Pflegegrad 2 - Voraussetzungen, Bedingungen und Leistungen

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Pflegegrad 2

Aussicht auf Zuweisung von Pflegegrad 2 und entsprechende Leistungen haben Versicherte, die laut Gutachter des MDK (bei gesetzlich Versicherten) oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten) „in ihrer Selbstständigkeit erheblich beeinträchtigt“ sind. Neben neuen Antragstellern seit Januar 2017 wurden auch Pflegebedürftige mit bisheriger Pflegestufe 0 oder Pflegestufe 1 zum 01.01.2017 automatisch in den Pflegegrad 2 überführt, ohne erneut begutachtet zu werden. Aufgrund des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs haben die fünf Pflegegrade zum Januar 2017 die bisherigen drei Pflegestufen abgelöst. Welche Geldleistungen und Sachleistungen stehen Versicherten mit Pflegegrad 2 zu? pflege.de klärt auf.

Inhaltsverzeichnis

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Definition: Pflegegrad 2

Versicherte erhalten den Pflegegrad 2 und die entsprechenden Pflegeleistungen, wenn sie durch die Pflegekasse eine

erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit

bestätigt bekommen. Wer 2017 zum ersten Mal einen Antrag auf Pflegegrad stellt, wird durch einen Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK; bei gesetzlich Versicherten) oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten) im Rahmen des „Neuen Begutachtungsassessment“ (NBA) in sechs Aktivitätsbereichen (s. u.) begutachtet. Die Gutachter berücksichtigen dabei die noch vorhandene Selbstständigkeit des Antragstellers und zwar in Bezug auf sowohl körperliche, als auch psychische und kognitive Beeinträchtigungen. Dabei vergeben sie je nach (Un-)Selbstständigkeit Punkte, die die Grundlage für die Zuweisung eines Pflegegrads bilden. Je unselbstständiger ein Antragsteller ist, desto mehr Punkte und einen umso höheren Pflegegrad erhält der Antragsteller. Als Voraussetzung für Pflegegrad 2 gilt: Gutachter müssen zwischen 27 und unter 47,5 Punkte ermitteln, damit Antragsteller Pflegegrad 2 und entsprechende Leistungen aus der Pflegekasse zugesichert bekommen.
Neben der Begutachtung neuer Antragsteller werden auch anerkannt Pflegebedürftige mit bisheriger Pflegestufe 0 oder 1 automatisch in den neuen Pflegegrad 2 überführt.

Info

Hinweis für Versicherte mit bisheriger Pflegestufe 0 und Pflegestufe 1

Versicherte, die bereits zum 31.12.2016 eine anerkannte Pflegestufe hatten, brauchen sich keine Sorgen machen. Sie wurden von der Pflegekasse automatisch in Pflegegrad 2 überführt und müssen dazu nicht neu begutachtet werden oder neue Anträge stellen. Zudem profitieren sie vom sog. Bestandsschutz. Das heißt: Sie erhalten auch 2017 mindestens die gleichen Leistungen wie bisher und werden durch die Umstellung auf Pflegegrad 2 nicht schlechter gestellt.


Kriterien und Voraussetzungen für Pflegegrad 2

Pflegegrad 2 – Voraussetzungen: Um Pflegegrad 2 und damit verbundene Leistungen zu erhalten, müssen Gutachter dem Antragsteller eine „erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ bescheinigen und bei der Begutachtung im Rahmen des „Neues Begutachtungsassessment (NBA)“ zwischen 27 und weniger als 47,5 Punkten ermitteln. Die Gutachter werden nach Antragstellung des Versicherten von der Pflegekasse beauftragt und sollen die Antragsteller in folgenden sechs Bereichen begutachten, wenn sie 2017 erstmals Pflegeleistungen beantragen:

  1. Mobilität: Wie selbstständig bewegt sich der Begutachtete fort und kann seine Körperhaltung ändern?
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Kann sich der Antragsteller in einem Alltag noch örtlich und zeitlich orientieren? Kann er für sich selbst Entscheidungen treffen, noch Gespräche führen und seine Bedürfnisse mitteilen?
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Wie oft benötigt der Betroffene Hilfe wegen psychischer Probleme wie aggressivem oder ängstlichen Verhalten?
  4. Selbstversorgung: Wie selbstständig kann sich der Begutachtete noch täglich selbst waschen und pflegen?
  5. Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: Welche Hilfen benötigt der Antragsteller beim Umgang mit Krankheit und Behandlungen wie z. B. bei Dialyse oder Verbandswechsel?
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Wie selbstständig kann der Begutachtete noch seinen Tagesablauf planen oder Kontakte pflegen?

