Ambulante Pflege: Gut gepflegt zu Hause leben

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Ambulante Pflege

Was ist ambulante Pflege? Pflegebedürftigkeit kann jeden von uns jederzeit treffen. Mit ambulanter Pflege, auch „häusliche Pflege“ genannt, erhalten pflegebedürftige Menschen medizinische, pflegerische und hauswirtschaftliche Versorgung im häuslichen Umfeld. Die ambulante Pflege und die Betreuung von Pflegebedürftigen kann sowohl durch einen ambulanten Pflegedienst als auch durch pflegende Angehörige durchgeführt werden. Ambulante Pflegedienste kommen bei Bedarf mehrmals in der Woche oder mehrmals täglich ins Haus und entlasten den Betroffenen sowie seine Angehörigen.

Inhaltsverzeichnis


Ohne die vielfältigen Leistungen von ambulanter Pflege wäre es für viele pflegebedürftige Menschen kaum denkbar, zu Hause in ihrer vertrauten Umgebung zu leben. Durch einen Unfall oder eine schwere Krankheit kann man von einem Tag auf den anderen pflegebedürftig werden. Manchmal ist häusliche Pflege vorübergehend notwendig, bis man wieder gesund wird. Man kann aber auch dauerhaft auf die pflegerische Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst oder pflegende Angehörige angewiesen sein.

Ambulante Pflege: Unterstützung für ältere Menschen

In vielen Fällen, häufig mit steigendem Alter, brauchen Senioren immer öfter Betreuung, Pflegemaßnahmen oder unterstützende Dienstleistungen. Es beginnt damit, dass der ganz normale Alltag ohne die freundliche Hilfe von Nachbarn oder erwachsenen Kindern nicht mehr so reibungslos klappt und dass einem vieles schwerer fällt als früher. Später braucht man dann wegen chronischer und altersbedingter Krankheiten und körperlicher und geistiger Einschränkungen pflegerische Versorgung. Die Mitarbeiter von ambulanten Pflegediensten, nahestehende Angehörige oder Helferinnen der sog. 24-Stunden-Betreuung können Pflegebedürftige dabei unterstützen, ihren Alltag besser zu bewältigen.

In manchen Pflegehaushalten setzt sich die Versorgung aus pflegenden Angehörigen und einem ambulanten Pflegedienst zusammen – je nach Pflegegrad. Im Falle der Versorgung durch pflegende Angehörige können ambulante Pflegedienste auch mal stundenweise zur Entlastung der Angehörigen engagiert werden. Und im Falle der Verhinderungspflege oder Tagespflege und Nachtpflege übernehmen Pflegedienste ersatzweise die komplette Versorgung des Pflegebedürftigen.

Tipp

Ergänzend zur ambulanten Pflege durch einen Pflegedienst ist es ratsam, einen Hausnotruf zu installieren. Wenn mal kein Pflegedienst und kein Angehöriger im Haus sind, kann so die Sicherheit jederzeit garantiert werden. Ein Hausnotruf ist ein anerkanntes Hilfsmittel und wird in der Regel von den Kassen mitfinanziert, wenn ein Pflegegrad vorhanden ist.


Diese Leistungen bietet ein ambulanter Pflegedienst:

Kosten für ambulante Pflegeleistungen

Durch seine Beitragszahlungen zur Pflegeversicherung erwirbt sich jeder gesetzliche Versicherte einen Rechtsanspruch auf Hilfe, wenn er pflegebedürftig wird. Dann übernimmt die Pflegeversicherung die Kosten für ambulante Pflegeleistungen: Pflegebedürftige erhalten Pflegesachleistungen (bei Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst) oder Pflegegeld (bei Versorgung durch einen Angehörigen). Detaillierte Informationen zu Umfang und Anspruch auf Pflegeleistungen erfahren Sie in diesem Ratgeberartikel zu Pflegeleistungen.

Weil jeder Pflegebedürftige ganz unterschiedliche Hilfen benötigt, lassen sich der Umfang und damit auch die Kosten für Leistungen der ambulanten Pflege nicht pauschal nennen, sondern nur ganz grob einschätzen.

Tipp

Investitionskosten bei ambulanter Pflege durch einen Pflegedienst

Kalkulieren Sie auch die sog. Investitionskosten für die ambulante Pflege mit ein, die zusätzlich zu den Pflegekosten beim Pflegedienst anfallen!

Info

Rechenbeispiel für ambulante Pflege

Herr B. benötigt rund zweimal in der Woche eine große Grundpflege (Leistungskomplex Ganzwaschung, mit Lagern/Betten und selbstständiger Nahrungsaufnahme) und dreimal in der Woche eine kleine Grundpflege (Leistungskomplex Teilwaschung, mit Lagern/Betten und selbstständiger Nahrungsaufnahme). Darum kümmert sich ein ambulanter Pflegedienst. Am Wochenende kümmert sich seine Tochter um ihn und sie versorgt auch den Haushalt. Abhängig vom Bundesland, in dem er lebt, berechnet sein Pflegedienst für diese Leistungen geschätzte monatliche Kosten in Höhe von rund 820 Euro. Hätte Herr B. den Pflegegrad 2, dann würde die Pflegeversicherung 689 Euro dieser Kosten übernehmen. Es bliebe für Herrn B. in diesem Fall also ein monatlicher Eigenanteil in Höhe von 131 Euro.

