Themenwelt Dekubitus

Ein Dekubitus, auch Druckgeschwür oder Wundliegegeschwür genannt, ist ein großes Problem in der Altenpflege. Für Pflegepersonen ist ein Dekubitus ein Schock, weil er darauf hinweisen kann, dass sie nicht richtig gepflegt haben und ein sog. Pflegefehler vorliegt. Für Betroffene, die meist mobil stark eingeschränkt sind, ist ein Dekubitus sehr schmerzhaft und qualvoll. Umso wichtiger ist es, dass Sie wissen, was Sie dagegen tun können. pflege.de gibt Ihnen daher Informationen sowie praktisches Pflegewissen an die Hand.

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Dekubitus

Inhaltsverzeichnis

Definition

Ein Dekubitus (auch Druckgeschwür, Wundliegen oder Durchliegegeschwür) ist eine lokal begrenzte Schädigung der Haut und/oder des darunter liegenden Gewebes, typischerweise über knöchernen Vorsprüngen, infolge von Druck oder Druck in Verbindung mit Scherkräften. Es gibt eine Reihe weiterer Faktoren, welche tatsächlich oder mutmaßlich mit Dekubitus assoziiert wird, deren Bedeutung aber noch zu klären ist.

Viele professionelle Pflegekräfte sehen Druckgeschwüre oder Dekubitusgeschwüre als eines der größten Risiken für ihre Patienten. Viele Krankheiten im Alter führen zu einer Bewegungseinschränkung für den Betroffenen und damit zu einem Dekubitusrisiko. Sobald jemand länger liegen muss (z. B. nach einer OP) oder bewegungseingeschränkt ist, gehört die Dekubitusprophylaxe zur täglichen Aufgabe im Pflegealltag. Vor allem im Bereich des Gesäßes entwickelt sich häufig ein sog. Dekubitus sacralis (= im Bereich des Gesäßes), der oft lange unentdeckt bleibt.

Es wird zwischen einem akuten Dekubitus (decubitus acutus) und chronischem Dekubitus (decubitus chronicus) unterschieden. Der akute Dekubitus entsteht bereits nach kurzen Liegezeiten nach ein paar Stunden oder Tagen und ist durch eine oberflächliche Hautschädigung gekennzeichnet, während der chronische Dekubitus erst nach längerer Liegezeit nach mehreren Wochen oder Monaten der Bettlägerigkeit entsteht und sich als tiefes Geschwür darstellt.

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Der Begriff Dekubitus stammt aus dem Lateinischen („decumbere“=sich niederlegen). Umgangssprachlich hat sich der Begriff „Druckgeschwür“ eingebürgert.

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Fallbeispiel von pflege.de-Lesern

Es war ein ganz belangloser Satz, aber er ließ Margret M. aufhorchen. „Ich glaube, ich habe mir eine Blase am Fuß gelaufen“, sagte ihre Mutter Irene eines Abends. Margret M. war verblüfft, schließlich verbrachte ihre Mutter seit ihrem Schlaganfall die meiste Zeit im Bett oder ihrem Sessel. An Laufen war schon längst nicht mehr zu denken.

Margret M. besah sich die Fersen ihrer Mutter und tatsächlich: Die rechte Ferse war gerötet, bei der linken zeigte sich sogar eine leichte Abschürfung. „Ich konnte mir gar keinen Reim darauf machen“, erzählte Margret M. und hätte fast zu einem Blasenpflaster gegriffen. Doch als sie am nächsten Tag zufällig ihrem Hausarzt von der abendlichen „Fersenschau“ erzählte, setzte dieser eine nachdenkliche Miene auf. Er machte umgehend einen Hausbesuch bei Irene M. und diagnostizierte: „Dekubitus, Kategorie 2.“

Dekubitusentstehung & Dekubitus-Ursachen

Wie entsteht ein Dekubitus? Ein Dekubitus ist eine zunächst oberflächliche Hautschädigung, die sich bis zu einem tiefen, fauligen Druckgeschwür entwickeln kann. Der Dekubitus entsteht durch eine schlechte Durchblutung des Gewebes bei fehlender Druckentlastung. Es spielen dabei drei Faktoren eine Rolle:

  1. Druck (Auflagedruck)
  2. Dauer (Druckverweildauer)
  3. Disposition (Risikofaktoren)

Druck und Dauer als Ursache für die Dekubitusentstehung

Es ist unerheblich, ob kurzzeitig starker Druck oder über längere Zeit leichter Druck auf die Haut ausgeübt wird.

