Pflegegrad 3: Geld, Leistungen und Voraussetzungen

Pflegegrad 3

Versicherte mit einer „schweren Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ erhalten Pflegegrad 3 und dazugehörige Pflege- und Betreuungsleistungen. pflege.de klärt über die Voraussetzungen für Pflegegrad 3 und die entsprechenden Leistungen auf.

Inhaltsverzeichnis

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Definition Pflegegrad 3

Um Pflegegrad 3 und die entsprechenden Leistungen zu erhalten, müssen Versicherte zunächst einen Antrag auf Pflegegrad bei ihrer Pflegekasse stellen. Der Medizinische Dienst der Krankenversicherung, kurz MDK (bei gesetzlich Versicherten) oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten) prüft im Rahmen einer Begutachtung die  noch vorhandene Selbstständigkeit des Antragstellers. Die Begutachtung erfolgt dabei auf Basis eines Punktesystems. Ermittelt der Gutachter zwischen 47,5 und unter 70 Punkte, so erhält der Antragsteller Pflegegrad 3 und den Anspruch auf entsprechende Pflegeleistungen. Voraussetzung für Pflegegrad 3 ist eine „schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“.

Die Pflegegradpunkte im Überblick

Pflegegrad 1 12,5 – < 27 Punkte
Pflegegrad 2 27 – < 47,5 Punkte
Pflegegrad 3 47,5 – < 70 Punkte
Pflegegrad 4 70 – < 90 Punkte
Pflegegrad 5 90 – 100 Punkte

Voraussetzungen für Pflegegrad 3

Die Voraussetzung für Pflegegrad 3 ist, dass Gutachter des MDK oder MEDICPROOF bei der Begutachtung der Pflegeversicherten mindestens 47,5 und weniger als 70 Punkte im Prüfverfahren „Neues Begutachtungsassessment (NBA)“ dokumentieren. Die Gutachter begutachten die Antragsteller dabei in folgenden sechs Bereichen (s. Quelle 1).

Kriterien für die Begutachtung

  1. Mobilität: Wie selbstständig bewegt sich der Begutachtete fort und kann seine Körperhaltung ändern?
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten: Kann sich der Antragsteller in einem Alltag noch örtlich und zeitlich orientieren? Kann er für sich selbst Entscheidungen treffen, noch Gespräche führen und seine Bedürfnisse mitteilen?
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen: Wie oft benötigt der Betroffene Hilfe wegen psychischer Probleme wie aggressivem oder ängstlichen Verhalten?
  4. Selbstversorgung: Wie selbstständig kann sich der Begutachtete noch täglich selbst waschen und pflegen?
  5. Bewältigung und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen und Belastungen: Welche Hilfen benötigt der Antragsteller beim Umgang mit Krankheit und Behandlungen wie z. B. bei Dialyse oder Verbandswechsel?
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte: Wie selbstständig kann der Begutachtete noch seinen Tagesablauf planen oder Kontakte pflegen?

Während der Begutachtung vergibt ein Gutachter für jeden der Aktivitätsbereiche Punkte, die anschließend ausgewertet und addiert werden. Sind mit der Gesamtpunktzahl die Voraussetzungen für Pflegegrad 3 erfüllt, erhalten die Versicherten einen Bescheid ihrer Kasse mit der Anerkennung des Pflegegrads 3. Damit sich Antragsteller schon vor dem Termin des Gutachters einen Eindruck über das Begutachtungsverfahren verschaffen können, können Sie den kostenlosen Pflegegradrechner von pflege.de nutzen und schon im Voraus überprüfen, ob ihnen ein Pflegegrad zusteht.

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Geld und Leistungen bei Pflegegrad 3

Welchen Anspruch auf Leistungen haben Versicherte mit anerkanntem Pflegegrad 3 und wie viel Geld bekommt man bei Pflegegrad 3? Diese Frage stellen sich viele Pflegebedürftige und deren Angehörige, die die Pflege und Versorgung organisieren. Ist der Pflegegrad zugesichert, stehen Ihnen Pflegegeld, Pflegesachleistungen und diverse Zuschüsse zur Tages- und Nachtpflege, Kurzzeit-, Verhinderungs- und zur vollstationären Pflege zu (s. Quelle 2).

Überblick zu den Geld- und Sachleistungen bei Pflegegrad 3

Leistungsart  Leistung und Häufigkeit 
Pflegegeld 545 Euro/Monat
Pflegesachleistung 1.298 Euro/Monat
Tages- und Nachtpflege 1.298 Euro/Monat
Kurzzeitpflege 1.612 Euro/Jahr
Verhinderungspflege 1.612 Euro/Jahr
Vollstationäre Pflege 1.262 Euro/Monat
Betreuungs- und Entlastungsleistungen 125/Monat
Zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel 40 Euro/Monat
Hausnotruf 23 Euro/Monat
Wohnraumanpassung 4.000 Euro/Gesamtmaßnahme
Wohngruppenzuschuss 214 Euro/Monat

Pflegegeld  bei Pflegegrad 3

Versicherte mit anerkanntem Pflegegrad 3 erhalten monatlich ein Pflegegeld in Höhe von 545 Euro monatlich bei häuslicher Pflege durch Angehörige (s. Quelle 3).

Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 3

Pflegebedürftige mit anerkanntem Pflegegrad 3 erhalten Pflegesachleistungen in Höhe von 1.298 Euro pro Monat bei der Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst.

Kombination aus Geldleistung und Sachleistung

Eine Kombinationsleistung aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen ist immer dann möglich, wenn Pflegebedürftige nicht nur durch Angehörige, sondern auch durch einen ambulanten Pflegedienst versorgt werden. Dabei erhalten Versicherte das Pflegegeld nicht mehr in vollem Umfang, sondern nur noch „anteiliges Pflegegeld“.
Dabei gilt folgender Grundsatz: Der Anspruch auf Pflegegeld verringert sich um den Prozentsatz der ausgeschöpften Sachleistungen. Ein anschauliches Rechenbeispiel zur Kombination von Pflegegeld und Pflegesachleistung finden Sie im Artikel über Pflegegeld.

Tagespflege und Nachtpflege bei Pflegegrad 3

Die Leistungssätze für Tages- und Nachtpflege orientieren sich an den ambulanten Pflegesachleistungen. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 erhalten für die Versorgung in einer teilstationären Einrichtung für die Tagespflege 1.298 Euro pro Monat.

Kurzzeitpflege bei Pflegegrad 3

Braucht ein Pflege- und Hilfsbedürftiger mit Pflegegrad 3 etwa nach einem Krankenhausaufenthalt noch professionelle Kurzzeitpflege z. B. in einem Pflegeheim, erhält er von seiner Pflegekasse einen Zuschuss von maximal 1.612 Euro für höchstens 28 Tage im Jahr.

Bei Kurzzeitpflege mit Pflegegrad 3 gilt es Folgendes zu beachten:

  • Nutzen Versicherte im laufenden Jahr keine Verhinderungspflege (s. u.) durch einen Pflegedienst bei Krankheit oder Urlaub von pflegenden Angehörigen, so können sie mit Pflegegrad 3 für ihre Kurzzeitpflegesogar einen Zuschuss von bis zu 3.224 Euro für bis zu acht Wochen (56 Tage) im Jahr erhalten.
  • Versicherte mit Pflegegrad 3 können während der jährlich bis zu achtwöchigen Kurzzeitpflege zusätzlich auch die Hälfte ihres Pflegegeldes von monatlich 545 Euro beziehen, sprich 272,50 Euro.

Verhinderungspflege bei Pflegegrad 3

Für Verhinderungspflege durch einen ambulanten Pflegedienst bei Urlaub oder Krankheit von pflegenden Angehörigen zahlen Pflegekassen Versicherten mit Pflegegrad 3 einen Zuschuss von bis zu 1.612 Euro für höchstens vier Wochen im Jahr.

Was ist bei die Verhinderungspflege mit Pflegegrad 3 zu beachten?

  • Wer im laufenden Jahr keine Kurzzeitpflege (s. o.) genutzt hat, kann sogar für bis zu sechs Wochen Verhinderungspflege in Anspruch nehmen und erhält dafür maximal 2.418 Euro jährlich.
  • Wird der Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 durch eine Verhinderungspflege versorgt, erhält er weiterhin die Hälfte seines Pflegegeldes für bis zu sechs Wochen im Jahr weiter. Das entspricht monatlich 272,50 Euro.

Entlastungsbetrag bei Pflegegrad 3

Hilfs- und Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 können den Entlastungsbeitrag von monatlich 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen beanspruchen. Mit dem Entlastungsbetrag bei Pflegegrad 3 können Versicherte z. B.

  • an einer Betreuungsgruppe für leicht Hilfsbedürftige teilnehmen, die sie geistig und körperlich aktiviert,
  • Besuchsdienste, einen Alltagsbegleiter oder Einkaufshilfen für Gespräche, Einkäufe oder Spaziergänge finanzieren,
  • Haushaltshilfen bezahlen, die ihnen z. B. beim Putzen der Wohnung oder bei leichten Gartenarbeiten unter die Arme greifen.
Tipp

Mehr Betreuung und Entlastung für nicht voll ausgeschöpfte Pflegesachleistungen
Wer bei Pflegegrad 3 seine Sachleistungen für professionelle Pflege von 1.298 Euro nicht voll genutzt hat, kann bis zu 40 Prozent davon für weitere Betreuungs- und Entlastungsleistungen einsetzen. Mit dieser Regelung haben Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 künftig die Chance auf bis zu 519,20 Euro mehr Budget für ihre Betreuung und Entlastung.

Weitere Leistungen bei häuslicher Pflege mit Pflegegrad 3

Wie viel Geld erhalten Versicherte, wenn sie zuhause versorgt werden? Bei der häuslichen Versorgung haben Pflegebedürftige mit anerkanntem Pflegegrad 3 zusätzlich Anspruch auf:

1. Zuschüsse für medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel

Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 erhalten folgende medizinische Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel:

  • Anschluss und Betrieb eines Hausnotrufsystems, ein „technisches Pflegehilfsmittel“ (monatlich bis zu 23 Euro für den Betrieb),
  • monatlich zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel im Wert von maximal 40 Euro wie z. B. Bettschutzeinlagen, Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel, medizinische Hilfsmittel für Senioren und Pflegehilfsmittel, die im Hilfsmittelverzeichnis & Hilfsmittelkatalog aufgeführt sind.

2. Zuschuss für Wohnraumanpassung

Die Pflegekasse bezuschusst mit bis zu 4.000 Euro einmalig alle Maßnahmen zur barrierefreien Wohnraumanpassung, wie bspw. einen Treppenlift, den Umbau einer Wanne zur Dusche oder andere Maßnahmen für ein barrierefreies Zuhause. Dieser Zuschuss wird unter Umständen erneut bzw. mehrmals gewährt, wenn sich der Hilfebedarf, also z. B. der Grad der Pflegebedürftigkeit, ändert.

3. Förderung für Bewohner von Wohngruppen oder WGs

Die 4.000 Euro-Förderung für die altersgerechte Wohnraumanpassung steht übrigens höchstens vier Versicherten mit Pflegegrad 3 zu, die in eine ambulant betreute Wohngruppe oder eine Senioren-WG ziehen. Zudem erhalten höchstens vier Bewohner einen einmaligen Gründungszuschuss von jeweils 2.500 Euro und einen monatlichen Zuschuss zur Beschäftigung einer Organisationskraft von jeweils 214 Euro.

4. Beratung und Beratungsbesuche

Die Pflegekasse übernimmt die Kosten für die Beratung von Menschen mit Pflegegrad 3, z. B. zu ihrer besseren pflegerischen Versorgung oder zum altersgerechten Wohnraumumbau. Auch die regelmäßig nötigen Beratungsbesuche durch geschulte Pflegekräfte nach § 37 Abs. 3 Pflegeversicherungsgesetz gehören zum Leistungsumfang bei Pflegegrad 3.

5. Pflegekurse für Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen

Angehörige und ehrenamtliche Pflegepersonen, die für Versicherte mit Pflegegrad 3 sorgen, haben nach § 45 des Gesetzes Anspruch auf kostenlose Pflegekurse.

Tipp
Kostenlose Pflegeschulung von Experten

In kostenlosen Pflegeschulungen lernen Sie ganz praktisch und alltagsnah direkt im Zuhause des Pflegebedürftigen, wie Sie den Angehörigen richtig pflegen und versorgen. WDS care bietet beispielsweise kostenlose Pflegeschulungen an. Das Beste daran: Sie selbst wählen das Thema aus und werden individuell, entsprechend der Pflegesituation geschult. 

 

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Stationäre Pflege bei Pflegegrad 3

Wie hoch sind die Heimkosten bei Pflegegrad 3 im Pflegeheim? Und wie hoch sind die Leistungen, die Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 für die vollstationäre Pflege im Pflegeheim erhalten? Pflegebedürftige erhalten seit Januar 2017 1.262 Euro pro Monat als Unterstützung für die Pflegeheimkosten bei Pflegegrad 3.

Neben den Leistungen aus der Pflegekasse für die stationäre Pflege hat sich zum 01.01.2017 auch der Eigenanteil der Bewohner geändert. Der pflegebedingte Eigenanteil, der sog. einrichtungseinheitliche Eigenanteil, steigt nicht mehr wie bisher mit steigendem Pflegebedarf und steigender Pflegestufe, sondern bleibt einheitlich für alle Bewohner gleich hoch. Zwischen den Pflegeheimen gibt es jedoch nach wie vor Unterschiede, denn nicht jedes Pflegeheim ist gleich teuer. Neben dem pflegebedingten Eigenanteil müssen Bewohner die Kosten für Unterkunft, Verpflegung und anteilige Investitionskosten nach wie vor selbst tragen.

Info

Einrichtungseinheitlicher Eigenanteil, kurz: EEE

Der sog. „einrichtungseinheitliche Eigenanteil“ (kurz: EEE) führt häufig zu Missverständnissen. Damit ist nämlich nicht der komplette monatliche Eigenanteil eines Bewohners gemeint, den er neben der Kassenleistung entrichten muss. Vielmehr bezieht sich der EEE ausschließlich auf die pflegebedingten Kosten, die nach Abzug der Kassenleistungen auf alle Bewohner eines Altenheims umgelegt werden. Kosten für die Unterkunft, Verpflegung und anteilige Investitionskosten werden noch einmal separat berechnet und sind von Bewohner zu Bewohner unterschiedlich (z. B. je nach Zimmergröße).

Fallbeispiel Pflegegrad 3

Wenn der MDK oder MEDICPROOF nach einer Begutachtung einem Versicherten Pflegegrad 3 bescheinigt, bedeutet das eine „schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“. Was bedeutet das konkret? Im folgenden Fallbeispiel wird ein fiktiver Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 3 beschrieben:

Herr Müller ist 77 Jahre alt. Seit zehn Jahren leidet er an Morbus Parkinson. Mit Beginn des Parkinson-Syndroms entwickelte sich bei ihm auch eine Depression. Im Alltag bekommt er schon länger Hilfe von seiner Tochter. Seitdem er täglich Unterstützung benötigt, hat sie einen ambulanten Pflegedienst hinzugezogen.

Das Parkinson-Syndrom schränkt Herrn Müller zunehmend in seiner Beweglichkeit ein. Er ist beim Gehen unsicher. Seine Haltung ist leicht gebeugt und seine Gelenke werden mit der Zeit immer steifer. Er benutzt inzwischen auswärts eine Gehhilfe. Seine Wohnung ist ebenerdig, in anderen Umgebungen benötigt er Hilfe beim Treppensteigen. Auch beim morgendlichen Aufstehen hat er Probleme, weshalb ihm der Pflegedienst Unterstützung leistet. Im Modul „Mobilität“ erhält er 6 Punkte. Gewichtet sind das 7,5 Punkte.

Wegen seiner abnehmenden Beweglichkeit ist es immer schwieriger für Herrn Müller, sich selbst zu duschen oder zu waschen. Er kann zwar die Arme noch bewegen und koordinieren, ist aber grundsätzlich etwas wackelig auf den Füßen und daher unsicher. Bei der Körperpflege sowie beim An- und Umziehen wird ihm Hilfestellung vom Pflegedienst gegeben. Das Essen bekommt er ebenfalls geliefert. Durch sein Zittern hat er Schwierigkeiten, selbst zu kochen. Im Modul „Selbstversorgung“ bekommt Herr Müller 7 Punkte. Gewichtet sind das 10 Punkte.

Seine Hilfsbedürftigkeit kann der Antragsteller nur schwer akzeptieren und lehnt die Hilfe von pflegerischem Personal teilweise durch verbale Äußerungen und leicht aggressives Verhalten ab. Im Modul „Verhaltensweisen und psychische Problemlagen“ werden Herrn Müller 11 Punkte zugeschrieben, gewichtet sind das 15 Punkte. Aufgrund seiner Depressionen hat er mittlerweile tägliche Tiefpunkte. Vereinzelt ruft er noch Freunde und Familie an, kann sich jedoch immer seltener dazu motivieren. Sich selbst zu beschäftigen, wird für Herrn Müller immer schwieriger. Im Modul „Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte“ bekommt er 6 Punkte. Gewichtet ergeben sich daraus 7,5 Punkte.

Mehrmals täglich nimmt Herr Müller Medikamente gegen die Symptome des Parkinson-Syndroms ein. Diese werden ihm vom Pflegedienst in Rationen pro Tageszeit vorbereitet. Einmal die Woche bekommt er zuhause eine physiotherapeutische Behandlung, um die noch vorhandene Beweglichkeit zu erhalten und zu verbessern. Zu Arztbesuchen begleitet ihn seine Tochter. Im Modul „Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- oder therapiebedingten Belastungen“ erhält er 5 Punkte, was einem gewichteten Wert von 15 Punkten entspricht.Formularbeginn

Herr Müller würde bei einer Pflegebegutachtung mit 55 gewichteten Punkten den Pflegegrad 3 von der Pflegekasse bescheinigt bekommen.

Das Verfahren, um die noch vorhandene Selbstständigkeit von Versicherten zu bewerten, ist komplex. Eine detaillierte Übersicht, nach welchen Kriterien die Punkte in den jeweiligen Modulen verteilt und gewichtet werden, stellt der MDS (Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V.) bereit (s. Quelle 4). Für eine noch einfachere Einschätzung des Pflegegrades können Sie den Pflegegradrechner von pflege.de nutzen.

Zeitaufwand bei Pflegegrad 3

Gut zu wissen: Seit der Pflegereform 2017  ist der Zeitaufwand nicht mehr ausschlaggebend für die Anerkennung eines Pflegegrades. Es kann Ihnen aber durchaus helfen, ihn in einem Pflegetagebuch festzuhalten.

Wer vor einer Pflegebegutachtung steht, bereits einen Angehörigen zu Hause pflegt oder sich dieser Aufgabe stellen möchte, sollte beachten, dass es in den folgenden Alltagssituationen zu einem erhöhten Zeitaufwand kommen kann:

  • Körperpflege: Duschen, Waschen, Zahn- und Mundhygiene, Kämmen, Gesichtspflege und Rasieren
  • Ernährung: Zubereitung der Nahrung (ggf. das Zuschneiden in mundgerechte Portionen), Nahrungsaufnahme kann verlangsamt stattfinden
  • Darm- und Blasenentleerung: Wasserlassen, Stuhlgang, Richten der Bekleidung
  • Mobilität: Aufstehen und Zubettgehen, Treppensteigen, An- und Umziehen etc.

Der Zeitaufwand für die Pflege eines Angehörigen kann sehr unterschiedlich ausfallen und hängt vom individuellen Zustand des Pflegebedürftigen ab – je größer die Unselbständigkeit, desto mehr Zeit sollten Sie einplanen. Bleiben Sie in jedem Fall geduldig und lassen Sie dem Pflegebedürftigen Zeit, Tätigkeiten, die er noch selbstständig bewerkstelligen kann, selbst auszuführen.

Umstellung von Pflegegraden auf Pflegestufen seit 2017

Durch das 2017 beschlossene Pflegestärkungsgesetz II wurde niemand schlechter gestellt. Das ist gesetzlich geregelt und in Form des sog. Bestandsschutzes festgehalten. Alle Menschen mit anerkannter Pflegestufe wurden zum 01.01.2017 automatisch in einen neuen Pflegegrad überführt und erhalten alle ihre bisherigen Leistungen.

Umwandlung von Pflegestufe 2 und 1 in Pflegegrad 3

  • Körperlich Pflegebedürftige mit bisheriger Pflegestufe 2 haben von ihrer Pflegekasse automatisch den nächsthöheren Pflegegrad 3 zugeteilt bekommen.
  • Demenzkranke und körperlich Pflegebedürftige mit bisheriger Pflegestufe 1 haben automatisch ebenfalls Pflegegrad 3 erhalten.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Pflegegrad 3?

Pflegegrad 3 erhalten Versicherte mit einer anerkannten „schweren Beeinträchtigung der Selbstständigkeit.

Wie viele Stunden Pflege pro Woche umfasst Pflegegrad 3?

Ein bestimmter Zeitaufwand für die Pflege ist seit dem 01.01.2017 keine Voraussetzung mehr für die Anerkennung eines Pflegegrades.

Wann bekommt man Pflegegrad 3?

Pflegegrad 3 bekommt, wer bei der Begutachtung durch den MDK (bei gesetzlich Versicherten) oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten) nach dem Neuen Begutachtungsassessment (NBA) zwischen 47,5 bis unter 70 Punkte erhält. Der Pflegegrad 3 bestätigt eine schwere Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“.

Welche Leistungen stehen mir bei Pflegegrad 3 zu?

Die Leistungen mit Pflegegrad 3 sind umfangreich und setzen sich folgendermaßen zusammen:

  • Pflegegeld: 545 Euro pro Monat (bei der häuslichen Pflege durch Angehörige, Freunde oder Bekannte)
  • Pflegesachleistungen: 1.298 Euro pro Monat (bei der professionellen Pflege durch einen ambulanten Pflegedienst)
  • Verhinderungspflege: 1.612 Euro pro Jahr (bis zu sechs Wochen)
  • Kurzzeitpflege: 1.612 Euro pro Jahr (bis zu acht Wochen)
  • Tagespflege und Nachtpflege: 1.298 Euro pro Monat (für die teilstationäre Versorgung in einer Tagespflege- oder Nachtpflege-Einrichtung)
  • Vollstationäre Pflege im Pflegeheim: 1.262 Euro pro Monat
  • Entlastungsbetrag: 125 Euro pro Monat (für die Erstattung von zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen)
  • Hausnotruf: einmalig 10,49 Euro für die Installation und monatlich 23 Euro für den Betrieb
  • Pflegehilfsmittel zum Verbrauch: bis zu 40 Euro pro Monat
  • Wohnraumanpassung: bis zu 4.000 Euro einmalig für jede Gesamtmaßnahme* der Barrierereduzierung in der Häuslichkeit wie z. B. Installation eines Treppenlifts oder Badumbau
  • Wohngruppenförderung: einmalig 2.500 bis 10.000 Euro Gründungszuschuss (für max. 4 Personen pro Senioren-WG) sowie monatlich 214 Euro Organisationszuschuss

Gut zu wissen: Werden mehrere wohnraumanpassende Maßnahmen zum gleichen Zeitpunkt erforderlich, handelt es sich um eine Gesamtmaßnahme. In diesem Fall wird auch nur einmalig der Zuschuss von 4.000 Euro gegeben. Ab dem Zeitpunkt, wo weitere Wohnraumanpassungen notwendig werden, ist es möglich einen weiteren Zuschuss zu erhalten.

Wie viel Geld bekommt man bei Pflegegrad 3?

Wie viel Geld Versicherte mit Pflegegrad 3 bekommen, hängt von ihrer Versorgungsform ab. Grundsätzlich haben sie bei häuslicher Pflege Anspruch auf Pflegegeld oder Pflegesachleistungen, Kurzzeit- und Verhinderungspflege, Tages- und Nachtpflege, zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen, Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, Zuschüsse zum Hausnotruf und zur Wohnraumanpassung. Bei der stationären Versorgung haben Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 Anspruch auf Geldleistungen in Höhe von 1.262 Euro pro Monat.

Wie viel Pflegegeld bekommt man bei Pflegegrad 3?

Pflegekassen gewähren bei Pflegegrad 3 ein Pflegegeld in Höhe von 545 Euro pro Monat, sofern Pflegebedürftige in der Häuslichkeit von Angehörigen oder Bekannten versorgt werden.

Wie hoch sind die Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 3?

Die Pflegesachleistungen bei Pflegegrad 3 liegen bei 1.298 Euro pro Monat. Versicherte mit Pflegegrad 2 haben Anspruch auf Pflegesachleistungen, wenn sie von einem ambulanten Pflegedienst versorgt werden.

Erhalten Betroffene mit Pflegegrad 3 Kurzzeitpflege oder Verhinderungspflege?

Ja. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 haben Anspruch auf Verhinderungspflege und Kurzzeitpflege. Für die Verhinderungspflege bei Pflegegrad 3 erhalten Versicherte bis zu 1.612 Euro für bis zu sechs Wochen pro Kalenderjahr und für die stationäre Kurzzeitpflege bis zu 1.612 Euro für bis zu acht Wochen pro Kalenderjahr.

Die Leistungen für die Kurzzeit- und Verhinderungspflege bei Pflegegrad 3 können auch kombiniert werden. Erfahren Sie mehr zur Kombinationsleistung bei Pflegegrad 3 im Beitrag über die Kurzzeitpflege.

Welche Leistungen gibt es für die stationäre Pflege bei Pflegegrad 3 von der Pflegekasse?

Versicherte mit Pflegegrad 3 erhalten monatlich 1.262 Euro von der Pflegekasse für die stationäre Pflege im Pflegeheim.

Wie hoch sind die Pflegeheimkosten bei Pflegegrad 3?

Die Kosten für einen Heimplatz liegen im Schnitt bei 2.700 bis 3.000 Euro pro Monat. Versicherte mit Pflegegrad 3 erhalten Leistungen für die vollstationäre Pflege in Höhe von 1.262 Euro pro Monat. Daher beträgt der Eigenanteil für die Pflegeheimkosten mit Pflegegrad 3 rund 1.500 Euro.

Stehen Betroffenen mit Pflegegrad 3 Entlastungsleistungen zu?

Ja. Pflegebedürftige mit Pflegegrad 3 erhalten monatlich einen Entlastungsbeitrag in Höhe von 125 Euro, der für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen genutzt werden kann.

Können Betroffene mit Pflegegrad 3 eine Haushaltshilfe beschäftigen?

Ja. Versicherte mit anerkanntem Pflegegrad 3 können den Entlastungsbeitrag u. a. für die Bezahlung einer Haushaltshilfe nutzen.

Bekommen Betroffene mit Pflegegrad 3 einen Zuschuss für einen Hausnotruf?

Ja. Die Pflegekasse gewährt einen monatlichen Zuschuss zum Hausnotruf bei Pflegegrad 3 in Höhe von 23 Euro für die Betriebskosten sowie einen einmaligen Zuschuss in Höhe von 10,46 Euro für die Installationskosten.

Wie legt man Widerspruch gegen Pflegegrad 3 ein?

Sofern Sie Widerspruch gegen Pflegegrad 3 einlegen möchten, müssen Sie schnell sein. Der Widerspruch gegen Pflegegrad 3 muss innerhalb von vier Wochen nach Erhalt des Bescheids der Pflegekasse eingelegt werden. Einzelheiten und Tipps erfahren Sie im Beitrag Widerspruch bei nicht genehmigtem Pflegegrad.

Ein persönliches Beratungsgespräch kann außerdem sehr helfen, die Situation besser einzuschätzen und Ihre Erfolgschancen zu erhöhen.

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Erstelldatum: 6102.01.01|Zuletzt geändert: 0202.80.72
Quelle 1: Medizinischer Dienst der Krankenversicherung (MDK)
https://www.mdk.de/versicherte/pflegebegutachtung/ (letzter Abruf am 06.05.2020)
Quelle 2: Bundesministerium für Gesundheit
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/fileadmin/Dateien/5_Publikationen/Pflege/Broschueren/PSG_Alle_Leistungen.pdf (letzter Abruf am 06.05.2020)
Quelle 3: Bundesministerium für Gesundheit
https://www.bundesgesundheitsministerium.de/pflegegrade.html (letzter Abruf am 06.05.2020)
Quelle 4: Medizinischer Dienst des Spitzenverbandes Bund der Krankenkassen e.V.
https://www.mdk.de/fileadmin/MDK-zentraler-Ordner/Downloads/10_Leistungserbringer_Pflege/2017_Fachinformation_NBA_Pflegebegutachtung.pdf (letzter Abruf am 12.05.2020)
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