Themenwelt Dekubitus

Ein Dekubitus ist ein großes Problem in der Altenpflege. Für Pflegepersonen ist die Diagnose ein Schock, weil sie darauf hinweisen kann, dass nicht richtig gepflegt wurde und damit ein sogenannter Pflegefehler vorliegt. Für Betroffene, die meist mobil stark eingeschränkt sind, ist ein Dekubitus sehr schmerzhaft. Umso wichtiger ist es, dass Sie wissen, was Sie dagegen tun können. pflege.de gibt Ihnen daher Informationen sowie praktisches Pflegewissen an die Hand.

Dekubitus

Inhaltsverzeichnis

Dekubitus: Definition

Ob Dekubitalgeschwür, Druckgeschwür, Durchliegegeschwür oder Wundliegen – alle Bezeichnungen beschreiben den sogenannten Dekubitus. Hierbei ist die Haut und/oder das darunter liegende Gewebe in Folge von anhaltendem Druck auf eine oder mehrere Körperstellen lokal begrenzt geschädigt.(1)

Der Begriff Dekubitus leitet sich vom lateinischen Wort „decumbere“ ab, das auf Deutsch „sich niederlegen“ bedeutet. Seltener begegnet Ihnen die lateinische Schreibweise Decubitus.

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Mehrzahl Dekubitus (Plural)

Die Mehrzahl von Dekubitus ist ebenfalls Dekubitūs – ausgesprochen allerdings mit einem langem „ū“ am Ende.(2) Wenn mehrere Körperstellen gleichzeitig wundgelegen sind, können Sie alternativ auch von mehreren Druckgeschwüren sprechen.

Dekubitus-Entstehung & Dekubitus-Ursachen

Wie genau entsteht ein Dekubitus? Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten Prof. Dr. med. Matthias Augustin erklärt es Ihnen.

Experten-Info
Prof. Dr. med. Matthias   Augustin
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

So entsteht ein Dekubitus:

Ein Dekubitus entsteht, wenn auf ein begrenztes Areal Druck ausgeübt wird im darunter liegenden Gewebe. Wie schnell sich ein solches Druckgeschwür entwickelt, ist von Fall zu Fall unterschiedlich. Da die oberste Hautschicht (Oberhaut) weder Blutgefäße noch Nerven besitzt, kann sie Druck relativ lange standhalten, bevor sie Schaden nimmt. Ein Dekubitus entsteht daher zuerst in den tieferen Schichten wie Muskulatur oder Fettgewebe und wird erst später auf der Haut sichtbar.

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Ein Dekubitus entsteht also dann, wenn die Druckbelastung zu hoch ist, beziehungsweise das Gewebe dem Druck nicht mehr standhalten kann. Dabei ist es unerheblich, ob kurzzeitig starker Druck oder über längere Zeit leichter Druck auf die Haut ausgeübt wird.

Menschen aus dem medizinischen Fachbereich unterscheiden zwischen

  • dem Druck von außen (zum Beispiel durch Falten im Bettlaken oder der Kleidung, Schienen, Katheter, Sonden etc.)
  • dem Druck von innen (zum Beispiel bei Knochen, die nur wenig von Fett- und Muskelgewebe umgeben sind, etwa die Fersen)

Wenn dann noch Reibung, etwa durch Stoffe oder Infusionsleitungen, und Scherkräfte dazu kommen, können die betroffenen Hautpartien darunter leiden. Durch den Druck kann die Haut nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff und Nährstoffen versorgt werden und es kommt zur Minderdurchblutung und damit zur Entstehung eines Dekubitus. Bei zu langem oder zu starkem Druck sterben die Zellen letztendlich ab. Dieser Gewebetod wird in der medizinischen Fachsprache als „Nekrose“ bezeichnet.

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Was sind Scherkräfte?

Scherung im Zusammenhang mit Dekubitus meint den Vorgang, wenn sich Hautschichten verschieben. Dabei verschiebt sich die oberste Hautschicht, während sich die unteren Hautschichten nicht verschieben. Dadurch kommt es am betroffenen Gewebe zu einer gestörten Durchblutung sowie möglichen Verletzungen, die oftmals erst später sichtbar werden. Scherkräfte können beispielsweise beim unbeabsichtigten Herunterrutschen des Pflegebedürftigen im Bett oder Sessel entstehen.

Dekubitus-Ursache: Verminderte Durchblutung

Die Ursache eines Dekubitus liegt also immer in einer verminderten Durchblutung der Haut. Es reicht schon das Eigengewicht des Körperteils aus, um einen Dekubitus auszulösen. Deshalb sind besonders übergewichtige Menschen, die sich nicht mehr ausreichend bewegen, von einem Dekubitus bedroht. Aber auch untergewichtige Personen, deren knöcherne Strukturen direkt unter der Hautoberfläche liegen und nicht durch eine Fettschicht geschützt sind, haben ein erhöhtes Dekubitusrisiko.

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Diese drei Faktoren spielen bei einer Dekubitus-Entstehung zusammen

Bei einer Dekubitus-Entstehung spielen drei Faktoren eine Rolle:

  1. Druck (Auflagedruck) und Scherkräfte
  2. Dauer (Druckverweildauer) und Intensität
  3. Disposition (Risikofaktoren)

Risikofaktoren: Dekubitus

Grundsätzlich besteht ein Dekubitusrisiko bei Menschen, die die meiste Zeit ihres Tages liegen oder sitzen. Zu den besonders gefährdeten Patienten gehören daher vor allem Säuglinge und Kinder sowie erwachsene Menschen, die bewegungseingeschränkt bis bettlägerig sind. Aber auch Menschen, die stark übergewichtig oder stark untergewichtig sind, haben ein höheres Dekubitus-Risiko.

Bei Neugeborenen und Kindern sind die Ursachen für die Entstehung eines Dekubitus etwas anders gelagert als bei Erwachsenen: Ihre Haut ist besonders zart und empfindlich und sie können Druck nicht wahrnehmen und sich auch nicht entsprechend äußern.(2)

Die Dekubitus-Risikofaktoren bei Erwachsenen sind umfassender und lassen sich nach sogenannten intrinsischen und extrinsischen Risikofaktoren aufteilen.(3)

Intrinsische Risikofaktoren für Dekubitus

Intrinsische Dekubitus-Risikofaktoren hängen mit dem Individuum selbst zusammen und können folgende Aspekte betreffen:(3)

  • Körperlicher und seelischer Zustand
  • Erkrankungen (zum Beispiel Arthrose, Rheuma, Diabetes mellitus, Herzschwäche)
  • Sensibilitätsstörungen / Lähmungen (zum Beispiel nach einem Schlaganfall)
  • Infekte
  • Erhöhte Hautfeuchtigkeit
  • Hautschäden (zum Beispiel durch Feuchtigkeit, Inkontinenz, Pergamenthaut bei Behandlung mit Kortison oder unzureichende Pflege der Haut im Alter)
  • Höheres Lebensalter
  • Geringe körperliche Aktivität und Mobilität
  • Starkes Übergewicht (Adipositas) und Untergewicht (Kachexie)
  • Mangelernährung und Flüssigkeitsmangel (Dehydration)

Extrinsische Risikofaktoren für Dekubitus

Extrinsische Dekubitus-Risikofaktoren hängen mit der Umwelt zusammen und betreffen unter anderem:(3)

  • Lagerung beziehungsweise Positionierung
  • Hebe- und Positionierungstechniken / Scherkräfte
  • Katheter und Sonden
  • Medikamenteneinnahme
  • Verbände, Fixierungen
  • Harte Auflageflächen

Unterschied: Primäre Risikofaktoren für Dekubitus / sekundäre Risikofaktoren für Dekubitus

