Mobilisation & Kinästhetik in der Pflege

Mobilisation & Kinästhetik in der Pflege

Pflegebedürftige Menschen sind in ihrer Mobilität oft eingeschränkt. Oft brauchen sie die Unterstützung einer weiteren Person, damit alltägliche Bewegungsabläufe wie etwa aus dem Bett aufstehen oder sich selbstständig anziehen, weiterhin gelingen können. Bei der Mobilisation verausgaben sich viele Pflegepersonen. Doch das muss nicht sein! Das Konzept der Bewegungsförderung durch kinästhetische Mobilisation hält einfache Handgriffe und Techniken bereit, mit denen die eigenständigen Bewegungsabläufe bei bewegungseingeschränkten Menschen aktiviert und die Pflegepersonen körperlich entlastet werden können.

Inhaltsverzeichnis

Mobilisation: Definition

Unter den Begriff Mobilisation in der Pflege fallen Maßnahmen zur Aktivierung und Bewegungsförderung von Patienten bzw. Pflegebedürftigen, die in ihrer Bewegungsfähigkeit eingeschränkt.

Durch Maßnahmen der Mobilisation werden Patienten gezielt angeregt und zur eigenständigen Bewegung motiviert. Auf diese Weise können stillgelegte Ressourcen wieder aktiviert werden.

Was sind Ressourcen?

Jeder Mensch hat unterschiedlich stark ausgeprägte Ressourcen. Während dem einen seine mentale Stärke zugutekommt, hat der andere viel Muskelkraft. Weitere Ressourcen sind u. a.:

Physische Ressourcen: Ausdauer, Kraft, Muskelmasse

Kognitive und psychosoziale Ressourcen: Motivation, Stimmung, soziale Unterstützung, positives Selbstkonzept.

Für Pflegepersonen erfordert die Mobilisation eines Patienten Geduld und Zeit. Eine Investition, die sich auf langer Sicht jedoch für alle Beteiligten lohnen kann. Etwa dann, wenn sich durch die Aktivierung des Patienten wieder kostbare Zeit einsparen lässt, weil der Patient selbstständiger wird und viele Bewegungen wieder ohne Unterstützung ausführen kann.

Tipp
Zeit investieren lohnt sich

Auch wenn Ihr Angehöriger für eine Bewegung allein etwas länger braucht, sollten Sie ihn die Bewegung selbstständig ausführen lassen. Das erhält und fördert seine Ressourcen und erspart Ihnen als Pflegeperson langfristig Zeit und Kraft.

Ziele der Mobilisation in der Pflege

Das Ziel jeder Mobilisation von Pflegebedürftigen sollte immer sein, die noch vorhandenen Fähigkeiten eines Patienten zu erhalten und zu fördern. Dabei werden drei wesentliche Ziele verfolgt:

Ziel 1 – Bessere Beweglichkeit: Die regelmäßige Mobilisation soll die Ressourcen des Patienten maximal fördern, sodass er sich in seiner Umgebung wieder so frei wie möglich bewegen oder die Lage seines Körpers selbst verändern kann.

Ziel 2 – Prophylaxe: Eine frühzeitige und regelmäßige Mobilisation soll Symptomen und Erkrankungen vorbeugen, wie z. B. Druckgeschwüren (Dekubitusprophylaxe), Knochenbrüchen, Lungenentzündungen (Pneumonieprophylaxe) oder Thrombosen.

Ziel 3 – Selbstständigkeit & Selbstwertgefühl fördern: Ein weiteres Ziel der Mobilisation ist die Förderung der Selbstständigkeit. Der Erhalt der Ressourcen und das Selbstwertgefühl sowie die Unabhängigkeit des Patienten sollen gesteigert werden. Dies kann sich positiv auf seinen Gemütszustand auswirken und den Patienten zusätzlich motivieren.

Grundprinzipien der Mobilisation

Wer Pflegebedürftige mobilisiert, sollte einige Grundprinzipien beachten.

