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Dranginkontinenz / Urgeinkontinenz

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Dranginkontinenz

Die Dranginkontinenz (auch „Urgeinkontinenz“ genannt) gehört neben der Stressinkontinenz / Belastungsinkontinenz zu den häufigsten Formen der Harninkontinenz. Sie tritt vor allem bei Männern jeder Altersstufe auf, Frauen sind seltener davon betroffen. Was sind die typischen Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten einer Dranginkontinenz? pflege.de klärt auf.

Inhaltsverzeichnis

Dranginkontinenz: Definition

Eine Dranginkontinenz ist eine Blasenspeicherungsstörung. Zwar ist der Blasenschließmuskel hier intakt, dafür reagiert der Blasenmuskel bei dieser Inkontinenzform zu empfindlich. Das führt dazu, dass sich der Blasenmuskel bereits bei geringer Füllmenge unwillkürlich zusammenzieht, so dass es zum plötzlichen Harnabgang kommt, ohne dass Betroffene das willentlich beeinflussen können.

Info

Dranginkontinenz = überaktive Blase (ÜAB)

Die Internationale Inkontinenzgesellschaft hat im Jahr 2002 die „überaktive Blase“ als offizielle Krankheitsbezeichnung eingeführt. Dadurch können Ärzte bei Beschwerden des Harndrangs Patienten schnell dem Krankheitsbild der „überaktiven Blase“ zuordnen und damit eine Therapie medizinisch indizieren und einleiten.
Deshalb setzt pflege.de die Begriffe „Dranginkontinenz“ und „überaktive Blase“ gleich. Manch anderes Portal verwendet weiterhin den Begriff „Reizblase“.

Dranginkontinenz: Symptome

Typische Symptome der Dranginkontinenz sind plötzliche – mitunter mehrmals pro Stunde auftretende – Phasen von starkem Harndrang ohne Vorankündigung. Der Harnabgang kann dabei nicht mehr willentlich hinausgezögert werden – wie bei so vielen Formen einer Inkontinenz. Betroffene müssen quasi sofort auf die Toilette, was nicht immer rechtzeitig durchführbar ist, so dass es zum unfreiwilligen Harnverlust kommen kann.

Tipp

Kennen Sie auch das ängstliche Gefühl, dass andere bemerken könnten, wenn Ihnen ein Malheur passiert? Das müssen Sie nicht haben, denn es gibt heutzutage eine ganze Reihe an diskreten Inkontinenzmaterialien wie etwa Vorlagen, Inkontinenzpants und -slips oder auch Inkontinenzeinlagen, die speziell auf die unterschiedlichen Bedürfnisse von Inkontinenzpatienten zugeschnitten sind. Diese Hilfsmittel halten Feuchtigkeit und mögliche unangenehme Gerüche zuverlässig zurück, so dass Betroffene stets ein angenehmes Tragegefühl haben und sich bei ihren Alltagsaktivitäten und in Gesellschaft mit anderen sicher fühlen können. Das gibt vielen Betroffenen ein großes Stück Lebensqualität zurück. Liegt ein Rezept des Arztes vor, können die Kosten für Inkontinenzmaterial übrigens auch von der Kasse erstattet werden.

Dranginkontinenz: Ursachen

Es gibt eine ganze Reihe an Ursachen, die zu einer Dranginkontinenz führen können. Grundsätzlich werden zwei Formen der Dranginkontinenz unterschieden:

  • Motorische Dranginkontinenz („überaktive Blase“)

Bei der motorischen Dranginkontinenz fehlt eine Hemmung der Nervenimpulse des für die Blasenentleerung zuständigen Blasenmuskels zum Gehirn. Das hat zur Folge, dass sich dieser immer wieder unkontrolliert krampfhaft zusammenzieht, wodurch schwallartig kleine Mengen von Urin abgehen. Ursache der motorischen Dranginkontinenz sind meist neurologische Erkrankungen wie Alzheimer, Parkinson, Multiple Sklerose oder auch ein Schlaganfall.