 

Der Gutachter vergibt für jeden der sechs Pflegegrad-Module unterschiedlich hohe Punkte, daraus ergibt sich die Gesamtpunktzahl und nach einem speziellen Gewichtungsverfahren die Zuweisung eines Pflegegrads. Dieses Verfahren ist relativ komplex, jedoch können sich Angehörige und Pflegebedürftige mit dem Pflegegradrechner gut auf die Begutachtung durch MDK oder MEDICPROOF vorbereiten und ihren voraussichtlichen Pflegegrad schon vorab berechnen. Nutzen Sie dazu gerne das kostenlose Tool von pflege.de!

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Ausnahme für Pflegebedürftige mit bisheriger Pflegestufe

  • Höherstufung notwendig? Wer 2016 bereits eine anerkannte Pflegestufe hatte, aber wegen der spürbaren Verschlechterung seines Zustandes dringend auf mehr Leistungen der Pflegeversicherung angewiesen ist, kann bei seiner Pflegekasse eine Höherstufung beantragen.
  • So geht’s: Dazu können Versicherte erneut einen Antrag auf Pflegeleistungen bei der Pflegekasse stellen. Je nach vorhandener Selbstständigkeit entscheiden die Gutachter anschließend über einen Pflegegrad für den Betroffenen.



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Leistungen bei Pflegegrad 2

Pflegegrad 2: Welche Leistungen stehen Versicherten zu? Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 haben Anspruch auf Pflegeleistungen, die sich wie folgt zusammensetzen:

Pflegeleistungen
Ratgeber
Pflegeleistungen: Der große Überblick

Pflegegeld und Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 2

Erhalten Versicherte mit Pflegegrad 2 Pflegegeld und Pflegesachleistungen? Ja, Bedürftige mit Pflegegrad 2 haben Anspruch auf Pflegegeld bei häuslicher Pflege durch Angehörige oder Freunde und auf Pflegesachleistungen bei professioneller Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst.

  • Pflegegeld bei Pflegegrad 2:

Ein monatliches Pflegegeld von 316 Euro erhalten Menschen mit oder ohne Demenz mit Pflegegrad 2 seit 2017 bei häuslicher Pflege durch Angehörige.

Zum Vergleich: Bis Ende 2016 fließen 244 Euro für Pflegebedürftige mit der bisherigen Pflegestufe 1 und 123 Euro für Demenzkranke mit der sog. „Pflegestufe 0“.

Beide Gruppen haben demnach von der Pflegereform profitiert: Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 erhalten seit 2017 72 Euro mehr Pflegegeld und Demenzkranke mit Pflegegrad 2 sogar 193 Euro mehr Pflegegeld für die Pflege durch Angehörige oder Freunde ausgeben.

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  • Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 2:

Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2 stehen seit 2017 Pflegesachleistungen von monatlich 689 Euro zu, die ambulante Pflegedienste direkt mit den Pflegekassen abrechnen.

Zum Vergleich: Bis Ende 2016 fließen Sachleistungen von 468 Euro für Pflegebedürftige mit Pflegestufe 1 und nur 231 Euro für Demenzkranke mit der sogenannten „Pflegestufe 0“.

Somit stehen Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2 Sachleistungen von monatlich 221 Euro und Demenzkranken sogar 458 Euro mehr für professionelle Pflege durch ambulante Dienste zur Verfügung.

Info

Kombination aus Pflegegeld und Pflegesachleistung

Wenn Pflegebedürftige nicht nur durch Angehörige sondern auch durch einen ambulanten Pflegedienst versorgt werden, ist auch die sog. Kombinationsleistung aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen möglich. Dabei erhalten Versicherte das Pflegegeld jedoch nicht mehr in vollem Umfang, sondern nur noch „anteiliges Pflegegeld“. Dabei gilt folgender Grundsatz: Der Anspruch auf Pflegegeld verringert sich um den Prozentsatz der ausgeschöpften Sachleistungen. Ein anschauliches Rechenbeispiel zur Kombination von Pflegegeld und Pflegesachleistung finden Sie im Artikel über Pflegegeld.

 

Betreuungs- und Entlastungsleistungen bei Pflegegrad 2

Hilfs- und Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2 steht der neue einheitliche „Entlastungsbeitrag“ von monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen zu (bisher in der Regel 104 Euro, in besonderen Fällen 208 Euro). Mit dem Entlastungsbetrag bei Pflegegrad 2 können Betroffene z. B.

