Es gibt gute Tage, fast ohne Symptome.
  • Das Gedächtnis bleibt länger erhalten.

Eine weitere neurodegenerative Demenzform ist die Frontoremporale Demenz / Morbus Pick. Im Gegensatz zu Alzheimer ist hier besonders das Sozialverhalten der Betroffenen beeinträchtigt: Manche Menschen werden plötzlich aggressiv, obwohl sie sonst immer eher ruhig waren. Sie schimpfen los, ohne sich bei der Wortwahl zu beschränken, sind reizbar und stehen ihren Mitmenschen eher kalt und verächtlich gegenüber.

Frontotemperale Demenz
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Frontotemporale Demenz / Morbus Pick

All das sind Entgleisungen, die erst dann auffallen, wenn sie sich häufen und gar nicht mit dem Charakter des Betroffenen zu vereinbaren sind. Erst wenn die sprachlichen Fähigkeiten beeinträchtigt sind und wenn auch die Gedächtnis- und Orientierungsfähigkeiten abnehmen, liegt der Verdacht einer Demenz nahe. Die Verhaltensauffälligkeiten haben ihre Ursache darin, dass die Neurodegeneration zunächst in jenen Hirnregionen wütet, die das soziale Verhalten steuern.

Vaskuläre Demenz

Durchblutungsstörungen im Gehirn können die sog. vaskuläre Demenz auslösen, wenn Blutgefäße, die das Gehirn versorgen, verengt oder gar verstopft sind. Die Nervenzellen werden nicht mehr mit ausreichend Blut versorgt und sterben ab (Neurodegeneration). Manchmal ist es eine Reihe von vielen kleinen Schlaganfällen, die zu einer Demenz führen: der Multi-Infarkt-Demenz.

Vaskuläre Demenz
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Vaskuläre Demenz: Morbus Binswanger & Multi-Infarkt-Demenz

Bei einem großen Schlaganfall sind die Symptome fast unübersehbar. Doch bei kleineren Schlaganfällen (Multi-Infarkt-Demenz) können sie lange Zeit unbemerkt bleiben. Wenn aber Sie oder Ihr Partner plötzlich unsicher gehen oder ganz plötzlich an einer Inkontinenz leiden, sollten Sie immer auch an einen kleinen Schlaganfall denken. Gehen Sie unbedingt zum Arzt, wenn solche Symptome auftreten.

Zu den vaskulären Demenzen gehören:

  • Multi-Infarkt-Demenz
  • Morbus Binswanger

Demenz bei Parkinson

Eine Demenz bei Parkinson hat als typisches Kennzeichen, dass eine Parkinson-Erkrankung vorliegt, in deren Verlauf es zu einer Demenz kommt. Das ist bei rund 40 % der Parkinson-Betroffenen der Fall. Die Ursache dafür liegt in der Parkinson-Erkrankung, die durch einen Mangel an Acetylcholin, eines Botenstoffes, die Übertragung zwischen den Nervenzellen ermöglicht.

Im Gegensatz zu einer Alzheimer-Demenz sind bei einer Parkinson-Demenz nicht zuerst die Gedächtnisleistungen betroffen. Es kommt im Rahmen der Parkinson-Symptome eher zu Störungen der Aufmerksamkeit oder zu Problemen bei der Gestaltung des Alltages (Probleme lösen, Handlungen planen).

Parkinson-Demenz
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Parkinson-Demenz: Ursachen & Risiko

Kortikale Demenz / hirnorganische Demenz (z.B. Alzheimer)

Bei einer kortikalen Demenz treten Schädigungen der Gehirnrinde, des Cortex, auf. Das ist z. B. bei Alzheimer der Fall. Andere Demenzen, z. B. die Demenz bei Parkinson, haben ihre Ursache in Schädigungen von Bereichen, die unterhalb des Cortex (subkortikal) liegen. Je nach betroffener Hirnregion sind die Symptome einer Demenz daher höchst unterschiedlich.

Der lateinische Begriff „Cortex“ bedeutet übersetzt „Rinde“. Im medizinischen Sprachgebrauch ist damit eine Schicht gemeint, die unser Gehirn überzieht, sowohl das Großhirn als auch das Kleinhirn. Zumeist bezieht sich der Begriff Cortex aber auf die Großhirnrinde. Diese bildet fast die Hälfte unseres gesamten Gehirns, legt sich in Furchen und Windungen, um den Platz innerhalb des Schädels maximal zu nutzen. Die Großhirnrinde ist der entwicklungsgeschichtlich jüngste Teil unseres Gehirns – und zugleich der wichtigste. In der Großhirnrinde entsteht unser Bild der Welt. Dort werden Sinneseindrücke empfangen und verarbeitet, Informationen gespeichert und interpretiert, Handlungen angeregt, Emotionen ausgelöst. Ohne Großhirnrinde wäre der Mensch nicht Mensch. Sie ist der Sitz unseres Bewusstseins.

Demenz: Symptome & Anzeichen

Sie wissen nun: „Die eine“ Demenz gibt es nicht, sondern eine ganze Reihe von verschiedenen Demenzformen und –typen. Insofern ist es immer schwierig, eine Demenz schon sehr früh zu identifizieren und einen Arzt aufzusuchen. Es gibt folgende Symptome & Anzeichen, die für eine Demenz sprechen können:

  • Betroffene vergessen immer wieder, wo sie ihre Brille, ihr Portemonnaie oder ihre Schlüssel hingelegt haben – und finden sie dann an ungewöhnlichen Orten (z. B. im Kühlschrank).
  • Sie finden sich in gewohnten Gegenden nicht mehr zurecht, obwohl sie sich dort immer auskannten (z. B. der Weg zum Supermarkt).
  • Betroffene haben Schwierigkeiten, einen Zeitungsartikel oder ein Buch zu lesen, weil sie nicht mehr wissen, was am Anfang des Artikels oder der Buchseite geschrieben stand.
  • Ihnen fallen die Worte für Gegenstände des Alltages nicht mehr ein.
  • Es fällt den Personen zunehmend schwerer, Gesprächen zu folgen. Sie vergessen immer häufiger, was ihr Gesprächspartner gerade gesagt hat.
  • Die Betroffenen haben immer weniger Lust, etwas zu unternehmen. Alles wird ihnen zu viel und sie möchten am liebsten gar nichts mehr unternehmen.
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Demenz-Symptome und –anzeichen sind höchst unterschiedlich. Auch anhaltende Unruhe, Müdigkeit, plötzliche Aggressionen oder sogar Halluzinationen können Hinweise auf eine Demenz geben.

Tipp

Vergesslichkeit, Orientierungsschwierigkeiten, Konzentrationsstörungen oder eine allgemeine Unlust können viele Ursachen haben. Vielleicht hatten Sie bzw. Ihr Angehöriger in den letzten Monaten viel Stress oder einen Verlust erlitten, der diese Symptome verursachen könnte. Nicht immer muss es sofort eine Demenz sein, doch sollten Sie weiterhin aufmerksam gegenüber sich selbst bzw. Ihrem Angehörigen sein. Und falls Symptome vermehrt auftreten, konsultieren Sie frühzeitig einen Arzt.

Diagnose Demenz

Tatsächlich fällt die Diagnose „Demenz“ erst am Ende eines langen Prozesses. Grundbedingung für die Diagnose einer Demenz sind Einschränkungen, die mindestens sechs Monate bestehen. Zwei Störungen stehen im Vordergrund:

  • Gedächtnisstörungen (neue Informationen werden nicht mehr gespeichert, Erinnerungen gehen allmählich verloren)
  • Beeinträchtigung des Denkvermögens (z. B. fällt es immer schwerer, Entscheidungen zu treffen)

Die Diagnose einer demenziellen Erkrankung hat Kriterien. Festgelegt sind sie im ICD, einer Art Krankheitenkatalog: „International statistische Klassifikation der Krankheiten und verwandter Gesundheitsprobleme“ (englisch Originaltitel: International Statistical Classification of Diseases and Related Health Problemes – kurz „ICD“). In der aktuellen Ausgabe, dem ICD-10, werden vier Demenz-Gruppen unterschieden:

  1. Demenz bei Alzheimerkrankheit
  2. Vaskuläre Demenz (z. B. nach einem Schlaganfall)
  3. Demenz bei andernorts klassifizierten Erkrankungen
    (z. B. bei Parkinson)
  4. Sekundäre Demenzen (z. B. bei Alkoholmissbrauch)

Die Diagnostik verläuft in zwei Stufen:

a) Diagnostik der demenziellen Symptome (Anamnese, körperliche Untersuchung, Labordiagnostik, neuropsychologischeTests zur Früherkennung wie Uhrentest, Fragebögen; Befragungen der Angehörigen, Funktionstest zur Überprüfung der Alltagsfähigkeiten)

b) Differentialdiagnostik (Ultraschall des Gehirns, EEG, Liquordiagnostik, bildgebende Verfahren wie Positronen-Emissions-Tomografie etc.)

