Harninkontinenz / Blasenschwäche

Harninkontinenz Blasenschwäche

In Deutschland leiden schätzungsweise neun Millionen Menschen an einer Harninkontinenz.(1) Je nachdem, welche Ursachen der Harninkontinenz zugrunde liegen, werden verschiedene Formen unterschieden. In vielen Fällen lassen sich die Symptome einer Harninkontinenz mit speziellen Hilfsmitteln und verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten effektiv lindern. Der wichtigste Schritt in Richtung Behandlung ist der Weg zum Arzt.

pflege.de informiert Sie zu den Schweregraden sowie häufigsten Formen der Harninkontinenz und klärt Sie über mögliche Therapiemaßnahmen auf.

Inhaltsverzeichnis

 

Wichtiger Hinweis
Begriffe: Harninkontinenz und Blasenschwäche

Neben dem Begriff der Harninkontinenz hat sich umgangssprachlich auch der Begriff Blasenschwäche etabliert. Dabei ist dieser Begriff irreführend, weil die Blase nicht immer für eine Harninkontinenz verantwortlich ist. Eine Harninkontinenz kann vielfältige Ursachen haben. Da der Begriff der Blasenschwäche jedoch allgemein gebräuchlich ist, verwendet pflege.de im folgenden Ratgeber beide Bezeichnungen.

Harninkontinenz: Definition

Eine Harninkontinenz beschreibt den unwillkürlichen Urinverlust. Betroffene können ihre Blase weniger bis gar nicht bewusst steuern. Dies betrifft also auch die Blasenentleerung. Umgangssprachlich wird die Harninkontinenz auch Blasenschwäche oder Urininkontinenz genannt. Eine Harninkontinenz ist weniger eine Krankheit, sondern vielmehr als Symptom zu verstehen, da ihr in vielen Fällen eine Erkrankung zugrunde liegt. Je nach Ursache, kann eine Harninkontinenz in verschiedene Formen und Schweregrade eingeteilt werden.

Tipp
Sprechen Sie über Ihre Beschwerden

Weil das Thema Inkontinenz nach wie vor mit viel Scham verbunden ist, verschweigen viele Betroffene ihre Harninkontinenz und leiden still über lange Zeit. Dabei gibt es heutzutage sehr gute Behandlungsmöglichkeiten sowie Inkontinenzprodukte, die das Leben mit Harninkontinenz spürbar erleichtern und die Lebensqualität wieder steigern.

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Vorkommen und Häufigkeit der Harninkontinenz

Grundsätzlich kann eine Harninkontinenz Personen jeder Altersstufe betreffen. Mit steigendem Alter nimmt die Häufigkeit von Harninkontinenz-Fällen allerdings deutlich zu. Frauen sind aufgrund ihrer Anatomie und der von Natur aus schwächeren Beckenbodenmuskulatur häufiger harninkontinent als Männer.(2) Neben der Belastung durch Geburtsprozesse erhöht ebenso der Östrogenmangel nach den Wechseljahren das Risiko einer Harninkontinenz.

Info
So funktioniert das Harnsystem

Unser Körper produziert über die Nieren Urin und sammelt ihn in der Blase. Mithilfe der Harnröhre und Blasenschließmuskeln speichert unsere Blase die Flüssigkeit. Die Blasenwand dehnt sich aus, sobald ein Füllungszustand erreicht ist. Über die Nerven des Rückenmarks wird dem Gehirn signalisiert, dass sich die Blase entleeren muss. Der Mensch verspürt einen Harndrang und hat in der Regel ausreichend Zeit, eine Toilette zu benutzen. Durch das Wasserlassen entgiftet sich der Körper schließlich.

Blasenschwäche im Alter

Das Risiko, inkontinent zu werden, ist im Alter deutlich höher. Laut der Deutschen Gesellschaft für Geriatrie (DGG) sind circa 40 Prozent der über 70-Jährigen in Deutschland von einer Inkontinenz betroffen.(3) Ein Grund dafür ist, dass die Elastizität des Gewebes sowie die Beckenbodenmuskulatur mit dem Alter auf natürliche Weise abnehmen. Dadurch werden die Organe des Bauchraums (unter anderem die Blase) nicht mehr optimal unterstützt.(4)

Ein anderer Grund ist, dass Inkontinenz meist als Symptom der typischen Krankheiten im Alter auftritt. Altersbedingte Mobilitätseinschränkungen oder die Einnahme mehrerer Medikamente gleichzeitig begünstigen die Entstehung einer Harninkontinenz ebenfalls.(4)

Blasenschwäche bei Kindern

Auch Kinder können unwillkürlich Urin ablassen. Die Medizin unterscheidet im Kindesalter zwischen reinem Bettnässen (sogenannte Enuresis) und einer kindlichen Harninkontinenz.(5)

Info
Meist führen seltene Krankheiten zu einer Inkontinenz im Kindesalter

Die häufigsten Gründe für eine Inkontinenz im Kindesalter sind Gendefekte, angeborene Fehlbildungen und Entwicklungsstörungen. In diesen Fällen liegt oft sowohl eine Kinderpflegebedürftigkeit als auch eine Behinderung vor.

Leichte bis schwere Blasenschwäche: Schweregrade der Harninkontinenz

Je nachdem, wie viel Urin ungewollt austritt, wird eine Harninkontinenz in verschiedene Schweregrade eingeteilt: leichte, mittlere, schwere und sehr schwere Inkontinenz. Eine leichte Harninkontinenz liegt bereits vor, wenn die betroffene Person zwischen den Toilettengängen den Urin nicht halten kann und ein paar Tröpfchen verliert. In Fällen sehr schwerer Harninkontinenz kann es aber auch zu schwallartigem Harnverlust mehrmals am Tag kommen.

Die folgende Grafik gibt Ihnen einen Überblick über die Ausprägungen, die von einer leichten bis sehr schweren Harninkontinenz reichen können:

Harninkontinenz-Formen im Überblick

Je nachdem, welche Ursache vorliegt und welche Symptome sich zeigen, werden bestimmte Harninkontinenz-Formen unterschieden.