Mediziner unterscheiden zwischen

  • dem Druck von außen (z. B. Falten im Bettlaken oder der Kleidung, Schienen, Katheter, Sonden etc.) und
  • dem Druck von innen (z. B. Knochen, die nur wenig von Fett- bzw. Muskelgewebe umgeben sind, etwa die Fersen)

Wenn dann noch Reibung (etwa durch Stoffe oder Infusionsleitungen) und Scherkräfte (z. B. beim unbeabsichtigten Herunterrutschen des Pflegebedürftigen im Bett oder Sessel) dazu kommen, können die betroffenen Hautpartien darunter leiden. Durch den Druck kann die Haut nicht mehr mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden und es kommt zur Minderdurchblutung und damit zur Entstehung eines Dekubitus. Bei zu langem Druck sterben die Zellen letztendlich ab (Gewebetod = Nekrose).

Bei der Entstehung eines Dekubitus liegt die Ursache also immer in einer verminderten Durchblutung der Haut. Es reicht schon das Eigengewicht des Körperteils aus, um einen Dekubitus auszulösen. Deshalb sind besonders übergewichtige Menschen, die sich nicht mehr (viel) bewegen, von einem Dekubitus bedroht. Aber auch untergewichtige Personen, deren knöcherne Strukturen direkt unter der Hautoberfläche liegen und nicht durch eine Fettschicht geschützt sind, haben ein erhöhtes Dekubitusrisiko.

Wenn der Druck nicht schon bei der ersten Rötung vollständig vermieden wird, drohen massive Schäden – bis hin zu offenen Geschwüren, die ein Infektionsrisiko bergen, vor allem aber Schmerzen für den Betroffenen bedeuten.

Info

Vergleich aus der Praxis

Wenn die Haut bei gesunden Menschen zu viel Druck und zu wenig Sauerstoff bekommt, fängt das jeweilige Körperteil an zu kribbeln. Durch Verlagerung des Körperteils oder des Körpers kann die Sauerstoffzufuhr leicht wiederhergestellt werden. Bei kranken und alten Menschen ist die Druckverlagerung manchmal nicht mehr möglich, z. B. aufgrund von stark eingeschränkter Mobilität oder Lähmung.

Dekubitus: Risikofaktoren

Wer häufig liegt oder sitzt – und das tun viele Pflegebedürftige, wenn sie unter Bewegungseinschränkungen leiden – ist immer in der Gefahr, einen Dekubitus zu bekommen. Zu den besonders gefährdeten Patienten gehören Säuglinge und Kinder, aber auch Erwachsene. Bei Neugeborenen und Kindern sind die Ursachen etwas anders gelagert als bei Erwachsenen: Ihre Haut ist besonders zart und empfindlich und sie können Druck nicht wahrnehmen und sich auch nicht entsprechend äußern.

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Bei Erwachsenen kommen u. a. andere Risikofaktoren in Betracht:

  • Hautschäden (z. B. durch Feuchtigkeit, Inkontinenz, Pergamenthaut bei Behandlung mit Kortison)
  • Übergewicht (Adipositas) oder Untergewicht (Kachexie)
  • Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel (Dehydration)
  • Lähmungen (z. B. nach einem Schlaganfall)
  • Erkrankungen wie Arthrose, Rheuma, Diabetes, Herzschwäche, Schlaganfall etc.

Für alle Risikopersonen gilt:

  • Medizinische Hilfsmittel oder Geräte (etwa Katheter etc.) erhöhen das Risiko eines Dekubitus, weil sie an der Haut reiben oder darauf Druck ausüben.
  • Das richtige Bewegen des bewegungseingeschränkten Patienten ist sehr wichtig, denn Ziehen oder Zerren kann dazu führen, dass die Haut verletzt wird (durch die sog. Scherkräfte).
  • Langes unbewegliches Liegen oder Sitzen führt fast zwangsläufig zu einem Druckgeschwür.

