Pflegesachleistungen: Anspruch, Höhe und Antrag

Pflegesachleistungen

Bei häuslicher Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst haben Pflegebedürftige Anspruch auf Zuschüsse für Pflegesachleistungen. Die Höhe ist dabei abhängig vom Pflegegrad. pflege.de informiert über Pflegesachleistungen bei den unterschiedlichen Pflegegraden und gibt Tipps zur Kombinationsleistung aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen.

Inhaltsverzeichnis

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Was sind Pflegesachleistungen?

Pflegesachleistungen sind nach § 36 SGB XI (s. Quelle 1) alle pflegerischen Hilfen, die zuhause von professionellen Kräften für ambulante Pflege geleistet werden sowie Tagespflege und Nachtpflege für Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5. Die Pflegekassen übernehmen die entstehenden Kosten bis zur jeweiligen Höchstsumme der Sachleistungsansprüche des entsprechenden Pflegegrads.

Sachleistungen Definition und Beispiele

Der Begriff Sachleistung kann irreführen. Es handelt sich nicht etwa um materielle Leistungen in Form von Sachgegenständen. In der Pflege werden darunter Dienstleistungen verstanden, die von Mitarbeitern eines ambulanten Pflegedienstes erbracht werden.

Als Pflegesachleistungen in der häuslichen Pflege gelten pflegerische Hilfen bei der Körperpflege, Ernährung und Bewegung von anerkannt Pflegebedürftigen, was Pflegefachleute Grundpflege nennen, sowie ihre Unterstützung bei der hauswirtschaftlichen Versorgung. Sowohl in ihrer Wohnung als auch in Tages- oder Nachtpflegeeinrichtungen, wo sie vorübergehend ambulant versorgt werden, können Versicherte mit den Pflegegraden 2, 3, 4 und 5 Sachleistungen in Anspruch nehmen.

Beispiele für Pflegesachleistungen:

  • Ganzkörperwaschung oder Teilwaschung im Bett
  • Hilfe beim Duschen oder Baden
  • Hilfe beim Umsetzen
  • Hilfe beim Ankleiden
  • Hilfe bei Ausscheidungen
  • Hilfe bei der Nahrungsaufnahme
  • Einkäufe
  • Zubereiten von Mahlzeiten
  • Reinigen der Wohnung

Pflegesachleistungen Katalog

Alle Leistungen der Pflegekassen zum Nachschlagen stellt das Bundesministerium für Gesundheit in einer Online-Broschüre bereit. 

Anspruch auf Sachleistungen

Anspruch auf Pflegesachleistungen haben Versicherte mit Pflegegrad 2, 3, 4 und 5. Voraussetzung ist ein vorangegangener Antrag auf Pflegegrad, der nach einer Begutachtung durch den MDK (bei gesetzlich Versicherten) oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten) anerkannt wurde. In der Regel können Pflegebedürftige mit Pflegegrad 2 bis 5 folgende Leistungen ihrer Pflegekasse nutzen:

  • Pflegegeld für die häusliche Betreuung und Pflege durch Angehörige oder Freunde.
  • Pflegesachleistungen für die häusliche Pflege durch einen professionellen ambulanten Pflegedienst bzw. eine Tagespflege oder Nachtpflege.

Unterschied Pflegesachleistungen und Pflegegeld

Pflegesachleistungen dienen der Finanzierung eines professionellen Pflegedienstes. Es handelt sich dabei somit um „Sachgeld“, das zwangsläufig an Dienstleistungen gebunden ist. 

Das Pflegegeld hingegen erhält der Pflegebedürftige zur freien Verfügung – etwa für die Bezahlung von privaten Pflegekräften im häuslichen Umfeld. Dies sind häufig Angehörige oder Freunde. 

Pflegesachleistungen und Pflegegeld kombinieren

Benötigen Betroffene pflegerische Hilfen sowohl durch professionelle Pflegekräfte eines ambulanten Pflegedienstes als auch Unterstützung durch Angehörige, so können sie auf Wunsch auch die sog. Kombinationsleistung aus Pflegesachleistung und Pflegegeld erhalten. An ihre Entscheidung sind sie dann aber sechs Monate gebunden.

In diesem Fall wird ihr monatliches Pflegegeld nach einem besonderen Berechnungsverfahren gekürzt. Wie sich die Kombinationsleistung jeweils zusammensetzt, lesen Sie im Beitrag Kombinationsleistung in der Pflege.

Pflegesachleistungen Höhe

Die Höhe des Sachgeldes für Pflegesachleistungen hängt vom Grad der Pflegebedürftigkeit, sprich vom Pflegegrad ab. Je unselbstständiger der Versicherte, desto umfangreicher die finanzielle Unterstützung.

Pflegegrad Sachleistung Tabelle

Die aktuelle pflege.de-Tabelle listet den Anspruch auf Pflegesachleistungen je Pflegegrad im Überblick für Sie auf:

Pflegegrad Pflegesachleistungen pro Monat
Pflegegrad 1 0 Euro
Pflegegrad 2 689 Euro
Pflegegrad 3 1.298 Euro
Pflegegrad 4 1.612 Euro
Pflegegrad 5 1.995 Euro
Tipp
Unverbrauchte Pflegesachleistungen für Betreuung und Entlastung nutzen

Pflegebedürftige können bis zu 40 Prozent der ihnen zustehenden, aber ungenutzten Pflegesachleistungen für ihre stundenweise Betreuung durch geschulte ehrenamtliche Kräfte oder andere Betreuungs- und Entlastungsleistungen wie hauswirtschaftliche Hilfen ausgeben. Diese Hilfskräfte entlasten Sie als pflegende Angehörige von Ihren täglichen Pflege- und Betreuungsaufgaben und verschaffen Ihnen notwendige Pausen und freie Zeit für sich.

Ein Beispiel: Ein Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 2 hat eigentlich Anspruch auf monatliche Pflegesachleistungen von 689 Euro. Da er aber 40 Prozent dieser Summe nicht zur Bezahlung seines Pflegedienstes braucht, kann er 275,60 Euro für seine Betreuung und die Entlastung seiner Angehörigen verwenden.

Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 1

Pflegebedürftige mit anerkanntem Pflegegrad 1 haben keinen Anspruch auf Pflegesachleistungen. Sie erhalten von der zuständigen Pflegekasse aber 125 Euro pro Monat für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Diesen Entlastungsbetrag können Versicherte für Betreuung und hilfreiche Dienstleistungen für Senioren verwenden.

Info

125 Euro Entlastungebetrag ab Pflegegrad 1

Pflegebedürftige ab Pflegegrad 1, die in häuslicher Pflege betreut werden, haben Anspruch auf einen Entlastungsbetrag in Höhe von bis zu 125 Euro monatlich.

 

Dieser Betrag ist zweckgebunden einzusetzen, um pflegender Angehöriger oder vergleichbar Nahestehende als Pflegekräfte zu entlasten und die Selbstständigkeit des Pflegebedürftigen zu fördern. Folgende Leistungen kann der Pflegebedürftige in Anspruch nehmen:

  • Leistungen der Tages­ oder Nachtpflege
  • Leistungen der Kurzzeitpflege
  • Leistungen der zugelassenen Pflegedienste
  • Leistungen der nach Landesrecht anerkannten Angebote zur Unterstützung im Alltag 

 

Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 2

Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 2 gewähren die Pflegekassen Pflegesachleistungen von monatlich 689 Euro für häusliche Pflege durch einen Pflegedienst oder ihre ambulante Versorgung in der Tages- oder Nachtpflege.

Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 3

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 erhalten Pflegesachleistungen von monatlich 1.298 Euro bei häuslicher Pflege durch einen Pflegedienst oder ihrer Versorgung in einer Tages- oder Nachtpflegeeinrichtung.

Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 4

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 4 haben Anspruch auf Pflegesachleistungen von monatlich 1.612 Euro bei häuslicher Pflege durch einen Pflegedienst oder ambulanter Pflege in einer Tages- oder Nachtpflegeeinrichtung.

Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 5

Pflegebedürftige mit anerkanntem Pflegegrad 5 erhalten 1.995 Euro pro Monat für die professionelle Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst oder die Versorgung in einer Tages- oder Nachtpflegeeinrichtung.

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Pflegesachleistungen beantragen

Der Antrag auf Pflegesachleistungen wird bei der zuständigen Pflegekasse eingereicht, die an Ihre Krankenkasse oder die der pflegebedürftigen Person angeschlossen ist. Meist geben Sie bereits im Rahmen Ihres Antrags auf Pflegegrad an, wo die Pflege stattfinden wird. Dies ist für die Pflegekasse ausschlaggebend:

  • Bei rein häuslicher Pflege durch einen Angehörigen oder eine vergleichbar nahestehende Person beantragen Sie Pflegegeld.
  • Findet die Pflege ausschließlich durch einen Pflegedienst statt, beantragen Sie Pflegesachleistungen.
  • Teilen sich Angehörige und ein Pflegedienst die Betreuung, beantragen Sie eine Kombinationsleistung.

Aus dieser Ausgangslage ergibt sich für die Pflegekasse die Höhe der Pflegesachleistungen, die Ihnen oder Ihrem Angehörigen mit Pflegegrad zustehen.

Der Antrag kann formlos erfolgen. Ein Anruf, ein Fax oder ein postalisches Anschreiben mit der Erklärung, Pflegesachleistungen beantragen zu wollen, genügt. Von Ihrer Pflegekasse erhalten Sie daraufhin alle wichtigen Formulare. Diese werden von der pflegebedürftigen oder einer bevollmächtigten Person ausgefüllt und zurück an die Pflegekasse gesendet.

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Erstelldatum: 6102.10.92|Zuletzt geändert: 0202.70.22
Quelle 1: Sozialgesetzbuch
https://www.sozialgesetzbuch-sgb.de/sgbxi/36.html (letzter Aufruf am 21.07.2020)
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