Es kann sein, dass Sie in der Fachliteratur einer weiteren Unterscheidung begegnen, nach denen die Risikofaktoren für einen Dekubitus gruppiert werden, nämlich den sogenannten primären und sekundären Risikofaktoren. Auch diese Aufteilung ist schnell erklärt:(4)

  • Primäre Risikofaktoren bei Dekubitus betreffen das Ausmaß an Mobilität einer Person.
    Grund: Eine eingeschränkte Mobilität ist in den meisten Fällen der Ausgangspunkt für einen Dekubitus. Faktoren, die zu einer eingeschränkten Mobilität führen, wie etwa eine Narkose oder Lähmungen, stehen also im direkten Zusammenhang mit der Krankheitsentstehung von Dekubitus.
  • Sekundäre Risikofaktoren bei Dekubitus betreffen die Leistungsfähigkeit der Haut.
    Grund: Ist die Haut beeinträchtigt, kann sie bei einwirkendem Druck keinen ausreichenden Widerstand leisten. In der Folge besteht ein erhöhtes Risiko für Dekubitus. Faktoren, die die Haut beeinträchtigen, wie etwa Rauchen oder bestimmte Erkrankungen, begünstigen in der Folge also auch die Krankheitsentstehung eines Dekubitus.
Info

Für alle Dekubitus-Risikopersonen gilt

  • Medizinische Hilfsmittel oder Geräte (wie etwa Katheter) erhöhen das Risiko eines Dekubitus, weil sie an der Haut reiben oder darauf Druck ausüben.
  • Ziehende oder zerrende Lagerungs- beziehungsweise Positionierungstechniken bei einem bewegungseingeschränkten Patienten können dazu führen, dass seine Haut durch sogenannte Scherkräfte verletzt wird.
  • Langes unbewegliches Liegen oder Sitzen führt fast zwangsläufig zu einem Druckgeschwür.

Prädilektionsstellen für Dekubitus: Gefährdete Körperstellen

Beim permanenten Liegen oder Sitzen sind einige Körperstellen für ein Wundliegen besonders gefährdet. Sogenannte Prädilektionsstellen bezeichnen Körperteile, an denen ein bestimmtes Krankheitsbild bevorzugt auftritt (Prädilektion bedeutet Vorliebe). Die nachfolgende Grafik zeigt Ihnen die typischen Prädilektionsstellen für einen Dekubitus.

  • Ohren
  • Hinterkopf
  • Schultergelenk und Schulterblatt
  • Wirbelsäule
  • Ellenbogen
  • Beckenkamm
  • Sitzbein
  • Kniegelenk
  • Fersen
  • Fußknöchel

Je nach Lage beziehungsweise Position im Liegen oder Sitzen können verschiedene Körperteile für einen Dekubitus gefährdet sein.

Die nachfolgende Tabelle gibt Ihnen einen Überblick über alle Körperstellen, auf die je nach Lage beziehungsweise Position Druck einwirkt, wodurch möglicherweise ein Dekubitus entstehen kann.

Lage / Position Dekubitus gefährdete Körperstellen
Rückenlage
  • Hinterhauptknochen (auch Hinterhauptsbein)
  • Schulterblätter
  • Dornfortsätze
  • Steißbein / Kreuzbein / Sitzbein / Po / Analfalte
  • Fersen
Bauchlage
  • Stirn
  • Jochbein
  • Schultergelenke
  • Brustbein / Brust
  • Ellenbogen
  • Darmbeinstachel
  • Kniescheiben
  • Fußspitzen
Seitenlage (90-Grad-Lage)
  • Jochbein
  • Ohr
  • Schultergelenk
  • Rippen
  • Ellenbogen
  • Großer Rollhügel
  • Kniegelenke
  • Wadenbein
  • Seitliche Knöchel
Sitzen
  • Hinterkopf
  • Schulterblätter
  • Dornfortsätze
  • Ellenbogen
  • Sitzbeinhöcker
  • Fersen
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Druckverlagerung bei gesunder und geschwächter Haut im Vergleich

Wenn die Haut bei gesunden Menschen zu viel Druck und zu wenig Sauerstoff bekommt, fängt das jeweilige Körperteil an zu kribbeln. Durch Verlagerung des Körperteils oder des Körpers kann die Sauerstoffzufuhr leicht wiederhergestellt werden. Bei kranken und älteren Menschen ist die Druckverlagerung manchmal nicht mehr möglich, zum Beispiel aufgrund von stark eingeschränkter Mobilität, Empfindungsstörungen oder Lähmung.

Dekubitus am Steißbein/ Gesäß & Dekubitus an der Ferse/ Fuß

Am häufigsten entsteht ein Druckgeschwür in Rückenlage, nämlich über dem Steißbein, am Gesäß sowie an den Fersen. Diese Körperstellen sind für einen Dekubitus besonders gefährdet, da sich an ihnen Knochenvorsprünge unmittelbar unter der Haut befinden, die weder durch Fett noch durch Muskeln geschützt werden.

  • Druckgeschwüre im Bereich des Sitzbeins oder Gesäßes machen circa 40 Prozent aller Dekubitus-Fälle aus.
  • Druckgeschwüre an den Fersen treten in etwa 18 Prozent aller Dekubitus-Fälle auf.

Seltener allgemein tritt ein Dekubitalgeschwür in Bauch- oder Seitenlage auf.

Ebenfalls eher selten kommt ein Dekubitus an Hinterkopf, Ohren, Schulterblättern oder Zehen kommt vor.

Risikoeinschätzung bei Dekubitus: Braden-Skala bei Dekubitus

Die amerikanischen Pflegewissenschaftlerinnen Barbara J. Braden und Nancy Bergstrom entwickelten im Jahr 1987 die sogenannte Braden-Skala, um das individuelle Dekubitusrisiko professionell einzuschätzen. Hierbei handelt es sich um ein Punktesystem, mit dem die Druckeinwirkung sowie Gewebetoleranz eines Dekubitus-gefährdeten Menschen bewertet werden soll. Dabei werden folgende sechs Faktoren mithilfe einer Skala näher beurteilt:

  1. Sensorisches Empfindungsvermögen
  2. Hautfeuchtigkeit
  3. Körperliche Aktivität
  4. Mobilität
  5. Ernährungsverhalten
  6. Reibungs- und Scherkräfte

Festzuhalten ist: Dekubitusrisiko-Skalen gehören in die Hände von Experten, denn die Punktevergabe ist nicht immer ganz einfach. Nur bei richtiger Anwendung kann eine Skala auch sehr gut bei der Verlaufskontrolle helfen. Außerdem unterstützt sie bei der Auswahl der richtigen Antidekubitus-Hilfsmittel. Der Bundesverband Medizintechnologie (BVMed) hat dafür verschiedene Erhebungsbögen entwickelt. Diese finden Sie auf dessen Internetseite.

Weitere Skalen, die für die Einschätzung eines Dekubitusrisikos bekannt sind, sind die Norton-Skala oder die Waterlow-Skala.

Wichtiger Hinweis Diese Skalen bieten keine zuverlässigen Aussagen

Nach dem Expertenstandard des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) werden diese Skalen allerdings nicht mehr im Rahmen der routinemäßigen Anwendung empfohlen, da sie keine zuverlässige Aussage bieten.

Dekubitusprophylaxe: Antidekubitus-Maßnahmen

Zu einer Dekubitusprophylaxe gehören fünf wesentliche Faktoren:

  1. Die Kenntnis und Verminderung beziehungsweise Vermeidung der Risikofaktoren.
  2. Die tägliche Beobachtung der Haut.
  3. Die druckentlastende Positionierung.
  4. Die Mobilisation des pflegebedürftigen Menschen.
  5. Die adäquate Hautpflege mit individuell ausgesuchten Pflegeprodukten.