Dazu gehören:(6)

  • Belastungsinkontinenz (auch Stressinkontinenz)
  • Dranginkontinenz (auch Syndrom der überaktiven Blase)
  • Giggle Inkontinenz (auch Lachinkontinenz, Unterform der Dranginkontinenz)
  • Mischinkontinenz (Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz)
  • Reflexinkontinenz (auch neurogene Blase)
  • Überlaufinkontinenz (auch Inkontinenz bei chronischer Harnretention)
  • Extraurethrale Inkontinenz
  • Nykturie (nächtlicher Harndrang im Erwachsenenalter)
  • Enuresis (Bettnässen im Kindesalter)
  • Kindliche Harninkontinenz
Info
Stuhlinkontinenz als weitere Form von Inkontinenz allgemein

Abgesehen von den unterschiedlichen Formen der Harninkontinenz, gibt es auch Fälle, in denen Personen unter einer Stuhlinkontinenz leiden. Bei einer Stuhlinkontinenz verlieren Betroffene ungewollt flüssigen oder festen Stuhl. Eine Stuhlinkontinenz tritt im Vergleich zur Harninkontinenz deutlich seltener auf.

Belastungsinkontinenz (Stressinkontinenz)

Eine Stressinkontinenz wird nicht durch psychischen Stress verursacht, wie fälschlicherweise oft angenommen wird. Vielmehr wird diese Form der Harninkontinenz auch als Belastungsinkontinenz bezeichnet, weil der Harnverlust durch körperliche Belastung ausgelöst wird. So verlieren Betroffene bei körperlicher Belastung ungewollt Urin.

Das kann zum Beispiel während des Hustens, Niesens, Lachens oder auch bei schwerem Tragen der Fall sein. Häufig können Betroffene auch während des Sports ihren Urin nicht zurückhalten. In den meisten Fällen ist der Blasenschließmuskel zu schwach, um den Urin auch bei erhöhtem Druck im Bauchraum zuverlässig zurückzuhalten.(6)

Die Stressinkontinenz beziehungsweise Belastungsinkontinenz ist die häufigste Form der sogenannten Blasenschwäche bei Frauen.

Info
Übergewicht gehört zu Risikofaktoren der Harninkontinenz

Nicht nur körperliche Anstrengung kann den Druck im Bauchraum und auf die Blase erhöhen, sondern auch zusätzliches Körpergewicht. Darüber hinaus schwächt überflüssiges Körperfett die Beckenbodenmuskulatur. Daher kann Übergewicht die Entstehung einer Harninkontinenz bei Frauen sowie bei Männern begünstigen. Ist Übergewicht Auslöser der Belastungsinkontinenz, ist eine Gewichtsreduktion empfehlenswert und lindert in vielen Fällen die Beschwerden.

Dranginkontinenz (Syndrom der überaktiven Blase)

Bei der Dranginkontinenz oder auch dem Syndrom der überaktiven Blase handelt es sich um unwillkürlichen Urinverlust in Folge einer Speicherungsstörung der Blase.

Betroffene verspüren dabei einen unkontrollierbaren, überfallartigen Harndrang, obwohl ihre Blase nicht maximal gefüllt ist.

Häufig tritt der Harndrang so plötzlich auf, sodass Betroffene den Urin nicht länger halten können und es nicht mehr bis zur Toilette schaffen. Darüber hinaus verspüren Betroffene übermäßig oft den Drang, auf Toilette zu müssen. Auch nachts müssen sie in der Regel mehrmals die Toilette aufsuchen.(6)

Je nach Ursache entscheidet die Medizin zwischen zwei Formen der Dranginkontinenz:

  1. Motorische Dranginkontinenz
  2. Sensorische Dranginkontinenz

Sonderform der Dranginkontinenz: Giggle Inkontinenz

Die Giggle Inkontinenz (auch Lachinkontinenz) gilt als Sonderform der Dranginkontinenz. Anders als bei der Stressinkontinenz löst hier nicht der Druck im Bauchraum den ungewollten Urinabgang aus, sondern ein Reflex. Ausgelassenes Lachen führt bei der Giggle Inkontinenz zu einer nicht steuerbaren kompletten Blasenentleerung, obwohl vorher keinerlei Harndrang verspürt wurde.

Die Giggle Inkontinenz ist sehr selten und tritt vor allem bei Kindern auf. Insbesondere Mädchen vor der Pubertät sind davon betroffen. In seltenen Fällen bleibt die Giggle Inkontinenz auch bis ins Erwachsenenalter bestehen.

Giggle Inkontinenz: Behandlung / Therapie

Zur Behandlung der Giggle Inkontinenz wird konsequentes Beckenbodentraining empfohlen. Als Therapie der Lachinkontinenz bei Erwachsenen haben sich auch Botox-Injektionen in den Blasenmuskel bewährt. Ergänzend zum Beckenbodentraining können bei der Behandlung der Giggle Inkontinenz Medikamente aus der Gruppe der Anticholinergika verabreicht werden. Das ist dieselbe Wirkstoffgruppe, die auch bei Dranginkontinenz eingesetzt wird, um eine Entspannung der Blasenmuskulatur zu bewirken.

Mischinkontinenz

Wenn die betroffene Person zugleich Symptome der Dranginkontinenz sowie Symptome der Belastungsinkontinenz zeigt, spricht die Medizin von einer Mischinkontinenz. Beispielsweise leiden die Betroffenen dann nicht nur unter einem ausgeprägten Harndrang, sondern verlieren zudem bei körperlicher Belastung ungewollt Urin. Dementsprechend liegen die Ursachen der Mischinkontinenz in einer Schwäche des Blasenschließmuskels und einer Speicherungsstörung oder Überaktivität der Blase.(6)

Die Mischinkontinenz tritt gehäuft bei Frauen ab dem 55. Lebensjahr auf. Oft überwiegen in diesen Fällen die Symptome der Belastungsinkontinenz. Seltener leiden Männer unter einer Mischinkontinenz. Bei ihnen ist meist die Dranginkontinenz stärker ausgeprägt.

