Digitale Apps für die Pflege & Gesundheit

Digitale Pflege-Gesundheits-Apps

Immer mehr digitale Helfer, wie bspw. Apps, werden entwickelt. Sie sollen dabei helfen, die Pflege und den Gesundheitsverlauf zu verbessern. Begriffe wie DiPAs und DiGAs kursieren in den Medien – ohne dass dabei klar wird, was genau sich dahinter verbirgt. Voraussichtlich werden sie in naher Zukunft als wichtiger Begleiter für Pflegebedürftige und pflegende Angehörige kaum noch wegzudenken sein. pflege.de erklärt Ihnen den Nutzen von digitalen Pflege- und Gesundheitsanwendungen und wann Ihre Kasse für die Kosten aufkommt.

Inhaltsverzeichnis

Was ist eine DiPA?

Unter einer DiPA versteht man eine digitale Pflegeanwendung, die helfen soll, den Pflegealltag besser zu bewältigen. Einige davon bieten Pflegebedürftigen Übungen an, um ihren Gesundheitszustand zu stabilisieren oder zu verbessern. Sie können entweder als App auf mobilen Endgeräten (z. B. Smartphone, Tablet) oder als browserbasierte Webanwendung am Computer oder Laptop genutzt werden. Seit 01.01.2022 wurde dazu die gesetzliche Grundlage geschaffen. Es gibt dazu schon einige interessante Entwicklungen, die für Pflegebedürftige und für die pflegenden Angehörigen eine echte Unterstützung darstellen können.

rehappy
Ihre Unterstützung für Zuhause

Rehappy ist eine vom BfArM zertifizierte „App auf Rezept“ für die Nachsorge von Schlaganfall und wird von den Krankenkassen erstattet

  • Erleichtert Ihren veränderten Alltag
  • Individuell auf Sie abgestimmt
  • Aktiviert Sie durch hilfreiches Wissen

Wo könnten DiPAs im Pflegealltag künftig genutzt werden?

Eine Situation, in der eine DiPA nützlich sein kann, ist die Vernetzung von Pflegenden untereinander: Gerade die mangelnde Kommunikation bereitet den Pflegenden oft Schwierigkeiten. Wurde die Medikamentengabe richtig eingehalten, wer kümmert sich um welche Angelegenheit und liegen dem Hausarzt die aktuellen Blutzuckerwerte bereits vor? Fragen, die Ihnen vielleicht schon aus Ihrem eigenen Pflegealltag bekannt sind. Mit einer App tauschen sich pflegende Angehörige, Hausarzt und falls beteiligt, auch der Pflegedienst aus. So können DiPAs einen reibungslosen Pflegealltag unterstützen.

DiPAs könnten aber auch Sensoren sein, die z. B. bei einer Inkontinenz  zum Einsatz kommen: Ein Sensor benachrichtigt den pflegenden Angehörigen über die App, wann das Inkontinenzmaterial gewechselt werden muss. Damit wird nicht nur der Pflegende in seinen Abläufen unterstützt, sondern auch der Pflegebedürftige selbst gewinnt dadurch wieder mehr an Lebensqualität.

Aber auch Anwendungen für Trainingseinheiten mit bedarfsgerechten Übungen, die den Gesundheitszustand des Pflegebedürftigen verbessern, gehören zu den Möglichkeiten von DiPAs. Mit den ersten zugelassenen DiPAs kann frühestens im Sommer gerechnet werden.

DiPA auf Rezept?

DiPAs gibt es nicht auf Rezept. Um eine digitale Pflegeanwendung von der Pflegekasse erstattet zu bekommen, muss sie in das digitale Pflegehilfsmittelverzeichnis aufgenommen worden sein. Nur die dort aufgelisteten DiPAs werden erstattet. Wer eine DiPA nutzen will, muss einen Antrag bei der Pflegekasse stellen, damit die Kosten übernommen werden. Die Pflegekasse übernimmt dabei bis zu 50 Euro im Monat für eine digitale Pflegeanwendung.

Info
Digitale Pflegeanwendungen mit rechtlicher Grundlage

DiPAs sind seit dem 01.01.2022 erstattungfähig. In einem digitalen Pflegehilfsmittelverzeichnis werden die erstattungsfähigen DiPAs aufgelistet. Dazu wurde das SGB XII mit § 63 und § 64j und § 64k Absatz 3 entsprechend erweitert. Mit den ersten DiPAs ist jedoch erst ab Sommer 2022 zu rechnen.

Was ist eine DiGA?

