Beantragen von Pflegegeld: Wo und wie stelle ich den Antrag?

Pflegegeld beantragen

Sie haben sich dafür entschieden, Ihren Angehörigen, Freund oder Nachbarn selbst zuhause zu pflegen? Damit sind Sie nicht alleine, denn mehr als zwei Drittel der 2,63 Millionen Pflegebedürftigen in Deutschland werden zuhause gepflegt. Auch der Gesetzgeber unterstützt dieses Engagement von Angehörigen und Ehrenamtlichen in Form des Pflegegeldes. pflege.de erklärt, wie Sie einen Antrag auf Pflegegeld stellen und was Sie dabei beachten müssen.

Inhaltsverzeichnis

Pflegegeldantrag – die Voraussetzungen

Die Pflegeversicherung unterstützt Sie als Pflegeperson in Ihrem täglichen Bemühen um den Pflegebedürftigen in Form des Pflegegeldes. Dabei macht es keinen Unterschied, ob Sie einen nahen Angehörigen, einen Bekannten oder Nachbarn pflegen. Welche Voraussetzungen gelten beim Pflegegeldantrag?

Für einen Antrag auf Pflegegeld müssen Sie bzw. der Pflegebedürftige folgende Voraussetzungen erfüllen:

  • Es liegt ein anerkannter Pflegegrad vor (mindestens Pflegegrad 2). Bis zum 31.12.2016 musste eine anerkannte Pflegestufe vorliegen.
  • Die Pflege wird durch nicht-professionelle Pflegepersonen (also z. B. pflegende Angehörige oder Ehrenamtliche) geleistet.

Ist der Antrag auf Pflegegeld bewilligt, überweist die Pflegekasse des Pflegebedürftigen den entsprechenden Betrag direkt auf sein Konto. Der Pflegebedürftige kann damit z. B. Sie, seine Pflegeperson, ein wenig für Ihre Leistungen und Bemühungen entschädigen.

Pflegegeldhöhe variiert nach Pflegegrad

Pflegegrad Pflegegeld pro Monat
Pflegegrad 1 Kein Anspruch
Pflegegrad 2 316 €
Pflegegrad 3 545 €
Pflegegrad 4 728 €
Pflegegrad 5 901 €

Fortzahlung des Pflegegeldes bei Krankenhausaufenthalt

Dieses Pflegegeld wird auch für bis zu vier Wochen weiterhin gezahlt, wenn der Pflegebedürftige zeitweise im Krankenhaus oder in einer Rehabilitationsklinik versorgt wird. Eine Fortzahlung des Pflegegeldes für bis zu vier Wochen ist auch dann gewährleistet, wenn der Pflegebedürftige zusätzlich professionelle häusliche Krankenpflege in Anspruch nimmt, weil er dadurch einen Krankenhausaufenthalt verhindern kann.

Dauert der stationäre Aufenthalt in einer Einrichtung länger als vier Wochen an, so ruht der Anspruch auf Pflegegeld, bis der Pflegebedürftige wieder in seiner Wohnung ist bzw. bis die häusliche Krankenpflege beendet ist.

Info
Kurz- oder Verhinderungspflege

Nimmt der Pflegebedürftige eine Kurzzeit- oder Verhinderungspflege in Anspruch, kann er für maximal sechs (Verhinderungspflege) bzw. acht Wochen (Kurzzeitpflege) im Kalenderjahr trotzdem weiterhin die Hälfte des Pflegegeldes beanspruchen.

Antrag auf Pflegegeld stellen: So geht’s

  • Wo beantrage ich Pflegegeld?

Nicht Sie als Pflegeperson beantragen das Pflegegeld, sondern der Pflegebedürftige selbst muss den Antrag bei seiner zuständigen Pflegekasse stellen. Wenn er dazu nicht in der Lage ist, kann er jemanden dazu schriftlich bevollmächtigen. Die Pflegekasse ist immer der Krankenkasse des Pflegebedürftigen angegliedert.

  • Wie beantrage ich Pflegegeld?

Tatsächlich kann der Antrag auf Pflegegeld ganz formlos geschehen, etwa durch einen Anruf bei der Pflegeversicherung oder einen kurzen Brief. Danach wird die Pflegekasse dem Pflegebedürftigen ein Formular zuschicken, das er bzw. ein von ihm schriftlich Bevollmächtigter ausfüllt und an die Pflegekasse zurückschickt.

  • Wann beantrage ich Pflegegeld?

Den Pflegegeldantrag stellen Sie in der Regel automatisch, wenn Sie einen Pflegegrad beantragen. Genau genommen handelt es sich hierbei um einen Antrag auf Pflegeleistungen.

Alternativ stellen Sie den Antrag auf Pflegegeld, wenn Sie die Pflegeleistungen wechseln möchten – also von Pflegesachleistung zu Pflegegeld.