Mischinkontinenz: Behandlung / Therapie

Bei Mischinkontinenz-Symptomen ist ein Arztbesuch erforderlich, um individuelle Therapiemöglichkeiten zu ermitteln. Denn hier stehen sowohl Behandlungsmethoden der Belastungsinkontinenz als auch Therapieverfahren der Dranginkontinenz zur Auswahl.

In vielen Fällen steht eine der beiden Inkontinenz-Formen im Vordergrund. Je nach Ausprägung konzentriert sich die Therapie der Mischkontinenz dann in der Regel auf die dominantere Inkontinenz-Form. Treten beide Inkontinenz-Formen ähnlich stark ausgeprägt auf, besteht die Behandlung der Mischinkontinenz meist aus einer Kombination aus Beckenbodentraining und Medikamenten.

Tipp
Trainieren Sie Ihren Beckenboden

Eine starke Beckenbodenmuskulatur ist wichtig, damit die Blasenfunktion intakt bleibt. Führen Sie also nicht nur zur Behandlung, sondern auch zur Vorbeugung gezielte Übungen durch, die den Beckenboden nachhaltig stärken. In manchen Fällen kann regelmäßiges Beckenbodentraining sogar mit zu einer Heilung der Harninkontinenz beitragen. Wie das geht? pflege.de zeigt Ihnen fünf Übungen, mit denen Sie einer Harninkontinenz entgegenwirken können.

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Reflexinkontinenz (neurogene Blase)

Eine Reflexinkontinenz entsteht, wenn die Hirnsignale (Nervenimpulse) auf ihrem Weg zur Blasenmuskulatur gestört oder unterbrochen übertragen werden, sodass die betroffene Person ihre Muskulatur nicht wie gewollt steuern kann. Daher wird diese Form auch neurogene Blase oder neurogene Harninkontinenz genannt.

Die Blase entleert sich dabei nicht gewollt, sondern durch Reflexe. Typisches Symptom der Reflexinkontinenz ist die unwillkürliche Blasenentleerung, die in der Regel ohne vorherigen Harndrang auftritt. Betroffene Männer leiden zudem häufig an Erektionsstörungen.

Die Reflexinkontinenz tritt als Folge einer jeweils bestehenden Grunderkrankung bei Männern und Frauen gleichermaßen häufig auf. Je nach Ursache wird die Reflexinkontinenz in zwei Formen unterschieden:

  • Spinale Reflexinkontinenz: Die Nervenverbindungen zwischen Harntrakt und Zentralnervensystem (Gehirn und Rückenmark) sind gestört. Dem können Rückenmarksverletzungen oder andere Erkrankungen wie Multiple Sklerose zugrunde liegen.
  • Supraspinale Reflexinkontinenz: Die Nervenverbindungen funktionieren aufgrund von Hirnleistungsstörungen nicht mehr. Das kann zum Beispiel in Folge eines Schlaganfalls oder begleitend zu einer Demenz vorkommen.

Reflexinkontinenz: Behandlung / Therapie

Die Therapiemöglichkeiten bei einer Reflexinkontinenz richten sich nach der Diagnose durch den Facharzt. Liegen der Harninkontinenz wie bei dieser Form neurogene Ursachen zugrunde, zielt die Therapie in erster Linie darauf ab, die Niere zu schützen. Denn Menschen mit einer neurogenen Blase haben ein erhöhtes Risiko für eine sogenannte Stauungsniere (Hydronephrose). Hierbei staut sich der Urin in den Nieren auf und es kommt zu dem sogenannten Nierenstau. Bleibt dieser unbehandelt, kann es zu Infektionen, einem Nierenversagen und lebensbedrohlichen Blutvergiftungen kommen.(7)

Wichtig ist also, dass Betroffene ihre Blase regelmäßig vollständig entleeren und darauf achten, dass der Druck im Harntrakt möglichst niedrig gehalten wird. In der Regel wird dazu ein sogenannter ISK-Katheter eingesetzt. Zur weiteren Unterstützung kann auch eine Elektrostimulation erfolgen. In manchen Fällen bringt eine Operation Besserung.

Info
Was ist ein ISK-Katheter?

ISK ist die Abkürzung für: Intermittierender Selbstkatheterismus. Intermittierend bedeutet: immer wiederkehrend. Mithilfe eines sterilen Einmalkatheters wird hierbei die Blase in regelmäßigen Abständen von der betroffenen Person selbst entleert. Diese Behandlungsform eignet sich vor allem für Menschen mit einer neurogenen Blase. Betroffene erlernen den ISK unter fachlicher Anleitung. Die ISK-Technik ist unkompliziert und einfach zu erlernen und ab einem Alter von sechs Jahren möglich. Ziel ist, dass Betroffene eine sogenannte unabhängig erreichte Kontinenz ausbilden. Dies ist der Fall, sobald sie nicht mehr unwillkürlich Urin verlieren, sie keine professionelle Unterstützung mehr benötigen und ihren Lebensalltag selbstbestimmt meistern können. Circa 70 Prozent aller Patienten mit neurogener Blasenfunktionsstörung können mit dem ISK erfolgreich behandelt werden.(8)

Überlaufinkontinenz

Trotz voller Blase kann bei der Überlaufinkontinenz nur tröpfchenweise Urin abgegeben werden. Damit bleiben große Mengen an Restharn in der Blase zurück, sodass die Blase irgendwann überläuft. In der Folge tritt ein kontinuierliches Harntröpfeln als typisches Symptom der Überlaufinkontinenz auf. Daher wird diese Form auch Inkontinenz bei chronischer Harnretention genannt. Harnretention bedeutet die Unfähigkeit des Wasserlassens oder die unvollständige Blasenentleerung.