Dekubitus-Symptome

Die klassischen Symptome eines Dekubitus sind meist spürbar wie sichtbar.

Ein Dekubitus kann

  • Schmerzen an der betroffenen Stelle verursachen.
  • eine rote oder violette Haut an der betroffenen Stelle hervorrufen.
  • sich durch eine Haut äußern, die im Vergleich zur umliegenden Haut dünner und weicher ist.
  • die Haut einreißen und ein offenes, großflächiges Druckgeschwür bilden.
Tipp
Infektionsschutz bei Dekubitus

Je fortgeschrittener die Symptome sind, desto höher ist auch das Infektionsrisiko an der betroffenen Stelle. Eiter in der offenen Wunde oder ein unangenehmer Geruch deuten auf eine Infektion hin. Umso wichtiger ist der tägliche Infektionsschutz bei einem Dekubitus. Mit sogenannten Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch wie etwa Händedesinfektion, Handschuhen oder Flächendesinfektion leisten Sie einen wichtigen Beitrag zum Infektionsschutz im Pflegealltag. Liegt ein Pflegegrad vor, zahlt die Pflegekasse bis zu 40 Euro im Monat für diese Produkte.

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Fingertest / Test bei Dekubitus: Symptome erkennen

Nicht jede Rötung ist ein Dekubitus – aber jeder Dekubitus beginnt mit einer Rötung. Deshalb ist der sogenannte Dekubitus-Fingertest so wichtig:

Drücken Sie mit einem Finger auf die gerötete Hautpartie und achten Sie auf folgende Zeichen:

Reaktion der Haut  Fingertest-Ergebnis
Die Rötung verblasst und wird weiß. Es liegt kein Dekubitus vor.
Nach Heben des Fingers verbleibt kurze Zeit ein weißer Fleck auf der Rötung. Es liegt kein Dekubitus, aber es besteht ein Dekubitusrisiko.
Die Rötung bleibt. Sie ist nicht „wegdrückbar“. Es liegt ein Dekubitus vor.
Wichtiger Hinweis Bei bleibender Rötung sofort handeln

Wenn die Rötung bleibt, müssen Sie von einem Dekubitus ausgehen und sofort dafür sorgen, dass die Hautstelle von jeglichem Druck entlastet wird. Benachrichtigen Sie bitte einen Arzt, der weitere Maßnahmen veranlassen wird.

Dekubitus-Diagnose

Wie kann ich einen Dekubitus erkennen und wer stellt die Diagnose Dekubitus?

Das einzig „Gute“ bei einem fortgeschrittenen Dekubitus ist: er ist meist spürbar und sichtbar. Dadurch führt die Dekubitus-Diagnostik in einem fortgeschrittenen Krankheitsstadium in den meisten Fällen auch zu einem schnellen Ergebnis.

Anders kann es in einem anfänglichen Krankheitsstadium sein, in dem der betroffene Mensch möglicherweise nur von Druckschmerzen an einer bestimmten Körperstelle berichtet. Liegt kein ausreichendes Krankheits- beziehungsweise Pflegewissen vor, besteht die Gefahr, dass diese anfänglichen Beschwerden verharmlost werden. Doch umso früher ein Dekubitus entdeckt wird, desto früher können auch entsprechende Antidekubitus-Maßnahmen zum Einsatz kommen. Daher ist es wichtig, dass Sie nicht nur die Haut im Pflegealltag im Blick behalten, sondern auch regelmäßig über mögliche Schmerzen sprechen.

Erste Anzeichen auf einen Dekubitus, wie anhaltende Schmerzen oder Hautrötungen an einer bestimmten Körperstelle, sollten Sie von einem Arzt abklären lassen. Erste Anlaufstelle bei einem möglichen Dekubitus ist Ihr Hausarzt oder ein Dermatologe (Hautarzt).

Zur Diagnostik eines Dekubitus gehören:(1)

  1. Bei einer Anamnese (Arztgespräch zur Krankengeschichte) werden verschiedene Faktoren erhoben, wie beispielsweise der allgemeine Gesundheitszustand, mögliche Grunderkrankungen, das individuelle Dekubitusrisiko, der Ernährungszustand, Schmerzen oder eine mögliche Medikamenteneinnahme.
  2. Bei einer körperlichen Untersuchung werden unter anderem folgende Faktoren erfasst: der allgemeine Hautzustand oder Ort, Größe sowie Merkmale des möglichen Druckgeschwürs. Bei der körperlichen Untersuchung wird meist der ganze Körper beziehungsweise die bekannten gefährdeten Körperstellen für Dekubitus genauer betrachtet.
  3. Wird der Verdacht auf Dekubitus erhärtet, erfolgt eine genaue Einteilung in einen der vier Dekubitus-Kategorien.
  4. Ist der Dekubitus bereits fortgeschritten und eine Wunde mit eitrigen Ablagerungen ist sichtbar, kann zudem ein Abstrich genommen werden. Mit diesem können die Bakterien genauer untersucht werden, die zur Infektion geführt haben. Auch eine Blutabnahme kann hierbei in Frage kommen.
  5. Zudem geben Röntgenbilder bei einem weit fortgeschrittenen Druckgeschwür Klarheit darüber, ob der Dekubitus womöglich anliegende Knochen erreicht hat, beziehungsweise in diese bereits eingedrungen ist.

Dekubitus-Einteilung: Kategorien, Grade & Stadien

Bis 2014 wurde ein Dekubitus in vier unterschiedliche Grade oder Stadien eingeteilt, inzwischen wurden diese Bezeichnungen in der professionellen Pflege nach dem Expertenstandard des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) durch vier Dekubitus Kategorien abgelöst.(2) Nichtsdestotrotz werden die Dekubitus-Grade im Volksmund noch sehr oft verwendet, weshalb auch pflege.de diese Bezeichnung in diesem Beitrag noch nutzt.

Unabhängig davon, ob Dekubitus-Grade oder -Kategorien – geblieben ist die Erkenntnis, dass in jeder Kategorie reagiert werden sollte.

Unglücklicherweise werden Hautrötungen jedoch nicht immer wahrgenommen. Oft wird ein Dekubitus erst dann entdeckt, wenn er schon in Dekubitus Kategorie 2 ist, also bereits Wunden entstanden sind.

Nachfolgend gibt Ihnen pflege.de eine kurze Übersicht zu den vier Dekubitus-Kategorien:(1)

  • Dekubitus Kategorie 1 / Grad 1: Gerötete Hautstelle, die sich beim Fingertest als nicht wegdrückbar erweist.
  • Dekubitus Kategorie 2 / Grad 2: Oberflächliche, offene Wunde oder farblose Hautblase.
  • Dekubitus Kategorie 3 / Grad 3: Tiefe Wunde bis in die Unterhaut.
  • Dekubitus Kategorie 4 / Grad 4: Sehr tiefe Wunde, die bis auf Knochen, Sehnen und Muskeln blicken lässt.
Experten-Info
Prof. Dr. med. Matthias   Augustin
Facharzt für Haut- und Geschlechtskrankheiten

Nicht jeder Druckschaden wird einer Kategorie zugeordnet

Einige Druckschäden werden keiner Kategorie zugeordnet. Dies betrifft beispielsweise geschlossene verfärbte Blasen, die somit schon auf eine tieferliegende Schädigung hinweisen oder auf Beläge, die das Ausmaß der Wunde verdecken. Das internationale Klassifikationssystem für Dekubitus und die entsprechende Einteilung finden Sie in der Leitlinie „Prävention und Behandlung von Dekubitus“ (zuletzt aktualisiert in 2014) des European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP) und des amerikanischen National Pressure Ulcer Advisory Panel (NPUAP).

