Pflegekosten von der Steuer absetzen: als außergewöhnliche Belastung & mehr

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Außergewöhnliche Belastungen / Pflegekosten absetzen

Pflegekosten wie die Kosten fürs Pflegeheim, den ambulanten Pflegedienst und den Rollator können grundsätzlich von der Steuer abgesetzt werden. Das gilt für die Kosten für Ihre eigene Pflege ebenso wie für die Pflege Ihres Ehepartners. Auch wenn Sie als pflegender Angehöriger, also bspw. als Tochter oder Enkel, Ausgaben für die Pflege eines Familienmitglieds getätigt haben, können Sie diese Kosten meist steuerlich geltend machen. Einen gewissen Teil der Kosten müssen Sie allerdings selbst bezahlen. Wie hoch der Eigenanteil („zumutbare Belastung“) ist, hängt von Ihrem Einkommen und Ihrem Familienstand ab. Wieso es lohnenswert sein kann, möglichst viele Ausgaben in einem Steuerjahr zu tätigen und worauf Sie beim Ausfüllen der Steuererklärung sonst noch achten sollten, lesen Sie hier.

Inhaltsverzeichnis

Pflegekosten von der Steuer absetzen

Zu den Pflegekosten zählen z. B. Ausgaben für

  • die Unterbringung in einem nach 71 SGB XI zur Pflege zugelassenen Pflegeheim
  • die Inanspruchnahme eines nach 89 SGB XI anerkannten ambulanten Pflegedienstes oder einer anerkannten ambulanten Pflegekraft
  • Tagespflege und Nachtpflege
  • Kurzzeitpflege
  • Pflegevorrichtungen (z. B. Prothesen, spezielle Betten)
  • Lebensmittel
  • Kleidung
  • Medikamente
  • Einbau eines Treppenlifts
  • Umbau eines Bades (barrierefreies Bad)
  • Fahrtkosten (z. B. Fahrt der pflegebedürftigen Person zum Arzt)
Info

Fahrtkosten können Sie absetzen

Fahrtkosten dürfen nur steuerlich geltend gemacht werden, wenn sie mit der Pflege in Verbindung stehen. Zum Beispiel dann, wenn Fahrten zum Arzt oder zur Apotheke getätigt werden. Fahrten für den Haushalt wie z. B. zum Einkaufen in den Supermarkt fahren, können nicht geltend gemacht werden.

Grundsätzlich können Sie Pflegekosten als außergewöhnliche Belastung oder als haushaltsnahe Dienstleistung geltend machen.

1. Außergewöhnliche Belastungen: Diese Pflegekosten können Sie absetzen

Die meisten Pflegekosten können nach § 33 EStG (Einkommensteuergesetz) als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden.

Zu den außergewöhnlichen Belastungen zählen unumgängliche Kosten, die höher sind als die von anderen Steuerzahlern mit ähnlichem familiären und finanziellen Stand. Erstattungen von Versicherungen (z. B. Pflegeversicherung) und anderen Kostenträgern müssen von den gesamten Pflegekosten abgezogen werden, bevor sie steuerlich geltend gemacht werden.

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Folgende Beträge müssen von den Gesamtausgaben abgezogen werden:

  • Pflegegeld der privaten/gesetzlichen Versicherung
  • Erstattungen (z. B. von zusätzlich abgeschlossenen Versicherungen)
  • Beihilfe
  • Einkünfte und Bezüge der gepflegten Person
  • Haushaltsersparnis, wenn die Wohnung aufgelöst wurde
  • Nachlass der verstorbenen, gepflegten Person

Voraussetzungen, um Pflegekosten als außergewöhnliche Belastungen absetzen zu können, sind:

Info

Wer gilt als pflegebedürftig?

Als pflegebedürftig gelten folgende Personen

  • Personen, die in einen der fünf Pflegegrade nach dem Pflegeversicherungsgesetz gemäß §§ 14, 15 SGB XI eingestuft sind.
  • Personen, die einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „H“ oder „Bl“ besitzen.
  • Andere Personen, die ambulant gepflegt werden und die Pflegekosten von einem anerkannten Pflegedienst gesondert in Rechnung gestellt werden.
  • Personen in einem Alten- oder Pflegeheim, für die Pflegeleistungen ab Pflegegrad 1 gesondert in Rechnung gestellt werden (BFH-Urteil vom 10.5.2007, BStBl. 2007 II S. 764).
  • Anerkannte Krankheit
    Auch Pflegekosten, die durch Krankheit entstehen, können als außergewöhnliche Belastung in der Steuererklärung geltend gemacht werden. Ausgeschlossen sind altersbedingte Pflegekosten, wenn der Steuerzahler nicht in einen Pflegegrad eingestuft worden ist. Dann zählen die Aufwendungen zu den üblichen Kosten der Lebensführung. Wichtig: Nur die Aufwendungen für Pflege und Betreuung gehören zu den außergewöhnlichen Belastungen. Hilfe beim Kochen, Waschen oder Putzen zählt nicht zu den außergewöhnlichen Belastungen. Diese Leistungen können aber an einer anderen Stelle in der Steuererklärung als haushaltsnahe Dienstleistungen (siehe „2. Haushaltsnahe Dienstleistung“) anteilig abgesetzt werden.
Info

Unterscheidung zwischen krankheitsbedingten und altersbedingten Pflegekosten

Das Finanzamt hat hier eine etwas umständliche Sprachregelung gefunden. Prinzipiell sollen nur krankheitsbedingte Pflegekosten absetzbar sein. Altersbedingte Pflegekosten werden nicht berücksichtigt. Die Unterbringung eines Senioren in einem Pflegeheim geschieht aber in der Regel durch eine altersbedingte Erkrankung und zählt deshalb zu den krankheitsbedingten Pflegekosten.

1a. Pflegeheimkosten als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen

Die Kosten, die durch die Unterbringung in einem Pflegeheim entstanden sind, können in der Steuererklärung als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden, sofern der Versicherte krankheits- oder pflegebedingt in das Heim gezogen ist. Abzugsfähig sind die Kosten für Pflege, Betreuung, Ärzte, Unterkunft und Verpflegung. Kosten, die durch einen altersbedingten Aufenthalt im Pflegeheim entstehen, können nicht von der Steuer abgesetzt werden (siehe Infobox oben).