  • an einer Betreuungsgruppe für leicht Hilfsbedürftige oder leicht Demenzkranke teilnehmen, die geistig und körperlich aktivieren soll,
  • Putz- bzw. Haushaltshilfen engagieren und bezahlen, die ihnen im Haushalt helfen, und
  • einen Alltagsbegleiter für Gespräche und Spaziergänge oder eine Einkaufshilfe bezahlen.
Tipp

Welche Hilfe im Einzelnen unter Betreuungs- und Entlastungsleistungen fallen, können Sie im Detail im Artikel über die zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen nachlesen.

Info

Pflegesachleistungen und Betreuungsleistungen kombinieren

Wer bei Pflegegrad 2 seine Pflegesachleistungen für die Versorgung durch einen professionellen Pflegedienst von 689 Euro nicht voll ausgeschöpft hat, kann bis zu 40 Prozent davon auf Wunsch auch für weitere Betreuungs- und Entlastungsleistungen verwenden. Konkret heißt das: Versicherte mit Pflegegrad 2 können bis zu 275,60 Euro zusätzlich für Betreuung und Entlastung verwenden.

Kurzzeitpflege bei Pflegegrad 2

Benötigt ein Pflege- und Hilfsbedürftiger mit Pflegegrad 2 etwa nach einem Krankenhausaufenthalt noch professionelle Kurzzeitpflege z. B. in einem Pflegeheim, erhält er von seiner Pflegekasse für bis zu 28 Tage im Jahr maximal 1.612 Euro einen Zuschuss.

Bei der Kurzzeitpflege mit Pflegegrad 2 gilt es Folgendes zu beachten:

  • Wer im laufenden Jahr keine Verhinderungspflege durch einen Pflegedienst bei Krankheit oder Urlaub von pflegenden Angehörigen nutzt, kann für seine Kurzzeitpflege sogar bis zu 3.224 Euro Zuschuss für bis zu acht Wochen im Jahr beanspruchen.
  • Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 erhalten während der bis zu achtwöchigen Kurzzeitpflege noch die Hälfte ihres Pflegegeldes von monatlich 316 Euro bei häuslicher Pflege durch Angehörige weiter, sprich monatlich 158 Euro.

Verhinderungspflege bei Pflegegrad 2

Erhalten Versicherte neben Kurzzeitpflege auch Verhinderungspflege bei Pflegegrad 2? Für Verhinderungspflege bzw. Urlaubspflege durch professionelle Pflegekräfte bei Urlaub oder Krankheit der pflegenden Angehörigen gewähren Pflegekassen Versicherten mit Pflegegrad 2 einen Zuschuss von 1.612 Euro für höchstens vier Wochen (28 Tage) im Jahr.

Mit Pflegegrad 2 gelten für die Verhinderungspflege folgende Bestimmungen:

  • Während der Verhinderungspflege erhalten Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 immerhin noch die Hälfte ihres monatlichen Pflegegeldes von 316 Euro für bis zu sechs Wochen im Jahr weiter, also 158 Euro im Monat.
  • Wer im laufenden Jahr keine Kurzzeitpflege nutzt, der hat Anspruch für bis zu sechs Wochen Verhinderungspflege pro Jahr, die mit bis zu 2.418 Euro pro Jahr bezuschusst wird.

Tagespflege bei Pflegegrad 2

Die Leistungssätze für Tagespflege und Nachtpflege entsprechen den ambulanten Sachleistungen und fließen wie im Vorjahr zusätzlich zum genehmigten Pflegegeld bei häuslicher Pflege durch Angehörige.

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 erhalten demnach für Tagespflege und Nachtpflege als teilstationäre Pflegeleistungen monatlich 689 Euro.

Zum Vergleich: Nach dem alten System bis Ende 2016 erhielten Pflegebedürftige mit Pflegestufe 1 nur 468 Euro für die Tages- und Nachtpflege, Pflegebedürftige mit anerkannter „Pflegestufe 0“ nur 231 Euro. Daher brachte die Umstellung auf Pflegegrade in diesem Fall deutlich bessere Leistungen mit sich.

