Themenwelt Pflegewissen für pflegende Angehörige

Neben organisatorischen Aufgaben wie der Korrespondenz mit der Pflegekasse, dem barrierefreien Umbau der Wohnung und z. B. der Organisation von Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch kommen auf pflegende Angehörige häufiger auch pflegerische Tätigkeiten hinzu. Plötzlich müssen Sie sich mit ganz konkreten Themen beschäftigen: Von A wie Anziehen bis Z wie Zahnpflege. Hier hilft Ihnen vor allem eines: konkretes und praxisnahes Pflegewissen, das Sie unterstützt und Ihre eigene Gesundheit schützt. pflege.de lässt Sie nicht im Stich und gibt Ihnen für jedes Kapitel des Pflegealltags praktische Tipps und Anleitungen an die Hand.

Pflegewissen für pflegende Angehörige

Inhaltsverzeichnis

Praxiswissen für die Pflege: von Körperpflege, Lagerung und Sturzvermeidung

Viele Ehepartner, Kinder oder Enkelkinder holen sich bei einem akuten Pflegefall in der Familie zunächst Hilfe bei Pflegekräften und Ärzten. Dennoch möchten sich viele nach der notwendigen Erstversorgung langfristig selbst um ihre Angehörigen kümmern und das in den meisten Fällen in der Häuslichkeit. Millionen pflegende Angehörige kümmern sich in Deutschland und auf der ganzen Welt tagtäglich um ihre bedürftigen Angehörigen und ermöglichen die persönliche ambulante Pflege zuhause statt die Betroffenen in einer Einrichtung wie einem Pflegeheim versorgen zu lassen.

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Ein Praxisbeispiel: Franz Müntefering

Im November 2007 überraschte der Politiker Franz Müntefering seine Wähler und seine Parteigenossen: Er gab seinen Ministerposten auf und auch den Job als Vizekanzler. Seine Frau war an Krebs erkrankt und Franz Müntefering löste das Versprechen ein, das sich das Ehepaar gegenseitig gegeben hatte: „Wenn einer von uns ein Pflegefall werden sollte, kümmert sich der andere um ihn, wenn irgend möglich zu Hause.“

Wenn Pflegebedürftigkeit eintritt, ob langsam wie bei einer Demenz oder überraschend wie nach einem Schlaganfall, übernehmen häufig Angehörige die Pflege. Den meisten davon geht es so wie Ihnen vielleicht auch: Sie übernehmen eine Fülle von pflegerischen Aufgaben, ohne dafür professionell ausgebildet zu sein – und nicht selten steht man nach einem plötzlichen Pflegefall von heute auf morgen vor dieser verantwortungsvollen Aufgabe. Im Pflegealltag kommen dann oft folgende Aufgaben auf Pflegende zu:

  • Sie benötigen möglicherweise Wissen über unterschiedliche Krankheiten im Alter und müssen deren Prophylaxen durchführen, z. B. Dekubitus, Soor, Kontrakturen oder Intertrigo (Wundsein, Hautwolf).
  • Sie müssen körperlich anstrengende pflegerische Maßnahmen wie Hebe- und Lagerungstechniken (u. a. bei Dekubitus) beherrschen.
  • Sie müssen häufig intime Tätigkeiten wie Körperpflege, Intimpflege und Mundpflege verrichten.
  • Sie müssen anspruchsvolle Aufgaben wie Mobilitätsförderung oder Sturzvermeidung durchführen, die ohne Hintergrundwissen kaum zu bewältigen sind.
  • Sie brauchen Spezialwissen in Sachen Hygienemaßnahmen.
  • Sie müssen große Herausforderungen bestehen, z. B. den Umgang mit der Bettlägerigkeit eines Pflegebedürftigen.
  • Sie müssen sich mit der Medikamentengabe auskennen und diese auf verschiedenste Arten verabreichen können.
  • Genauso müssen Sie sich bei Bedarf mit der hygienischen und korrekten Handhabung unterschiedlicher Medizinprodukte auseinandersetzen. Dazu gehört bspw. die Katheterpflege von Blasendauerkathetern oder suprapubischen Kathetern (Bauchdeckenkathetern). Weitere Medizinprodukte, die häufig in der Pflege zum Einsatz kommen, sind PEG-Ernährungssonden bei enteraler Ernährung oder die Stoma-Versorgung.

