Mundpflege und Zahnpflege bei Pflegebedürftigen

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Mundpflege und Zahnpflege bei Pflegebedürftigen

Neben der Körperpflege und Intimhygiene bei Pflegebedürftigen gehört auch die Mund- und Zahnpflege zum Pflegealltag dazu. Wenn ältere, behinderte oder pflegebedürftige Personen ihre Arme und Hände nicht ausreichend bewegen können oder schlicht vergessen, sich die Zähne zu putzen, wird auch diese Aufgabe pflegenden Angehörigen oder professionell Pflegenden zuteil. pflege.de gibt Ihnen dafür hilfreiches Pflegewissen für pflegende Angehörige an die Hand, damit Sie die Mund- und Zahnpflege Ihres Pflegebedürftigen sorgsam übernehmen können.

Inhaltsverzeichnis

Eine gute Mund- und Zahngesundheit trägt zum allgemeinen Gesundheitszustand bei und sorgt dafür, dass sich kein Bakterienfilm bildet und keine Entzündungen entstehen. Wissenschaftler vermuten einen Zusammenhang zwischen Entzündungen des Mundraums und Erkrankungen wie Herzinfarkt, Lungenentzündung oder Schlaganfall. Durch die Blutbahn können Bakterien leicht aus der Mundhöhle zu anderen Organen gespült werden – und das kann mitunter fatale Folgen haben.

Info

Fehlende Zahnpflege erhöht Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen

Eine schottische Studie hat ergeben, dass Menschen, die sich weniger als zweimal täglich die Zähne putzen, ein höheres Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen haben. (Quelle)

 

Mundpflege in der häuslichen Pflege: Warum ist sie so wichtig?

Viele Pflegebedürftige, die zu Hause betreut werden, leiden an Erkrankungen wie

Genau diese typischen Krankheiten im Alter können aber auch die Mundgesundheit beeinflussen. Diabetes ist ein Risikofaktor für Parodontitis (Entzündung des Zahnhalteapparates), eine Demenz schränkt das Verständnis übers Zähneputzen evtl. ein und Medikamente gegen Herz-Kreislauf-Erkrankungen können den Speichelfluss vermindern. Ein Schlaganfall kann die Bewegungsfähigkeit einschränken und eine Schluckstörung (Dysphagie) auslösen – genauso wie bei Parkinson. Zudem können Medikamente die Mundgesundheit negativ beeinflussen, weil sie z. B. Mundtrockenheit verursachen.

Körperpflege / Hautpflege
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Körperpflege & Hautpflege bei Pflegebedürftigen

Eine gute Mundgesundheit ist wichtig, denn die häufigsten Munderkrankungen lassen sich durch eine gute Prophylaxe (Vorbeugung) verhindern:

  • Gingivitis = Zahnfleischentzündung (wird durch Bakterien, Viren oder Pilze übertragen)
  • Glossitis = Zungenentzündung (tritt oft mit Gingivitis zusammen auf)
  • Stomatitis = Entzündung der Mundschleimhaut (tritt oft mit Gingivitis zusammen auf)
  • Parodontitis = Zahnfleischentzündung (oft durch mangelnde Zahnhygiene ausgelöst)
  • Mundsoor = Pilzbefall der Mundschleimhaut (oft bei älteren Menschen, bedingt durch schwächeres Immunsystem, Prothesen oder einer zu geringen Flüssigkeitszufuhr)
  • Rhagaden = Einrisse an Mund-/Nasenwinkel bzw. auf der Zunge (durch trockene Schleimhäute, evtl. Vitamin- und Mineralstoffmangel)
Bonus
Hygiene in der Pflege – 29 praktische Tipps & Tricks für pflegende Angehörige.

Anleitung & Tipps: Mundpflege bei Pflegebedürftigen

Die schlechtere Mundgesundheit bei Pflegebedürftigkeit hat viele Ursachen – die Tipps für mehr Mundgesundheit sind dagegen rasch aufgezählt:

  1. Reinigen Sie zweimal täglich die Zähne und Zahnzwischenräume Ihres pflegebedürftigen Angehörigen. Achten Sie dabei auch auf eventuelle Verletzungen im Mundraum sowie Beläge auf der Zunge.
  2. Verwenden Sie eher eine weiche Zahnbürste. Damit sinkt die Verletzungsgefahr des Zahnfleisches.
  3. Gehen Sie mit Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen zur regelmäßigen Kontrolle zum Zahnarzt. Bitten Sie Ihren Zahnarzt dabei auch, Zunge und Schleimhäute zu überprüfen (Mundhöhlenkrebs-Vorsorge).
  4. Vereinbaren Sie für Ihren Angehörigen regelmäßige Termine zur professionellen Zahnreinigung. Experten empfehlen z. B. für Schlaganfall-Patienten eine professionelle Zahnreinigung alle drei Monate.
  5. Sorgen Sie für einen guten Speichelfluss, z. B. indem Sie Ihrem Angehörigen ab und zu zuckerfreie Bonbons reichen und auf eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr achten.
  6. Tauschen Sie die Zahnbürste Ihres Angehörigen regelmäßig aus. Als Empfehlung gilt: alle zwei Monate oder direkt nach einer Infektion oder Erkältung.
  7. Benutzen Sie milde Zahncremes, die die Schleimhaut nicht reizen.
  8. Reinigen Sie auch die Prothese Ihres Angehörigen regelmäßig und v. a. nach den Mahlzeiten.
  9. Bei leichten Entzündungen eignen sich auch Tees zur Mundspülung (Ringelblume, Salbei oder auch Thymian). Kamillentee empfiehlt sich nur in Maßen, da Kamille zwar entzündungshemmend wirkt, aber bei übermäßigem Konsum die Mundschleimhaut austrocknen kann.
    Achten Sie vor der Verwendung von Hausmitteln aber auch auf Nebenwirkungen und Allergien (z. B. bei Ringelblume)!
Info

Verzichten Sie auf Zigaretten und Alkohol

Auch der Verzicht auf Alkohol und Zigaretten stärkt die Mundgesundheit. Wenn die Mundschleimhaut schon empfindlich ist, sollten Nahrungsmittel wie Zwieback oder Nüsse gemieden werden, denn sie reizen zusätzlich. Empfehlenswert sind aber z. B. gefrorene Ananas-Stückchen zum Lutschen. Ananas wirkt entzündungshemmend und abschwellend.

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Zahnpflege bei Pflegebedürftigen durchführen: Alles Wichtige auf einen Blick

  • Wie gelingt die Zahnpflege bei Pflegebedürftigen?

Jede gute Zahnpflege läuft nach einem ähnlichen Muster ab. Egal ob Sie Ihren pflegebedürftigen Angehörigen dazu anleiten oder die Zahnpflege komplett für ihn übernehmen. Beachten Sie dabei folgende drei Grundregeln:

  1. Reinigen Sie die Innenseiten der Zähne.
  2. Reinigen Sie die Außenseite der Zähne.
  3. Reinigen Sie die Kauflächen.

Was ist, wenn Ihr Pflegebedürftiger den Mund schließt und die Reinigung als unangenehm oder sogar bedrohlich empfindet? Versuchen Sie dann nicht, die Zahnpflege trotzdem durchzuführen, sondern sprechen Sie in Ruhe mit Ihrem Angehörigen über die Notwendigkeit der Zahnpflege. Sollte er keine Bereitschaft zeigen, so holen Sie sich praktische Tipps von Ihrem Zahnarzt.

  • Welche Zahnpasta und Pflegeprodukte sollte man verwenden?

Welche Zahnpasta, Mundspülung oder Zahnseide dabei zum Einsatz kommt, sollte der Pflegebedürftige selbst bestimmen dürfen bzw. der behandelnde Zahnarzt empfehlen. Fragen Sie Ihren Angehörigen auch, ob er eine Vorliebe für Zahnseide, Zahnzwischenraum-Bürsten oder hygienische Zahnstocher hat und ob er sie selbst verwenden möchte oder Sie das für ihn übernehmen sollen. Nur bei der Anwendung sollten Sie ihn unterstützen oder zumindest nicht allein lassen. Gerade Menschen mit Demenz vergessen manchmal, was sie eigentlich tun wollten – und können sich deshalb unbeabsichtigt verletzen oder einfach vergessen, eine Handlung zu vollziehen.

  • Wie sollten Sie sich als pflegender Angehöriger selbst bei der Zahnpflege Ihres Angehörigen schützen?

