Parenterale Ernährung

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Parenterale Ernaehrung

Eine ausgewogene Ernährung im Alter ist entscheidend für Gesundheit und Wohlbefinden. Krankheiten oder schwerwiegenden Operationen können allerdings dazu führen, dass die Nahrungsaufnahme über den Mund und Magen-Darm-Trakt eingeschränkt oder unmöglich wird. In solchen Fällen erfolgt die Ernährung parenteral. Das heißt: Bei der parenteralen Ernährung wird der Verdauungstrakt umgangen und aufbereitete Nährstofflösungen werden direkt in die Vene („intravenös“) verabreicht. pflege.de klärt über Gründe, Ziele und Formen der parenteralen Ernährung auf und stellt die Unterschiede zur enteralen Ernährung heraus.

Inhaltsverzeichnis

Parenterale Ernährung: Definition

Was ist parenterale Ernährung?

Bei der parenteralen Ernährung wird der Mund-Rachen-Raum und der Magen-Darm-Trakt umgangen, indem alle notwendigen Nährstoffe in Form von Nährstofflösungen bzw. Emulsionen mittels Katheter in die Blutbahn geleitet werden. Die Nährstofflösungen oder Infusionslösungen werden hierbei direkt in die Vene („intravenös“) gespeist, weshalb die parenterale Verabreichung auch “intravenöse Ernährung” genannt wird.

Parenterale Ernährung kann sowohl in der Klinik, in stationärer Betreuung im Pflegeheim als auch im häuslichen Umfeld erfolgen. Der Begriff „parenteral“ entspringt dem Griechischen und bedeutet so viel wie “am Darm vorbei” (para = neben; enteron = der Darm).

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Was ist ein Katheter / Portkatheter?

Ein Katheter ist ein röhrchenförmiges medizinisches Instrument, das flexibel oder starr sein kann und dazu dient, Hohlorgane wie Magen, Darm oder Gefäße zu sondieren, zu entleeren, zu füllen oder zu spülen. Ein Portkatheter (kurz: Port) ist ein unter der Haut liegender, dauerhafter Zugang zum venösen oder arteriellen Blutkreislauf, der mit dem Schlauch verbunden ist. Bei der parenteralen Ernährung bilden Katheter und Port den Zugangsweg, über den die Nährlösung verabreicht wird. Ein großer Teil des Katheters liegt dabei als Kunststoffschlauch in einem Blutgefäß.

Parenterale Ernährung: Indikation und Ziele

Ärzte verordnen eine parenterale Ernährung gemeinhin nur, wenn keine andere Ernährungsform möglich ist – also weder die normale Nahrungsaufnahme über den Mund (oral) noch die enterale Ernährung, bei der die Nahrung mittels einer Sonde in den Magen-Darm-Trakt gelangt, der Mund-Rachen-Raum jedoch umgangen wird. Grund ist, dass die parenterale Gabe ein erhöhtes Risiko für Komplikationen und Folgeerkrankungen birgt. Für die Verordnung und Anwendung von parenteraler Ernährung gibt es zudem Leitlilien, die sog. ESPEN-Leitlinien, an denen sich Mediziner orientieren.

Enterale Ernährung / Sondennahrung
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Enterale Ernährung: Sonden- oder Trinknahrung
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ESPEN-Leitlinien

Die Europäische Gesellschaft für klinische Ernährung und Stoffwechsel (ESPEN) veröffentlichte 2009 systematische Leitlinien für die künstliche Ernährung. Diese hatten Experten der klinischen Ernährung aus 20 Ländern gemeinsam in einem vordefinierten, evidenz- und konsensbasierten Prozess entwickelt. Die Empfehlungen basieren auf dem aktuellen medizinischen Wissen zur parenteralen Ernährung und richten sich vorwiegend an Mediziner, aber auch an professionell Pflegende und andere medizinische Berufe.

Ziele der parenteralen Ernährung

Ziel der parenteralen Ernährung ist, den Gesundheitszustand des Patienten so zu verbessern, dass entweder eine enterale Ernährung oder idealerweise eine natürliche Ernährung über den Mund („per os“ oder „oral“) und Magen-Darm-Trakt möglich wird. Durch die parenterale Ernährungstherapie werden geschwächte Körper- und Widerstandskräfte stabilisiert bzw. verlorene Kräfte wiederaufgebaut und ein (weiterer) Gewichtsverlust reduziert oder verhindert. Auf diese Weise soll die Lebensqualität des betroffenen Menschen erhalten oder verbessert werden.