  • Sensorische Dranginkontinenz („überempfindliche Blase“)

Von einer sensorischen Dranginkontinenz spricht man, wenn die sensorischen Rezeptoren – also die Fühler in der Blasenwand – dem Gehirn einen falschen Füllstand übermitteln. Vergleichbar mit der defekten Tankanzeige bei einem Auto melden diese Fühler fälschlicherweise „voll“, obwohl die Blase noch fast leer ist. Das Gehirn veranlasst daraufhin ein Zusammenziehen der Blasenmuskulatur, um die vermeintlich volle Blase zu entleeren. Ursache für eine Überempfindlichkeit der Blase können u. a. Blasenentzündungen, Blasensteine, Tumore, Östrogenmangel bei Frauen oder auch eine Verengung der Harnröhre durch die Vergrößerung der Prostata beim Mann sein. Diese Form der Harninkontinenz gehört zu den häufigen Krankheiten im Alter bei Männern.

Info

Negative Auswirkungen von Medikamenten auf Dranginkontinenz

Auch manche Arzneimittel können negative Auswirkungen auf die Dranginkontinenz haben und die Beschwerden verschlechtern. Dazu gehören z. B.:

  • Digitaliswirkstoffe, Herzglykoside (v. a. bei Herzrhythmusstörungen und Herzschwäche)
  • Betablocker (v. a. bei Herzrhythmusstörungen, Bluthochdruck, Herzschwäche, koronare Herzkrankheit)
  • Cholinergika und Cholinesterase-Hemmer (z. B. bei Demenz und neuromuskulären Erkrankungen)
  • Prostaglindin E1 und E2 (z. B. zur Förderung der Durchblutung)

(Quelle: Robert Koch Institut)

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Dranginkontinenz: Behandlung & Therapie

Wenn konkrete Ursachen der Dranginkontinenz ausgemacht werden können wie etwa Entzündungen, Blasensteine, Tumore, etc., müssen diese zuerst entsprechend behandelt werden. Oft bessern sich die Symptome dann bereits deutlich oder verschwinden ganz. Nicht immer können die genauen Ursachen der Dranginkontinenz identifiziert werden und nicht immer lassen sich die Vorerkrankungen heilen. Dann kommen Therapien zur Behandlung der Dranginkontinenz zum Einsatz, die die Symptome lindern oder gar beseitigen, so dass Betroffene ihr Leben im Alter wieder genießen können.

Tipp

Sofern Sie bzw. Ihr betroffener Angehöriger einen anerkannten Pflegegrad haben, stehen Ihnen in der Regel Monat für Monat kostenlose Pflegehilfsmittel zum Verbrauch für die Versorgung der Inkontinenz zu. Dazu gehören u. a. waschbare Bettschutzeinlagen, Desinfektionsmittel für Hände und Flächen sowie Einmalhandschuhe. Die Pflegekasse übernimmt meist monatliche Kosten bis zu 40 Euro. Inkontinenzmaterial selbst wird nicht von der Pflegekasse, sondern ab einer mittleren Inkontinenz von der Krankenkasse bezuschusst. Fragen Sie dazu gezielt bei Ihrer Krankenkasse nach!

Nichtmedikamentöse Therapien der Dranginkontinenz

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Zu Beginn der Therapie empfehlen die meisten Ärzte zunächst eine nichtmedikamentöse Behandlung. Hilfreich sind hier insbesondere ein Miktionsprotokoll sowie ein Toilettentraining.

  • Miktionsprotokoll bei Dranginkontinenz

Beim Miktionsprotokoll, auch Toiletten- und Trinktagebuch genannt, werden über einige Tage Uhrzeit und Trinkmenge sowie Harnmenge, Harndrang und Urinverlust in einem Blasentagebuch schriftlich festgehalten. Diese Dokumentation hilft Betroffenen dabei, sich die eigenen Toilettengewohnheiten bewusster zu machen und kann das Toilettentraining unterstützen. Darüber hinaus ist ein Miktionsprotokoll auch eine konkrete Hilfe für den Arzt, damit er die tatsächlich vorliegende Inkontinenzform noch konkreter eingrenzen und die Wahl der Therapie damit noch feiner anpassen kann.