Eine Überlaufinkontinenz kommt bei Männern insgesamt häufiger vor als bei Frauen. Gerade mit steigendem Alter leiden Männer oft an einer gutartigen Vergrößerung der Prostata, die den Blasenausgang verengen oder versperren kann.(6)

Je nach der Ursache, werden die zwei folgenden Arten der Überlaufinkontinenz unterschieden:

  • Obstruktive Überlaufinkontinenz: Der Blasenausgang ist durch ein Hindernis verengt oder versperrt. Ursache kann ein Tumor sein. Außerdem kann eine Prostatavergrößerung beim Mann oder eine Gebärmuttersenkung bei der Frau Auslöser sein.
  • Funktionelle Überlaufinkontinenz: Der Blasenmuskel ist zu schwach, um sich ausreichend zusammenziehen zu können. Meist sind neurologische Erkrankungen oder einzelne Medikamente dafür verantwortlich.

Überlaufinkontinenz: Behandlung / Therapie

Zur Therapie der obstruktiven Überlaufinkontinenz muss das Hindernis vor dem Blasenausgang entfernt werden. In der Regel geschieht das durch einen chirurgischen Eingriff.

Bei der funktionellen Überlaufinkontinenz ist das Ablassen des Urins über einen Katheter notwendig. Zusätzlich kann die Aktivität des Blasenmuskels mittels Elektrostimulation angeregt werden. Bestimmte Medikamente, zum Beispiel aus der Stoffgruppe Cholinergika, werden zum Aktivieren des Blasenmuskels eingesetzt.

Extraurethrale Inkontinenz

Die extraurethrale Inkontinenz gehört grundsätzlich zu den seltenen Inkontinenzformen. Extraurethral bedeutet außerhalb der Harnwege. Bei der extraurethralen Inkontinenz tritt der Urin somit statt durch die Harnröhre, durch fehlgelegte oder fehlgebildete Gänge aus.(6)

Bei Kindern ist die Ursache meist eine organische Fehlbildung der unteren Harnleiter. Im Erwachsenenalter können Fisteln eine extraurethrale Inkontinenz auslösen.

Bei Fisteln handelt es sich um neu gebildete Verbindungskanäle, die sich im Körperinneren bilden können. Symptom der extraurethralen Harninkontinenz ist ein ununterbrochener Abgang von Urin über die falschen Ausgänge wie Vagina oder After.

Mögliche Ursachen für die Fistelbildung sind unter anderem:

  • Chronische Darmentzündungen
  • Operationen
  • Geburten
  • Bestrahlungen
  • Verletzungen

Extraurethrale Inkontinenz: Behandlung / Therapie

Bei der angeborenen extraurethralen Inkontinenz kommen, je nach Fehlbildung, als Therapie operative Verfahren in Frage oder der Harn muss über einen Katheter abgeleitet werden.

Zur Behandlung der erworbenen extraurethralen Inkontinenz wird in der Regel der Fistelgang operativ verschlossen und damit der natürliche Weg über die Harnröhre dauerhaft wiederhergestellt.

Nächtlicher Harndrang im Erwachsenenalter (Nykturie)

Nykturie, also der nächtliche Harndrang bei Erwachsenen, ist eine häufige Inkontinenz-Form im höheren Alter. Betroffene haben nachts einen verstärkten Harndrang und müssen mehrmals ihren Schlaf unterbrechen, um zur Toilette zu gehen. Auf die Dauer wird dadurch der Schlaf erheblich gestört und kann sich auf das Wohlbefinden auswirken.(6)

Häufige Auslöser sind Erkrankungen, wie zum Beispiel Herzerkrankungen oder Diabetes mellitus, und entwässernde beziehungsweise harnfördernde Medikamente. Aber auch hormonelle Ursachen oder größere Trinkmengen zum Abend können der Grund für Ihren nächtlichen Harndrang sein. Wenn Sie an nächtlichem Harndrang leiden, wenden Sie sich an Ihren Arzt und klären Sie bei ihm die genaue Ursache ab.

Bettnässen im Kindesalter (Enuresis)

Nächtliches Bettnässen ist die häufigste Form des Einnässens bei Kindern. Eine Enuresis liegt vor, wenn ein schlafendes Kind nach seinem fünften Lebensjahr mindestens zwei Nächte im Monat Urin verliert, ohne dass es einen Harnwegsinfekt hat oder sich tagsüber einnässt. Meist entwickelt sich die Blasenkontrolle bei Kindern mit einer Enuresis ganz einfach langsamer als bei anderen gleichaltrigen Kindern. Dies ist überwiegend genetisch bedingt. Dennoch sollten Sie als Elternteil, einen Arzt beziehungsweise Urologen aufsuchen, um andere Ursachen sicher auszuschließen.(5)

Kindliche Harninkontinenz

Eine Harninkontinenz bei Kindern tritt seltener auf als die Enuresis. Inkontinente Kinder nässen sich nachts ein und haben auch tagsüber Schwierigkeiten mit ihrer Harnkontrolle. Oftmals leiden die betroffenen Kinder unter einer krankheitsbedingten Dranginkontinenz. Manche Kinder wollen ihr Spiel nicht unterbrechen und schieben daher den Toilettengang auf.(5)

Einige wollen auch die Toilette in bestimmten Situationen nicht aufsuchen (sogenannter Miktionsaufschub). Irgendwann können sie den Urin nicht mehr halten und entleeren ihre Blase schließlich ungewollt. In diesen Fällen wird von einer sogenannten Harninkontinenz bei Miktionsaufschub gesprochen, die betroffene Personen mit einem Arzt abklären sollten.(5)

Ursachen für Harninkontinenz frühzeitig abklären

Es gibt eine ganze Reihe unterschiedlicher Ursachen, die zu einer Harninkontinenz führen können. Risikofaktoren sind beispielsweise Operationen am Unterleib, Schwangerschaften, bestimmte Krankheiten wie Herzinsuffizienz, Diabetes mellitus, Parkinson, Schlaganfall, Multiple Sklerose (MS), Demenz sowie Fehlbildungen und Nervenschädigungen.(4)

Welche Ursachen für die Harninkontinenz verantwortlich sind, kann nur eine ärztliche Untersuchung zeigen. In einem Anamnesegespräch mit dem Betroffenen und/oder seinen Zugehörigen über die individuellen Beschwerden, einer körperlichen sowie klinischen Untersuchung kann ein Arzt die genaue Ursache ermitteln.