Beim permanenten Liegen oder Sitzen sind einige Körperstellen besonders gefährdet:

  • Ohren
  • Hinterkopf
  • Schultergelenk und Schulterblatt
  • Wirbelsäule
  • Ellenbogen
  • Beckenkamm
  • Steiß
  • Kniegelenk
  • Fersen
  • Fußknöchel

Zwei Arten von Dekubitalgeschwüren treten besonders häufig auf:

  1. Dekubitus im Bereich am Steißbein/Gesäß (Dekubitus sacralis) (ca. 40 % aller Druckgeschwüre)
  2. Dekubitus an der Ferse (ca. 18 % aller Druckgeschwüre)
Info

3 Tipps zur Vermeidung von Dekubitus

  • Sorgen Sie dafür, dass Ihr pflegebedürftiger Angehöriger möglichst bequem, aber abwechslungsreich liegt oder sitzt. Setzen Sie dazu auch Hilfsmittel wie z. B. Lagerungskeile oder Wechseldruckmatratzen ein.
  • Machen Sie die Hautkontrolle beim Pflegebedürftigen zu Ihrer täglichen Aufgabe. Dann entgeht Ihnen keine möglicherweise verdächtige Rötung!
  • Kontrollieren Sie besonders Gesäß, Steißbein und die Fersen.

Risikoeinschätzung bei Dekubitus: Braden-Skala bei Dekubitus

Im Zusammenhang mit einem Dekubitus hört man häufig den Begriff „Braden-Skala bei Dekubitus“. Die amerikanische Professorin Barbara Braden entwickelte vor gut 30 Jahren eine Punkteskala, um ein Dekubitusrisiko professionell einschätzen zu können. Bekannt sind auch die Norton-Skala oder die Waterlow-Skala zur Einschätzung eines Dekubitusrisikos.

Info

Dekubitus-Skalen

Dekubitusrisiko-Skalen gehören in die Hände von Experten, denn die Punktevergabe ist nicht immer ganz einfach. Nur bei richtiger Anwendung hilft eine Skala auch sehr gut bei der Verlaufskontrolle. Außerdem unterstützt sie bei der Auswahl der richtigen Antidekubitus-Hilfsmittel. Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hat dafür Erhebungsbögen entwickelt: https://www.bvmed.de/de/versorgung/hilfsmittel/dekubitus

Fingertest bei Dekubitus

Nicht jede Rötung ist ein Dekubitus. Aber jeder Dekubitus beginnt mit einer Rötung! Deshalb ist der Dekubitus-Fingertest so wichtig. Und der geht so:

Drücken Sie mit einem Finger auf die gerötete Hautpartie und achten Sie auf diese Zeichen:

Es bildet sich ein weißer Rand um die Rötung.
  • Es liegt kein Dekubitus vor.
Nach Heben des Fingers verbleibt kurze Zeit ein weißer Fleck auf der Rötung.
  • Es liegt kein Dekubitus, aber es besteht ein Dekubitusrisiko.
Die Rötung bleibt (nicht „wegdrückbar“).
  • Es liegt ein Dekubitus vor.

Wenn die Rötung bleibt, müssen Sie von einem Dekubitus ausgehen und sofort dafür sorgen, dass die Hautstelle von jeglichem Druck entlastet wird. Bleibt die Rötung, benachrichtigen Sie bitte einen Arzt, der weitere Maßnahmen veranlassen wird.

Tipp

Machen Sie als pflegender Angehöriger den Fingertest zu einer täglichen Handlung. Im Rahmen der Körperpflege geht das besonders gut.

 

Dekubitus Grade/Stadien

Früher wurde ein Dekubitus in vier unterschiedliche Grade oder Stadien eingeteilt, inzwischen spricht man in der Pflege (Expertenstandard) von Dekubitus Kategorien. Geblieben ist die Erkenntnis, dass es keine Kategorie gibt, in der nicht reagiert werden sollte. Unglücklicherweise werden Hautrötungen nicht immer wahrgenommen. Oft wird ein Dekubitus erst dann entdeckt, wenn er schon in Kategorie 2 ist, also bereits Schäden eingetreten sind.

  • Dekubitus Kategorie 1: Gerötete Hautstelle, die sich beim Fingertest als nicht wegdrückbar erweist
  • Dekubitus Kategorie 2: Blasen oder Abschürfungen
  • Dekubitus Kategorie 3: Offenes Geschwür
  • Dekubitus Kategorie 4: Tiefe Löcher in der Haut, die bis auf die Knochen, Muskeln oder Sehnen blicken lassen

Dekubitusbehandlung & Therapie

Ist ein Dekubitus entstanden, so gehört dessen Behandlung in die fachkundigen Hände einer Pflegekraft bzw. eines Arztes. Die Behandlung bzw. Therapie richtet sich nach dem Grad des Dekubitus, wobei die Basis jeder Behandlung die sofortige Druckentlastung ist. Durch diese Druckentlastung kommt die Durchblutung wieder in Gang, beschädigte Zellen können sich regenerieren und auch die Versorgung des Gewebes stabilisiert sich.