Tatsächlich ist auch die Pflege, die Sie als Angehörige leisten, keine Tätigkeit, die Sie mal eben so, quasi „mit links“, erledigen. Als Pflegebedürftiger und als pflegender Angehöriger erhalten Sie wichtige Informationen zum Thema Pflege bei einer Pflegeberatung.  Diese finden Sie zum Beispiel in einem Pflegestützpunkt. Auf eine kostenlose individuelle Pflegeberatung haben Sie übrigens einen Rechtsanspruch.

Bonus
Hygiene in der Pflege – 29 praktische Tipps & Tricks für pflegende Angehörige.
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Kostenlose Pflegekurse für pflegende Angehörige

Als pflegender Angehöriger haben Sie das Recht, an kostenlosen Pflegekursen teilzunehmen. Dort erhalten Sie Grundkenntnisse in der Pflege (Umgang mit dem Pflegebedürftigen, Pflegetechniken etc.) und – das ist besonders hilfreich – Sie lernen andere pflegende Angehörige kennen. Der Austausch untereinander kann Ihnen mehr Sicherheit und Rückhalt in Ihrer besonderen Situation bieten. Pflegekurse werden bei den Krankenkassen, aber auch an den Volkshochschulen und von vielen weiteren Trägern angeboten.

Pflege: Wissen, was hilft

Wenn Sie sich noch einmal die Aufgaben anschauen, die Ihnen bei der Pflege eines Angehörigen begegnen können, so werden Sie schnell entdecken, wie dringend Sie konkretes Pflegewissen benötigen:

  • Bei Hebe- und Lagerungstechniken gibt es technische Hilfen (z. B. Hebehilfen und Aufstehhilfen), die Sie kennen sollten. Darüber hinaus schonen Techniken wie z. B. Kinästhetik Ihre Kräfte und machen Transfers für beide Seiten leichter und angenehmer.
  • Für eine gute Körperpflege sind nicht nur Wasser und Seife wichtig, sondern die Wahl der richtigen Utensilien, der konkrete Ablauf sowie praktische Hilfsmittel für das Badezimmer und die Toilette.
  • Eine gute Mundpflege verhindert Entzündungen, die den Pflegebedürftigen gefährden können.
  • Mobilisation und Sturzvermeidung verlangt Wissen und Techniken (z. B. Kinästhetik), die Ihren eigenen Körper schonen, damit Sie selbst gesund bleiben.
  • Eine gute Hygiene bedeutet nicht unbedingt, dass Sie nun antibakterielle Reinigungsmittel in rauen Mengen verbrauchen müssen. Die wichtigste Hygiene ist immer noch die Händehygiene.
  • Der Umgang mit Bettlägerigkeit erfordert spezielles Wissen, z. B. über die Umgebungsgestaltung oder erforderliche Aktivierungsmaßnahmen.
  • Die Verabreichung von Medikamenten ist oft sehr anspruchsvoll – und Sie sind es auch, die auf Neben- und Wechselwirkungen achten müssen.
  • Eine richtige und ausführliche Krankenbeobachtung ist wichtig, damit keine Erkrankungen oder gar Schmerzen beim Pflegebedürftigen übersehen werden.

Pflegegeldempfänger, die keine professionelle Unterstützung bei der Pflege in Anspruch nehmen, müssen in regelmäßigen Abständen die häusliche Pflege überprüfen lassen. Dies geschieht im Rahmen des Beratungseinsatzes nach § 37.3 SG XI. Der Vorteil: Professionelle Pflegeexperten geben Betroffenen individuelle Tipps zur Pflegepraxis.

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Besuchen Sie einen Pflegekurs

Der Besuch eines Pflegekurses kostet ein paar Stunden Zeit – aber die sollten Sie sich unbedingt nehmen. Damit Ihr Angehöriger während dieser Zeit nicht alleine bleiben muss, können Sie die Verhinderungspflege in Anspruch nehmen. Darauf haben Versicherte ab Pflegegrad 2 Anspruch und Sie können für ein paar Stunden aus dem Haus und wissen Ihren Angehörigen dennoch gut versorgt.

