Parodontose bzw. Parodontitis: Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten

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Ihre Zähne schmerzen, wenn Sie etwas Kaltes oder Warmes trinken? Sie bemerken trotz täglicher Mundhygiene, dass Ihr Atem unangenehm riecht? Ihr Zahnfleisch blutet? Oder haben sich bereits Zähne gelockert? Diese scheinbar nicht miteinander verbundenen Symptome sind Anzeichen einer weit verbreiteten Krankheit – der Volkskrankheit Nummer 1 bei Zahnproblemen: der Parodontitis, umgangssprachlich auch Parodontose genannt.

Doch was ist eine Parodontose/Parodontitis genau? pflege.de informiert über Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten bei Parodontitis.

Inhaltsverzeichnis

Parodontose/Parodontitis: Definition

Parodontitis (umgangssprachlich wird synonym von Parodontose gesprochen) ist eine bakterielle Entzündung des Zahnhalteapparates. Unter dem Zahnhalteapparat werden alle anatomischen Strukturen zusammengefasst, die die Zähne im Knochen verankern. Zum Zahnhalteapparat gehören

  • Zahnfleisch
  • Knochen
  • Wurzelzement
  • Haltefasern

Eine Parodontitis beginnt in jedem Fall mit einer Zahnfleischentzündung (sog. Gingivitis), die verursacht wird von Bakterien aus dem Zahnbelag (sog. Plaque). Bleibt die Entzündung des Zahnfleisches unbehandelt, greift sie über auf den Zahnhalteapparat. Durch die permanente Entzündung baut sich der Kieferknochen ab, sodass sich Zähne lockern. Langfristig kann es so zu Zahnausfall kommen. Neben dem Abbau von Knochen kommt es zum Zahnfleischrückgang, der die empfindlichen Zahnhälse freilegt.

Info

Entzündungen im Körper

Sie können entzündliche Erkrankungen bereits am Namen erkennen: Bei Begriffen, die auf „-itis“ enden, handelt es sich i. d. R. um Entzündungen im Körper. Zum Beispiel:

  • Arthritis = Gelenkentzündung
  • Bronchitis = Entzündung der Bronchien
  • Dermatitis = Hautentzündung
  • Zystitis = Blasenentzündung

Die Ausnahme bestätigt aber die Regel: Die sog. Pneunomie ist eine Lungenentzündung.

Parodontose/Parodontitis: Ursachen

Die Ursachen von Parodontitis sind vielfältig. In jedem Fall handelt es sich um eine bakteriell verursachte Erkrankung, die u. a. durch die individuelle Lebensführung der Betroffenen begünstigt wird. Nicht zuletzt spielen die Gene eine Rolle: Die genetische Veranlagung ist ein bedeutender Faktor, ob es zum Ausbruch der Krankheit kommt.

Faktoren, die eine Parodontitis begünstigen, sind:

  • Bakterien in Zahnbelägen
  • Zahnfleischentzündungen
  • mangelnde Mund- und Zahnhygiene
  • Zähneknirschen
  • bestimmte Krankheiten (bspw. Diabetes)
  • Stress
  • Depressionen
  • Rauchen
  • Fettleibigkeit
  • genetische Veranlagung
  • schwaches Immunsystem

Auch viele Krankheiten im Alter bergen das Risiko einer Parodontitis: So kann das Verständnis für das tägliche Zähneputzen von jemanden mit Demenz möglicherweise eingeschränkt sein.

Experten-Info
Dr. Ismail Özkanli
Dr. Ismail Özkanli
Zahnarzt

Als ausgebildeter Homöopath und examinierter Zahnmediziner vertrete ich die Ansicht, dass jeder Zahn mit einem Organ verbunden ist. Sind Zähne und Zahnfleisch nicht gesund, kann uns das anfälliger für weitere Krankheiten machen und sich auf unsere Allgemeingesundheit auswirken.

Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass ein Zusammenhang zwischen Zahnerkrankungen und chronisch-systemischen Erkrankungen besteht: Parodontitis-Patienten erkranken um ein Vielfaches häufiger an Diabetes mellitus und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Außerdem konnte in den letzten Jahren ein Zusammenhang zwischen Parodontitis und Demenz festgestellt werden.

Um neben der Mundgesundheit also auch die Allgemeingesundheit zu erhalten, ist es wichtig, dass Patienten die Parodontitisbakterien durch zahnärztliche und tägliche Mundhygiene reduzieren.