Unter einer DiGA versteht man eine digitale Gesundheitsanwendung. Als App auf einem mobilen Endgerät oder als browserbasierte Anwendung unterstützt eine DiGA Sie dabei, Ihre Erkrankung besser kennenzulernen und die Symptome zu überwachen bzw. gezielt zu lindern. Beispielsweise erinnert Sie die App daran, Ihre täglichen Medikamente einzunehmen. Oder Sie können Ihre Gesundheitsdaten abspeichern, wie z. B. Ihre Blutzuckerwerte, um sie dann gemeinsam mit Ihrem Arzt zu besprechen.

DiGA auf Rezept?

Die Kostenerstattung für eine digitale Gesundheitsanwendung ist bereits jetzt schon möglich. Grundlage hierfür ist das Digitale-Versorgungs-Gesetz (DVG), das am 19. Dezember 2019 in Kraft getreten ist. Nach diesem können DiGAs als ein sog. Medizinprodukt zertifiziert werden, das der behandelnde Hausarzt im Bedarfsfall verschreiben kann. Um eine DiGA auf Rezept zu erhalten, muss sie im Verzeichnis der digitalen Gesundheitsanwendungen gelistet sein (s. Quelle 1).

Das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) prüft genau, welche DiGAs im Verzeichnis aufgenommen werden. Im DiGA-Verzeichnis befinden sich aktuell nur wenige zugelassene Apps. 21 Anwendungen sind in der Prüfung und weitere 75 Anwendungen werden demnächst in das Prüfverfahren aufgenommen (Stand: 11/2020, s. Quelle 2).

Gibt es eine App, die Sie bei Ihrer Erkrankung unterstützt und in diesem Verzeichnis gelistet ist, kann Ihr Arzt oder Ihr Therapeut sie Ihnen verschreiben. Dazu erhalten Sie ein Rezept, das Sie bei Ihrer Krankenkasse einreichen können. Wenn Sie Ihrer Krankenkasse den Nachweis über eine entsprechende heilende Wirkung (Indikation) vorlegen, erhalten Sie die gewünschte DiGA sogar i. d. R. auch ohne ärztliche Verordnung. Ihre Kasse teilt Ihnen dann einen Code mit, über den Sie kostenfreien Zugang zum jeweiligen Programm bekommen.

Info
Digitale Gesundheits-App finden: So geht’s

Welche DiGA Sie bei Ihrer Erkrankung unterstützen kann, besprechen Sie am besten mit Ihrem Arzt oder Ihrem Therapeuten. Allerdings sind bisher nur wenige Gesundheits-Apps zugelassen, die von den Krankenkassen übernommen werden.

Wer selbst auf die Suche nach einer geeigneten App gehen möchte, kann direkt das DiGA-Verzeichnis auf der Internetseite des Bundesinstituts für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) durchsehen. Dort gibt es zu jeder Gesundheitsanwendung detaillierte Informationen zur Erkrankung und dem Nutzen der jeweiligen DiGA.

Unterschied von DiPA und DiGA in der Übersicht

Digitale Pflegeanwendung

(DiPA)

Digitale Gesundheitsanwendung 

(DiGA)

Fokus: verbesserte Versorgung von Pflegebedürftigen Fokus: selbstständige Gesundheitsüberwachung
seit 01.01.2022 erstattungsfähig
erste DiPAs vermutlich ab Sommer 2022
teilweise schon jetzt erstattungsfähig
werden in einem digitalen Pflegehilfsmittelkatalog gelistet sind im Verzeichnis digitaler Gesundheitsanwendungen gelistet
erstattungsfähig bei den Pflegekassen bei vorhandenem Pflegegrad (Antrag ist erforderlich) erstattungsfähig bei den Krankenkassen bei Vorlage eines Rezeptes oder eines Nachweises über eine entsprechende heilende Wirkung, unabhängig vom Pflegegrad (Antrag ist erforderlich)

Nutzen von digitalen Anwendungen für Pflege & Gesundheit

Unabhängig davon, ob es um eine App für die Pflege oder für die Gesundheit geht – die App soll den Nutzer bei der Pflege unterstützen oder einen gesundheitlichen Mehrwert bieten.

Nutzen einer DiPA

Eine offizielle Definition für den Nutzen einer DiPA, also einer digitalen Pflegeanwendung, steht noch aus und muss erst noch festgelegt werden.

Nutzen einer DiGA

Der Nutzen einer DiGA bzw. Gesundheitsapp wurde von den Krankenkassen bereits klar definiert. Sie hat die Aufgabe, den Anwender dabei zu unterstützen, seine Krankheit näher zu verstehen und seinen Gesundheitszustand zu verbessern.

Je nach Erkrankung kann eine App den Nutzer auch bei einer Therapie begleiten mit dem Ziel, seine Lebensqualität zu verbessern. Ob dies auch gelingen kann und wie erfolgreich diese medizinische Innovation ist, werden Studien in Zukunft zeigen.

