Verstopfung (Obstipation)

Verstopfung

Der Bauch ist aufgebläht, fühlt sich voll und schwer an. Bauchkrämpfe, Übelkeit und harter Stuhl kommen hinzu. An Essen ist jetzt nicht zu denken – Verdauungsprobleme wie diese sind typisch für eine Verstopfung. Bei gesunden Menschen ist die Ursache dahinter meist harmlos und kann durch kleinere Maßnahmen leicht behoben werden. Eine Verstopfung bei pflegebedürftigen Menschen aber kann weitaus komplexer sein.

pflege.de informiert Sie als Betroffene und pflegende Angehörige zu den Formen der Verstopfung und bei welchen Anzeichen Sie wachsam werden sollten. Außerdem bekommen Sie praktische Tipps, was Sie bei Verstopfung tun können und mit welchen Hausmitteln sich Verstopfungen lösen lassen.

Inhaltsverzeichnis

Verstopfung (Obstipation): Definition

Obstipation ist der medizinische Fachbegriff für Verstopfung und bedeutet, dass die Darmentleerung erschwert ist. Der Stuhl ist meist hart, weshalb der Stuhlgang für Betroffene teilweise sehr schmerzhaft und mit starkem Pressen verbunden ist.

Verstopfung ist keine eigene Krankheit, sondern ein Symptom – sie deutet also auf eine mögliche Funktionsstörung im Körper und/oder Erkrankung hin. Aus diesem Grund ist es wichtig, dass Sie Ihren Stuhl oder den Ihres pflegebedürftigen Angehörigen regelmäßig im Blick behalten. Gehen Sie bei anhaltenden Beschwerden und/oder Auffälligkeiten zeitnah zum Arzt.

Verstopfung und gesunde Darmentleerung im Vergleich

Verdauung meint den Vorgang, bei dem unser Körper Nahrungsbestandteile zersetzt. Dies beginnt bereits im Mund. Von dort aus durchläuft die Kost verschiedene Stationen in einem komplexen Verdauungssystem (siehe Infografik). Die eigentliche Verdauung wird bereits im Dünndarm abgeschlossen.

Die verdaute Masse durchläuft anschließend den Dickdarm. Aufgabe unseres Dickdarms ist es, der zersetzten Nahrung noch möglichst viel Wasser zu entziehen. Hierdurch entsteht Kot.

Der Enddarm ist der letzte Dickdarm-Abschnitt und umfasst den Mastdarm sowie den Analkanal. Die unverdaulichen Reste sammeln sich in Form von Stuhl im Mastdarm und sorgen normalerweise dafür, dass sich der innere Schließmuskel öffnet und wir einen Stuhldrang verspüren. In der Folge suchen wir eine Toilette auf und entleeren unseren Darm.

Das passiert bei einer Verstopfung im Darm

Bei einer Verstopfung ist die Darmentleerung erschwert. Wird der Darm über mehrere Tage kaum bis gar nicht entleert, staut sich im Enddarm Kot an. Je länger er darin verbleibt, desto mehr Wasser wird ihm entzogen. Dann wird der Stuhl immer härter.

Es kommt zu einem Kot-Stau, der die Wege nach außen blockiert, wodurch Gase nur noch erschwert entweichen können. In der Folge fühlen wir uns aufgebläht und voll. Um harten Kot auszuscheiden, müssen wir meist stärker pressen. Das ist häufig unangenehm, in vielen Fällen auch schmerzhaft.

Wichtige Merkmale, auf die Sie im Pflegealltag achten können

Der Stuhlgang liefert uns wichtige Informationen über unsere Darmgesundheit. Verschiedene Merkmale können ein erster Anhaltspunkt dafür sein, ob unsere Verdauung ungestört stattfindet oder etwas im Darm nicht nach Plan verläuft.

Die folgende Tabelle stellt die wichtigsten Merkmale einer ungestörten Darmentleerung und die einer Verstopfung gegenüber:

Merkmal Ungestörte Darmentleerung Verstopfung
Kotkonsistenz Kot ist weich Kot ist hart und trocken
Stuhlgang Leichte Ausscheidung, keine Schmerzen Starkes Pressen, schmerzhaft
Stuhlhäufigkeit Dreimal täglich bis drei Stuhlgänge pro Woche Darmentleerung erfolgt seltener als gewohnt; weniger als drei Stuhlgänge pro Woche
Gefühl nach Stuhlgang Darm fühlt sich entleert an Darm fühlt sich noch voll an
Darmgeräusche Keine auffälligen Geräusche Häufiges Magengrummeln, Blähungen

Symptome und Anzeichen bei Verstopfung

Wenn Sie jemanden pflegen oder selbst pflegebedürftig sind, ist die Ernährung und Verdauung ein wichtiger Baustein in Ihrem Pflegealltag. So auch das Wissen über die folgenden Anzeichen und Symptome einer Obstipation:(1)

  • Die Darmentleerung findet seltener statt als sonst.
  • Die ausgeschiedene Stuhlmenge fällt geringer aus als sonst.
  • Der Stuhlgang ist sehr mühsam (häufig nur durch starkes Pressen und/oder händische Unterstützung möglich).
  • Der Stuhl ist hart und trocken.
  • Der Darm fühlt sich noch voll und/oder blockiert an.
  • Ein verhärteter Bauch, Bauchschmerzen, Blähungen und Übelkeit können Begleiterscheinungen sein.
Tipp
Kommunizieren Sie über Ihre verschiedenen Sinne

Als Pflegeperson sollten Sie verschiedene Wege nutzen, um mögliche Verdauungsbeschwerden bei Ihrem Angehörigen zu erkennen. Hierbei sind Ihre Sinne gefragt:

  • Schmerzen lassen sich häufig im Gesicht ablesen. Sehen Sie also genau hin.
  • Einen verhärteten Bauch können Sie unter Umständen auch von außen ertasten.
  • Auffälligkeiten des Stuhls können Sie ebenfalls mit Ihrem bloßen Auge sehen und auch riechen.
  • Bei Sprachstörungen (Aphasien) können Sie gezielte Ja-Nein-Fragen stellen, die Ihr Angehöriger unter Umständen durch wortloses Nicken beziehungsweise Kopfschütteln beantworten kann.

