Themenwelt Multiple Sklerose

Die Multiple Sklerose (MS) ist eine der Krankheiten mit vielen Gesichtern. Ihre Symptome können ganz unterschiedlich ausfallen. Sie erscheinen zusammenhanglos, zufällig, verschwinden wieder und bleiben scheinbar folgenlos. Wird dann endlich die Diagnose MS gestellt, sind Betroffene verunsichert. Was ist die Multiple Sklerose eigentlich genau und mit welchen Beschwerden geht sie einher? pflege.de klärt in diesem Artikel über Symptome und mögliche Ursachen der Krankheit auf und zeigt Ihnen, wie eine MS diagnostiziert wird.

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Multiple Sklerose (MS Krankheit) - Ursachen, Symptome & Diagnose/Test

Inhaltsverzeichnis

Definition: Multiple Sklerose (MS)

Multiple Sklerose (MS) ist eine entzündliche Erkrankung des zentralen Nervensystems, die Gehirn und Rückenmark betrifft. Ärzte bezeichnen diese Erkrankung auch als Enzephalitis disseminata (ED) – und meinen damit die Entzündungsherde, die verstreut im Gehirn und Rückenmark der Betroffenen auftreten.

Multiple Sklerose ist eine Erkrankung, die die Nervenfasern schädigt. Nervenfasern sind – ähnlich wie Stromkabel – von einer schützenden Hülle umgeben, die aus Myelin ( = eine Biomembran) besteht. Bei Entzündungen wird diese Schutzschicht beschädigt und die Nerven können Botschaften nicht mehr ungehindert übertragen. Durch diese Entzündungsherde kommt es quasi zu Kurzschlüssen, die sich auf recht unterschiedliche Art und Weise äußern können; z. B. als Missempfindungen (Kribbeln in Armen oder Beinen), Schwächungen (das Gefühl, das Bein sei plötzlich nicht mehr vorhanden) oder auch Sehstörungen.

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Multiple Sklerose: Was ist MS?

Bei einer MS-Krankheit werden die Nerven nicht nur an einer Stelle geschädigt, sondern an vielen, sehr verstreut liegenden Arealen in Gehirn und Rückenmark. Kommen mehrere (multiple) Entzündungen bei einer Multiplen Sklerose akut zusammen, so sprechen Mediziner von einem Schub. Symptome (bspw. Sehstörungen) entwickeln sich bei einer MS über mehrere Stunden oder Tage und klingen danach auch meist wieder ab. Doch es bleiben häufig Vernarbungen (Sklerosen / Läsionen) an den Nervenfasern bei einer MS-Erkrankung zurück.

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MS: Häufigkeit von Multipler Sklerose

Experten gehen davon aus, dass weltweit rund 2,5 Millionen Menschen von MS betroffen sind. In Deutschland wird jedes Jahr bei rund 2.500 Menschen eine Multiple Sklerose diagnostiziert. Frauen erkranken dreimal so häufig wie Männer.

MS: Alter bei Erkrankung

Eine MS-Erkrankung beginnt zumeist im frühen Erwachsenenalter, zwischen dem 20. und 40. Lebensjahr. Eine Multiple Sklerose mit 60 Jahren ist eher unwahrscheinlich: Nach dem 60. Lebensjahr werden MS-Erkrankungen nur noch sehr selten diagnostiziert.

Multiple Sklerose: Ursachen

So mysteriös wie die Erkrankung selber ist, so unklar sind auch die Ursachen, die dazu führen, dass die schützende Myelin-Schicht der Nervenfasern angegriffen wird. Viele Betroffene fragen sich: Was sind die MS-Ursachen? Wie bekommt man MS? Es sind mehrere Faktoren, die zusammenkommen müssen, um eine MS auszulösen. Mediziner sprechen deshalb von einem „multifaktoriellen“ Geschehen. Auslöser für Multiple Sklerose können sein:

  • Fehlfunktion des Immunsystems: Das Immunsystem wendet sich gegen den eigenen Körper – man spricht dann von einer Autoimmunerkrankung.
  • Diskutiert werden Umweltfaktoren (z. B. virale Infektionen im Kindesalter wie Masern, Herpes oder Epstein-Barr-Viren), Rauchen, Fehler in der Ernährung (z. B. zu viel Fleisch) oder ein Vitamin-D-Mangel als Ursachen einer Multiplen Sklerose.
  • Genetische Komponenten können eine Rolle spielen. Die MS ist keine klassische Erbkrankheit, da nicht die Krankheit selbst vererbt wird, sondern nur eine genetische „Neigung“, an MS zu erkranken: eine Prädisposition.

Von einer direkten Vererbung einer MS kann also nicht die Rede sein. Noch unwahrscheinlicher ist, dass MS gar durch Ansteckung verursacht wird.

MS: Symptome

MS-Anzeichen können an mehreren Stellen im Körper ausgemacht werden. MS-Symptome können u. a. die Augen betreffen, aber auch die Gelenke, z. B. die Beine, den Kopf oder den Rücken.

