Rollstuhl

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Rollstühle sind für behinderte wie auch alte Menschen unentbehrlich, die nicht mehr selbst laufen können oder dafür zu schwach sind. Mit einem Rollstuhl sind sie wieder mobil, können am gesellschaftlichen Leben teilnehmen und gewinnen ein Stück Lebensqualität zurück. pflege.de stellt unterschiedliche Modelle von Rollstühlen vor und gibt Tipps, worauf man bei der Auswahl achten sollte.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Rollstuhl? – Definition

Ein Rollstuhl zählt genau genommen nicht mehr zu den Gehhilfen, da der Betroffene das Hilfsmittel ja nicht mehr zum Gehen nutzt, sondern sich darauf sitzend fortbewegt. Laut Definition ist das Hilfsmittel Rollstuhl

ein Sitz auf vier Rädern, der entweder mit Muskelkraft oder elektrisch angetrieben wird.

Er macht Personen mobil, die wegen einer körperlichen Einschränkung nicht oder zeitweise nicht gehen können. Allerdings gibt es nicht „den“ Rollstuhl, sondern eine Vielzahl von Rollstühlen, die sich oft erheblich voneinander unterscheiden. Eine grundlegende Unterscheidung ist jene zwischen manuellem und elektrischem Antrieb. Wichtig bei allen Modellen ist aber, dass sie gut zum Betroffenen passen, er sich damit sicher fühlt und den Rollstuhl ohne große Belastung nutzen kann.

Rollstühle sind im Hilfsmittelverzeichnis der Krankenkassen als Krankenfahrstuhl gelistet und zählen in die Kategorie der Kranken-/Behindertenfahrzeuge.

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Suchen Sie im Hilfsmittelverzeichnis

Wenn Sie mit der Krankenversicherung für sich oder Ihren Angehörigen über einen Rollstuhl sprechen und sich zuvor im Hilfsmittelverzeichnis darüber informieren wollen, sollten Sie bei der Produktsuche nicht „Rollstuhl“, sondern besser „Pflegerollstuhl“, „Leichtgewichtrollstuhl“ oder „Schieberollstuhl“ verwenden. Die Produktbezeichnung „Rollstuhl“ ergibt keinen Treffer.

 

Manuelle Rollstühle: mobil dank Muskelkraft

Manuelle Rollstühle werden allein mit Muskelkraft bewegt. Neben manuellen Modellen gibt es auch Schieberollstühle, bei denen eine Begleitperson den Antrieb übernimmt, und Trippelrollstühle, bei denen die Füße zum Einsatz kommen. Manuelle Rollstühle unterteilen sich in Standardrollstuhl, Multifunktionsrollstuhl/Pflegerollstuhl, Leichtgewichtrollstuhl und Aktivrollstuhl. Die Unterschiede liegen nicht nur im Preis, sondern vor allem in der Variabilität.

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1. Standardrollstuhl

Ein Standardrollstuhl besitzt nur die notwendige Ausstattung und ist relativ schwer. Selbst beim Schieben kann die Begleitperson schon mal an ihre Grenzen stoßen.

  • stabil und langlebig
  • preiswert
  • lässt sich zusammengeklappt im Pkw transportieren
  • gut geeignet für den gelegentlichen Einsatz als Transportrollstuhl
  • relativ schwer
  • kaum Zusatzausstattung verfügbar

2. Multifunktionsrollstuhl

Ein Multifunktionsrollstuhl lässt sich individuell anpassen, sodass längeres Sitzen beschwerdefrei möglich ist. Allerding ist dieses Modell recht sperrig und daher z. B. weniger für den Transport im Pkw geeignet.

  • viele Ausstattungs- und Einstellvarianten
  • ideal als Lagerungshilfe
  • gut geeignet für schwer pflegebedürftige Menschen
  • relativ schwer und sperrig

3. Leichtgewichtrollstuhl

Dagegen ist ein Leichtgewichtrollstuhl – wie der Name schon sagt – ein Leichtgewicht, bringt gerade mal 14 bis 19 Kilogramm auf die Waage. Da sich auch die Räder abnehmen lassen, ist er ideal für den Transport im Auto geeignet. Doch auch wenn sie leichter sind als Standardrollstühle: Sie verlangen immer noch eine gehörige Portion Muskelkraft, um sie vorwärts zu bewegen.