Tipp

Sind Sie oder Ihr Angehöriger zunächst nicht aus pflege- oder krankheitsbedingten, sondern aus altersbedingten Gründen ( = ohne Pflegegrad) in einem Pflegeheim untergebracht worden, und tritt erst zu einem späteren Zeitpunkt im Pflegeheim die Pflegebedürftigkeit ( = Einstufung in einen Pflegegrad) ein, können die nach Eintritt und aufgrund von Krankheit zusätzlich anfallenden Kosten als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden. Die vollstationäre Pflege muss aus medizinischer Sicht unstrittig sein.

Wird wegen des Umzugs in ein Heim der bisherige eigene Haushalt aufgelöst, wird die sog. Haushaltsersparnis angesetzt: Das ist die Summe, die der Heimbewohner durch die Aufgabe seiner Wohnung spart. Die Haushaltsersparnis beträgt für das Jahr 2019 9.168 Euro pro Person. Das heißt, dass dem Steuerzahler zunächst 9.168 Euro von den geltend gemachten Kosten abgezogen werden. Ob die Pflegebedürftigkeit bereits vor Beginn des Heimaufenthalts oder erst später eingetreten ist, ist ohne Bedeutung. Sind beide Ehegatten krankheitsbedingt in einem Alten- und Pflegeheim untergebracht, ist für jeden der Ehegatten eine Haushaltsersparnis anzusetzen.

Info

Ambulante Pflege ohne Pflegegrad absetzen

Ambulant gepflegte Personen ohne anerkannte Pflegebedürftigkeit können die Kosten als außergewöhnliche Belastung angeben, wenn diese von einem anerkannten Pflegedienst nach § 89 SGB XI gesondert in Rechnung gestellt werden.

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Wie berechne ich den Eigenanteil („zumutbare Belastung“)?

Steuerzahler müssen bei den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art einen bestimmten Prozentsatz selbst tragen. Wie hoch der Eigenanteil ist, richtet sich nach

  1. dem Familienstand
  2. dem Einkommen und
  3. der Anzahl der Kinder.

Die Berechnung des Eigenanteils erfolgt seit dem Jahr 2017 stufenweise. Das wirkt sich positiv für den Steuerzahler aus, da der Eigenanteil nun geringer ist als vorher.

Info

Eigenanteil berechnen

Der zumutbare Eigenbehalt mit Rechenbeispiel

Tabelle gemäß § 33 EStG (Stand: 2019)

Familienstand

Jahreseinkünfte in Euro (brutto)
Stufe I
bis 15.340

Stufe II
bis 51.130

Stufe III
über 51.130

Ledige ohne Kind 5 % 6 % 7 %
Verheiratete ohne Kinder 4 % 5 % 6 %
mit 1 oder 2 Kindern 2 % 3 % 4 %
mit mehr als 2 Kindern 1 % 1 % 2 %

Änderungen seit April 2017:
Der Bundesfinanzhof hat 2017 die stufenweise Ermittlung der zumutbaren Belastung eingeführt. Dazu wird jede der drei Einkunftsstufen der obigen Tabelle für sich betrachtet. Es darf jeweils nur der Teil der Einkünfte mit dem höheren Prozentsatz belastet werden, der den im Gesetz genannten Grenzbetrag übersteigt.

Beispiel:
Frau Koch hat ein Kind und Einkünfte von 30.000 Euro pro Jahr. Ihre Belastungsgrenze berechnet sich wie folgt:

2 % von 15.340 Euro = 306,80 Euro
(= 2 % vom Betrag der Stufe I)

+

3 % von (30.000 – 15.340 Euro) = 439,80 Euro
(= 3 % von der Differenz aus Einkommen und dem Betrag der Stufe I)

306,80 + 439,80 Euro

= 746,60 Euro beträgt die zumutbare Belastungsgrenze

  • Der Betrag, der die Belastungsgrenze übersteigt, kann abgesetzt werden.

Vor dem Jahr 2017 wurden noch 3 Prozent vom gesamten Einkommen berechnet, in unserem Beispiel also 900 Euro. Somit kann nun ein höherer Betrag abgesetzt werden.

 

 

Expertenmeinung
Expertentipp
Expertentipp
Steuerberater Erich Nöll

Mein Praxistipp
Legen Sie – wenn möglich – mehrere außergewöhnliche Belastungen in ein Steuerjahr, damit die Summe der zumutbaren Belastung möglichst weit überschritten wird. Je höher der Betrag über den Selbstbehalt hinaus geht, desto mehr Kosten können Sie steuerlich geltend machen.

1 b. Unterhaltsleistungen (z. B. Elternunterhalt) als außergewöhnliche Belastung von der Steuer absetzen

Übernehmen Sie Pflegekosten für einen anderen Angehörigen (z. B. einen Elternteil) oder eine nahestehende Person, können Sie als pflegender Angehöriger diese Aufwendungen bei den außergewöhnlichen Belastungen in Ihrer eigenen Steuererklärung eintragen. Dafür gelten folgende Voraussetzungen:

  • Die Pflegekosten sind zwangsläufig entstanden, weil z. B. eine Unterhaltspflicht besteht
  • Der Empfänger ist bedürftig und kann die Pflegekosten nicht aus eigener Kraft bezahlen (ein Vermögen bis zu 15.500 Euro bleibt unberücksichtigt).
  • Eine Heimunterbringung muss wegen Pflegebedürftigkeit erfolgt sein.

Werden Pflegekosten für einen Angehörigen oder eine andere Person übernommen, der aus Altersgründen in einem Pflegeheim lebt, spielt die Unterhaltspflicht des Unterstützenden eine wichtige Rolle:

  • Es besteht eine Unterhaltspflicht (z. B. für die Eltern): In diesem Fall zählen die übernommenen Kosten zum normalen Lebensunterhalt. Nach § 33a Abs. 1 EStG können die Aufwendungen bis zum Unterhaltshöchstbetrag abgezogen werden. Dieser beträgt für das Jahr 2019 9.168 Euro.
  • Es besteht keine Unterhaltspflicht (z. B. für einen Freund): In diesem Fall sind die übernommenen Kosten grundsätzlich nicht abzugsfähig.
Info

Wurden Vermögenswerte übernommen?

Hat der Pflegebedürftige, für den Sie die Pflegekosten übernehmen, Ihnen Vermögenswerte zukommen lassen oder Vermögen übertragen, dürfen die Pflegeaufwendungen nur in der Höhe abgezogen werden, wie die Aufwendungen den Wert des erhaltenen Vermögens übersteigen. Lassen Sie dies ggf. noch einmal von einem Steuerberater überprüfen.