Die Behandlung bzw. Therapie eines Dekubitus ist ein komplexer Prozess, der in die Hände von ausgewiesenen Experten gehört, z. B. von Wundmanagern. Einige wichtige Faktoren der Dekubitus-Therapie sind:

  • Die Lagerung (abhängig von der betroffenen Körperstelle) des Betroffenen.
  • Die Auswahl der passenden Lagerungshilfsmittel.
  • Das Zeitintervall für die regelmäßigen Umpositionierung des Betroffenen (alle zwei Stunden oder sogar kürzer).
  • Die Wundbehandlung (Reinigung, Abdeckung, ggf. chirurgische Entfernung von abgestorbenem Gewebe).
  • Die Verminderung oder Beseitigung von Risikofaktoren (z. B. Mangelernährung, Behandlung von Erkrankungen wie Diabetes, Rheuma etc.).
  • Die Förderung der Mobilität des Betroffenen.

Jede Behandlung eines Dekubitus muss genauestens dokumentiert werden. Hierzu verfügen professionell Pflegende über standardisierte Handlungsleitlinien, mit denen sie den Fortschritt der Therapie beurteilen und nachweisen können. Das beginnt bei der Dokumentation der Wunde und endet – im besten Fall – bei der erfolgreichen Heilung.

Info

Dekubitus und Schmerztherapie

Sie müssen immer davon ausgehen, dass ein Betroffener durchaus Schmerzen verspürt. Manchmal kann es sein, dass er diese nicht (mehr) äußert, z. B. bei Demenz. Dennoch sollten Sie darauf achten, dass zur Dekubitus-Behandlung auch eine Schmerzmedikation gehört.

Bei der Dekubitus-Therapie geht es aber nicht nur um die fachliche-pflegerische-medizinische Versorgung. Auch Sie als pflegender Angehöriger haben einen wichtigen Anteil an einer erfolgreichen Behandlung, wenn es um das Wundliegen geht.

Die 5 wichtigsten Tipps bei Dekubitus für pflegende Angehörige

  1. Lassen Sie sich über das Dekubitusrisiko und die damit verbundenen Folgen aufklären.
  2. Befolgen Sie Anweisungen hinsichtlich des Lagerns und Bewegens des Betroffenen durch geschultes Fachpersonal.
  3. Lassen Sie sich zeigen, wie Sie weiteres Wundliegen durch gezielte Lagerungsmaßnahmen verhindern können.
  4. Besuchen Sie spezielle Schulungen und Pflegekurse, um auch Ihre Mobilisationstechniken zu verbessern und Ihren eigenen Rücken damit zu schonen.
  5. Beantragen Sie (bei anerkanntem Pflegegrad) bei der Pflegekasse geeignete Hilfsmittel für den Betroffenen, um seine Mobilität bzw. Lagerung etc. verbessern zu können.

Wundversorgung bei Dekubitus

Jeder Dekubitus ist eine Wunde und muss behandelt werden. Doch die Wundversorgung bei Dekubitus ist ein sehr komplexer Prozess, denn Dekubitalgeschwüre heilen nur sehr langsam und schwer. Unabhängig davon, ob es sich um einen Dekubitus von Kategorie (Grad) 2, 3 oder 4 handelt: Jede Wundversorgung bei einem Dekubitus besteht aus den folgenden grundlegenden Schritten.

  1. Entfernung des abgestorbenen Gewebes (sog. Débridement)
  2. Bekämpfung bzw. Verhinderung von Infektionen der Wunde
  3. Phasen-/stadiengerechte Wundversorgung (mit speziellen Wundverbänden, die v. a. das feuchte Milieu der Haut und damit die Heilung unterstützen)
  4. Ggf. plastische Chirurgie, wenn es sich um einen großen Dekubitus handelt.

