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Chronische Wunde

Ab wann ist eine Wunde chronisch? Diese Frage stellt sich sowohl für die Betroffenen als auch für ihre pflegenden Angehörigen, wenn die Heilung einer Wunde nicht so recht voranschreiten will. Wichtig zu wissen ist, dass chronische Wunden häufig durch eine Grunderkrankung verursacht werden, die im Rahmen der Wundbehandlung ebenfalls therapiert werden muss. pflege.de erklärt, wie Sie chronische Wunden erkennen und was Betroffene tun können, um die Heilung zu unterstützen.

Chronische Wunde: Definition & Behandlung

Inhaltsverzeichnis

Chronische Wunde: Definition

Eine Wunde, die nach acht Wochen noch nicht abgeheilt ist, wird als chronische Wunde bezeichnet. Von dieser Zeitvorgabe ausgenommen sind Wunden, die von Anfang an als chronisch definiert werden. Beispiele hierfür sind: Dekubitus (Wundliegen), der sogenannte diabetische Fuß, Ulcus cruris (offenes Bein) sowie Wunden bei der sogenannten Schaufensterkrankheit.

Unterschied chronische Wunde und akute Wunde

Im Unterschied zur chronischen Wunde entstehen akute Wunden i. d. R. durch äußere Einflüsse. Es handelt sich dann z. B. um eine Schnittwunde, eine Schürfwunde oder eine OP-Wunde. Akute Wunden heilen oft innerhalb von kurzer Zeit ohne Komplikationen und meist ohne spezielle Wundtherapie wieder ab.

In der nachfolgenden Checkliste sehen Sie den Unterschied zwischen einer akuten und einer chronischen Wunde. Das hilft Ihnen, eine vorhandene Wunde besser einschätzen zu können.

Akute Wunde Chronische Wunde
Entstehung Durch äußere Einflüsse, wie z. B.

  • mechanisch (z. B. Schnitt)
  • thermisch (z. B. Hitze)
  • chemisch (z. B. Säure)
  • ärztlichen Eingriff
  • strahlenbedingt
Durch innere Einflüsse und Grunderkrankungen, wie z. B.

Dauer bis zur Wundheilung 12 bis 14 Tage Länger als 8 Wochen
Therapie Je nach Aussehen und Ursache der Wunde, teilweise keine Therapie notwendig Lokale Wundbehandlung und Therapie der Grunderkrankung
Art der Wundheilung Primäre Wundheilung Sekundäre Wundheilung
Keimbesiedlung Keine bis wenig Keimbesiedlung, z. B. bei einer OP-Wunde Meist kritisch mit Keimen besiedelt oder infiziert, das behindert die Wundheilung
Narbenbildung Kleine, kaum auffällige Narben Auffällige, gut sichtbare Narben
Info
Primäre und sekundäre Wundheilung

Primäre Wundheilung bedeutet, dass die glatten Wundränder zu einer feinen Narbe zusammenwachsen.

Sekundäre Wundheilung (auch offene Wundheilung) bedeutet, dass die Wundränder weit auseinander klaffen und nicht glatt sind. Die Wunde verheilt vom Wundgrund aus nach oben hin und bildet eine sichtbare Narbe.

Arten von chronischen Wunden

Es gibt drei Wundarten, die im Alter und bei Pflegebedürftigkeit häufiger vorkommen:
  1. Ulcus cruris („offenes Bein“)
  2. Diabetischer Fuß
  3. Dekubitus („Wundliegen“)
Tipp
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Chronische Wunde: Ulcus cruris

Ulcus cruris – besser bekannt als „das offene Bein“ – ist die Folge von Durchblutungsstörungen (arteriell, venös oder beides) in den Beinen. Durch die Minderdurchblutung des Gewebes kommt es zu Sauerstoff- und Nährstoffmangel in den Zellen. In der Folge wird das Hautgewebe zerstört: Es entsteht eine offene Wunde am Unterschenkel.

Chronische Wunde: Diabetischer Fuß

Sind die Blutzuckerwerte bei einem Diabetes mellitus über einen längeren Zeitraum nicht gut eingestellt, kann es in der Folge zu Schädigungen kommen an

  • den peripheren Nervenbahnen (sog. diabetische Polyneuropathie),
  • an den Gefäßinnenwänden der Blutkapillaren (sog. diabetische Mikroangiopathie) und
  • den Arterien (sog. diabetische Makroangiopathie).