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Weitere Leistungen bei häuslicher Pflege und Pflegegrad 2

Pflegegrad 2 – Wieviel Geld steht Versicherten zu, wenn sie zuhause versorgt werden? Neben den beschriebenen Leistungen haben Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 außerdem Anspruch auf:

1. Medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel

Menschen mit Pflegegrad 2 haben Anspruch auf Pflegehilfsmittel der Pflegeversicherung und medizinische Hilfsmittel der Krankenversicherung. So erhalten sie

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2. Zuschuss für Wohnraumanpassung

Für die altersgerechte Wohnraumanpassung können auch Hilfsbedürftige mit Pflegegrad 2 einen Zuschuss von bis zu 4.000 Euro von ihrer Pflegekasse einmalig für alle Maßnahmen der Barrierereduzierung beanspruchen (z. B. in der Regel auch für den barrierefreien Badumbau oder einen Treppenlift). Sollte sich der Hilfebedarf zunehmend verschlechtern und weitere Maßnahmen erfordern, kann die Pflegekasse u. U. erneut einen Zuschuss gewähren.

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3. Kostenlose Beratung und Beratungsbesuche

Versicherte mit anerkanntem Pflegegrad 2 erhalten die Möglichkeit für kostenlose Beratungstermine um z. B. ihre pflegerische Versorgung zu optimieren oder ihre Wohnung altersgerecht anzupassen. Auch die notwendigen regelmäßigen Beratungsbesuche durch geschulte Pflegekräfte nach § 37 Abs. 3 des Pflegeversicherungsgesetzes bezahlt die Pflegekasse.

4. Kostenlose Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen

nach § 45 des Gesetzes.

5. Förderung für Bewohner von Wohngruppen oder WGs

Bis zu 4.000 Euro Förderung für die altersgerechte Wohnraumanpassung bekommen maximal vier Versicherte mit Pflegegrad 2 auch, wenn sie in eine ambulant betreute Wohngruppe oder eine Senioren-Wohngemeinschaft (WG) einziehen. Zusätzlich stehen höchstens vier Bewohnern ein einmaliger Gründungszuschuss von jeweils 2.500 Euro sowie ein monatlicher Zuschuss zur Beschäftigung einer Organisationskraft von jeweils 214 Euro zu.

Info

Neuerung bei Hilfsmitteln seit 2017: Keine Extra-Anträge mehr nötig

Seit Januar 2017 müssen Pflegebedürftige keine gesonderten Anträge auf medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel mehr stellen, wie bis 31.12.2016 notwendig. Sobald Gutachter des MDK oder der MEDICPROOF einzelne Hilfsmittel empfehlen, gelten sie automatisch als beantragt. So steht es sinngemäß in den neuen Begutachtungsrichtlinien des Spitzenverbandes Bund der Gesetzlichen Krankenversicherung (GKV).

Stationäre Pflege bei Pflegegrad 2

Pflegegrad 2 – Leistungen für vollstationäre Pflege? Was bekommt man bei Pflegegrad 2, wenn man in einer stationären Einrichtung statt zuhause versorgt wird? Menschen mit Pflegegrad 2 erhalten seit 2017 monatlich nur noch 770 Euro für die stationäre Versorgung im Pflegeheim. Das bedeutet eine Leistungsminderung im Vergleich zum alten System.

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Ratgeber: Altenheim, Pflegeheim und Seniorenheim

Zum Vergleich: Bislang erhielten Pflegebedürftige mit Pflegestufe 1 monatlich noch 1.064 Euro von der Pflegekasse, also 294 Euro mehr. Demenzkranke mit sog. „Pflegestufe 0“ erhielten bisher keine Leistungen für die stationäre Versorgung, so dass diese Personen mit der Umstellung auf Pflegegrad 2 deutlich bessergestellt werden.

Unabhängig von ihrem Pflegegrad müssen alle Bewohnerinnen und -bewohner ab 2017 „einrichtungseinheitliche Eigenanteile“ (kurz: EEE) zum Pflegesatz ihres Alten- oder Pflegeheims zahlen. Ihr pflegebedingter Eigenanteil steigt nicht mehr wie bisher mit steigendem Pflegebedarf und steigender Pflegestufe, sondern bleibt einheitlich gleich hoch – unabhängig vom Pflegegrad. Unterschiede wird es allerdings nach wie vor zwischen den Pflegeheimen geben. Denn nicht in jedem Pflegeheim ist die Pflege gleich teuer, beispielsweise aufgrund unterschiedlicher Personalstruktur. Zudem kommen zum pflegebedingten Eigenanteil auch noch die komplett durch die Bewohner zu finanzierenden Kosten für Unterkunft, Verpflegung und anteilige Investitionskosten.

Info

Was ist der sog. einrichtungseinheitliche Eigenanteil (EEE)?