Die Industrie hat im Laufe der Jahre sehr spezielles Dekubitus-Verbandsmaterial entwickelt, u. a. sog. Hydrokolloid-Verbände, dessen Einsatz in die Hände von Experten gehört. Als pflegender Angehöriger sollten Sie hier immer dem Rat der Experten vertrauen und keinesfalls „heimlich“ mit Salben, Cremes oder dergleichen hantieren.

Info

Pflegende Angehörige wirken bei der Heilung mit

Soll der Dekubitus heilen, so müssen nicht nur Ärzte, Pflegepersonal und Wundmanager zusammenarbeiten. Auch Sie als pflegender Angehöriger sind gefragt. Sie können sich aktiv an der Heilung beteiligen (durch Schulungen etc.). Sie können auch darauf aufmerksam machen, dass sich der Betroffene nicht wohlfühlt oder Schmerzen hat – wenn er sich dazu nicht selbst äußern kann (z. B. wegen einer Demenz oder einer anderen Erkrankung).

 

Dekubitusprophylaxe

Ein Dekubitus wird oft als „Pflegefehler“ bezeichnet und in vielen Fällen ist er das sicherlich auch. Deshalb sagen Experten auch, dass die meisten Dekubitalgeschwüre vermeidbar sind.

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Zu einer Dekubitusprophylaxe gehören fünf Faktoren:

  1. Die Kenntnis und Verminderung/Vermeidung der Risikofaktoren.
  2. Die tägliche Beobachtung der Haut.
  3. Die druckentlastende Lagerung.
  4. Die Mobilisation des Pflegebedürftigen.
  5. Die adäquate Hautpflege mit passenden Mitteln wie z. B. feuchtigkeitsspendenden Cremes, die die natürliche Hautatmung zulassen.

 

Einen Faktor können Sie jeden Tag ganz einfach durchführen: die Beobachtung der Haut. Sie kennen die besonders gefährdeten Hautpartien und Sie wissen jetzt auch, wie der Fingertest funktioniert. Wenn Sie das beherzigen und bei einem Dekubitus-Verdacht rasch handeln, können Sie sich und Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen viel Leid und Schmerzen ersparen. Erfahren Sie weitere Tipps und Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe in diesem Beitrag.

Tipp

Die Beratung von Betroffenen (und im ambulanten Bereich: ihren Angehörigen) gehört zum Aufgabenbereich von professionellen Pflegekräften – so sieht es der Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ vor. Diese Beratung und auch die Weitergabe von Informationsmaterial ist ein Anspruch, den Sie an Pflegekräfte stellen können.

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Erstelldatum: .71.508102|Zuletzt geändert: .52.609102
DefinitionsquelleDeutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (Hrsg.) (2017). Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege. 2. Aktualisierung 2017. Osnabrück, S. 16
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Karolin Sobczyk
Im Interview
Karolin Sobczyk
Wundexpertin
Karolin Sobczyk ist staatlich geprüfte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Nach einer Weiterbildung zur Wundexpertin baute sie das Wundmanagement einer Klinik auf und beschäftigte sich insbesondere mit Gefäßerkrankungen. Seit 2013 arbeitet sie bei der Paul Hartmann AG im Bereich Wundmanagement und Care.

Auch wenn die Versorgung eines Dekubitus in die Hände von Fachleuten gehört, übernehmen pflegende Angehörige oftmals die Körperpflege und Mobilisation. Wundberaterin Karolin Sobczyk gibt praktische Tipps, worauf pflegende Angehörige bei der Hautpflege von Betroffenen mit Druckgeschwür achten sollten. Zudem gibt sie Ratschläge, mit welchen Mobilisierungsmaßnahmen Angehörige einem Dekubitus vorbeugen können.

Frau Sobczyk, Sie haben als Fachberaterin Wundmanagement & Care viel Erfahrung mit der Beratung von Patienten mit Dekubitus. Was sind die größten Herausforderungen, die auf Betroffene mit einem Dekubitus oder deren pflegende Angehörige zukommen?

Die größte Herausforderung sind die Ängste, die so eine Wunde mit sich bringt. Je nachdem wie groß das Druckgeschwür ist, haben Betroffene und pflegende Angehörige Sorge, dass dieses nie wieder zuheilt. Sie sind dann wie erstarrt und fragen sich, was sie jetzt tun können. Wenn sich ein Dekubitus in der Häuslichkeit entwickelt hat, – aus welchem Grund auch immer – haben Angehörige meist große Angst etwas falsch gemacht zu haben und fühlen sich als Mitverursacher. Dann rechtfertigen sie sich, dass sie allen Anweisungen des ambulanten Pflegedienstes gefolgt sind und nachts aufgestanden sind, um den Pflegebedürftigen zu lagern.