Das Pflegeversicherungsgesetz in Sozialgesetzbuch Elf (SGB XI) regelt, was Pflegebedürftigkeit ausmacht. Die Pflegebedürftigkeit stellt ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK; bei gesetzlich Versicherten) oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten) fest und beurteilt dabei sechs Bereiche:

  1. Mobilität
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Für alle Tätigkeiten, die für die Pflege notwendig sind, vergibt der Gutachter von MDK oder MEDICPROOF Punkte, die am Ende summiert und je Modul unterschiedlich gewichtet werden. Daraus ergibt sich eine Gesamtpunktzahl, die den Pflegegrad bestimmt. Je höher die Punktzahl nach der Begutachtung ist, desto höher ist der Pflegegrad.

Die Pflegeversicherung gewährt auf Basis des Pflegegrads (bis zum 31.12.2016: sog. Pflegestufen) monatliche finanzielle Hilfen. Einen ausführlichen Überblick der Pflegeleistungen finden Sie im Artikel Pflegeleistungen.

  • Häusliche Pflege bei Pflegegrad 1

    Personen mit anerkanntem Pflegegrad erhalten bei der häuslichen Versorgung und Pflege durch Angehörige kein Pflegegeld oder Pflegesachleistungen bei der Pflege durch den ambulanten Pflegedienst. Pflegebedürftigen mit Pflegegrad 1 steht aber der sog. Entlastungsbetrag in Höhe von 125 Euro pro Monat zu, den sie für Betreuuung und Entlastung nutzen können. Erfahren Sie mehr im Beitrag zu den Betreuungs- und Entlastungsleistungen. Daneben erhalten Versicherte mit Pflegegrad 1 Zuschüsse zur Wohnraumanpassung, bis zu 40 Euro pro Monat für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch und Zuschüsse zum Hausnotruf.

    Pflegegeld Pflegesachleistung
    Pflegegrad 1 0 Euro 0 Euro
  • Häusliche Pflege bei Pflegegrad 2

    Sofern Versicherte mit Pflegegrad 2 in der Häuslichkeit versorgt werden, haben sie Anspruch auf 316 Euro Pflegegeld oder 689 Euro Pflegegsachleistungen pro Monat. Im Rahmen der sog. Kombinationsleistungen kann die Pflege durch Angehörige mit der Pflege durch professionelle Kräfte auch kombiniert werden, so dass Versicherte anteilig Pflegegeld und Pflegesachleistungen erhalten. Neben Pflegegeld und Pflegesachleistungen haben Versicherte mit Pflegegrad 2  Anspruch auf Leistungen der Tages- und Nachtpflege (689 Euro/Monat), 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen, bis zu 1.612 Euro für die Kurzzeitpflege, 1.612 Euro für die Verhinderungspflege sowie Zuschüsse zur Wohnraumanpassung (bis zu 4.000 Euro), zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel (40 Euro/Monat) und zum Hausnotruf.

    Pflegegeld Pflegesachleistung
    Pflegegrad 2 316 Euro 689 Euro
  • Häusliche Pflege bei Pflegegrad 3

    Personen mit anerkanntem Pflegegrad 3, die in der Häuslichkeit versorgt werden, erhalten 545 Euro Pflegegeld oder 1.298 Euro Pflegesachleistungen pro Monat. Zusätzlich haben Sie Anspruch auf 125 Euro für Betreuungs- und Entlastungsleistungen, je bis zu 1.612 Euro für die Verhinderungs- und Kurzzeitpflege, Leistungen der Tages- und Nachtpflege, Zuschüsse zum Hausnotruf, zur Wohnraumanpassung sowie Pflegehilfsmittel zum Verbrauch in Höhe von 40 Euro pro Monat.

    Pflegegeld Pflegesachleistung
    Pflegegrad 3 545 Euro 1.298 Euro
  • Häusliche Pflege bei Pflegegrad 4

    Versicherte mit Pflegegrad 4 erhalten – sofern sie zuhause versorgt werden – 728 Euro Pflegegeld oder 1.612 Euro Pflegesachleistungen pro Monat. Daneben haben sie Anspruch auf Leistungen der Tages- und Nachtpflege, der Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege, 125 Euro für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen sowie Zuschüsse zur Wohnraumanpassung, zum Hausnotruf sowie zu Pflegehilfsmittel zum Verbrauch.

    Pflegegeld Pflegesachleistung
    Pflegegrad 4 728 Euro 1.612 Euro
  • Häusliche Pflege bei Pflegegrad 5

    Versicherte mit Pflegegrad 5 erhalten bei der ambulanten Versorgung 901 Euro Pflegegeld oder 1.995 Euro Pflegesachleistungen pro Monat. Zusätzlich stehen ihnen Leistungen der Tages- und Nachtpflege, der Kurzzeitpflege, Verhinderungspflege, 125 Euro für zusätzliche Betreuungs- und Entlastungsleistungen sowie Zuschüsse zum Hausnotruf, zu zum Verbrauch bestimmten Hilfsmitteln und zur Wohnraumanpassung zu.