Oft vernachlässigt: Selbstpflege für pflegende Angehörige

Wenn es Sie, den pflegenden Angehörigen, nicht gäbe, dann wäre der beliebte Ansatz der Politik „ambulant vor stationär“ gar nicht umsetzbar. Sie – und all die anderen pflegenden Angehörigen – sind das Rückgrat der Pflege, die in Deutschland tagtäglich geleistet werden muss. Umso wichtiger ist es, dass Sie auch auf sich selbst achten. Dass die Selbstpflege und der Ausgleich zur Pflege (im ambulanten wie stationären Bereich) häufig vernachlässigt werden, zeigen die zahlreichen Beispiele für Gewalt in der Pflege.

Viele pflegende Angehörige leiden oft mehr unter der alltäglichen Pflegearbeit als sie glauben. Der kleine pflege.de-Selbsttest kann Ihnen zeigen, ob Sie selbst gefährdet und überlastet sind. Lesen Sie einmal die folgenden Fragen – wie viele Fragen müssen Sie mit „Ja“ beantworten?

  • Haben Sie oft Rückenschmerzen?
  • Haben Sie Knieschmerzen?
  • Haben Sie Herz-Kreislauf-Beschwerden?
  • Sind Sie oft gereizt oder fühlen sich überfordert?
  • Leiden Sie unter depressiven Störungen?
  • Haben Sie oft Magenbeschwerden?
  • Schlafen Sie schlechter als früher?

Sie haben mehrere Fragen mit „Ja“ beantwortet? Hand aufs Herz: Das ist zu viel und ein deutlicher Hinweis darauf, dass die Pflege Ihres Angehörigen eine Belastung für Sie ist. Tatsächlich überschätzen viele pflegende Angehörige ihre Belastbarkeit, auch wenn sie sich gerne um ihre Angehörigen kümmern. Im täglichen Stress, um eine gute Pflege und Betreuung zu gewährleisten, vernachlässigen sie nicht nur ihre eigenen Bedürfnisse, sondern oft auch ihre Gesundheit. Auch Franz Müntefering aus dem obigen Beispiel sagte – nach dem Tod seiner Frau – in einem Interview: „Sich aufzuopfern hilft nicht, man muss selbst überleben können.“

Daher sollten Sie sich regelmäßig eine Auszeit nehmen – entweder in Form stundenweiser Betreuung durch die Verhinderungspflege, als Kur oder Reha für Sie ganz alleine oder als gemeinsamer Urlaub mit dem Pflegebedürftigen in einem speziellen Pflegehotel. Nutzen Sie Ihre Rechte und die Leistungen, die auch Ihnen als Pflegebedürftiger zustehen.

Weitere Unterstützungsleistungen, Rechte und finanzielle Ansprüche erfahren Sie in den Beiträgen „Pflege, Beruf und Familie vereinbaren“, „Pflegezeitgesetz“, „Familienpflegezeitgesetz“ sowie „Pflegeunterstützungsgeld“.

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Erstelldatum: 8102.10.01|Zuletzt geändert: 1202.20.61
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Interview

Im Gespräch mit Martina Rosenberg, der neuen pflege.de-Expertin und SPIEGEL-Bestsellerautorin

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Martina Rosenberg
Im Interview
Martina Rosenberg
Pflegeexpertin & Autorin

Die Pflegeexpertin, Journalistin und Autorin Martina Rosenberg erreichte mit ihrem SPIEGEL-Bestseller „Mutter, wann stirbst du endlich?“ eine hohe mediale Aufmerksamkeit. In Medienauftritten, Lesungen und Vorträgen vertritt sie die Interessen von pflegenden Angehörigen. Sie selbst pflegte jahrelang ihre Eltern und weiß, wie herausfordernd das Vereinbaren von Familie, Beruf und Pflege ist.

Ihre früheren Tätigkeiten als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit sowie Pressesprecherin in Sozialverbänden geben ihr einen tiefen Einblick in die ambulante und stationäre Versorgung in der Altenpflege.

Seit September 2020 unterstützt Martina Rosenberg die Plattform pflege.de mit ihrer Expertise. Im Interview spricht sie über ihre Ziele, die Schwierigkeit pauschaler Pflege-Versprechen und was sie dazu motivierte, den Bestseller „Mutter, wann stirbst du endlich?“ zu schreiben.

Martina, wir freuen uns sehr, dass Du von nun an pflege.de als Pflegeexpertin unterstützt. Wie bist du eigentlich zum Thema Pflege gekommen?