  1. Integration: Mobilisationspraktiken werden in den Tagesablauf und in pflegerische Handlungen integriert.
  2. Kommunikation: Der Pflegebedürftige sollte über den Sinn und Zweck der Mobilisationsübung aufgeklärt werden.
  3. Sicherheit: Körperanliegende Hilfsmittel (wie z. B. Katheter bei Harninkontinenz oder Sonden bei enteraler Ernährung) müssen so gesichert sein, dass sie die geplante Bewegung nicht behindern. Zudem muss auch die Umgebung an die Mobilisation angepasst sein: Vor Gehübungen sollten Stolperfallen wie lose Kabel oder Teppiche entfernt werden; Vor Umpositionierung im Bett sollten bspw. Kissen und Decken entfernt werden. Der Pflegebedürftige sollte bei jeder Übung mit Bodenkontakt gutsitzende und rutschfeste Schuhe tragen.
  4. Planung: Der Pflegebedürftige entscheidet, in welche Richtung er sich bewegen möchte oder auf welcher Seite er aufstehen möchte und bespricht das mit der Pflegekraft.
  5. Impuls: Die Pflegeperson gibt klare Aufforderungen/Impulse für einzelne Bewegungen, die die Bewegungsressourcen des Pflegebedürftigen berücksichtigen.
  6. Ressourcen: Die Pflegeperson nutzt vorhandene Ressourcen des Betroffenen und bezieht ihn in die Bewegungsplanung mit ein.
  7. Mobilisationstechniken: Pflegepersonen wenden auf den Pflegebedürftigen abgestimmte Techniken wie z.B. Maßnahmen aus der Kinästhetik und/oder dem Bobath-Konzept an.

Mobilisation & Expertenstandard in der Pflege

Seit 2020 gibt es für professionelle Pflegekräfte den aktualisierten Expertenstandard Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege (s. Quelle 1). Dieser Standard ist für die Mobilisation in der Altenpflege wertvoll – die Pflegekräfte, die Sie ambulant begleiten, sollten ihn kennen.

Mobilisation: Vorteile für Pflegebedürftige

Die Mobilisation von Pflegebedürftigen ist ein wesentlicher Baustein der körperlichen und seelischen Gesundheitsförderung.

Vorteile der Mobilisation für den Pflegebedürftigen:

  • Durch die Bewegung wird das Gewebe stärker durchblutet, wodurch Druckstellen und Hautreizungen und letztlich einem Dekubitus entgegengewirkt werden kann.
  • Risiken wie Bewegungseinschränkungen, Dekubitus, Thrombose etc. werden reduziert.
  • Der Betroffene wird durch Mobilisationsübungen wieder beweglicher.
  • Regelmäßige Bewegung kann auch den Appetit des Betroffenen anregen, was u. U. bei Mangelernährung hilft und generell einer gesunden Ernährung im Alter zuträglich ist.
  • Der Betroffene kann durch Positionsänderungen seine Lunge besser belüften und schläft dadurch tiefer.
  • Das Herz-Kreislauf-System des Betroffenen kommt durch die Mobilisation in Schwung, wodurch Kreislaufproblemen vorgebeugt werden kann.
  • Das subjektive Krankheitsgefühl lässt nach und der Betroffene fühlt sich wohler. Das eigene Selbstwertgefühl des Patienten nimmt wieder zu und damit auch seine empfundene Lebensqualität.

Kurse: Wo kann ich Mobilisationstechniken lernen?

Zur richtigen Mobilisation Ihres Angehörigen müssen Sie als pflegender Angehörige Mobilisationstechniken und geeignete Handgriffe zur Bewegungsförderung kennen. Diese können Sie in kostenlosen Pflegekursen erlernen.

Tipp
Pflegekurse und Pflegeschulungen

In Pflegekursen (meist öffentlich und in einer Gruppe) und Pflegeschulungen (direkt bei Ihnen zuhause) können Sie praktische Handgriffe zur Mobilisation von Pflegebedürftigen erlernen. Die Kosten werden nach § 45 SGB XI von der Pflegekasse übernommen.

