Was ist ein barrierefreies Waschbecken?
Ein barrierefreies Waschbecken ist sowohl im Stehen als auch im Sitzen nutzbar. Damit eine Person bequem daran Platz nehmen kann, ohne sich die Knie anzustoßen, ist allerdings ein größerer Beinfreiraum als bei herkömmlichen Waschbecken von Vorteil.
Für Rollstuhlfahrende muss es zudem problemlos unterfahrbar sein. Auch Zusatzelemente wie Spiegel, Haltegriffe und Armaturen sind bei einem barrierefreien Waschtisch an die Bedürfnisse seiner Nutzer angepasst.
Für wen eignet sich ein barrierefreies Waschbecken?
Ein behindertengerechtes Waschbecken ist nicht nur für Rollstuhlfahrende eine gute Lösung. Auch Senioren mit abnehmender Mobilität oder Menschen mit Bewegungsdefiziten, hilft es, wenn sie ihren Waschtisch sowohl im Sitzen als auch im Stehen ohne Probleme benutzen können.
Damit eröffnet ein barrierefreies Waschbecken Personen mit körperlichen Einschränkungen die Möglichkeit, weiterhin selbstständig Ihre tägliche Körperpflege erledigen zu können.
Varianten von barrierefreien Waschbecken
Je nachdem wie groß Ihre Einschränkungen sind, können Sie zwischen unterschiedlichen barrierearmen oder barrierefreien Lösungen für Ihr Waschbecken wählen.
Damit ein Waschtisch als barrierefrei gilt, muss er laut DIN-Norm bestimmte Voraussetzungen der Barrierefreiheit erfüllen. Diese sind im privaten Raum nicht verpflichtend, aber durchaus sinnvoll. Dazu gehört vor allem: (1)
Je nachdem welche Anforderungen Sie an Ihr barrierefreies Waschbecken stellen, können Sie zwischen verschiedenen Modellen wählen:
- barrierearmes Waschbecken mit Haltegriff
- barrierefreies, unterfahrbares Waschbecken
- höhenverstellbares Waschbecken
Barrierearmes Waschbecken
Ein erster Schritt Richtung barrierefreies Bad, ist ein freischwebendes Waschbecken mit integrierten Haltegriffen. Freischwebend bedeutet, dass es ausschließlich an der Rückseite an der Wand angebracht ist, ansonsten aber ohne weitere Stütze in den Raum ragt, so dass Ihre Beine im Sitzen darunter Platz finden können.
Wenn Sie einen Hocker vor den Waschtisch stellen, bieten die Griffe zusätzlichen Halt beim Hinsetzen. Hilfreich sind außerdem eine integrierte Ablagefläche und ein Spiegel, der bis zur Waschbeckenkante reicht.
Barrierefreies, unterfahrbares Waschbecken
Wenn Sie mit dem Rollstuhl das Waschbecken nutzen, ist es sinnvoll, die in der DIN-Norm empfohlenen Maße für Rollstühle zu berücksichtigen:
- Die Vorderkante des Waschtisches sollte maximal 80 Zentimeter über dem Boden, bei größeren Personen bis zu 85 Zentimeter liegen.
- Der Beinfreiraum unter dem Waschtisch beträgt mindestens 90 Zentimeter in der Breite und 55 Zentimeter in der Tiefe.
- Der Kniefreiraum verhindert, dass Sie sich die Knie am Waschtisch anstoßen. Er sollte bis 30 Zentimeter hinter der Vorderkante des Waschtisches eine Höhe von 67 Zentimeter haben.
- Der Abstand der Armatur beträgt maximal 40 Zentimeter zum vorderen Rand des Waschtisches.
- Die Bewegungsfläche vor dem Waschtisch sollte 150 x 150 Zentimeter groß sein.
Werden beim Einbau des behindertengerechten Waschbeckens diese Abmessungen berücksichtigt, passen Sie mit Ihrem Rollstuhl garantiert unter den unterfahrbaren Waschtisch, haben ausreichend Beinfreiheit und erreichen mühelos die Armaturen. Auf diese Weise können Sie sich ohne Hilfe waschen.
Einige unterfahrbare Waschbeckenmodelle haben zusätzlich eine nach innen gewölbte Vorderkante (ergonomische Bauchform). Damit kommen Sie noch näher an das Wasser heran, ohne sich nach vorne beugen zu müssen.
Höhenverstellbares Waschbecken
Ein höhenverstellbarer Waschtisch ist eine perfekte Lösung für einen Mehrgenerationenhaushalt. Denn er lässt er sich manuell oder elektrisch an die jeweilige Körpergröße und Bedürfnisse anpassen.