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Dekubitus-Behandlung / Therapie: Dekubitus-Grad 1, 2, 3, 4

Ist ein Dekubitus entstanden, so gehört dessen Behandlung in die fachkundigen Hände einer Pflegefachkraft und eines Arztes. Die Behandlung beziehungsweise Therapie richtet sich nach der Kategorie des Dekubitus, wobei die Basis jeder Behandlung die sofortige Druckentlastung und -verteilung ist. Durch diese Druckentlastung kommt die Durchblutung wieder in Gang, beschädigte Zellen können sich regenerieren und auch die Versorgung des Gewebes stabilisiert sich.(1)

Druckentlastung und Druckverteilung

Die Behandlung eines Dekubitus ist ein komplexer Prozess, der in die Hände von ausgewiesenen Experten gehört, zum Beispiel von Wundexperten. Einige wichtige Faktoren im Wundmanagement eines Dekubitus sind:

  • Die Positionierung (abhängig von der betroffenen Körperstelle) des Betroffenen.
  • Die Auswahl der passenden Lagerungs- beziehungsweise Positionierungshilfsmittel.
  • Das individuelle Zeitintervall für die regelmäßigen Umpositionierung des Betroffenen.
  • Die individuell angepasste Wundbehandlung (Reinigung, Abdeckung, gegebenenfalls chirurgische Entfernung von abgestorbenem Gewebe).
  • Die Verminderung oder Beseitigung von Risikofaktoren (zum Beispiel Mangelernährung, Behandlung von Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Rheuma etc.).
  • Die Förderung der Mobilität des Betroffenen.

Jede Behandlung eines Dekubitus muss genauestens dokumentiert werden. Hierzu verfügen professionell Pflegende über standardisierte Handlungsleitlinien, mit denen sie den Fortschritt der Therapie beurteilen und nachweisen können. Das beginnt bei der Dokumentation der Wunde und endet, im besten Fall, bei der erfolgreichen Heilung.

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Dekubitus und Schmerztherapie

Sie müssen immer davon ausgehen, dass ein Betroffener durchaus Schmerzen verspürt. Manchmal kann es sein, dass er diese nicht (mehr) äußern kann, zum Beispiel bei einer fortgeschrittenen Demenz. Dennoch sollten Sie darauf achten, dass zur Dekubitus-Behandlung auch eine Schmerzmedikation gehört. Mit einem Medikamentenplan behalten Sie eine gute Übersicht über alle Medikamente. pflege.de stellt Ihnen hierfür eine kostenlose Vorlage bereit, die Sie gerne nutzen können.

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Dekubitus-Versorgung: Wundversorgung, Pflaster und Verband bei Dekubitus-Grad 2, 3, 4

Jeder Dekubitus ist eine Wunde und muss behandelt werden. Doch die Wundversorgung bei Dekubitus ist ein sehr komplexer Prozess, denn Dekubitalgeschwüre heilen nur sehr langsam und schwer. Unabhängig davon, ob es sich um einen Dekubitus der Kategorie 2, 3 oder 4 handelt – jede Wundversorgung bei einem Dekubitus besteht aus den folgenden grundlegenden Schritten:(1)(5)

  1. Entfernung des abgestorbenen Gewebes (sogenanntes Débridement) sowie Reinigung der Wunde und deren Umgebung.
  2. Bekämpfung beziehungsweise Verhinderung von Infektionen der Wunde.
  3. Phasen-/stadiengerechte Wundversorgung mit individuell angepassten Verbandmitteln, die vor allem das feuchte Wundmilieu und damit die Heilung unterstützen.
  4. Gegebenenfalls plastische Chirurgie, wenn es sich um einen großen Dekubitus handelt.

Die Behandlung einer offenen Wunde bei einem Dekubitus sollte in einem möglichst feuchten Wundmilieu stattfinden. Die Industrie hat im Laufe der Jahre sehr spezielles Verbandsmaterial und Wundauflagen für solche Wunden entwickelt, zum Beispiel Schaumverbände. Diese sind Teil der sogenannten modernen Wundversorgung.

Wichtiger Hinweis Hören Sie auf den Rat eines Wundexperten

Die Auswahl einer geeigneten Wundauflage hängt von der jeweiligen Wundheilungsphase ab und gehört in jedem Fall in die Hände von Experten.

Feuchte Wundbehandlung bei Dekubitus

Für die Behandlung eines Druckgeschwürs der Kategorie 2, 3 oder 4 gibt es eine Fülle an Verbandmitteln, die den Standard der feuchten Wundbehandlung erfüllen. Es handelt sich dabei um sogenannte hydroaktive Wundauflagen, die für ein feuchtes Milieu in der Wunde sorgen, denn nur auf einem feuchten Milieu gelingt die Wundheilung. Der alte Mythos von der „frischen Luft, die an die Wunde muss“, ist längst widerlegt. Ein die Wunde feuchthaltender Wundverband führt zu einer schnelleren Heilung als eine trockene Wunde, die an der Luft heilen soll.

Dekubitus heilen: Drei Wundheilungsphasen

Der Heilungsverlauf eines Druckgeschwürs hängt mit unterschiedlichen Faktoren zusammen. Ein entscheidender Faktor ist das Stadium des Dekubitalgeschwürs. Dekubitus im frühen Stadium kann mithilfe von gezielter Druckentlastung und Druckverteilung bereits gut behandelt werden. Besteht bereits eine offene Wunde, kann der Heilungsweg deutlich länger ausfallen und bis zu Monaten andauern.

Die Wundheilung eines Druckgeschwürs teilt sich in drei grundlegende Phasen:(5)

Wundheilungsstadium / Heilungsphasen Beschreibung
Reinigung (sogenannte Exsudationsphase) Wunde reinigt sich: Blutgefäße weiten sich, Entzündungszellen wehren Keime ab, entfernen abgestorbenes Gewebe und bilden Wundsekret
Gewebsbildung (sogenannte Granulationsphase) Neues Gewebe bildet sich: Wunde füllt sich auf und Wundränder ziehen sich zusammen
Regeneration (sogenannte Epithelisierungsphase) Haut regeneriert sich: Ziel ist hier der vollständige Wundverschluss bzw. eine Narbenbildung
Die Vorteile der feuchten Wundbehandlung sind:
  • In der Reinigungsphase werden die Reinigung der Wunde gefördert und weitere Zellschäden vermieden.
  • In der Granulationsphase wird die Bildung von neuem Bindegewebe angeregt.
  • In der Epithelisierungsphase kommt es zu einer schnelleren Bildung von Epithelzellen und einer verringerten Narbenbildung.
  • Feuchte Wundverbände mindern auch die Schmerzen des Betroffenen. Solche Verbandmittel verkleben seltener mit der Wunde, sind also oft leichter abzulösen und schonen das zarte nachwachsende Hautgewebe.

Plastische Chirurgie bei Dekubitus

Nicht immer gelingt eine vollständige Abheilung des Dekubitus. Zudem ist die Behandlung meist mit Schmerzen verbunden, dauert lange und belastet den Betroffenen (und seine Angehörigen) sehr. In manchen – schweren – Fällen wird deshalb auf die plastische Chirurgie gesetzt, bei der ganze Hautteile transplantiert werden, um den Dekubitus wieder zu verschließen.