Parodontitis hat eine negative Wirkung auf die Allgemeingesundheit

Eine unbehandelte Parodontitis fordert das Immunsystem auf Dauer heraus. Der Körper hat permanent mit einer Entzündung zu kämpfen. Die Bakterien und Entzündungsstoffe können in den Blutkreislauf gelangen und so weitere Schäden im Körper verursachen. Erreger und Stoffe, die mit der Entzündung in Zusammenhang stehen, können sich auch auf die Allgemeingesundheit auswirken. Beispielsweise besteht ein Zusammenhang zwischen Parodontitis und Herz-Kreislauf-Erkrankungen wie Schlaganfälle oder Herzinfarkte, weil die Bakterien und Entzündungsstoffe Arterienverkalkung begünstigen können. Im fortgeschrittenen Stadium können gelockerte Zähne zur Folge haben, dass die Ernährung umgestellt werden muss und es ggf. zu einer Mangelernährung kommt.

Neben der Auswirkung auf die Allgemeingesundheit kann es bei einer Parodontose/Parodontitis zu negativen Wechselwirkungen zwischen unterschiedlichen Erkrankungen kommen. Es ist wissenschaftlich erwiesen, dass es eine solche Wechselwirkung zwischen Parodontitis und Diabetes gibt. Auf der einen Seite erkranken Diabetiker leichter an Parodontitis. Auf der anderen Seite reduziert die Parodontitis als Entzündung im Körper die Wirkung von Insulin. Insulin ist ein wichtiger Baustein zum Abbau des Zuckers im Körper. Somit erschwert eine Parodontitis die richtige Einstellung des Blutzuckers (siehe Quelle 1).

Ist Parodontitis ansteckend?

Weil es sich bei der Parodontitis um eine bakteriell verursachte Erkrankung handelt, ist sie ansteckend. Beispielsweise können die Erreger beim Küssen oder Teilen von Trinkflaschen übertragen werden. Allerdings führt die Übertragung noch nicht zwangsläufig zum Ausbruch der Erkrankung: Ein gesundes Immunsystem und die richtige Zahnhygiene können den Ausbruch der Krankheit oftmals verhindern. In der Regel sind dafür die oben genannten Risikofaktoren maßgeblich.

Parodontose/Parodontitis: Symptome

Es gibt Anzeichen, die im frühen Stadium auf eine Entzündung des Zahnhalteapparates hinweisen. Wenn Betroffene über geschwollenes, druckempfindliches und blutendes Zahnfleisch sowie Mundgeruch klagen, ist bereits von einer bakteriellen Entzündung auszugehen. Jede Entzündung im Körper sollte beachtet und behandelt werden. Denn unbehandelt breitet sich eine solche Entzündung meist aus und verschlimmert die Symptome.

Wenn kalte oder heiße Speisen und Getränke für Schmerzen im Mund sorgen, liegen oftmals die empfindlichen Zahnhälse frei. Sie können Folge von stressbedingtem Zähneknirschen sein – oder aber auf den Beginn einer Parodontitis hinweisen. Wenn Sie sich unsicher sind, ob Sie möglicherweise freiliegende Zahnhälse haben, wenden Sie sich an Ihren Zahnarzt.

Info

Parodontitis, die Volkskrankheit

Eine Parodontitis verläuft i. d. R. ohne starke Schmerzen. Aus diesem Grund wird sie häufig erst im fortgeschrittenen Stadium entdeckt und von Betroffenen ernst genommen.

Im fortgeschrittenen Stadium kann die Entzündung zu gelockerten Zähnen führen. Die schlimmste Folge einer Parodontitis ist, dass Zähne ausfallen. Grund dafür sind drei Faktoren:

  1. Knochen: Der Knochen bildet sich aufgrund der dauerhaften Entzündung zurück und bietet dem Zahn weniger Halt.
  2. Zahnfleisch: Weil die Knochensubstanz abnimmt, zieht sich auch das Zahnfleisch zurück (sog. Zahnfleischrückgang).
  3. Zahnfleischtasche: Es entsteht eine Tasche zwischen Zahnfleisch und Zahn, wodurch der Zahn nicht mehr so fest vom Zahnfleisch gehalten wird.
Info

Teufelskreis Zahnfleischtasche

Wenn eine Lücke zwischen Zahn und Zahnfleisch entsteht, ist das ein wahres Paradies für Bakterien. Betroffene können mit der Zahnbürste nicht bis in die Tiefen der Zahnfleischtaschen vordringen, um dort die Zähne zu putzen und unerwünschte Speisereste zu entfernen. Bakterien, die u. a. für schlechten Atem sorgen, können sich ungehindert vermehren. Zusätzlich bildet sich Zahnstein, weil die Beläge nicht entfernt werden können.