    Pflegegeld Pflegesachleistung
    Pflegegrad 5 901 Euro 1.995 Euro

Für privatversicherte pflegebedürftige Menschen gilt: Anstelle der Pflegesachleistung tritt die Kostenerstattung, die in der Höhe der sozialen Pflegeversicherung entspricht.

Tipp

Rechtzeitig vorsorgen! Immer wieder weisen Politiker und Versicherungsexperten darauf hin, dass die Pflegeversicherung lediglich eine Teilkaskoversicherung ist: Die Kosten werden stets nur bis zu einer bestimmten Höhe getragen. Alle Leistungen, die darüber hinausgehen, müssen die Versicherten bzw. ihre Angehörigen tragen. Deshalb ist es ratsam, Vorsorge zu treffen und sich zusätzlich privat abzusichern. Erkundigen Sie sich z. B. nach den Möglichkeiten einer Pflegezusatzversicherung.

  • Absicherung pflegender Angehöriger
    Pflegen Sie als Angehöriger mindestens 14 Stunden pro Woche oder können Sie wegen der Pflege Ihren eigentlichen, sozialversicherungspflichtigen Beruf weniger als 30 Wochenstunden ausüben, sind Sie automatisch renten- und unfallversichert. Mehr zur sozialen und rechtlichen Absicherung für pflegende Angehörige erfahren Sie im Beitrag Beruf, Familie & Pflege.
Tipp

Wussten Sie, dass pflegende Angehörige einen Anspruch auf zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel im Wert von 40 Euro pro Monat haben, wenn ein anerkannter Pflegegrad vorliegt?

Leistungskomplexe in der ambulanten Pflege

In den Leistungskatalogen und Preislisten von ambulanten Pflegediensten finden Sie 17 bis 30 so genannte verrichtungsbezogene Leistungskomplexe, darunter z. B. kleine Grundpflege oder große Grundpflege. Woraus diese Leistungskomplexe im Einzelnen bestehen, ist von Bundesland zu Bundesland verschieden. Ein Pflegedienst oder die Krankenkasse am Wohnort Ihres pflegebedürftigen Angehörigen informiert Sie über Anzahl und Umfang der Leistungskomplexe.

Ambulante Pflege durch ausländische Pflegekräfte?

Braucht Ihr Angehöriger Unterstützung und Betreuung rund um die Uhr? Was ambulante Pflegedienste im gesetzlichen Rahmen leisten können, reicht für eine umfassende Betreuung jedoch nicht aus. Weitere zusätzlichen Leistungen eines Pflegedienstes aber privat zu bezahlen, können sich die wenigsten Familien finanziell leisten. Vor diesem Dilemma stehen nicht nur Sie, sondern viele Familien in Deutschland. Hier übernehmen oftmals Betreuungskräfte aus Polen oder anderen osteuropäischen Ländern hauswirtschaftliche und grundpflegerische Tätigkeiten wie z. B. Unterstützung beim Waschen und Ankleiden, da sie oftmals günstiger als deutsche Pflegekräfte sind. Haben auch Sie schon mal an den Einsatz einer solchen Betreuungskraft gedacht? Mehr Informationen zu dieser Betreuungsform finden Sie in den Artikeln über Polnische Pflegekräfte und 24 Stunden Pflege & Betreuung.

Info

Pflegedienste in freier, öffentlicher und privatgewerblicher Trägerschaft

In Deutschland betreiben freie Träger wie z. B. gemeinnützige Vereine, Wohlfahrtsorganisationen und Kirchen, aber auch Kommunen (öffentliche Träger) und privatgewerbliche Unternehmer ambulante Pflegedienste. Welcher Träger hinter welchem ambulanten Pflegeanbieter steckt, muss bei Auswahl nicht unbedingt ausschlaggebend sein, es sei denn, man hat ganz persönliche Motive, z. B. weil man sich aus Glaubensgründen bei einem kirchlichen Träger besser aufgehoben fühlt.

Entscheidend können ganz andere Faktoren sein:

  • Größe des Pflegedienstes: Es gibt kleine Pflegedienste mit gerade mal 10 Mitarbeitern, die durch ihr großes persönliches Engagement all das leisten, was bei anderen möglicherweise nur auf dem Papier steht. Bei größeren Diensten muss man zwar mit größerer Anonymität rechnen, darf laut MDK dafür aber auch eine höhere Struktur- und Prozessqualität erwarten.
  • Seit wann gibt es den Pflegedienst? Je länger ein Pflegedienst besteht, desto eher kann man davon ausgehen, dass seine Pflege- und Serviceleistungen von guter Qualität sind – das gilt vor allem in Städten, wo der Konkurrenzdruck besonders hoch ist. In den 90er Jahren haben viele examinierte Krankenschwestern mit der Einführung der Pflegeversicherung (1995) ambulante Pflegedienste gegründet, die heute etabliert sind und derzeit häufig einen Besitzerwechsel erleben. Aber nicht nur alteingesessene Betriebe, sondern auch Unternehmensgründer können verlässlich arbeiten und gute Qualität bieten. Denn gerade junge Unternehmen haben den Ehrgeiz, sich im Markt durchzusetzen und legen sich deshalb möglicherweise mehr ins Zeug als bereits etablierte Dienste.