  • leicht, weil aus Aluminium statt aus Stahl gefertigt
  • wendig und individuell anzupassen
  • ideal für den Transport im Pkw
  • gut geeignet während der Rehabilitation (z. B. nach einem Schlaganfall)
  • teuer
  • stellt höhere Anforderungen an den Benutzer, weil die Wendigkeit kontrolliert sein will

4. Aktivrollstuhl

Leichter, wendiger und faltbarer sind Aktivrollstühle, die häufig im Behindertensport zum Einsatz kommen. Manches Hightech-Modell wiegt gerade mal sieben Kilo. Außerdem verlangen Aktivrollstühle weniger Kraft, um sich darin fortzubewegen. Das ist nicht nur ideal, wenn Sie sich selbst fortbewegen, sondern auch hilfreich, wenn Sie Ihre Angehörigen oft und über längere Strecken im Rollstuhl schieben wollen.

  • extrem wendig
  • sehr leicht (ab 7 kg)
  • individuell anpassbar
  • große Auswahl an unterschiedlichen Designs
  • kippt durch die Bauart leicht um
  • Nicht geeignet für Menschen mit Pflegebedarf, wenn sie ihn allein benutzen müssen.
Tipp

Wenn Sie mit Ihrer Krankenversicherung über die Anschaffung eines besonderen Rollstuhls verhandeln, sollten Sie gut argumentieren können. Begriffe wie „beschwerdefreier“ oder „druckentlastender“ klingen überzeugender als „bequem“ oder „komfortabel“.

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Wie Muskelkraft eingesetzt wird

Bei manuellen Rollstühlen gibt es noch eine weitere Unterscheidung: Die Art und Weise, wie die Muskelkraft eingesetzt wird, macht auch unterschiedliche Bauarten nötig. So unterscheidet der Experte zwischen

  • Greifrollenrollstuhl: Der Rollstuhlfahrer sorgt mit der Kraft seiner Arme selbst dafür, dass er vorwärtskommt.
  • Handhebelrollstuhl: Der Rollstuhlfahrer sorgt mit der Kraft seiner Arme dafür, dass er vorwärtskommt. Doch statt an die Räder greift er bei diesem Modell zu zwei Handhebeln, die er vor- und zurückbewegt.
  • Schieberollstuhl: Ein Begleiter schiebt den Rollstuhlfahrer voran.
  • Trippelrollstuhl: Beim Trippelrollstuhl ist die Sitzfläche so niedrig, dass der Rollstuhlfahrer gut mit beiden Füßen auf den Boden kommt und sich durch Trippelschritte mit den Füßen vorwärtsbewegen kann.

Manueller Rollstuhl vs. Elektrorollstuhl

  • Manueller Rollstuhl

Ein guter manueller Rollstuhl, den man aus eigener Kraft bewegen kann, bringt einen fast überall hin: Damit sind Rollstuhlfahrer mobil und kommen problemlos durch die Gänge im Supermarkt oder im Warenhaus. Mit dem richtigen Training überwinden sie auch kleinere Barrieren, finden in Bus und Bahn Platz.

  • Elektrorollstuhl

Ein Elektrorollstuhl ist dagegen teurer, sperriger und braucht selbst im Zuhause etwas mehr Platz. Womöglich muss er sogar draußen parken und der Betroffene braucht eine entsprechende Abstellfläche. Auch sein Transport ist eher aufwendig, denn in einen normalen Pkw lässt er sich nicht mehr verladen – zum einen wegen seiner Ausmaße, zum anderen wegen seines Gewichts von über 100 Kilogramm. Was den Elektrorollstuhl aber so einzigartig macht, ist, dass er Kraft spart. Kraft, die viele Rollstuhlfahrer womöglich für anderes brauchen oder schlicht nicht mehr haben.

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Rollstühle günstig kaufen?