Die Symptome einer Parodontitis im Überblick

  • gerötetes und/oder geschwollenes Zahnfleisch
  • blutendes Zahnfleisch
  • Schmerzen an den betroffenen Stellen
  • freiliegende und empfindliche Zahnhälse bzw. Rückgang des Zahnfleisches
  • Mundgeruch / schlechter Geschmack im Mund
  • lockere Zähne
  • Zahnverlust
Tipp
5 Kriterien, die auf eine Parodontitis hinweisen
  1. Blutet Ihr Zahnfleisch regelmäßig, etwa beim Zähneputzen oder beim Anwenden von Zahnseide?
  2. Ist Ihr Zahnfleisch zurückgegangen?
  3. Leiden Sie unter kälte- und wärmeempfindlichen Zähnen?
  4. Haben Sie wackelnde Zähne?
  5. Sind Ihnen bereits Zähne herausgefallen?

Wenn Sie alle Fragen mit Ja beantwortet haben, besteht der Verdacht, dass es sich um eine Parodontitis handelt. Vereinbaren Sie umgehend einen Termin mit Ihrem Zahnarzt und erläutern Sie Ihre Symptome.

Parodontitis: Diagnose

Diagnose einer Parodontitis: Vorsorgeuntersuchung für das Zahnfleisch – der PSI

Beim sog. PSI (parodontalen Screening Index) handelt es sich um eine Vorsorgeuntersuchung für das Zahnfleisch, mit der Parodontitis frühzeitig erkannt und behandelt werden kann. Mithilfe einer Spezialsonde mit stumpfer Spitze kann Ihr Zahnarzt den PSI erheben.

Die Messung des PSI dauert wenige Minuten und ist i. d. R. schmerzfrei. Dabei achten Zahnmediziner auf folgende Hinweise:

  • Taschentiefe: Gibt es eine Zahnfleischtasche? Wenn ja, wie tief ist die Zahnfleischtasche?
  • Zahnfleischbluten: Blutet das Zahnfleisch, wenn der Zahnarzt mit der Sonde am Zahnfleischsaum entlangfährt?
  • Oberfläche: Gibt es Auflagerungen auf den Zähnen, sog. Zahnstein?

Das Ergebnis wird mittels des sog. PSI-Code auf einer Skala von 0 bis 4 dokumentiert. Weil Parodontitis nicht im gesamten Mund vorkommen muss, wird das Gebiss in sechs Bereiche unterteilt, die der Zahnarzt nacheinander prüft. Er notiert dann den jeweils höchsten Wert.

  • Code 0: gesunde Verhältnisse – kein Zahnfleischbluten, kein Zahnstein, geringe Taschentiefe
  • Code 1: Hinweis auf Zahnfleischentzündung – Zahnfleisch blutet bei Sondieren, kein Zahnstein, geringe Taschentiefe
  • Code 2: Hinweis auf Zahnfleischentzündung – Zahnfleisch blutet bei Sondieren, zusätzlich Zahnstein auf den Zähnen
  • Code 3: Hinweise auf mittelschwere Parodontitis – Zahnfleischbluten, Zahnstein, tiefe Zahnfleischtaschen
  • Code 4: Hinweise auf schwere Parodontitis – Zahnfleischbluten, Zahnstein, tiefe Zahnfleischtaschen

Beispiel: Im ersten Abschnitt im Gebiss kommt es beim Sondieren an einer Stelle zu leichtem Zahnfleischbluten. Der Zahnarzt stellt aber keinen Zahnstein oder tiefe Zahnfleischtasche fest. Für diesen Abschnitt notiert er Code 1.

Durch die Unterteilung in sechs Abschnitte lässt sich festhalten, wie gesund das Zahnfleisch an verschiedenen Stellen ist. Auch Verbesserungen oder Verschlechterungen der Zahnfleischgesundheit sind über die Zeit hinweg ersichtlich.

