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Stressinkontinenz / Belastungsinkontinenz

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Stressinkontinenz

Die Belastungsinkontinenz ist eine der häufigsten Formen der Harninkontinenz und beschreibt den unwillkürlichen Urinverlust bei körperlicher Anstrengung ohne spürbaren Harndrang. Betroffen sind vor allem Frauen aufgrund ihrer Anatomie. pflege.de beschreibt die unterschiedlichen Symptome und Ursachen einer Belastungsinkontinenz und zeigt moderne und vielversprechende Therapiemethoden auf.

Inhaltsverzeichnis

Definition: Stressinkontinenz / Belastungsinkontinenz

Eine Stressinkontinenz bzw. Belastungsinkontinenz zeichnet sich dadurch aus, dass Betroffene unwillkürlich Harn lassen, sofern sie durch körperliche Anstrengung wie Husten, Lachen oder schweres Heben Druck auf den Bauchraum ausüben.

Für diese Form der Harninkontinenz ist sowohl der der Begriff „Belastungsinkontinenz“ als auch die Bezeichnung „Stressinkontinenz“ bekannt, auch wenn letztere etwas irreführend sein kann. Denn nicht psychischer Stress ist für den ungewollten Harndrang verantwortlich, sondern körperliche Belastung wie z. B. beim Husten, Heben schwerer Gegenstände oder auch Lachen (s. auch Giggle Inkontinenz).

Symptome der Stressinkontinenz

Typische Auslöser des ungewollten Harndrangs sind etwa Niesen, Lachen, Treppensteigen oder auch das Heben von viel Gewicht. Immer dann, wenn Druck auf den Bauchraum wirkt, können Betroffene einer Belastungsinkontinenz bzw. Stressinkontinenz den Urin nicht mehr sicher halten, obwohl sie vorher keinerlei Harndrang verspürt haben. Manche verlieren dann nur ein paar Tröpfchen Urin, andere durchaus mehr. Bei dieser Form der Harninkontinenz ist die Kraft des Blasenschließmuskels geschwächt, so dass der Schließmuskel zusätzlichem Druck auf die Blase, wie er bei körperlicher Belastung auftritt, nicht mehr standhalten kann.

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Schweregrade der Belastungsinkontinenz

Eine Stressinkontinenz bzw. Belastungsinkontinenz wird in unterschiedliche Schweregrade eingeteilt, je nachdem wie viel oder wenig körperliche Belastung bereits ausreicht, bis Harn ungewollt austritt:
Eine Belastungsinkontinenz ersten Grades liegt vor, wenn der Blasenschließmuskel erst bei starkem Druck im Bauchraum, etwa beim Husten, Niesen, Lachen oder auch beim Hüpfen, nachgibt. Kommt es bereits bei mäßigem Druck, wie etwa beim Gehen, Hinsetzen oder Aufstehen zu Harnverlust, spricht man von einer Belastungsinkontinenz Grad II. In schweren Fällen, wenn Urin auch ganz ohne körperliche Belastung, etwa in Ruhe oder bereits beim Liegen abgeht, liegt Grad III der Belastungsinkontinenz vor.

Info

Schweregrade der Belastungsinkontinenz / Stressinkontinenz

  • Grad I: Harnverlust bei starker Drucksteigerung im Bauchraum (z. B. Lachen, Pressen, Niesen, Springen, Tragen von schweren Gegenständen, Husten)
  • Grad II: Harnverlust bei mäßiger Drucksteigerung im Bauchraum (z. B. Aufstehen, Hinsetzen, Gehen, Laufen, Treppensteigen)
  • Grad III: Harnverlust bei sehr schwacher Drucksteigerung im Bauchraum oder in liegender Position

Stressinkontinenz & Belastungsinkontinenz: Ursachen

Ursache einer Stressinkontinenz bzw. Belastungsinkontinenz ist in den meisten Fällen ein geschwächter Beckenboden. Die Beckenbodenmuskulatur umschließt die Körperöffnungen im Unterleib und hält die Organe des Beckens wie eine Art Schale in der vorgesehenen Position zusammen.