Mit dem Wissen darüber lassen sich schließlich geeignete Therapiemaßnahmen finden, mit denen die Symptome der Harninkontinenz gelindert oder unter Umständen auch geheilt werden können.

Tipp
Prüfen Sie den möglichen Anspruch auf einen Pflegegrad

Eine Harninkontinenz allein reicht noch nicht für einen anerkannten Pflegegrad beziehungsweise den Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung aus. Je nach Ursachen und Lebensumständen  kann eine Harninkontinenz jedoch mit einer leichten bis schweren Pflegebedürftigkeit einhergehen. Zum Beispiel, wenn die betroffene Person an Grunderkrankungen leidet, die ihre Selbstständigkeit beziehungsweise Fähigkeiten im Alltag einschränken, sodass sie auf die Unterstützung einer weiteren Person angewiesen ist. Hilft eine weitere Person etwa beim Inkontinenzmaterial-Wechsel oder der Körperpflege, stehen die Chancen auf einen Pflegegrad recht gut. Nutzen Sie gerne unseren kostenlosen Pflegegradrechner und ermitteln Sie den voraussichtlichen Pflegegrad in Ihrem speziellen Fall.

Blasenschwäche behandeln

Leider wird der Inkontinenz immer noch nachgesagt, sie könne nicht behandelt werden. Allerdings gibt es eine Reihe von verschiedenen Maßnahmen, mit denen sich eine Inkontinenz therapieren lässt. Je nach Form der Harninkontinenz ist in vielen Fällen sogar eine vollständige Heilung möglich. Aus dem Grund sollten sich Betroffene vertrauensvoll an einen Arzt wenden. Der erste Schritt beginnt also bei Ihnen selbst: Suchen Sie einen Arzt auf.

Anlaufstellen bei Harninkontinenz-Beschwerden

Ihnen stehen spezielle Kontinenz- und Beckenbodenzentren zur Verfügung, die sich auf die Behandlung von Inkontinenz konzentrieren. Neben diesen Spezial-Zentren, sind weitere Anlaufstellen bei einer Harninkontinenz zum Beispiel:

  • Hausarzt-Praxen
  • Urologie-Praxen
  • Gynäkologie-Praxen
  • Neurologie-Praxen
  • Geriatrie-Einrichtungen

Hier finden Sie medizinische Anlaufstellen in Ihrer Nähe.

Therapie-Maßnahmen bei Harninkontinenz

Die Behandlung einer Harninkontinenz muss immer individuell auf die jeweilige Inkontinenz-Form, ihre Ursachen und an die Lebensumstände der betroffenen Person angepasst werden und ist unter anderem von folgenden Faktoren abhängig:

  • Wie groß ist der Leidensdruck der Person?
  • Spielt möglicherweise das Alter eine Rolle?
  • Wie sieht das Trinkverhalten und Stuhlverhalten der Person aus?
  • Liegen der Harninkontinenz psychische Erkrankungen zugrunde?
  • Handelt es sich um eine leichte oder schwere Harninkontinenz?

Abgesehen von den Ursachen-spezifischen Therapiemöglichkeiten, können die folgenden Behandlungsmethoden ganz grundsätzlich Teil der Harninkontinenz-Therapie sein:(4)

  • Verhaltenstherapie
  • Physiotherapie
  • Medikamente
  • Operation

Verhaltenstherapie durch Toilettentraining oder Blasentraining

Sie können ihre Blase durch regelmäßige Toilettengänge bei optimaler Flüssigkeitszufuhr trainieren. In einem Miktionsprotokoll können Sie die tägliche Flüssigkeitszufuhr sowie Toilettengänge dokumentieren. Nutzen Sie gerne unsere kostenlose Vorlage.

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Physiotherapie bei Harninkontinenz

Beckenbodentherapie ist eine sinnvolle Maßnahme zur Kontinenzförderung, die Sie – mit und ohne Technik – in jedem Alter erlernen können. Mit der sogenannten Biofeedback-Methode wird Ihnen über einen Monitor durch Signale vermittelt, ob Sie die Beckenbodenübungen korrekt ausführen. Ziel dabei ist es, dass Sie Ihre Beckenbodenmuskulatur wieder effektiv spüren und beeinflussen können.

Medikamente gegen Blasenschwäche

Als Blasenschwäche-Medikament für alle Formen der Harninkontinenz eignet sich beispielsweise der Wirkstoff Desmopressin. Dieser reduziert übermäßigen Durst und Harndrang. Sie können ihn als Tablette oder Nasenspray einnehmen.

Info
Blasenschwäche und Homöopathie?

Eine homöopathische Therapie kann ebenso wirksam sein. Hier eignen sich beispielsweise die folgenden drei Arten von Globuli:

  • Alumina
  • Kalium phosphoricum
  • Xerophyllum

Sofern Sie sich dafür interessieren, sprechen Sie bitte im ersten Schritt mit Ihrem Arzt darüber und holen Sie sich im zweiten Schritt unbedingt den zusätzlichen Rat eines Homöopathen ein, damit Sie ein passendes Mittel bekommen.

Operation: Chirurgische Therapie

Ein künstlicher Schließmuskel ersetzt den natürlichen Schließmuskel der Harnröhre und wird von Ihnen selbst bedient. Diese Maßnahme wird meist als letzte Option eingesetzt, wenn die vorherigen Methoden erfolglos sind.