Tipp
PSI-Kostenübernahme für gesetzlich Versicherte

Bei gesetzlich versicherten Patienten wird die Messung des PSI zweijährlich von der Krankenkasse übernommen. Fragen Sie Ihren Zahnarzt am besten aktiv nach diesem Test (siehe Quelle 2).

Diagnose einer Parodontitis: bildgebendes Verfahren – das Röntgenbild

Weist der PSI auf eine Parodontitis hin, kann sich der Zahnarzt zusätzlich mit Röntgenbildern absichern und so die sichere Diagnose Parodontitis stellen.

Da Betroffene die Speisereste aus den Zahnfleischtaschen nicht mehr herausputzen können, bildet sich oftmals Zahnstein unterhalb des Zahnfleischrandes. Zahnmediziner sprechen von sog. Konkrementen, die auf Röntgenbildern aussehen wie kleine Dornen am Zahn.

Tipp
Eine Parodontitis lässt sich vom Zahnarzt frühzeitig erkennen

Sie können einer Parodontitis vorbeugen, indem Sie regelmäßig (i. d. R. zweimal jährlich) zum Zahnarzt gehen und ggf. von Ihren Symptomen berichten.

Zögern Sie nicht: Der Behandlungserfolg ist am größten, wenn Sie frühzeitig behandelt werden, ähnlich wie bei einer beginnenden Demenz. Parodontitis ist behandelbar, nicht heilbar: Der Knochenabbau ist irreversibel. Das heißt, ist der Knochen einmal abgebaut, kann er sich nicht neu bilden. Die Parodontitisbehandlung kann die Erkrankung stoppen, aber nicht rückgängig machen. Deswegen ist ein frühzeitiges Eingreifen äußerst wichtig.

Weitere Tests bei Verdacht auf Parodontitis

Zahnbeweglichkeit: Durch den Abbau des Knochens und das Loslösen des Zahnfleisches lockern sich die Zähne. Der Zahnarzt kann die sog. statische und dynamische Zahnbeweglichkeit überprüfen.

Bei der statischen Zahnbeweglichkeit überprüft der Zahnarzt mit den Fingern oder einer Pinzette, wie weit sich der betroffene Zahn bewegen lässt.

Die dynamische Beweglichkeit gibt Auskunft darüber, wie gut die Zähne einwirkende Kräfte abbremsen, die z. B. beim Kauen einwirken. Für diese Messung benötigt der Zahnarzt ein spezielles Messgerät, das sog. Periotest-Gerät.

Labortests: Insbesondere dann, wenn eine Parodontitis-Behandlung nicht anschlägt, werden Labortests durchgeführt, um die Bakterien zu bestimmen. So lässt sich unter dem Mikroskop abklären, ob die typischen Erreger im Zahnplaque vorhanden sind.

Parodontitis: Behandlung

Die zahnärztliche Behandlung einer Parodontitis erfolgt in drei Schritten.

  1. Vorbehandlung: Dem Patienten wird vermittelt, wie seine eigene Mundhygiene aussehen sollte. Er wird angeleitet, die Zahn- und Mundpflege effizient durchzuführen. Mit dieser Maßnahme soll gewährleistet werden, dass der Patient bakterielle Zahnbeläge täglich selbst möglichst vollständig entfernt. Außerdem werden Beläge und sog. irritierende Faktoren vom Zahnarzt entfernt (z. B. überstehende Füllungsränder, Karies). Im fortgeschrittenen Verlauf werden ggf. nicht erhaltungswürdige Zähne gezogen oder Wurzelkanäle gefüllt.
  2. systematische Parodontitistherapie: Diese Therapie ähnelt einer professionellen Zahnreinigung. Weil es sich um eine bakterielle Entzündung handelt, müssen die Bakterien entfernt werden. Die Zahnfleischtaschen, in denen sich ungehindert Bakterien und Speisereste sammeln, werden professionell vom Zahnarzt gereinigt. Es wird vom sog. geschlossenen Verfahren gesprochen, weil das Zahnfleisch nicht aufgeschnitten werden muss. Mitunter wird Parodontitis auch mit einer Laser-Therapie behandelt.
  3. Nachbehandlung/unterstützende Parodontitistherapie: In regelmäßigen Abständen, die sich nach dem Schweregrad der Erkrankung richten, werden Zähne und Zahnfleisch vom Zahnarzt kontrolliert, die Tiefe der Zahnfleischtaschen gemessen und Beläge entfernt. Zur Unterstützung gehören auch Empfehlungen für die tägliche Zahnpflege.
Info