Pflegepauschbetrag statt außergewöhnliche Belastung

Nach §33 Abs. 6 EstG kann statt der Steuerermäßigung der Pflegekosten als außergewöhnliche Belastung der sog. Pflegepauschbetrag in Höhe von 924 Euro angerechnet werden. Damit sollen kleinere Kosten für z. B. Fahrtkosten beim Begleiten des Pflegebedürftigen zum Arzt oder für das Waschen und Bügeln der Wäsche berücksichtigt werden. Der Pflegepauschbetrag lohnt sich dann, wenn die Kosten unter der Höhe des Pauschbetrags liegen.

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Voraussetzungen, um den Pflegepauschbetrag in Anspruch zu nehmen:

  • Die gepflegte Person ist hilflos. Das heißt, sie braucht jeden Tag zur Sicherung ihrer persönlichen Existenz fremde Hilfe. Hilflosigkeit liegt auch dann vor, wenn die Person beaufsichtigt oder angeleitet werden muss. Auch Bereitschaft zur Hilfe zählt zu den Hilfeleistungen. Die Hilflosigkeit des Gepflegten muss nachgewiesen werden durch
    a) einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „H“ (für hilflos) oder „Bl“ (für blind) oder
    b) die Einstufung als Schwerstpflegebedürftiger in Pflegegrad 4 oder Pflegegrad 5
  • Die Aufwendungen müssen zwangsläufig sein. Die Zwangsläufigkeit ist bei persönlicher Pflege von Angehörigen in Form der sittlichen Verpflichtung immer gegeben; bei anderen Personen dann, wenn eine enge persönliche Beziehung besteht.
  • Der Pflegende darf keine Einnahmen für seine Pflegeleistungen erhalten. Hierzu gehört grundsätzlich auch das weitergeleitete Pflegegeld. Wird das Pflegegeld treuhänderisch entgegengenommen und z. B. für eine osteuropäische Hilfskraft (polnische Pflegekraft) aufgewendet, gilt es nicht als Einkommen.
  • Die Pflege muss persönlich und im eigenen oder im Zuhause des Gepflegten erfolgen. Das heißt nicht, dass alles selbst erledigt werden muss. Der Pflegende darf sich zur Unterstützung zeitweise einer ambulanten Pflege bedienen, muss aber 10 Prozent der Pflegeleistung selbst erledigen.
  • Werden mehrere Personen gepflegt, z. B. die Eltern, kann man den Pflegepauschbetrag mehrfach ansetzen. Wenn mehrere Personen pflegen, muss der Pflegepauschbetrag aufgeteilt werden.

2. Haushaltsnahe Dienstleistungen: Diese Pflegekosten können Sie von der Steuer absetzen

Viele Kosten, die nicht als außergewöhnliche Belastung geltend gemacht werden können, lassen sich als haushaltsnahe Dienstleistungen absetzen. Das gilt auch, wenn Sie als pflegender Angehöriger die Pflegekosten für einen Angehörigen übernehmen. Bis zu 20 Prozent von maximal 20.000 Euro, also 4.000 Euro, lassen sich hier einsparen.

Die Kosten für folgende Leistungen können Sie steuerlich geltend machen:

  • Unterstützung beim Duschen, Kochen, Einkaufen, Bügeln, Putzen oder der Gartenarbeit. Dies sind Services, die bspw. von einem ambulanten Pflegedienst, einer Senioren-Assistenz, einer Haushaltshilfe oder einem mobilen Verpflegungsservice angeboten werden. Wichtig: Die Leistung darf keine medizinische Behandlungspflege oder Krankenpflege sein. Auf der Rechnung des Pflegdienstes müssen die Posten für Pflege und haushaltsnahen Dienstleistungen getrennt aufgeführt werden, damit sie entsprechend in der Steuererklärung eingeordnet werden können.
  • Hausnotrufsysteme zuhause oder in einer Einrichtung für betreutes Wohnen (nicht in vollstationärer Pflegeeinrichtung)
  • Wohnumfeldverbessernde Maßnahmen wie der barrierefreie Umbau des Zuhauses, z. B. Badumbau: Dusche zur begehbaren Dusche, Ausbau der Badewanne, Einbau einer barrierefreien Dusche (Wanne zur Dusche) oder kompletter Neubau. Achtung: Hierbei handelt es sich um Handwerkerleistungen, die zusätzlich neben haushaltsnahen Dienstleistungen abzugsfähig sind. Jedoch ist auch hier nur der Arbeitslohn ist abzugsfähig, nicht die Materialkosten. Die Rechnung muss entsprechend aufgeschlüsselt sein. Das Geld an den Handwerker muss überwiesen werden; Barzahlungen werden vom Finanzamt nicht berücksichtigt.
  • Wird ein Minijobber für haushaltsnahe Dienstleistungen angestellt, sind 20 Prozent der Aufwendungen absetzbar. Maximal sind jedoch 510 Euro im Jahr von der Steuer abziehbar.
Info

Nur eigene Pflegekosten sind als haushaltsnahe Dienstleistung steuermindernd

Der Bundesfinanzhof entschied im April 2019, dass nur die eigenen Ausgaben für die Pflege und Verpflegung in einem Pflegeheim als haushaltsnahe Dienstleistung geltend gemacht werden können. Wer die Kosten für eine andere Person übernimmt (auch Familienmitglieder) kann die Kosten nicht absetzen (BFH-Urteil vom 3. April 2019, Aktenzeichen VI R 19/17).

Sonderfall „altersbedingte Pflege zuhause“: Bei der Pflege zu Hause kommt für den Teil der Kosten, der aufgrund der zumutbaren Belastung nicht berücksichtigt wird, die Steuerermäßigung nach § 35a EStG Abs. 2 für haushaltsnahe Dienstleistungen bzw. Beschäftigungsverhältnisse in Betracht. Das gilt auch für altersbedingte Pflegekosten (also für Personen ohne Pflegegrad) und hauswirtschaftliche Leistungen, die nicht als außergewöhnliche Belastungen geltend gemacht werden können.

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Beispiel: Frau Marks kann wegen der zumutbaren Belastung von ihren Pflegekosten 1.000 Euro nicht als außergewöhnliche Belastungen absetzen. Für die Pflege- und Betreuungsleistungen des ambulanten Pflegedienstes steht ihr die Steuerermäßigung des § 35a Abs. 2 EStG zu. Frau Marks kann deshalb 20 Prozent von 1.000 Euro (= 200 Euro) geltend machen.