Info

Demenz-Diagnose in Memory-Klinik

Es gibt inzwischen gute sog. Memory-Kliniken, die sich auf die Diagnose von Hirnleistungsschwächen spezialisiert haben. Eine gute erste Adresse, wenn es um die Diagnose einer Demenz geht, sind auch Gedächtnissprechstunden oder Gedächtnisambulanzen. Eine frühe Diagnose ist auch bei einer Demenz wichtig, denn nur so kann ein Behandlungsplan aufgestellt werden. Gerade bei einer Alzheimer-Demenz ist die frühe Diagnose wichtig, denn die heute verfügbaren Medikamente wirken nur in einem frühen Stadium.

Demenz oder Depression?

Manchmal hat eine Depression Symptome, die denen einer Demenz sehr ähneln: allgemeine Unlust, Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen. Doch all diese Symptome werden bei einer Depression nicht durch Abbauprozesse im Gehirn ausgelöst, sondern durch die Psyche des Betroffenen. Es ist daher wichtig herauszufinden, ob wirklich eine Demenz oder aber eine Pseudodemenz, eine Depression, vorliegt. Eine Depression ist in vielen Fällen gut behandelbar, sodass die Symptome sich zurückbilden. Im Gegensatz zu einer Demenz treten die Symptome bei einer Depression auch plötzlich auf, evtl. nach einer schweren Krisensituation.

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Demenz: Verlauf der Krankheit & Stadien

Die Einstufung des Schweregrads der Demenz erfolgt gewöhnlich in drei Stadien:

  1. Frühes Stadium (v. a. Störungen des Kurzzeitgedächtnisses)
  2. Mittleres Stadium (Schwierigkeiten bei den Aufgaben des Alltags)
  3. Spätes Stadium (Gravierende Einschränkungen der Sprache, Angehörige werden nicht mehr erkannt. Betroffene sind in allen Bereichen auf Hilfe angewiesen, können z. B. nicht mehr allein essen oder zur Toilette gehen.)

 

Jeder Demenz-Verlauf ist anders und die Demenz-Stadien sind nur unscharf voneinander abzugrenzen. Manchmal verharrt der Betroffene länger oder kürzer in einem Stadium, der Krankheitsverlauf ist höchst individuell. Dennoch gehört es zu den Kennzeichen einer Demenz, dass die Einschränkungen im Laufe der Erkrankung immer massiver werden. Wenn bei einer leichten Demenz noch ein relativ selbständiges Leben möglich ist, wird es bei einer schweren Demenz zunehmend schwieriger. Bei einer Demenz im Endstadium ist ein Betroffener vollständig auf die Hilfe seiner Umgebung angewiesen. Er ist nicht mehr in der Lage, für sich selbst zu sorgen. Er ist vollkommen hilflos.

 

Ursachen von Demenz

  • Ursache von Alzheimer

Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Ursache von Demenz. Nicht nur bei uns in Deutschland, sondern weltweit erkranken zwei Drittel aller Demenzkranken an einer Demenz vom Alzheimer-Typ. Noch weiß niemand, warum es im Gehirn zum Abbau von Nervenzellen kommt – der Ursache bei der Demenz vom Typ Alzheimer.

  • Ursache einer vaskulären Demenz

Die Ursachen einer vaskulären Demenz, der zweithäufigsten Demenzform, sind dagegen fassbarer: Blutgefäße im Gehirn verengen sich oder verstopfen komplett, Nervenzellen werden nicht mehr versorgt und sterben ab.

  • Andere Ursachen

Bei einigen Demenzformen (z. B. Korsakow-Syndrom) ist ein übermäßiger Alkohol- oder Tablettenkonsum für die Schädigung des Gehirns, und damit für die Demenz, verantwortlich.

Demenz: Lebenserwartung

Es ist oft nicht die Demenz, die die Lebenserwartung einschränkt, sondern einfach der Faktor Zeit: Wenn ältere Menschen erkranken, dann sterben sie nicht unbedingt früher wegen der Erkrankung. Sie sterben einen normalen Alterstod – mit, aber nicht unbedingt aufgrund ihrer Krankheit.

Insofern ist es nicht so, dass eine Demenz unbedingt die Lebenserwartung verkürzt. Es gibt Menschen, die mehr als 20 Jahre mit einer Demenz gelebt haben, aber auch 85-Jährige, die an Demenz erkrankten, und ein Jahr später starben. Eine Demenzerkrankung zieht jedoch weite Kreise. Sie setzt gerade die Betroffenen unter großen Stress, beeinflusst dadurch auch evtl. vorhandene Erkrankungen wie Bluthochdruck und beschränkt insofern potentiell die Lebenserwartung.

Europäische Studien haben ergeben, dass Menschen, bei denen die Demenz vor dem 65. Lebensjahr eintrat, eine Lebenserwartung von acht bis zehn Jahren haben. Tritt eine Demenz zwischen dem 65. und 75. Lebensjahr auf, so zeigen die Statistiken eine Lebenserwartung von weniger als  fünf Jahren. Erkrankt ein Mensch nach dem 85. Lebensjahr an einer Demenz, so verringert sich die Lebenserwartung auf weniger als drei Jahre. (Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.)

Ist eine Demenz tödlich? Auf diese Frage gibt es keine eindeutige Antwort, denn viele Menschen mit Demenz sind eben auch schon älter und dem Tode näher. Allerdings weisen Experten darauf hin, dass gegen Ende der Erkrankung, wenn sie also im schweren Stadium ist, das Immunsystem versagt. 80 % aller Alzheimer-Patienten sterben an den Folgen einer Lungenentzündung. (Quelle: Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.)

Demenz vorbeugen: Prävention einer Demenz

Je nach Demenzart kann man der Krankheit vorbeugen oder nicht. Alzheimer kann man nicht vermeiden, denn gegen den Abbau der Nervenzellen ist noch kein Mittel gefunden. Anders sieht es bei der vaskulären Demenz aus, deren Ursache verengte oder verstopfte Blutgefäße sind. Die Risiken dafür lassen sich erkennen – und mitunter auch abbauen. Rauchen und Übergewicht schaden den Blutgefäßen und sind zumindest zum großen Teil vermeidbar. Auch ein erhöhter Blutdruck lässt sich in den Griff bekommen. Chronischer Alkoholmissbrauch erhöht das Risiko, an einer Demenz zu erkranken. Eine Reihe von Herzerkrankungen wie Herzinsuffizienz oder Herzrhythmusstörungen lassen sich wirksam behandeln.

Nicht jedes Risiko lässt sich ganz vermeiden, aber dennoch lässt sich einer Demenz zumindest teilweise vorbeugen. Die größten Risikofaktoren für eine Demenz sind:

  • Herzrhythmusstörungen (6- bis 18-fach erhöhtes Risiko)
  • Bluthochdruck (4- bis 6-fach erhöhtes Risiko)
  • Erkrankte Herzkrankgefäße (2- bis 4-fach erhöhtes Risiko)
  • Diabetes (2- bis 3-fach erhöhtes Risiko)
  • Alkoholsucht (2- bis 3-fach erhöhtes Risiko)
  • Hohes Cholesterin (2-fach erhöhtes Risiko)
  • Übergewicht (1- bis 2-fach erhöhtes Risiko)

 

Info

Schwerhörigkeit & Demenz

Schwerhörigkeit kann das Demenz-Risiko steigern. Eine nicht versorgte Schwerhörigkeit, so behaupten es Experten, gilt als enormer Risikofaktor für Altersdemenz und –depression. Mit einem Hörgerät lässt sich diese Entwicklung aufhalten.

Demenz & Alkohol bilden eine unheilige Allianz, denn fortgesetzter Alkoholmissbrauch kann eine Demenz auslösen und eine bestehende verstärken. Bei einer Demenz sollte Alkohol im Übermaß vermieden werden, um nicht bestehende Symptome zu verstärken. Das Bier oder das Gläschen Wein am Abend sind aber auf jeden Fall erlaubt, schließlich ist es auch Teil der Lebensqualität.

Eine spezielle Ernährung bei Demenz ist ein schwieriges Thema, denn viele Demenzkranke verlieren ihren Appetit, erkennen Speisen nicht mehr und sind deshalb oft dem Risiko einer Mangelernährung ausgesetzt. Eine ausgewogene Ernährung mit Speisen, die dem Erkrankten vertraut sind und die er gerne isst, sollte deshalb bevorzugt werden. Viele Demenzkranke essen gern mit den Fingern, weil sie mit Besteck nur schlecht umgehen können. Fingerfood ist eine gute Idee, um dennoch für eine ausreichende Ernährung zu sorgen. Was Sie speziell bei der Ernährung von Demenkranken beachten sollten, erfahren Sie im Artikel „Ernährung im Alter“.

Info

Demenz vorbeugen – So geht‘s

Sie können etwas tun – auch gegen das Risiko einer Demenz:

  • Ernähren Sie sich ausgewogen, mit viel ungesättigten Fettsäuren, vitaminreich (v. a. Vitamin D soll vorbeugend wirken) und kalorienbewusst.
  • Verzichten Sie aufs Rauchen und auf übermäßigen Alkoholgenuss.
  • Bewegen Sie sich regelmäßig. Schon ein täglicher Spaziergang ist eine gute Vorbeugung.
  • Lassen Sie Ihren Blutdruck regelmäßig kontrollieren.
  • Nehmen Sie aktiv am Leben im Alter teil, engagieren Sie sich und bleiben Sie in Kontakt mit anderen.
  • Trainieren Sie Ihr Gehirn: ob mit Kreuzworträtseln, Denksport oder dem Erlernen einer Fremdsprache. So bleiben Sie geistig fit.