Zahnerhalt wird unterstützt

Unter bestimmten Voraussetzungen übernimmt die Krankenkasse zweimal jährlich die Kosten der Parodontose-Behandlung: Eine Parodontitis gilt dann als behandlungsbedürftig, wenn eine Zahnfleischtaschentiefe von 3,5 Millimetern oder mehr erreicht ist. Für eine Kostenübernahme durch die Krankenkasse muss der behandelnde Zahnarzt dem gesetzlich versicherten Patienten einen sog. Heil- und Kostenplan ausstellen. Dieser Plan wird zur Prüfung an die entsprechende Krankenkasse weitergeleitet.

Die Kosten einer Parodontitis-Behandlung lassen sich schwer pauschalisieren. Wie teuer die Behandlung ist, hängt vom Zeit- und Materialaufwand des Zahnarztes ab.

Tipp
Stellen Sie die tägliche Mundhygiene und Untersuchungen beim Zahnarzt sicher!

Leiden Sie bereits an einer Parodontitis, können die tägliche Mund- und Zahnpflege und regelmäßige Nachsorgeuntersuchungen beim Zahnarzt den Schweregrad der Erkrankung reduzieren.

Formen von Parodontitis: Neue Klassifikation nach Graden und Stadien

2018 wurde eine neue Klassifikation parodontaler Erkrankungen wissenschaftlich erarbeitet und verabschiedet. Nach dieser Klassifikation gibt es keine Unterscheidung mehr zwischen aggressiver Parodontitis (schnellere Form, rascher Knochenabbau und Entstehung von Zahnfleischtaschen) und chronischer Parodontitis (langsamere Form).

Die Klassifikation erfolgt heute nach Graden (Grad A bis C) und Stadien (Stadium 1 bis 4) (siehe Quelle 3). Je höher der Buchstabe bzw. die Zahl, desto weiter ist die Parodontitis fortgeschritten, ähnlich wie bei der Einstufung des Pflegegrads.

Info

Parodontitis-Formen: Grade und Stadien

Die folgende Aufzählung verdeutlicht übersichtsartig, welche Faktoren bei der zahnärztlichen Beurteilung einer Parodontitis nach Stadien und Graden wesentlich sind:

  • Stadien: 1 bis 4
    • Schwere: Wie stark ist der Knochenabbau auf Röntgenbildern erkennbar? Wie stark ist der bisherige Zahnverlust? Wie tief sind die Zahnfleischtaschen?
    • Komplexität: In welche Richtung baut sich der Knochen ab? Wandern die Zähne? Sind Zähne beweglich?
    • Ausmaß & Verteilung: Wie viele und welche Zähne sind betroffen?
  • Grade: A bis C
    • primäre Kriterien: direkte Kriterien (Wie schnell schreitet die Parodontitis voran?) und indirekte Anzeichen der Ausbreitung (Knochenabbau/Alter; Verhältnis Zahnbelag zu Abbau)
    • Modifikatoren: Liegen Risikofaktoren wie Rauchen oder Diabetes vor?

Checkliste: Parodontose/Parodontitis vorbeugen

Um einer Parodontitis vorzubeugen, können Sie selbst aktiv werden.

  1. tägliche Mundhygiene: Putzen Sie mind. zweimal täglich gründlich Ihre Zähne. Reinigen Sie Zahnzwischenräume idealerweise täglich mit Zahnseide oder Dentalbürsten, um Speisereste und Bakterien gründlich zu entfernen.
  2. regelmäßige Kontrollen beim Zahnarzt: Um es gar nicht erst zur Parodontitis kommen zu lassen, sollten Sie regelmäßig (zweimal jährlich) zum Zahnarzt gehen. Ihr Zahnarzt kann mit der Messung des sog. PSI (parodontaler Screening Index) Ihre Zahnfleischgesundheit überprüfen.
  3. Risikogruppe Raucher: Verzichten Sie Ihrer Mund- und Zahngesundheit zuliebe auf Nikotinkonsum.
  4. gesunde Ernährung: Mit einer ausgewogenen Ernährung beugen Sie eine Mangelernährung vor und halten ihr ideales Körpergewicht. Eine gesunde Ernährung wirkt sich zudem auch positiv auf die Zahngesundheit aus.
  5. Stress vermeiden: Vermeiden Sie nach Möglichkeit Stress. Er kann z. B. zu Zähneknirschen führen, der das Freilegen der Zahnhälse begünstigt.
Tipp

Sowohl Pflegebedürftige als auch pflegende Angehörige profitieren von einem Badumbau: Einerseits hilft ein barrierearmes Badezimmer, die Körperhygiene – wie z. B. das tägliche Zähneputzen – im Badezimmer zu verbessern. Andererseits benötigen Pflegebedürftige weniger Hilfe im Badezimmer, wodurch pflegende Angehörige entlastet werden.