2a. Haushaltsnahe Dienstleistungen im Pflegeheim oder betreuten Wohnen

Auch im Pflegeheim oder betreuten Wohnen können haushaltsnahe Kosten geltend gemacht werden, wenn ein eigenständiger Haushalt besteht, z. B. durch ein kleines Appartement mit Bad, Küche, Wohn- und Schlafbereich. Die Betriebskosten müssen auf der Pflegeheimrechnung gesondert aufgeführt werden, da nur diese als haushaltsnahe Dienstleistung abgesetzt werden können.

Eine detaillierte Auflistung aller absetzbaren Leistungen als haushaltsnahe Dienstleistungen zuhause oder im Seniorenheim finden Sie hier.

Info

Steuerentlastung im Alter: Finanzspritze für die Über 64-Jährigen

Der Altersentlastungsbetrag ist eine Steuervergünstigung, der Menschen ab 64 Jahre entlasten soll. Er wird unabhängig von der Pflegebedürftigkeit gewährt. Begünstigt werden Steuerpflichtige, die vor Beginn des Kalenderjahres das 64. Lebensjahr vollendet haben. Der Altersentlastungsbetrag beläuft sich für das Jahr 2018 auf 19,2 Prozent der Einkünfte bei einem Höchstbetrag von 912 Euro. Er reduziert sich lediglich für die jeweils neuen „64. Jährigen“ in den kommenden Jahren reduziert sich der Altersentlastungsbetrag und wird 2040 bei 0 Prozent angelangt sein. Ansonsten bleibt er immer gleich hoch. Der Altersentlastungsbetrag wird über das Geburtsdatum automatisch bei der Berechnung der Steuerlast berücksichtigt.

Pflegekosten von der Steuer absetzen: Belege nicht mehr einreichen, aber aufbewahren

Pflegekosten müssen einzeln nachgewiesen werden. Für die Steuererklärung bis zum Jahr 2016 müssen alle Originalbelege über die entstandenen Kosten eingereicht werden. Ab der Steuererklärung für das Jahr 2017 gilt die Belegvorhaltepflicht: Die Belege müssen nun nicht mehr eingereicht werden, sollten jedoch mindestens bis zur Zusendung des Steuerbescheids aufbewahrt werden. Es ist ratsam, die Belege deutlich länger aufzubewahren.

Wichtige Nachweise für die Absetzung von Pflegekosten sind:

  • Bescheid über die Einstufung in den Pflegegrad
  • Versicherungsbescheide
  • Bescheide der Pflegekasse
  • Rechnungsstellung eines nach § 89 SGB XI anerkannten Pflegedienstes
  • Nachweis über psychische Erkrankungen, Demenz oder Behinderung, die eine Betreuung notwendig machen
  • Arzneimittelbelege
  • Rechnungen über Pflegehilfsmittel

Pflegekosten in Formular eintragen: Wo trage ich die die Pflegekosten in der Steuererklärung ein?

Die Pflegekosten werden in Zeile 67 – 70 im Mantelbogen der Steuererklärung auf Seite 3 unter „andere außergewöhnliche Belastungen“ eingetragen.

  • Tragen Sie in Zeile 67 die Art der Belastung, die Summe der Aufwendungen und die Summe ein, die von dem Gesamtbetrag der Ausgaben abgezogen wird.
  • In Zeile 68 – 70 können Sie die Kosten für haushaltsnahe Dienstleistungen eintragen, die im Rahmen der Pflege oder Heimunterbringung entstehen, aber in den Bereich Haushalt fallen und die Sie in Zeile 67 schon eingerechnet haben. Diese Kosten sind dann nicht mehr ab Zeile 71 (Haushaltsnahe Beschäftigungsverhältnisse, Dienstleistungen und Handwerkerleistungen) aufzuführen.
  • Der Pflegepauschbetrag wird im Mantelbogen in Zeile 65 – 66 eingetragen.
  • Unterhaltsaufwendungen an bedürftige Personen (z.B. Elternunterhalt) werden als außergewöhnliche Belastungen in der „Anlage Unterhalt“ (nicht zu verwechseln mit „Anlage U“) eingetragen.
Tipp

Überprüfen Sie Ihren Steuerbescheid!
Der Bund der Steuerzahler hat ermittelt, dass im Schnitt jeder fünfte Steuerbescheid zur Einkommensteuererklärung fehlerhaft ist. Überprüfen Sie Ihren Steuerbescheid deshalb unbedingt auf Richtigkeit. Die Einspruchsfrist beträgt einen Monat nach Bekanntgabe des Steuerbescheids. Einen Zahlungsaufschub erreichen Sie nur, wenn Sie zusätzlich beantragen, die Vollziehung auszusetzen.

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Wichtige Information

Wir machen darauf aufmerksam, dass unser Web-Angebot lediglich dem unverbindlichen Informationszweck dient und keine Rechtsberatung im eigentlichen Sinne darstellt. Der Inhalt dieses Angebots kann und soll eine individuelle und verbindliche Rechtsberatung, die auf Ihre spezifische Situation eingeht, nicht ersetzen. Insofern verstehen sich alle angebotenen Informationen ohne Gewähr auf Richtigkeit und Vollständigkeit.

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Erich Nöll
Im Interview
Erich Nöll

Erich Nöll ist Rechtsanwalt und Geschäftsführer des Bundesverbandes Lohnsteuerhilfevereine e.V. Dessen Mitgliedsvereine erstellen bundesweit in ca. 9.000 Beratungsstellen jährlich für mehr als drei Millionen Arbeitnehmer und Rentner die Einkommenssteuererklärung. Er ist zudem Mitautor des im Haufe Verlag erscheinenden Standardwerks „Handbuch für Lohnsteuerhilfevereine“.

Pflegekosten können den Geldbeutel von Betroffenen ganz schön strapazieren. Was viele nicht wissen: Viele Kosten für die Pflege können sowohl Betroffene als auch Angehörige von der Steuer absetzen. Leider ist das gar nicht so leicht, da das Steuersystem auf diesem Gebiet komplex ist, erklärt uns Rechtsanwalt Erich Nöll. Im Gespräch mit pflege.de verrät der Steuerexperte, wo Pflegebedürftige selbst oder pflegende Angehörige sparen können und welche Pflegekosten steuerlich geltend gemacht werden können.

Herr Nöll, vielen Dank, dass Sie sich Zeit für unser Interview nehmen. Zum Einstieg die Frage: Wer kann Pflegekosten steuerlich geltend machen?