Mobilisation: Checkliste für pflegende Angehörige

Bevor Sie Ihren Angehörigen in einer bestimmten Situation aktiv mobilisieren möchten, sollten Sie zunächst immer folgende Fragen klären:

Zum Pflegebedürftigen

  • Welchen Eindruck macht der Pflegebedürftige heute auf Sie? Geht es ihm gut? Ist sein Kreislauf stabil? Hat er Schmerzen?
  • Leidet Ihr Angehöriger an Krankheiten oder Beeinträchtigungen, die eine besondere Mobilisation erfordern (z. B. Lähmungen, Wunden, Rückenbeschwerden)?
  • Haben professionelle Pflegekräfte oder Ärzte bereits konkrete Maßnahmen zur Mobilisation geplant oder verordnet?
  • Kennen Sie seine aktuellen Bewegungsmöglichkeiten und -ressourcen?
  • Wissen Sie, wie viel Kraft er hat und wie er die Bewegungen unterstützten kann?
  • Versteht er Ihre Anweisungen und Aufforderungen zur Bewegung?
  • Sind körperanliegende Hilfsmittel (wie Katheter, Sonden, etc.) so angebracht, dass sie die Mobilisation auch nicht behindern?
Tipp
Fragen Sie Experten nach Tipps

Fragen Sie bei Ärzten und Pflegekräften gezielt nach, welche Bewegungen und Aktivitäten sich für Ihren Angehörigen und seinen Gesundheitszustand eignen. Eine gute Gelegenheit bietet sich auch beim Beratungsbesuch nach § 37.3 SGB XI, bei dem die Qualiät der häuslichen Pflege geprüft wird. Nehme Sie fachliche Tipps mit in die Bewegungsplanung auf.

Zur Pflegeperson / pflegende Angehörige

  • Kennen Sie die Prinzipien des rückenschonenden Arbeitens oder Konzepte wie Bobath oder Kinästhetik?
  • Können Sie die Beweglichkeit aufbringen, die bei einer Mobilisation verlangt wird?
  • Kennen Sie den sachgerechten Gebrauch von Hilfsmitteln, die eine Mobilisation unterstützen können?
Tipp
Hilfsmittel helfen bei der Mobilisation

Fragen Sie bei professionellen Pflegekräften oder in Pflegekursen gezielt nach dem sachgerechten Einsatz von Hilfsmitteln zur Mobilisation. Hilfsmittel wie Aufstehhilfen und Umsetzhilfen erleichtern im Pflegealltag den Wechsel vom Bett in den (Roll-) Stuhl und ersparen Ihnen als Pflegeperson unnötigen Kraftaufwand. Zur Mobilisation im Bett eignet sich z. B. der Einsatz von Anti-Rutsch-Matten, die dem Pflegebedürftigen das Aufstellen der Beine und Abstützen mit den Füßen erleichtern. Wenn der Pflegebedürftige zu schwer für die Pflegeperson ist, kann auch ein Patientenlifter eine gute Lösung sein.

Zur Umgebung

  • Gibt es eine ausreichend große Stehfläche für Sie bzw. können Sie den Pflegebedürftigen gut erreichen bzw. stützen?
  • Stehen alle Hilfsmittel (z. B. Rollator, Badewannenlift, Umsetzhilfen) bereit, die eine Mobilisation unterstützen können? Ist die Feststellbremse aktiviert?
  • Haben Sie den Umgang mit Hilfsmitteln wie z. B. Rutschbrett etc. geübt?

Kinästhetik in der Pflege

Kinästhetik ist eine kräfteschonende Methode und ein physiologisches Konzept, das Rückenproblemen vorbeugen soll. Dabei handelt es sich um ein Mobilisationskonzept, das ein effektives Zusammenspiel zwischen der Pflegeperson und dem Pflegebedürftigen ermöglicht: Bei der Mobilisation von Patienten stemmen Pflegende das fremde Gewicht nicht selbst, sondern verlagern oder verschieben es vielmehr durch die Methoden der Kinästhetik. Die Bewegungen werden als rund und langsam beschrieben, was ein harmonisches Zusammenspiel bewirkt. Die Berücksichtigung der Kinästhetik in der Pflege ist sinnvoll, da herkömmliche Pflegetechniken weitaus belastender sein können.