Verstopfungsbeschwerden können den Pflegealltag beeinflussen

Wenn Sie einen Menschen im Alltag unterstützen und/oder pflegen, kann hierbei auch Verstopfung ein Thema sein. Setzen Sie sich als Ziel, die Pflegesituation so weit wie möglich zu erleichtern. pflege.de unterstützt Sie hierbei – sowohl mit Informationen als auch mit hilfreichen Services.

Nutzen Sie die Ansprüche, die Ihnen zustehen. So bleibt Ihnen und Ihrem Angehörigen mehr Zeit für die schönen Momente. Damit tun Sie nicht nur der pflegebedürftigen Person einen Gefallen, sondern auch sich selbst.

Tipp
Pflegeleistungen erleichtern Ihren Pflegealltag

Mit einem anerkannten Pflegegrad stehen dem pflegebedürftigen Versicherten verschiedene Unterstützungsleistungen der Pflegekasse zu. Ob für den Erstantrag auf Pflegegrad oder als Orientierungsgrundlage für eine mögliche Höherstufung – Nutzen Sie gerne den kostenlosen Pflegegradrechner von pflege.de und berechnen Sie den voraussichtlichen Pflegegrad in Ihrem speziellen Fall.

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Praxistipps bei Problemen mit der Darmentleerung im Pflegealltag

Besonders im Pflegealltag kann die Darmentleerung durch verschiedene Erkrankungen und allgemeine Lebensumstände erschwert sein. Doch seien Sie beruhigt – für jede Herausforderung gibt es eine Lösung. Hierzu einige Beispiele:

  • Bei Stuhlinkontinenz: Bei einer Stuhlinkontinenz verlieren betroffene Menschen die Kontrolle über ihren Schließmuskel. In der Folge findet bei ihnen die Darmentleerung willkürlich statt und Gase, fester sowie flüssiger Stuhl treten unkontrolliert aus. Geeignetes Inkontinenzmaterial kann den Alltag mit Stuhlinkontinenz erleichtern.
  • Bei körperlichen Einschränkungen: Viele Menschen mit schweren körperlichen Einschränkungen können mit ihrer Darmentleerung nicht vollständig selbstbestimmt umgehen. Oft benötigen sie hierbei Unterstützung – durch weitere Hilfsmittel  wie etwa einem Analtampon oder durch die Pflegeperson.
  • Bei Demenz: Menschen mit einer fortgeschrittenen Demenz können sich häufig nicht mehr verständlich äußern. Ruft Ihr pflegebedürftiger Angehöriger mit Demenz wiederholt „Aua, aua“ oder stöhnt sehr laut, so kann dahinter stets auch eine ernsthafte Ursache – wie etwa eine Verstopfung – liegen. Hier ist wichtig, dass Sie genau hinsehen und frühzeitig handeln.
  • Bei Bettlägerigkeit: Aufgrund mangelnder Bewegung sind besonders bettlägerige Menschen anfällig für Verstopfung. Im Falle einer Bettlägerigkeit, sollten Sie also mit gezielten Maßnahmen gegenarbeiten: Regen Sie Ihren pflegebedürftigen Angehörigen im Liegen oder Sitzen zur eigenständigen Bewegung an. Das sogenannte Konzept der Bewegungsförderung durch kinästhetische Mobilisation hält dafür geeignete Techniken bereit. Achten Sie außerdem auf eine möglichst eiweißreiche Kost, denn diese wirkt dem Muskelabbau entgegen.
Tipp
Sie benötigen einen Experten-Rat zu Ihrem Pflegealltag?

In einer individuellen Pflegeschulung bekommen Sie von einer examinierten Pflegeberatung spezielle Tipps, zugeschnitten auf Ihre persönliche Pflegesituation. Um dies zu ermöglichen, findet die Schulung im Zuhause der pflegebedürftigen Person statt. Die Kosten für eine Pflegeschulung nach § 45 SGB XI übernimmt die Pflegekasse. Für den Anspruch auf diese Leistung müssen Sie noch nicht aktiv pflegen. Es reicht bereits, wenn Sie daran interessiert sind oder dies in Erwägung ziehen.

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Formen von Verstopfung

Mediziner unterscheiden zwei grundlegende Formen von Verstopfung:

  1. Akute Obstipation: Die Verstopfungsbeschwerden treten meist innerhalb weniger Stunden bis Tage auf und können sich in kürzester Zeit verstärken.(2) Oft steckt hinter einer akuten Obstipation mit heftigen Symptomen eine ernstere Ursache, die schnell behandelt werden muss.
  2. Chronische Obstipation: Liegen die Verstopfungssymptome seit mindestens drei Monaten vor, ist die Verstopfung chronisch. Eine chronische Verstopfung entwickelt sich also über einen längeren Zeitraum.(3)

Drei Unterformen bei chronischen Verstopfungen

Darüber hinaus kann eine chronische Obstipation je nach Ursache in drei weitere Kategorien unterteilt werden:(4)(5)

Unterform Beschreibung
Funktionelle Obstipation Verstopfung liegt keiner Erkrankung zugrunde
Kologene Obstipation (auch Slow-Transit-Obstipation) Verstopfung durch Darmbewegungsstörung (Darmträgheit), wobei der Nahrungsbrei im Darm nur sehr langsam vorwärtskommt
Anorektale Obstipation Verstopfung durch Entleerungsstörung, in Folge von Veränderungen oder Störungen am Enddarm oder Anus

Gesunder Stuhl und Stuhl bei Verstopfung im Vergleich

Wie gesund ist eigentlich Ihr Stuhl? Für die meisten Menschen ist das eine eher ungewöhnliche, teils auch unangenehme Frage. Dabei sollten wir uns diese Frage viel regelmäßiger stellen und auch offener mit dem Thema umgehen. Denn der Stuhl kann wichtige Hinweise zu unserer Darmgesundheit geben.