Dekubitus-Behandlung: Ja, aber nicht in jedem Fall

Natürlich ist es ein pflegerisches Ziel, einen Dekubitus zu verhindern oder ihn zu behandeln. Doch es gibt auch Situationen, in denen die Therapie eines Dekubitus nicht mehr das oberste Ziel der Pflege ist oder sein kann:

  • Befinden sich Menschen in lebensbedrohlichen Situationen, kann es sein, dass eine Dekubitusbehandlung nicht vorrangig ist. Zum Beispiel Patienten in einer intensivmedizinischen Behandlung.
  • Bei Sterbenden sind oft andere Prioritäten wichtiger als die womöglich aufwendige und schmerzhafte Behandlung eines Dekubitus. Hier ist dann eher das richtige Schmerzmanagement vorrangig.
Tipp
Halten Sie Ihren eigenen Willen schriftlich fest

Es gibt Situationen im Leben, in denen wir unsere eigenen Entscheidungen unter Umständen nicht mehr mitteilen können. Ob ein Unfall, eine schwere Krankheit oder gar ein Todesfall – all dies sind relevante Themen, die jeden von uns betreffen können. Vorsorgedokumente (Vollmachten & Verfügungen) sind somit für jeden Menschen wichtig, unabhängig vom Alter.

In einer Patientenverfügung halten Sie selbst schriftlich fest, welche medizinischen Maßnahmen im Fall der Fälle ergriffen werden sollen.

In einer Vorsorgevollmacht bestimmen Sie, welche Person in Ihrem Sinne handeln soll, wenn Sie dazu nicht mehr im Stande sind.

Checkliste: 10 Tipps für die Dekubitus-Pflege

Soll der Dekubitus heilen, so müssen nicht nur Ärzte, Pflegefachpersonal und Wundexperten zusammenarbeiten. Auch Sie als pflegender Angehöriger spielen eine wichtige Rolle. Sie können sich nicht nur aktiv an der Heilung beteiligen, sondern gleichermaßen etwas für die Dekubitus-Vorbeugung tun. pflege.de gibt Ihnen nachfolgend zehn Tipps für die Planung der Dekubitus-Pflege.

  1. Beginnen Sie frühzeitig, die Pflege zu organisieren.
    Zum Beispiel, indem Sie bei der zuständigen Pflegekasse einen Pflegegrad beantragen oder aber einen Antrag auf Höherstufung stellen. Mit einem anerkannten Pflegegrad stehen dem pflegebedürftigen Versicherten verschiedene Unterstützungsleistungen zu.
  2. Sammeln Sie sich Wissen über die Krankheit und Pflege an.
    Zum Beispiel in speziellen Pflegekursen für pflegende Angehörige.
  3. Passen Sie bei Bedarf den Wohnraum pflegegerecht an.
    Zum Beispiel durch einen barrierefreien Badumbau oder ein Treppenliftsystem.
  4. Sorgen Sie für schnelle Hilfe im Notfall vor.
    Zum Beispiel mit einem Hausnotrufsystem.
  5. Beantragen Sie Hilfsmittel, die den Pflegealltag bei Dekubitus erleichtern.
    Zum Beispiel Umsetz- und Hebehilfen oder spezielle Antidekubitusmatratzen.
  6. Schützen Sie sich und den Dekubitus-Patienten vor Infektionen.
    Zum Beispiel mit sogenannten Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch wie Händedesinfektion, Handschuhe oder Schutzschürzen.
  7. Stellen Sie sicher, dass der Dekubitus-Patient regelmäßig mobilisiert wird.
    Zum Beispiel mithilfe spezieller Lagerungstechniken beziehungsweise Positionierungstechniken oder Maßnahmen der aktivierenden Pflege.
  8. Achten Sie auf die richtige Körperpflege bei Dekubitus.
    Zum Beispiel sollten Sie keine alkalischen Seifen benutzen und tägliche Ganzkörperwäschen, wenn möglich, vermeiden. Gerade die Haut im Alter kann sehr empfindlich sein und bedarf ohnehin einer besonderen Pflege.
  9. Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung bei Dekubitus.
    Zum Beispiel können Sie im Falle einer Mangelernährung beziehungsweise bei Untergewicht, das Lieblingsessen mit zusätzlichen Kalorien und Nährstoffen anreichern.
  10. Verschaffen Sie sich einen Überblick über einzunehmende Medikamente.
    Zum Beispiel mithilfe eines Medikamentenplans.

Bei all Ihren Handlungen im Pflegealltag sollten Sie sich zuletzt jedoch immer wieder vor Augen führen: Hinter der pflegebedürftigen Person steckt immer noch derselbe Mensch.

Lesen Sie daher auch zwischen den Zeilen und reagieren Sie entsprechend, wenn Sie das Gefühl haben, dass sich Ihr pflegebedürftiger Angehöriger nicht wohlfühlt oder Schmerzen hat. Seien Sie besonders achtsam, wenn sich der Betroffene selbst dazu nicht mehr äußern kann, zum Beispiel in Folge einer fortgeschrittenen Demenz oder einer anderen Erkrankung.

Dekubitus-Hilfsmittel

Manchmal reicht es schon aus, die Bettdecke zu falten und einige Kissen als Unterstützung zu nutzen, damit eine Positionierung schonend und schmerzarm erfolgen kann. Doch natürlich gibt es auch eine ganze Reihe von Hilfsmitteln, die durch die Krankenkasse (SGB V) oder Pflegekasse (SGB XI) gefördert oder geliehen werden können. Allerdings muss zum Beispiel für ein (Sitz-)Kissen oder eine spezielle Pflegematratze auch eine entsprechende Verordnung (Rezept) vom Arzt vorliegen.

Erfahrene Pflegefachkräfte haben bei Hilfsmitteln ein klares Motto: Weniger ist mehr. Schließlich braucht jedes Hilfsmittel ausreichend Platz im Bett. Kommen beim Betroffenen noch Drainagen, Verbände, Schienen oder Prothesen zum Einsatz, wird der Platz im Pflege- oder Krankenbett schnell knapp.

Jedes Dekubitus-Hilfsmittel hat vor allem einen Zweck: Es soll den Druck vom Körper oder einer bestimmten Körperstelle nehmen oder woanders hin verteilen.

Als gezielte Antidekubitus-Maßnahme eignen sich vor allem diese zwei Hilfsmittel:

  • Antidekubitus-Matratzen
  • Antidekubitus-Kissen
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Hilfsmittel individuell auf die Person anpassen

Alle Hilfsmittel müssen zum Betroffenen passen. Nicht jeder profitiert zum Beispiel von einer Wechseldruckmatratze. Durch den sogenannten Seegang-Effekt, den dieses System erzeugt, spürt der Liegende nicht mehr, wo sein Körper anfängt und wo er aufhört. Das kann zum Beispiel Menschen mit Demenz oder Wahrnehmungsstörungen sehr stark irritieren oder verängstigen.

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Dekubitus Matratze / Antidekubitusmatratze

Eine Antidekubitusmatratze soll verhindern, dass zu viel Gewicht auf einer zu eng umgrenzten Körperstelle zu liegen kommt. Das gelingt auf zwei Arten:

  1. Der Druck wird auf eine größere Auflagefläche verteilt (Weichlagerungssysteme).
  2. Der Druck wird immer nur kurze Zeit auf eine bestimmte Stelle ausgeübt (Wechseldrucksysteme).
Info

Dekubitus-Matratze auf Rezept

Mit einem Rezept vom Arzt erhalten Versicherte eine solche Matratze bei der Kranken- oder Pflegekasse. Sie sollten jedoch vorher genau klären, welche spezielle Matratze oder welches spezielle Matratzensystem für Ihren persönlichen Bedarf in Frage kommt. Wichtig ist, dass eine Antidekubitusmatratze sehr schnell zum Einsatz kommt, wenn ein Dekubitus diagnostiziert wurde.