Umgang mit Demenz: Betreuungsangebote, Pflegeleistungen und Demenz-WGs

Eine Demenz hat große Auswirkungen auf den Betroffenen – und auch auf sein Umfeld. Das Krankheitsbild bringt Verhaltensänderungen mit sich und erfordert je nach Schweregrad der Krankheit teilweise intensive Betreuung und Beschäftigung. Die Pflege und Betreuung eines Menschen mit Demenz ist eine verantwortungsvolle, extrem belastende Situation. Viele Menschen mit Demenz werden zu Hause gepflegt. Anfänglich gelingt das noch allein, doch mit dem Fortschreiten der Erkrankung ist die Hilfe von Fachkräften und Dienstleistungen für Senioren unumgänglich.

  • Anspruch auf Pflegeleistungen bei Pflegegrad bzw. ehemals Pflegestufe

Gerade das Betreuungsangebot für Demenzkranke hat sich in den letzten Jahren enorm verbessert. Mit anerkanntem Pflegegrad (bis 31.12.2016: Pflegestufe) haben Menschen mit Demenz schon im Anfangsstadium der Erkrankung Anspruch auf Leistungen aus der Pflegekasse. Erkrankte mit Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5 haben Anspruch auf Pflegegeld und/oder Pflegesachleistungen, Leistungen der stationären Pflege, Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, Verhinderungspflege, Kurzzeitpflege, Zuschüsse für die Wohnraumanpassung, Tages- und Nachtpflege und Pflegeberatung und -schulungen. Hinzu kommen weitere Hilfen nach § 45b SGB XI, die sog. zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleitungen, z. B. in Form der stundenweisen Seniorenbetreuung. Versicherte mit Pflegegrad 1 haben lediglich Anspruch auf monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen.

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Vom PSG II profitieren Demenzerkrankte

Durch das Zweite Pflegestärkungsgesetz (PSG II), das zum 01.01.2017 in Kraft trat, haben vor allem Demenzkranke profitiert. Ihnen stehen seit Januar 2017 endlich die gleichen Pflegeleistungen zu wie körperlich Pflegebedürftigen. Zudem werden seitdem psychische und kognitive Beeinträchtigungen bei der Begutachtung durch den MDK und MEDICPROOF viel stärker berücksichtigt als bisher.

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  • Demenz WGs

In den vergangenen Jahren entstanden in Deutschland immer mehr ambulant betreute Wohngemeinschaften, die sich speziell an Menschen mit Demenz wenden. Zwischen sechs und maximal zwölf Personen wohnen gemeinsam in einer Demenz-WG und werden durch einen ambulanten Pflegedienst betreut.

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Demenzdörfer in Deutschland

In Tönebön bei Hameln liegt Deutschlands erstes Demenzdorf: Hier leben Menschen mit Demenz in einer dörflichen Gemeinschaft, komplett mit Supermarkt, Café und individuell gestalteten Zimmern. Übernommen wurde die Idee, demenzkranke Menschen in einer dörflichen Gemeinschaft zu betreuen, aus den Niederlanden. Inzwischen gibt es weitere Demenzdörfer in Deutschland. Die Kosten für die Pflege und Unterbringung ähneln denen eines normalen Pflegeheims. Einen guten Einblick bekommen Sie durch die Reportage von ZDF Dorf des Vergessens – Selbstbestimmt leben mit Demenz.

Therapie & Behandlungsmöglichkeiten bei Demenz

Zur Behandlung von Demenz gibt es unterschiedliche Möglichkeiten. Je nach Art und Stadium der Krankheit versprechen die Therapien mehr oder weniger großen Erfolg.

Die aktuelle „Leitlinie Demenz“ der Gesellschaft für Psychiatrie und Psychotherapie, Psychosomatik und Nervenheilkunde (DGPPN) und der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) fasst das derzeitige Wissen um die Erkennung, Behandlung und Betreuung von Menschen mit Demenz zusammen. Sie enthält so etwas wie geprüfte allgemeingültige Behandlungsansätze und Therapien. Die wichtigsten Aspekte sind:

1. Psychosoziale Interventionen wirken so gut wie Medikamente

Gerade ergotherapeutische Maßnahmen sorgen bei Menschen mit leichter bis mittelschwerer Demenz dafür, dass Alltagsfunktionen erhalten bleiben. Bewegung und Musik verbessern die geistige Leistungsfähigkeit, sorgen für mehr Beweglichkeit und Balance.

2. Demenz: Medikamente

Zurzeit forschen etwa 50.000 Wissenschaftler an Dutzenden von Wirkstoffen, doch noch gibt es kein Medikament, das eine Demenz wirksam beeinflussen kann. Allerdings gibt es eine kleine Gruppe von Medikamenten, u. a. die Acetylcholinesterase-Hemmer, die stabilisierend wirken und den Krankheitsverlauf verzögern.

Die Basistherapie bei einer medikamentösen Demenzbehandlung besteht aus drei Medikamentengruppen:

  • Antidementiva, die gegen den zunehmenden kognitiven Leistungsverlust wirken (Acetylcholinesterase-Hemmer). Diese Medikamente gibt es als Tabletten und auch als Pflaster.
  • Neuroleptika, die gegen die Begleitsymptome einer Demenz wirken und eine beruhigende Wirkung haben.
  • Antidepressiva gegen die Behandlung depressiver Verstimmungen.

Die professionelle Pflegewissenschaft und -praxis hat eine ganze Reihe von Therapien herausgebildet, die helfen können. Dazu gehört z. B. das Realitätsorientierungstraining („ROT“).

ROT bei Demenz: Realitätsorientierungstraining

Gerade bei Demenz im Anfangsstadium wird häufig das Realitätsorientierungstraining (kurz: „ROT“) eingesetzt. Mit Uhren, Kalendern, Namensschildern etc. sollen die Betroffenen sich besser in Bezug auf Zeit und Umgebung orientieren. ROT kann dabei helfen, die Abbauprozesse des Gehirns zu verlangsamen. Darüber hinaus hilft es den Betroffenen, wenn sie sich jederzeit bei der Orientierung in Zeit und Raum behelfen können, indem sie etwa auf Schilder, Uhren, Kalender etc. blicken können.

Heilung bei Demenz

Eine Heilung oder zumindest ein Stillstand ist bei manchen Demenzformen möglich, z. B. wenn Alkohol- oder Medikamentenmissbrauch die Ursache für die Demenz waren. Bei Alzheimer, dem häufigsten Demenz-Typ, gibt es nach wie vor keine Heilung. Deshalb liegt der Fokus der Behandlung auch eher auf der Linderung der Symptome in Form von Medikamenten gegen Depression.

Tipp

Der Extrakt aus Ginkgo biloba kann bei Menschen mit leichter bis mittlerer Alzheimer- oder vaskulärer Demenz durchaus hilfreich sein. Und zwar vor allem dann, wenn die Betroffenen zugleich an Depression oder Antriebsstörungen leiden. Ebenso können spezielle Nahrungsergänzungsmittel helfen, die Hirnaktivitäten zu verbessern.

Demenz: Pflege & Betreuung

Die Pflege und Betreuung von Menschen mit Demenz ist in höchstem Maße von der Kompetenz der Pflegenden abhängig. Viele pflegende Angehörige müssen diese Kompetenzen notgedrungen erlangen, sind sie doch täglich mit dem Betroffenen konfrontiert, der immer weiter in die Demenz hineingleitet.

Gerade das Thema Sexualität mit Demenz ist schwierig. Je schwerer die Demenz ist, umso mehr lässt das Bedürfnis nach partnerschaftlicher Sexualität nach. Dagegen kommt es häufiger zu einem enthemmten Verhalten in Sachen Sexualität. Pflegefachkräfte sind manchmal mit Situationen konfrontiert, in denen sie sich gegen sexuelle Übergriffe wehren müssen.

Pflegende Angehörige
Ratgeber
Pflegewissen für pflegende Angehörige

Die Pflege und Betreuung eines Demenzkranken stellt ganz besondere Herausforderungen an pflegende Angehörige. Versorgen Sie Ihren Angehörigen mit Demenz im häuslichen Umfeld, sollten Sie sich regelmäßig Auszeiten gönnen und auch hilfreiche Dienstleistungen wie Einkaufshilfen, Besuchsdienste und Alltagsbegleiter  in Anspruch nehmen. Im Rahmen der Verhinderungspflege können Sie auch einmal Urlaub ohne Ihren Pflegebedürftigen machen oder zusammen in ein Pflegehotel fahren, um einen Auszeit aus der Pflege zu bekommen und gemeinsam Neues zu erleben.