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Erstelldatum: 9102.11.4|Zuletzt geändert: 0202.80.72
Quelle 1: ZM Online
https://www.zm-online.de/archiv/2019/20/zahnmedizin/korrelationen-zwischen-zahnerkrankungen-und-chronisch-systemischen-erkrankungen/
Quelle 2: DG Paro – Deutsche Gesellschaft für Parodontologie
https://www.dgparo.de/media/download-53fc5cc8577fb
Quelle 3: ZM Online
https://www.zm-online.de/archiv/2018/13/zahnmedizin/neue-klassifikation-vorgestellt/
DG Paro – Deutsche Gesellschaft für Parodontologie
https://www.dgparo.de/parodontitis/parodontitis
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Interview

Zahn- & Zahnfleischpflege bei Pflegebedürftigen – Tipps für pflegende Angehörige von Dr. Özkanli

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Dr. med. dent. Ismail Özkanli
Im Interview
Dr. med. dent. Ismail Özkanli
Zahnarzt & Erfinder von Parodont

Ismail Özkanli ist gebürtiger Berliner, der 1999 das Studium der Zahnmedizin an der Humboldt Universität zu Berlin abschloss. Er hat zwei Masterstudiengänge absolviert und ist ausgebildet in der Homöopathie, Akupunktur und Gesichtsdiagnose. Seit 2004 führt er eine Praxis in Berlin und entwickelt innovative, lösungsorientierte Gesundheitsprodukte wie das Parodont Zahnfleischpflege-Gel.

Parodontitis zählt zur dentalen Volkskrankheit Nummer 1 in Deutschland – und ist eine typische Krankheit im Alter. Als begleitende Pflege bei Parodontitis kann das Parodont Zahnfleischpflege-Gel eingesetzt werden, das der Berliner Zahnarzt Dr. Ismail Özkanli entwickelt hat.

pflege.de hat mit Dr. Ismail Özkanli gesprochen und sich nach praktischen Tipps rund um die Zahn- & Zahnfleischpflege von Pflegebedürftigen durch pflegende Angehörige erkundigt.

Herr Dr. Özkanli, Sie sind Zahnarzt und Erfinder des Parodont-Gels. Wie kamen Sie darauf, ein Zahnfleischpflege-Gel für Parodontitis zu entwickeln?

Ich wollte mich nicht damit zufriedengeben, dass es kein Mittel gibt, das die Zahnfleischtaschen schließt. In meiner Praxis hatte ich rund 80 Prozent Parodontitis-Patienten. In Deutschland sind es über 25 Millionen Betroffene. Antibiotika helfen nur unzureichend. Bakterien werden so zwar abgetötet, die Zahnfleischtaschen bleiben aber bestehen und werden durch Speisereste wieder verunreinigt. Die Folge: Zahnfleisch und Kieferknochen werden abgebaut, die Zähne fangen an zu wackeln und fallen schlussendlich aus.

Vor einigen Jahren wurde zudem festgestellt, dass sich die Erreger auch im Magen-Darm-Trakt befinden. Das heißt, man kann so viel Prophylaxe betreiben, wie man will – im Endeffekt gelangen die Erreger über die Blutlaufbahn immer wieder in den Mundbereich. Eine heimtückische Krankheit.

Ratgeber
Krankheiten im Alter

Und Ihre Lösung war ein Zahnfleischpflege-Gel mit einem ganz besonderen Bestandteil.