Hilfsmittel bei Harninkontinenz

Für die Versorgung einer Inkontinenz gibt es unterschiedliche Hilfsmittel, die das Leben der betroffenen Menschen erleichtern und ihre Lebensqualität wieder verbessern sollen. Dabei werden grundsätzlich vier Hilfsmittelarten unterschieden, die je nach Schweregrad und Ursache der Inkontinenz zum Einsatz kommen können:(4)

  1. Aufsaugende Hilfsmittel
  2. Ableitende Hilfsmittel
  3. Funktionell-anatomische Hilfsmittel
  4. Toilettenhilfen

Aufsaugende Hilfsmittel

Aufsaugende Inkontinenz-Hilfsmittel werden am Körper getragen. Sie saugen den Urin auf und verschließen Gerüche. Hierzu ein paar Beispiele:

Tipp
Kostenlose Pflegehilfsmittel unterstützen Sie bei einer Harninkontinenz

Sofern die betroffene Person einen anerkannten Pflegegrad hat, stehen ihr monatlich kostenlose Pflegehilfsmittel zum Verbrauch von bis zu 40 Euro von der Pflegekasse zu. Dazu gehören unter anderem waschbare Bettschutzeinlagen, Desinfektionsmittel für Hände und Flächen sowie Einmalhandschuhe. Die Kosten für Inkontinenzvorlagen, Pants sowie Schutzhosen (sogenanntes Inkontinenzmaterial) werden hingegen nicht von der Pflegekasse, sondern ab einer mittleren Inkontinenz von der Krankenkasse getragen. Je nach Produkt und Qualität fällt bei speziellem Inkontinenzmaterial noch eine Aufzahlung an, die selbst geleistet werden muss.

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Ableitende Hilfsmittel

Ableitende Inkontinenz-Hilfsmittel leiten den Urin in einen Auffangbehälter (Urinbeutel) ab. Beispiele hierfür sind:

  • Katheter (Dauerkatheter oder intermittierender Selbstkatheterismus, kurz: ISK)
  • Urinalkondom (auch Kondomurinal, für Männer)
  • Urinkollektoren (externe Urinableiter)

Funktionell-anatomische Hilfsmittel

Funktionell-anatomische Inkontinenz-Hilfsmittel passen sich an die Anatomie des jeweiligen Geschlechts an und verbessern die natürliche Haltefunktion. Dazu ein paar Beispiele:

Für Frauen:

  • Vaginaltampon (auch Inkontinenztampon, wird eingeführt)
  • Pessar (auch Gebärmutterzapfen, wird eingeführt, beispielsweise in Würfelform)

Für Männer:

  • Penisbändchen (auch Harnröhrenband, wird als Band um den Penis gebunden)
  • Penisklemme (auch Inkontinenzklemme, wird als Kunststoffring am Penis befestigt)

Toilettenhilfen

Toilettenhilfen unterstützen Inkontinenz-Patienten beim Toilettengang und geben ihnen Sicherheit. Dazu gehören beispielsweise:

Tipps und Pflegemaßnahmen bei Harninkontinenz

Das Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) gibt pflegenden Angehörigen verschiedene Pflegetipps bei Inkontinenz, unter anderem:(4)

  1. Sprechen Sie über die Inkontinenz-Beschwerden.
  2. Holen Sie sich ärztlichen Rat ein.
  3. Bewahren Sie die Selbstständigkeit und das Selbstvertrauen der betroffenen Person.
  4. Respektieren Sie das Recht auf Selbstbestimmung und zwingen Sie die betroffene Person zu nichts.
  5. Achten Sie auf regelmäßige Toilettengänge (etwa alle 2 bis 3 Stunden).
  6. Hetzen Sie die betroffene Person nicht zur Toilette und vermeiden Sie allgemeinen Stress, denn dieser kann eine Inkontinenz verstärken.
  7. Achten Sie auf eine gezielte Sturzprophylaxe (besorgen Sie zum Beispiel rutschfeste Hausschuhe und räumen Sie mögliche Stolperfallen aus dem Weg).
  8. Verwenden Sie geeignetes Inkontinenzmaterial sowie weitere Inkontinenz-Hilfsmittel, die zu den Bedürfnissen der betroffenen Person passen.
  9. Achten Sie auf Infektionsschutz, indem Sie klare Hygienemaßnahmen in der häuslichen Pflege einhalten (verwenden Sie beim Inkontinenzmaterial-Wechsel beispielsweise Pflegehilfsmittel zum Verbrauch).

Pflegekurse und Pflegeberatung bei Harninkontinenz

Eine Harninkontinenz erfordert im Pflegealltag besondere Pflegemaßnahmen, die pflegende Angehörige kennen sollten. In speziellen Pflegekursen können sich pflegende Angehörige wichtiges Pflegewissen aneignen. Wenn Sie in Ihrem Pflegealltag einen Menschen mit Inkontinenz unterstützen und/oder pflegen, möchten wir Sie dazu ermutigen, einen Kurs zu besuchen. Dieser ist ein Angebot der Pflegekasse (nach § 45 SGB XI) und für Sie kostenlos.

Eine gute Ergänzung bietet eine regelmäßige Pflegeberatung. Bei Pflegegeldbezug ist der kostenlose Beratungseinsatz nach § 37.3 sogar verpflichtend. Hier kommt eine zertifizierte Pflegefachkraft zur pflegebedürftigen Person nachhause und prüft, ob die häusliche Pflege und Betreuung sichergestellt ist. Pflegende Angehörige sind hierbei in der Regel anwesend und können sich fachlichen Rat zu Pflege-Fragen einholen.

Folgen der Harninkontinenz

Da das Thema Inkontinenz leider häufig mit sehr viel Schamgefühl verbunden ist, verschweigen viele Betroffene ihre Beschwerden und ziehen sich immer mehr zurück. Inkontinenz-Beschwerden mindern meist nicht nur das eigene Selbstwertgefühl, sondern auch die Lebensqualität der Betroffenen. Aus Sorge, es könnte ein unangenehmes Missgeschick passieren, meiden viele Inkontinenz-Patienten Unternehmungen in der Öffentlichkeit. Der Rückzug aus dem sozialen Umfeld kann sich negativ auf die Psyche der Betroffenen auswirken. Bei einigen Betroffenen kann die Inkontinenz durch Isolation und Einsamkeit auch zu Depressionen führen.(4)

Darüber hinaus kann eine Harninkontinenz bei unzureichender Pflege ebenso das Risiko für die Entstehung eines Dekubitus (Wundliegen) oder Hautentzündungen im Intimbereich erhöhen. Oftmals gehen Infektionen der Harnwege mit einer Harninkontinenz einher, welche Auslöser einer Nierenbeckenentzündung sein können. Solche Folgen lassen sich in der Regel durch entsprechende Pflegemaßnahmen bei einer Harninkontinenz verhindern.(4)

Harninkontinenz vorbeugen: Prävention

Um eine Harninkontinenz und damit einhergehende Folgen zu vermeiden, können einige Maßnahmen von potenziell betroffenen Personengruppen vorbeugend getroffen werden. Grundsätzlich muss über das Thema viel früher und offener gesprochen werden. Die Aufklärung über Kontinenz und Inkontinenz macht daher schon im Kindes- und Jugendalter Sinn.

