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Themenwelt Inkontinenz

Mehr als zehn Prozent der Deutschen sind betroffen, doch kaum jemand spricht darüber: Die Rede ist von Inkontinenz. Mehr als neun Millionen Bundesbürger sind inkontinent und haben Schwierigkeiten damit, ihre Blase oder – in selteneren Fällen – ihren Darm zu kontrollieren. Die Dunkelziffer dürfte weitaus höher liegen, da sich laut Statistik nur vier von zehn Betroffenen einem Arzt anvertrauen. pflege.de klärt umfassend über die Krankheit Inkontinenz auf.

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Inkontinenz – Definition, Formen & Ursachen

Inhaltsverzeichnis

Aus Angst vor dem „peinlichen Missgeschick“ neigen Menschen mit Inkontinenz dazu, sich immer mehr zu Hause einzuigeln. Sie gehen nicht mehr ins Theater oder Kino, verzichten auf ihr Hobby und treffen sich immer seltener mit Freunden. Der soziale Rückzug führt zu Vereinsamung und erhöht neben dem körperlichen Leiden auch die psychische Belastung. Die Folgen reichen bis zu Angstzuständen und Depressionen.

 

Doch nicht nur Scham, sondern auch mangelnde Information beziehungsweise der Irrglaube, Inkontinenz sei eine unvermeidbare Krankheit im Alter, mit der man sich abzufinden habe, verhindern allzu oft eine erfolgreiche Behandlung. Dabei lässt sich in den meisten Fällen zumindest eine Besserung erzielen und durch geeignete Inkontinenzhilfsmittel die Lebensqualität der Betroffenen entscheidend verbessern. Da die Erfolgsaussichten umso höher sind, je früher die Inkontinenz behandelt wird, sind Früherkennung und Beratung die wichtigsten Schritte auf dem Wege zur Prävention und zur Verbesserung der Symptome.

Definition: Was ist Inkontinenz?

Unter ‚Inkontinenz‘ versteht man die fehlende oder mangelnde Fähigkeit des Körpers, Harn oder Stuhl zu halten und kontrolliert abzugeben.

Wer unter Harninkontinenz oder Stuhlinkontinenz leidet, hat laut Definition Schwierigkeiten, seinen Urin oder Stuhl zu halten. Laut Experten beinhaltet das auch die Fähigkeit, Bedürfnisse zu kommunizieren, um Hilfestellungen zu erhalten, wenn Einschränkungen beim selbstständigen Toilettengang vorliegen.

Für Harninkontinenz hat sich im allgemeinen Sprachgebrauch auch der Begriff „Blasenschwäche“ oder „schwache Blase“ etabliert. Harninkontinenz kann in allen Altersstufen auftreten – auch in jungen Jahren –, nimmt jedoch im Alter stark zu. In den meisten Fällen ist die Inkontinenz selbst keine Erkrankung, sondern ein Symptom einer Erkrankung der Harnorgane, der Nerven oder des Gehirns.

Aufbau und Funktion des Harnsystems

Um zu verstehen, wie es zu einer Inkontinenz kommt, muss man wissen, wie unser Harnsystem funktioniert: Unser Körper produziert über die Nieren, die unser Blut – ähnlich wie eine Kläranlage – filtern, reinigen und von überflüssigem Wasser befreien, fortlaufend Urin. Aufgabe unserer Blase ist es, diesen Harn im Zusammenspiel mit der Harnröhre und den Blasenschließmuskeln über mehrere Stunden zu sammeln, um ihn anschließend nach außen zu transportieren und so unseren Körper zu entgiften. Die Blase ist dehnbar wie ein Luftballon und fasst bis zu einem Liter Urin. Ist ein bestimmter Füllungszustand erreicht, steigt der Druck und die Blasenwand dehnt sich aus. Das registrieren die dort sitzenden sensiblen Rezeptoren und senden über die Nervenbahnen des Rückenmarks eine entsprechende Botschaft an unser Gehirn, das mit Harndrang reagiert. Anschließend bleibt noch genügend Zeit, um eine Toilette aufzusu­chen und die Entleerung der Blase willentlich einzuleiten. Bis dahin sendet unser Gehirn hemmende Signale. Gesunde können den Harndrang selbst bei maximal gefüllter Blase noch drei bis fünf Minuten unterdrücken. Bei einer Blasenschwäche hat der Betroffene hierüber allerdings keine Kontrolle mehr.