Die 6 Konzepte der Kinästhetik

Kinästhetik beinhaltet das gemeinsame Lernen und Entwickeln von Bewegungsabläufen, die auf die individuellen Fähigkeiten der Pflegeperson abgestimmt sind. Dadurch wird die Mobilisation sowohl für die Pflegekraft als auch für den Pflegebedürftigen leichter und angenehmer.

Es gibt sechs Kinästhetik-Konzepte, die für die Mobilisierung in der Pflege wichtig sind.

Konzept Bedeutung
1 Interaktion Kinästhetische Mobilisation meint eine gemeinsame Bewegung, die gleichzeitig und schrittweise durchgeführt wird.
2 Funktionale Anatomie Kinästhetik unterscheidet zwischen Massen (Kopf, Arme, Brustkorb, Becken, Beine) und Zwischenräumen (Hals, Achselhöhlen/Schultergelenkte, Taille, Hüftgelenke). Der Grundsatz bei der Mobilisation heißt: Massen anfassen und Zwischenräume frei bewegen.
3 Menschliche Bewegung Kinästhetik unterscheidet zwischen Beugen, Strecken und Drehen. Alle drei Elemente gemeinsam angewandt ergeben sog. spiralige Bewegungen – das erleichtert die Mobilisation und ist weniger anstrengend.
4 Menschliche Funktion Kinästhetik unterscheidet zwischen verschiedenen Grundpositionen (z. B. Rückenlage, Sitzen, Zweibeinstand), die mit unterschiedlichen Gewichtsverlagerungen erreicht werden können.
5 Anstrengung Kinästhetik verfolgt das Ziel, Anstrengungen bei der Bewegung zu minimieren. Sie vermeidet daher Maßnahmen wie schweres Heben oder Tragen und fördert die Mobilisation ressourcenorientiert am Pflegebedürftigen, durch alternative Techniken mit weniger Kraftintensität wie etwa Ziehen und Drücken.
6 Umgebung Zimmer, Möbel, Hilfsmittel etc. – all das muss an das Kinästhetik-Programm angepasst sein.
Mobilisation nach Kinästhetik: Vorteile

Kinästhetik in der Pflege kann zu jeder Zeit stattfinden: bei jeder Alltags- und Pflegehandlung, bei jeder Fortbewegung oder bei der Lagerung im Bett. Das Konzept Kinästhetik bedeutet, seinen Körper auf drei Ebenen wahrzunehmen:

  1. Körperlich: Viele Pflegebedürftige können dank Kinästhetik wieder erfahren, sich trotz Einschränkungen so weit wie möglich selbst zu bewegen.
  2. Seelisch: Kinästhetik ermöglicht Selbstkontrolle, erhöht das Körperbewusstsein und fördert so auch eine gewisse Unabhängigkeit des Pflegebedürftigen. Er kann und darf etwas tun.
  3. Sozialverhalten: Wer sich selbst bewegen kann, hat eine Chance, am sozialen (familiären) Leben besser teilhaben zu können.
Info

Kinästhetische Mobilisation in Pflegekursen

Kinästhetik ist ein Konzept, das Sie erlernen müssen, um es sicher anwenden zu können. In Kursen und individuellen Pflegeschulungen zuhause werden Ihnen kinästhetische Mobilisationstechniken für den Pflegealltag vermittelt. Hier können Sie auch weitere Techniken und Konzepte der Mobilisation kennenlernen (z. B. das Bobath-Konzept oder die passive Mobilisation für Personen mit starken Bewegungseinschränkungen).
Wie Kinästhetik funktioniert, zeigen u. a. auch Videos auf Youtube.