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  • Toilettentraining bei Dranginkontinenz

Ein Toilettentraining hilft Betroffenen dabei, den optimalen Zeitpunkt für die Blasenentleerung zu ermitteln. Dabei wird die Toilette nach einem konkreten Zeitplan aufgesucht und zwar bevor Harndrang spürbar wird. Dabei kann z. B. festgelegt werden, dass der Patient alle zwei Stunden etwas trinkt und anschließend 30 Minuten später die Toilette aufsucht – auch wenn er zu diesem Zeitpunkt noch gar nicht „muss“. In der Folge werden die Zeiträume weiter ausgedehnt. Dadurch erhöht sich allmählich das Blasenvolumen und der Patient bekommt wieder mehr Kontrolle über die Entleerung seiner Blase.

Tipp

Trinken Sie viel! Betroffene sollten die Aufnahme von Flüssigkeit bloß nicht einschränken. Damit könnten sie die Symptome der Dranginkontinenz nur verschlimmern, denn konzentrierter Urin reizt den Blasenmuskel. Ärzte empfehlen deshalb, mindestens zwei Liter Flüssigkeit pro Tag zu trinken. Koffein- und kohlensäurehaltige Getränke sollte allerdings gemieden werden, da sie den Harndrang erhöhen.

  • Beckenbodentraining

Obwohl bei der Dranginkontinenz – anders als bei der Belastungsinkontinenz – der Schließmuskel intakt ist, kann regelmäßiges Beckenbodentraining auch bei dieser Inkontinenzform helfen. Die Übungen stärken nicht nur den Beckenboden, sondern helfen auch, ein Gespür für den Beckenboden zu entwickeln und den Harndrang damit besser zu beherrschen.

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Medikamente bei Dranginkontinenz

Zur Behandlung der Dranginkontinenz gibt es, unterstützend zu den oben genannten nichtmedikamentösen Therapien, auch eine Reihe an Medikamenten. Hier haben sich v. a. urologische Spasmolytika bewährt, d. h. Medikamente aus der Gruppe der Anticholinergika. Sie können positive Auswirkungen auf die Entspannung der überaktiven Blasenmuskulatur haben, so dass die Blase wieder mehr Urin speichern kann.

Harninkontinenz Blasenschwäche
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Harninkontinenz / Blasenschwäche – Der große Überblick

Bei weiblichem Östrogenmangel können auch lokal in die Scheide eingebrachte östrogenhaltige Zäpfchen- oder Cremes für eine bessere Durchblutung der Blase sorgen, was ebenfalls zu einer Erhöhung der Blasenkapazität führt.

Dranginkontinenz: Homöopathie

Neben den Medikamenten der klassischen Schulmedizin können bei einer Dranginkontinenz unterstützend auch homöopathische Mittel zum Einsatz kommen. Bei Symptomen der Reizblase, Harnwegs- und Nierenerkrankungen wird die Einnahme des homöopathischen Mittels Petrosilinum empfohlen. Petrosilinum kann dabei unterstützen, den Harndrang zu lindern. Die homöopathischen Globuli werden mithilfe frischer Petersilie hergestellt und sind in der Apotheke in unterschiedlichen Potenzen (Verdünnungsgrade) erhältlich. Für die Selbstbehandlung werden meist die Potenzen D6 bis D12 empfohlen.

In Sonderfällen: Botox

Botox ist den meisten von uns vor allem in Zusammenhang mit Antifaltenbehandlungen bekannt. Die lähmende Wirkung des Nervengifts kann aber auch erfolgreich gegen die Symptome der Dranginkontinenz eingesetzt werden. Dazu wird Botox unter Narkose in den Harnblasenmuskel gespritzt. Diese Therapie ist noch relativ jung und wird nur in speziellen Inkontinenz-Zentren und in schweren Fällen von Dranginkontinenz praktiziert, wenn alle anderen Möglichkeiten nachweislich keine Besserung bringen.

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Erstelldatum: .03.507102|Zuletzt geändert: .71.019102
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