Genau. 2004 habe ich zum ersten Mal Schwarzkümmelöl eingesetzt und festgestellt, dass sich dadurch die Blutwerte verbesserten. Davon profitierten z. B. Diabetes- und Bluthochdruck-Patienten. Dann habe ich ein Buch des Münchner Immunologen Dr. Peter Schleicher gelesen „Natürlich heilen mit Schwarzkümmel“. Dieser wendete das Schwarzkümmelöl in den 90er Jahren bei 900 Patienten und 60 verschiedenen Krankheiten an. Er erzielte u. a. auch für den Bereich der Zahnpflege gute Ergebnisse. Das nahm ich zum Anlass und testete das Öl als Bestandteil der Zahnpflege. Allerdings zunächst ohne Erfolg.

Was war passiert?

Das Öl blieb nicht an der gewünschten Stelle im Mund. Es stellte sich die Frage: Wie kann ich ein Öl in Cremeform bringen, das hydrophob ist, das also nicht gleich vom Speichel abgeschwemmt wird? Es musste wasserfest sein und nach dem Auftragen an Ort und Stelle bleiben. Mit dem benachbarten Apotheker habe ich dann 2005 das Parodont-Gel entwickelt und in einer aufwändigen Studie getestet.

Mit welchem Ergebnis?

Es kam heraus, dass sich bei den Zähnen, die mit dem Parodont-Gel behandelt wurden, bereits nach einer Woche eine positive Wirkung auf die Zahnfleischtaschen herausstellte. Fortan haben wir das Präparat selbst angemischt und mit Einmalspritzen in die Zahnfleischtaschen gebracht – und bei der Höhle der Löwen mit dem Produkt überzeugen können.

Was ist das Besondere am Schwarzkümmelöl?

Es wurden sehr viele Studien zur Wirksamkeit angefertigt, vor allem im arabischen Raum. Belegt werden konnten antibakterielle (wirksam gegen Bakterien), antivirale (wirksam gegen Viren) und antimykotische (wirksam gegen Pilzerkrankungen) Wirkungen sowie ein schmerzlindernder Effekt.

Ein echter Allrounder also?

Oh ja! Ich persönlich nutze es auch bei schmerzenden Prothesendruckstellen oder Brandverletzungen. Zudem kann es gegen Herpesausbruch helfen, wenn es sofort beim ersten Kribbeln aufgetragen wird. Kunden sind oft skeptisch, wenn sie das alles lesen. Daher schreiben wir es auch nicht auf die Packung unseres Zahnfleischpflege-Gels, das ja schon dem Namen nach gegen Parodontitis helfen soll.

Ist Parodontitis eine typische Krankheit im Alter?

Definitiv. Ab 50 Jahren haben 98 Prozent aller Menschen mindestens an einem Zahn eine Zahnfleischtasche, also Parodontitis. In China haben die Menschen genetisch bedingt bereits ab 30 Jahren Zahnfleischprobleme.

Was ist so gefährlich an Parodontitis?

Problematisch ist, dass die Erreger ganz einfach über den Speichel übertragen werden. Das heißt, auch über das Küssen kann man sich anstecken. Haben Sie die Krankheit, wird Ihr Partner sie wahrscheinlich auch haben. Hochproblematisch ist es, dass die Erreger eben auch in den Magen-Darm-Trakt gelangen. Daher empfehlen wir, das Schwarzkümmelöl zu trinken.

Kann eine Parodontitis andere Krankheiten bedingen?

Ja. Das Herzinfarkt-Risiko erhöht sich um acht bis 15 Prozent. Wenn eine Parodontitis vorliegt, erhöht sich zudem das Risiko, an Diabetes zu erkranken. Auch Rheuma, also z. B. Arthritis und Arthrose werden mit dem Vorliegen einer Parodontitis in Zusammenhang gebracht, weil sich die Erreger im gesamten Körper verteilen und Entzündungen bedingen. Parodontitis wird von renommierten Wissenschaftlern sogar als zu 100 Prozent ursächlich für die Alzheimer-Erkrankung eingestuft.

Für pflegende Angehörige ist es wichtig zu wissen, wie man eine Parodontitis beim Pflegebedürftigen erkennt. Auf welche Symptome sollten Sie achten?

Es gibt eindeutige Anzeichen:

  • regelmäßiges Zahnfleischbluten
  • das Zahnfleisch hat sich zurückgezogen
  • die Zahnhälse liegen frei
  • starke Kälteempfindlichkeit
  • die Zähne wackeln oder sind herausgefallen
  • die Zähne mussten gezogen werden, weil sie nicht mehr fest im Knochenfach standen, obwohl sie scheinbar gesund waren
  • schlechter Atem & Mundgeruch
Abbildung
zum Vergrößern hier klicken

Eine Parodontitis entsteht schrittweise. Über die Zeit bilden sich Zahnfleischtaschen, in denen sich Bakterien ungehindert vermehren können.