Expertenmeinung

In unserer Gesellschaft gilt es als Regel und Zeichen von Autonomie, die Ausscheidungen des Körpers willentlich, zu einer angemessenen Zeit und an einem passenden Ort zu erledigen. Dieses Denken macht es für Betroffene mit einer Inkontinenz schwer, über ihre Beschwerden zu sprechen. Aus diesem Grund sollten bereits Kinder und Jugendliche für das Thema sensibilisiert werden. Gespräche über Trink- und Miktionsgewohnheiten sollten hierbei normalisiert werden.

Angelika  Sonnenberg
Pflegetrainerin & Fachkraft zur Kontinenzförderung

Weil eine schwache Beckenbodenmuskulatur ein häufiger Auslöser für die Harninkontinenz darstellt und ein starker Beckenboden essenziell für eine funktionierende Harnblase ist, zählt das Beckenbodentraining zu den wichtigsten Vorbeugemaßnahmen. Schwangeren Frauen sollte ein Programm zum Beckenbodentraining empfohlen werden.

Zudem können psychische Belastungen die Entstehung einer Harninkontinenz begünstigen. Um dem entgegenzuwirken, können möglicherweise Entspannungsübungen helfen. Denn Übungen zur Entspannung können sich positiv auf die Psyche auswirken und dabei unterstützen, das Nervensystem zu beruhigen.

Übergewicht erhöht das Risiko, eine Harninkontinenz zu erleiden. Überflüssiges Körperfett belastet die Organe des Bauchraums und schwächt zugleich die Beckenbodenmuskulatur. Aus dem Grund kann eine Gewichtsreduktion helfen, eine Inkontinenz zu vermeiden.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Harninkontinenz?

Harninkontinenz bezeichnet die Unfähigkeit, den Harndrang zurückzuhalten, sodass es zu einem ungewollten Urinverlust kommt.

Wie äußert sich Blasenschwäche?

Eine Blasenschwäche beziehungsweise Harninkontinenz kennzeichnet sich dadurch, dass Betroffene ungewollt Urin verlieren. In vielen Fällen haben Personen mit einer Blasenschwäche ständigen oder plötzlich einschießenden Harndrang oder verlieren Urin infolge von körperlicher Belastung, zum Beispiel beim Husten.

Warum kann ich meinen Urin nicht mehr halten?

Verlieren Sie ungewollt Urin, leiden Sie möglicherweise an einer Harninkontinenz, die verschiedene Ursachen haben kann. Wichtig ist, dass Sie sich mit Ihren Beschwerden an einen Arzt wenden. Denn in vielen Fällen steckt eine Erkrankung dahinter, die es zu behandeln gilt. Eine andere Ursache könnte sein, dass Ihre Beckenbodenmuskulatur zu schwach ist, um dem Harndrang standzuhalten. Jedoch kann nur ein Arzt eine sichere Diagnose stellen, indem er eine umfangreiche Untersuchung bei Ihnen durchführt.

Welcher Arzt kann mir bei Blasenschwäche helfen?

Der erste Schritt für eine erfolgreiche Behandlung Ihrer Blasenschwäche besteht darin, dass Sie mit einem Arzt über Ihre Beschwerden sprechen. Dazu stehen Ihnen verschiedene Anlaufstellen zur Verfügung:

  • Hausarzt-Praxen
  • Spezialisierte Kontinenz- und Beckenbodenzentren
  • Urologie-Praxen
  • Gynäkologie-Praxen
  • Neurologie-Praxen
  • Geriatrie-Einrichtungen (für Menschen ab 65 Jahren, die an alterstypischen Erkrankungen leiden)

Was kann man bei Blasenschwäche tun?

Die Behandlung einer Blasenschwäche muss immer individuell an die Inkontinenz-Form und ihre Ursachen sowie an das Ausmaß des Leidens angepasst werden. Dazu müssen Betroffene in einem ersten Schritt, ihren Arzt oder ein Kontinenz-Zentrum aufsuchen.

Nach der Untersuchung können geeignete Therapiemaßnahmen mit dem Arzt besprochen werden. Zu möglichen Maßnahmen gehören beispielsweise:

  • Verhaltenstherapie: Zur Verhaltenstherapie gehört es, die Blase durch regelmäßige Toilettengänge zu trainieren. Daneben sollten Betroffene darauf achten, genügend Flüssigkeit zu sich zunehmen, um die Blase nicht zu reizen.
  • Physiotherapie: Mit Hilfe von gezielten Übungen kann die Muskulatur des Beckenbodens gestärkt werden, um den Urin besser halten zu können.
  • Medikamentöse Therapie: Desmopressin in Form von Tabletten oder Nasenspray mindert übermäßigen Durst und Harndrang.
  • Chirurgische Therapie: Ein künstlicher Schließmuskel ersetzt den natürlichen Schließmuskel der Harnröhre und wird vom Betroffenen bedient.

Was kann man gegen Blasenschwäche bei Husten tun?

Der erste Schritt in Richtung Behandlung ist der Weg zum Arzt. Denn nur ein Arzt kann die konkrete Ursache für Ihre Blasenschwäche abklären und Ihnen entsprechende Therapiemaßnahmen empfehlen.