All das führt dazu, dass sich Wundgeschwüre an den Füßen entwickeln können und ein diabetischer Fuß diagnostiziert wird.

Chronische Wunde: Dekubitus

Ein Dekubitus ist eine chronische Wunde, die aufgrund von langanhaltendem Druck auf das Hautgewebe entsteht, beispielsweise bei Bettlägerigkeit. Das lange Liegen oder Sitzen in einer Position führt dazu, dass die Haut an den Auflageflächen nicht ausreichend durchblutet wird. Dies wiederum führt zur Unterversorgung des Hautgewebes, das infolgedessen Schäden nimmt.

Tipp
Beratungseinsatz: Beratungseinsatz für Pflegegeldempfänger

Ab Pflegegrad 2 sind Pflegegeld-Bezieher gesetzlich verpflichtet, in bestimmten Abständen Beratungseinsätze nach § 37.3 SGB XI in Anspruch zu nehmen. Damit soll die Pflegequalität in der häuslichen Umgebung gesichert werden. Angehörige erhalten so hilfreiche Tipps zur Pflege und individuellen Hilfestellung des Pflegebedürftigen.

Chronische Wunde: Symptome

Betroffene mit chronischen Wunden leiden meist unter starken Schmerzen. Hinzu kommt, dass die Mobilität durch Schmerzen oder Schwellung eingeschränkt ist. Eine besondere Belastung entsteht, wenn die Wunde stark nässt und es zur Geruchbildung kommt. Das ist für die Betroffenen oft sehr unangenehm und kann sogar dazu führen, dass soziale Kontakte eingeschränkt werden.

Chronische Wunde: Diagnostik

Die Initiative Chronische Wunden e.V. (ICW e.V.) schlägt die sogenannte ABCDE-Regel für die Diagnostik durch Ärzte, Wundmanager und Pflegefachkräfte vor:

  • A – Anamnese
  • B – Bakterien
  • C – klinische Untersuchung
  • D – Durchblutung
  • E – Extras

Anamnese (ABCDE-Regel)

Der erste Schritt ist die Anamnese, d.h. die Befragung des Patienten und der pflegenden Angehörigen zur aktuellen Wunde und ggf. auch zu Wunden in der Vergangenheit.

Bakterien (ABCDE-Regel)

Es wird mithilfe von Abstrichen untersucht, ob die Wunde mit Bakterien und multiresistenten Erregern, wie z.B. MRSA infiziert ist.

Klinische Untersuchung (ABCDE-Regel)

Im Rahmen der klinischen Untersuchung wird die Wunde genau untersucht. Beurteilt werden z. B. die Lokalisation, der Wundrand und die Wundumgebung.

Durchblutung (ABCDE-Regel)

Um Kenntnisse über die Durchblutung im Wundgebiet zu erlangen, werden die Venen und die Arterien untersucht.

Extras (ABCDE-Regel)

Wenn die vorherigen Untersuchungen noch nicht zu einem eindeutigen Ergebnis über die Ursache der Wunde geführt haben, gibt es eine Reihe weiterer Untersuchungsmethoden, die individuell ausgewählt und eingesetzt werden.

Chronische Wunde: Wundmanagement & Wundbehandlung

Die Behandlung chronischer Wunden gehört in die Hände von ausgebildeten Fachkräften und Ärzten. Die Behandlung erstreckt sich i. d. R. über einen längeren Zeitraum. Eine professionelle Einschätzung und Behandlung der Wunde ist unerlässlich für die Wundheilung. Informieren Sie sich über ein gutes Wundmanagement.

Chronische Wunden: Beurteilung und Behandlung

Laut Expertenstandard des Deutschen Netzwerks für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ sind die Ziele der pflegerischen Wundversorgung

  • die Lebensqualität Betroffener zu fördern,
  • die Wundheilung zu unterstützen und
  • eine Wiederkehr der Wunde zu verhindern.
Info
Behandlung einer chronischen Wunde hängt von der Ursache ab

Wegweisend für die Behandlung chronischer Wunden ist die zugrundeliegende Erkrankung. So unterscheidet sich bspw. die Behandlung eines Ulcus cruris mit venöser Ursache grundlegend von der Behandlung eines Ulcus cruris mit arterieller Ursache. In den meisten Fällen wird heutzutage eine feuchte Wundbehandlung durchgeführt, die sich am Stadium der Wundheilung orientiert.