Kinästhetische Mobilisation: Praxisbeispiele aus dem Alltag

Folgende Praxisbeispiele aus dem Alltag erläutern, wie kinästhetisches Arbeiten in der häuslichen Pflege umgesetzt werden kann. Bitte beachten Sie, dass Sie Mobilisation nach Kinästhetik keinesfalls durchführen sollten, wenn Sie ungeübt sind. Kinästhetik-Übungen können am besten Pflegeexperten vor Ort beschreiben. In Pflegekursen können Sie kinästhetische Mobilisationstechniken erlernen.

Anleitung: Unterstützung beim Gehen

So unterstützen Sie einen Pflegebedürftigen beim Gehen:

  1. Klären Sie zunächst die Bewegungsrichtung mit dem Pflegebedürftigen ab
  2. Stellen Sie sich seitlich neben den Pflegebedürftigen und nehmen Sie ihn an der Hand.
  3. Unterstützen Sie mit der zweiten Hand seinen Unterarm. Passen Sie sich dem Tempo des Pflegebedürftigen an.

Anleitung: Mobilisation aus dem Bett

Die Mobilisation bettlägeriger Patienten aus dem Bett heraus stellt für pflegende Angehörige manchmal eine Herausforderung dar. Wenn Sie ungeübt sind, sollten Sie eine zweite Person zur Unterstützung dazu holen.

  1. Prüfen Sie zunächst, ob Katheter oder Sonden im Weg sind und entfernen Sie bei Bedarf Kabel oder Kissen, die neben dem Bett auf dem Boden liegen.
  2. Erklären Sie dem Pflegebedürftigen, welche Bewegung Sie ausführen und wohin die Bewegung ausgerichtet wird.
  3. Stellen Sie das Bett auf eine Höhenposition, an der Sie gut arbeiten können.
  4. Bitten Sie den Pflegebedürftigen, seine Hände über der Brust zu kreuzen.
  5. Der Pflegebedürftige rutscht nun so nahe wie möglich an die Bettkante und dreht sich Ihnen zu.
  6. Fassen Sie von hinten an seine Unterschenkel, winkeln Sie sie diese zunächst an und bewegen Sie sie dann aus dem Bett.
  7. Halten Sie den Pflegebedürftigen an den Schultern leicht fest, sodass er nicht nach vorne kippen kann.
  8. Bringen Sie nun seinen Oberkörper durch eine rotierende Bewegung und einen leichten Druck auf die obere Hüfte nach oben.
  9. Lassen Sie den Pflegebedürftigen eine kurze Weile auf der Bettkante ausruhen. Beide Füße ruhen dabei auf dem Boden bzw. baumeln nach unten.
Tipp
Ein Pflegebett hilft bei der Mobilisation von Pflegebedürftigen

Eine Mobilisation im Bett gelingt dann besonders gut, wenn das Bett gut zu erreichen, möglichst verstellbar und mit Hilfsmitteln ausgerüstet ist. Ein Pflegebett erfüllt diese Anforderungen. Sprechen Sie doch mit der Pflege- bzw. Krankenversicherung einmal darüber, ob ein solches Bett für Ihren Pflegebedürftigen in Frage kommt.

Anleitung: Mobilisation vom Stuhl ins Bett

Vom (Roll-)Stuhl ins Bett zu kommen ist für viele Pflegebedürftige und pflegende Angehörige ein täglicher, aber oft schwieriger Transfer. Mithilfe dieser Kinästhetik-Übung können Sie kräfteschonend und harmonisch zusammenarbeiten.

  1. Stellen Sie den (Roll-)Stuhl so nah ans Bett, dass er auf Höhe des Kopfkissens ist.
  2. Stellen Sie sich in Schrittposition vor den Pflegebedürftigen, lassen Sie ihn seine Arme über Ihre Schulter legen.
  3. Gehen Sie tief in die Knie, sodass der Pflegebedürftige aufstehen kann und Sie die Kraft aus den Beinen für die Aufstehbewegung nutzen können.
  4. Richten Sie sich gemeinsam mit dem Pflegebedürftigen auf, lassen Sie ihn sein Gewicht kurz selbst tragen (und spüren), bevor Sie ihn mit einer Drehung an die Bettkante setzen.