  • Ursachen einer Belastungsinkontinenz bei Männern:

Bei Männern wird die Beckenbodenmuskulatur zusätzlich von der Prostata unterstützt und daher sind Männer deutlich seltener als Frauen von einer Belastungsinkontinenz betroffen. Bei Männern tritt eine Belastungsinkontinenz bzw. Stressinkontinenz meist dann auf, wenn die Prostata chirurgisch entfernt werden musste.

  • Ursachen einer Belastungsinkontinenz bei Frauen:

Frauen haben allein den Beckenboden, der die Bauchorgane tragen muss. Zudem ist der Beckenboden von Frauen durch Schwangerschaften und vaginale Geburten enormer Belastung ausgesetzt, so dass eine Inkontinenz allgemein zu den häufigsten Krankheiten im Alter bei Frauen zählt. Ist der Beckenboden durch Geburten oder Schwangerschaften einmal geschwächt, kann der Blasenschließmuskel bei Anstrengung absinken und nachgeben. Deshalb können schon junge Frauen nach mehreren Geburten – zumindest zeitweise – von einer Stressinkontinenz bzw. Belastungsinkontinenz betroffen sein. Daneben können aber auch hormonelle Veränderungen nach den Wechseljahren, starkes Übergewicht oder Unterleibs-Operationen den Beckenboden schwächen. Nervenschädigungen bzw. Schäden am Schließmuskel selbst, sind dagegen eher selten die Ursache einer Belastungsinkontinenz.

Tipp

Haben Sie bzw. Ihr betroffener Angehöriger einen anerkannten Pflegegrad, so können Sie in der Regel Pflegehilfsmittel zum Verbrauch für die Versorgung der Inkontinenz Monat für Monat kostenlos von der Pflegekasse beziehen. Dazu gehören u. a. waschbare Bettschutzeinlagen, Desinfektionsmittel für Hände und Flächen sowie Einmalhandschuhe.

Stressinkontinenz: Behandlung & Therapie

Als erste Therapiemaßnahme bei einer Belastungsinkontinenz wird meist der geschwächte Beckenboden wieder nachhaltig gestärkt. Bei leichteren Formen der Belastungsinkontinenz (Grad I und Grad II) können konservative Methoden gute Ergebnisse oder gar eine Heilung der Belastungsinkontinenz bewirken:

  • Gewichtsreduktion bei Übergewicht bringt meist bereits eine deutliche Linderung der Beschwerden, da der Beckenboden hierdurch entlastet wird.
  • Beckenbodentraining, richtig und regelmäßig durchgeführt, kräftigt die Muskulatur und die Bänder des Halteapparates nachhaltig.
  • Biofeedback als Therapieform kann dabei helfen, den Beckenboden mithilfe von optischen und akustischen Signalen wahrzunehmen und zu trainieren.
  • Scheidengewichte konischer Form können das Beckenbodentraining durch den Einsatz unterschiedlicher Gewichte steigern.
  • Elektrostimulation aktiviert über schmerzfreie elektrische Impulse die Beckenbodenmuskulatur.
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Praxistipp: Wie spüre ich die Beckenbodenmuskulatur?

Die Beckenbodenmuskulatur ist die Muskulatur, die Sie anspannen, wenn Sie den Urinstrahl bewusst unterbrechen möchten.

Bei Stressinkontinenz: Beckenbodentraining – So funktioniert’s:

Betroffene können ihre Beckenbodenmuskulatur trainieren wie jeden anderen Muskel auch. Sie müssen den Beckenboden dazu gezielt für ein paar Sekunden fest anspannen und dabei möglichst ausatmen. Das geht im Stehen, Sitzen oder auch Liegen. Richtig macht man es, wenn man ein Heben der Muskulatur unter dem Becken nach innen und oben spürt. Po, Bauch und die Innenseite der Schenkel sollten dabei entspannt bleiben. Anschließend soll der Beckenboden wieder entspannt werden.
Für ein effektives Beckenbodentraining sollte diese Übung möglichst drei bis fünf Mal wiederholt und mehrmals am Tag durchgeführt werden. Am besten funktioniert das, wenn man die Übungen in den Alltag integriert. Gut funktioniert es z. B. beim Warten an der Ampel, beim Zähneputzen oder auch vor dem Fernseher. Bereits nach zwei bis drei Monaten sollten Betroffene eine deutliche Besserung der Symptome spüren.

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Kurse für Beckenbodentraining – Was zahlt die Krankenkasse?