Mein Leben ist recht bunt verlaufen. Bevor ich als Referentin für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit bei verschiedenen Sozialverbänden tätig wurde, lebte ich 12 Jahre in Griechenland und hatte dort eine Agentur für Sportanimateure. Aber das ist lange her. Als meine Tochter zur Welt kam, bin ich mit meiner kleinen Familie in das Haus meiner Eltern südlich von München gezogen und wir lebten wieder fest in Deutschland.

Ein paar Jahre später wurden meine Eltern beide sehr schwer pflegebedürftig. Neben meinem berufsbegleitenden Studium zur Journalistin entwickelte ich mich auch noch zur Expertin für Pflegethemen. Aber nicht nur privat begleitete mich das Thema – ich war auch viele Jahre Pressesprecherin und Leiterin der Unternehmenskommunikation für einen Träger von Pflegeheimen und Pflegediensten.

Du warst also auch eine pflegende Angehörige?

Ja, plötzlich und unverhofft – wie so viele andere vor und nach mir – war ich pflegende Angehörige. Wir sind völlig unvorbereitet in die Situation geschlittert. Meine Mutter litt an vaskulärer Demenz und mein Vater hatte parallel dazu einen Schlaganfall. Ihr Leben wurde immer beschwerlicher und sie brauchten kontinuierlich mehr Betreuung und Zuspruch. Das war für uns eigentlich nicht mehr zu bewältigen: Mein Mann und ich waren beide berufstätig und unsere 6-jährige Tochter benötigte zu dem Zeitpunkt sehr viel Unterstützung in der Schule.

Und das hat dich dann motiviert, Bücher zu schreiben wie den SPIEGEL-Bestseller „Mutter, wann stirbst du endlich?“ Was genau war dein Ziel?

Für mich war es unerträglich, all die Jahre zu beobachten, wie von der Politik und auch von der Gesellschaft die Pflege zuhause schöngeredet wurde. Bei uns zuhause war es alles andere als schön. Gleichzeitig wurde für Pflegende und ihre Familien keine Unterstützung angeboten. Wir haben uns mit unseren Problemen völlig alleingelassen gefühlt. Meine Mutter hatte Zeiten, da schrie sie nachts um Hilfe. Mein Vater, der an einer schweren Augenerkrankung litt, fiel immer mehr in das dunkle Loch einer Depression.

Nachdem beide Eltern verstorben waren, wollte ich andere mit meinem Buch zu diesem Thema wachrütteln. Ich wollte darstellen, wie es ist, wenn man vorher keine Absprachen getroffen hat, wenn man sich nie zu dem Thema Pflege ausgetauscht hat und wie es den pflegenden Angehörigen dabei geht. Dass dieses Buch so eine unglaubliche Aufmerksamkeit bekommen hat, zeigte mir, wie viele Menschen sich in derselben Situation befanden und wie sehr es von der Politik und der Gesellschaft versäumt wurde, dieser Personengruppe mehr Beachtung zu schenken.

Was sind Deine wichtigsten Erfahrungen, die Du damals als pflegende Angehörige gemacht hast? Was würdest du anderen Menschen mit auf den Weg geben, die gerade in eine Pflegesituation kommen?

In all den Jahren der Pflege meiner Eltern, in denen ich bestrebt war, alles richtig zu machen, habe ich mich immer gefragt, wie das nur so schieflaufen konnte. Wo war der Fehler? Heute kann ich rückblickend sagen, es war falsch, dass wir uns als Familie nicht vorbereitet haben.

Ich halte es für unglaublich wichtig, dass sich Familien darüber austauschen, wie sie die Pflege im Ernstfall organisieren – und zwar am besten schon bevor jemand pflegebedürftig wird.
Martina Rosenberg – Pflegeexpertin

Wurde das versäumt, sollte man das spätestens dann nachholen, wenn die Pflegesituation eingetroffen ist. Dann müssen alle an einen Tisch, um darüber zu sprechen, wer welche Aufgaben erledigen wird.

Es ist immer noch in vielen ländlichen Regionen üblich, dass stillschweigend davon ausgegangen wird, die Töchter würden die Pflege übernehmen. Dabei wird hartnäckig ignoriert, dass ihnen längst nicht mehr die Zeit zur Verfügung steht, wie das vielleicht noch vor 30 Jahren der Fall war.