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Enterale Ernährung

Enterale Ernährung meint die Nahrungszufuhr über den Magen-Darm-Trankt. Bei der enteralen Ernährung in engeren Sinne wird der Mund-Rachen-Raum umgangen und die Nahrungsaufnahme erfolgt mittels einer Sonde über den Magen-Darm-Kanal. Die Sonde wird über die Nase oder die Bauchhöhle eingeführt. Ist bei einem Patienten jedoch die Nahrungsaufnahmen über den Mund möglich und z. B. durch eine Schluckstörung (Dysphagie) nur erschwert, ist auch eine Versorgung durch Trinknahrung möglich. Diese wird im weiteren Sinne ebenfalls als Enterale Ernährung verstanden. Erfahren Sie mehr Details im Beitrag Enterale Ernährung.

 

Gründe & Indikation der parenteralen Ernährung

Die parenterale Ernährung findet Anwendung, wenn ein Patient nicht essen will, kann oder darf, eine enterale Ernährung nicht möglich ist und der Nährstoffbedarf der Person folglich nur parenteral („unter Umgehung des Darms“) gedeckt werden kann. Auslöser für eine parenterale Ernährung können z. B. folgende Krankheiten und Behandlungen sein:

  • Verlust von Gewicht und Körperzellmasse
  • starke Durchfallerkrankungen
  • entzündliche Erkrankungen des Dünndarms
  • unstillbares Erbrechen
  • starkes Trauma
  • Verbrennungen hohen Grades
  • Krebserkrankungen
  • Kurzdarmsyndrom
  • Stoffwechselstörungen im Magen-Darm-Trakt
  • Strahlen- und Chemotherapie

Auf der anderen Seite gibt es Gründe, die eine parenterale Ernährung ausschließen (= Kontraindikationen). Dies ist z. B. der Fall, wenn eine bedarfsdeckende Ernährung über den Mund möglich ist, sich akute Entgleisungen des Stoffwechsels abzeichnen, der Köper des Betroffenen stark übersäuert ist oder ethische Aspekte gegen die künstliche, intravenöse Ernährung sprechen.

Vergleich: Parenterale und enterale Ernährung

Die enterale und die parenterale Ernährung schließen einander nicht aus, sondern können sich ergänzen: etwa, wenn eine ausreichende Versorgung mit Nährstoffen auf dem enteralen Wege nicht möglich ist, obwohl der Magen-Darm-Trakt noch „arbeitsfähig“ ist. Dann stellen die Ärzte ggf. auf eine parenterale Ernährung um, bei der der Patient gleichzeitig eine minimale enterale Ernährung, die sog. “Zottenernährung” erhält, so dass der Magen-Darm-Trakt weiterhin beschäftigt wird. Dies ist wichtig, weil der Darm eine wichtige Rolle für ein funktionierendes Immunsystem spielt.

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Zottenernährung

Nach Operationen oder Traumen erhalten Patienten teilweise eine sog. Zottenernährung, durch die der Magen-Darm-Trakt minimal mit Nahrung (max. 25-30 ml/h) versorgt wird. Dabei steht nicht die Ernährung im Vordergrund, sondern der Erhalt der Funktionsfähigkeit des Darms. Die Zufuhr von Nährstoffen in das Darmlumen trägt dazu bei, dessen Integrität zu erhalten und vor Infektionen zu schützen. Die Darmzotten sind blatt- oder fingerförmige Erhebungen der Dünndarmschleimhaut, durch die sich die Darmoberfläche vergrößert, und die vor allem der Nährstoffaufnahme dienen.

Parenterale und enterale Ernährung unterschieden sich in verschiedenen Dimensionen. Ein Überblick:

Parenterale Ernährung Enterale Ernährung
Ernährungsart künstliche Ernährung künstliche Ernährung per Sonde oder Trinknahrung
Verabreichung intravenöse Ernährung (über Katheter) Gabe von Nahrung über Sonde oder Stoma oder oral als Trinknahrung
Beteiligung der Organe Nährstofflösung wird in die Venen geleitet („intravenös“) Nutzung des Magen-Darm-Trakts
Nahrungszusammensetzung Hochkonzentrierte Speziallösungen mit Nährstoffen wie z. B. Aminosäuren, Glukose, Fette, Elektrolyte, Vitamine und Spurenelemente zwei Hauptgruppen von Sondenkost-Arten: Standarddiät mit allen Nährstoffen, wie Kohlenhydrate, Fette, Eiweiße, Vitamine, Spurenelemente, Mineralstoffe und Wasser und die Spezialdiät; Spezialdiäten mit einer Nährstoffmischung, die an das jeweilige Krankheitsbild angepasst ist.