Welchen ambulanten Pflegedienst Sie letztendlich für die Betreuung Ihres Pflegebedürftigen wählen, sollte Ihren persönlichen Bedürfnissen und Ansprüchen, der gesundheitlichen Verfassung Ihres Angehörigen und dem Leistungsspektrum (Zusatzqualifikationen, Spezialisierung) des Anbieters entsprechen. Entscheiden Sie gemeinsam mit Ihren Angehörigen oder anderen vertrauten Menschen, vergleichen und prüfen Sie zuvor die Angebote von mehreren Pflegediensten.

Darauf sollten Sie beim Abschluss eines Pflegevertrags mit einem ambulanten Dienst achten

Der Pflegevertrag regelt Art und Umfang der Leistungen, die ein ambulanter Pflegedienst erbringt. Was Pflegebedürftige und ihre Angehörigen über das Kleingedruckte wissen sollten.

Sie haben sich für einen Pflegedienst entschieden und mit einem Berater im Erstgespräch ermittelt, welche Hilfen Ihr Pflegebedürftiger braucht. Vor der Unterschrift unter dem Pflegevertrag gilt wie für alle Vertragsabschlüsse: Gründlich durchlesen – auch das Kleingedruckte. Lassen Sie sich nicht unter Druck setzen und beraten Sie sich in aller Ruhe mit Ihren Angehörigen oder anderen vertrauten Menschen.

Ein Pflegevertrag ist juristisch gesehen ein sog. Dienstvertrag, d. h. der Leistungserbringer (der ambulante Pflegedienst) muss im Rahmen der Vereinbarungen tätig werden. Das bedeutet: Er schuldet dem Leistungsnehmer (Ihnen als Auftraggeber) eine Leistung, aber keinen Erfolg seiner Tätigkeit. Die Leistungen müssen demnach pflegefachgerecht erbracht werden, jedoch ist der ambulante Pflegedienst nicht dafür zuständig, dass der Pflegebedürftige z. B. nach einem Unfall wieder vollkommen gesund wird.

  • Vertragspartner
    Als Vertragspartner sollte ausschließlich der Pflegebedürftige aufgeführt sein. Wenn Pflegebedürftige zur Unterzeichnung des Vertrags nicht in der Lage sind, kann ihr gesetzlicher Betreuer in ihrem Sinne unterschreiben. Angehörige sind nicht automatisch gesetzliche Betreuer, sie können zwar beraten, aber entscheiden oder anstelle des Pflegebedürftigen unterschreiben dürfen sie nicht, außer sie wurden dazu bevollmächtigt.
  • Kündigungsfristen
    Der Pflegevertrag wird auf unbestimmte Zeit geschlossen. Ist keine Kündigungsfrist vereinbart, dann gilt die gesetzliche Frist von 14 Tagen. Sie können den Vertrag mit einem Pflegedienst als Angehöriger des Pflegebedürftigen aber fristlos kündigen, wenn Sie das Vertrauen in dessen Tätigkeit verloren haben. Der Vertrag sollte auf jeden Fall während eines stationären oder teilstationären Aufenthalts ruhen und schließlich durch endgültigen stationären Aufenthalt oder Tod automatisch enden.
  • Haftung
    Pflegedienste haften für Schäden, die durch ihre Mitarbeiter verursacht wurden. Deshalb müssen sie, um mögliche Schäden oder Schadenersatzforderungen ausgleichen zu können, eine Betriebs- oder Betriebshaftpflichtversicherung mit möglichst hoher Deckungssumme abschließen. Ein Vertragspassus wie etwa „nur bei grober Fahrlässigkeit“ schränkt die Haftung des Pflegedienstes stark ein. Das müssen Sie nicht akzeptieren. Personenschäden können beispielsweise „Wundliegen durch falsche Lagerung“ sein. Zu den Sachschäden zählen neben beschädigtem Geschirr oder Mobiliar auch verlorene Wohnungsschlüssel.
  • Pflegedokumentation und Leistungsnachweise
    Im Pflegevertrag sollte stehen, dass die erbrachten Leistungen schriftlich festgehalten werden und die Pflegedokumentation bei Ihnen zu Hause bleibt. Ebenso sollte festgelegt sein, dass Sie Leistungsnachweise direkt im Anschluss an den Einsatz abzeichnen und damit freigeben müssen.
  • Monatliche Abrechnung
    Die Leistungsnachweise sind Grundlage für die monatliche Abrechnung, die am Ende eines Monats erfolgt und in den ersten Tagen des Folgemonats eintrifft. Hier zahlen Klienten ihren Eigenanteil, das sind die Leistungen, die über die von den Pflegekassen (bei anerkanntem Pflegegrad) übernommenen hinausgehen. Zusätzlich können die Pflegedienste sogenannte Investitionskosten anteilig in Rechnung stellen.
  • Investitionskosten in der ambulanten Pflege
    Ambulante Pflegedienste berechnen möglicherweise ihren Klienten anteilig Investitionskosten z. B. für Instandhaltungskosten ihres Fuhrparks oder des Pflegedienstbüros. Dafür dürfen Pflegedienste Pauschalen ansetzen, die allerdings in einem angemessenen Verhältnis zu den tatsächlichen Kosten stehen müssen. Die Höhe der Investitionskosten an die Leistungsentgelte zu koppeln, ist nicht zulässig.
Info

Pflegenoten in der ambulanten Pflege

Die bislang umstrittenen „Pflegenoten“ nach Schulnoten galten für den ambulanten Dienst bis Ende 2018. Im Jahr 2019 soll ein neues Qualitätsprüfungs- und Transparenzsystem den bisherigen „Pflege-TÜV“ ablösen.