Info
Krankenhaus muss über möglichen Pflegegeld-Anspruch informieren

Sollte es sich nach oder während eines Krankenhausaufenthaltes bereits abzeichnen, dass ein Patient pflegebedürftig wird oder bereits ist und Anspruch auf Pflegeleistungen hat, ist das Krankenhaus verpflichtet entsprechend zu informieren und zu beraten. Dies entschied das Bundessozialgericht im Juni 2021 in einem Fall, indem ein Patient durch eine Gehirn OP pflegebedürftig wurde. Im Urteil wurde festgelegt, dass die Pflegekasse das Pflegegeld rückwirkend an die Klägerin auszahlen muss.(1) Es ist die Pflicht der Krankenhäuser mit Einwilligung des Versicherten die Pflegekasse zu benachrichtigen, wenn sich ein Pflegefall abzeichnet (§ 7 Abs 2 Satz 2 SGB XI). Die Pflegekasse wiederum ist verpflichtet, den Versicherten schnellstmöglich die ihm zustehende Leistung zur Verfügung zu stellen (§ 17 Abs 1 Nr. 1 SGB I). Grundsätzlich gilt jedoch, dass Pflegeleistungen ab dem Tag der Antragsstellung auf Pflegeleistungen bezahlt werden. Rückwirkende Zahlungen werden nicht getätigt. Mehr zu den unterschiedlichen Pflegegraden erfahren Sie in unserer Themenwelt zu den Pflegegraden.

Pflegegeldantrag bewilligt – So geht es jetzt weiter

Genehmigt die Pflegekasse den Antrag auf Pflegegeld des Versicherten, so erhält er eine weitere Auswahlmöglichkeit: Er kann neben pflegenden Angehörigen auch die professionelle Pflege von Pflegekräften in Anspruch nehmen. Vielleicht steht das auch bei Ihrem Angehörigen zur Auswahl, um die häusliche Pflege durch Angehörige zu flankieren. Der Gesetzgeber bzw. die Pflegekassen sind auf dieses Szenario vorbereitet und gewähren die Möglichkeit, Pflegegeld (für Pflege durch Angehörige) und Pflegesachleistungen (für die Pflege durch einen ambulanten Dienst) zu kombinieren. In diesem Fall spricht man von der sog. Kombinationsleistung.

Die Höhe des Pflegegeldes und der Pflegesachleistung werden in Kombination nicht mehr in vollem Maße ausgezahlt, sondern anteilig aufeinander abgestimmt. Dabei gilt folgender Grundsatz: Der Anspruch auf Pflegegeld verringert sich um den Prozentsatz der genutzten Sachleistungen.

Info
Beispiel für die Berechnung der Kombinationsleistung aus Pflegegeld und Pflegesachleistungen

Ein Pflegebedürftiger mit Pflegegrad 2 hat einen Anspruch auf Pflegesachleistungen in Höhe von monatlich 724 Euro. Davon nimmt er 80 Prozent, also 579,20 Euro, für Leistungen eines ambulanten Dienstes in Anspruch. Nun besteht noch ein Anspruch auf Pflegegeld in Höhe von 20 Prozent. Das Pflegegeld bei Pflegegrad 2 beträgt 316 Euro, 20 Prozent davon sind 63,20 Euro. Diesen Betrag erhält der Pflegebedürftige zur freien Verfügung direkt auf sein Konto. Das Geld für die Pflegesachleistungen erhält dagegen der ambulante Pflegedienst, der direkt mit der Pflegekasse abrechnet.

Pflegegeld beantragen ohne Pflegegrad?

Nicht selten erleben Sie mit, wie ein Nachbar oder Angehöriger hilfsbedürftiger wird. Erst fällt nur das Treppensteigen schwer, dann das Einkaufen, und plötzlich sind auch Arztbesuche nicht mehr ohne fremde Hilfe möglich. Vielleicht springen Sie ein, begleiten ihn und helfen so gut wie Sie können. Das kostet Sie Zeit, Mühe, gute Planung und viel Engagement. Und es ist auch der Punkt, an dem Sie über einen Antrag auf Pflegegeld nachdenken bzw. mit dem Betroffenen darüber sprechen sollten.

Auch wenn noch kein Pflegegrad vorliegt, kann der Pflegebedürftige bereits einen Antrag auf Pflegegeld bei seiner Pflegeversicherung stellen. Das gleicht dem normalen Antrag auf Pflegegrad. Es folgen der Besuch und das Gutachten des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK; bei gesetzlich Versicherten) oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten). Auf dieser Basis wird die Pflegekasse des Pflegebedürftigen entscheiden, ob und welchen Pflegegrad sie ihm anerkennt.

Info
Beratung vor Gutachter-Termin

Bevor der MDK-Gutachter kommt, sollten Sie bzw. der Pflegebedürftige eine Pflegeberatung in Anspruch nehmen, vielleicht auch einen Pflegestützpunkt besuchen. Der Besuch des Gutachters ist bares Geld wert, denn die Empfehlung des Experten wird den Pflegegrad – und damit auch die Leistungen der Pflegeversicherung – maßgeblich beeinflussen. Deshalb empfiehlt sich eine gute Vorbereitung, damit die Zuweisung eines Pflegegrads auch wirklich klappt. Zur Vorbereitung auf den Besuch des Gutachters von MDK oder MEDICPROOF empfiehlt sich die Nutzung des kostenlosen Pflegegradrechners von pflege.de.

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Erstelldatum: 6102.50.2|Zuletzt geändert: 2202.80.61
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Urteil Bundesozialgericht
www.bsg.bund.de/SharedDocs/Verhandlungen/DE/2021/2021_06_17_B_03_P_05_19_R.html (letzter Abruf am 19.07.2021)
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