Alle DiGAs werden vor der Zulassung durch die Krankenkasse geprüft und müssen folgenden Nutzen nachweisen:

  • Eine DiGA hilft, die Erkrankung besser zu verstehen und/oder frühzeitig zu erkennen.
  • Sie unterstützt bei der Behandlung mit dem Ziel, den Behandlungserfolg zu verbessern.
  • Sie lindert und überwacht die Erkrankung.

Datenschutz – wie sicher ist eine App für Pflege & Gesundheit?

Jede digitale Gesundheitsanwendung – DiGA sowie vermutlich später auch für die DiPA – durchläuft eine strenge Prüfung durch das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) auf Datensicherheit und Datenschutz. Gesundheitsdaten unterliegen einem besonderen Schutz und müssen den Anforderungen der Datenschutz-Grundverordnung (DSGVO) entsprechen.

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Erstelldatum: 0202.11.42|Zuletzt geändert: 2202.50.3
(1)
Bildquelle
© Seventyfour - stock.adobe.com
(2)
Quelle 1: Bundesministerium für Gesundheit (BMG)
www.bundesgesundheitsministerium.de/digitale-versorgung-gesetz.html (letzter Abruf am 23.11.2020)
(3)
Quelle 2: Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM)
https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis (Stand: 11/2020, letzter Abruf am 23.11.2020)
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Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) als Alltagsbegleiter für die Nachsorge für Schlaganfallbetroffene

Einen Schlaganfall zu erleiden, bedeutet für die Betroffenen meist, dass sie ihr Leben ab sofort anders gestalten müssen. Mit welchen gesundheitlichen Folgen man zu rechnen hat, ist davon abhängig wie schwer der Schlaganfall war und wie sehr das Gehirn geschädigt wurde. Oft müssen nach einem Schlaganfall wichtige Fähigkeiten wieder neu erlernt werden und das Gehirn muss sich neu strukturieren. Zunächst sind ambulante oder stationäre Reha-Maßnahmen sinnvoll, damit  Schlaganfallpatienten möglichst bald wieder ihre Selbstständigkeit erlangen können und wichtige Funktionen trainieren. Aber auch nach einer Reha benötigen Schlaganfall-Betroffene meist Hilfe dabei, sich im Alltag wieder neu zu orientieren. Digitale Gesundheitsanwendungen (DiGAs) wie die App Rehappy können dabei behilflich sein. Rehappy versteht sich als Begleitung nach einem Schlaganfall, soll aber keinen Ersatz für eine notwendige Reha-Maßnahme darstellen.

Erste DiGA für Schlaganfallpatienten auf Rezept möglich

Rehappy ist eine vom Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) zugelassene Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) für Schlaganfallpatienten. Rehappy setzt vor allem auf die Erkenntnisse aus der Motivations- und Neuroplastizitätsforschung, um den Patienten zu reaktivieren und zu motivieren. Die App stellt eine individuelle Alltagsbegleitung für Schlaganfallbetroffene dar und hilft vor allem, sich in dem veränderten Alltag besser zurecht zu finden und das Leben neu zu strukturieren. Durch gezielte und fundierte Informationen soll eine Überforderung vermieden werden. Mithilfe eines modularen Aufbaus mit unterschiedlichen Bausteinen kann die App an die individuellen Bedürfnisse der einzelnen Betroffenen und deren Situation angepasst werden.

Aufbau von Rehappy

Die Rehappy-App basiert auf der Annahme, dass jeder Mensch drei psychologische Grundbedürfnisse hat, deren Befriedigung ausschlaggebend für unsere (Lern-)Motivation und unser Wohlbefinden ist: Autonomie, Kompetenz und soziale Eingebundenheit.

Gerade nach einem Schlaganfall ist es besonders schwer, diesen drei psychologischen Grundbedürfnissen nachzugehen. Denn ein Schlaganfall wirft die meisten Betroffenen von jetzt auf gleich völlig aus der Bahn.

Betroffene fallen oft in eine emotionale Ohnmacht, da sie sich der Situation nicht gewachsen fühlen. Sie sind überfordert und müssen vermeintlich alle Therapien einfach so über sich ergehen lassen, ohne eigene Entscheidungen treffen zu können. Auch Tätigkeiten im gewohnten sozialen Umfeld wird nicht mehr nachgegangen, weil Betroffene sich entweder für ihren Zustand schämen oder  gegebenenfalls diesen Tätigkeiten einfach nicht mehr umsetzen können.

 

rehappy
Erstelldatum: 2202.50.2|Zuletzt geändert: 2202.50.01
(1)
Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (2022)
https://diga.bfarm.de/de/verzeichnis/691 (letzter Abruf am 25.04.2022)
(2)
Bildquelle
©Lumos sp - stock.adobe.com
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