Die Pflegenoten bewerteten ambulante Dienste in folgenden vier Bereichen:

  1. Pflegerische Leistungen
    Darunter fallen alle Leistungen im Rahmen der so genannten Grundpflege, also Körperpflege, Ernährung, Mobilität. Von 17 Kriterien befassen sich allein drei mit der Ernährung, zwei mit der Flüssigkeitsaufnahme. Dokumentation und Lagerung bei Druckgeschwüren (Dekubitus), Prophylaxe-Maßnahmen bei bettlägerigen Menschen gegen Dekubitus und Muskelkontraktionen sind weitere Schwerpunkte.
  2. Ärztlich verordnete pflegerische Leistungen
    Hier wird anhand von 10 Kriterien bewertet, wie sorgfältig die Verordnungen des behandelnden Arztes vom Pflegepersonal umgesetzt werden und ob ausreichender Austausch oder Rücksprache zwischen Arzt und Pflegedienst dokumentiert ist.
  3. Dienstleistung und Organisation
    Neben einem qualifizierten Pflegepersonal steht oder fällt die Qualität eines Dienstes mit seiner Organisation. Deshalb wird dieser Bereich mit weiteren 10 Kriterien abgeklopft: Schwerpunkte sind hier die Pflegedokumentation, Datenschutz, Notfallschulungen und -anweisungen, Beschwerdemanagement, Erreichbarkeit und Einsatzbereitschaft.
  4. Befragung der Kunden
    Wie zufrieden die Kunden mit den Leistungen ihres beauftragten Pflegedienstes sind, wird mit 12 Fragen ermittelt. Hier geht es um Pflegevertrag und Leistungsvereinbarungen, Abstimmung von Einsatzzeiten, ob die Mitarbeiter zu häufig wechseln, freundlich und höflich sind, Tipps und Hinweise geben, aktivierend pflegen, die Privatsphäre achten oder ob sich nach Beschwerden spürbar etwas ändert. In einem gesonderten Feld des Veröffentlichungsblatts werden die Ergebnisse dieses vierten Bereiches gesondert aufgeführt.


Bei jedem der geprüften 37 Kriterien für die ersten drei Bereiche konnte ein Punktewert zwischen 1 und 10 erreicht werden:

  • 8,7 bis 10 Punkte entsprechen der Note sehr gut (1 – 1,4)
  • 7,3 bis 8,6 Punkte entsprechen der Note gut (1,5 – 2,4)
  • 5,9 bis 7,2 Punkte entsprechen der Note befriedigend (2,5 – 3,4)
  • 4,5 bis 5,8 Punkte entsprechen der Note ausreichend (3,5 – 4,4)
  • 0 bis 4,5 Punkte entsprechen der Note mangelhaft (4,5 – 5,0)

Erreicht ein Pflegedienst weniger als 45 Prozent der Punkte aus den ersten drei Bereichen mit ihren 37 Einzelkriterien, dann erhält er dafür das Gesamtergebnis „mangelhaft“. Wer im Detail wissen möchte, wie eine Gesamtnote zustande gekommen ist, kann sich dazu die ebenfalls offen gelegten Einzelergebnisse der Kriterien ansehen sowie die Ergebnisse der einzelnen Bereiche.]

Pflegeeinrichtungen in Deutschland

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Erstelldatum: .82.106102|Zuletzt geändert: .2.709102
BildquellenBild 1: ©istock.com/Eva Katalin Kondoros, Bild 2: © Robert Kneschke / Fotolia.com
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Interview

Experten-Tipps für Familien: Ambulante Versorgung zuhause

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Birgit Schwarz-Nenninger
Im Interview
Birgit Schwarz-Nenninger
Pflegeberaterin
Birgit Schwarz-Nenninger hat schon viele Seiten der Pflege gesehen: Nach dem Aufbau einer Einrichtung für betreutes Wohnen sowie einer WG für Demenzkranke hat sie eine Tagespflege geleitet. Sie war Pflegedienstleistung eines ambulanten Dienstes und hat zuletzt in einer vollstationären Einrichtung gearbeitet. Heute ist sie Pflegeberaterin bei pflege.de.

Birgit Schwarz-Nenninger hat schon viele eigene Erfahrungen in der Pflege gesammelt – sowohl ambulant als auch stationär – und war u. a. Pflegedienstleitung eines ambulanten Dienstes. Heute teilt sie im pflege.de-Magazin ihre Erfahrungen zur häuslichen Versorgung von Pflegebedürftigen und gibt Familien Tipps, worauf sie bei der Auswahl und Zusammenarbeit mit ambulanten Diensten achten sollten.

Die meisten Menschen wünschen sich, im eigenen Zuhause alt zu werden. Für welche Situation ist die ambulante Versorgung sowohl für die Betroffenen als auch ihre Angehörigen tatsächlich die ideale Versorgungsform?

Ich würde sagen immer dann, wenn ein entsprechendes Netzwerk aus privater Versorgung und professioneller Pflege gewährleistet ist. Da der Tag nun mal 24 Stunden hat, muss die Versorgung – je nach Betreuungs- und Pflegebedarf – zu jeder Zeit gewährleistet sein. Oft ergibt sich ein organisierter Betreuungsplan aus pflegenden Angehörigen und dem ambulanten Pflegedienst.