 

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Sind Betroffene bei parenteraler Ernährung mobil?

Eine parenterale Ernährung erfolgt häufig über 12 bis 14 Stunden, damit der Körper die Nährlösung gut verträgt. Es bietet sich daher bei grundsätzlich mobilen Patienten an, die Infusion über Nacht laufen zu lassen, um die Betroffenen tagsüber nicht unnötig einzuschränken. Denn Patienten, die parenteral zu Hause ernährt werden, sind keineswegs örtlich gebunden. Es ist möglich, Infusionsbeutel und Pumpe in einer Tasche oder einem Rucksack zu verstauen und damit unterwegs zu sein. Aus hygienischen Gründen sollte der Katheter jedoch zu Hause oder in der gewohnten Umgebung vom geschulten Anwender, pflegenden Angehörigen oder eine andere Pflegeperson angeschlossen und entfernt werden. 

 

Parenterale Ernährung: Risiken & Nebenwirkungen

Die meisten Komplikationen bzw. Nebenwirkungen bei der parenteralen Ernährung treten aufgrund von Infektionen durch Mikroorganismen auf. So stellen z. B. bestimmte Viren, Bakterien oder Pilze eine Gefahr für den Körper dar, wenn diese über die Öffnungen des Katheters in die Blutbahn gelangen. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Hygienerichtlinien und etablierte Pflege-Standards eingehalten werden. Wenn Angehörige die parenterale Ernährung verantworten, sollten die notwendigen Techniken und Routinen im Rahmen einer Weiterbildung gelernt werden.

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Weitere Komplikationen können eintreten, wenn die parenterale Ernährungstherapie fehlerhaft eingestellt bzw. nicht optimal an die Bedürfnisse einer Person angepasst ist. Dies kann eine Mangelernährung und mögliche Schäden auf Organebene nach sich ziehen.

Darüber hinaus ist die generelle Belastung des Körpers, insbesondere der Venen, durch parenterale Ernährung nicht zu unterschätzen. So kann es z. B. zu starken Venenreizungen und Venenthrombosen kommen.

Parenterale Ernährung: Arten

Die Art der parenteralen Ernährung kann in verschiedenen Dimensionen unterschieden werden: ob sie ausschließlich oder durch andere Ernährungsformen ergänzt durchgeführt wird, ob sie zuhause oder auf der Intensivstation durchgeführt wird oder welche Art von Katheter genutzt wird.

  • Parenterale Ernährung: total oder supplementierend

Bei der totalen parenteralen Ernährung (TPE) werden alle Nährstoffe über den parenteralen Weg, also intravenös, zugeführt. Die enterale Ernährung via Ernährungssonde, Trinknahrung oder der natürliche (orale) Nahrungsweg über den Mund sind also ausgeschlossen.

Bei der supplementierenden parenteralen Ernährung (SPE) wird die Ernährung einer Person intravenös ergänzt. Dies findet i. d. R. Anwendung, wenn die betroffene Person zwar auf natürliche (orale) Weise oder via Ernährungssonde ernährt werden kann, darüber jedoch nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt werden kann.

  • Parenterale Nahrung: Unterschiedliche Zugangswege

Die parenterale Ernährung kann über unterschiedliche Zugangswege bzw. Katheter erfolgen, die für verschiedene Situationen geeignet sind. Entscheidender Aspekt bei der Entscheidung für einen bestimmten Zugangsweg / Katheter ist die voraussichtliche Dauer der künstlichen Ernährung. So bieten sich einige Methoden lediglich für eine Ernährung von wenigen Tagen (z. B. periphere Verweilkanüle) an, während andere eine wochenlange Ernährung (z. B. Portkatheter) ermöglichen.

  • Parenterale Ernährung auf der Intensivstation

Bei Personen auf der Intensivstation geht es vordergründig darum, diese aus dem kritischen Zustand in einen stabilen Zustand zu bringen. Daher stehen lebenserhaltende Basismaßnahmen zunächst im Fokus. Eine gut eingestellte parenterale Ernährungstherapie ist hierbei tragend und beeinflusst den Gesundheitszustand eines kritisch Kranken maßgeblich. Der rechtzeitige Start der parenteralen Ernährung und die korrekte Beurteilung des individuellen Bedarfs hinsichtlich Menge sowie Nährstoffzusammensetzung können die Beatmungszeit und Liegedauer verkürzen. Damit werden Komplikationen potentiell unwahrscheinlicher und der Krankheitsverlauf wird positiv beeinflusst.

  • Heimparenterale Ernährung (HPE) / Parenterale Ernährung zu Hause

Die heimparenterale Ernährung, auch „ambulante parenterale Ernährung“ genannt, meint die intravenöse Ernährung zu Hause. Wenn die fachmännische Ernährung zu Hause sichergestellt werden kann, dürfen Patienten das Krankenhaus oft schon eher verlassen. Zu Hause kann die Versorgung sowohl ein Betroffener selbst, ein pflegender Angehöriger, ein ambulanter Pflegedienst oder ein sog. Homecare-Unternehmen (wenn die Krankenkasse die Kosten trägt) übernehmen. Patienten, die sich zu Hause selbst versorgen, und private Pflegeperson benötigen i. d. R. zuvor eine Schulung, um die Versorgung so sicher wie möglich zu gestalten.

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Pflegewissen für pflegende Angehörige

Wie die parenterale Versorgung zu Hause erfolgt, wird noch während des Krankenhausaufenthalts vor der Entlassung geklärt. Ein Krankenhausmitarbeiter stellt dazu einen Plan auf, wer sich um die parenterale Ernährung kümmert – ob Pflegedienst oder Privatperson –, welche Materialen wie Spritzen, Kanülen, Infusionsständer und -pumpe benötigt werden und welche Apotheke die Nährlösungen liefert. Jeder Schritt der Ernährungstherapie wird dokumentiert, damit jederzeit alle an der Pflege Beteiligten einen Überblick über den Zustand des Patienten behalten. Idealerweise steht den Patienten ein sog. Case-Manager zur Seite, der für die parenterale Ernährungstherapie speziell ausgebildet wurde. Er regelt den Übergang vom Krankenhaus ins eigene Zuhause, dokumentiert alle Vorgänge und unterstützt per 24-stündiger Rufbereitschaft jederzeit.

 

Info

Parenterale Ernährung zu Hause – Wer versorgt die Patienten oder schult private Pflegepersonen?

Die Versorgung und auch die Schulung für die heimparenterale Ernährung kann durch ambulante Pflegedienste oder Homecare-Unternehmen erfolgen. Häufig wird die Versorgung zu Hause noch im Krankenhaus geplant, damit keine Versorgungslücken auftreten. Hier können sich Betroffene und Angehörige auch über Schulungen informieren bzw. diese organisieren. Wie die Behandlung selbst werden auch die Kosten für Schulungen von Krankenkasse oder Pflegekasse übernommen.

Häufig werden Patienten, die parenteral versorgt werden, nach einem Krankenhausaufenthalt auch zunächst in einer Kurzzeitpflege betreut, bevor sie zu Hause versorgt werden. Das kann für Angehörige in der Übergangsphase eine nützliche Entlastung darstellen, weil sie so mehr Zeit für die Organisation der häuslichen Pflege oder Schulungen haben.

Tipp

Umgang mit der parenteralen Ernährung zu Hause

Patienten und Angehörige, die mit dieser besonderen Ernährungsform zu Hause betraut sind, sollten sich aktiv mit dem Thema auseinanderzusetzen, um sich sicher zu fühlen und auch angemessen reagieren zu können, wenn Ungereimtheiten auftauchen. Ein geregelter Tagesablauf hilft vielen Betroffenen und Angehörigen bei der Organisation der parenteralen Ernährung. Eine gewisse Unsicherheit zu Anfang, wenn Betroffene und Angehörige nach einer Schulung die parenterale Ernährung ohne professionelle Unterstützung durchführen, ist jedoch auch völlig normal und wird sich mit zunehmender Routine legen.

 

 

Info

Auswirkungen einer zu hohen Laufgeschwindigkeit

Durchfall und Übelkeit können ein Indiz dafür sein, dass die Lauf-Geschwindigkeit bei der parentalen Ernährung zu hoch ist und der Patient zu schnell mit zu viel Nährstofflösung versorgt wird. Ist das der Fall, müssen Patienten und Angehörige die Zufuhr nachregulieren und dazu einen Arzt befragen.

  • Heimparenterale Ernährung: Hygienemaßnahmen

Die größte gesundheitliche Gefahr für parenteral ernährte Patienten stellt eine Infektion durch Mikroorganismen wie Bakterien, Pilzen und Viren dar, die in die Blutbahn gelangen können. Folgende Hygiene-Regeln gilt es bei der parenteralen Ernährung zu Hause zu beachten:

  • Die Infusion sollten nur geschulte Personen vornehmen: Pflegedienst, Homecare-Unternehmen oder geschulte Patienten und pflegende Angehörige.
  • Patienten und Angehörige lernen in einer Schulung zur heimparenteralen Ernährung gewisse Pflegestandards kennen, die sie beim Verbandswechsel und An- und Abschluss der Nährlösungen unbedingt einhalten sollten. Wichtiger Bestandteil sind Hygienemaßnahmen für die Häuslichkeit.
  • Patienten und Angehörige sollten für die Vorbereitung und die Versorgung bei der parenteralen Ernährung einen festen Platz nutzen, der immer beibehalten wird.
  • In der Umgebung des Patienten und am Vor- und Zubereitungsplatz sollten keine Blumen oder Topfpflanzen stehen und auch Tiere keinen Zugang haben.
  • Wenn Betroffene, Angehörige oder der Pflegedienst mit Katheter und parenteraler Nährlösung hantieren bzw. diese verabreicht wird, sollten Türen und Fenster geschlossen sein, damit durch den Luftzug kein Staub und keine Mikroorganismen hereingewirbelt werden.
  • Auch eine gründliche Körperhygiene des Patienten und der Pflegeperson ist wichtig: Die Austrittstelle des Katheters und dessen Ende sollten nicht feucht werden. Beim Duschen oder Baden sollten Katheter und Austrittstelle mit einem wasserabweisenden Folienverband abgedichtet sein. Anschließend kann ein Verbandwechsel vorgenommen werden.

Wenn Betroffene und Pflegepersonen für diese Hygienemaßnahmen vor, während und nach den Infusionen Sorge tragen, ist mit einem weitgehend problemlosen Verlauf der parenteralen Ernährung zu Hause zu rechnen.

  • Parenterale Ernährung zu Hause: Verlaufskontrolle

Um über den Verlauf der Ernährungstherapie zu Hause stets im Bilde zu sein und auf eventuelle Probleme reagieren zu können, sollten Betroffene und Pflegepersonen dem behandelnden Arzt einige Informationen zur Verfügung stellen:

  1. Das Gewicht des Patienten sollte regelmäßig kontrolliert und notiert werden. Die Entwicklung des Gewichts gibt Aufschluss darüber, ob die Ernährung für den Patienten optimal zusammengestellt ist oder die Zusammensetzung angepasst werden muss.
  2. Idealerweise findet die Gewichtskontrolle einmal täglich, zur gleichen Zeit und unter den gleichen Bedingungen statt.
  3. Aber auch subjektive Informationen sind für Ärzte hilfreich: Wie sich der Patient während der Therapie fühlt, ob sie nach Einschätzung des Patienten reibungslos verläuft oder ob ihm etwas unangenehm ist.

Parenterale Ernährung: Kosten

Die Kosten für parenterale Ernährung variieren stark. Als ein Richtwert können ca. 150 Euro pro Tag für eine komplette parenterale Ernährungslösung (exklusive der benötigten Hilfsmittel) herangezogen werden. Die Krankenkasse beteiligt sich finanziell an den Kosten, wenn der Arzt eine sog. „Notwendigkeitsbescheinigung“ der Behandlung attestiert. Hierbei variiert die Höhe der Bezuschussung je nach Fall und Kasse. In der Regel gehört die parenterale Ernährung zur Behandlungspflege und gehört damit zu Leistungskatalog der Krankenversicherung (SGB V). Mit einem Urteil vom 08.10.2014 entschied das Bundessozialgericht (Az.: B 3 P 4/13 R) jedoch, dass die parenterale Ernährung zur Grundpflege gehören kann und ggf. durch die Pflegekasse finanziert werden muss. Entsprechend muss der Zeitaufwand von pflegenden Angehörige für die parenterale Ernährung bei der Ermittlung des Pflegegrads berücksichtigt werden.

Behandlungspflege
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Medizinische Behandlungspflege

Welche Kasse zuständig ist, muss jedoch im Einzelfall entschieden werden. So betonte das Gericht auch, dass die parenterale Ernährung nicht generell der Grundpflege und damit den Pflegekassen zuzuordnen sei. Wenn etwa keine Pflegeperson vorhanden ist, die zuverlässig die Grundpflege übernehmen kann, kann die parenterale Ernährung auch der Behandlungspflege und damit der Krankenkasse zugerechnet werden.