MS-Symptome: Frühstadium ist oft gekennzeichnet durch Augenentzündungen

Besonders am Anfang der MS-Erkrankung entzündet sich häufig der Sehnerv von MS-Erkrankten. Betroffene haben dann mit Sehstörungen zu kämpfen, die auf unterschiedliche Art in Erscheinung treten. MS-Augenprobleme können bspw. auftreten als

  • verschwommenes Sehen
  • Nebelsehen
  • Doppelbilder
  • Unschärfen
  • Schmerzen in den Augen

Wird die Entzündung mit Kortison behandelt, ist die Prognose gut, meist heilt die Entzündung sogar komplett ab.

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Motorische Störungen sind bei der Multiplen Sklerose relativ oft zu beobachten. Diese können z. B. sein:

  • Lähmungen, die mitunter zu Spastiken führen
  • Kraftlosigkeit
  • Zittern in den Armen oder Beinen
  • oft fühlen sich die Arme oder Beine steif oder schwer an

Viele Betroffene berichten zudem, dass sich ihre Arme oder Beine „pelzig“ anfühlen. Das Gehen fällt ihnen schwer, das Stehen wird anstrengend, weil „die Beine irgendwie nicht da sind“. Sind die Arme betroffen, wird oft das Greifen ungenau oder Gegenstände lassen sich nicht sicher festhalten. Manchmal wird auch das Sprechen undeutlicher.

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MS: Erste Anzeichen

Missempfindungen wie Kribbeln, Juckreiz, unspezifische Schmerzen auf der Haut oder Taubheitsgefühle sind bei manchem Betroffenen die ersten Anzeichen einer Multiplen Sklerose.

Blasenstörungen oder ein schwer zu kontrollierender Harndrang (Inkontinenz) sind ebenfalls häufige Symptome einer MS. Auch Störungen des Darmes treten oft auf, was unter Umständen zu einer Stuhlinkontinenz / Darminkontinenz führen kann. Diese Harn- bzw. Darmstörungen sind für die Betroffenen besonders unangenehm.

MS: Schmerzen in den Gliedern sind ein häufiges Symptom

Leider gehören auch Schmerzen zu einer MS-Erkrankung. Schmerzen bei Multipler Sklerose treten nicht bei jedem Betroffenen auf und wenn, dann in sehr unterschiedlichem Ausmaß. Multiple Sklerose verursacht aber vor allem Schmerzen in den Armen und Beinen. Häufig sind die Extremitäten morgens – direkt nach dem Aufstehen – steif und unbeweglich und fühlen sich angespannt an.

Schmerzende Multiple Sklerose-Symptome können außerdem sein:

  • Muskelschmerzen
  • Gelenkschmerzen
  • Nervenschmerzen
  • Kopfschmerzen

Bei manchen Erkrankten zeigen sich auch Lähmungen: Zunächst in der Hand beginnend, weiten sie sich manchmal auf den Arm und sogar die ganze Körperseite aus.

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MS-Schub

Ein MS-Schub tritt dann auf, wenn mehr als 24 Stunden und mehr als 30 Ta­ge nach Be­ginn des letz­ten Schubs neue oder bekannte Symptome auftreten, die weder durch Än­de­rung der Kör­pertemperatur noch durch In­fekti­on zu erklären sind.

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Sprechstörungen und Schluckstörungen (Dysphagie) können Symptome von MS sein, weil die Gesichts-/Halsmuskulatur nicht mehr jene exakten Nervenimpulse erhält, die sie für ein reibungsloses Funktionieren benötigt. Dies äußert sich bei Betroffenen dann z. B. durch:

  • häufiges Verschlucken
  • eine verwaschene, undeutliche Sprache
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Fatigue

Das Phänomen der Erschöpfung (sog. Fatigue, sprich: „fatieg“) haben viele von MS betroffene Menschen. Sie fühlen sich matt. Schon kleinste Anstrengungen fallen schwer. Ausruhen oder Schlaf wirken nicht erholsam. Viele Betroffene fühlen sich zusätzlich schuldig, weil sie nicht leistungsfähig sind.

 

Multiple Sklerose: Persönlichkeitsveränderungen

Psychische Veränderungen gehen häufig mit einer MS-Erkrankung einher. Ob sie zu den Symptomen einer Multiplen Sklerose gehören oder vielmehr eine Folge der Multiplen Sklerose sind, ist in der Forschung noch unklar. Die Betroffenen sind konzentrationsschwach, können sich Dinge nicht mehr gut merken, sind deprimiert und leiden unter sexuellen Funktionsstörungen.

Sturzprophylaxe / Sturzprävention
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Sturzprophylaxe: für mehr Sicherheit im Alter

Bei Veränderungen wie Depressionen muss nicht die MS die konkrete Ursache sein. Aufgrund des Krankheitsverlaufs können Betroffene auch zusätzlich an einer Depression, im höheren Alter auch an einer Altersdepression, erkranken, weil sie immer stärker damit konfrontiert sind, mit ihrer MS leben zu müssen. Denn heilbar ist diese Erkrankung bislang nicht. Auch Blasen- oder Darmfunktionsstörungen (Harninkontinenz, Stuhlinkontinenz) beeinträchtigen das soziale Leben und führen oft zu einem Rückzug ins Private.