Tipp vom Angehörigenbeirat
Tatjana  Brückner
Professionell Pflegende & pflegende Angehörige

Leiden Sie oder Ihr pflegebedürftiger Angehöriger neuerdings an Verdauungsproblemen, kann ein Ernährungstagebuch sinnvoll sein. Dokumentieren Sie darin, zu welcher Zeit was und in welcher Menge gegessen wurde. Beobachten Sie dabei auch, wie das Bauchgefühl jeweils danach ist. Notieren Sie alle Auffälligkeiten, wie beispielsweise Bauchschmerzen oder Blähungen am Abend. Bei anhaltenden Verdauungsbeschwerden kann Ihr Arzt oder eine Ernährungsberatung mithilfe des Ernährungstagebuchs genauere Rückschlüsse ziehen.

alle Informationen zu Tatjana Brückner

Stuhlkonsistenz

Gesunder Stuhl ist möglichst weich. Gelegentlich kann er auch etwas fester oder flüssiger sein.

Dauerhaft harter Stuhl beziehungsweise fester Stuhlgang kann ein Anzeichen für eine Verstopfung sein. In besonders schweren Fällen kann eine Verstopfung dazu führen, dass betroffene Personen bis zu zwei Wochen keinen Stuhlgang haben. Stellen Sie bei sich oder Ihrem Angehörigen also dauerhaft harten beziehungsweise flüssigen Stuhl fest, sollten Sie dies zeitnah von einem Arzt abklären lassen.

Stuhlfarbe

Gesunder Stuhl ist braun.

Dauerhaft heller oder dunkler Stuhl können auf eine gestörte Verdauung hindeuten. Ist der Kot sehr dunkel bis schwarz, kann möglicherweise Blut im Stuhl sein. Ist der Stuhl grün und riecht sehr streng, kann eine bakterielle Infektion dahinterstecken. Bitte bedenken Sie aber auch, dass die Farbe und Konsistenz Ihres Stuhls je nach Mahlzeit variieren kann. Nimmt Ihr Stuhl beispielsweise nach einem Curry-Gericht eine gelbliche Farbe an, ist dies kein Grund zur Sorge.

Tipp
Schützen Sie sich mit Pflegehilfsmitteln vor Infektionen

Hygieneprodukte wie zum Beispiel Desinfektionsmittel, Mundschutz oder Handschuhe schützen Sie im Pflegealltag vor Infektionen. Diese Produkte sind sogenannte Pflegehilfsmittel zum Verbrauch und gehören zu den Unterstützungsleistungen der Pflegeversicherung. Findet die Pflege zuhause statt und es liegt ein anerkannter Pflegegrad vor, zahlt Ihnen die Pflegekasse bis zu 40 Euro im Monat für diese Hilfsmittel. Mit der curabox von pflege.de können Sie die Produkte ganz einfach und unkompliziert beantragen.

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Bristol-Stuhlformen-Skala: Verschiedene Stuhltypen nach Konsistenz und ihre Bedeutung

Die Bristol-Stuhlformen-Skala (auch sogenannte Bristol-Stuhl-Skala) gibt Ihnen einen Überblick über die verschiedenen Stuhltypen je nach ihrer Konsistenz in einer Tabelle.(6)

Suchen Sie Ihre Hausarztpraxis auf, wenn Sie oder Ihr Angehöriger regelmäßig oder aber langandauernd auffälligen Stuhl ausscheiden:

  • Typ 1 und 2 sind auffällig (Verstopfung).
  • Typ 3 und 4 sind unauffällig (gesunder Stuhl).
  • Typ 5 ist eher unauffällig, sollte aber genauer beobachtet werden.
  • Typ 6 und 7 sind auffällig (Durchfall).
Tipp
Drucken Sie sich diese Grafik aus

Bilder sind manchmal leichter verständlich als Worte. Viele Ärzte kennen die Bristol-Stuhlformen-Skala und nutzen die Bildersprache im ersten Diagnose-Gespräch. Wenn es Ihnen schwerfällt, offen über Ihren Stuhl zu sprechen und auf Nummer sicher gehen möchten, können Sie sich die Grafik ausdrucken und mit ins Gespräch nehmen. Sie können auch ein Stuhlprotokoll führen und Ihrem Arzt die Notizen vorlegen.

Ursachen für Verstopfung

Unser Verdauungssystem ist sehr komplex und kann auf verschiedene Einflüsse äußerst empfindlich reagieren. Ob ein veränderter Tagesablauf, eine Ernährungsumstellung, ein Krankenhausaufenthalt, eine Hormonumstellung oder eine Erkrankung – es gibt viele Gründe, die den gewohnten Rhythmus irritieren und so zu Verdauungsproblemen führen können.

Die Ursachen für eine Obstipation liegen meist im Lebensstil oder lassen sich auf Erkrankungen zurückführen.