Anleitung: Mobilisation vom Bett in den Rollstuhl / Stuhl

Folgende Mobilisation setzt voraus, dass der Pflegebedürftige selbstständig stehen kann und sein Körpergewicht halten kann.

  1. Der Pflegebedürftige sitzt an der Bettkante.
  2. Stellen Sie den Rollstuhl neben das Bett. Die Sitzfläche ist zu Ihnen beiden ausgerichtet. Die Lücke zwischen Bett und Rollstuhl können Sie mit einem gerollten Handtuch überbrücken.
  3. Stellen Sie das Bett sowie den Rollstuhl auf eine Höhe, in der die Füße des Pflegebedürftigen den Boden erreichen.
  4. Sorgen Sie dafür, dass die Person rutschfeste und gutsitzende Hausschuhe trägt.
  5. Zur Sturzprophylaxe: Stellen Sie die Bremsen des Rollstuhls fest und testen sie diese.
  6. Die Beine des Pflegebedürftigen bilden ungefähr einen 90 Grad-Winkel.
  7. Beugen Sie sich mit angewinkelten Knien zum Pflegebedürftigen. Ihr Rücken ist gerade und mit dem rechten Knie stützen Sie sich unter der Bettkante ab. Der Pflegebedürftige umarmt die helfende Person.
  8. Für den kinästhetischen Transfer vom Bett in den Rollstuhl greifen Sie der pflegebedürftigen Person unter die Arme und heben sie behutsam in den Stand.
  9. Helfen Sie der Person in kleinen Schritten zum Stuhl zu gelangen. Schließen Sie die Mobilisation in den Rollstuhl ab, indem Sie die Person sanft auf die Sitzfläche gleiten lassen.
Tipp
Priorität Nr. 1: Gute Atmosphäre schaffen

Schaffen Sie bei jeder Mobilisation eine angenehme Atmosphäre: Klären Sie, welche Maßnahmen durchgeführt werden und fragen Sie den Betroffenen zwischendurch, was er als angenehm empfindet und was ihm vielleicht Schmerzen bereitet. Ist ein Gespräch nicht mehr möglich, orientieren Sie sich an der Mimik Ihres Angehörigen. Versuchen Sie auch, „zwischen den Zeilen“ zu lesen. So können Sie den Bewegungsplan nach und nach auf seine individuellen Bedürfnisse und Vorlieben anpassen.

Anleitung: Mobilisation im Bett – Bewegung kopfwärts im Bett unter Mithilfe des Pflegebedürftigen

Für die Mobilisation bettlägeriger Patienten sollten Sie besonders auf rückenschonende Ausführungen achten. Pflegebedürftige, die ohne Hilfe nicht mehr aus dem Bett kommen, müssen bspw. aufgrund von Dekubitusprophylaxe häufiger mobilisiert werden. Der Kinästhetik-Transfer im Bett nach oben kommt daher häufig im Pflegealltag zum Einsatz. Im Folgenden 2 Beispiele:

Voraussetzung für diese Übung: Pflegebedürftiger muss seinen Oberkörper selbst schieben und eine Brücke bauen können.

  1. Winkeln Sie die Beine des Pflegebedürftigen an. Legen Sie unter den Fuß des Pflegebedürftigen eine Anti-Rutsch-Matte, damit das Bein nicht wieder wegrutschen kann.
  2. Stellen Sie das Bett des Pflegebedürftigen auf eine für Sie angenehme Höhe.
  3. Stützen Sie die Beine des Pflegebedürftigen, indem Sie seine Füße nach unten Richtung Matratze drücken.
  4. Durch die Stabilisierung und den aufgebauten Druck kann der Pflegebedürftige das Becken einfacher anheben und sich selbst kopfaufwärts schieben.

Voraussetzung für diese Übung: Pflegebedürftiger muss seine angewinkelten Beine aufrecht halten und eine Brücke bauen können.