Der sog. einrichtungseinheitliche Eigenanteil führt aufgrund des allgemeinen Begriffs „Eigenanteil“ leicht zu Missverständnissen. Es handelt sich nämlich nicht um den kompletten Eigenanteil der Bewohner, welcher monatlich zu entrichten ist, nachdem die Kasse ihren Beitrag geleistet hat. Der „einrichtungseinheitliche Eigenanteil“ bezieht sich vielmehr ausschließlich auf die pflegebedingten Kosten, die nach Abzug der Kassenleistungen auf die Bewohner umgelegt werden. Alle weiteren individuellen Kosten wie Unterkunft, Verpflegung und anteilige Investitionskosten werden gesondert berechnet und können natürlich von Bewohner zu Bewohner unterschiedlich sein. Zum Beispiel dann, wenn es im Heim unterschiedlich große Zimmer gibt, die dann auch je nach Quadratmetern unterschiedlich teuer sind.

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Bisherige Pflegestufen 1 oder „0“: Keine Leistungsverluste

Für die voraussichtlich etwa 2,8 Millionen Pflegebedürftige, die nach dem alten System bereits per Gesetz als pflegebedürftig galten, ändert sich nichts. Sie haben vom sog. Bestandschutz profitiert und haben die Garantie, weiterhin Leistungen im mindestens gleichen Umfang zu erhalten. Das ist gesetzlich geregelt und sollte gewährleisten, dass durch die Umstellung niemand schlechter gestellt wurde.

Pflegebedürftige, die zum 31.12.2016 bereits eine anerkannte Pflegestufe hatten, mussten weder einen neuen Antrag stellen noch neu begutachtet werden. Sie wurden automatisch in den neuen Pflegegrad überführt und erhalten die entsprechenden Leistungen.

Umwandlung von Pflegestufe 0 und 1 in Pflegegrad 2

  • Körperlich Pflegebedürftige mit der bisherigen Pflegestufe 1 wurde automatisch dem nächsthöheren Pflegegrad 2 zugeteilt.
  • Demenzkranken Betreuungsbedürftigen ohne Pflegestufe (mit bisheriger sog. „Pflegestufe 0“, also eingeschränkter Alltagskompetenz) wurde automatisch gleich der Pflegegrad 2 zugewiesen. Denn Demenzkranke mit oder ohne Pflegestufe wurden zwei Pflegegrade höher eingruppiert als ihre bisherige Pflegestufe.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Pflegegrad 2?

Pflegegrad 2 erhält, wer in seiner Selbstständigkeit „erheblich beeinträchtigt“ ist.

Welche Voraussetzungen gelten für Pflegegrad 2?

Pflegegrad 2 erhält, wer bei der Begutachtung durch MDK (bei gesetzlich Versicherten) oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten) nach dem „Neuen Begutachtungsassessment“ (NBA) zwischen 27 bis unter 47,5 Punkte erreicht. Der Pflegegrad 2 bestätigt eine „erhebliche Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“.

Einen Zeitaufwand für Pflegegrad 2 – wie man ihn aus dem alten Pflegestufen-System kannte – gilt es seit 01.01.2017 nicht mehr zu erreichen.

Welche Leistungen erhalte ich mit Pflegegrad 2?

Versicherte mit anerkanntem Pflegegrad 2 erhalten umfangreiche Leistungen aus der Pflegekasse. Zu den Leistungen mit Pflegegrad 2 gehören:

  • Pflegegeld: 316 Euro pro Monat (bei der häuslichen Pflege durch Angehörige, Bekannte oder Freunde)
  • Pflegesachleistungen: 689 Euro pro Monat (bei der professionellen Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst)
  • Tages- und Nachtpflege: 689 Euro pro Monat (für die teilstationäre Versorgung in einer Tages- oder Nachtpflege-Einrichtung)
  • Leistungen für die vollstationäre Pflege im Pflegeheim: 770 Euro pro Monat
  • Entlastungsbetrag: 125 Euro pro Monat (zur Erstattung zusätzlicher Betreuungs- und Entlastungsleistungen)
  • Kurzzeitpflege: 1.612 Euro für bis zu acht Wochen pro Kalenderjahr
  • Verhinderungspflege: 1.612 Euro für bis zu sechs Wochen pro Kalenderjahr
  • Pflegehilfsmittel zum Verbrauch in Höhe von 40 Euro pro Monat
  • Zuschüsse zum Hausnotruf: monatlich 18,36 Euro für den Betrieb und einmalig 10,49 Euro für die Anschlusskosten
  • Wohnraumanpassung: bis zu 4.000 Euro einmalig für barrierereduzierende Maßnahmen wie z. B. den Badumbau bei Pflegegrad 2.
  • Wohngruppenförderung: Einmaliger Gründungszuschuss in Höhe von 2.500 bis 10.000 Euro sowie monatlich 214 Euro Organisationszuschuss

Bekomme ich mit Pflegegrad 2 Pflegegeld?