Ein starker Beckenboden unterstützt die Blase

Auch wenn man sie nicht sieht und die meisten Menschen sie nicht einmal spüren, spielt die Beckenbodenmuskulatur in unserem Körper eine wichtige Rolle. Denn sie trägt nicht nur die Blase und andere Organe des unteren Bauch­raums, sondern ist auch für eine einwandfreie Blasenfunktion wichtig. Die Beckenbodenmuskulatur formt den äußeren und bewusst kontrollierbaren Schließmuskel für die Blase. Zusammen mit dem inneren Schließmuskel am Blasenhals, welcher sich nicht bewusst steuern lässt, hält er das Speicherorgan im Bereich der Harnröhre dicht. Um die Blase zu entleeren, erteilt unser Gehirn der Blasenmuskulatur den Befehl, sich zusammenzuziehen, und dem Schließmuskel und der Blase den Befehl, sich zu entspannen. Die Muskulatur gibt daraufhin die Öffnung zur Harnröhre frei und die Blase entleert sich. Ist der komplexe Vorgang der bewussten Entleerung an nur einer Stelle gestört, funktioniert diese Kontrolle nicht mehr und es kommt zu einer Blasenschwäche.

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Das Wichtigste in Kürze

Die Aufgabe des Beckenbodens: Bei der Blasenentleerung nimmt der Beckenboden drei Aufgaben wahr:

  • Anspannen: Während sich der Urin in der Blase sammelt, verschließt die Beckenbodenmuskulatur die Harnröhre.
  • Entspannen: Damit sich die Blase entleeren kann, muss sich der Beckenboden entspannen. Nach der Entleerung nimmt die Spannung der Beckenbodenmuskulatur langsam wieder zu.
  • Gegenhalten: Der Beckenboden muss jedem Druck, der im Bauchraum entsteht, standhalten können. Zum Beispiel beim Niesen oder Tragen von schweren Lasten.
Info

Führen Sie ein Toiletten- und Trinkprotokoll

Hilfreich für die Diagnose einer Inkontinenz ist ein Trink- und Toilettentagebuch, auch Miktionsprotokoll genannt: Notieren Sie einige Tage lang, wann Sie Wasser lassen mussten, wie stark der Harndrang war, ob es zu einem unwillkürlichen Harnabgang kam und notieren Sie Ihre Trinkmengen. Ein kostenloses Muster zum Download bietet pflege.de.

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Inkontinenzformen und Inkontinenzarten

Ärzte unterscheiden, je nach Ursache, verschiedene Formen der Harninkontinenz. Die häufigsten sind:

  • Belastungsinkontinenz / Stressinkontinenz
  • Dranginkontinenz
  • Mischinkontinenz
  • Reflexinkontinenz
  • Überlaufinkontinenz
  • Enuresis nocturna
  • Funktionelle Inkontinenz
  • Stuhlinkontinenz

Belastungsinkontinenz / Stressinkontinenz

Bei körperlicher Anstrengung, zum Beispiel beim Heben, Husten, Lachen und Niesen kommt es zum unkontrollierten Urinverlust. Dieser kündigt sich nicht durch Harndrang an. Ursache der Stressinkontinenz ist, dass die Beckenbodenmuskulatur geschwächt ist, sodass der Schließmuskel der Harnröhre nicht mehr richtig funktioniert. Betroffen sind mehr Frauen als Männer – rund 70 Prozent sind weiblich.

Ursachen bei Frauen: Bei Frauen sind die Haltebänder des Beckenbodens durch eine Schwangerschaft oder die Wechseljahre überdehnt oder erschlafft.