Gleichzeitig sind sie auch verärgert und wütend, wenn der Pflegebedürftige zuhause gut versorgt wurde, sich aber bei einem Klinikaufenthalt ein Dekubitus entwickelt hat. Insbesondere ärgerlich ist es dann, wenn der Dekubitus erst nach der Entlassung bei der Körperpflege zuhause entdeckt wird. Dann gibt es im Entlassungsbrief natürlich keine Anweisung darüber, was jetzt zu tun ist.

Wie können Angehörige mit dieser Angst bzw. Wut umgehen?

Erst einmal muss allen Beteiligten bewusst werden, dass das, was passiert ist, nicht zu ändern ist. Man muss überlegen, was man jetzt akut unternehmen kann, damit die Wunde sich nicht verschlechtert, sondern abheilt. Dazu muss dringend ein Arzt eingebunden werden. Die Angehörigen sind verständlicherweise oft aufgebracht und wollen zur Krankenkasse, um sich zu beschweren – doch das ist zweitrangig. Es ist erst einmal wichtiger, den Pflegebedürftigen richtig zu versorgen.

Was muss bei der Körperpflege und Versorgung eines Dekubitus beachtet werden?

Wenn sich bei einer Person z. B. ein Dekubitus an der Ferse entwickelt hat, wird die Wunde und somit auch ein Körperteil i. d. R. zum Schutz verbunden. Als Folge wird die verbundene Körperstelle von pflegenden Angehörigen bzw. dem Pflegebedürftigen bei der Körperpflege oftmals einfach ausgelassen. Man sieht dann beim Verbandswechsel, dass die Haut dort sehr schuppig ist.

In vielen Familien übernehmen pflegende Angehörige die Körperpflege und der Pflegedienst die Wundversorgung.  Was der eine bei der Körperpflege beobachtet, fehlt demjenigen an Wissen, der den Dekubitus versorgt – und andersrum. Selbst wenn Körperpflege und Wundversorgung nicht zwischen Angehörigen und einem Pflegedienst aufgeteilt werden, sondern beides vom Pflegedienst durchgeführt wird, lauern Gefahren: Dann kommt manchmal eine Pflegehelferin morgens zur Grundpflege (Körperpflege) und eine andere Pflegekraft zur medizinischen Behandlungspflege (Wundversorgung), da dafür eine andere Qualifikation notwendig ist. Dann muss ein Betroffener noch öfters in eine bestimmte Position gedreht werden, obwohl ihm das vielleicht aufgrund seiner Wunde Schmerzen bereitet. Außerdem muss, wenn die Wundumgebung dann bereits wieder verschmutzt ist, erneut gewaschen werden. Deswegen sollte die Versorgung immer gut koordiniert werden. Für mich ist das eine Sache, die man gar nicht trennen kann.

Welche Regeln gelten bei der Körperpflege einer Person mit Dekubitus?

Wichtig ist, dass Pflegebedürftige und pflegende Angehörige bei der Körperpflege professionell angeleitet werden.
Karolin Sobczyk

Ich muss als pflegender Angehöriger oder professionell Pflegender u. a. auf die Waschrichtung achten und darf nicht zu viel Wasser verwenden. Denn wenn verschmutztes Wasser unter den Wundverband läuft, kann dies die Wunde verunreinigen. Da muss ich definitiv vorsichtiger als sonst sein. Grundsätzlich sollte ich auch nur reizarme und hautfreundliche Waschzusätze oder einfach nur klares Wasser verwenden. Ebenso sollte ich sehr vorsichtig beim Abtrocknen der Haut sein und diese besser abtupfen als trockenreiben, um die Haut nicht weiter zu schädigen.

Wichtig ist, dass Pflegebedürftige und pflegende Angehörige bei der Körperpflege professionell angeleitet werden. Wir waschen uns alle jeden Tag und denken, das ist selbsterklärend, aber Menschen mit Dekubitus haben schon andere Bedürfnisse.

Welche Hautpflegemittel darf ich bei einem Dekubitus verwenden und welche sollte ich eher meiden?

Erstelldatum: .11.609102|Zuletzt geändert: .52.609102
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