Ein anderer wichtiger Punkt ist, dass meine Eltern schon viele Jahre, bevor sie pflegebedürftig wurden, uns stets gesagt haben, sie wollen nie ein Heim. Sie haben sich das gegenseitig sogar fest versprochen. Aber leider ohne uns nach unserer Meinung zu fragen. Das hat uns enorm unter Druck gesetzt. Meine Mutter war so stark dement in den letzten Jahren, dass es kaum mehr möglich war, sie zuhause zu betreuen. In einem Pflegeheim hätte sie, meiner Meinung nach, besser betreut werden können.

In den letzten Jahren habe ich Töchter kennengelernt, die ihren Eltern gegenüber dasselbe Versprechen abgegeben haben – Pflege zuhause um jeden Preis. Dabei haben sie sich und ihre Gesundheit ruiniert. Ich würde jedem dringend davon abraten, so ein pauschales Versprechen abzugeben. Man weiß nie, wie sich die Situation entwickelt und ob ein Platz im Pflegeheim dann die bessere Lösung für alle Beteiligten ist.

Wie siehst du die Situation von pflegenden Angehörigen heute?

Es hat sich in den letzten Jahren viel getan, das muss ich wirklich zugeben. Betroffene Familien können sich überall beraten lassen und auch im Internet finden sie viele Hilfen. Allerdings müssen sie davon wissen und diese Hilfen tatsächlich beanspruchen. Es gibt immer mehr Tagespflegeeinrichtungen und Demenzkranke werden bei der Pflegegrad-Begutachtung viel mehr berücksichtigt. Die Politik hat also mittlerweile erkannt, dass das System ohne pflegende Angehörige zusammenbrechen würde. Aber dennoch: Es geht alles viel zu langsam.

Ich habe in den letzten Jahren so viele ergreifende Geschichten von pflegenden Angehörigen gehört, die sehr verzweifelt waren. Auch wenn es scheinbar gute Lösungen in der Theorie gibt, können sie nicht in die Tat umgesetzt werden. Da gibt es z. B. keinen Platz in der Tagespflege. Plätze für Kurzzeitpflege sind nicht verfügbar. Viele Pflegebedürftige müssen, je nach Pflegekasse, immer noch um jeden Cent kämpfen und bekommen nicht oder nur schwer das, was ihnen zusteht. Pflegeheime haben keine Kapazitäten, weil sie kein Fachpersonal finden. Die Liste lässt sich noch weiter fortsetzen.

Am Ende bleibt Pflege dann meist doch Familiensache – mit wenig finanzieller Unterstützung und wenig Anerkennung. Ich finde, hier müsste viel mehr getan werden.
Martina Rosenberg – Pflegeexpertin

Was oder wer liegt dir besonders am Herzen?

Ganz klar, die Töchter. Die Töchter, von denen stillschweigend erwartet wird, dass sie sich um ihre Eltern kümmern. Sie sind viel zu oft diejenigen, die sich verantwortlich fühlen, die den Druck der Gesellschaft am meisten spüren und sich ihm beugen. Findet der Sohn einen Platz im Pflegeheim für Mutter oder Vater, ist die Nachbarschaft einverstanden. Tut das die Tochter für ihre Eltern, erkundigen sich die Nachbarn, ob denn die Pflege zuhause tatsächlich nicht mehr möglich gewesen sei. So ist es noch in vielen Regionen in Deutschland. Und deswegen werde ich nicht müde zu sagen:

Die Pflege ist nicht nur die Aufgabe der Töchter! Alle müssen hier ran.
Martina Rosenberg – Pflegeexpertin

Nun unterstützt Du pflege.de – Deutschlands führende Plattform für das Leben im Alter. Warum hast Du Dich dafür entschieden und was sind Deine Ziele?

Über diese Möglichkeit freue ich mich wirklich sehr. Ich erhoffe mir, mit pflege.de viele pflegende Angehörige und auch Pflegebedürftige zu erreichen und sie mit meiner Erfahrung und die der vielen Menschen, die ich in den letzten Jahren getroffen habe, bei der Pflege zu unterstützen. Ich bin mittlerweile überzeugt davon, dass Pflege zuhause auch gelingen kann. Einfach ist diese Aufgabe sicher nicht, aber es sollte unser Ziel sein, die Familien dabei zu begleiten und die richtigen, hilfreichen Informationen an die Hand zu geben.

Vielen Dank für das nette Gespräch, Martina. Wir freuen uns, dich bei pflege.de willkommen zu heißen!

Erstelldatum: 0202.90.41|Zuletzt geändert: 0202.90.41
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