Ursachen bei Männern: Bei Männern sind häufig die äußeren Blasenschließmuskeln durch eine OP oder einen Unfall geschädigt.

TIPP: Bei einer Belastungsinkontinenz hilft regelmäßiges Beckenbodentraining. In schweren Fällen kommt auch eine Operation in Frage.

Dranginkontinenz

Die Betroffenen verspüren einen überfallartigen, nicht kontrollierbaren (imperativen) Harndrang, obwohl die Blase nur wenig gefüllt ist. Die Dranginkontinenz tritt bei Männern häufiger auf als bei Frauen.

Man unterscheidet zwei Formen der Dranginkontinenz:

1. Sensorische Dranginkontinenz („überempfindliche Blase“)
Ursachen:
Entzündungen an der Blase, Blasensteine, Harnwegsentzündung, Tumore, vergrößerte Prostata bei Männern oder Östrogenmangel bei Frauen

2. Motorische Dranginkontinenz („überaktive Blase“)

Ursachen: Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose, Schlaganfall

TIPP: Ist eine Entzündung die Ursache für eine Dranginkontinenz, sollte diese im Körper bekämpft werden. Trinken Sie daher viel und am besten Tees und Cranberry-Saft, der den Urin „ansäuert“.

Mischinkontinenz

Laut Definition der Internationalen Kontinenz-Gesellschaft bezeichnet man jede Inkontinenz, die sowohl Symptome einer Drang- als auch die einer Belastungsinkontinenz aufweist, als Mischinkontinenz. Sie tritt besonders in höherem Alter und bei Frauen auf. Betroffene leiden unter einem plötzlich auftretenden und starken Harndrang und unkontrolliertem Urinverlust in Folge von Lachen, Husten oder Treppensteigen.

TIPP: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt darüber, welche Ursachen und Symptome Sie zuerst behandeln können.

Reflexinkontinenz

Betroffene einer Reflexinkontinenz verlieren aufgrund unkontrollierbarer Nervenreflexe Urin, ohne einen Harndrang zu verspüren. Die Nervenbahn zwischen Blase und Gehirn ist unterbrochen, das Signal „Blase voll“ wird also nicht mehr an das Gehirn gesendet, so dass sich der Blaseninhalt ohne jegliche Vorwarnung entleert.

Man unterscheidet zwei Formen der Reflexinkontinenz:

  1. Spinale Reflexinkontinenz

Ursachen: Querschnittslähmung, Multiple Sklerose, Verletzungen im Rückenmark

2.    Supraspinale Reflexinkontinenz

Ursachen: Alzheimer, Parkinson

Überlaufinkontinenz

Die Harnblase kann sich aufgrund einer blockierten Harnröhre oder durch eine schwache Muskulatur beim Toilettengang nicht mehr vollständig entleeren. Dadurch fühlt sie sich dauerhaft gefüllt an und kann „überlaufen“. An Überlaufinkontinenz leiden häufig Männer mit einer vergrößerten Prostata, die die Harnröhre abdrückt.

Ursachen: verengte Harnröhre, Verdickung der Blasenwand, Stoffwechselstörungen, Prostatavergrößerung bei Männern

Enuresis nocturna

Enuresis nocturna ist die medizinische Bezeichnung für nächtliches Einnässen. Bettnässen kommt nicht nur bei Kindern, sondern auch bei Erwachsenen vor. Neue Studien zeigen, dass zwischen 1,5 und 5 Prozent der Männer und Frauen über 18 Jahren nachts Urin verlieren.

Funktionelle Inkontinenz

Die funktionelle Inkontinenz ist eine Form der Inkontinenz, bei der normalerweise kontinente Menschen nicht in der Lage sind, die Toilette rechtzeitig aufzusuchen. Diese Art der Inkontinenz liegt vor, wenn kognitive Einschränkungen (z. B. Demenz) oder Mobilitäts- und Orientierungsschwierigkeiten (in einer ungewohnten Umgebung, z. B. im Krankenhaus oder im Pflegeheim) bestehen, der Urogenital-Trakt aber nicht krankhaft verändert ist.
Neben der Harninkontinenz gibt es auch die Stuhlinkontinenz, d. h. die fehlende oder mangelnde Fähigkeit des Körpers, Stuhl zu halten oder kontrolliert abzugeben.