Zubehör für barrierefreie Waschbecken
Dass der Spiegel tief genug hängt, damit Sie sich auch im Sitzen sehen können, wird sogar in der DIN-Norm empfohlen. Praktisch ist aber auch, wenn etwa der Handtuchhalter gleichzeitig die Funktion eines Haltegriffs übernimmt, damit Sie sich sicher hinsetzten und wieder aufstehen können. Dazu muss er allerdings die mindestens 100 Kilogramm Zugkraft aushalten.
Achten Sie außerdem darauf, dass sich direkt am Waschbecken eine Ablagefläche befindet.
Armaturen und Siphon müssen darüber hinaus besondere Kriterien erfüllen.
Barrierearme Armaturen
Im Sitzen ist ein normaler Wasserhahn oft nur dann erreichbar, wenn man sich nach vorn beugt. Zudem fällt es manchen Menschen schwer, den Wasserhahn auf- und wieder zuzudrehen, weil die Kraft in Händen und Fingern nachgelassen hat.
Fachleute raten daher zu einem Einhebelmischer. Damit bedienen Sie die Armatur mit Hilfe eines einzigen Hebels: nach oben, um das Wasser laufen zu lassen und nach links und rechts, um die Temperatur einzustellen.
Auch eine berührungslose, sensorgesteuerte Variante ist eine gute Lösung, um Barrieren abzubauen.
Platzsparende Siphon-Lösung
Für maximale Beinfreiheit muss ein behindertengerechtes Waschbecken nicht nur eine flache Bauweise haben, sondern außerdem mit einem speziellen Siphon ausgestattet sein.
Normalerweise verläuft das Abflussrohr in einem Bogen unterhalb des Waschtisches. Ein sogenannter Flach-Siphon ist dagegen flacher gebaut und leitet das Abwasser statt nach unten waagerecht in die Wand ab.
Eine weitere geeignete Variante ist der Unterputz-Siphon. Hier verschwindet das Abflussrohr direkt in der Wand.
Sicherheitselemente für Ihr barrierefreies Waschbecken
Es gibt verschiedene Möglichkeiten, Ihren barrierefreien Waschraum noch sicherer zu gestalten. Das betrifft auch das behindertengerechte Waschbecken.
Temperaturstopp
Wenn Sie Problem mit der Koordination haben, kann es passieren, dass Sie das Wasser versehentlich zu heiß einstellen, insbesondere bei einem Einhebelmischer. Deshalb sollten Sie unbedingt einen Temperaturstopp einrichten, der die 38 Grad Celsius nicht überschreitet.
Notruf
Wenn Sie ein körperliches Gebrechen haben, macht ein Notrufsystem in jedem Raum Sinn, in dem Sie sich bewegen – natürlich auch im Bad. Es gibt kleine tragbare Geräte mit Notfallknopf, die wasserdicht oder zumindest spritzwassergeschützt sind.
Sie können aber auch spezielle an der Wand installierten Zugtaster mit Ihrem Hausnotrufgerät verbinden. Damit lösen Sie den Notruf aus, sobald Sie an der Schnur ziehen.
Haltegriffe
Haltegriffe sind im gesamten Bad eine einfache wie sichere Hilfe. Es gibt viele verschiedene Varianten. Wichtig ist vor allem die richtige Position.
Überlegen Sie genau, wo Sie oder Ihr Angehöriger sich festhalten möchten. Dort ist der ideale Platz für einen Haltegriff.
Sämtliche Haltegriffe gehören zu den anerkannten Hilfsmitteln und können im Bedarfsfall von Ihrem Arzt verordnet werden.
Barrierefreies Waschbecken: Planung und Einbau
Die Planung und Umsetzung eines barrierefreien Waschbeckens sind meist mehrere Schritte sinnvoll:
- Bedarfsanalyse machen: Wer wird das barrierefreie Waschbecken benutzen? Eine oder mehrere Personen? Ein Rollstuhlfahrer oder ein Senior mit Gehstock?
- Anschlüsse prüfen: Oft sitzt zum Beispiel der Standard-Abfluss zu tief in der Wand für die korrekte Funktion eines Flachsiphons.
- Waschtisch und Zubehör auswählen: Welches Waschbecken passt am besten in Ihr Bad? Welche Armatur und was für ein Spiegel soll es sein?
- Montage des Waschbeckens: Falls nötig, werden zunächst die Wasserleitungen und der Abfluss in der Wand versetzt, gegebenenfalls Elektroleitungen für einen höhenverstellbaren Waschtisch verlegt. Dann kann das Montageteam den barrierefreien Waschtisch einbauen.