Ja. Die Kasse gewährt Pflegegeld bei Pflegegrad 2: Sofern Pflegebedürftige durch nahe Angehörige, Bekannte oder Freunde versorgt werden, erhalten sie 316 Euro pro Monat als Geldleistung bei Pflegegrad 2.

Wie hoch sind die Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 2?

Die Pflegekasse gewährt bei Pflegegrad 2 Pflegesachleistungen in Höhe von 689 Euro, sofern der Versicherte durch einen ambulanten Pflegedienst versorgt wird.

Welche Geldleistungen bekomme ich bei Pflegegrad 2?

Pflegegrad 2 – Wieviel Geld steht Versicherten damit zu? Die Geldleistung bei Pflegegrad 2 setzt sich aus Pflegegeld oder Pflegesachleistung, den Zuschüssen für die Verhinderungs-, Kurzzeit-, Tages-, Nacht- oder vollstationären Pflege zusammen. Je nach Versorgungsform des Versicherten mit Pflegegrad 2 ergeben sich andere Geldleistungen.

Auf jeden Fall erhalten Versicherte aber zusätzlich den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro pro Monat sowie die Zuschüsse zum Hausnotruf, für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, Wohnraumanpassung und Wohngruppenförderung.

Erhalte ich mit Pflegegrad 2 Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege?

Ja. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 erhalten Leistungen für die Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege. Für die Kurzzeitpflege erhalten Versicherte mit Pflegegrad 2 bis zu 1.612 Euro pro Kalenderjahr für bis zu acht Wochen, für die Verhinderungspflege bis zu 1.612 Euro für bis zu sechs Wochen pro Kalenderjahr.

Die Leistungen für Kurzzeit- und Verhinderungspflege können auch kombiniert werden, so dass Betroffene mit Pflegegrad 2 bis zu 3.224 Euro für die Kurzzeitpflege oder bis zu 2.418 Euro für die Verhinderungspflege nutzen können. Details zur Kombinationsleistung bei Pflegegrad 2 erfahren Sie im Beitrag zur Kurzzeitpflege.

Stehen mir mit Pflegegrad 2 Entlastungsleistungen zu?

Ja. Versicherte mit Pflegegrad 2 erhalten den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro pro Monat, den sie für die Erstattung von Betreuungs- und Entlastungsleistungen nutzen können.

Kann ich mit Pflegegrad 2 eine Haushaltshilfe beschäftigen?

Ja. Den Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro pro Monat können Versicherte mit Pflegegrad 2 u.a. für eine Haushaltshilfe verwenden.

Erhalte ich mit Pflegegrad 2 Leistungen für die stationäre Pflege?

Ja. Die Leistungen für vollstationäre Pflege mit Pflegegrad 2 betragen 770 Euro pro Monat. Versicherte mit Pflegegrad 2 müssen für die vollstationäre Pflege in einem Pflegeheim jedoch zusätzlich mit einem Eigenanteil von rund 1.500 Euro pro Monat rechnen.

Bekomme ich mit Pflegegrad 2 einen Zuschuss für einen Hausnotruf?

Ja. Versicherte mit Pflegegrad 2 erhalten monatliche Zuschüsse in Höhe von 23 Euro für den Betrieb des Notrufgeräts. Für die Anschlusskosten gewährt die Pflegekasse bei Pflegegrad 2 einmalig 10,49 Euro Zuschuss.

Wie lege ich Widerspruch gegen Pflegegrad 2 ein?

Sofern Sie mit dem Bescheid der Pflegekasse nicht einverstanden sind, können Sie innerhalb von vier Wochen nach Erhalt des Bescheids Widerspruch gegen Pflegegrad 2 einlegen. Erfahren Sie mehr im Beitrag zum Widerspruch bei Ablehnung eines Pflegegrads.

Ein persönliches Beratungsgespräch kann außerdem sehr dabei helfen, die Situation besser einzuschätzen und Ihre Erfolgschancen erhöhen.

 

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Erstelldatum: .31.906102|Zuletzt geändert: .7.809102
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