Grundsätzlich lässt sich zwischen Pflegekosten für sich oder den Ehepartner und Pflegekosten für einen Angehörigen unterscheiden. Voraussetzung ist, dass die Pflegebedürftigkeit nachgewiesen wird. Entweder über die Einstufung in einen Pflegegrad oder über Versicherungsbescheide bzw. ein amtsärztliches Attest.

Welche Voraussetzungen gelten, wenn Pflegebedürftige ihre Pflegekosten steuerlich geltend machen wollen?

In welcher Höhe man Kosten steuerlich geltend machen kann, hängt auch vom Einkommen des Pflegebedürftigen ab. Das Gesetz verlangt, dass ein Teil der Aufwendungen selbst getragen werden muss. Man nennt das „zumutbare Belastung“. Wie hoch die zumutbare Belastung ist, hängt neben den Einkünften von der persönlichen Situation ab, sprich davon, ob jemand verheiratet ist oder Kinder hat.

Wie lassen sich denn eigentlich genau Pflegekosten von der Steuer absetzen?

Grundsätzlich geht es vor allem um außergewöhnliche Belastungen. Das sind Kosten, die, wie der Name schon sagt, außergewöhnlich sind und im Normalfall bei anderen Steuerpflichtigen nicht anfallen. Das Kriterium ist, dass sie zwangsläufig anfallen und ich mich ihnen nicht entziehen kann. Pflegekosten gehören zu den außergewöhnlichen Belastungen allgemeiner Art. Voraussetzung für die Geltendmachung der Pflegekosten als außergewöhnliche Belastungen ist, dass die gepflegte Person zum begünstigten Personenkreis zählt. Dazu gehören pflegebedürftige Personen mit anerkanntem Pflegegrad. Auch wer nur kurz, z. B. durch eine Krankheit, pflegebedürftig wird, kann die entstandenen Kosten als außergewöhnliche Belastung geltend machen. Altersbedingte Pflegekosten können nicht geltend gemacht werden. Sie zählen zu den üblichen Kosten der Lebensführung und sind durch Grundfreibetrag und Altersentlastungsbetrag abgegolten.

Info
Alters-Entlastungsbetrag

Der Alters-Entlastungsbetrag ist eine Steuervergünstigung, die Menschen ab 64 Jahre entlasten soll. Begünstigt werden Steuerpflichtige, die vor Beginn des Kalenderjahres das 64. Lebensjahr vollendet haben. Der Altersentlastungsbetrag beläuft sich für Personen, die 2016 das 64. Lebensjahr vollendet haben auf 20,8 Prozent der Einkünfte bei einem Höchstbetrag von 988 Euro. Er reduziert sich in den kommenden Jahren und wird 2040 bei 0 Prozent angelangt sein. Der Altersentlastungsbetrag wird über das Geburtsdatum automatisch bei der Berechnung der Steuerlast berücksichtigt.

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Vor allem die Heimkosten können ganz schön belastend sein, wenn Pflegebedürftige stationär im Pflegeheim versorgt werden. Worauf muss ich achten, wenn ich die Heimkosten von der Steuer absetzen möchte?

Sie müssen sich zuerst fragen, ob die Person altersbedingt, krankheits- bzw. pflegebedingt oder behindertenbedingt ins Pflegeheim gekommen ist. Wenn, sagen wir mal, Ihr Vater noch fit war und aus freien Stücken in ein Seniorenheim gezogen ist, ist das ein anderer Fall, als wenn er kurzfristig wegen Krankheit oder Pflegebedürftigkeit ins Heim gekommen ist.

  • Wenn er altersbedingt ins Heim gekommen ist, dann gehört das zum Leben dazu und ist keine außergewöhnliche Belastung. Die Heimkosten sind dann nicht absetzbar, denn die Unterbringung an sich geschieht ja nur anstelle des Wohnens in einer Wohnung. Der Bewohner müsste nämlich sonst auch irgendwo untergebracht werden. Er hat also keinen „Nachteil“ im Vergleich zu anderen Steuerzahlern. Weder Ihr Vater noch Sie selbst können die Kosten als Steuerzahler dann geltend machen.
  • Beim pflegebedingten Umzug ins Pflegeheim können die Pflegeheim-Kosten als außergewöhnliche Belastungen abgezogen werden. Abzugsfähig sind die Kosten für die Pflege, die Betreuung durch einen Arzt, die Unterkunft und die Verpflegung. Wer aus Altersgründen bereits in einem lebt, kann aber ab Feststellung der Pflegebedürftigkeit auch die Kosten für Unterkunft und Verpflegung geltend machen.

Zu beachten ist beim pflegebedingten Umzug ins Pflegeheim die individuell berechnete zumutbare Belastung: Es können nur Beträge geltend gemacht werden, die über der zumutbaren Belastung liegen. Dieser Betrag sollte mit dem Behinderten-Pauschbetrag verglichen werden, den Sie unter bestimmten Voraussetzungen in Anspruch nehmen können. Viele Menschen begnügen sich mit der Pauschale, weil ihnen die Errechnung der zumutbaren Belastung zu kompliziert ist. Wird der Behinderten-Pauschbetrag in Anspruch genommen, sind daneben keine Pflegekosten absetzbar.

Der zumutbare Eigenbehalt (Rechenbeispiel)
Tabelle gemäß § 33 EStG (Stand 2019)

 

 

Familienstand

Jahreseinkünfte in Euro (brutto)
Stufe I

bis 15.340

Stufe II

bis 51.130

Stufe III

über 51.130

Ledige ohne Kind 5 % 6 % 7 %
Verheiratete ohne Kinder 4 % 5 % 6 %
mit 1 oder 2 Kindern 2 % 3 % 4 %
mit mehr als 2 Kindern 1 % 1 % 2 %
Info
Änderungen zur zumutbaren Belastungsgrenze

Der Bundesfinanzhof hat im April 2017 die stufenweise Ermittlung der zumutbaren Belastung eingeführt. Dazu wird jede der drei Einkunftsstufen der obigen Tabelle für sich betrachtet. Es darf jeweils nur der Teil der Einkünfte mit dem höheren Prozentsatz belastet werden, der den im Gesetz genannten Grenzbetrag übersteigt.