Grundsätzlich wird bei einer Belastungsinkontinenz ein intensives Beckenbodentraining empfohlen. Denn in einem Großteil der Fälle liegt die Ursache einer Stressinkontinenz in einer geschwächten Beckenbodenmuskulatur.

Erzielen solche konservativen Maßnahmen keinen Erfolg, kann gegebenenfalls nur noch ein operativer Eingriff die Beschwerden lindern. In vielen Fällen wird dazu ein spannungsfreies Band unter der Harnröhre platziert.

Was hilft bei Blasenschwäche?

Besteht bereits eine Blasenschwäche, können Betroffene auf eine Reihe verschiedener Hilfsmittel zurückgreifen. Alle verfolgen dabei das Ziel, das Leben der Betroffenen zu erleichtern und ihre Lebensqualität zu steigern. Grundsätzlich werden hier vier Hilfsmittelarten unterschieden:

  • Aufsaugende Hilfsmittel
  • Funktionell-anatomische Hilfsmittel
  • Toilettenhilfen
  • Ableitende Hilfsmittel

Was ist eine Überlaufblase?

Eine sogenannte Überlaufblase liegt vor, wenn die Blase aufgrund einer Blasenentleerungsstörung stark vergrößert ist und kleinere Mengen an Urin verliert, ohne dass die betroffene Person willentlich dazu beigetragen hat.

Welche Formen der Harninkontinenz gibt es?

Je nach Ursache der Inkontinenz unterscheidet die Medizin zwischen folgenden Harninkontinenz-Formen:

  1. Belastungsinkontinenz (auch Stressinkontinenz)
  2. Dranginkontinenz (auch Syndrom der überaktiven Blase)
  3. Giggle Inkontinenz (auch Lachinkontinenz, Unterform der Dranginkontinenz)
  4. Mischinkontinenz (Kombination aus Belastungs- und Dranginkontinenz)
  5. Reflexinkontinenz (auch neurogene Blase)
  6. Überlaufinkontinenz (auch Inkontinenz bei chronischer Harnretention)
  7. Extraurethrale Inkontinenz
  8. Nykturie (nächtlicher Harndrang im Erwachsenenalter)
  9. Enuresis (Bettnässen im Kindesalter)
  10. Kindliche Harninkontinenz

Was ist eine Überlaufinkontinenz?

Die Überlaufinkontinenz ist eine Form der Harninkontinenz. Bei ihr können Betroffene ihre Blase nicht vollständig leeren, sodass sie früher oder später tröpfchenweise überläuft.

Was ist eine extraurethrale Inkontinenz?

Bei einer extraurethralen Inkontinenz tritt der Urin nicht über die Harnröhre aus, sondern wird in umliegende Organe umgeleitet und von dort aus ausgeschieden.

Was ist eine Mischinkontinenz?

Eine Mischinkontinenz liegt vor, wenn eine Person gleichzeitig Symptome der Belastungs- sowie der Dranginkontinenz hat. Betroffene haben ständigen Harndrang und verlieren bei körperlicher Belastung unwillkürlich Urin.

Was ist die funktionelle Inkontinenz?

Die funktionelle Inkontinenz ist eine Harninkontinenz-Art, bei der es die betroffene Person nicht mehr rechtzeitig zur Toilette schafft, obwohl der Urogenital-Trakt einwandfrei funktioniert. Beispielsweise tritt eine funktionelle Inkontinenz bei Bewegungseinschränkungen oder Orientierungsschwierigkeiten auf.

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Erstelldatum: 7102.50.62|Zuletzt geändert: 2202.21.5
(1)
Statista (2011): Anzahl der Menschen mit Harninkontinenz in Deutschland nach Geschlecht im Jahr 2011
https://de.statista.com/statistik/daten/studie/275616/umfrage/anzahl-der-menschen-mit-harninkontinenz-in-deutschland-nach-geschlecht/ (letzter Abruf am 30.11.2022)
(2)
Stiftung Gesundheitswissen (SGW) (ohne Jahr): Harninkontinenz
www.stiftung-gesundheitswissen.de/wissen/harninkontinenz/hintergrund (letzter Abruf am 30.11.2022)
(3)
Deutsche Gesellschaft für Geriatrie (DGG) (2019): Aktualisierte DGG-Leitlinie zu Harninkontinenz veröffentlicht
www.dggeriatrie.de/ueber-uns/aktuelle-meldungen/1635-aktualisierte-dgg-leitlinie-zu-harninkontinenz-veroeffentlicht (letzter Abruf am 30.11.2022)
(4)
Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) (2021): Inkontinenz. Praxistipps für den Pflegealltag
www.zqp.de/wp-content/uploads/ZQP-Ratgeber-Inkontinenz.pdf (letzter Abruf am 30.11.2022)
(5)
Bundesverband der Kinder- und Jugendärzte e. V. (BVKJ) (2021): Einnässen (Enuresis), Inkontinenz
www.kinderaerzte-im-netz.de/krankheiten/einnaessen-enuresis-inkontinenz/was-ist-enuresis-inkontinenz/ (letzter Abruf am 30.11.2022)
(6)
Deutsche Kontinenz Gesellschaft (DKG) (2019): Harn- und Stuhlinkontinenz (Blasen- und Darmschwäche)
www.kontinenz-gesellschaft.de/wp-content/uploads/2022/11/211455_DKG_H-uS_02-22_V3.pdf (letzter Abruf am 30.11.2022)
(7)
MSD Manual – Ausgabe für Patienten, Autor: P. J. Shenot (2021): Neurogene Blase
www.msdmanuals.com/de-de/heim/nieren-und-harnwegserkrankungen/beschwerden-beim-wasserlassen/neurogene-blase (letzter Abruf am 30.11.2022)
(8)
BVMed e.V., Berlin – Portal für Medizintechnik (ohne Jahr): Was ist ISK? Intermittierender Selbstkatheterismus
www.bvmed.de/de/versorgung/hilfsmittel/hilfsmittel-ableitende-inkontinenz/was-ist-isk (letzter Abruf am 30.11.2022)
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