Viele Rollstühle lassen sich online meist günstig beschaffen. So finden Sie bei unserem Partner ClaraVital – einem Online-Sanitätshaus – Rollstühle und viele weitere Produkte zur Mobilitätsförderung, die das Leben erleichtern. Erhalten Sie mit pflege.de zudem einen Gutschein in Höhe von 5 Euro (Gutschein-Code: pflege-de), den Sie bei der Bestellung angeben. Jetzt Produkte entdecken im Shop von ClaraVital.

Wenn Sie sich für einen Elektrorollstuhl interessieren, sollten Sie vor dem Kauf gut überlegen, ob Sie bzw. Ihr Angehöriger diesen Rollstuhl eher drinnen oder eher draußen nutzen wollen.

  • Elektrorollstühle für den Innenbereich („Indoor-Modelle“) sind etwas leichter und wendiger. Sie brauchen eine kleine Batterie und ihre kompakteren Abmessungen sorgen dafür, dass man auch Türen und Flure bequem passieren kann.
  • Elektrorollstühle für den Außeneinsatz („Outdoor-Modelle“) haben größere Antriebsräder, was sie weniger wendig macht. Sie brauchen eine Beleuchtung und vor allem Batterien mit mehr Kapazität, damit sie sicher von A nach B kommen. All diese Erfordernisse machen Elektrorollstühle für den Außeneinsatz sperriger, schwerer und damit auch teurer. Mehrere tausend Euro sind keine Seltenheit.

Doch die Vorteile eines Elektrorollstuhls wiegen so manche Erschwernis auf:

  • Sie sind ideal für Menschen, die sich nicht aus eigener Kraft mit dem Rollstuhl fortbewegen können.
  • Sie können selbstständiger am Leben teilnehmen.
  • Sie sind nicht darauf angewiesen, dass Sie jemand schiebt, sondern Sie entscheiden, wohin Sie gehen und wann Sie das tun.
Tipp

Auf das richtige Sitzen kommt es an! Wer viele Stunden am Tag in seinem Rollstuhl sitzt, braucht z. B. eine Sitzwinkel- oder eine Rückenwinkelverstellung. Auch das passende Sitzkissen muss gefunden werden. Solche Anpassungsarbeiten leistet ein Sanitätshaus, aber auch Sie selbst können etwas tun: Achten sie täglich darauf, ob sich nach dem Rollstuhlfahren Druckstellen gebildet haben. Handeln Sie sofort und sorgen Sie für Abhilfe, damit das Rollstuhlfahren für Sie bzw. Ihren Angehörigen wieder beschwerdefrei möglich ist.

Rollstühle mit Motor

Wenn es kein Elektrorollstuhl sein soll, aber ein herkömmlicher Rollstuhl Sie oder Ihren Angehörigen vor Herausforderungen stellt, ist ein Motor eine gute Idee. Fast jedes manuelle Rollstuhlmodell lässt sich nachrüsten: Batteriebetriebene Motoren an den Rädern sorgen dafür, dass der Rollstuhlfahrer Muskelkraft spart oder die Begleitperson, die schiebt, entlastet wird, wenn es bergauf geht.

Ein großer Vorteil beim Rollstuhl mit Motor ist, dass dieser Rollstuhl für den Transport einfach zusammengeklappt werden kann. So reicht ein normaler Kombi aus, um den Rollstuhl zu transportieren. Allerdings erhöhen die Batterien für den E-Antrieb das Gewicht der Räder deutlich (beim e-motion Rollstuhl wiegt ein Rad z. B. über 10 kg), was wiederum Kraft beim Ein- und Ausladen erfordert.

Die Nachteile eines Rollstuhls mit Motor sind zum einen der hohe Preis von mehreren tausend Euro, zum anderen die Technik: Ohne Fernbedienung und gründliche Einweisung wird die Nutzung leicht gefährlich.

Rollstuhl mit Schiebehilfe

Statt eines Motors lässt sich in vielen Fällen auch eine batteriebetriebene Schiebehilfe an fast jeden Rollstuhl montieren. Der Fachhandel bietet ab ca. 2.000 Euro unterschiedliche Varianten an. Allerdings werden die Schiebehilfen fest montiert (durch den Fachhandel). Sie können sie also nicht selbst abmontieren, um den Rollstuhl z. B. im Pkw zu transportieren oder über Stufen zu heben.