Kannst Du sagen, bei welchem Pflegebedarf die ambulante Versorgung sinnvoller ist als die stationäre Versorgung?

Da gibt es für mich keinen Unterschied. Es kann sowohl jemand mit Pflegegrad 1 und leichter Demenz als auch jemand mit Pflegegrad 4 zuhause gepflegt werden, wenn die Voraussetzungen dafür geschaffen sind. Damit meine ich eine barrierefreie Wohnung, die Schulung von Angehörigen in Bezug auf Transfer und Mobilisation, aber auch, dass Entlastungsmöglichkeiten für Angehörige bestehen. Denn keiner kann rund um die Uhr eine intensive Pflege leisten. Und selbst wenn man Unterstützung durch einen ambulanten Dienst bekommt, sind es ja immer nur kurze Zeiträume, die die ambulanten Pflegekräfte vor Ort sind. Daher muss ambulante Pflege auch akzeptieren, dass es Zeiten gibt, in denen der Pflegebedürftige alleine ist. Für diese Zeitfenster gibt es dann zum Beispiel den Hausnotruf.

Du hast gerade schon gesagt, dass die ambulante Pflege häufig durch Angehörige mit Unterstützung eines ambulanten Pflegedienstes organisiert wird. Was sollten Angehörige vor der Zusammenarbeit mit einem ambulanten Pflegedienst wissen?

Angehörige sollten akzeptieren können, dass sich fremde Leute im Haus bewegen. Das führen sich die wenigsten Angehörigen bewusst vor Augen und haben das Gefühl, ständig dabei sein zu müssen, wenn ihr Angehöriger von einer „fremden Person“ gepflegt wird. Das sorgt jedoch für eine angespannte Atmosphäre u. a. beim Pflegebedürftigen, so dass Angehörige das schnellstmöglich ablegen und den Pflegekräften vertrauen sollten.

Wenn sich Familien für einen ambulanten Pflegedienst entscheiden: Was ist Angehörigen und Betroffenen bei der häuslichen Versorgung am wichtigsten? Was liegt ihnen häufig am Herzen?

Mir sind immer wieder die zwei gleichen Dinge aufgefallen: 1. Vertrauen in die Pflegekräfte und 2. ein möglichst geringer Personalwechsel. Die Familien wünschen sich natürlich, dass jeden Tag und rund um die Uhr die gleiche Pflegekraft kommt. Das lässt sich aber nicht realisieren, da eine Pflegekraft ja auch nur acht Stunden arbeitet und mal Urlaub braucht und mal krank ist. Die Pflegekräfte wechseln sich zudem mit Früh- und Spätdiensten ab, so dass es schlichtweg unmöglich ist, dass rund um die Uhr sieben Tage die Woche nur eine Pflegefachkraft zum Patienten kommt. Genauso wenig ist dies ja auch im Krankenhaus und in stationären Einrichtungen wie einem Pflegeheim möglich.

Was viele ambulante Dienste aber durchaus anbieten, ist die sog. Bezugspflege: Dabei soll die ambulante Pflege durch möglichst wenige Pflegekräfte gestemmt werden und es gibt eine Bezugspflegefachkraft, die über alles Bescheid weiß und den Überblick behält. Sie selbst kommt zwar nicht jeden Tag selbst zum Pflegebedürftigen, hat aber ein Team aus Pflegehelfern um sich, die beim Patienten sind und regelmäßig Bericht erstatten. Dadurch überprüft sie konsequent die Pflegeplanung und ist der feste Ansprechpartner für Angehörige. In Abstimmung mit der Familie kann sie die Pflegeplanung auch verändern, falls sie beobachtet, dass bestimmte Maßnahmen keinen Erfolg zeigen.

Familien wünschen sich natürlich, dass jeden Tag und rund um die Uhr die gleiche Pflegekraft kommt
Birgit Schwarz-Nenninger

Das klingt nach einer guten Lösung für Angehörige als auch für den Betroffenen selbst. Gewährt denn jeder ambulante Pflegedienst Bezugspflege?

Nein, ich glaube nicht. Das ist aber keine böse Absicht des Pflegedienstes, sondern einfach dem akuten Personalmangel geschuldet. Es ist bei vielen ambulanten Diensten festgeschrieben, wird aber glaube ich nicht überall gelebt.

Info
Fragen Sie nach der Bezugspflege!

Angehörige können beim ambulanten Pflegedienst aber einfach nachfragen, ob Bezugspflege möglich ist. Es kostet nicht extra, daher kann es jeder in Anspruch nehmen, sofern es angeboten wird. Fragen Sie einfach gezielt nach!

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Wie können sich Angehörige und der ambulante Dienst die Pflege am besten aufteilen? Ist es üblich, dass man sich abspricht, wer die Versorgung tagsüber und nachts übernimmt? Oder dass der Pflegedienst beispielsweise intime Tätigkeiten durchführt und die Angehörigen eher die Wäsche des Oberkörpers und die Mundpflege übernehmen?