Stuhlinkontinenz

Wie bei der Harninkontinenz gibt es auch bei der Stuhlinkontinenz Fälle, bei denen der Betroffene zwar den Stuhlgang bemerkt, es aber nicht rechtzeitig zur Toilette schafft und solche, bei denen er nichts spürt und die Darmentleerung nicht bewusst steuern kann. Die Stuhlinkontinenz betrifft Männer und Frauen gleichermaßen.

TIPP: Wenn Sie oder ein Angehöriger zu den Betroffenen gehören, vertrauen Sie sich unbedingt einem Arzt an. Er kann herausfinden, welche Form der Inkontinenz vorliegt und so nicht nur der Ursache auf die Spur kommen, sondern auch die individuell beste Therapie für Sie finden.

Ursachen der Inkontinenz: eine Störung, viele Ursachen

Damit der Harndrang kontrolliert und reibungslos funktioniert, müssen Zentren in Gehirn und Rückenmark, beteiligte Muskeln und Nerven intakt sein und sinnvoll zusammenarbeiten. Eine ganze Reihe von Ursachen können dieses fein aufeinander abgestimmte System stören.

  • Krankheiten der Organe und Nerven – Blasenschwäche ist oft ein Symptom

Häufig führen Krankheiten an den Organen wie eine Harnwegsentzündung, Blasensteine, eine Verengung der Harnröhre oder bei Männern eine vergrößerte Prostata zu einer Blasenschwäche. Die Folge ist oft eine Dranginkontinenz, bei der die Blase überaktiv ist.

Eine Inkontinenz kann aber auch auftreten, wenn Nervenimpulse zu schwach sind, so dass es Betroffenen nicht mehr gelingt, den Harndrang zu kontrollieren. Dies ist häufig der Fall bei Krankheiten wie Alzheimer, Parkinson, Multipler Sklerose, infolge eines Schlaganfalls oder einer Querschnittslähmung nach einem Unfall.

Liegen neurologische Ursachen vor, wie eine Querschnittslähmung oder eine Erkrankung der Nerven, kann eine Inkontinenz schwer geheilt werden.

Info

Hilfreiche Tipps

  1. Informieren Sie sich ausführlich über die richtigen Hilfsmittel – sie sind eine große Hilfe im Alltag und sorgen dafür, dass Sie nicht in unangenehme Situationen kommen.
  2. Urin greift die Haut an. Reinigen Sie sich deshalb nach jedem ungewollten Harnverlust mit einer ölhaltigen Waschcreme, pflegen Sie Ihre Haut mit Emulsionen und wechseln Sie regelmäßig die Inkontinenzvorlagen, um zu vermeiden, dass es zu einer oberflächlichen Entzündung der Haut (inkontinenz-assoziierte Dermatitis) kommt. Für die Pflege helfen auch die zum Verbrauch bestimmten Pflegehilfsmittel wie z. B. Bettschutzeinlagen.
  • Arzneimittel – Inkontinenz als ungewollte Nebenwirkung

Es gibt verschiedene Medikamente und Wirkstoffe, die eine Inkontinenz fördern können. Hierzu zählen zum Beispiel Mittel wie Betarezeptorenblocker gegen hohen Blutdruck oder Cholinesterase-Hemmer gegen Alzheimer. Sie stimulieren die Blase und können so eine Dranginkontinenz herbeiführen oder verstärken. Wassertreibende Medikamente wie Diuretika können die Kontinenz ebenfalls beeinträchtigen. Nur ein Arzt kann herausfinden, ob der unfreiwillige Harnverlust eine Nebenwirkung Ihrer Medikamente ist. Setzen Sie diese auf keinen Fall eigenmächtig ab.