MS: Diagnose / Test

Ist das Erscheinungsbild einer MS schon vielfältig, so ist es erst recht die Diagnose. Doch wie wird MS diagnostiziert? Einen MS-Selbsttest gibt es nicht und einen Multiple Sklerose-Test online zu suchen, wird Betroffene nicht weiterbringen. Eine Diagnose erfordert eine eingehende medizinische Untersuchung eines Arztes. Eine ganze Reihe von Methoden kommt zum Einsatz, um letztlich wirklich eine sichere Antwort auf die Frage zu erhalten: „Habe ich MS?“. Die Bestandteile einer Multiple Sklerose-Diagnose sind:

  • Eine gründliche Anamnese. Damit gemeint ist die detaillierte Erfassung der bisherigen Krankheitsgeschichte des Patienten.
  • Neurologische Untersuchungen (Prüfung der Reflexe, der Schmerzempfindung sowie der Muskelkraft und -koordination)
  • Messung der Nervenleitfähigkeit und -geschwindigkeit, sog. evozierte Potenziale. So bezeichnen Mediziner gezielt ausgelöste elektrische Spannungsunterschiede. Damit lässt sich feststellen, wie es um die Funktionsfähigkeit der Nervenbahnen bestellt ist.
  • Magnetresonanztomografie (MRT), Kernspinresonanz-Tomografie von Gehirn und Rückenmark
  • Untersuchung der Rückenmarksflüssigkeit, des sog. Nervenwassers durch Lumbalpunktion, zur Suche nach oligoklonalen Banden
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Oligoklonale Banden

Oligoklonale Banden sind Immunglobuline ( = Antikörper). Sie liefern Hinweise auf entzündliche Prozesse im Körper. Bei rund  95 Prozent aller MS-Patienten liegen sie vor. Weil sie aufgrund ihrer Größe die Blut-Hirn-Schranke nicht überwinden können, befinden sie sich nur im Liquor ( = Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit), nicht im Blut – und das spricht für eine Entzündung, die ihren Ausgangspunkt im Gehirn hat. Allerdings liegen die oligoklonalen Banden erst im späteren Verlauf einer MS-Erkrankung vor, selten schon zu Anfang.

MS: Diagnose durch Mc-Donald-Kriterien

Die Untersuchungen sind nicht nur technisch aufwändig, sie dauern auch lange. Oft vergehen Monate, mitunter sogar Jahre, ehe eine MS (fast) zweifelsfrei festgestellt ist. Da es keine Einzel-Diagnose gibt, mit der sich Multiple Sklerose sicher feststellen lässt, haben Experten eine Reihe von Kriterien festgelegt, deren Auftreten die Diagnose MS zumindest nahelegen.

Diese sog. McDonald-Kriterien umfassen:

Anzahl der Schübe Erkennbare Anzeichen
(Objektivierbare klinische Manifestation)
Zusätzlich erforderliche Kriterien
2 oder mehr
  • Objektiver Nachweis von 2 oder mehr Läsionen ( = Narben)

oder

  • objektiver klinischer Nachweis einer Läsion und angemessene Beweise für einen vorangegangenen Schub
Keine. Allerdings kann bei Nicht-MS-typischem MRT und unauffälligem Liquorbefund die Diagnose nicht sicher gestellt werden
2 oder mehr
  • Objektiver Nachweis einer Läsion
  • räumliche Dissemination im MRT erkennbar oder
  • weiterer klinischer Schub im zentralen Nervensystem (ZNS) oder
  • positiver Liquorbefund
1
  • Objektiver Nachweis von 2 oder mehr Läsionen
  • zeitliche Disseminationen im MRT oder
  • zweiter klinischer Schub
1
  • Objektiver Nachweis einer Läsion
  • räumliche Dissemination im MRT zu sehen oder
  • weiterer klinischer Schub an einer anderen Stelle im ZNS
  • und zeitliche Disseminationen im MRT
  • Primär progredienter (fortschreitender) Verlauf – PPMS
Krankheitsfortschritt über ein Jahr und zwei der drei folgenden Kriterien:

  • räumliche Dissemination im MRT erkennbar
  • räumliche Dissemination im Rückenmark
  • positiver Liquorbefund

Räumliche & zeitliche Dissemination

Räumliche Dissemination Zeitliche Dissemination
Nachweis von Läsionen in den Regionen

  • Hirnstamm und Kleinhirn (infratentoriell)
  • Großhirn (Juxtakortikal)
  • Im Großhirn neben den Liquorkammern (periventrikulär)
  • Rückenmark (Spinal)
  • Gleichzeitiger Nachweis von bestimmten Läsionen zu einem beliebigen Zeitpunkt
  • Feststellung einer neuen bestimmten Läsion zu irgendeiner Zeit, verglichen mit einer Referenzaufnahme
  • Erneuter klinischer Schub

MS: Verlauf der Krankheit

So massiv eine MS-Diagnose auch ist, nicht jede Erkrankung endet damit, dass der Betroffene fast bewegungsunfähig im Rollstuhl sitzen muss. