Pflegepauschbetrag – Steuerentlastung für Angehörige von Pflegebedürftigen

Pflegepauschbetrag

Einen körperlich eingeschränkten Angehörigen zu pflegen, kostet nicht nur viel Kraft, sondern auch Zeit und Geld. Diesen Aufwand können Sie unter bestimmten Voraussetzungen als Pflegepauschbetrag steuerlich geltend machen. pflege.de erläutert, worum es sich bei dem Pflegepauschbetrag handelt und welche Bedingungen Sie erfüllen müssen, um ihn zu erhalten.

Inhaltsverzeichnis

Demenz, Herzinsuffizienz oder Diabetes – viele Krankheiten, die häufig im Seniorenalter auftreten, schränken die betroffene Person körperlich stark ein. Sie benötigen dann zuhause eine intensive Betreuung. Oftmals übernehmen Angehörige oder andere nahestehende Personen diese Aufgabe. Viele Pflegende fragen sich: Ist unentgeltliche Pflege steuerlich absetzbar? In vielen Fällen steht Pflegenden tatsächlich eine Steuerentlastung zu. Der Staat belohnt die persönliche Fürsorge mit dem sogenannten „Pflegepauschbetrag“. Doch worum handelt es sich dabei genau?

Pflegepauschbetrag: Definition

Beim Pflegepauschbetrag handelt es sich um eine Steuervergünstigung, die im Rahmen der Einkommenssteuererklärung geltend gemacht wird. Ab 2021 wird dieser steuerliche Vorteil für die unentgeltliche Pflege von nahestehenden, pflegebedürftigen Personen ab einem Pflegegrad 2 bewilligt und von der Steuerschuld abgezogen. Auf diese Weise sollen pflegende Angehörige zumindest für einen Teil des finanziellen Aufwands, der oftmals durch Leistungen wie regelmäßige Fahrten zum Hausarzt oder durch Einkäufe entsteht, entschädigt werden. Die gesetzliche Grundlage für den Pflegepauschbetrag ist in § 33b Abs. 6 des Einkommenssteuergesetzes (EStG) zu finden.(1)

Info

Pflegepauschbetrag ist unabhängig von den Ausgaben für die Pflege

Die Steuervergünstigung wird unabhängig von Ihren tatsächlichen Ausgaben für die Pflege gewährt. Erfüllen Sie alle notwendigen Voraussetzungen, steht Ihnen der Pauschbetrag zu – egal, ob Sie den vollen Betrag in die Pflege investiert haben oder weniger. Bei der jährlichen Einkommenssteuererklärung wird dieser Betrag vollumfänglich angerechnet.

Checkliste: Voraussetzungen für die Bewilligung des Pauschbetrags

Das Finanzamt gewährt nicht unter allen Umständen den Pflegepauschbetrag. Folgende Voraussetzungen müssen Sie erfüllen, um diesen zu erhalten:

  • Pflegebedürftigkeit: Ab 2021 fordert das Finanzamt als Nachweis der Pflegebedürftigkeit eine Einstufung der Pflegekasse in einen der Pflegegrade 2 bis 5 oder einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „H“ für hilflos oder dem Merkzeichen „Bl“ für blind beziehungsweise hochgradig sehbehindert, um den Pflegepauschbetrag zu bewilligen.
Wichtiger Hinweis Die Steuererklärung für 2020

Voraussetzung ist, dass der Pflegebedürftige hilflos ist. Dazu zählen Menschen, die Pflegegrad 4 oder 5 oder einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „H“ für hilflos oder „Bl“ für blind haben.

Der pflegende Angehörige erhält pro Pflegeperson eine Pauschale von 924 Euro, sofern die folgenden Kriterien erfüllt sind.

  • Unentgeltliche Pflegeleistung: Wichtigste Voraussetzung ist eine unentgeltliche Pflegeleistung. Das heißt, Sie dürfen für die Betreuung oder für die Pflegetätigkeit keine Bezahlung erhalten – auch kein Pflegegeld. Wenn Sie als pflegender Angehöriger durch einen ambulanten Pflegedienst bei der Pflege Ihres pflegebedürftigen Angehörigen unterstützt werden, können Sie trotzdem den Pflegepauschbetrag geltend machen. Ob Sie die Pflegeleistung über das ganze Jahr hinweg oder lediglich innerhalb eines kurzen Zeitfensters erbracht haben, ist für die Bewilligung des Pflegepauschbetrags unerheblich.
  • Enge Beziehung zum Pflegebedürftigen: Zwischen Ihnen als Pflegendem und dem Pflegebedürftigen muss eine enge Beziehung bestehen. Wer eine pflegebedürftige Person betreut, muss allerdings nicht zwingend mit ihr verwandt sein, um Anspruch auf einen Pflegepauschbetrag zu haben. Das Finanzamt erkennt auch eine enge freundschaftliche Beziehung an. Dazu zählen zum Beispiel Ehe- und Lebenspartner, Kinder, Enkel, Geschwister, Tante oder Onkel, Schwager oder Schwägerin, Schwiegereltern, Stiefeltern, gute Freunde oder Nachbarn.
  • Pflege in der häuslichen Umgebung: Die Betreuung muss entweder in der Wohnung des Hilfsbedürftigen oder in der Wohnung der pflegenden Person stattfinden.
Experten-Tipp
Erich  Nöll
Rechtsanwalt

Glaubhaftmachung der Pflegetätigkeit: Für die persönliche Pflegetätigkeit reicht die Glaubhaftmachung aus. Das Finanzamt wird die tatsächliche Pflegeleistung nicht in Zweifel ziehen und auch keinen Nachweis über die tatsächlich erbrachte Pflegeleistung verlangen. In jedem Fall reicht für die Glaubhaftmachung das Vorliegen einer Vorsorgevollmacht aus. 

alle Informationen zu Erich Nöll

Pflegepauschbetrag: Wann gilt ein Mensch als pflegebedürftig, wann als hilflos?

Der Pflegebedürftigkeitsbegriff wird im Elften Buch Sozialgesetzbuch (SGB XI) definiert. Wenn Ihr pflegebedürftiger Angehöriger derzeit noch keinen Pflegegrad hat, können Sie seinen voraussichtlichen Anspruch mit dem kostenlosen Pflegegradrechner von pflege.de in wenigen Schritten ermitteln.

 

Das Merkzeichen H in einem Schwerbehindertenausweis steht für „hilflos“ und bedeutet, dass die betroffene Person zu jeder Zeit und in erheblichem Umfang auf die Unterstützung anderer angewiesen ist. Dies gilt auch, wenn eine ständige Unterstützungsbereitschaft gegeben sein muss.(2) Als hilflos werden in der Regel Menschen eingestuft, die

  • blind oder hochgradig sehbehindert sind
  • querschnittsgelähmt oder durch andere schwerwiegende Behinderungen auf einen Rollstuhl in ihrem Alltag angewiesen sind
  • in Folge einer Behinderung bettlägerig sind
Info

Pflegende Angehörige können ihre Rente aufbessern

Die Rentenversicherungsexpertin Manuela Budewell erklärt im Interview, wie pflegende Angehörige, die beruflich kürzertreten müssen, ihre Rente aufbessern können.

Die Pflegepauschbeträge im Überblick

Bezüglich der Höhe der Pflegepauschbeträge ergab sich im Jahr 2021 eine Änderung. In der nachfolgenden Tabelle sehen Sie die verschiedenen Pflegepauschbeträge je Pflegegrad im Überblick.

Wichtiger Hinweis Neuerungen ab 2021: In welcher Steuererklärung gültig?

Es besteht Grund zur Freude, wenn Sie im Jahr 2022 die Steuererklärung für das Jahr 2021 machen. Der Pflegepauschbetrag wurde erhöht und auch für die Pflegegrade 2 und 3 eingeführt.

Wenn Sie dieses Jahr die Steuererklärung für 2020 machen, gelten die Beträge und Voraussetzungen für 2020.

Pflegegrad Höhe des Pflegepauschbetrages 
bis 2020 ab 2021
Pflegegrad 1 0 € 0 €
Pflegegrad 2 0 € 600 €
Pflegegrad 3 0 € 1.100 €
Pflegegrad 4 924 € 1.800 €
Pflegegrad 5 924 € 1.800 €

Stand: 2021(1)

Tipp
Behinderten-Pauschbetrag

Menschen mit einem Grad der Behinderung (GdB) von mindestens 20 können den sogenannten Behinderten-Pauschbetrag geltend machen.

Pflegepauschbetrag in der Steuererklärung: Wo eintragen?

Sollten Sie alle Voraussetzungen zur Gewährung des Pflegepauschbetrags erfüllen, so fragen Sie sich nun sicher, wo Sie den Pauschbetrag für die Pflege bei der Steuererklärung genau eintragen müssen.

Den Pauschbetrag für die Betreuung eines hilfsbedürftigen Menschen können Sie im Mantelbogen Ihrer Einkommenserklärung als Pauschbetrag unter „außergewöhnliche Belastungen“ in Zeile 65 und 66 eintragen. Einen Nachweis für Ihre unentgeltliche Pflege müssen Sie nicht liefern.

Tatsächliche Höhe der Pflegekosten als außergewöhnliche Belastung absetzen

Überschreiten Ihre jährlichen Ausgaben für die Pflege den Festbetrag des Pflegepauschbetrags, können Sie Ihre tatsächlichen finanziellen Aufwendungen als außergewöhnliche Belastungen unter dem Punkt „andere außergewöhnliche Belastungen“ angeben. Dazu zählen unter anderem:

  • Krankheitskosten
  • Aufwendungen wegen Behinderung
  • Aufwendungen wegen Pflegebedürftigkeit
  • Aufwendung für die Pflege eines Angehörigen
  • Pflegeheim-Kosten
Wichtiger Hinweis Anspruch auf Pflegepauschbetrag kann unter Umständen erlischen

Wenn Sie die Kosten als andere außergewöhnliche Belastungen angeben, verfällt jedoch Ihr Anspruch auf den Pflegepauschbetrag. Diesen können Sie nicht zusätzlich für die Pflege von Angehörigen von der Steuer absetzen.