TIPP: Ziehen Sie immer einen Arzt zurate, um sich gegebenenfalls ein geeigneteres Präparat verschreiben zu lassen.

  • Eigenes Verhalten – regelmäßigen Toilettengang im Auge behalten

Gehen Sie zu selten oder zu oft zur Toilette? In einigen Fällen kann eine Inkontinenz auch durch das eigene Verhalten ausgelöst werden. Wer zu oft auf die Toilette geht, gewöhnt die Blase an kleine Urinmengen, so dass sie irgendwann nicht mehr in der Lage ist, auch größere Mengen zu halten. Wer zu selten zur Toilette geht, riskiert wiederum, dass die Blasenmuskulatur ständig überdehnt wird. Auch wer aus Angst vor Inkontinenz zu wenig trinkt, bewirkt das Gegenteil: Denn so werden die Nieren nicht mit ausreichend Flüssigkeit versorgt und produzieren einen hoch konzentrierten Urin, der die Blase reizt und den Harndrang verstärkt. Außerdem steigt das Risiko für Harnwegsinfektionen, wenn Nieren und Blase zu wenig gespült werden.

TIPP: Achten Sie auf einen regelmäßigen Toilettengang, der nicht zu oft und nicht zu selten stattfinden sollte und trinken Sie genug – aber möglichst nicht vor dem Schlafengehen.

  • Übergewicht – erhöhter Druck auf die Blase

Übergewicht fördert Bluthochdruck, erhöht den Cholesterinspiegel und begünstigt Diabetes – das ist hinlänglich bekannt. Wissen Sie aber auch, dass Fettleibigkeit oft die Ursache für eine Inkontinenz ist? Das zusätzliche Körpergewicht erhöht den Druck im Bauchraum und auf die Blase und schwächt obendrein die Beckenbodenmuskulatur. Daher kämpfen viele Übergewichtige mit einer Belastungsinkontinenz.

Expertentipp
Franziska Baur
Franziska Baur

Inkontinenz ist nicht bloß eine „kleine-Kinder-Krankheit“. Viele Betroffene schämen sich, dass sie inkontinent sind, scheuen den Besuch beim Arzt und distanzieren sich von ihrem sozialen Umfeld. So weit muss es gar nicht erst kommen. Wir sollten als Gesellschaft viel offener über das Thema Inkontinenz sprechen, weil es viele Menschen betrifft.

Sich einem Arzt anzuvertrauen, ist durchaus sinnvoll. Er kann die Ursache der Inkontinenz ausfindig machen und diese ggf. behandeln. Damit Patienten dann das passende Material auf Rezept bekommen, berate ich tagtäglich zu Kontinenz. Betroffene brauchen sich übrigens nicht auf das Gespräch vorbereiten. Gemeinsam klären wir in lockerer Atmosphäre wichtige Fragen, die für das passende Material wichtig sind, wie z. B. welche Art von Inkontinenz vorliegt und wie aktiv der Alltag des Patienten ist.

Weitere häufig gestellte Fragen und Tipps lesen Sie im Interview Inkontinenz: Erfahrungsbericht aus der Beratung.

Inkontinenz bei Kindern

Inkontinenz kann jedoch auch bei Kindern ein Thema sein. Mediziner unterscheiden zwischen reinem Bettnässen (Enuresis) und kindlicher Inkontinenz.

  • Enuresis

Bettnässen ist die häufigste Form des Einnässens bei Kindern. Sie liegt vor, wenn ein Kind nach seinem fünften Lebensjahr mindestens zwei Nächte im Monat im Schlaf Urin verliert, ohne dass es einen Harnwegsinfekt hat oder tagsüber in die Hose macht. Meist entwickelt sich bei den Betroffenen die Blasenkontrolle ganz einfach langsamer als bei anderen Kindern. Dies ist überwiegend genetisch bedingt. Nur in seltenen Fällen ist das Bettnässen von über Fünfjährigen ein Hinweis auf eine Störung der Niere oder der Blase.