Dekubitus Kissen / Antidekubituskissen

Nicht jeder, der einen Dekubitus hat, lag vorher dauerhaft im Bett. Häufig verbringen beispielsweise pflegebedürftige Menschen viel Zeit in ihrem Lieblingssessel oder auf der Couch. Dann ist der Druck zumeist viel höher und die Gefahr groß, dass ein Dekubitus entsteht, vor allem am Gesäß. Ein Antidekubitus-Sitzkissen kann hier prophylaktisch eingesetzt werden. Gerade für Menschen im Rollstuhl gibt es spezielle Sitzkissen, die den Druck auf Gesäß und Oberschenkel vermindern.

Info

Ungeeignete Kissen / Polster-Maßnahmen bei Dekubitus

Nicht mehr zum Einsatz kommen bei Dekubitus:

  • Felle sowie Fersen- oder Ellenbogenschoner aus Fell
  • Wasserkissen
  • Watteverbände
  • (Gummi-)Ringe oder Lochkissen

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Dekubitus?

Bei einem Dekubitus ist die Haut und/oder das darunter liegende Gewebe in Folge von anhaltendem Druck auf eine oder mehrere Körperstellen lokal begrenzt geschädigt. Wird ein Dekubitus nicht frühzeitig entdeckt, kommt es zu einem sichtbaren Druckgeschwür, das im weiteren Verlauf in eine offene Wunde übergehen kann.

Wie lautet der Fachbegriff für Wundliegen?

Der Fachbegriff für Wundliegen ist Dekubitus.

Was ist ein Druckgeschwür?

Bei einem Druckgeschwür (auch Wundliegegeschwür) ist die Haut an einer Körperstelle beschädigt.

Womit wird ein Dekubitus häufig verwechselt?

In der professionellen Pflege gelingt es nicht immer einen Dekubitus eindeutig zu erkennen. Häufig wird ein Dekubitus mit der sogenannten Inkontinenz Assoziierten Dermatitis (kurz: IAD) verwechselt. In beiden Fällen sind Hautveränderungen sichtbar. Auffällige Hautveränderungen oder anhaltende Schmerzen an einer bestimmten Körperstelle sollten Sie daher immer (möglichst frühzeitig) ärztlich abklären lassen.

Wie entsteht ein Dekubitus?

Ein Dekubitus entsteht, wenn die Druckbelastung auf eine bestimmte Körperstelle zu hoch ist, beziehungsweise das darunter liegende Gewebe dem Druck nicht mehr standhalten kann.

Durch welche Mechanismen entsteht nach aktuellen Erkenntnissen ein Dekubitus?

Bei einer Dekubitus-Entstehung spielen drei Faktoren eine Rolle:

  1. Druck (Auflagedruck) und Scherkräfte
  2. Dauer (Druckverweildauer) und Intensität
  3. Disposition (Risikofaktoren)

Wo kann ein Dekubitus entstehen?

Beim permanenten Liegen oder Sitzen sind einige Körperstellen für ein Wundliegen besonders gefährdet. Typisch gefährdete Körperstellen für einen Dekubitus sind:

  • Ohren
  • Hinterkopf
  • Schultergelenk und Schulterblatt
  • Wirbelsäule
  • Ellenbogen
  • Beckenkamm
  • Sitzbein
  • Kniegelenk
  • Fersen
  • Fußknöchel

Was sind Prädilektionsstellen?

Sogenannte Prädilektionsstellen bezeichnen Körperteile, an denen ein bestimmtes Krankheitsbild bevorzugt auftritt (Prädilektion bedeutet Vorliebe). Häufigste Prädilektionsstellen für einen Dekubitus sind das Sitzbein beziehungsweise das Gesäß und die Fersen.

Welche Hautschichten sind bei einem Dekubitus nacheinander betroffen?

Ein unbehandelter Dekubitus kann tief ins Gewebe vordringen. Dabei durchläuft er zunächst verschiedene Hautschichten:

  1. Epidermis (Oberhaut)
  2. Dermis (Lederhaut)
  3. Subcutis (Unterhaut)

Ein Dekubitus sogar durch Sehnen und Muskeln bis in die Knochen eindringen.

Wer ist Dekubitus-gefährdet?

Grundsätzlich besteht ein Dekubitusrisiko bei Menschen, die die meiste Zeit ihres Tages liegen oder sitzen. Zu den besonders gefährdeten Patienten gehören daher vor allem Säuglinge und Kinder sowie erwachsene Menschen, die bewegungseingeschränkt bis bettlägerig sind. Aber auch Menschen, die stark übergewichtig oder stark untergewichtig sind, haben ein höheres Dekubitus-Risiko.

Zu welchem Arzt bei einem Dekubitus?

Erste ärztliche Anlaufstelle bei Verdacht auf einen Dekubitus ist Ihr Hausarzt oder ein Dermatologe (Hautarzt).

Wie wird ein Dekubitus behandelt?

Basis jeder Dekubitus-Behandlung ist die sofortige Druckentlastung und -verteilung. Dafür kommen verschiedene Maßnahmen zum Einsatz:

  • Die Positionierung (abhängig von der betroffenen Körperstelle) des Betroffenen.
  • Die Auswahl der passenden Lagerungs- beziehungsweise Positionierungshilfsmittel.
  • Das individuelle Zeitintervall für die regelmäßigen Umpositionierung des Betroffenen.
  • Die individuell angepasste Wundbehandlung (Reinigung, Abdeckung, gegebenenfalls
  • chirurgische Entfernung von abgestorbenem Gewebe).
  • Die Verminderung oder Beseitigung von Risikofaktoren (zum Beispiel Mangelernährung,
  • Behandlung von Erkrankungen wie Diabetes mellitus, Rheuma etc.).
  • Die Förderung der Mobilität des Betroffenen.

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Erstelldatum: 8102.50.71|Zuletzt geändert: 2202.10.11
(1)
National Pressure Ulcer Advisory Panel (NPUAP), European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP) & Pan Pacific Pressure Injury Alliance (PPPIA): Prävention und Behandlung von Dekubitus: Kurzfassung der Leitlinie (2014)
www.epuap.org/wp-content/uploads/2016/10/german_quick-reference-guide.pdf (letzter Abruf am 01.12.2021)
(2)
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP): Expertenstandard Dekubitusprophylaxe in der Pflege (2. Aktualisierung, 2017)
www.dnqp.de/fileadmin/HSOS/Homepages/DNQP/Dateien/Expertenstandards/Dekubitusprophylaxe_in_der_Pflege/Dekubitus_2Akt_Auszug.pdf (letzter Abruf am 01.12.2021)
(3)
Institut für Innovationen im Gesundheitswesen und angewandte Pflegeforschung e.V. (IGAP): Risikofaktoren (ohne Jahr)
www.dekubitus.de/ratgeber/risikofaktoren (letzter Abruf am 01.12.2021)
(4)
PAUL HARTMANN AG: Dekubitus – Entstehung und Behandlungsprinzipien (2020)
www.hartmann.info/de-de/wissen-und-news/a/6/dekubitus-entstehung-und-behandlungsprinzipien (letzter Abruf am 01.12.2021)
(5)
Institut für Innovationen im Gesundheitswesen und angewandte Pflegeforschung e.V. (IGAP): Dekubitustherapie - Wundversorgung (ohne Jahr)
www.dekubitus.de/ratgeber/wundversorgung (letzter Abruf am 01.12.2021)
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Karolin Sobczyk
Im Interview
Karolin Sobczyk
Wundexpertin

Karolin Sobczyk ist staatlich geprüfte Gesundheits- und Krankenpflegerin. Nach einer Weiterbildung zur Wundexpertin baute sie das Wundmanagement einer Klinik auf und beschäftigte sich insbesondere mit Gefäßerkrankungen. Seit 2013 arbeitet sie bei der Paul Hartmann AG im Bereich Wundmanagement und Care.