- Siphon montieren: Es folgt die Installation des Flach- oder Unterputzsiphon für maximale Beinfreiheit.
- Zubehör erreichbar anbauen: Zum Schluss werden Haltegriffe, Seifenspender und Handtuchhalter so angebracht, dass sie auch aus der Sitzposition erreichbar sind.
Wenn Sie in einer Mietwohnung wohnen, ist es ratsam, vor dem Einbau eines barrierefreien Waschbeckens mit Ihrem Vermieter zu sprechen. Holen Sie am besten ein schriftliches Einverständnis ein.
Besonderheiten beim Einbau des höhenverstellbaren Waschtisches
Beim Einbau eines höhenverstellbaren Waschtisches müssen sämtliche Leitungen und Anschlüsse flexibel sein. Das ist in der Regel kein Problem für einen Fachbetrieb. Er wird auch testen, ob die Wandbeschaffenheit in Ihrem Bad ausreicht. Denn das Höhenliftsystem wiegt deutlich mehr als ein normales barrierefreies Waschbecken.
Außerdem ist für ein elektrisches Modell ein feuchtraumgeschützter Stromanschluss in der Wand notwendig.
Barrierefreies Waschbecken: Kosten, Zuschüsse & Förderung
Wie bei den meisten Einrichtungsgegenständen, hängen auch die Kosten für ein barrierefreies Waschbecken von Ihren Ansprüchen an Design und Komfort ab.
- So gibt es einfache Hängewaschtische bereits ab 200 Euro,
- während elektrisch höhenverstellbare Modelle bis zu mehr als 5.000 Euro kosten können.
Waschbecken mit integrierten Haltegriffen starten bei etwa 400 Euro. Eine ergonomische Form kostet in der Regel etwas mehr.
Darüber hinaus müssen Sie Zusatzkosten für barrierefreie Armaturen, Spiegel, Haltegriffe und spezielle Siphon-Lösungen einberechnen – je nach Bedarf.
Zusätzliche Kosten für Montage
Die Kosten für die Montage durch eine Fachfirma unterscheiden sich je nach Anbieter, Qualität und Region.
Rechnen Sie für den Einbau eines barrierefreien Waschbeckens im Schnitt weitere 250 bis 1000 Euro dazu.
Am besten Sie holen mehrere Kostenvoranschläge ein, bevor Sie einem Anbieter den Zuschlag geben.
Zuschuss der Pflegekasse für ein barrierefreies Waschbecken
Wenn Sie oder Ihr Angehöriger einen Pflegegrad haben, bezuschusst die Pflegekasse den Einbau eines barrierefreien Waschbeckens.
Für sogenannte wohnumfeldverbessernden Maßnahmen gibt es bis zu 4.180 Euro Förderung. (2)
Weitere Förderprogramme für ein barrierefreies Waschbecken
Die Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) hat ein Förderprogramm für altersgerechte Umbauten. Sie können dort für barrierereduzierende bauliche Maßnahmen den sogenannten KfW-Kredit 159 beantragen. Das ist ein zinsgünstiges Darlehen von bis zu 50.000 Euro pro Wohneinheit. (3)
Außerdem gibt es mit dem KfW-Investitionszuschuss 455-B eine weitere Fördermöglichkeit für barrierereduzierende Maßnahmen. Pro Einzelmaßnahme sind 10 Prozent der förderfähigen Kosten möglich, maximal 2.500 Euro pro Wohneinheit. (4) Mehr dazu erfahren Sie in unserem Ratgeber KfW-Förderung: Zuschuss und Kredit für barrierereduzierenden Umbau.
Sie erhalten eine mögliche Förderung nur, wenn Sie 1. den Antrag stellen, bevor der Umbau durchgeführt wurde, und 2. ein Fachunternehmen für den Umbau beauftragen.
Aber auch einige Städte und Gemeinden unterstützen altersgerechte Umbauten mit Zuschüssen. Die notwendigen Informationen erhalten Sie bei Ihrem zuständigen Wohnungs- oder Sozialamt.
Und schließlich können Sie Handwerkerleistungen unter Umständen von der Steuer absetzen.
Barrierefreies Waschbecken: Anbieter finden
Ein professionelles Fachunternehmen erkennen Sie zum Beispiel daran, dass es zu einem Vor-Ort-Termin zu Ihnen nach Hause kommt.
Es prüft die baulichen Voraussetzungen und erörtert mit Ihnen, welche Lösungen sich für Ihre Situation am besten eignen. Erst dann erstellt es ein detailliertes Angebot.