Info
Auslöser kennen und Verstopfung vermeiden

Eine Verstopfung, die durch eine Erkrankung oder einen speziellen Auslöser hervorgerufen wird, wird auch als sekundäre Obstipation bezeichnet. Gelingt es, die Grunderkrankung beziehungsweise den Auslöser zu behandeln, so kann die Verstopfung unter Umständen erfolgreich mitbehandelt werden.(6)

Ursachen im Lebensstil

Die nachfolgende Liste gibt Ihnen einen Überblick zu den Ursachen für Obstipation, die den Lebensstil betreffen:(5)

  • Ernährungsweise (zum Beispiel ballaststoffarme und fettreiche Ernährung)
  • Flüssigkeitsmangel (zum Beispiel im höheren Alter oder bei Schluckstörungen)
  • Bewegungsmangel (zum Beispiel bei Bewegungseinschränkungen und/oder Bettlägerigkeit)
  • Darmträgheit (zum Beispiel im höheren Alter)
  • Hormone (zum Beispiel in der Schwangerschaft, nach einer Geburt, während der Periode, bei Schilddrüsenunterfunktion oder -überfunktion)
  • Stress

Ursachen durch Erkrankungen

Die nachfolgende Liste gibt Ihnen einen Überblick zu den Ursachen für Obstipation mit Krankheitsbezug:(3)(5)(7)

  • Medikamente (zum Beispiel Opioide zur Schmerzbehandlung, Antidepressiva, Parkinson-Medikamente)
  • Krankenhausaufenthalt (zum Beispiel nach einer Operation)
  • Darmerkrankungen (zum Beispiel bei Reizdarmsyndrom, Darmkrebs)
  • Nervenerkrankungen (zum Beispiel Querschnittslähmung, Multiple Sklerose (MS), Parkinson, Diabetes mellitus – kann zu Schäden an den Nerven führen)
  • Organische Erkrankungen (zum Beispiel instabiler Beckenboden, Funktionsstörungen der Beckenboden-Muskulatur, Funktionsstörungen des Schließmuskels)
  • Nahrungsmittelunverträglichkeiten (zum Beispiel Laktoseintoleranz)

Darmträgheit im Alter

Menschen mit einem trägen Darm sind häufig anfällig für eine Verstopfung. Besonders ältere Menschen haben hierfür ein erhöhtes Risiko, was oftmals mit ihren Lebensbedingungen zusammenhängt. Mehrere Krankheiten im Alter und/oder die gleichzeitige Einnahme verschiedener Medikamente begünstigen Verstopfungen. Darüber hinaus gibt es die sogenannten geriatrischen „I“s, die eine Verstopfung ebenfalls herbeiführen können.

Info
Diese geriatrischen „I“s können zur Verstopfung beitragen

In der Geriatrie (Altersmedizin) gibt es die sogenannten geriatrischen „I“s. Hierbei handelt es sich um Beschwerden, die besonders häufig im Alter vorkommen und das Leben von Betroffenen beeinträchtigen können. All diese altersbedingten Beschwerden beginnen mit dem Anfangsbuchstaben „I“ – daher die Bezeichnung. Dazu gehören:(8)

  1. Insomnie (Schlafstörungen)
  2. Inkontinenz
  3. Immobilität (Bewegungseinschränkungen)
  4. Instabilität (zum Beispiel Stürze im Alter, die eine längere Bettruhe zur Folge haben)
  5. Intellektueller Abbau (zum Beispiel Demenz)

Folgen und Komplikationen einer Verstopfung

Bei einer unbehandelten Verstopfung kann es zu diesen teils schweren Folgen beziehungsweise Komplikationen kommen:(9)

  • Hämorrhoiden
  • Hauteinrisse im Analkanal (sogenannte Analfissuren)
  • Kot-Stau (sogenannte Koprostase)
  • Stuhlinkontinenz
  • Schädigungen der Dickdarmwand mit entzündeten Ausstülpungen der Dickdarmschleimhaut (sogenannte Divertikulitis)
  • Mastdarm-Vorfall (sogenannter Rektumprolaps)
  • Darmverschluss
  • Darmlähmung
  • Herzrhythmusstörungen
  • Ungewollter Gewichtsverlust

Ab wann ist eine Verstopfung gefährlich?

Leiden Sie oder Ihr pflegebedürftiger Angehöriger regelmäßig an Verdauungsproblemen, sollten Sie diese beim Arzt abklären lassen. Eine chronische Verstopfung kann zu Blut im Stuhl, starken Schmerzen, Bauchkrämpfen und ungewolltem Gewichtsverlust führen. Grundsätzlich können Sie sich merken: Je intensiver die Beschwerden sind, desto dringlicher ist ein Arztbesuch.

Tritt bei Ihnen oder Ihrem Angehörigen eine Verstopfung sehr plötzlich und heftig auf (akute Verstopfung), kann dies im Extremfall auf einen Darmverschluss oder Schlaganfall hindeuten.

Kommen neben den typischen Verstopfungsbeschwerden noch Erbrechen und Fieber hinzu, sollten Sie sofort einen Notarzt rufen.(5)(10)

Tipp
Setzen Sie Notfalldokumente für den Ernstfall auf

Besonders für diese Fälle ist es sinnvoll, dass Sie einen ausgefüllten Notfallpass bei sich zuhause haben. Mit diesem haben Sanitäter oder Notärzte alle medizinischen Besonderheiten auf einen Blick und können so schnell handeln.

Diagnostik: Verstopfung erkennen

Erste Anlaufstelle bei auffälligem Stuhl und/oder Magen-Darm-Beschwerden ist immer Ihre Hausarztpraxis oder auf direktem Wege der zuständige Facharzt:

  • Gastroenterologen sind Spezialisten für den Magen-Darm-Trakt. Sie befassen sich auch mit den Organen, die an der Verdauung beteiligt sind – also der Bauchspeicheldrüse, der Leber sowie Gallenblase.
  • Proktologen sind spezialisiert auf Erkrankungen des Enddarms – also dem Mastdarm und Analkanal.
Tipp
Ihr Hausarzt kann die Dringlichkeit bescheinigen

Nicht jede Facharztpraxis bietet offene Sprechstunden an. Ohne Überweisung kann die Wartezeit auf einen Termin je nach Region zwischen drei bis sechs Monate betragen. Wenn Sie also möglichst schnell an einen Facharzttermin kommen möchten, ist der vorherige Weg zum Hausarzt durchaus sinnvoll. Denn dieser kann Ihnen nicht nur eine Erstmeinung abgeben, sondern Ihren Fall auch bei Bedarf als dringlich einstufen. Mit einem Dringlichkeitscode auf der ärztlichen Überweisung haben gesetzlich Versicherte seit 2016 den Anspruch auf einen Facharzttermin innerhalb von vier Wochen.(11) Sprechen Sie Ihren Hausarzt beim Besuch am besten direkt darauf an.

Diagnosekriterien bei Verstopfung

Ein Richtwert für die Diagnose „Obstipation“ ist die Häufigkeit der Stuhlgänge: Weniger als drei Stuhlgänge pro Woche sind in der Medizin auffällig.

Die sogenannten Rom-IV-Kriterien bilden den diagnostischen Rahmen für diverse Funktionsstörungen des Magen-Darm-Traktes, somit auch für Verstopfung. Relevante Diagnosekriterien sind:(3)

  • Kräftiges Pressen beim Stuhlgang erforderlich
  • Harter Stuhl
  • Gefühl der unvollständigen Darmentleerung
  • Blockade-Gefühl im Analkanal
  • Unterstützende Maßnahmen zur Darmentleerung per Hand
  • Weicher oder flüssiger Stuhl nur mit Abführmittel möglich
  • Reizdarmsyndrom ist ausgeschlossen

Bei einer chronischen Obstipation bestehen

  • mindestens zwei dieser Kriterien regelmäßig oder wiederholt
  • über mindestens drei Monate des letzten halben Jahres.(7)

So läuft die Diagnostik bei Obstipation ab

Zur Diagnostik einer Obstipation geht Ihr Arzt wie folgt vor:(3)

  1. Anamnese: In einem ausführlichen Gespräch zur Lebenssituation erkundigt sich Ihr Arzt vor allem zu Ernährung und Bewegung sowie zu vorliegenden Erkrankungen inklusive Medikamenteneinnahme.
  2. Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht Ihren Bauch. Er tastet ihn ab, hört mit einem Stethoskop mögliche Darmgeräusche ab und führt gegebenenfalls noch eine Ultraschall-Untersuchung durch.

Wenn die Ursache weiterhin unklar ist oder die Beschwerden sehr stark sind, folgen zusätzliche Diagnoseschritte. Dazu gehören:

  • Eine Blutuntersuchung
  • Eine Stuhlanalyse
  • Spezielle Enddarmuntersuchungen (Druckmessung des Schließmuskels, einfache Tests zur Stuhlentleerung)
  • Bildgebende Verfahren
  • Darmspiegelung
Tipp
Gespräche über den Stuhl gehören zum Arzt-Alltag

Halbe Wahrheiten erschweren es Ihrem Arzt, die Ursachen für Ihre Beschwerden schnellstmöglich abzuklären. Scheuen Sie sich also nicht davor, Ihrem Arzt offen und ehrlich von Ihren Beschwerden zu berichten. Für Ihren Arzt sind folgende Informationen über Ihren Stuhl relevant: Häufigkeit Ihrer Stuhlgänge, Konsistenz, Farbe und Geruch.

Maßnahmen und Therapie bei Obstipation

Da die Ursachen für Verstopfungen sehr vielfältig sind, gibt es auch unterschiedliche Therapie-Ansätze. Je nachdem, welche Informationen vorliegen, leitet Ihr Arzt weitere Maßnahmen ein.

Sofern erforderlich, bekommen Sie zunächst spezielle Empfehlungen zu Ihrem Lebensstil:(3)

  • Trinken Sie täglich etwa 1,5 bis 2 Liter Wasser.
  • Bewegen Sie sich täglich – so weit wie möglich und altersentsprechend.
  • Entleeren Sie Ihren Darm möglichst zeitnah, sobald Sie einen Stuhldrang verspüren. Unterdrücken Sie den Stuhldrang nicht.
  • Achten Sie auf eine ballaststoffreiche Ernährung.
  • Lassen Sie sich Zeit bei Ihren Mahlzeiten und kauen Sie gründlich.
  • Schaffen Sie eine Routine für Ihre Toilettengänge.
  • Nehmen Sie oder Ihr Angehöriger verstopfungsfördernde Medikamente ein, sucht Ihr Arzt außerdem im ersten Schritt nach medikamentösen Alternativen.

Abführmittel bei Verstopfung

Sollten Sie trotz der lebensstilbezogenen Maßnahmen weiterhin an Verstopfungsbeschwerden leiden, verschreibt Ihnen Ihr Arzt ein Abführmittel. Abführmittel werden auch Laxantien genannt. Sie sollen eine Verstopfung lösen und/oder einer Darmträgheit entgegenwirken. Manchmal werden sie auch vor einer Untersuchung wie etwa einer Darmspiegelung eingenommen, damit der Darm möglichst entleert ist.