Auch wenn die Versorgung eines Dekubitus in die Hände von Fachleuten gehört, übernehmen pflegende Angehörige oftmals die Körperpflege und Mobilisation. Wundberaterin Karolin Sobczyk gibt praktische Tipps, worauf pflegende Angehörige bei der Hautpflege von Betroffenen mit Druckgeschwür achten sollten. Zudem gibt sie Ratschläge, mit welchen Mobilisierungsmaßnahmen Angehörige einem Dekubitus vorbeugen können.

Frau Sobczyk, Sie haben als Fachberaterin Wundmanagement & Care viel Erfahrung mit der Beratung von Patienten mit Dekubitus. Was sind die größten Herausforderungen, die auf Betroffene mit einem Dekubitus oder deren pflegende Angehörige zukommen?

Die größte Herausforderung sind die Ängste, die so eine Wunde mit sich bringt. Je nachdem wie groß das Druckgeschwür ist, haben Betroffene und pflegende Angehörige Sorge, dass dieses nie wieder zuheilt. Sie sind dann wie erstarrt und fragen sich, was sie jetzt tun können. Wenn sich ein Dekubitus in der Häuslichkeit entwickelt hat, – aus welchem Grund auch immer – haben Angehörige meist große Angst etwas falsch gemacht zu haben und fühlen sich als Mitverursacher. Dann rechtfertigen sie sich, dass sie allen Anweisungen des ambulanten Pflegedienstes gefolgt sind und nachts aufgestanden sind, um den Pflegebedürftigen zu lagern.

Gleichzeitig sind sie auch verärgert und wütend, wenn der Pflegebedürftige zuhause gut versorgt wurde, sich aber bei einem Klinikaufenthalt ein Dekubitus entwickelt hat. Insbesondere ärgerlich ist es dann, wenn der Dekubitus erst nach der Entlassung bei der Körperpflege zuhause entdeckt wird. Dann gibt es im Entlassungsbrief natürlich keine Anweisung darüber, was jetzt zu tun ist.

Wie können Angehörige mit dieser Angst bzw. Wut umgehen?

Erst einmal muss allen Beteiligten bewusst werden, dass das, was passiert ist, nicht zu ändern ist. Man muss überlegen, was man jetzt akut unternehmen kann, damit die Wunde sich nicht verschlechtert, sondern abheilt. Dazu muss dringend ein Arzt eingebunden werden. Die Angehörigen sind verständlicherweise oft aufgebracht und wollen zur Krankenkasse, um sich zu beschweren – doch das ist zweitrangig. Es ist erst einmal wichtiger, den Pflegebedürftigen richtig zu versorgen.

Was muss bei der Körperpflege und Versorgung eines Dekubitus beachtet werden?

Wenn sich bei einer Person z. B. ein Dekubitus an der Ferse entwickelt hat, wird die Wunde und somit auch ein Körperteil i. d. R. zum Schutz verbunden. Als Folge wird die verbundene Körperstelle von pflegenden Angehörigen bzw. dem Pflegebedürftigen bei der Körperpflege oftmals einfach ausgelassen. Man sieht dann beim Verbandswechsel, dass die Haut dort sehr schuppig ist.

In vielen Familien übernehmen pflegende Angehörige die Körperpflege und der Pflegedienst die Wundversorgung.  Was der eine bei der Körperpflege beobachtet, fehlt demjenigen an Wissen, der den Dekubitus versorgt – und andersrum. Selbst wenn Körperpflege und Wundversorgung nicht zwischen Angehörigen und einem Pflegedienst aufgeteilt werden, sondern beides vom Pflegedienst durchgeführt wird, lauern Gefahren: Dann kommt manchmal eine Pflegehelferin morgens zur Grundpflege (Körperpflege) und eine andere Pflegekraft zur medizinischen Behandlungspflege (Wundversorgung), da dafür eine andere Qualifikation notwendig ist. Dann muss ein Betroffener noch öfters in eine bestimmte Position gedreht werden, obwohl ihm das vielleicht aufgrund seiner Wunde Schmerzen bereitet. Außerdem muss, wenn die Wundumgebung dann bereits wieder verschmutzt ist, erneut gewaschen werden. Deswegen sollte die Versorgung immer gut koordiniert werden. Für mich ist das eine Sache, die man gar nicht trennen kann.

Welche Regeln gelten bei der Körperpflege einer Person mit Dekubitus?

Wichtig ist, dass Pflegebedürftige und pflegende Angehörige bei der Körperpflege professionell angeleitet werden.
Karolin Sobczyk

Ich muss als pflegender Angehöriger oder professionell Pflegender u. a. auf die Waschrichtung achten und darf nicht zu viel Wasser verwenden. Denn wenn verschmutztes Wasser unter den Wundverband läuft, kann dies die Wunde verunreinigen. Da muss ich definitiv vorsichtiger als sonst sein. Grundsätzlich sollte ich auch nur reizarme und hautfreundliche Waschzusätze oder einfach nur klares Wasser verwenden. Ebenso sollte ich sehr vorsichtig beim Abtrocknen der Haut sein und diese besser abtupfen als trockenreiben, um die Haut nicht weiter zu schädigen.

Wichtig ist, dass Pflegebedürftige und pflegende Angehörige bei der Körperpflege professionell angeleitet werden. Wir waschen uns alle jeden Tag und denken, das ist selbsterklärend, aber Menschen mit Dekubitus haben schon andere Bedürfnisse.

Welche Hautpflegemittel darf ich bei einem Dekubitus verwenden und welche sollte ich eher meiden?

Bei einer Wunde sollte ich definitiv eine Creme zum Schutz des Wundrands anwenden. Sie verhindert, dass der Wundrand z. B. durch ausgetretene Wundflüssigkeit aufweicht. Für die Wundumgebung eignen sich wiederum spezielle Hautschutzcremes oder sog. Hautprotektoren. Diese bilden einen Film auf der gefährdeten Haut. Hierbei sollte man darauf achten, wie lange sie auf der Haut halten und nicht zu häufig cremen, da sich die Haut sonst verschließt und keinerlei Schutz mehr zulässt. In dem Fall müsste ich die Haut erst wieder reinigen, um neuen Schutz auftragen zu können. Achten Sie also darauf, wie lange der Schutz ausreicht. Hält er sechs Stunden, muss ich z. B. nicht nach zwei Stunden wieder cremen. Bei einem bestimmten Hautprotektor gibt es sogar einen Schutz von bis zu 72 Stunden – das muss ich natürlich vorher wissen. Da ist dann mehr definitiv nicht mehr!

Die Leute denken, was für eine Babyhaut gut ist, ist für die Erwachsenenhaut auch gut – das ist ein großer Irrtum!
Karolin Sobczyk

Was ich oft erlebe: Die Leute denken, was für eine Babyhaut gut ist, ist für die Erwachsenenhaut auch gut – das ist ein großer Irrtum! Die Ehefrau erinnert sich z. B. daran, was bei ihren Kindern gut geholfen hat und kauft das dann auch für ihren pflegebedürftigen Mann. Viele haben das Bild im Kopf, dass ein Pflegebedürftiger wie ein Kind versorgt werden muss. Das funktioniert aber nicht, da die Haut im Alter ganz anderer Produkte bedarf.

Die Haut ist das größte Organ und trotzdem kümmern wir uns so wenig darum. Wenn wir Herzstolpern haben, rennen wir sofort zum Arzt, aber eine Hautrötung interessiert uns eher weniger – geht schon irgendwann wieder weg. Dabei ist die Haut so wichtig! Da spielt neben der Pflege dann natürlich auch noch die Ernährung und das Trinkverhalten eine wichtige Rolle.