Wenn Sie die Grundlagen für ein effektives Beckenbodentraining lieber in einem Kurs erlernen möchten, können Sie sich die Kosten hierfür in vielen Fällen von der Krankenkasse erstatten lassen. Denn im Rahmen von Präventionsangeboten und Gesundheitskursen bezuschussen viele Krankenkassen professionelle Kurse für Beckenbodengymnastik. Übrigens: Auch nach einer Geburt sind Kurse für das Beckenbodentraining, im Rahmen der Rückbildung, eine gesetzliche Kassenleistung.

 

Medikamente bei Stressinkontinenz / Belastungsinkontinenz

Ist eine Stressinkontinenz bzw. Belastungsinkontinenz die Folge eines Östrogenmangels nach den Wechseljahren bei Frauen, dann kann auch eine Hormontherapie bzw. lokal aufgebrachte östrogenhaltige Salben oder Zäpfchen positive Auswirkungen haben. Darüber hinaus kann auch ein Medikament mit dem Wirkstoff Duloxitin eine Stärkung des Blasenschließmuskels unterstützen. Wie die meisten Medikamente ist auch dieses Mittel nicht frei von unerwünschten Nebenwirkungen wie z. B. Schlaflosigkeit, Angst, Kopfschmerzen und Verdauungsstörungen. Duloxitin wird deshalb erst bei mittlerer bis schwerer Belastungsinkontinenz eingesetzt. Ein zusätzliches Beckenbodentraining wird von Experten auf jeden Fall empfohlen.

Tipp

Wenn Sie niesen oder husten müssen, können Sie den Druck im Bauchraum verringern, indem Sie dabei den Kopf zur Seite drehen und möglichst den Beckenboden anspannen. Außerdem: Diskrete Hilfsmittel und Inkontinenzmaterial wie Windeln & Windelhosen, Pants und Slips geben zusätzlich Sicherheit, falls doch etwas Urin abgehen sollte.

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Stressinkontinenz: Operation

In schweren Fällen einer Belastungsinkontinenz oder falls eine Besserung der Symptome durch konservative Behandlungsmaßnahmen wie Beckenbodentraining und Medikamente ausbleibt, kann die Belastungsinkontinenz auch operativ behandelt werden. Dazu stehen unterschiedliche Operationsverfahren zur Verfügung:

  • TVT-Operation (tension-free vaginal-tape) bei Belastungsinkontinenz

Eine der geläufigsten Operationen bei Belastungsinkontinenz ist die TVT-Operation. Die Methode wurde Mitte der 1990er-Jahre in Schweden entwickelt. Dabei wird ein kleines Kunststoffbändchen locker unter der Harnröhre hindurchgeführt und durch die Bauchdecke nach außen geführt. Durch diese künstliche Unterstützung gibt der Schließmuskel bei Belastung nicht mehr sofort nach. Der Eingriff kann minimalinvasiv unter örtlicher Betäubung durchgeführt werden und dauert i. d. R. nur etwa 20 Minuten. Die Erfolgsquote bei der TVT-Operation ist erstaunlich hoch. Auch fünf Jahre nach dem Eingriff sind rund 80 Prozent der Patienten noch kontinent, was eine enorme Qualität des Lebens im Alter bedeutet.

  • Kolposuspension bei Belastungsinkontinenz

Eine andere bewährte Operationsmethode bei Belastungsinkontinenz ist die sog. Kolposuspension. Dabei wird der Blasenhals operativ angehoben und fixiert. Auch diese Operation kann minimalinvasiv durchgeführt werden, i. d. R. wird der Eingriff jedoch unter Vollnarkose durchgeführt. Die Erfolgsquote liegt bei rund 70 bis 100 Prozent.

  • Unterspritzung der Harnröhre bei Belastungsinkontinenz

Bei dieser Operationsmethode wird in die Wand der Harnröhre, meist unter lokaler Betäubung, eine hyaloronsäurehaltige Substanz gespritzt. Dadurch wird die Harnröhre verengt und der Blasenschließmuskel aufgepolstert, so dass er auch unter Druck wieder zuverlässig hält. Die Erfolgsquote für Besserung und Heilung liegt bei dieser Methode bei etwa 60 Prozent.

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Erstelldatum: .6.607102|Zuletzt geändert: .21.609102
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