  1. Winkeln Sie die Beine des Pflegebedürftigen an. Legen Sie unter den Fuß des Pflegebedürftigen eine Anti-Rutsch-Matte, damit das Bein nicht wieder wegrutschen kann.
  2. Stellen Sie das Bett so niedrig ein, dass sie bequem über das Kopfteil des Bettes greifen können.
  3. Positionieren Sie sich in Schrittstellung hinter dem Kopfteil des Bettes, gehen Sie in die Knie und legen Sie Ihre Handflächen unter die Schulterblätter des Pflegebedürftigen.
  4. Weisen Sie den Pflegebedürftigen an, seine Füße in die Matratze zu drücken und das Becken zu einer Brücke anzuheben.
  5. Erklären Sie ihm, dass er sich nun kopfwärts nach oben schieben soll, während Sie ihn mit Ihren Handflächen unter den Schultern nach oben ziehen und ein Stocken des Oberkörpers auf der Matratze verhindern.
  6. Nehmen Sie Ihre Kraft für diese Bewegung aus Ihren Beinen und bewegen Sie sich dabei selbst nach hinten, um Ihren Rücken zu entlasten.

Häufig gestellte Fragen

Was bedeutet Mobilisation in der Pflege?

Viele Pflegebedürftige benötigen Unterstützung, wenn sie sich bewegen möchten. Sie brauchen Hilfe bei der Mobilisation. Manche Pflegebedürftige benötigen z. B. Unterstützung beim Aufstehen aus dem Bett oder beim Hinsetzen in einen Rollstuhl. Bettlägerige Patienten benötigen mitunter Hilfe, wenn sie sich im Bett umdrehen möchten.

Was bedeutet Kinästhetik in der Pflege?

Kinästhetik ist eine kräfteschonende Methode, die in der Pflege zur rückenschonenden Mobilisation von Pflegebedürftigen angewendet wird. Das kinästhetische Vorgehen ermöglicht ein effektives Zusammenspiel zwischen dem Pflegebedürftigem und der Pflegeperson: Die Ressourcen des Pflegebedürftigen werden aktiviert, während die Kräfte der Pflegeperson geschont wird. Bewegungen sind eher rund und harmonisch; aus Sicht der Pflegeperson wird der Patient eher geschoben und gedrückt als gehoben und getragen.

Wie kann ich als pflegender Angehöriger meinen Rücken schonen?

Das kommt auf den Einzelfall an. Es gibt verschiedene Techniken und Bewegungsabläufe, die in unterschiedlichen Pflegesituationen individuell angewendet werden. Kinästhetische Mobilisation macht kräfteschonendes Arbeiten möglich. Wie Sie pflegebedürftige Personen mobilisieren, hängt grundsätzlich immer davon ab,

  • wie sehr derjenige (auch nach Tagesverfassung) selbst mithelfen kann.
  • welche Hilfsmittel zur Verfügung stehen. Zur Mobilisation im Badezimmer eignen sich bspw. Duschstuhl, Duschhocker oder ein Badewannenlift.
  • wie sicher die Pflegeperson selbst ist. Im Zweifel sollte eine zweite Person bei der Mobilisation mithelfen.

Wo können pflegende Angehörige Mobilisation in der Pflege lernen?

In Pflegekursen lernen Sie als pflegender Angehöriger rückenschonende Mobilisationstechniken kennen. In Pflegeschulungen, die i. d. R. bei Ihnen zuhause stattfinden, zeigt Ihnen ein Pflegeexperte individuell am Pflegebedürftigen, wie Sie Ihren Pflegebedürftige richtig mobilisieren.

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Erstelldatum: 0202.01.03|Zuletzt geändert: 1202.60.41
(1)
Bildquelle
© Viacheslav Iakobchuk/Fotolia.com
(2)
Expertenstandard „Erhaltung und Förderung der Mobilität in der Pflege“
https://www.dnqp.de/fileadmin/HSOS/Homepages/DNQP/Dateien/Expertenstandards/Mobilitaet/Akt-Mobilitaet_Konsultation_Praeambel-Standard-Kommentierungen.pdf (Stand: Januar 2020, zuletzt abgerufen: 16.10.2020)
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