Je nach Substanz wirken Abführmittel unterschiedlich. Zum Beispiel gibt es spezielle Abführmittel, die die Darmbewegung anregen sollen oder welche, die den Stuhl gleitfähig machen.

Wichtiger Hinweis Abführmittel sind nur für den kurzen Gebrauch gedacht

Abführmittel sollten Sie nur über einen möglichst kurzen Zeitraum einnehmen – am besten genau so, wie Sie von Ihrem Arzt verordnet werden. Bessern sich Ihre Beschwerden nicht, leitet Ihr Arzt weitere Behandlungsschritte ein. Meistens verordnet er weitere Medikamente.

Abführmittel gibt es in unterschiedlichen Verabreichungsformen:

  • Zäpfchen
  • Tabletten
  • Einlauf/ Klistiere
  • Tropfen
  • Pulver
  • Granulate
  • Lösungen
  • Sirupe
Tipp vom Angehörigenbeirat
Tatjana  Brückner
Professionell Pflegende & pflegende Angehörige

Abführmittel sind nicht zur Obstipationsprophylaxe gedacht und zugelassen. Überlegen Sie am besten gemeinsam mit Ihrem Arzt und Apotheker, zu welchen Mitteln Sie bei einer akuten Verstopfung greifen sollten. Nicht nur Medikamente, sondern auch bestimmte Säfte, wie Zitronensaft oder Sauerkrautsaft, wirken beispielsweise abführend.

alle Informationen zu Tatjana Brückner

Verstopfung und Medikamente

Leider nehmen Menschen Medikamente, wie etwa Abführmittel, oft in Eigenregie ein – dabei häufig in überdosierter und/oder missbräuchlicher Form (etwa bei „Diäten“). In beiden Fällen tun Sie Ihrem Darm keineswegs Gutes: Nehmen Sie ein Abführmittel zu lange ein, kann sich Ihr Körper unter Umständen daran gewöhnen. Im ungünstigsten Fall verstärken Sie hierdurch sogar noch die Darmträgheit und Sie benötigen ein immer stärkeres Abführmittel.(12)

Tipp
Nutzen Sie einen Medikamentenplan

Häufig müssen im Pflegealltag mehrere Medikamente gleichzeitig eingenommen werden. Ein Medikamentenplan kann Ihnen dabei helfen, den Überblick zu behalten und Dosierungs- sowie Einnahmefehler zu vermeiden. pflege.de stellt Ihnen hierzu eine kostenlose Vorlage bereit. Nutzen Sie diese gern!

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Hilfe und Tipps bei Verstopfung

Je bewegungseingeschränkter Sie oder Ihr pflegebedürftiger Angehöriger sind, desto anfälliger sind Sie für eine Verstopfung – und desto komplexer kann auch die Behandlung werden.

pflege.de gibt Ihnen spezielle Tipps, die Ihnen bei Verstopfung helfen können. Die meisten dieser Tipps gehören auch zur sogenannten Obstipationsprophylaxe – sind also Maßnahmen, die einer Verstopfung vorbeugen können:(10)(13)

  • Greifen Sie zu ballaststoffreichen Lebensmitteln und trinken Sie ausreichend.
  • Ein Glas Wasser vor der ersten Mahlzeit wirkt stuhlgangfördernd.
  • Feste Stuhlgangzeiten geben der Verdauung einen regelmäßigen Rhythmus vor.
  • Hilfsmittel wie etwa ein Toilettenhocker erleichtern die Darmentleerung.
  • Eine spezielle Körper- und Hautpflege schützt die Haut am After vor Einrissen.
  • Bei einer Ernährungs- und Bewegungsberatung bekommen Sie individuelle Tipps, die hilfreich sein können.
  • Führen Sie spezielle Übungen bei Verstopfung durch.

Mit Hausmitteln die Verstopfung lösen und Stuhlgang anregen

Ihre Ernährung bei Verstopfung sollten Sie möglichst ballaststoffreich gestalten. Ballaststoffe können nicht nur die Verdauung anregen, sondern auch einer Obstipation vorbeugen. Die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e. V. (DGE) empfiehlt mindestens 30 Gramm Ballaststoffe am Tag.(2)

Suchen Sie also begleitend zu den anderen Maßnahmen auch nach Wegen, mit denen Sie natürlich abführen können. Eine Möglichkeit bieten bestimmte Hausmittel gegen Verstopfung, mit denen Sie die Verstopfung unter Umständen lösen können.

Welche Lebensmittel bei Verstopfung den Stuhlgang anregen können, sehen Sie in der folgenden Liste:(14)

  • Kartoffeln
  • Vollkornprodukte (Brot, Nudeln, Naturreis, Haferflocken)
  • Samen (Leinsamen, Flohsamen)
  • Quinoa
  • Hirse
  • Nüsse
  • Gemüse (vor allem Erbsen, Möhren, Brokkoli, Blumenkohl, Mais)
  • Obst (vor allem Avocado, Quitte, Beeren, Birne)
  • Trockenobst (zum Beispiel getrocknete Pflaumen)
Tipp
Stellen Sie Ihre Ernährung Schritt für Schritt um

Wie Sie nun wissen, kann unser Darm auf Veränderungen äußerst empfindlich reagieren – so auch bei einer abrupten Ernährungsumstellung. Wenn Sie bisher eher ballaststoffarme Kost verzehrt haben, sollten Sie die tägliche Ballaststoff-Zufuhr lieber schrittweise erhöhen. Verzehren Sie zudem lieber kleinere Mahlzeiten über den Tag verteilt als wenige große Mengen auf einmal. Lassen Sie sich beim Essen Zeit und kauen Sie gut. Damit Ihr Körper die Ballaststoffe wie gewünscht aufnehmen kann, sollten Sie ausreichend Wasser trinken – mindestens 1,5 Liter täglich.