Bevor Sie Ihren pflegebedürftigen Angehörigen bei der Reinigung der Zähne zur Seite stehen, sollten Sie sich gründlich die Hände waschen bzw. bei Infektionen oder offenen Wunden Einmalhandschuhe tragen. So vermeiden Sie es, Bakterien zu übertragen. Gerade wenn Ihr pflegebedürftiger Angehöriger an Mundsoor leidet, müssen Sie sich schützen, denn dieser Pilz kann übertragen werden – auch durch die Hände.

  • Wie gelingt die Reinigung einer Prothese?

Auch die Prothese verlangt nach täglicher Reinigung, denn auch hier können sich Bakterien festsetzen. Außerdem verhindert eine gut gepflegte Prothese Mundgeruch. Deshalb sollten Sie die Prothese nach jeder Mahlzeit mit Wasser abspülen und zweimal täglich mit einer Prothesenbürste und Zahnpasta gründlich reinigen. Tragen Sie dazu Einmalhandschuhe, damit Sie Mundsoor o. ä. nicht weiter übertragen und sich nicht an den kleinen Häkchen o. ä. verletzen.

 

Tipp

Legen Sie beim Putzen der Prothese einen Waschlappen ins Waschbecken. Sollte Ihnen die Prothese beim Putzen aus der Hand rutschen, kann sie brechen, wenn sie ins Waschbecken fällt. Ein Waschlappen federt die Prothese ab und verhindert Schäden. 

Wenn Ihr Angehöriger eine Prothese trägt, sollten Sie bei der Mundpflege und Prothesenpflege unbedingt auch darauf achten, ob die Prothese noch gut sitzt und ob es keine Druckstellen im Mund gibt. Druckstellen können sich entzünden und Infektionen auslösen und die Mundschleimhaut verletzen. Gehen Sie mit Ihrem Angehörigen bei Beschwerden sofort zum Zahnarzt. Eine schlecht sitzende Prothese kann z. B. auch die Ursache einer Mangelernährung sein, wenn Ihr Angehöriger aufgrund von Schmerzen beim Essen nichts mehr oder nur sehr wenig isst. Vorübergehend könnte auch die Versorgung mit Trinknahrung eine gute Lösung sein, um die ausreichende Ernährung im Alter sicherzustellen.

Expertenmeinung
Kathrin Amberger
Kathrin Amberger
Zahnmedizinische Fachangestellte mit Schwerpunkt Prophylaxe

Meine Praxistipps:

  1. Spezielle Prothesenbürsten und normale Zahnpasta: Reinigen Sie die Prothese Ihres Angehörigen zweimal täglich, morgens und abends, wie normale Zähne. Ich empfehle für die Reinigung der Prothese zudem ganz normale Zahnpasta (und keine speziellen Prothesen-Pasten), dafür aber eine spezielle Prothesenzahnbürste. Die sind extra breit und erleichtern die Reinigung der Prothese.
  2. Vorsicht vor Gebissreiniger-Tabs: Von der täglichen Reinigung mit Prothesen-Tabs (Gebissreiniger) rate ich dringend ab, da der Kunststoff der Prothese dadurch sehr spröde wird und die Prothese dadurch leichter brechen kann. Legen Sie die Prothese Ihres Angehörigen daher maximal einmal pro Monat mit Gebissreiniger ein und lassen Sie die Prothese lieber einmal jährlich professionell beim Zahnarzt reinigen.
  3. Ultraschallgerät für die tägliche schonende Reinigung zuhause: Für die tägliche Reinigung neben dem Putzen mit der Bürste empfehle ich Ihnen statt Gebissreiniger-Tabs vielmehr ein Ultraschall-Reinigungsgerät. Das gibt es schon ab ca. 25 Euro im Handel und reinigt die Prothese gründlich, aber sehr schonend.
  4. Extra-Tipp für Teleskop-Prothesen: Die Außenteleskope von Teleskop-Prothesen lassen sich mit Zahnbürsten nicht oder nur schlecht reinigen. Besser eignen sich Wattestäbchen, mit denen Sie gut und gründlich in die Teleskop-Kronen kommen.
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Anleitung & Tipps: Zahnpflege bei Pflegebedürftigen

Wenn Sie Ihren pflegebedürftigen Angehörigen bei der Zahnpflege unterstützen möchten, müssen Sie ein paar Dinge beachten:

  1. Informieren Sie Ihren Angehörigen in Ruhe, was Sie tun wollen, bevor Sie es tun. Vor allem Menschen mit Demenz, die nur bedingt ansprechbar sind, brauchen eine ruhige und verständliche Ansprache. Nehmen Sie sich dafür die Zeit!
  2. Ganz wichtig: Ihr Angehöriger sollte sich in einer aufrechten Sitzposition befinden. Falls er zur Zahnpflege im Bett bleiben muss, stellen Sie das Kopfteil so weit es geht nach oben oder bitten Sie ihn, sich auf die Bettkante zu setzen. Es besteht sonst die Gefahr, dass sich Ihr Angehöriger verschlucken könnte.
  3. Legen Sie alle Utensilien für die Zahnpflege griffbereit. Wenn Sie Ihrem Angehörigen im Bett die Zähne putzen wollen, benötigen Sie dafür zusätzlich einen Becher mit Wasser und eine Schale zum Ausspülen und Ausspucken.
Tipp

Nutzen Sie dafür eine ausreichend große Schale, damit Ihr Angehöriger beherzt ausspucken kann und weniger daneben geht. Das erspart Ihnen im Nachhinein Arbeit, wenn Sie nicht ein nasses Bettlaken austauschen müssen.

  1. Stellen oder setzen Sie sich hinter ihn und halten Sie seinen Kopf sanft mit einem Arm fest.
  2. Reinigen Sie die Zähne am besten mit einer elektrischen Zahnbürste mit weichen Borsten vom Zahnfleisch zum Zahn hin – in kleinen, kreisenden Bewegungen.
  3. Nutzen Sie einen Zungenschaber, um auch Beläge auf der Zunge Ihres Angehörigen zu entfernen. Bedenken Sie dabei aber, dass einige Personen dabei einen starken Würgereiz verspüren. Sollte die Zungenreinigung so nicht möglich sein, dann verzichten Sie darauf, statt Ihren Angehörigen damit zu quälen.
  4. Nutzen Sie Zahnzwischenraum-Bürsten oder Zahnseide, um die Zwischenräume zu reinigen. Falls Sie darin ungeübt oder unsicher sind, so fragen Sie Ihren Zahnarzt beim nächsten Besuch um praktische Tipps.
    Expertenmeinung
    Kathrin Amberger
    Kathrin Amberger
    Zahnmedizinische Fachangestellte mit Schwerpunkt Prophylaxe

    Mein Praxistipp für pflegende Angehörige:
    Statt Zahnseide empfehle ich Zahnzwischenraum-Bürsten in Kombination mit Applikatoren. Die Zahnzwischenraum-Bürsten (Interdental-Bürstchen) werden einfach auf einen passenden dünnen Applikator gesteckt. Das erleichtert pflegenden Angehörigen die Reinigung zwischen den Zähnen enorm und mindert den Würgereiz des Patienten. Dank der dünnen Applikatoren kommt man auch an Backenzähne weit hinten im Mundraum des Patienten.

  5. Lassen Sie Ihren Angehörigen nach dem Zähneputzen gründlich ausspülen und ausspucken.
  6. Manchmal reißen die Mundwinkel durch das weite Aufreißen des Mundes leicht auf. Pflegen Sie die äußeren Mundwinkel in dem Falle mit etwas Vaseline.

 

Tipp

Wenn Sie die Zähne nicht putzen können, weil Ihr pflegebedürftiger Angehöriger den Mund nicht mehr öffnen kann oder will, können Sie versuchen, die Zähne und die Mundhöhle mit einem Tupfer und einer entzündungshemmenden Lösung oder einem Kräutertee zu reinigen. Auch hier ist es wichtig, dass Ihr Angehöriger aufrecht sitzt, damit er sich nicht verschlucken kann. Zudem sollte die entzündungshemmende Lösung mild sein, um bei Ihrem Angehörigen keine Schmerzen zu verursachen, die er womöglich nicht äußern kann.

Expertenmeinung
Kathrin Amberger
Kathrin Amberger
Zahnmedizinische Fachangestellte mit Schwerpunkt Prophylaxe

Mein Praxistipp für pflegende Angehörige:
Aus meiner Erfahrung in der Versorgung von Pflegeheim-Bewohnern weiß ich, dass unter den Bewohnern häufig Prothesen vertauscht werden. Handelt es sich um Vollprothesen, ist es für Pflegekräfte nur sehr schwer zu unterscheiden, welche Prothese welchem Bewohner gehört. Daher lautet mein Tipp: Lassen Sie sich vom behandelnden Zahnarzt eine kleine Markierung in die Prothese gravieren. So gehört z. B. Frau Müller die Prothese mit der Dreieck-Gravur und Herrn Huber die Prothese mit dem kleinen Punkt.

Gesundheit im Alter
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Gesundheit im Alter

Hilfsmittel für die Mund- und Zahnpflege

Wenn ein Schlaganfall oder Parkinson die Bewegungsmöglichkeiten einschränken, heißt das noch lange nicht, dass Ihr pflegebedürftiger Angehöriger sich nun nicht mehr selbst die Zähne putzen kann. Es gibt eine ganze Reihe von pfiffigen Ideen, eine Zahnbürste so umzurüsten, dass sie auch von einer Person genutzt werden kann, die nicht mehr richtig greifen kann.

Tipp

Wenn Ihr pflegebedürftiger Angehöriger sich nicht mehr selbst die Zähne putzen kann, leistet eine elektrische Zahnbürste gute Hilfe. Sie ist einfach anzuwenden, schützt das Zahnfleisch vor Verletzungen und sorgt für saubere Zähne. Schon günstige Modelle haben eine gute Reinigungswirkung.

 

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Gesunde Zähne bis ins hohe Alter – Tipps & Tricks

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Jana Wisniewski
 
Jana Wisniewski
Kauffrau im Bereich Gesundheitswesen

Jana Wisniewski hat persönliche Erfahrungen in der Betreuung eines pflegebedürftigen Angehörigen gesammelt und ist ausgebildete Kauffrau im Gesundheitswesen. Sie arbeitet als Online-Redakteurin bei der Krankenkassen-Zentrale und gibt im pflege.de-Magazin Tipps zur richtigen Zahnpflege.

Die gute Nachricht zuerst: Jüngste Untersuchungen (s. Quelle 1) zeigen, dass Senioren im Alter zwischen 65 und 74 Jahren weniger an Parodontitis leiden und noch mehr erhaltene Zähne haben als vergleichbare Studien aus den letzten Jahren. Dies mag daran liegen, dass Patienten immer besser aufgeklärt werden und es immer mehr Hilfsmittel für die tägliche Zahnputzroutine gibt.

Bei den älteren Senioren, die gleichzeitig pflegebedürftig sind, stellt sich die Situation allerdings anders dar: Sie sind häufig auf eine Zahnprothese angewiesen und benötigen Unterstützung für die tägliche Mundhygiene. Die fünfte Mundgesundheitsstudie des Instituts der Deutschen Zahnärzte aus dem Jahr 2016 kommt zu dem Schluss, dass sich rund 30 Prozent der Pflegebedürftigen nicht mehr selbstständig um ihre eigene Zahnpflege kümmern können. Dann sind Angehörige gefragt, die ihre Verwandten bei der Mundhygiene unterstützen.

Senioren sollten zweimal täglich Zähne putzen und damit den gesamten Mundraum von Speiseresten reinigen. Eine gepflegte Mundflora kann dabei helfen, Infektionen zu vermeiden, die den gesamten Organismus belasten können. Zahnärzte betonen, dass Zahnerkrankungen Patienten nicht nur bei der Ernährung und beim Sprechen einschränken, sondern ihren allgemeinen Gesundheitszustand stark beeinträchtigen können. Entzündungen im Mundraum können sogar Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Schlaganfälle und Lungenerkrankungen hervorrufen. Auch die Blutzuckerwerte bei Diabetes können durch eine schlechte Mundhygiene negativ beeinflusst werden.

Info
Zahnputzutensilien: Was gehört in den Zahnputzbecher von Senioren?
  • weiche Handzahnbürste oder elektrische Zahnbürste
  • milde fluoridhaltige Zahncreme
  • Zahnseide oder Zahnzwischenraumbürsten
  • Mundspülung und Wasser
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Sensibilisierung: Mundgesundheit ist wichtig für den gesundheitlichen Allgemeinzustand

Für Angehörige ist es wichtig, dass sie den Pflegebedarf ihres Familienmitglieds rechtzeitig erkennen, um Erkrankungen in der Mundhöhle vorbeugen zu können. Sofern sie feststellen, dass bspw. die Feinmotorik oder Sehkraft ihres Angehörigen nachlässt, er Medikamente einnehmen muss oder krank wird, sollten sie besonders auf seine Mund- und Zahnhygiene achten. Erste Hinweise für eine mangelnde Mundhygiene können z. B. Mundgeruch und Zahnunreinheiten geben. Auch regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt sind wichtig, weil der Zahnarzt dabei Erkrankungen der Mundhöhle rechtzeitig erkennen und Einschätzungen zum Mundpflegestatus an Angehörige weitergeben kann. Die regelmäßige professionelle Zahnreinigung kann das Zahnfleisch von Senioren und Pflegebedürftigen gesund halten – das bestätigen auch wissenschaftliche Untersuchungen u. a. von der Bundeszahnärztekammer (BZÄK; s. Quelle 2). Da zahnärztliche Leistungen mit erwähnenswerten Kosten für Zahnersatz, Zahnbehandlungen und Prophylaxe verbunden sind, kann eine unterstützende Versicherung individuell sinnvoll sein.

Info
Zahnzusatzversicherung

Einen Überblick über wichtige Leistungskriterien und Unterschiede bei Zahnzusatzversicherungen geben diverse Tests. Bei einer Gegenüberstellung von Anbietern ist für Senioren das Höchstaufnahmealter besonders interessant.

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Zahnpflege bei Pflegebedürftigen: Tipps für pflegende Angehörige

Ältere Menschen sollten sich so lange wie möglich an der Zahnputzroutine beteiligen. Das erhält ihre Selbstständigkeit und ihre Selbstbestimmtheit.

Selbst wenn sich ältere Menschen durch gesundheitliche oder motorische Einschränkungen nicht mehr eigenständig die Zähne putzen können, sollten pflegende Angehörige nur anleiten oder Teilaufgaben übernehmen (wie z. B. Zahnbürste anreichen oder Zahnpasta auftragen). Somit erhält sich der Betroffene seine vorhandenen Ressourcen und sein Selbstwertgefühl wird gesteigert.

Für Menschen, die an typischen Krankheiten im Alter wie Parkinson oder Demenz erkrankt sind, stellt die Zahnpflege oft ein unüberwindbares Hindernis dar. Angehörige können helfen, Betroffene bei der Reinigung zu unterstützen. Besonders wichtig ist es, den konkreten Hilfebedarf zu erkennen.

Benötigt der Angehörige

  • eine Anleitung,
  • ein Nachputzen
  • oder eine komplette Übernahme der Zahnpflege?

Zahnpflege bei Personen mit Demenz

Je nach Ausprägung der Krankheit können sich Personen mit Demenz teilweise noch selbst die Zähne putzen. Hierbei ist besonders wichtig, den Angehörigen an eine regelmäßige Zahnpflege zu erinnern und im Anschluss daran zu kontrollieren. Wenn das Familienmitglied nicht mehr in der Lage ist, selbst für die Mundhygiene zu sorgen, ist es besonders wichtig, behutsam vorzugehen.

Expertenmeinung
Jana Wisniewski
Jana Wisniewski
Kauffrau im Bereich Gesundheitswesen

Was können Angehörige tun, wenn das Familienmitglied seinen Mund nicht öffnen möchte?
Manchmal sind Personen mit einer Demenz nicht bereit, ihren Mund zu öffnen. Dann hilft gutes Zureden und ein behutsamer ergonomischer Griff. Hierzu legt der Angehörige den Daumen auf die Falte des Unterkiefers und drückt ihn sanft nach unten. Ein halbierter Flaschenkorken oder eine Mundstütze können helfen, den Mund offen zu halten. Diese Hilfsmittel werden einfach zwischen die untere und obere Zahnreihe gelegt.

Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz können sich häufig nur noch eingeschränkt mitteilen. Das gilt auch für Beschwerden und Schmerzen, die sie haben. Daher ist ein Zahnarztbesuch unabdingbar, um nachvollziehen zu können, ob Mund und Zähne gesund sind. Angehörige können jedoch auf folgende Zeichen achten, die auf Probleme im Mundraum hinweisen:

  • Nahrungsverweigerung (teilweise oder vollständig), das gilt auch für Lieblingsgerichte
  • Auffällig langsames Kauen und Essen
  • Schluckbeschwerden
  • Blutiges Zahnfleisch
  • Mundgeruch
  • Lockere Zähne
  • Bevorzugung von Trinknahrung
  • Unruhezustände, hervorgerufen durch Schmerzen im Mundraum oder Kieferbereich.
Info
Mundhygiene & Demenz: Demenzrisiko steigt durch Zahnverlust an

Die Ergebnisse einer japanischen Studie der Kyushu University in Fukuoka (s. Quelle 3) zeigen, wie wichtig die richtige Zahnpflege und Zahnbehandlung ist – insbesondere im Hinblick auf den Zahnerhalt und zur Senkung des Demenzrisikos.

Das Ergebnis der Studie: Wenn das Gebiss der beobachteten Teilnehmer weniger als 20 Zähne enthielt, erhöhte sich das Risiko für eine Demenz-Erkrankung um 60 bis 80 Prozent im Vergleich zu gleichaltrigen Probanden, die noch mehr Zähne besaßen. Der Grund dafür: Durch das Kauen wird die Zirkulation von Blut und Sauerstoff im Kopf angeregt und damit bleibt das Gehirn gesund.

Die Forscher betonten, dass die tägliche Zahnputzroutine und regelmäßig stattfindende Zahnarztkontrollen zur Aufrechthaltung der geistigen Gesundheit beitragen könnten.

In der Studie wurden die Daten von 1566 japanischen Studienteilnehmern ausgewertet. Dazu gehören Männer und Frauen, die ein Lebensalter von mindestens 60 Jahren hatten und keinerlei Anzeichen einer Demenz aufwiesen.

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Zahnpflege bei Personen mit Parkinson

Parkinson-Patienten klagen häufig über Probleme mit Zähnen und Zahnfleisch. Auch wenn wissenschaftliche Untersuchungen bisher nicht zweifelsfrei belegen konnten, dass es einen konkreten Zusammenhang zwischen der Krankheit Parkinson und Zahnproblemen gibt, treten die Beschwerden gehäuft bei den Betroffenen auf. Experten führen das auf feinmotorische Störungen und Probleme beim Schlucken (Dysphagie) zurück, die eine Mundhygiene erschweren können. Eine mögliche Ursache könnte auch sein, dass sich der Speichel von Personen mit Parkinson anders zusammensetzt als bei gesunden Personen. Gründe hierfür könnte die Einnahme spezieller Medikamente sein.

Angehörige können den Betroffenen bei feinmotorischen Störungen helfen, indem sie die Zahnreinigung teilweise oder ganz übernehmen. Hilfsmittel ermöglichen dem Patienten, sich an der Zahnpflege zu beteiligen.

Dazu gehören:

  • Interdentalbürsten mit Aufsatz, alternativ eine Munddusche
  • Handelsübliche Zahnbürsten mit Verdickungselementen
  • 3-Kopfbürsten
  • Elektrische Zahnbürsten mit Andruckkontrolle
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Jana Wisniewski
Jana Wisniewski
Kauffrau im Bereich Gesundheitswesen

Mein Praxistipp:
Das Zähneputzen fällt leichter, wenn es vor dem Spiegel stattfindet und der Betroffene den „Zahnputzarm“ auf dem Waschbecken ablegen kann!

Wer einen Termin beim Zahnarzt hat, sollte der Praxis vorab mitteilen, dass der Patient an Parkinson erkrankt wird – falls es dem Arzt nicht schon bekannt ist. Vielleicht gelingt es Ihnen als Angehöriger auch, eine Zeit für den Termin zu wählen, an dem Ihr Familienmitglied gut beweglich ist. Dies erleichtert dem Arzt die Behandlung und Untersuchung.

Wichtiger Hinweis für Patienten:  Sofern Sie L-Dopa-haltige Medikamente einnehmen, empfiehlt es sich, den Zahnarzt vor einer Betäubung darauf hinzuweisen. Er sollte dann auf ein Lokalanästhetikum ohne Adrenalin-Zusatz zurückgreifen.

Info
Pflegebedürftige profitieren von einem Zahnarztbesuch zu Hause

Gesetzlich Versicherte, die aufgrund ihres gesundheitlichen Zustandes nicht mehr in der Lage sind, eine Praxis aufzusuchen, können von einem Hausbesuch profitieren.

Folgende Leistungen kann der Zahnarzt bei einem Hausbesuch durchführen:

  • Eingangsuntersuchung
  • Prothesenanpassung
  • Entfernung der Zahnbeläge
  • Aufklärung von Angehörigen und Pflegepersonal über die Zahnersatzhandhabung
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Quellen:
1. Fünfte Deutsche Mundgesundheitsstudie, 2. Bundeszahnärztekammer, 3. Journal of the American Geriatrics Society

Erstelldatum: .81.218102|Zuletzt geändert: .82.509102
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