Info

Demenzortungssysteme bei Lauftendenz

Viele Demenzkranke zeigen im Laufe der Erkrankung die sog. Lauftendenz, sprich einen starken Bewegungsdrang, durch den sie sich häufig orientierungslos vom eigenen Zuhause entfernen. Damit Sie nicht immer Angst haben müssen, Ihr Angehöriger könnte weglaufen und würde nicht mehr nach Hause finden, gibt es spezielle Hilfsmittel wie beispielsweise Ortungssysteme für Demenzkranke. Diese GPS-Geräte schlagen Alarm, wenn sich Ihr Angehöriger unbewusst vom vertrauen Umfeld entfernt und zeigt Ihnen auf einem Endgerät exakt an, wo er sich gerade befindet. Viele Angehörigen schätzen dieses Hilfsmittel im Alltag und berichten von einer enormen psychischen Entlastung.

Demenz im Krankenhaus

Eine besondere Herausforderung ist es, wenn Menschen mit Demenz wegen einer anderen körperlichen Erkrankung ins Krankenhaus müssen. Die ungewohnte Umgebung kann die Symptome wie Orientierungsstörungen verstärken. Zudem werden ärztliche Anweisungen evtl. nicht verstanden oder Therapien nicht eingehalten. Viele Krankenhäuser sind nicht auf diese besondere Patientengruppe eingerichtet.

Tipp

Wenn Sie Ihren demenzkranken Angehörigen ins Krankenhaus bringen müssen, sollten Sie auf seine besondere Situation hinweisen. Die Deutsche Alzheimer Gesellschaft hat einen „Informationsbogen für Patienten mit Demenz bei Aufnahme ins Krankenhaus“ erstellt, auf dem Sie die besonderen Bedürfnisse und Verhaltensweisen Ihres Angehörigen vermerken können. Den Download finden Sie hier.

Demenz: Ihre Rechte

Die Diagnose „Demenz“ bedeutet nicht automatisch, dass der Betroffene nun keine Rechte mehr hat. Es ist vielmehr in jedem Einzelfall zu fragen, welche rechtlichen Angelegenheiten ein Betroffener noch hat. Eine Vorsorgevollmacht kann gerade bei einer Demenz hervorragende Dienste leisten. Mit einer Betreuungsverfügung stellen Sie sicher, dass Sie bzw. Ihr demenzkranker Angehöriger durch eine bestimmte Person vertreten werden kann. Doch abseits der Dokumente zur Pflegevorsorge für das Alter gibt es vor allem ein Problem, das vielen – Betroffenen und Angehörigen – besonders unter den Nägeln brennt: Das Autofahren.

  • Autofahren mit Demenz

Wenn Ihr demenzkranker Angehöriger noch selbst Auto fährt und Sie Angst um ihn und andere Verkehrsteilnehmer haben, dann suchen Sie am besten frühzeitig das Gespräch mit ihm. Sprechen Sie dieses sensible Thema am besten in Ruhe an und legen Sie sich ein paar gute Argumente bereit. Vielleicht ist Ihr Angehöriger ja einsichtig und möchte seinen Führerschein freiwillig abgeben.

Rechtlich gesehen kann die Straßenverkehrsbehörde bei einer Demenz nach Anlage 4a der Fahrerlaubnisverordnung den Führerschein entziehen, wenn die Demenz zu schweren Persönlichkeitsveränderungen geführt hat und weit fortgeschritten ist. Bei Bedarf kann die Behörde dazu ein Gutachten von einem Psychiater oder Neurologen anfordern, um die Fahruntüchtigkeit zu beweisen.

Info

Autofahren mit Demenz?

Experten raten dazu, dass Ärzte einen Demenzkranken darüber aufklären, dass er im Verlauf der Erkrankung fahruntüchtig wird (sog. „Sicherungsaufklärung“). Oft ist diese Beratung durch einen Arzt effektiver als jene, die Sie vielleicht als Angehöriger unternehmen.

„Ich bin noch immer derselbe Mensch“

Es gibt noch keine Heilung, stattdessen erkranken immer mehr Menschen an einer Demenz. Umso wichtiger ist es, dass wir alle so zusammenleben, dass die Erkrankung „Demenz“ nicht den sozialen Zusammenhalt sprengt. Die „European Foundations‘ Initiative on Dementia (EFID) veröffentliche vor einigen Jahren eine Broschüre: „Ich bin noch immer derselbe Mensch – Aufruf zu einer neuen Art der Kommunikation über Demenz“.

Viele Organisationen beraten und helfen Menschen mit Demenz und ihren Angehörigen. Eine Hilfe, die dringend gebraucht wird. Einige erste Anlaufstellen, die Sie interessieren könnten, sind:

 

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Gastbeitrag

Die Diagnose Demenz in unserer Familie – So sind wir damit umgegangen

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Hendrik Dohmeyer
 
Hendrik Dohmeyer

Hendrik Dohmeyer hat sich in den fünf Jahren der Alzheimer-Erkrankung seines Vaters intensiv mit dem Thema Demenz beschäftigt. Diese persönlichen Erfahrungen und sein gesammeltes Wissen möchte er im pflege.de-Magazin teilen.

Wenn ein Familienmitglied an Demenz erkrankt, sind viele Angehörige erst einmal geschockt und machen sich große Sorgen. Nach und nach taucht aber auch Unsicherheit in Bezug auf die Kommunikation über die Krankheit auf. Wie soll man die Diagnose Demenz am besten kommunizieren – sowohl innerhalb der Familie, aber auch im Freundes-, Bekannten- und Kollegenkreis? Wer sollte vielleicht von der Krankheit wissen und wer sollte zwingend davon erfahren, um keine Missverständnisse oder schwerwiegenden Folgen zu riskieren? Hendrik Dohmeyers Vater erkrankte an einer Demenz. Im pflege.de-Magazin teilt er seine Erfahrung, wie er und seine Familie mit der Diagnose umgegangen sind und wie sie die Krankheit seines Vaters an andere kommuniziert haben.

Mein Erfahrungsbericht: So haben wir Freunden und Bekannten von der Demenz meines Vaters erzählt

Klatsch und Tratsch interessierte meine Eltern nie besonders. Entsprechend waren Sie auch nie sonderlich mitteilsam in persönlichen Angelegenheiten. Innerhalb der Familie gab es aber so gut wie keine Geheimnisse und so wurde auch über die Demenzerkrankung meines Vaters ganz offen gesprochen. Diese Offenheit half uns allen dabei, mit der Krankheit umzugehen und die später notwendig werdende Betreuung durch uns als Familie und die Pflege durch den ambulanten Pflegedienst zu organisieren. So konnten wir unsere Mutter z. B. auch dazu motivieren, einmal die Woche eine Selbsthilfegruppe zu besuchen. Das offene Ansprechen der Situation mit meinem Vater machte es auch möglich, dass er die Tagespflege besuchte, um so seiner Frau und uns Kindern bewusst entlastende Freiräume zu schenken. Wir haben zudem gute Erfahrungen mit der Aussprache von Erwartungen im Moment der Kommunikation der Diagnose gesammelt und Freunde und Bekannte z. B. konkret um Unterstützung oder die kurzzeitige Betreuung meines Vaters gebeten. Unsere Verwandten und Freunde meiner Eltern schienen dafür immer dankbar und erleichtert zu sein, wenn man die Brücke zu einem positiven Hilfsthema aufgebaut und sie konkret in die Betreuung eingebunden hat.

Meine Kinder, also die Enkelkinder meiner Eltern, hatten schon immer ein sehr inniges Verhältnis zu ihren Großeltern und kamen selber regelmäßig mit Ideen auf sie zu. Sie haben meine Eltern z. B. zu Tagesausflügen in den Bremer Rhododendronpark abgeholt oder die Omi für ein Wochenende zum „Durchatmen“ an die Ostsee „entführt“ – als kleine Auszeit von der Pflege ihres demenzkranken Ehemannes.

Wie können Sie nun die Diagnose Demenz kommunizieren, falls ein Familienmitglied daran erkrankt ist?

Den einen richtigen Weg, wie man die Diagnose Demenz überbringt, gibt es wohl nicht. Jeder Mensch ist anders und jeder geht mit der Diagnose anders um. Dennoch möchte ich meine positiven Erfahrungen teilen und Ihnen helfen, sich in drei Schritten zu überlegen, wie Sie die Diagnose Demenz innerhalb Ihrer Familie am besten überbringen.

Entscheidungshilfe
In 3 Schritten zur richtigen Kommunikation der Demenz
  1. Helfen Sie als Angehöriger dem Arzt beim Überbringen der Nachricht
  2. Formulieren Sie eine hilfreiche Erwartungshaltung
  3. Übermitteln Sie die Diagnose-Nachricht zusammen mit Ihrer Erwartung an Freunde und Bekannte

1. Helfen Sie als Angehörger dem Arzt beim Überbringen der Nachricht

Vielleicht finden Sie sich in folgender Situation wieder: Sie als Partner, Tochter, Sohn oder Enkelkind begleiten Ihren Angehörigen mit dem Verdacht auf eine Demenz zum Arzt. In letzter Zeit haben Sie und andere Familienmitglieder immer häufiger beobachtet, dass Ihr Angehöriger Dinge vergessen hat, plötzlich orientierungslos war oder Gesprächen nicht mehr so gut folgen konnte wie früher? Liegt der Verdacht auf eine Demenzerkrankung nahe, so ist die Untersuchung beim Arzt der nächste wichtige Schritt.