Checkliste
Bevor es mit dem Umbau zum barrierefreien Waschbecken los geht, kann unsere Planungs-Checkliste Ihnen helfen, sich gut vorzubereiten:
Vorteile & Nachteile eines barrierefreien Waschbeckens
Die Vorteile eines barrierefreien, unterfahrbaren Waschtisches liegen auf der Hand. Nachteile gibt es kaum:
Häufig gestellte Fragen
Was ist ein barrierefreies Waschbecken?
Ein barrierefreies Waschbecken ist so konstruiert, dass es von Menschen mit körperlichen Einschränkungen sicher, komfortabel sowohl im Stehen als auch im Sitzen genutzt werden kann. Die wichtigsten Merkmale sind Beinfreiraum unter dem Waschtisch und ein mindestens 100 cm hoher Spiegel unmittelbar über dem Waschtisch. Oft sind auch Haltegriffe direkt am Waschbecken integriert.
Was ist ein unterfahrbares Waschbecken?
Ein unterfahrbares Waschbecken lässt sich bequem mit dem Rollstuhl nutzen. Es ist hoch genug, so dass die Beine ausreichend darunter Platz haben. Eine spezielle Siphonkonstruktion verhindert, dass man sich dabei die Knie am Abflussrohr anstößt. Und die Armaturen lassen sich auch mit geringer Kraft leicht benutzen.
Welche Maße hat ein rollstuhlgerechtes Waschbecken?
Ein rollstuhlgerechter Waschtisch sollte folgende Maße haben:
- Die Vorderkante des Waschtisches liegt maximal 80 Zentimeter über dem Boden, bei größeren Personen bis zu 85 Zentimeter.
- Der Beinfreiraum unter dem Waschtisch beträgt mindestens 90 Zentimeter in der Breite und 55 Zentimeter in der Tiefe.
- Für den Kniefreiraum werden 67 Zentimeter in der Höhe anberaumt, gemessen bis 30 Zentimeter hinter der Vorderkante des Waschtisches.
- Der Abstand der Armatur sollte maximal 40 Zentimeter zum vorderen Rand des Waschtisches betragen.
- Für den Rollstuhl benötigt man vor dem Waschtisch eine Bewegungsfläche von 150 x 150 Zentimeter.
Wie hoch sollte ein barrierefreies Waschbecken sein?
Ein barrierefreies Waschbecken hat im Vergleich zu einem herkömmlichen Modell eine angepasste Montagehöhe: Die Oberkante liegt bei maximal 80 Zentimeter, so empfiehlt es auch die DIN-Norm 18040-2. Normalerweise hängt ein Waschtisch in einer Höhe von etwa 85 bis 90 Zentimeter.
Was kostet ein barrierefreies Waschbecken?
Die Kosten für ein barrierefreies Waschbecken variieren je nach Design und Komfort. Für einfache Hängewaschtische müssen Sie mit Kosten ab 200 Euro rechnen, elektrisch höhenverstellbare Modelle können bis zu 5.000 Euro kosten.
Die Kosten für ein Waschbecken mit integrierten Haltegriffen beginnen bei etwa 400 Euro. Eine ergonomische Form ist meist noch ein bisschen teurer.
Weitere Kosten fallen außerdem für barrierefreie Armaturen, einen Spiegel, Haltegriffe und spezielle Siphon-Lösungen an. Je nach Aufwand kommen schließlich 250 bis 1000 Euro für die Montage hinzu.
Was kostet ein höhenverstellbares Waschbecken?
Der Preis für ein höhenverstellbares Waschbecken startet bei etwa 1.200 Euro und kann bis über 5.000 Euro gehen.
Was kostet der Einbau eines barrierefreien Waschbeckens?
Die Kosten für einen Umbau können je nach Ausstattung und Anforderungen zwischen 750 Euro und mehr als 5.000 Euro betragen. Hinzu kommen noch Kosten für den Einbau und/oder die Montage.
Wie finanziere ich den Einbau eines barrierefreien Waschbeckens?
Sie können Ihre eigenen Kosten unter bestimmten Voraussetzungen reduzieren, zum Beispiel durch eine Förderung der Pflegekasse, im Rahmen der wohnumfeldverbessernden Maßnahmen. Außerdem können Sie einen zinsgünstigen Kredit für barrierereduzierende bauliche Maßnahmen bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) beantragen.
Ist ein barrierefreies Waschbecken Pflicht?
Ob Sie in Ihrem Privathaushalt ein barrierefreies Waschbecken einbauen, ist Ihre persönliche Entscheidung. DIN-Norm müssen Sie nicht einhalten, sie bieten aber eine gute Orientierung. Allerdings müssen Sie das Einverständnis Ihres Vermieters haben, wenn Sie zur Miete wohnen.