Beispiel:
Frau Koch hat ein Kind und Einkünfte von 30.000 Euro pro Jahr. Ihre Belastungsgrenze berechnet sich wie folgt:

2 % von 15.340 Euro = 306,80 Euro
( = 2 % vom Betrag der Stufe I )
+
3 % von (30.000 – 15.340 Euro) = 439,80 Euro
( = 3 % von der Differenz aus Einkommen und dem Betrag der Stufe I )
306,80 + 439,80 Euro


746,60 Euro beträgt die zumutbare Belastungsgrenze

Der Betrag, der die Belastungsgrenze übersteigt, kann abgesetzt werden.

Vor 2017 wurden noch 3 Prozent vom gesamten Einkommen berechnet, in unserem Beispiel also 900 Euro. Somit kann nun ein höherer Betrag abgesetzt werden.

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Kann ich die Heimkosten als doppelte Haushaltsführung geltend machen?Nein, Aufwendungen können nur einmal berücksichtigt werden. Hier geht es um die Anrechnung der Haushaltsersparnis. Hat der im Heim Lebende seinen privaten Haushalt schon aufgelöst (=Haushaltsauflösung)? Wenn nicht, dann brauchen Sie nichts gegenzurechnen, weil der Bewohner eventuell wieder zurück in seine Wohnung kann, vielleicht mit Unterstützung einer ambulanten Pflege. Wenn der Haushalt aufgelöst wird, dann ist eine Haushaltsersparnis gegenzurechnen, die für das Jahr 2019 bei 9.168 Euro im Jahr liegt, also genau der Grundfreibetrag, den jeder Steuerzahler hat. Diese Ausgaben „erspart“ sich der Heimbewohner ja, wenn er seine alte Wohnung aufgibt, deswegen werden sie auf die Bemessungsgrundlage aufgerechnet. Das muss man wissen.
Viele Menschen begnügen sich bei der Steuererklärung mit Pauschalen, weil ihnen die Errechnung der zumutbaren Belastung zu kompliziert ist.
Erich Nöll

Sind auch kleinere Kosten wie für Rollatoren, Arzneimittel, Handschuhe oder Desinfektionsmittel steuerlich absetzbar? Unabhängig davon, ob ich im Pflegeheim oder zuhause versorgt werde.

Sicher! Kosten für Arznei- und Krankheitsmittel wie Rollatoren, Desinfektionsmittel, Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte oder Zuzahlungen zu Medikamenten können Sie immer geltend machen, unabhängig von Pflegeheimkosten oder Pflegekosten. Diese Kosten können neben der Inanspruchnahme von Pauschalen als außergewöhnliche Belastung angegeben werden. Allerdings sind Erstattungen von Versicherungen oder anderen Stellen gegenzurechnen.

Bei Fahrtkosten für Fahrten zum Arzt oder zur Apotheke können grundsätzlich nur die Kosten geltend gemacht werden, die für den öffentlichen Personennahverkehr entstanden wären. In Ausnahmefällen, z. B. auf dem Land, gibt es die 30 Cent pro Kilometer-Regel.

Was viele vergessen und für Pflegebedürftige interessant sein kann, ist der Behindertenpauschbetrag. Es kann sich lohnen, den Grad der Behinderung überprüfen zu lassen. Wer den Behindertenpauschbetrag in Anspruch nimmt, kann daneben allerdings keine Pflegekosten mehr absetzen. Bei Heimunterbringung lohnt es sich in der Regel eher, die Pflegekosten abzusetzen anstatt den Behindertenpauschbetrag in Anspruch zu nehmen.

Tipp
Behindertenpauschbetrag

Der Behindertenpauschbetrag kann für behinderungsbedingte Aufwendungen geltend gemacht. Ob tatsächlich niedrigere oder gar keine Kosten angefallen sind, spielt keine Rolle. Die Einstufung in einen Grad der Behinderung erfolgt über das Landes- oder Versorgungsamt des jeweiligen Bundeslandes.

Grad der Behinderung (GdB) Behindertenpauschbetrag
GdB 25 und 30 Prozent 310 Euro
GdB 35 und 40 Prozent 430 Euro
GdB 45 und 50 Prozent 570 Euro
GdB 55 und 60 Prozent 720 Euro
GdB 65 und 70 Prozent 890 Euro
GdB 75 und 80 Prozent 1.060 Euro
GdB 85 und 90 Prozent 1.230 Euro
GdB 95 und 100 Prozent 1.420 Euro
Blind (Bl)* oder hilflos (H)* 3.700 Euro

*die Merkmale „Bl“ ider „H“ werden im Schwerbehindertenausweis vermerkt.

Stand 2019

Wechseln wir einmal zur häuslichen Versorgung. Sofern Pflegebedürftige von Angehörigen versorgt werden, erhalten sie von der Pflegekasse Pflegegeld. Müssen Versicherte das Pflegegeld in der Steuererklärung angeben?

Ja. Wenn es Ersatzleistungen wie Pflegegeld oder Beihilfe gibt, müssen diese grundsätzlich gegengerechnet werden. Wenn Sie also Geld von der Pflegekasse bekommen, das für die Pflegeleistungen gedacht ist, müssen Sie dieses auf jeden Fall von den Kosten abziehen, die Ihnen entstanden sind – auch als pflegender Angehöriger. Aber: Weder muss der Pflegebedürftige erhaltenes Pflegegeld versteuern noch muss weitergeleitetes Pflegegeld an Angehörige von diesen versteuert werden. Wer seine Eltern pflegt, kann dafür Pflegegeld beanspruchen. Leiten die Eltern das Pflegegeld als Entschädigung für die Pflege an Sie weiter, sind diese Zahlungen bei Ihnen steuerfrei, weil Sie Angehöriger sind.

Kosten für Arznei- und Krankheitsmittel wie Rollatoren, Desinfektionsmittel, Arztbesuche, Krankenhausaufenthalte oder Zuzahlungen zu Medikamenten können Sie immer geltend machen, unabhängig von Heim- oder Pflegekosten.
Erich Nöll

Das Pflegegeld ist auch dann steuerfrei, wenn Sie sich zur Übernahme der Pflege sittlich verpflichtet fühlen (§ 3 Nr.36 EStG). Eine solche sittliche Pflicht kann regelmäßig angenommen werden, wenn die Pflegeperson nur für einen Pflegebedürftigen tätig wird.

Was ist mit einem Angehörigen, der einspringen muss, wenn die Kosten für die pflegebedürftige Person selbst zu hoch werden. Kann ich als pflegende Angehörige diese Kosten geltend machen?