Info

Welches Modell eignet sich für mich?

Ob Elektrorollstuhl, Standard- oder Leichtgewichtmodell – es ist der Einsatz, der darüber entscheidet, was Sie kaufen bzw. was Sie mit Ihrer Krankenversicherung verhandeln können. An erster Stelle steht immer das Gespräch mit dem Arzt, an zweiter das Gespräch mit der Krankenversicherung und an dritter Stelle sollten Sie bzw. Ihr Angehöriger sich Zeit nehmen und in einem Sanitätshaus die unterschiedlichen Modelle ausprobieren. Es geht dabei nicht nur um das Sitzen, sondern auch um die Fortbewegung: Wie viel Kraft können Sie oder Ihre Begleitperson noch aufbringen? Müssen Sie den Rollstuhl transportieren? Welche Zusatzausrüstungen brauchen Sie? All das sind Fragen, die Sie in Ruhe klären sollten, bevor Sie sich für ein Modell entscheiden.

 

Breite & Maße eines Rollstuhls

Wie breit ist ein Rollstuhl? Diese Frage ist gar nicht so leicht zu beantworten, denn es gibt unterschiedliche Sitzbreiten von ca. 37 bis 52 Zentimetern. Dazu kommen noch die Maße der Rahmen und Räder und die unterschiedlichen Typen von Rollstühlen. Generell lässt sich zumindest sagen:

  • Die Gesamtbreite eines Standardrollstuhls liegt etwa zwischen 56 bis 71 cm Sitzbreite + ca. 19 cm für Armlehnen, Räder etc.
  • Bei einem Multifunktionsrollstuhl, der auch in unterschiedlichen Sitzbreiten lieferbar ist, beträgt die Gesamtbreite zwischen 67 und 75 cm.
  • Bei XXL-Rollstühlen, die für schwerere Menschen konzipiert sind, können es durchaus ein paar Zentimeter mehr sein.
Tipp

Bevor Sie einen Rollstuhl bestellen, sollten Sie mit dem Zollstock einmal die Breite Ihrer Innentüren abmessen. Die Türbreiten haben zwar Standardmaße, aber die beginnen bei ca. 61 cm. Das kann im Einzelfall knapp werden.

 

Gewicht eines Rollstuhls

Ein simpler Standardrollstuhl bringt locker 20 kg auf die Waage. Ein Pflegerollstuhl oder Multifunktionsrollstuhl kommt schon auf rund 30 kg. Dabei kann ein Rollstuhl leicht sein, sogar sehr leicht. Leichtgewichtrollstühle wiegen ca. 15 kg. Aktivrollstühle in der Hightech-Variante wiegen kaum 7 kg. Sie sind nicht nur kräftesparend zu bewegen, sondern erweisen sich auch bei einem Transport als variabler.

Rollstuhl-Räder

Im Normalfall verfügt ein Standardrollstuhl über Vollgummireifen. Das macht diese Räder zwar pannensicher, aber auch schwerer beweglich. Außerdem sind Vollgummireifen nicht wirklich komfortabel, sondern rollen eher steif über Unebenheiten.

Wer mit seinem Rollstuhl gerne auch draußen unterwegs ist, für den können sich luftgefüllte Reifen als die bessere Wahl erweisen. Eine Luftbereifung ist nicht nur komfortabler, sie punktet auch noch bei anderen Faktoren:

  • geringer Rollwiderstand
  • hohe Haltbarkeit
  • abriebfest
Tipp

Reifen lassen sich übrigens nicht nur mit Luft füllen, sondern auch mit Stickstoff – das ist pannensicherer. Im Übrigen sollte ein kleines Pannenset nie fehlen, wenn Sie mit luftgefüllten Reifen unterwegs sind, z. B. eine Flasche „Reifenpilot“, ein Dichtungsmittel, das ein Loch rasch abdichtet.

Klappbare / faltbare Rollstühle

Es ist ganz egal, ob Sie den Rollstuhl nur gelegentlich oder ständig brauchen, ob Sie nur im Haus oder auch im Wohnviertel unterwegs sind. Ein klapp- oder faltbarer Rollstuhl hat u. a. diese Vorteile:

  • Er nimmt wenig Raum ein, wenn er nicht gebraucht wird.
  • Er lässt sich einfach im Pkw transportieren und hält Sie auch an anderen Orten mobil.

Oft lassen sich Faltrollstühle zusammenklappen, indem ganz einfach die Sitzfläche nach hinten angehoben wird. Achten Sie auf einen möglichst einfach zu bedienenden Faltmechanismus.

Es gibt auch Faltrollstühle, deren Räder sich mit einem einfachen Mechanismus an- und abstecken lassen. Damit stellt ein Rollstuhl keine großen Ansprüche mehr an die Kapazität Ihres Autos.

Rollstuhl kaufen – Entscheidungshilfe

Vor dem Kauf eines Rollstuhls sollten Sie zunächst Ihr individuelles Anforderungsprofil bzw. das Ihres bedürftigen Angehörigen detailliert aufschreiben. Ein Besuch in einem Sanitätshaus hilft hier schon weiter. Auch während einer Rehabilitation (etwa nach einem Schlaganfall) können Sie bzw. kann Ihr Angehöriger ausprobieren, welches Rollstuhlmodell besonders gut geeignet ist. Diese Fragen sollten Sie am Ende Ihrer Auflistung geklärt haben:

  1. Wofür brauchen Sie einen Rollstuhl? Werden Sie ihn innerhalb der Wohnung oder auch außerhalb nutzen?
  2. Wie viel Kraft können Sie noch aufbringen? Reicht die Muskelkraft Ihrer Arme oder brauchen Sie Unterstützung durch einen Motorantrieb?
  3. Brauchen Sie besondere Zusatzausstattungen (etwa für druckentlastendes Sitzen?)
  4. Sollte der Rollstuhl transportabel sein, weil Sie ihn auch mitnehmen wollen (z. B. in den Urlaub?)
  5. Welche Sicherheitseinrichtungen braucht der Rollstuhl? Bremsen, Sitzhilfen, Stabilität, Bedien- und Bremsfunktionen?

 

Je genauer Sie Ihre Anforderungen kennen, desto passgenauer kann Ihnen Ihr Arzt eine Verordnung ausschreiben. Das erspart Ihnen langwierige Nachverhandlungen mit Ihrer Krankenversicherung.

Info

Rollstuhl zur Probe fahren

Sicherlich offeriert das Internet eine Fülle von unterschiedlichen Rollstühlen. Doch Hand aufs Herz: Würden Sie ein Fahrrad oder Auto ohne Probefahrt kaufen? Sicherlich nicht. Auf die gute Beratung im Sanitätshaus sollten Sie daher vor einem Rollstuhlkauf nicht verzichten, genauso wenig wie auf die individuelle Anpassung Ihres Rollstuhls.

Rollstuhl leihen & mieten

Häufig müssen Sie einen Rollstuhl gar nicht kaufen, sondern mieten oder leihen ihn einfach. Gerade bei Standardmodellen wird Ihnen Ihre Krankenversicherung ein Sanitätshaus vermitteln, bei dem Sie Ihren Rollstuhl ausleihen können. Wenn Sie ihn nicht mehr brauchen, wird er vom Sanitätshaus wieder abgeholt und an den nächsten verliehen. Ihre Zuzahlung liegt hier – wie bei einem Kauf – bei maximal 10 Euro.

In größeren Städten gibt es auch Experten wie z. B. einen Rollstuhlverleih. Hier können Sie tageweise die unterschiedlichsten Rollstühle mieten. Das ist ideal, wenn Sie eigentlich mit Ihrem Standardrollstuhl gut zurechtkommen und nur ausnahmsweise ein anderes Modell brauchen. Ein einfacher Faltrollstuhl kostet um die 5 Euro pro Tag, ein Elektromobil dagegen schon rund 15 Euro.

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Übernimmt die Krankenkasse die Mietgebühr?

Klären Sie vor dem Anmieten eines Rollstuhls, ob Ihre Krankenversicherung die Mietgebühren übernimmt. Und beachten Sie, dass ein gemieteter Rollstuhl nur in seltenen Fällen genau auf Sie eingestellt werden kann. Schon die Sitzbreite eines gemieteten Rollstuhls ist manchmal nicht optimal. Bei Elektromobilen kommt noch die Handhabung hinzu: Eine Einführung ist hier dringend erforderlich, damit Sie keiner Gefährdung ausgesetzt sind.

 

Rollstuhl: Kosten & Preise

Die Preise für Rollstühle beginnen ab ca. 270 Euro für ein Standardmodell. Nach oben sind fast keine Grenzen gesetzt, schließlich kann ein Elektrorollstuhl durchaus 10.000 Euro kosten – je nach Ausstattung und Modell. Die folgende Übersicht soll Ihnen eine kleine Orientierung über die Rollstuhl-Kosten geben:

Modell Preise (ab ca.)
Faltbarer Standardrollstuhl 270 Euro
Leichtgewichtrollstuhl 290 Euro
Pflegerollstuhl 895 Euro
Elektrorollstuhl 2.495 Euro

Rollstuhl über die Krankenkasse

Bei Ihrer Krankenkasse erhalten Sie den Rollstuhl auf Rezept. Sie müssen nur die gesetzliche Zuzahlung von 5 bis max. 10 Euro zahlen. Und dabei ist es egal, ob Sie ein Standardmodell für 270 Euro kaufen oder einen Elektrorollstuhl für mehrere tausend Euro.

Jede Krankenversicherung arbeitet mit einer Auswahl von Sanitätshäusern zusammen – und darauf sind auch Sie festgelegt. Es sei denn, Sie können nachweisen, dass Sie – evtl. wegen einer außergewöhnlichen Behinderung – ein Spezialgeschäft aufsuchen müssen.

Pflegerecht SGB v
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SGB V im Alter: Gesetzliche Krankenversicherung

Wenn Sie eine Verordnung für einen Rollstuhl bei der Krankenkasse einreichen, wird diese zunächst prüfen, ob das kooperierende Sanitätshaus einen gebrauchten Rollstuhl bereithält, der für Ihre Bedürfnisse bzw. die Ihres Angehörigen ausreicht.

Wenn Sie keine besonderen Anforderungen an einen Rollstuhl nachweisen können, wird Ihnen die Krankenversicherung mit ziemlicher Sicherheit das Standardmodell zur Verfügung stellen.

Wenn Sie allerdings nachweisen können, dass Sie ein besonderes, eigens auf Ihre Bedürfnisse angepasstes Modell brauchen, erstellt das Sanitätshaus einen entsprechenden Kostenvoranschlag. Akzeptiert Ihre Krankenkasse diesen Vorschlag, wird sie auch die Kosten übernehmen – abzüglich Ihrer Zuzahlung von maximal 10 Euro.

Info

Wer zahlt für Extras?

Wenn Ihre Anforderungen an einen Rollstuhl über „das Maß des Notwendigen“ hinausgehen, ist der Kostenträger (in der Regel die Krankenversicherung) nicht mehr in der Leistungspflicht. Sie können dann eine Mischfinanzierung anstreben: Ihre Krankenkasse zahlt den Standard, Sie übernehmen die Kosten, die darüber hinausgehen.

Wartung & Reparatur

In den allermeisten Fällen haben Sie den Rollstuhl mit einem Zuschuss von der Krankenversicherung erworben bzw. von einem Sanitätshaus geliehen. Ist letzteres der Fall, so kommt die Krankenversicherung auch für die Wartung bzw. Reparatur auf. Wenn Sie einen Rollstuhl erworben haben, sind Sie für die Kosten allein verantwortlich. Haben Sie sich die Kosten sozusagen mit der Krankenkasse geteilt (also einen Eigenanteil bezahlt, weil Sie ein bestimmtes Modell wollten), sollten Sie vorher mit Ihrer Krankenkasse besprechen, wer die Kosten für Wartung und Reparatur übernimmt.

Für einen herkömmlichen Rollstuhl reicht eine einmal jährliche Wartung (mit z. B. Prüfung der Bremsen etc.) aus. Für besonders ausgestattete Modelle gibt es in der Regel einen Wartungsplan vom Hersteller.

Ersatzteile für Rollstühle

Rollstühle sind oft harten Bedingungen ausgesetzt. Da kann schon mal die Bremse kaputtgehen oder ein Rad nimmt an einem Bordstein Schaden. In solchen Fällen sollten Sie das Sanitätshaus benachrichtigen und Ersatz anfordern. Die Kosten dafür erstattet Ihre Krankenkasse.

Treppenlift für einen Rollstuhl

Damit Sie in Ihrem Zuhause den Rollstuhl auch über Treppen hinweg transportieren können, gibt es im Fachhandel zwei Arten von Rollstuhlliften:

  1. Plattformlift  (nachrüstbare Rampe an der Treppe, im geklappten Zustand sehr platzsparend)
  2. Hublift (Hebebühne), v.a. für den Außenbereich

Ein Rollstuhllift im Innenbereich ist deshalb in den meisten Fällen ein Plattformlift. Er lässt sich gut an den meisten Treppen anbringen, vorausgesetzt: Diese sind mindestens 80 cm breit. Bis zu 300 kg kann ein solcher Treppenlift bewegen. Für einen normalen Rollstuhl incl. Benutzer ist das mehr als ausreichend.

Tipp

Bevor Sie einen Rollstuhl-Treppenlift kaufen, sollten Sie sich mit einem Experten beraten. Dieser kann Ihnen genau sagen, welches Modell für Ihre Situation am ehesten in Frage kommt und mit welchen Kosten Sie rechnen müssen.

In vielen öffentlichen Gebäuden gibt es häufig Rollstuhl-Hebebühnen, die sog. Hublifte. Für die Überwindung von kleineren Höhen (max. 3,00 m) sind diese Hebebühnen ideal. Ihr Vorteil besteht vor allem darin, dass der Rollstuhlfahrer sie selbstständig bedienen kann. Eine Begleitperson ist also in der Regel nicht nötig.

Die Kosten für einen Rollstuhl-Treppenlift beginnen bei ungefähr 6.000 Euro für einen Hublift und ca. 9.000 Euro für einen Plattformlift. Bedenken Sie aber: Rollstuhllifte werden bei anerkannter Pflegestufe bzw. anerkanntem Pflegegrad (ab 01.01.2017) von Ihrer Pflegekasse mit einem Zuschuss von bis zu 4.000 Euro gefördert, denn sie zählen zu den wohnumfeldverbessernden Maßnahmen.

Rollstühle für Treppen

Eine sehr gute Hilfe, um mit einem Rollstuhl eine Treppe zu überwinden, ist der Rollstuhl-Treppensteiger. Gerade bei engen, steilen oder sehr schmalen Treppen kann er einen Rollstuhllift gut ersetzen.

Allerdings sind Sie als Rollstuhlfahrer bei diesem Treppensteiger auf eine Begleitperson angewiesen, die sich mit der Technik gut auskennt. Dafür übernimmt Ihre Krankenkasse die Kosten – bis auf eine Zuzahlung von maximal 10 Euro.

Transfer in den Rollstuhl

Ein Rollstuhl ist ideal, um sich fortzubewegen. Doch vor diesem großen Plus an Mobilität steht der Transfer in den Rollstuhl.

Wie sieht es aus mit dem Transfer Bett-Rollstuhl oder gar Rollstuhl-Auto? In Pflegekursen können Sie als Angehörige lernen, wie Sie Ihren Pflegebedürftigen sicher und kräfteschonend (für Sie und ihn) von einem Ort zum anderen transferieren.