Haben Betroffene auch Schmerzen?

Betroffene haben nicht die typischen Zahnschmerzen wie bei einem Loch im Zahn, sondern tatsächlich Schmerzen am Zahnfleisch. Das kann sich auch über Jucken oder Brennen äußern. Viele haben auch gar keine Beschwerden und sind dann vollkommen überrascht, wenn sie die Diagnose erhalten. Der Knochen hat sich meist schon abgebaut und erst dann geht das Zahnfleisch zurück – und man erkennt zu spät, dass ein Problem vorliegt.

Ratgeber
Parodontitis: Symptome erkennen & Ursachen bekämpfen

Ein Zahnarzt erkennt die Parodontitis aber sofort?

Ja. Das dauert nicht einmal 30 Sekunden.

Wie schätzen Sie die Mundgesundheit von älteren Menschen in Deutschland ein?

Die Lebensdauer in Deutschland ist sehr hoch. Die Zähne werden bis zu 100 Jahre beansprucht. Daher ist eine gute Mundhygiene wichtig, um die Lebensqualität hoch zu halten. Man sieht an den Prothesen, den Brücken und Kronen, dass die Mundgesundheit der älteren Generation leidet.

Wie können die Zahnpflege und Mundgesundheit von Senioren aus Ihrer Sicht verbessert werden?

Viele vernachlässigen die professionelle Zahnreinigung. Man sollte alle sechs Monate zum Zahnarzt oder zum Prophylaxe-Helfer gehen und die Zähne professionell säubern lassen. Das sollte übrigens bereits ab dem Kindesalter passieren. Eine Karies braucht sechs Monate, bis sie entsteht. Wenn Sie also alle fünf bis sechs Monate eine Zahnreinigung durchführen lassen, dürfte Ihnen die schonmal erspart bleiben.

Bei dem Termin wird Patienten oder eben auch ihren Angehörigen gezeigt, welche Schwachstellen es gibt, wo ggf. schon Zahnfleischtaschen vorhanden sind und wie man dagegen individuell vorgehen kann. Dieses Angebot wird insgesamt zu wenig in Anspruch genommen.

Was können pflegende Angehörige konkret tun, um Pflegebedürftige bei der Zahn- und Mundhygiene zu unterstützen?

Das ist gar nicht so einfach. In Deutschland werden zwar viele Mundhygieneprodukte verwendet, aber oft ist die Putztechnik nicht die richtige. Pflegende Angehörige kennen die richtige Technik meist auch nicht. Ich empfehle daher mit Nachdruck, eine elektrische Zahnbürste zu verwenden. Es gibt zwei Arten: die rotierende und die Schall-Zahnbürste, die mit Schwingungen arbeitet und auch in den Zahnzwischenräumen sehr gut putzt. Pflegende Angehörige sollten den Pflegebedürftigen mindestens einmal am Tag damit beim Zähneputzen unterstützen. Ich empfehle außerdem die Verwendung von Zahnseide und ggf. Zahnzwischenraum-Bürsten. Mundduschen können gut helfen, die Zahnzwischenräume zu reinigen.

Ratgeber
Mundpflege und Zahnpflege bei Pflegebedürftigen

Welche drei Tipps haben Sie abschließend für die Erhaltung der Mundgesundheit von Pflegebedürftigen?

  1. Die Zähne sollten mindestens einmal pro Tag mit der elektrischen Zahnbürste geputzt werden. Reinigen Sie die Außenfläche, die Innenfläche und die Kaufläche. Putzen Sie mindestens zwei Minuten lang.
  2. Als pflegender Angehöriger: Tragen Sie dafür Sorge, dass der Pflegebedürftige regelmäßig zur Zahnarztkontrolle sowie zur Zahnreinigung geht.
  3. Denken Sie daran: Die Lebensqualität beginnt im Mund. Ein gesunder Mundraum fördert die Gesundheitszustand des ganzen Körpers! Die Zahnpflege muss daher oberste Priorität haben.
Erstelldatum: 9102.11.62|Zuletzt geändert: 0202.80.72
Bildquelle
© Dr. Ismail Özkanli
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