Das Hilfsmittel bei Verstopfung: Toilettenhocker

Für Menschen mit Verstopfung oder einem trägen Darm ist der Toilettenhocker ein geeignetes Hilfsmittel. Denn er verändert die Sitzposition und begünstigt den Stuhlgang.

Üblicherweise sitzen wir in einem 90-Grad-Winkel auf der Toilette. In dieser Sitzposition knickt der Schließmuskel unseren Darm ab. Im Normalfall macht dies nichts aus.

Bei einer Verstopfung kann diese Sitzposition jedoch die Darmentleerung umso mehr erschweren. Stellen wir unsere Füße beim Stuhlgang auf einen Toilettenhocker, verändert sich unsere Sitzposition zu einem 35-Grad-Winkel. Hierdurch knickt der Schließmuskel den Darm nicht mehr ab und wir können den Stuhl „geradewegs“ ausscheiden.

Übungen bei Verstopfung

Es gibt verschiedene Übungen, mit denen Sie die Darmbewegung anregen können. Dazu gehören Bewegungsübungen, die isometrische Bauchpresse sowie die Bauch- beziehungsweise Darmmassage.

Bewegungsübungen

Integrieren Sie geeignete Bewegungsübungen in Ihren Pflegealltag – natürlich nur solche, die Betroffenen auch möglich sind. Für körperlich eingeschränkte Menschen gibt es bestimmte Übungen der sogenannten aktivierenden Pflege, die Sie auch gut im Bett durchführen können.

Bauchmuskeltraining

Auch eine gestärkte Bauchmuskulatur kann sich günstig auf die Darmbewegung auswirken. Eine geeignete Übung ist hierbei die sogenannte isometrische Bauchpresse: Dafür ziehen Sie den Bauchnabel für zehn Sekunden kräftig ein und entspannen ihn danach wieder langsam. Wiederholen Sie diese Übung insgesamt fünfmal.(10)

Darmmassage

Bei Verstopfung kann eine regelmäßige Bauchmassage beziehungsweise Darmmassage die Darmbewegung ebenfalls ankurbeln.(10)

Die Infografik zeigt fünf spezielle Reizpunkte, die Sie dabei

  • nacheinander,
  • in halbkreisförmigen Bewegungen,
  • unter sanftem Druck massieren.

Sie starten von sich aus gesehen unten rechts vom Bauchnabel (Nummer 1: beginnender Dickdarm) und arbeiten sich im Uhrzeigersinn vor bis links unterhalb des Bauchnabels (Nummer 5: Enddarm-Stück). Drei- bis viermal pro Woche können Sie diese Massage am Bauch durchführen.

Wichtiger Hinweis In diesen Fällen ist die Bauchmassage nicht geeignet

In bestimmten Fällen sollten Sie die Bauchmassage nicht durchführen:

  • Bei Durchfall
  • Unmittelbar nach einer Operation am Bauch
  • Bei besonders empfindlicher Haut am Bauch (etwa durch Hauterkrankungen, bei Pergamenthautchronischen Wunden)
  • Bei Tumoren oder Entzündungen im Bauchbereich
  • Bei einem akuten Darmverschluss

 

Häufig gestellte Fragen

Was ist Obstipation?

Obstipation ist der medizinische Fachbegriff für Verstopfung und bedeutet, dass die Darmentleerung erschwert ist. Der Stuhl ist meist hart, weshalb der Stuhlgang für Betroffene teilweise sehr schmerzhaft und mit starkem Pressen verbunden ist.

Was führt zu Verstopfung?

Die Ursachen für eine Obstipation liegen meist im Lebensstil oder lassen sich auf Erkrankungen zurückführen. Häufige Lebensstil-Ursachen für Verstopfung betreffen die Ernährung, die Flüssigkeitszufuhr sowie Bewegung. Im Krankheitskontext sind häufige Ursachen für Verstopfung etwa Medikamente, Krankenhausaufenthalte, Darmerkrankungen, Nervenerkrankungen, organische Erkrankungen sowie Unverträglichkeiten. Weitere Informationen zu den möglichen Ursachen für eine Verstopfung bekommen Sie in diesem pflege.de-Ratgeber.

Wo treten Schmerzen bei Verstopfung auf?

Schmerzen bei Verstopfung treten meist am Unterbauch auf, da die eigentliche Verstopfung im dortigen letzten Dickdarm-Abschnitt (auch Enddarm) liegt. Begleitend zu diesen Bauchschmerzen leiden viele Betroffene unter einem Völlegefühl sowie Blähungen. Auch können Schmerzen beim Stuhlgang auftreten. Denn der Kot bei Verstopfung ist hart und trocken, wodurch die Darmentleerung häufig erschwert ist.

Ab wann spricht man von einer Verstopfung?

Ein Richtwert für die Diagnose „Obstipation“ (Verstopfung) ist die Häufigkeit der Stuhlgänge: Weniger als drei Stuhlgänge pro Woche sind in der Medizin auffällig. Darüber hinaus gibt es bestimmte Diagnose-Kriterien, anhand derer eine „chronische Obstipation“ diagnostiziert werden kann. Welche Diagnosekriterien dies im Einzelnen sind, lesen Sie in diesem pflege.de-Ratgeber.

Nach wie vielen Tagen Verstopfung sollte man zum Arzt gehen?

Grundsätzlich können Sie sich bei Verstopfung merken: Je intensiver die Beschwerden sind, desto dringlicher ist ein Arztbesuch.

Wann wird eine Verstopfung gefährlich?