Expertenmeinung
Hendrik Dohmeyer
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Sprechen Sie den Arzt in einem ungestörten Moment selber darauf an, dass er bei einer „schlechten“ Nachricht zuerst mit Ihnen telefoniert, um die Übermittlung der Diagnose vorzubereiten.

Wenn Sie Ihren Angehörigen zum Arzt begleiten, kann es gut sein, dass der Arzt zuerst mit Ihnen sprechen möchte, bevor er die Diagnose an den Betroffenen ausspricht. Diese Chance sollten Sie wahrnehmen. Denn wenn Ihr Angehöriger möglichst einfühlsam und mit den richtigen Worten von seiner Krankheit erfährt, kann er wahrscheinlich am besten damit umgehen. Sie als Angehöriger kennen ihn und wissen am besten, wie er vermutlich auf die Diagnose reagiert bzw. wie man die Nachricht bestmöglich überbringt, so dass er sie gut aufnimmt.

Ihre persönliche Einschätzung und Ihre Beziehung zum Betroffenen sind für den Arzt in der Gesprächsvorbereitung sehr wertvoll – und dadurch können Sie Ihrem Angehörigen indirekt helfen.

Menschen mit Demenz nehmen in einem sehr frühen Stadium die Diagnose schließlich bewusst wahr und die Diagnose kann auf sie ebenso niederschmetternd wirken wie auf die anderen Familienmitglieder.

3 Tipps, was nach der Diagnose Demenz wichtig ist:
  • Setzen Sie sich als pflegender Angehöriger mit der Krankheit auseinander, um sie zu verstehen und mögliche Verhaltensweisen Ihres Angehörigen mit Demenz besser nachvollziehen zu können. Gerade wenn Sie sich vorstellen können, Ihren Angehörigen mit Demenz selbst zu betreuen, sollten Sie die Symptome und Risiken der Krankheit kennen.
  • Nutzen Sie das Angebot zur Beratung und zum Austausch mit anderen betroffenen Familien. So erhalten Sie bestimmt hilfreiche Tipps zum Umgang und zur Kommunikation mit der Krankheit und können auch Ihre individuellen Fragen loswerden.
  • Gehen Sie offen und unmittelbar mit der Diagnose Demenz um. Schrecken Sie nicht vor den Reaktionen zurück, die sowohl offen und hilfsbereit als auch verunsichert und verschlossen sein können. Manche Familien haben bei kognitiven Themen Angst vor einer Stigmatisierung und gerade Betroffene bitten ihre Familien manchmal darum, die Diagnose erst mal für sich zu behalten. Nehmen Sie die Empfindungen und mögliche Befürchtungen des Betroffenen ernst, versuchen Sie jedoch auch deutlich zu machen, welche Nachteile ein „Verschweigen“ der Krankheit haben kann. Zeigen Sie dann auf, welche Vorteile sich aus einem gezielten und abgestimmten Kommunizieren der Situation ergeben können.
Nachteile, die sich ergeben, wenn die Diagnose Demenz verschwiegen wird:
Motivieren Sie Ihre Familie unbedingt zu einem geplant offenen Umgang!
Hendrik Dohmeyer
  • Ungewöhnlichen Verhaltenssituationen des Betroffenen können in seinem Umfeld zu Irritationen führen.
  • Freunde und Bekannte können manche Verhaltensweisen des Betroffenen falsch interpretieren.
  • Die häufige Wiederholung von Fragen kann bei Freunden und Bekannten Unverständnis hervorrufen.
  • Gesprächspartner können bei Wortfindungsstörungen ungeduldig werden.
  • Familienangehörige und Freunde können über die Verheimlichung der Demenz verärgert sein, wenn sie erst später davon erfahren.
  • Niemand kann helfen, wenn er nichts von der Diagnose Demenz weiß.
  • Ist der Betroffene mit Demenz noch berufstätig, kann es durch ungewöhnliche Verhaltensweisen oder Fehler nachhaltige Probleme und Ärger geben.
Vorteile einer offenen Kommunikation bei der Diagnose Demenz
  • Die Ursachen für kognitive Probleme sind für Familienmitglieder, Freunde und Bekannte klar verständlich.
  • Familienangehörige und Freunde können den Betroffenen und seine Angehörigen unterstützen und entlasten.
  • Sie als Familie haben das kommunikative „Ruder“ in der Hand und beugen möglichen Gerüchten vor.
  • Sie als Familie können von Freunden und Bekannten Hilfe und Unterstützung bekommen.
  • Sie können Unterstützungsangebote nutzen – sowohl in der Betreuung des Betroffenen als auch in der Entlastung für pflegende Angehörige.
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Tauschen Sie sich im Bekanntenkreis aus

Vielleicht sind in Ihrem Bekannten- und Freundeskreis schon früher Demenzfälle bekanntgeworden. Besprechen Sie mit Ihrer Familie, wann und wie sie hiervon erfahren haben. Wurden Sie frühzeitig eingeweiht oder erst sehr spät? Wie haben Sie sich dabei gefühlt?

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Erst wenn Sie innerhalb Ihrer Familie ein gemeinsames Verständnis darüber gefunden haben, wie Sie die Nachricht überbringen möchten, sollten Sie sich Gedanken über mögliche Erwartungen machen (Schritt 2).

2. Formulieren Sie eine hilfreiche Erwartungshaltung

Expertenmeinung
Hendrik Dohmeyer
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Sie können die Enkelkinder des Familienmitglieds mit Demenz z. B. auch anregen, sich selber Gedanken zu machen, wie sie die Großeltern in den kommenden Wochen unterstützen können. Sie werden überrascht sein, welche tollen Ideen auf den Tisch kommen. Und die Motivation wird noch viel größer sein, diese selbst ausgedachte Hilfe auch umzusetzen.

Nach der Entscheidung, wie Sie die Diagnose kommunizieren möchten, sollten Sie gemeinsam mit dem Betroffenen über die Erwartungshaltung sprechen, die Sie an Freunde, Bekannte oder Nachbarn haben. Das könnte zum Beispiel konkret der Wunsch sein, dass auch andere Familienmitglieder und Freunde bei der Betreuung helfen oder andere Aufgaben übernehmen. Überlegen Sie sich daher, warum Sie anderen von der Diagnose erzählen möchten und welche Vorteile das für den Betroffenen mit Demenz haben könnte. Beachten Sie auch hierbei: Jeder Mensch hat unterschiedliche Beweggründe und unterschiedliche Erwartungshaltungen, mit der Krankheit umzugehen. Oft ist man in solchen Situationen sehr bescheiden und möchte nicht aufdringlich oder als Bittsteller erscheinen. Dabei verkennt man, dass sehr viele Menschen froh und dankbar sind, wenn sie in einer Notsituation um Hilfe und Unterstützung gebeten werden. Viele Freunde, Nachbarn oder Bekannte freuen sich, wenn sie helfen können und empfinden es oft als Wertschätzung ihrer eigenen Person. Nicht um Hilfe gefragt zu werden, kann im Gegenteil sogar brüskierend auf diese Mitmenschen wirken.

Formulieren Sie innerhalb der Familien gemeinsam die erwartete und gewollte Reaktion möglichst individuell und konkret für jede Person oder zumindest nach Gruppen wie Geschwister, Kinder und Enkelkinder, Nachbarn, enge Freunde, Bekannte.

3. Übermitteln Sie die Diagnose-Nachricht zusammen mit Ihrer Erwartung

Wenn man nicht zeitnah alle persönlich treffen kann, sollte man lieber zum Telefon greifen als Gefahr zu laufen, dass die Nachricht sich von selbst und unkontrolliert verbreitet.
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Nachdem Sie sich innerhalb der Familie einig darüber sind, mit wem Sie über die Demenz sprechen möchten und was Sie von denjenigen erwarten, geht es in die Tat über. Wer in der Familie spricht zu welchem Zeitpunkt mit wem? Denken Sie auch darüber nach, ob Sie mit jedem persönlich sprechen möchten oder andernfalls telefonieren oder einen Brief schreiben.

Wer spricht mit wem über die Diagnose Demenz?

  • Der Betroffene

Überlassen Sie dem Betroffenen die Entscheidung, ob er selbst über seine Erkrankung sprechen möchte. Ein solch couragiertes Vorgehen wird von Freunden, Bekannten und Kollegen sicherlich mit dem größten Respekt und Hochachtung gewürdigt. Es schafft auch den Rahmen, um nicht direkt für sich selber um Unterstützung zu fragen, sondern diese Erwartungshaltung aus der Perspektive der Familie zu formulieren.

Eine mögliche Kommunikationshilfe könnte z. B. sein: „Ich werde in nächster Zeit aufgrund der Krankheit vermehrt Hilfe von meiner Frau/meinem Mann in Anspruch nehmen müssen. Das wird nicht leicht für sie/ihn. Es wäre daher toll, wenn Du Dich ein wenig um sie/ihn kümmern könntest und ihr/ihm bei ihren/seinen Aufgaben Entlastungen schaffen könntest.“

  • Der Partner

Wenn der Betroffene nicht (alleine) über seine Krankheit sprechen möchte, kann das auch der Partner allein oder zusammen mit dem Betroffenen übernehmen. Auch hier kann es Betroffenen leichter fallen, wenn Sie sich zuvor überlegt haben, was Sie von Freunden und Familienmitgliedern erwarten.