  • Kindliche Inkontinenz

Die Inkontinenz bei Kindern ist seltener als die Enuresis und betrifft nur 15 bis 20 Prozent der einnässenden Kids. In diesen Fällen nässt das Kind nachts ein, hat aber auch tagsüber Schwierigkeiten mit dem Wasserlassen. Oftmals leiden die betroffenen Kinder unter einer meist anlagebedingten Dranginkontinenz. Mädchen sind häufiger betroffen als Jungs. Manche Kinder wollen ihr Spiel nicht unterbrechen und schieben daher den Toilettengang auf. Einige wollen auch die Toilette in bestimmten Situationen nicht aufsuchen. Irgendwann können sie den Urin dann nicht mehr halten und entleeren die Blase schließlich ungewollt. Dies nennt man Harninkontinenz bei Miktionsaufschub. Bei einigen Kindern öffnet sich der Schließmuskel bei der Blasenentleerung nicht vollständig (Detrusor-Sphinkter-Dyskoordination). Seltener liegt bei Kindern eine Belastungsinkontinenz oder eine überaktive Blase vor.

Therapie bei Inkontinenz

Es gibt keine pauschalen Therapieempfehlungen bei Inkontinenz. Die Behandlung muss individuell an die Ursache, die Art und das Ausmaß der Beschwerden angepasst werden, aber auch an die jeweilige Lebenssituation der Betroffenen. Lassen Sie sich von Ihrem Arzt über die Vor- Und Nachteile der infrage kommenden Behandlungsmöglichkeiten informieren.

Die Palette der Therapie bei Inkontinenz reicht von Beckenbodentraining, über Gewichtsabnahme und Verhaltensänderungen bis hin zu medikamentösen Therapien, operativen Verfahren und in einigen Fällen zur Nervenstimulation mit Hilfe eines implantierten Blasenschrittmachers. Und schließlich steht noch eine große Auswahl an speziellen Inkontinenzhilfsmitteln wie Vorlagen oder Inkontinenzslips zur Verfügung, die ab einem bestimmten Schweregrad der Inkontinenz auch ärztlich verordnet werden können. Die Inkontinenzhilfsmittel sind im Hilfsmittelverzeichnis gelistet. In den meisten Fällen werden bei der Behandlung mehrere der genannten Therapiebausteine zum Einsatz kommen.

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Erstelldatum: 6102.70.62|Zuletzt geändert: 0202.10.7
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Inkontinenz: Erfahrungsbericht aus der Beratung

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Franziska Baur
Im Interview
Franziska Baur
Examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin

Als Fachberaterin für Kontinenz berät und betreut sie seit mehreren Jahren die Kunden der PAUL HARTMANN AG zum Thema Inkontinenz und hilft Betroffenen, das optimale Produkt für ihre Inkontinenzversorgung zu finden.

Im Gespräch mit pflege.de erzählt die Kontinenzberaterin Franziska Baur von ihrer Erfahrung aus der Beratung. Sie teilt häufig gestellte Fragen und Tipps rund ums Thema Inkontinenz.

Frau Baur, Sie sind Beraterin für Kontinenz. Zu welcher Form von Inkontinenz beraten Sie am häufigsten?

Ich führe jeden Tag viele Beratungsgespräche. Am meisten berate ich ab der mittleren bis schweren Urininkontinenz.

Beraten Sie nur Menschen, die gerade erst inkontinent geworden sind oder auch Menschen mit langjähriger Inkontinenz?

Ich spreche sowohl mit Inkontinenz-Neulingen als auch langjährigen Inkontinenten.

Wozu müssen Sie in der Beratung am meisten aufklären? Was sind häufig gestellte Fragen von Betroffenen?

Häufig sprechen wir über die richtige Anwendung der Produkte. Aber auch Produktauswahl und die finanzielle Frage, welche Kosten die Krankenkasse übernimmt, werden häufig besprochen. Ich erkläre häufig den Unterschied zwischen der gesetzlichen Zuzahlung und der wirtschaftlichen Aufzahlung.