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Ein paar Hinweise sollen an dieser Stelle nicht fehlen, denn jeder gelungene Transfer ist das Ergebnis einer guten, klaren Kommunikation:

  • Sprechen Sie vor dem Transfer genau durch, wie Sie vorgehen wollen.
  • Beachten Sie die Tagesform: Sowohl beim Pflegebedürftigen als auch beim Helfer. Manchmal ist mehr Hilfe nötig, mal weniger.
  • Für die Angehörigen: Besuchen Sie Kurse zu rückenschonenden Pflegetechniken.
  • Für die Pflegebedürftigen: Sagen Sie, wenn Sie sich einmal nicht gut fühlen oder wenn Ihnen der Transfer unnötig Schmerzen bereitet.
  • Üben Sie unter Anleitung einer pflegerischen Fachkraft die unterschiedlichen Transfertechniken.
  • Nutzen Sie auch Hilfsmittel wie z.B. ein Rutschbrett für den Transfer.

Rollstühle im Test

Ob Stiftung Warentest oder andere Institutionen: Auch Rollstühle werden regelmäßig getestet und bewertet. Gute Informationen bieten aber auch Selbsthilfegruppen wie z. B. www.rollstuhlcheck.net. Das Gute an diesen Tests: Sie zeigen, worauf es eigentlich bei jedem Rollstuhl ankommt:

  • Verarbeitung
  • Qualität der Materialien
  • Bediensicherheit
  • Ergonomie
  • Technik
  • Preis-/Leistungsverhältnis

Der Rest ist dann so individuell wie der Nutzer: Dem einen ist die Reichweite der Akkus besonders wichtig, dem anderen die besonders schmalen Abmessungen und die Wendigkeit.

Zubehör für Rollstühle

Viele, auch pflegebedürftige Menschen, nutzen den Rollstuhl nicht nur im Haus, sondern fahren damit selbst durch ihr Viertel oder werden doch hin und wieder geschoben. Ein wichtiges Zubehör ist z. B. die Tasche für Rollstühle, um Einkäufe zu transportieren.

Gerade für den Einsatz draußen sollte Ihr Rollstuhl ein paar Zubehör-Artikel aufweisen, damit Sie bei Regen, Schnee und Kälte auch gut geschützt sind:

  • Regencape für Rollstühle
  • Decke für Rollstühle
  • Fußsack für Rollstühle

Ideal ist auch ein Speichenschutz für Rollstühle, damit sich nicht etwa ein langer Schal oder ein Jackenärmel darin verfangen kann.

Sitzkissen für Rollstühle gibt es viele. Doch welches für Sie das richtige ist, müssen Sie herausfinden. Bestenfalls tun Sie das gemeinsam mit Ihrem Arzt. Er kann Sie dabei beraten, wenn es z. B. um Druckentlastung geht.

Zuggerät für Rollstühle

Mehr Reichweite für den Rollstuhl – das bringt ein Zuggerät, das vor dem Rollstuhl angekoppelt wird. Die Zuggeräte werden per Akku betrieben und lassen sich einfach ankoppeln. Solche Zuggeräte sind auch im Hilfsmittelverzeichnis gelistet, werden also bei Bedarf von Ihrer Krankenkasse erstattet.

Info

Krankenkasse prüft Bedarf

Bevor Ihre Krankenkasse Ihnen ein Zuggerät bewilligt, wird sie prüfen, ob Sie mit einem Elektrorollstuhl nicht besser ausgerüstet sind. Sie müssen also nachweisen, dass Sie normalerweise mit Ihrem manuellen Rollstuhl gut zurechtkommen. Nur für Fahrten in Ihrem näheren Wohnumfeld brauchen Sie ein wenig Unterstützung.

Urlaub, Sport & Freizeit im Rollstuhl

Ob Rollstuhlbasketball, Rollstuhlsport oder Rollstuhltennis – auch für Rollstuhlfahrer gibt es ein großes Angebot an Sport- und Freizeitaktivitäten – genauso wie exakt auf sie zugeschnittene Urlaubsangebote. Das Leben als Rollstuhlfahrer verlangt sicherlich mehr Kompromisse und bedeutet oft, auf Hilfe angewiesen zu sein. Dennoch können Sie auch im Rollstuhl aktiv sein und viel für Ihre Lebensqualität und Ihre Teilhabe am gesellschaftlichen Leben tun.

 

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Erstelldatum: .22.706102|Zuletzt geändert: .52.609102
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