Eine mögliche Kommunikationshilfe könnte z. B. sein: „Ich möchte mich zukünftig mehr um die finanziellen Dinge bei uns im Haushalt kümmern und meinen Mann/Frau damit ein wenig entlasten. Kannst Du mir dabei helfen, wie ich das mit der Bank, der Rente und der Krankenkasse organisieren kann?“

  • Die Kinder, Freunde oder Bekannte

Eine ähnliche Gesprächsposition können auch Kinder, Freunde, Verwandte oder Bekannte einnehmen. Erzählen Sie von der Krankheit, erwähnen Sie beiläufig, wie Sie selbst Unterstützung leisten und fragen Sie dann sinngemäß: „Wenn auch Du den beiden in der nächsten Zeit bei der Bewältigung der schwierigen Situation gerne helfen möchtest, wäre es ideal, wenn Du zum Beispiel…“

Beim Gesprächsinhalt und Umfang ist es schwierig, eine allgemein gültige Empfehlung auszusprechen. Jede Familie hat andere Bedürfnisse. Vielleicht lässt sich aber als Tipp „So wenig wie möglich, so viel wie nötig“ mitgeben.

Mögliche Antworten auf häufige Fragen aus dem Familien- und Bekanntenkreis:

  • „Warum hat sich x in letzter Zeit nur so komisch verhalten?“

Um die möglicherweise angespannte Situation etwas zu entkrampfen, können Sie ruhig die eine oder andere vielleicht eher lustige Begebenheit der letzten Wochen erzählen. Vermutlich haben auch andere den einen oder anderen kleinen Aussetzer schon bemerkt und können diesen nun verständnisvoll einordnen.

  • „Wie geht es jetzt mit x weiter?“

Da der Verlauf der meisten Demenzformen nicht exakt vorhersehbar ist, sollten Sie lediglich einen groben Ausblick auf die Zukunft geben. Man kann auf regelmäßige Kontrollen und Tests verweisen, die die Entwicklung dann aufzeigen werden.

Tipp
Betroffene nicht schonen

Machen Sie deutlich, dass eine Schonhaltung von allen Beteiligten vermieden werden sollte. Das erkrankte Familienmitglied ist in der frühen Phase noch relativ normal belastbar und sollte auch so viel und intensiv wie möglich sein ganz normales Leben weiterleben.

Weisen Sie aber auch gleichzeitig darauf hin, dass sich wie bei jeder Krankheit einige Dinge ändern und neue Aufgaben und Belastungen auf die Familie zukommen werden. Äußern Sie ruhig auch die Bitte, dass Sie sich über eine engagierte Begleitung der Krankheit sehr freuen würden. Wenn es Ihnen an dieser Stelle sinnvoll erscheint, können Sie auch ruhig noch einmal über Ihre zuvor formulierte Erwartungshaltung sprechen. Sie werden spüren, wie dankbar die meisten Menschen sind. Sie geben Ihnen in einer ansonsten eher hilflosen Situation etwas, womit sie sich positiv beschäftigen und einbringen können.

Ich wünsche Ihnen gute Gespräche! Hendrik Dohmeyer

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Gastbeitrag

„Ich habe Angst vor einer Demenz“ – Meine Motivation für die Demenz-Prävention

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Hendrik Dohmeyer
 
Hendrik Dohmeyer

Hendrik Dohmeyers Vater ist an Alzheimer erkrankt und gestorben. Als Angehöriger hat er sich intensiv mit dem Thema Demenz beschäftigt und auch damit, wie er sein eigenes Demenz-Risiko senken kann. Henrik Dohmeyer teilt im pflege.de-Magazin seine ganz persönlichen Erfahrungen im Umgang mit der Krankheit Demenz.

Hendrik Dohmeyer hat sich mehrere Jahre um seinen Vater gekümmert, der an einer Demenz vom Typ Alzheimer erkrankt war. Dabei hat sich auch bei ihm selbst eine Sorge bzw. Angst entwickelt, dass er selbst einmal an Demenz erkranken könnte. Sein Erfahrungsbericht auf pflege.de.

„Bei Ihnen ist alles in Ordnung, Sie müssen sich keine Gedanken machen. Sehen Sie, in keinem Hirnareal befinden sich Auffälligkeiten, die …“

Ich sitze neben der Ärztin, die mir gerade am übergroßen Monitor in 3D und Farbe das zeigt, was man eigentlich nicht zu sehen bekommt: Sein eigenes Gehirn. Seit Menschheitsgedenken ist das ein spannendes Forschungsfeld.

Sie zeigt mir meinen Hippocampus, meine Schaltzentrale und mein Kontrollzentrum. Die Alzheimer-Demenz soll sich von hier aus beginnend oft ausbreiten. Auch der obere Teil des Präfrontalen-Kortex (Anm. d. R.: ein Teil der Großhirnrinde) sähe klasse aus, sagt meine nette Ärztin. Hier würde ich meine kognitiven Dinge regeln, also bewusste Erinnerung und logisches Denken steuern. Wir werfen noch einen Blick in das untere limbische System, wo meine Emotionen, Gefühle, Werte und Motivation zu Hause sind.

„Alles prima!“. „Danke, Frau Doktor!“

Demenz Prävention

Zu Hause vergleiche ich die großen und kleinen Fotos der Schichtaufnahmen meines Gehirns mit den Aufnahmen des Gehirns von meinem Vater, die uns vor ein paar Wochen seine Demenz vom Typ Alzheimer bestätigt haben. Die großen dunklen Flächen, die den fortschreitenden Abbau seiner Hirnmasse dokumentierten, machten mir meine unterschwellige Angst wieder einmal deutlich bewusst. Wie hoch ist das Risiko, selber einmal an einer kognitiven Störung erkranken zu können? Ist eine Demenz vererbbar? Die hieraus resultierenden Gedanken motivierten mich, selber einmal meinen Kopf in die Röhre zu stecken. Nun war ich erst einmal beruhigter.

Mein Vater erkrankte 2008 an Alzheimer – jedenfalls wurden hier die ersten Symptome deutlich. Ende 2014 endete seine Reise auf der abschüssigen Einbahnstraße ohne Abbiegemöglichkeit. Das Miterleben aller drei Stufen von Alzheimer als pflegender Angehöriger moduliert die Gedanken über die eigene Lebensperspektive in einer besonderen Art und Weise, die sich Außenstehende kaum vorstellen können.

Demenzangst weit verbreitet: Fast 50 Prozent der Deutschen haben Angst vor einer Demenz

Die Angst in Deutschland vor einer Demenz ist weit verbreitet. Laut einer Forsa-Umfrage im Auftrag der Deutschen Roten Kreuzes (DRK) benennt fast die Hälfte der Deutschen die Krankheit Demenz als zweitstärkstes Sorgenfeld. Nur Krebs liegt mit knapp 69 Prozent noch darüber.

Mit zunehmendem Alter steigt auch der Angstfaktor. 57 Prozent der über 60-jährigen Befragten sorgen sich vor der Krankheit Demenz. Bei den pflegenden Angehörigen ist aufgrund ihrer besonderen, auf Erfahrung basierenden „Sensibilisierung“, der Wert noch deutlich höher. So gaben in einer amerikanischen Studie 92 Prozent der erwachsenen Kinder von Eltern mit Demenz an, sich vor einer eigenen Erkrankung zu fürchten.

Vermutlich sind die möglichen Konsequenzen einer Demenz wie Einsamkeit, Beziehungsunfähigkeit, Rollentausch, Hilflosigkeit, Fremdbestimmtheit/Abhängigkeit und Veränderung des Selbst die wesentlichen Facetten, die Angehörige an ihren demenzkranken Familienmitgliedern sehen und zur Sorge vor einer Erkrankung führen.

Zudem dürfte die starke mediale Präsenz der Demenz- und insbesondere Alzheimer-Thematik zwangsläufig auch dazu führen, dass sich mehr und mehr Menschen Gedanken dazu machen und bei individuell vorliegender Veranlagung auch Ängste und Sorgen entwickeln.

Prävention von Demenz

Gibt es wirkungsvolle Maßnahmen zur Prävention einer Demenz? Wie können wir unsere Gehirnzellen ausreichend beanspruchen und durch neue Impulse regelmäßig aktivieren und stimulieren? Im Beitrag „Meine 7 Tipps zur Prävention einer Demenz“ habe ich meine persönlichen  Empfehlungen zur Prävention einer Demenz geteilt.

Ich wünsche Ihnen alles Gute!
Hendrik Dohmeyer

Erstelldatum: .81.108102|Zuletzt geändert: .82.509102
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Gastbeitrag

Meine 7 Tipps zur Prävention einer Demenz

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Hendrik Dohmeyer
 
Hendrik Dohmeyer

Hendrik Dohmeyer hat sich in den fünf Jahren der Alzheimer-Erkrankung seines Vaters intensiv mit dem Thema Demenz beschäftigt und auch damit, wie er sich selbst davor schützen kann. Seine persönlichen Erfahrungen und Tipps möchte er im pflege.de-Magazin teilen.