Inkontinenz ist noch immer ein gesellschaftliches Tabu-Thema. Was sind aus Ihrer Erfahrung heraus die Gründe dafür?

Im Beratungsgespräch höre ich oft heraus, dass sich die Betroffenen schämen und deshalb ihre Erkrankung verschweigen. In ihren Köpfen herrscht das Bild „Nur kleine Kinder machen in die Hose“. Im Kindesalter haben wir Kontinenz als Fähigkeit erlernt, sie dann zu verlieren fühlt sich nach einem plötzlichen Kontrollverlust an. Vor allem Männer fühlen sich nicht mehr als Mann, wenn sie inkontinent werden.

Wir sollten als Gesellschaft einfach viel mehr über das Thema Inkontinenz sprechen, weil es sehr viele Menschen betrifft.
Franziska Baur

Hat sich dahingehend etwas in den letzten Jahren getan?

Ja, ich denke, dass das Thema Inkontinenz in den letzten Jahren durch Werbung und Kommunikation vor allem präsenter geworden ist. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass Inkontinenz gesellschaftstauglicher wird. Trotzdem bleibt das Schamgefühl bestehen.

Wieso unterscheidet sich der gesellschaftliche Umgang von Inkontinenz bei Männern von dem bei Frauen?

Weil Frauen Monatshygiene nutzen oder genutzt haben, sind sie es gewohnt, entsprechende Produkte zu verwenden. Männer haben größere Hemmungen darüber zu sprechen und nach Hilfe zu fragen. Viele denken, dass das nicht zum starken Geschlecht bzw. zur Männlichkeit passt.

Welchen Tipp haben Sie für Angehörige, die z. B. ihre Eltern sensibel auf das Thema ansprechen möchten?

Das ist eine gute Frage, die sich sicherlich nicht pauschal beantworten lässt. Ich halte es für wichtig, in dem Gespräch hervorzuheben, dass sie nicht allein in dieser Situation sind. Viele Menschen – besonders im höheren Alter – sind von Inkontinenz betroffen.

Hilfreich kann aber auch sein, konkrete Lösungsvorschläge zu liefern. Zum Beispiel eine Inkontinenzversorgung auf Rezept: Sie bietet Sicherheit im Alltag, so aktiv dieser auch sein mag. Auch finanzielle Vorteile können hier genannt werden. Zeigen Sie Ihren Eltern Produkte, die sie testen können. Die richtige Versorgung oder auch Behandlung ermöglicht ein normales, gesellschaftliches Leben.

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Wer klärt über die Behandlungsmöglichkeiten von Inkontinenz auf?

Im Regelfall macht das der behandelnde Arzt. Die Therapie richtet sich nämlich immer nach der Diagnose, weil es viele Ursachen für Inkontinenz gibt. Wichtig ist dafür, dass der Patient offen über seine Symptome spricht.

Ursachen von Inkontinenz sind vielfältig. Welche Therapieansätze gibt es?

Bei leichter bis mäßiger Stressinkontinenz ist regelmäßige Beckenbodengymnastik in jedem Alter erfolgsversprechend. Am Anfang sollte ein Physiotherapeut die Übungen erklären. Eine unterstützende Therapiemöglichkeit ist die Elektrostimulation. Elektrische Impulse stimulieren die Beckenbodenmuskulatur und stärken sie so.

Zu den Ursachen gehört manchmal auch Übergewicht. In diesem Fall kann hilfreich sein, durch eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung gesund abzunehmen. Auch chronische Verstopfungen können Inkontinenz hervorrufen. Heftiges Pressen kann die Beckenbodenmuskulatur beeinflussen. Gegen Verstopfungen kann der Arzt bspw. stuhlregulierende Maßnahmen verschreiben.

Erstelldatum: 0202.10.6|Zuletzt geändert: 0202.10.7
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