In erster Linie ist es natürlich individuell. Aber ich finde schon, dass genaue Absprachen sehr wichtig sind, eben auf den Einzelfall abgestimmt. Gerade intime Pflegesituationen können besser von professionellen Pflegekräften durchgeführt werden, weil bei Angehörigen immer eine Hemmschwelle besteht. Da kommt das sog. Weißkittelsyndrom ins Spiel. Das bedeutet, dass intime Pflegesituationen von Betroffenen besser akzeptiert und eingeordnet werden, wenn sie von einer Pflegekraft im weißen Kittel anstatt von einem Angehörigen durchführt werden.

Gerade intime Pflegesituationen können besser von professionellen Pflegekräften statt Angehörigen durchgeführt werden.
Birgit Schwarz-Nenninger

Angehörige sollten aber auch Veränderungen gegenüber offen sein und ständig im Austausch mit dem Pflegedienst sein. Wenn man merkt, dass die Aufteilung der Betreuung nicht passt, sollte man Abläufe und Absprachen auch wieder verändern. Daher ist es auch sehr wichtig, sich mit dem ambulanten Pflegedienst immer abzusprechen, zu reagieren und ständig zu evaluieren, was die einzelnen Maßnahmen bringen. Und wenn sich Sachen nicht als gut erweisen, muss man sie eben auch ändern –auch das macht einen guten Pflegedienst aus.

Kennst Du aus Deiner Erfahrung ein Modell der Aufgabenteilung, mit dem viele Familien gut fahren und das oft gut funktioniert?

Ein Modell, das sich aus meiner Erfahrung bei vielen Familien bewährt hat, ist, dass man sich mit dem ambulanten Pflegedienst wirklich ganz genau über Pflegezeiten und Tätigkeiten abspricht. So kann beispielsweise der Pflegedienst am Morgen kommen, die große Grundpflege durchführen und den Pflegebedürftigen dann an den Frühstückstisch bringen. Dann kann der Ehepartner den gemütlichen Teil mit einem schönen Frühstück einläuten, der Betroffene ist gut betreut und beide haben eine schöne Zeit miteinander. Am Nachmittag kommt dann nochmal die Hauspflegekraft, die die großen Fenster putzt oder die Wäsche abnimmt und in der Zeit vor Ort ist. Der Angehörige hat in dieser Zeit freie Zeit für sich, kann spazieren oder einkaufen gehen. Wenn er wieder nach Hause kommt, kann er/sie mit seiner pflegebedürftigen Ehefrau oder dem Ehemann schön Kaffee trinken. Und am Abend kommt dann nochmal die Pflegekraft, macht denjenigen bettfertig und es kann in einen gemütlichen Abend übergehen. Das wäre zum Beispiel ein denkbares Modell.

Expertenmeinung
Birgit Schwarz-Nenninger
Birgit Schwarz-Nenninger

Geben Sie kritische Pflegesituationen an einen Pflegedienst ab. Egal ob Grundpflege, Betreuung oder Hauswirtschaft. So haben Sie mit dem Betroffenen die schönen Zeiten fernab der Pflege gemeinsam, das ist ganz ganz wichtig!

Wie individuell können die ambulanten Pflegekräfte auf die Familien eingehen? Worum darf man den ambulanten Dienst bitten und was ist eher unrealistisch?

Klare Absprachen in Bezug auf pflegerische Tätigkeiten und Pflegezeiten sind immer möglich und eine offene Kommunikation vereinfacht die Zusammenarbeit. Angehörige sollten sich nicht scheuen, ihre ganz persönlichen Bedürfnisse anzusprechen. Zum Beispiel: Wenn es für Angehörige immer wichtig ist, dass rechts von der Auffahrt geparkt wird, dann sollten sie das einfach ansprechen. Oder wenn sie wünschen, dass immer zweimal geklingelt wird, damit sie wissen, dass es der Pflegedienst und nicht der Postbote ist. Also wirklich ganz kleine Sachen. Einfach darüber sprechen!

Und wenn es gar nicht geht, sollten sich Angehörige auch nicht scheuen, den Pflegedienst zu wechseln. Manchmal sind Pflegedienste auch dankbar, wenn der Vertrag aufgehoben wird, etwa weil der Anfahrtsweg ohnehin zu lang ist. Scheuen Sie sich also nicht, über alles mit dem ambulanten Dienst zu sprechen und die ideale Lösung für Ihren Betroffenen zu finden.

Woran erkennt man einen guten Pflegedienst? Gibt es Qualitätskriterien, auf die Familien bei der Auswahl achten können?

Ein persönliches Beratungsgespräch ist unabdingbar und ein seriöser ambulanter Dienst zeichnet sich dadurch aus, dass sich die Pflegedienstleitung Zeit für das Gespräch mit der Familie nimmt und versucht, die bestmögliche Pflege für den Betroffenen zu organisieren. Ich würde keinen Pflegedienst empfehlen, der einfach kommt und erst mal ins Blaue hinaus pflegt, ohne dass ein Gespräch zwischen einer verantwortlichen Pflegekraft und Angehörigen stattgefunden hat.

Ein seriöser ambulanter Dienst nimmt sich viel Zeit für das erste Gespräch mit der Familie.
Birgit Schwarz-Nenninger

Zur Orientierung für die Verbraucher wurden vom Gesetzgeber ja Siegel wie der „Pflege-TÜV“ und die Pflegenoten des MDK eingeführt. Sind diese Siegel Deiner Meinung nach verlässlich und können sich Angehörige daran orientieren?