Pflegende Angehörige können nur die Pflegeheimkosten als außergewöhnliche Belastung geltend machen, die bei der Pflege von Ehepartnern und Angehörigen in gerader Linie, also Eltern, Kinder und Enkelkinder, zustande gekommen sind. Zahlen Sie die Pflegeheimkosten für Ihre Tante oder Ihren Onkel, können diese Kosten in der Regel nicht geltend gemacht werden.

Machen Sie sich als Angehöriger klar, was Sie genau leisten: Ist es eine außergewöhnliche Belastung oder eine Unterhaltszahlung, z. B. Elternunterhalt? Kommt Ihr Vater bspw. ins Heim und wird aufgrund der höheren Kosten eventuell unterhaltsberechtigt gegenüber seinen Kindern, geraten Sie in Zahlungspflicht. Unterhaltszahlungen können Sie mit der Anlage Unterhalt in der Steuererklärung geltend machen, wobei auch hier die Haushaltsersparnis abzuziehen ist.

Drei Viertel der pflegebedürftigen Menschen in Deutschland werden zuhause versorgt – in vielen Fällen von ihren Angehörigen. Wie wird das vom Fiskus berücksichtigt?

Pflegen Sie Ihren Angehörigen zuhause, sollten Sie prüfen, ob Sie den Pflegepauschbetrag in Anspruch nehmen können. Der Pflegepauschbetrag über 924 Euro pro Kalenderjahr wird Menschen gewährt, die andere Menschen pflegen. Er gilt allerdings nur, wenn der zu Pflegende mindestens Pflegegrad 4 hat oder hilflos oder blind ist. Es ist also schon eine kleine Hürde, den Pflegepauschbetrag zu bekommen. Einnahmen aus Pflegegeldern und Versicherungen müssen abgezogen werden, sofern der pflegende Angehörige diese vom Gepflegten erhält. Den Pflegepauschbetrag können Sie auch bekommen, wenn Sie über den eigenen Aufwand hinaus Pflegeleistungen wie einen ambulanten Pflegedienst in Anspruch nehmen. Das ist also nebeneinander möglich.

Info
Pflegepauschbetrag

Als pflegender Angehöriger können Sie pro gepflegte Person 924 Euro als jährliche Pauschale ansetzen. Es gelten folgende Voraussetzungen:

  • Die Pflegeperson hat mindestens Pflegegrad 4 oder einen Schwerbehindertenausweis mit dem Merkzeichen „H“ für hilflos oder „BI“ für blind
  • Sie dürfen kein Gehalt oder sonstige Entschädigung wie bspw. das Pflegegeld für den Pflegeaufwand erhalten. Pflegedienste können die Pauschale damit nicht in Anspruch nehmen. Sollten Sie das Pflegegeld treuhänderisch entgegennehmen und damit Pflegegüter und Pflegedienste beauftragen, gilt dies nicht als Einkommen. Sie können die Pauschale somit in Anspruch nehmen
  • Die Pflege muss persönlich vorgenommen werden. Teilen sich mehrere Personen den Pflegeaufwand, muss auch der Pauschbetrag entsprechend aufgeteilt werden
  • Unterstützung zur Pflege, bspw. durch einen Pflegedienst, ist erlaubt. Sie müssen allerdings 10 Prozent der Pflege selbst erbringen
  • Die Pflege muss entweder im Zuhause des Pflegebedürftigen stattfinden oder im Zuhause der pflegenden Person
  • Auslegungssache ist die Pflege im Pflegeheim: Wer seinen Angehörigen regelmäßig im Seniorenheim besucht, ihn an den Wochenenden zu sich nach Hause holt sowie bei der Pflege hilft (z. B. als Begleitung zu Arzt- und Therapiesitzungen) und dies nachweisen kann, kann den Pauschbetrag beantragen. Rechnen Sie aber damit, dass der Pauschbetrag ggf. nicht gewährt wird. Es liegt im Ermessen des Finanzbeamten, wie er die Sachlage beurteilt. Es ist natürlich ein Unterschied zu machen, ob eine Person besucht oder gepflegt wird. Besuche der Oma im Seniorenheim haben nichts mit Pflege zu tun.
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Eine grundsätzliche Frage: Der Pflegebedarf ist ja im Folgejahr meist auch noch da. Kann ich die außergewöhnliche Belastung jedes Jahr aufs Neue angeben?

Selbstverständlich. Das ist eine jährliche außergewöhnliche Belastung; also pro Veranlagungszeitraum. Für den Betroffenen ist es nicht mehr außergewöhnlich, also im Wortsinn. Aber steuerlich geht es um den Vergleich zum „normalen“ Steuerpflichtigen. Daher kommt auch die zumutbare Belastung: Zum Arzt gehen muss jeder hin und wieder. Zuzahlungen zu Medikament oder Brille werden auch von jedem geleistet. Was noch zumutbar im Vergleich zum Einkommen erscheint, muss selbst bezahlt werden. Heimkosten sind aber in der Regel so hoch, dass man sie als außergewöhnliche Belastung betrachten kann.

Welche Dokumente sollten Pflegebedürftige und Angehörige unbedingt für die Steuererklärung sammeln?

Bei der stationären Versorgung im Pflegeheim auf jeden Fall die Heimabrechnung! Die ist in den letzten Jahren deutlich besser geworden. Die Pflegeheime wissen mittlerweile, dass die Angehörigen die Auflistung nach altersbedingten Kosten und pflegebedingten Kosten benötigen.

Letztere fallen nur an, wenn eine Person pflegebedürftig ist, was natürlich einen höheren Pflege-Aufwand bedeutet. Auf der Heimabrechnung sind auch die Arztkosten in der Regel mit aufgeführt. Diese Kosten sind absetzbar, müssen aber aufgeschlüsselt werden. Je detaillierter die Heimabrechnung ist, desto besser. Je nachvollziehbarer ausgewiesen ist, wofür das Geld zu zahlen ist, desto einfacher hat es der Steuerberater oder der Steuerpflichtige, der es später in der Steuererklärung eintragen muss.

Info
Belegvorhaltepflicht

Seit dem 1. Januar 2017 gilt die sogenannte Belegvorhaltpflicht. Sie löst die Belegvorlagepflicht ab. Das heißt, dass Sie Ihre Steuererklärung abgeben können, ohne Belege mit einzureichen. Belege mit der Einkommenssteuer sind nur dann einzureichen, wenn in dem Vordruck ausdrücklich darauf hingewiesen wird. Für den Fall einer Überprüfung müssen die Belege aber zehn Jahre aufbewahrt werden.

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Zusätzlich sollten Sie natürlich alle anderen Belege von Kosten aufheben wie zum Beispiel:

  • Rechnung eines längeren Krankenhausaufenthalts
  • Arzneimittelzuzahlungen
  • Fahrtkosten zum Arzt usw.

Diese Krankheitskosten, also Arzt- oder Hilfsmittelkosten, können Sie zusätzlich zu jeglichen Pauschalen, zum Beispiel der Behindertenpauschale, geltend machen. Das macht das Steuersystem eben auch so kompliziert: Sie müssen wissen, was gegenzurechnen ist und was nicht mit der Pauschale abgedeckt ist.

Pflegen Sie Ihren Angehörigen zuhause, sollten Sie prüfen, ob Sie den Pflegepauschbetrag in Anspruch nehmen können.
Erich Nöll

Wie gehe ich am besten beim Ausfüllen der Steuererklärung vor?

Machen Sie sich klar, dass Sie prinzipiell überall sparen können, wo Ihnen Kosten entstehen. Da die Aufwendungen aber immer individuell sind, sollten Sie Ihren Fall strukturiert mithilfe eines Prüfungsschemas angucken. Der größte Knackpunkt ist zunächst die Entscheidung zwischen Einzelnachweis und Pauschale. Beides geht eigentlich nicht zusammen. Aber es gibt Ausnahmen, also Kostenpunkte, die mit der Pauschale nicht abgedeckt werden und dann eben doch noch geltend gemacht werden können.

Wo werden die Pflegekosten genau eingetragen?

Zunächst gilt es, die Kosten richtig einzuordnen. Wir sprachen bislang hauptsächlich über außergewöhnliche Belastungen. Man muss sich zuallererst immer fragen: Handelt es sich um außergewöhnliche Belastungen? Wenn ja, dann müssen die Kosten auch dort eingeordnet werden. Der Haken hier ist immer die Höhe der zumutbaren Belastung, die für diesen Fall ausgerechnet werden muss. Das ist gar nicht so einfach, aber durchaus machbar, wenn man sich einmal ein gutes Beispiel angesehen hat. Dann muss das Ergebnis mit den Pauschalen abgeglichen und geschaut werden, was günstiger ist: der Pauschbetrag oder eben doch die Einzelauflistung der außergewöhnlichen Belastungen. Als nächster Schritt in der Prüfungsreihenfolge wird dann geschaut, ob bestimmte Kosten, auch die zumutbare Belastung, noch als haushaltsnahe Dienstleistungen angegeben werden können. Das geht auch im Pflegeheim, wenn Sie einen kleinen eigenen Haushalt haben, zum Beispiel eine Kochnische.

Gibt es einen Posten, der gern einmal vergessen wird?

Auch, wenn Sie keinen Haushalt haben, gibt es Dinge wie den Hausnotruf, den Sie von der Steuer absetzen können. Haben Sie bspw. ein kleines Appartement in einer Einrichtung für betreutes Wohnen, dann können Sie sämtliche Kosten, die Sie auch als Mieter bei den haushaltsnahen Dienstleistungen geltend machen, in der Steuererklärung angeben. Diese Kosten zählen zu den Betriebskosten. Die können Sie ganz einfach der Heimrechnung entnehmen; dazu gehört dann auch das Rasenmähen. Diese allgemeinen Kosten können Sie aber nicht als Mieter mit Einzelzimmer geltend machen, sondern in dem Fall dann nur die Kosten, die Ihnen und Ihrem Zimmer tatsächlich zuzuordnen sind.

Das klingt wirklich komplex! An wen kann ich mich wenden, wenn ich Probleme habe, die Steuererklärung auszufüllen?

Bei den Lohnsteuerhilfevereinen sind aktuell mehr als 20 Prozent der Mitglieder Rentnerinnen und Rentner. Bei dieser Personengruppe taucht die Problematik immer wieder auf und dafür sind Lohnsteuerhilfevereine Spezialisten. Im Lohnsteuerhilfeverein haben wir hohe Erfahrungswerte. Ein weiterer großer Vorteil ist, dass Sie von Anfang an wissen, welche Kosten auf Sie zukommen. Das sind feste Jahresmitgliedschafts-Beträge, zu denen auch dann nichts mehr hinzukommt, wenn zum Beispiel Einspruch gegen Ihren Steuerbescheid eingelegt werden muss. Das erledigt dann der Lohnsteuerhilfevereine für sie.

Kann jeder Steuerzahler Mitglied im Lohnsteuerhilfeverein werden?

Heimkosten sind in der Regel so hoch, dass man sie als außergewöhnliche Belastung betrachten kann.
Erich Nöll

Wenn der Senior, z. B. ein lediger Mann oder ein Witwer noch selbständig tätig ist oder ein Gewerbe hat, dürfen wir nicht tätig werden. Hat er hohe Miet- und Kapitaleinnahmen von insgesamt mehr als 13.000 Euro im Jahr ebenfalls nicht. Beim zusammenveranlagten Ehepaar oder bei einer Lebenspartnerschaft verdoppelt sich dieser Betrag auf 26.000 Euro. Für diese Menschen wäre dann der Steuerberater die richtige Adresse. Die gleichen Grenzen gelten für pflegende Angehörige, die Pflegekosten absetzen wollen. Ist der Ehemann beispielsweise Unternehmer und die Frau hat noch ein Kleingewerbe oder ist Beraterin, dann geht das nicht. Um bei der Lohnsteuerhilfe Hilfe zu bekommen, dürfen Sie grundsätzlich nur Überschusseinkünfte erzielen, also kein Unternehmen haben und Umsatzsteuer erzielen. Für diese Personengruppe ist der Steuerberater die richtige Adresse.

Haben Sie einen abschließenden Tipp für unsere pflege.de-Leser?

Für mich als Praktiker ist es ganz natürlich, mich bei anfallenden Kosten zu fragen: Sind das außergewöhnliche Belastungen? Kann ich die Kosten als haushaltsnahe Dienstleistung oder als Unterhalt steuermindernd geltend machen? Es ist nicht immer ganz einfach, aber fangen Sie an, indem Sie sich stets fragen: Welche Kosten fallen an und wo kann ich sie einsortieren? Wenn Sie wissen, wie hoch Ihre Belastungsgrenze ist und was Sie geltend machen können, dann haben Sie schon fast gewonnen.

Erstelldatum: .13.808102|Zuletzt geändert: .1.019102
Bildquelle
Agentur Baganz
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