Viele Menschen haben Sorge und Angst vor einer Demenz – so das Ergebnis einiger Umfragen. Vor allem wenn man im nahen Familien- oder Freundeskreis miterlebt, wie Menschen von einem demenziellen Syndrom betroffen sind, schürt das bei vielen die Sorge, selbst einmal dement zu werden. Daher die Frage: Kann man sich vor einer Demenz schützen und können präventive Strategien helfen? Hendrik Dohmeyer, dessen Vater an einer Demenz litt, teilt auf pflege.de seine sieben persönlichen Tipps zur Prävention einer Demenz. Vorab eine kleine Einführung, welche Formen einer Demenz überhaupt präventiv verhindert werden können.

Grundlage: Bei welchen Demenzformen ist eine Prävention möglich?

Eines vorweg: Nicht jede Form der Demenz kann durch präventive Maßnahmen vermieden werden. Schließlich hat jede Art der Demenz unterschiedliche Ursachen und demzufolge sind es andere präventive Maßnahmen, die je nach Demenzform helfen können. Ein kleiner Überblick über die Ursachen der Demenzformen und mögliche Präventionsmaßnahmen:

  • Prävention einer neurodegenerativen Demenz

Da die Ursachen neurodegenerativer Demenzen wie Alzheimer, frontotemporale Demenz oder Lewy-Body-Demenz nicht eindeutig definiert sind und sich jede Demenz individuell und einmalig gestaltet, ist auch eine Prävention entsprechend schwierig. Daher kann nicht pauschal angenommen werden, dass man eine neurodegenerative Demenz vermeiden kann.

  • Prävention einer vaskulären Demenz

Die häufigsten Ursachen für eine vaskuläre Demenz sind Hirnblutung, Arterienverkalkung und ein Schlaganfall. Diese Ursachen können durch folgende präventive Maßnahmen vermieden werden:

  • Verzicht auf Nikotin
  • Kein oder mäßiger Alkoholkonsum
  • Ausreichende Bewegung
  • Gesunde Ernährung
  • Vermeidung von Übergewicht
  • Kontrolle und Einhaltung empfohlener Werte für Blutzucker, Blutfett und Blutdruck

Prävention einer sekundären Demenz

Um sekundäre Demenzen wie eine infektiöse oder toxische Demenz zu vermeiden, können ähnliche Präventionsmaßnahmen wie einer vaskulären Demenz helfen. Das heißt: Verzicht auf Nikotin und Alkohol, gesunde Ernährung und viel Bewegung sowie Vermeidung von Übergewicht.

Meine 7 Tipps zur Prävention einer Demenz

Seit der Demenz meines Vaters lebe ich viel bewusster und versuche, einer Demenz frühzeitig entgegenzuwirken.
Hendrik Dohmeyer

Mein Vater erhielt im Jahr 2008 die Diagnose einer Demenz vom Typ Alzheimer. Damit änderte sich das Leben unserer Familie (lesen Sie in diesem Beitrag, wie wir damit umgegangen sind) und ich selbst habe angefangen, mich intensiv mit der Krankheit zu beschäftigen. Dabei habe ich selbst auch zwangsläufig Angst bekommen, dass auch ich später einmal an einer Demenz erkranken könnte, und habe mich selbst untersuchen und mein Gehirn im MRT screenen lassen. Das positive Ergebnis: keine Anzeichen für eine Demenz. Dennoch lebe ich seitdem viel bewusster und versuche durch einige Maßnahmen, einer Demenz frühzeitig entgegenzuwirken. Für mich selbst habe ich im Laufe der Jahre sieben Lebensbereiche gefunden, die ich auch Ihnen als Anregung mit auf Ihrem Weg zur Demenz-Prävention geben möchte. Ich habe viele dieser Aspekte selbst ausprobiert und verfolge sie kontinuierlich und regelmäßig. Nicht alle und nicht immer zu 100 Prozent konsequent – aber tendenziell schon. Vielleicht ist ja auch für Sie etwas Passendes dabei.

  1. Gutes Essen und Trinken – gesunde Energie zuführen
  2. Bewegung, Sport, Krafttraining
  3. Sozialer Austausch
  4. Persönliches Engagement
  5. Umgang mit Stress
  6. Gutes Hören
  7. Permanente Weiterbildung und geistige Aktivität

 

1. Gesundes Essen und Trinken – gesunde Energie zuführen

Unser Gehirn ist eine wahre Verbrennungsmaschine. Von den täglich durchschnittlich verbrauchten 200g Glukose (Zucker) beansprucht das Gehirn gute 75 Prozent für sich, um seinen enormen Energiebedarf zu decken.

In den letzten Jahrzehnten wurde das Thema Ernährung immer präsenter – jedoch primär aus körperlicher und weniger aus kognitiv-geistiger Perspektive. Zur Verbesserung der Herz-Kreislauf-Funktionen oder einer allgemein verbesserten körperlichen Fitness hat ein Teil der Bevölkerung mehr oder weniger konsequent seine Ernährung umgestellt. Genauso wichtig ist eine gesunde Ernährung auch für einen gesunden Geist.

Wer sich intensiver mit seinen eigenen Ernährungsgewohnheiten beschäftigen möchte, dem kann ich das Buch „Alzheimer ist heilbar – rechtzeitig zurück in ein gesundes Leben“ von Dr. Michael Nehls empfehlen. Auch wenn man seiner provokanten Aussage im Titel nicht unbedingt zwingend folgen muss, sind seine Ausführungen zu den ernährungsbedingten Bausteinen, Nährstoffen und Schutzstoffen für den Geist sehr lesenswert.

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10 Tipps für eine demenz-präventive Ernährung
  • Kochen Sie selbst und essen Sie zusammen mit Freunden und/oder Ihrer Familie.
  • Eine mediterran orientierte Ernährung versorgt das Gehirn mit wichtigen Nährstoffen und stärkt seine Abwehrbereitschaft.
  • Essen Sie viele gesunde Vitamine in Form von frischem Obst, Gemüse und Nüssen.
  • Reduzieren Sie den Anteil von rotem Fleisch in Ihrem Ernährungsplan.
  • Essen Sie viel fetten Fisch mit hohen Anteilen an Omega-3-Fettsäuren.
  • Vermeiden Sie die Aufnahme von Transfettsäuren weitestgehend (z. B. in Chips, Pommes und vielen Fertiggerichten).
  • Tauschen Sie Butter und Margarine gegen natives Kokosöl und Sonnenblumenöl, Maiskeim- oder Distelöl gegen Oliven-, Raps- oder Leinöl.
  • Verzichten Sie auf stark zuckerhaltige Getränke.
  • Nehmen Sie ausreichend Flüssigkeit zu sich (Wasser, Wasser, Wasser und auch Kaffee und Tee).
  • Rotwein in dosierter Form und nicht unbedingt tagtäglich soll Gehirnzellen auch schützen. Daher können Sie sich ab und zu ein Glas Rotwein gönnen.
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Info
Weiterführende Tipps

Eine sehr informative und nützliche Auflistung mit präventiven Lebensmitteln von der Diplom-Oecotrophologin Frau Dr. Brigitte Bauer-Söllner finden Sie im Servicebereich der Alzheimer Gesellschaft Baden-Württemberg. Hier der Link zum Download des Artikels: Bewusste Ernährung – ein Teil der Demenzprävention.

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2. Bewegung, Sport, Krafttraining

Neben einer gesunden Ernährung soll auch jede Form der Bewegung, des Sports und der Muskelkräftigung eine elementare Säule Ihres Präventions-Konzeptes sein. Seit 15 Jahren trainiere ich moderates Krafttraining insbesondere zur Stärkung der Muskulatur im Lendenwirbelsäulenbereich. Hierzu besuche ich zweimal wöchentlich Kieser-Training. Das Durchschnittsalter der Kieser-Kunden schätze ich auf 60 bis 65 Jahre, ich bin hier eher der Jungspund. Man kennt und grüßt sich mit Kopfnicken, viel „geschnackt“ wird während des Trainings nicht. Das Krafttraining ist für viele ein wichtiger Teil ihrer individuellen Präventions-Strategie.

Die Stärkung der Muskulatur gibt ihnen ein gutes und sicheres Gefühl und die körperliche Fitness hilft bei vielfältigen Aktivitäten – ob bei Spaziergängen und Wanderungen, beim Nordic Walking oder bei kulturellen Erlebnisausflügen. Durch Krafttraining wird der Wachstumsfaktor BDNF (Brain-derived neurotrophic factor) verstärkt produziert. BDNF ist ein körpereigenes Protein, das das Überleben von vorhandenen Nervenzellen im Gehirn schützt und die Bildung von neuen Nervenzellen fördert.