Tipp

Es ist ratsam, sich vor der Unterzeichnung eines Infusionsplans die Kosten genau darlegen sowie aufschlüsseln zu lassen und zu prüfen, ob die jeweiligen Maßnahmen tatsächlich klinisch notwendig sind.

Info

Was ist Intradialytische parenterale Ernährung? (IDPN)

Intradialytische parenterale Ernährung, kurz IDPN, meint die intravenöse Gabe von Nährstoffen (als Gesamtnährlösung) während der Dialysetherapie. Im Rahmen einer Dialysetherapie wird das Blut klinisch von Giftstoffen gereinigt. Dies ist bei Personen mit gestörter Nierenfunktion nötig. IDPN ist die ergänzende Ernährungstherapie während der Dialysetherapie. Die intradialytische parenterale Ernährung kann i. d. R. allerdings nicht den kompletten Energiebedarf einer Person decken, weshalb Mangelernährung bei Dialysepatienten ein klassisches Problem darstellt, gut beobachtet und nach Möglichkeit behandelt werden muss.

Parenterale Ernährung: Berechnung des Energiebedarfs

Grundsätzlich errechnen die Ärzte bzw. das medizinische Fachpersonal den Energiebedarf und den entsprechenden Nährstoffbedarf eines Patienten.

Die Energiemenge, die der menschliche Körper am Tag verbraucht, der sog. Gesamtumsatz, lässt sich in Grund- und Leistungsumsatz aufschlüsseln. Bei der Berechnung des sog.  Grundumsatzes einer Person spielt zunächst das Alter eine wichtige Rolle. Folgende Richtwerte finden hierbei Anwendung, wobei Geschlecht sowie Körpergröße in dieser vereinfachten Berechnung vernachlässigt werden:

  • 20-30 Jahre: 25 kcal je kg Körpergewicht und Tag
  • 30-70 Jahre: 22,5 kcal je kg Körpergewicht und Tag
  • über 70 Jahre: 20 kcal je kg Körpergewicht und Tag

In einem weiteren Schritt lässt sich der Gesamtumsatz berechnen, indem der ermittelte Wert mit einem individuellen sog. „Stress- bzw. Aktivitätsfaktor“ multipliziert wird. Hier variieren die Skalen und Konzepte, es haben sich jedoch Faktoren von 1,2 bis 2,0 etabliert. Einer jungen Person wird meist höherer Stressfaktor zugeordnet als einer alten Person, da das Leben im Alter oft mit weniger Aktivität einhergeht. Eine Person, die beispielsweise 27 Jahre alt ist, 70 Kilo wiegt und in höchstem Maße gestresst bzw. außerordentlich aktiv ist, hat nach dieser Berechnung einen (ungefähren) täglichen Kalorienbedarf von 3.500 kcal. Da der Gesamtumsatz in Kilojoule (kJ) ausgedrückt wird, müsste dann noch eine abschließende Umrechnung stattfinden. Um beim Beispiel zu bleiben: Die Person hat einen täglichen Gesamtumsatz von 14.653,8 kJ (denn 1 kcal = 4,1868 kJ).

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Beispielrechnung:

25 kcal x 70 kg = 1.750 benötigte Kalorien (kcal)

1.750 kcal x Stressfaktor 2,0 = 3.500 kcal

3.500 kcal x 4,1868 kJ = 14.653,8 kJ

Parenterale Ernährung: Recht und Ethik

Recht und Ethik spielen bei der künstlichen Ernährung eine wichtige Rolle. Es gibt viele Regularien, die sicherstellen sollen, dass der Patientenwille zu jedem Zeitpunkt berücksichtigt wird, ohne dabei die medizinische bzw. pflegerische Versorgung zu vernachlässigen.

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Eine umfassende und individuelle Beurteilung der jeweiligen Situation, das Abwägen von Indikationen und Kontraindikationen sowie Behandlungsmöglichkeiten und das Festlegen eines Therapieziels stellen die Basis dar, um eine hochwertige Behandlung sicherzustellen. Gleichzeitig gilt es, die Inhalte und Aussagen aus vorliegenden Patientenverfügungen und Vorsorgevollmachten zu kennen und strengstens zu berücksichtigen.

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