Meine ehrliche Meinung ist „nein“. Ich halte davon nichts. Es gibt ja diverse Siegel für die Qualität der Pflege und es ist immer eine Sache der Zertifizierung. Stationäre Einrichtungen wie Pflegeheime und ambulante Dienste können auf eine Zertifizierung hinarbeiten, das kostet eine Menge Geld. Ich glaube, dass es dabei schwarze Schafe gibt, die nur auf die Prüfung hinarbeiten. Es gibt ja inzwischen kaum noch Pflegedienste oder Einrichtungen, die eine schlechtere Pflegenote als eine 1,0 oder eine 1,3 haben. Eigentlich sind ambulante Dienste mit einer schlechteren Note oftmals die aufrichtigeren, weil sie nicht nur auf die Prüfung hinarbeiten. Pflegedienste wissen genau, was geprüft wird, das ist im Vorwege alles bekannt. Und man kann sich darauf einstellen und die Sachen bei der Prüfung und dann eben auch auf dem Papier gut haben und gar nicht in der Umsetzung.

Die Pflegesiegel sind daher meines Erachtens nicht verlässlich. Die Prüforgane sind bestimmt gut, aber man kann das beeinflussen. Und es ist kein adäquater Vergleich, da auch nicht alle ambulanten Dienste das gleiche Siegel haben.

Mein Tipp an Familien lautet vielmehr: Sprechen Sie persönlich mit dem ambulanten Dienst! Wie tritt mir der erste Mitarbeiter des ambulanten Dienstes gegenüber, den ich treffe? Und wenn es nur so ist, dass Pflegedienst xy jedes Mal von meinen Nachbarn kommt und immer halb in meiner Auffahrt steht und ich ihn darauf anspreche. Wenn die Pflegekraft sagt „Tut mir leid, wir versuchen das in Zukunft zu berücksichtigen“, dann ist das für mich schon das erste Qualitätskriterium. Aber wenn die Pflegekraft einfach wieder ins Auto steigt und wegfährt und jedes Mal wieder da parkt, dann ist irgendwas falsch. Weiche Sachen zählen vielmehr als die harten Zahlen, finde ich. Angehörige sollten sich auf ihr Bauchgefühl verlassen.

Wann sollten Familien am Wunsch, zuhause wohnen zu bleiben, nicht weiter festhalten und stattdessen für Ihren Pflegebedürftigen die vollstationäre Pflege in einem Heim in Anspruch nehmen?

Dafür gibt es mehrerer mögliche Szenarien. Allgemein kann man sagen: Immer dann, wenn eine psychische oder physische Gefährdung vorliegt – sowohl für den Pflegebedürftigen als auch für den pflegenden Angehörigen. Wenn es beispielsweise nachts häufiger vorkommt, dass der Pflegebedürftige alleine aufsteht und fällt, kann der Angehörige ja nicht mehr ruhig schlafen und sich erholen. Die permanente Betreuung tagsüber und nachts kann in der ambulanten Versorgung niemand abdecken, die stationäre Einrichtung hingegen schon.

Ein Umzug in eine stationäre Einrichtung ist auch dann richtig, wenn alle Hilfsmittel für die ambulante Versorgung ausgeschöpft sind und nicht mehr reichen oder wenn die Angehörigen gar nicht vor Ort wohnen und den steigenden Pflegebedarf im häuslichen Umfeld nicht decken können. Oder aber, wenn Angehörige die Situation zuhause einfach nicht mehr aushalten. Solche nicht aushaltbare Situationen kann man zunächst gut über die Kurzzeitpflege ausprobieren und schauen, wie sich die Situation entwickelt, wenn der Betroffene nicht mehr zuhause wohnt. Angehörige können ihren Pflegebedürftigen ja während der Kurzzeitpflege trotzdem die ganze Zeit in der stationären Einrichtung besuchen und bei ihm sein, wenn sie möchten. Heutzutage gibt es ja auch Pflegeheime, in denen Angehörige mit im Zimmer schlafen können, wenn sie das wollen.

Als Alternative zum Pflegeheim bleibt natürlich auch noch die Möglichkeit der 24-Stunden-Pflege, sofern die finanziellen Mittel dafür vorhanden sind.

Vielen Dank, liebe Birgit, für das spannende Interview. Hast Du noch einen abschließenden Tipp für alle Familien, die Ihre Angehörigen zuhause unterbringen möchten, den Du ihnen mit auf den Weg geben möchtest?

Im Gesetz steht „ambulant vor stationär“ – das finde ich gut! Jeder hat ein Zuhause, das kann auch eine Wohneinrichtung sein. Ich habe zum Beispiel auch schon ein Wohnheim für ehemals obdachlose Männer mit betreut. Die Senioren sind dann nicht in ein Pflegeheim gekommen, sondern wir als ambulanter Dienst haben sie in dieser Wohngemeinschaft versorgt. Jeder hat in irgendeiner Form ein Zuhause und ich finde es immer besser, die ambulante Versorgung zumindest auszuprobieren. Es gibt für so viele Situationen eine gute Lösung!

Erstelldatum: .01.507102|Zuletzt geändert: .82.509102
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