Info
Wissenschaftlich belegt: Spazieren gehen beugt vor

Der Neurologe Kirk Erickson von der University of Pittsburgh hat 299 Personen, ohne Demenz-Symptome zum Studienbeginn, über 13 Jahre lang begleitet. Die damals durchschnittlich 78 Jahre alten Teilnehmer mussten regelmäßig ihre zu Fuß getätigten Strecken dokumentieren. Nach 9 Jahren hatten 40 Prozent von ihnen kognitive Probleme. Die Auswertungen zeigten, dass die Gruppe der intensiveren Spaziergänger (10 bis 16 Kilometer pro Woche) deutlich weniger von demenziellen Symptomen betroffen waren. Das Risiko des Abbaus von Nervenzellen reduzierte sich um die Hälfte.

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3. Sozialer Austausch

Haben Sie schon einmal eine hitzige Debatte am Stammtisch, im Fußballstadion oder im Supermarkt miterlebt? Einfach herrlich. Da laufen die Synapsen auf Hochtouren und die Botenstoffe kommen beim Transport der sprudelnden Informationen richtig ins Schwitzen. Das Gehirn hat richtig Spaß daran, einmal wieder extrem gefordert zu sein. Gleichzeitig müssen viele kognitive Bereiche aktiviert und koordiniert werden: Hör- und Sprachvermögen, Konzentration, Gedächtnis, Emotionen und Gestik. Und das alles parallel und in Bruchteilen von Sekunden.

Alle Aktivitäten, die Sie in Gemeinschaft mit anderen erleben, sind pure Demenz-Prävention.
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Gemeinsames Freuen und Lachen wirken ebenfalls als Balsam für die Nervenzellen. Alle Aktivitäten, die Sie in Gemeinschaft mit anderen erleben, sind pure Demenz-Prävention. Falls Sie zurzeit keinen sehr aktiven sozialen Austausch pflegen, sollten Sie einmal folgende Möglichkeiten überdenken.

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5 Tipps für soziale Demenz-Prävention
  • Welche alten Freunde können Sie nach langer Zeit mal wieder anrufen?
  • Mit wem haben Sie früher gern Spiele gespielt? Fragen Sie einfach einmal nach, ob Interesse an einer Runde Skat, Bridge oder einer Partie Schach besteht.
  • Welchen Interessen wollten Sie schon seit Längerem einmal nachgehen? Erkundigen Sie sich, ob es Kurse z. B. von der Volkshochschule oder Interessengruppen gibt.
  • Wann waren Sie das letzte Mal im Kino, im Konzert oder im Theater? Rufen Sie Freunde oder Bekannte an und planen Sie kurzfristig einen gemeinsamen Besuch.
  • Wenn Sie zum Kreis der pflegenden Angehörigen gehören, erkundigen Sie sich über regionale Angebote von Selbsthilfegruppen, die mit ähnlichen Herausforderungen zu kämpfen haben, und besuchen Sie deren Treffen.
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4. Persönliches Engagement

Gibt es ein Thema, das Sie besonders bewegt? Haben Sie Lust und etwas Zeit, anderen Menschen zu helfen? Gerade beim Eintritt in den beruflichen Ruhestand fällt bei vielen Menschen die positive Bestätigung des eigenen Wirkens weg und hinterlässt ein „Loch“. Natürlich ist man froh und glücklich, es endlich geschafft zu haben. Unterschätzen Sie aber nicht den inneren Wert, den Sie durch Ihre berufliche Bedeutung emotional erlebt haben. Diesen Verlust gilt es zu kompensieren.

Ohne einen Ausgleich durch das familiäre Umfeld (ja, die lieben Enkelkinder warten auf Oma und Opa) kann der Wechsel, oft lange nicht bewusst wahrgenommen, zu einer Form der Bedeutungslosigkeit führen, die Depressionen und weitere kognitive Problemen mit sich bringt.

In Ihrer Stadt oder Ihrem Dorf finden Sie bestimmt verschiedene Anlaufstellen, die ehrenamtliche Tätigkeiten in Bereichen anbieten, die Ihnen vielleicht liegen – das Spektrum ist sehr groß:

  • in der Kinder- und Jugendarbeit
  • in Sportvereinen
  • beim Umwelt- und Naturschutz
  • in kirchlichen Organisationen
  • bei der Unterstützung von Alleinerziehenden
  • bei der Beschäftigung mit Behinderten
  • bei der Betreuung älterer Menschen

Neben dem guten Gefühl für sich selbst und der wachsenden Bedeutung in der Gemeinschaft führt der in einem Ehrenamt erlebte intensive soziale Kontakt und kommunikative Austausch zu positiven Effekten.

5. Umgang mit Stress

Positiver Stress kann Gehirnzellen im ebenso positiven Sinne aktivieren, negativer Stress kann auf Dauer das Gegenteil bewirken und eine mögliche Demenz begünstigen. Chronischer Stress kann auch zu Depressionen, Burnout-Syndromen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen führen. Die Ursachen für negativen Stress und der Intensität des Empfindens können dabei sehr vielseitig sein. Pauschale Empfehlungen zur Prävention sind daher nur bedingt möglich.

Sportliche Aktivitäten sind jedoch hervorragende Ventile für Stress. Wenn Sie sich mit dem Thema Yoga anfreunden können, empfehle ich Ihnen sehr, einmal einen Schnupperkurs bei einem Anbieter in Ihrer Nähe auszuprobieren. Wenn Ihnen eine unangenehme, stressige Situation bewusst wird, halten Sie einem Moment inne und dann:

Tief einatmen, tief ausatmen und lächeln.

Das kann Wunder wirken.

6. Gutes Hören

Mit dem Alter verschleißt auch unser Gehör und Gehirn – daher ist Altersschwerhörigkeit keine Seltenheit. Doch sehr viele Menschen (laut Schätzungen rund 12 Millionen Menschen) nutzen keine Hörhilfe und haben daher ein stark erhöhtes Demenz-Risiko.

Der Grund: Durch die Hörminderung tritt eine direkte Reduzierung der Reize im Gehirn ein. Dies führt zum Abbau von Nervenzellen. Oft werden durch eine Schwerhörigkeit auch soziale Kontakte zunehmend vermieden – das Gehirn kann gar nicht mehr auf Hochtouren kommen. Im Beitrag Hörhilfen erfahren Sie mehr zur Altersschwerhörigkeit und möglichen Therapien.

Sollten Sie bei sich (oder Ihren Mitmenschen) eine Hörschwäche beobachten, ist es eine wichtige präventive Maßnahme, frühzeitig einen Hörtest bei einem Akustiker in Ihrer Nähe zu machen!

7. Permamente Weiterbildung und geistige Aktivität

Mit jeder neuen Information, die Sie lernen, weiten sich die Verknüpfungen in Ihrem neuronalen Netzwerk aus.
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Letztendlich ist die direkte Stimulation der Gehirnzellen sehr wichtig für die Demenz-Prävention. Mit jeder neuen Information, die Sie lernen, weiten sich die Verknüpfungen in Ihrem neuronalen Netzwerk aus und die kognitive Reserve wächst. Viele Experten schwören darauf, im Alter noch eine Fremdsprache zu lernen, da es vielfältige Gehirnareale effektiv aktiviert. Neben dem Erlernen einer neuen Sprache gilt auch das Erlernen und Praktizieren von Musikinstrumenten als wirkvolle Demenz-Prävention.

Ich persönlich habe mich z. B. vor einigen Jahren dazu entschieden, das Erstellen von Webseiten und Blogs im Internet für private Zwecke zu erlernen. So erfahre ich täglich neue spannende technische und gestalterische Entwicklungen und kann meine Kreativität selbstbestimmt ausleben.

Vielleicht ist ja eines der folgenden Lernthemen auch für Sie eine mögliche Anregung:

  • Grundlagen einer neuen Sprache in Kombination mit Urlaubsplanung erlernen
  • Gestaltungstechniken wie Malen, Zeichnen, Töpfern etc. erlernen
  • Angebote zum Erlernen von Musikinstrumenten nutzen
  • Berufliche Fortbildungsmaßnahmen wahrnehmen
  • Komplexere Sportarten entdecken, Segel- oder Tauchschein absolvieren
  • PC-Programme für Textverarbeitung oder Grafikgestaltung erlernen
  • Sich mit einem kulturellen Thema intensiver beschäftigen (Modernes Tanztheater, Renaissance
    Malerei, Französische Filmkunst)
  • Gesellschaftspolitisches Engagement in Parteien, Vereinen oder Verbänden wahrnehmen

Probieren Sie neue Hobbys und Beschäftigungen einfach mal aus! Damit bauen Sie Ihre kognitive Reserve aus und leisten einen wichtigen Beitrag zu Ihrer persönlichen Demenz-Prävention.

Mein persönliches Fazit

Sie sehen: Es sind viele Ansatzpunkte für eine Umstellung von etablierten Verhaltensweisen vorhanden, mit denen das Demenz-Risiko vermutlich reduziert werden kann. Forscher und andere Demenz-Eexperten gehen davon aus, dass auch bei Menschen mit einer Alzheimer-Erkrankung im Anfangsstadium noch Verzögerungen durch präventive Maßnahmen erzielt werden können. Jeder Tag ist hier ein Gewinn und rechtfertigt die Mühen.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg und viel Spaß und Freude bei Ihren Aktivitäten zur Vermeidung und/oder Verlangsamung einer kognitiven Beeinträchtigung!
Hendrik Dohmeyer

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