Haushaltsnahe Dienstleistungen von der Steuer absetzen

Sie können einige Kostenpunkte für die Pflege von Angehörigen, die Sie nicht als außergewöhnliche Belastungen angeben können, als haushaltsnahe Dienstleistungen von der Steuer absetzen. Dazu zählen bestimmte Leistungen von ambulanten Pflegekräften, wie zum Beispiel Kochen, Einkaufen oder auch die Unterstützung bei der Körperpflege. Übrigens lassen sich auch Kosten für Hausnotrufsysteme als haushaltsnahe Dienstleistungen teilweise von der Steuer absetzen.

Nicht verwechseln: Unterschied zwischen Pflegefreibetrag und Pauschbetrag

Im allgemeinen Sprachgebrauch werden die Begriffe Freibetrag und Pauschbetrag oft verwechselt. Das ist der Unterschied:

  • Der Freibetrag ist ein Teil des Einkommens, der steuerfrei ist. Beträge, die den Freibetrag überschreiten, werden besteuert.
  • Der Pauschbetrag ist ein Betrag, der in der Steuererklärung von der Steuerlast abgesetzt werden kann, ohne dass das Finanzamt Belege für die entstandenen Kosten sehen will.

Verwechseln Sie also nicht den Pflegpauschbetrag mit dem Pflegefreibetrag. Bei Letztem handelt es sich um einen Begriff des Erbschaftssteuerrechts: Verstirbt die Person, die Sie gepflegt haben, können Sie – sofern Sie als Erbe im Testament des Verstorbenen bedacht sind – bei der Erbschaftssteuer den sogenannter „Pflegefreibetrag“ geltend machen. Wie hoch die Steuererleichterung ausfällt, hängt von dem Verwandtschaftsgrad zwischen Erblasser und Pflegenden ab. Je enger dieser ist, desto höher der Pflegefreibetrag.

Tipp
Mehr Tipps, wie Sie Pflegekosten steuerlich absetzen können

Im Experten-Interview gibt Steuerexperte Erich Nöll wertvolle Tipps, wie Sie Ihre Pflegekosten von der Steuer absetzen können.

Häufig gestellte Fragen

Was ist der Pflegepauschbetrag?

Der Pflegepauschbetrag ist eine Steuervergünstigung, die bei der  Einkommenssteuererklärung geltend gemacht wird. Ab 2021 wird der steuerliche Vorteil für die unentgeltliche Pflege von nahestehenden, pflegebedürftigen Personen ab einem Pflegegrad 2 bewilligt und von der Steuerschuld abgezogen. In der Steuererklärung 2020 sind die Voraussetzungen Pflegegrad 4 oder 5, die Pauschale liegt bei 924 Euro.

Wie bekommt man den Pflegepauschbetrag?

Folgende Voraussetzungen gelten für den Pflegepauschbetrag:

  • Pflegebedürftigkeit: Die zu pflegebedürftige Person hat mindestens einen Pflegegrad 2 oder Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „H“ oder „Bl“.
  • Keine Bezahlung: Die Pflege findet unentgeltlich statt.
  • Enges Verhältnis: Zwischen der pflegenden Person und dem Pflegebedürftigen muss eine enge Beziehung bestehen.
  • Häusliche Pflege: Die pflegebedürftige Person wird entweder in seinem eigenen häuslichen Umfeld gepflegt oder in dem seiner pflegenden Person.

Wie hoch ist der Pflegepauschbetrag bei einem Pflegegrad?

Der Pflegepauschbetrag kann ab einem Pflegegrad 2 geltend gemacht werden.

  • Bei Pflegegrad 2 liegt der Pflegepauschbetrag bei 600 Euro.
  • Bei Pflegegrad 3 liegt der Pflegepauschbetrag bei 1.100 Euro.
  • Bei Pflegegrad 4 und 5 liegt der Pflegepauschbetrag bei 1.800 Euro.

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Erstelldatum: 9102.01.9|Zuletzt geändert: 1202.21.6
(1)
Quelle 1: Bundesamt für Justiz (BfJ)
http://www.gesetze-im-internet.de/estg/__33b.html (letzter Abruf am 15.04.2021)
(2)
Quelle 2: Sozialverband VdK Deutschland e.V.
https://www.vdk.de/deutschland/pages/themen/behinderung/12733/der_schwerbehindertenausweis_merkzeichen (letzter Abruf am 15.04.2021)
(3)
Bildquelle 1
©istock.com/BakiBG
(4)
Bildquelle 2 "Mantelbogen der Einkommenserklärung: Außergewöhnliche Belastungen"
www.steuern.de/fileadmin/user_upload/Steuerformulare_2018/ESt_1A_Mantelbogen_18.pdf
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