Wundbeobachtung und Wunddokumentation

Eine Wunddokumentation ist Teil der Pflegedokumentation und liegt immer in den Händen der Pflegekraft. Doch bei der Wundbeobachtung können auch Sie als pflegender Angehöriger ganz entscheidend mithelfen. Hier ist Ihre gute Beobachtungsgabe gefragt:

Gefahr 1: Infektion

  • Sieht die Wunde rötlich aus?
  • Ist sie geschwollen, auffällig warm oder schmerzt sie stark?
  • Tritt Eiter aus?
  • Leidet der Betroffene unter Fieber und Schüttelfrost?
  • Riecht die Wunde unangenehm?

Gefahr 2: Blutvergiftung (Sepsis)

  • Verfärbt sich die Haut dunkel?
  • Können Sie rötlich-blaue Linien auf der Haut erkennen?

Gefahr 3: Tetanus

  • Hat der Betroffene Schmerzen?
  • Kommt es zur Muskelversteifung in Gesicht oder Nacken?
  • Treten Schluckstörungen auf oder verkrampft die Kiefermuskulatur?
  • Überprüfen Sie, ob der Impfschutz Ihres Angehörigen noch gegeben ist und lassen Sie diesen regelmäßig erneuern.

In diesen Fällen sollten Sie einen Arzt bzw. den Krankenwagen rufen. Bei schweren Erkrankungen dieser Art kann es überlebenswichtig sein, so rasch wie möglich ärztliche Hilfe zu holen.

Tipp
Fotografieren Sie die Wunde

Sollten Sie bei Ihrem Pflegebedürftigen eine Wunde feststellen, können Sie diese fotografieren: Halten Sie die Abmessung der Wunde zudem schriftlich fest und versehen Sie das Ganze mit Datum und Uhrzeit. Verzeichnen Sie regelmäßig, ob die Wundheilung Fortschritte macht oder sich verschlechtert. Zeigen Sie die Wunddokumentation dem behandelnden Arzt.

Chronische Wunde: Schmerzmanagement

Das Schmerzmanagement ist ein wichtiger Bestandteil des Wundmanagements. Insbesondere vor der Wundreinigung und dem Verbandwechsel ist häufig eine vom Arzt verordnete Schmerzmittelgabe oder eine örtliche Betäubung notwendig.

Um chronischen Schmerzen zu begegnen, gibt es eine Reihe von medikamentösen und nicht-medikamentösen Maßnahmen. Auch diese richten sich nach der Ursache der chronischen Wunde sowie nach den persönlichen Vorlieben des Patienten.

Drei Beispiele für nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Schmerzlinderung sind:

  • Autogenes Training
  • Akupunktur
  • Kompression

Wundheilung: Tipps für pflegende Angehörige

  • Eine regelmäßige Körperpflege & Hautpflege trägt dazu bei, weitere Wunden zu vermeiden.
  • Die richtige Nahrung unterstützt die Wundheilung – eine Mangelernährung erschwert diese.
  • Vermeiden Sie Wärme (z. B. durch Sonneneinstrahlung oder zu warmes Wasser bei der Körperpflege) im Wundgebiet.
  • Versuchen Sie für Hygiene in der Häuslichkeit zu sorgen, insbesondere wenn Tiere mit im Haushalt leben. Damit tragen Sie aktiv dazu bei, eine Wundinfektion zu vermeiden.
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Erstelldatum: 0202.10.61|Zuletzt geändert: 3202.20.2
(1)
S. Koster (2022): Wundarten und Wundheilung
www.bk-trier.de/media-bkt/docs/Bildung/Handouts-Wundmanagement/Basisseminar-Handouts/01_ICW-Wundarten-und-Wundheilung.pptx-20.1.21.pdf (letzter Abruf am 01.02.2023)
(2)
Bildnachweis
©istock.com/kali9
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