Eine chronische Verstopfung kann zu Blut im Stuhl, starken Schmerzen, Bauchkrämpfen und ungewolltem Gewichtsverlust führen. Spätestens bei diesen Komplikationen sollten Sie einen Arzt aufsuchen.

Tritt bei Ihnen oder Ihrem Angehörigen eine Verstopfung sehr plötzlich und heftig auf (akute Verstopfung), kann dies im Extremfall auf einen Darmverschluss oder Schlaganfall hindeuten. Kommen neben den typischen Verstopfungsbeschwerden noch Erbrechen und Fieber hinzu, sollten Sie sofort einen Notarzt rufen.

Wie lange dauert eine Verstopfung?

Bei gesunden Menschen kann eine „einfache“ Verstopfung durch kleinere Maßnahmen leicht und schnell behoben werden. Eine Verstopfung bei pflegebedürftigen Menschen aber kann weitaus komplexer sein und somit auch länger dauern. Insbesondere, wenn die Verstopfung durch Medikamente und/oder Erkrankungen bedingt wird. Dauern die Verstopfungsbeschwerden länger als drei Monate an, sprechen Mediziner von einer chronischen Obstipation.

Was hilft bei chronischer Verstopfung?

Bei der Diagnose „chronische Obstipation“ leitet Ihr Arzt unterschiedliche Maßnahmen ein. Zunächst betreffen diese Maßnahmen Ihren Lebensstil (vor allem Ernährung, Trinkverhalten und Bewegung). Tritt durch diese Maßnahmen keine Besserung ein, verschreibt Ihnen der Arzt ein Abführmittel. Dieses nehmen Sie über den verordneten Zeitraum ein. Je nach Einzelfall kommen weitere Medikamente sowie Maßnahmen zum Einsatz.

Was tun bei Verdauungsproblemen (harter Stuhlgang, Darmträgheit)?

Leiden Sie oder Ihr Angehöriger unter regelmäßigen Verdauungsproblemen wie etwa einem harten Stuhlgang oder Darmträgheit, können Sie gezielte Maßnahmen ergreifen:

  1. Sprechen Sie mit Ihrem Hausarzt über die Beschwerden.
  2. Greifen Sie zu ballaststoffreichen Lebensmitteln und trinken Sie ausreichend.
  3. Ein Glas Wasser vor der ersten Mahlzeit wirkt stuhlgangfördernd.
  4. Feste Stuhlgangzeiten geben der Verdauung einen regelmäßigen Rhythmus vor.
  5. Hilfsmittel wie etwa ein Toilettenhocker erleichtern die Darmentleerung.
  6. Eine spezielle Körper- und Hautpflege schützt die Haut am After vor Einrissen.
  7. Bei einer Ernährungs- und Bewegungsberatung bekommen Sie individuelle Tipps, die hilfreich sein können.
  8. Führen Sie spezielle Übungen bei Verstopfung durch.

Was tun bei Verstopfung durch Schmerzmittel?

Nehmen Sie oder Ihr Angehöriger verstopfungsfördernde Medikamente ein, sucht Ihr Arzt im ersten Schritt nach medikamentösen Alternativen. Bei chronischen Schmerzen können auch ergänzende Maßnahmen zur Schmerzlinderung eingesetzt werden, beispielsweise Bewegungs- und Atemübungen oder Kälte-, Wärme- und Wasser-Behandlungen. Maßnahmen wie diese können unter Umständen auch die Verstopfungsbeschwerden lindern. Sprechen Sie mit Ihrem behandelnden Arzt über die Optionen in Ihrem persönlichen Fall.

Was kann man bei Verstopfung essen?

Bei Verstopfung sollten Sie möglichst zu ballaststoffreichen Lebensmitteln greifen. Ballaststoffe können nicht nur die Verdauung anregen, sondern auch einer Obstipation vorbeugen. Bestimmte Lebensmittel besitzen viele Ballaststoffe. Darunter fallen beispielsweise Kartoffeln, Vollkornprodukte (Brot, Nudeln), Naturreis, Haferflocken, Leinsamen, Flohsamen, Quinoa, Hirse, Nüsse, Gemüse (vor allem Erbsen, Möhren, Brokkoli, Blumenkohl, Mais), Obst (vor allem Avocado, Quitte, Beeren, Birne) sowie Trockenobst (beispielsweise getrocknete Pflaumen).

Welches Gemüse hilft bei Verstopfung?

Bei Verstopfung oder zur Obstipationsprophylaxe, sollten Sie vor allem zu ballaststoffreichem Gemüse, wie etwa:

  • Erbsen
  • Möhren
  • Brokkoli
  • Blumenkohl
  • Mais

Was kann man trinken bei Verstopfung?

Grundsätzlich wichtig bei Verstopfung ist, DASS Sie ausreichend trinken. Empfohlen wird zwischen 1,5 bis zwei Liter Wasser am Tag.

Welcher Tee hilft bei Verstopfung?

Es gibt bestimmte Teesorten, die den Stuhlgang anregen können und/oder die typischen Verstopfungsbeschwerden wie Blähungen und Bauchschmerzen lindern können. Dazu gehören:

  • Leinsamen-Tee
  • Kamillen-Tee
  • Fenchel-Tee
  • Kümmel-Tee
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Erstelldatum: 2202.30.41|Zuletzt geändert: 2202.50.02
(1)
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www.dge-medienservice.de/ernaehrung-bei-gesundheitsstoerungen-diatetik/essen-und-trinken-bei-chronischer-verstopfung.html (letzter Abruf am 14.03.2022)
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www.rosenfluh.ch/media/arsmedici-dossier/2015/12/Chronisch-funktionelle-Obstipation.pdf (letzter Abruf am 14.03.2022)
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