Am besten ist es natürlich, wenn ein Dekubitus gar nicht erst entsteht. Welche Hautpflegemittel eignen sich denn zur Vorbeugung eines Druckgeschwürs?

Grundsätzlich entsteht ein Dekubitus aufgrund einer dauerhaften Druckeinwirkung, sodass es keine Creme gibt, die allein einem Druckgeschwür vorbeugen kann.
Karolin Sobczyk

Grundsätzlich entsteht ein Dekubitus aufgrund einer dauerhaften Druckeinwirkung, sodass es keine Creme gibt, die allein einem Druckgeschwür vorbeugen kann. Jedoch erhöht sich das Risiko für einen Dekubitus, wenn die Haut nicht richtig gepflegt wird. Denn eine ausgetrocknete, schuppige und rissige Haut ist nicht widerstandsfähig. Daher ist es wichtig, die richtigen Hautpflegemittel einzusetzen, um sie belastbarer zu machen. Hierzu eignen sich hautneutrale Pflegemittel mit einem pH-Wert von 5,5. Diese sollen die Haut mit Feuchtigkeit versorgen und den Säureschutzmantel unterstützen. Hierzu eignen sich z. B. sogenannte Wasser-in-Öl-Lotionen. Pflegende Inhaltsstoffe sind bspw. essentielle Fettsäuren, Aminosäuren, Mandelöl oder Kreatin. Pflegende Angehörige sollten darauf achten, dass die Haut atmen kann. Daher sollten sie auf reine Fettsalben, Pasten sowie Puder verzichten. Zudem sollte die Haut sauber gehalten werden, damit sie nicht durch Urin, Schweiß oder Stuhl ständiger Feuchtigkeit ausgesetzt ist.

Welche Mobilisationsmaßnahmen können Sie zur Verhinderung eines Dekubitus empfehlen?

Mobilisation ist das A und O, um einen Dekubitus zu vermeiden. Die Frage ist dabei, was man unter Mobilisation versteht. Wenn ich meinen Angehörigen in den Rollstuhl setze und ihn dann sechs Stunden da drin lasse – ja, dann wurde er zwar mobilisiert, aber er ist trotzdem gefährdet. Denn wenn ich jemanden sechs Stunden in einer Position lasse – ganz egal ob im Pflegebett oder im Rollstuhl – trägt das zur Entstehung eines Dekubitus bei. Deswegen müssen pflegende Angehörige dafür sensibilisiert werden, was Mobilisation bedeutet: Die regelmäßige Änderung der Körperposition. Im Idealfall heißt das dann natürlich auch, dass der Pflegebedürftige mal ein paar Schritte geht oder sich hinstellt.

In welchen Abständen sollte eine Person mobilisiert werden?

Es ist wahnsinnig wichtig, die Lagerung individuell an die pflegebedürftige Person anzupassen.
Karolin Sobczyk

Früher hat man immer von Intervallen von zwei Stunden gesprochen. Heute weiß man, dass das auch nicht unbedingt den Bedürfnissen eines jeden Menschen entspricht. Der eine kann zwei Stunden auf einer Stelle liegen, der andere hat aber schon nach 30 Minuten rote Stellen und muss umpositioniert werden. Daher ist es wahnsinnig wichtig, die Lagerung individuell an die pflegebedürftige Person anzupassen.

Welche Möglichkeiten zur Lagerung bieten sich für bettlägerige Patienten an?

Ich bedauere es immer, wenn bettlägerige Patienten unabhängig von ihren Bedürfnissen einfach eine Weichlagerungsmatratze bekommen. Die wird dann einfach geliefert, weil sie schnell zu genehmigen ist, ganz egal ob der Patient damit gut zurechtkommt oder nicht. Dabei gibt es heute sehr viele gute Lagerungshilfsmittel. Diese ersetzen zwar nicht die persönliche Unterstützung beim Positionswechsel, aber sie helfen dennoch ungemein.

Für einen Positionswechsel eignen sich z. B. auch gut Mikrolagerungen. Denn als pflegender Angehöriger bin ich vielleicht auch nicht immer dazu in der Lage, den Pflegebedürftigen um 30 Grad zu drehen. Aber oft reicht schon ein zusammengerolltes Handtuch unter der Schulter, der Hüfte oder der Ferse. Das kostet mich nur eine Minute, hat aber eine große Wirkung. Und meist sind diese Lagerungen auch noch angenehmer für den Patienten, weil sie nicht unbedingt gerne auf der Seite liegen.

Welche Mobilisierungsmaßnahmen eignen sich insbesondere für Personen, die im Rollstuhl sitzen?

Zur Vorbeugung eines Dekubitus können spezielle Lagerungskissen für den Rollstuhl genutzt werden. Da gibt es wirklich viel: von Kissen zur Weichlagerung bis hin zu Kissen, die mit wechselndem Druck arbeiten. Wenn wir alles zur Dekubitusprophylaxe nutzen würde, was der Markt zu bieten hat, dann hätten wir jetzt kein Problem. Dabei ist der Dekubitus weit mehr als eine einfache Wunde und ein wirklich ernstzunehmendes Problem.

Wie kann ich den Überblick über die durchgeführten Lagerungen behalten?

Ich empfehle pflegenden Angehörigen, einen Lagerungsplan zu benutzen. So haben Sie im Blick, wann der letzte Positionswechsel stattgefunden hat und können diesen abhaken. Gerade wenn der Pflegebedürftige auch stundenweise von anderen Personen wie Freunden oder Nachbarn betreut wird, ist ein Lagerungsplan hilfreich.

Warum kann eine nicht-fachgerechte Mobilisation genau das Gegenteil bewirken und Dekubitalgeschwüre fördern?

Umso wichtiger ist es, sich zu fragen: Würde ich so selbst gerne liegen?
Karolin Sobczyk

Wenn ich eine zu steile Lagerung vornehme, also eine Person ganz auf die Seite drehe, dann ist der Druck zwar verlagert, aber dafür umso stärker auf einem anderen Körperteil. Daher sollte man als pflegender Angehörige z. B. darauf achten, dass die Schulter immer frei liegt und auch die Hüfte nur teilweise belastet wird. Man kennt das von sich selbst: Wenn man zu doll auf einem Arm oder einfach unbequem liegt, dann ändert man seine Position automatisch. Ich bleibe nicht auf meinem Arm oder meiner Hand liegen. Viele Pflegebedürftige können das aber genau nicht und haben vielleicht auch nicht die Möglichkeit sich zu äußern. Umso wichtiger ist es, sich zu fragen: Würde ich so selbst gerne liegen?

Welche drei Tipps geben Sie unseren pflege.de-Lesern zum Thema Dekubitus mit auf den Weg?

Meine drei wichtigen Tipps zum Thema Dekubitus sind:

  1. Mobilisation

Erhalten und fördern Sie Bewegung! Ganz gleich, ob Sie sich alleine in den Rollstuhl setzen, kurz vor dem Bett stehen oder bei der Drehung auf die Seite aktiv mithelfen – jede Bewegung zählt!

  1. Risikofaktoren

Erkennen Sie Risikofaktoren für einen Dekubitus wie erhöhten Druck auf eine Körperstelle und werden Sie vorbeugend z. B. durch regelmäßige Lagewechsel tätig.

  1. Ernährung

Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Eiweiß sowie Vitaminen und trinken Sie genügend.

Vielen Dank für das Interview Frau Sobczyk.

Erstelldatum: 9102.60.11|Zuletzt geändert: 1202.70.02
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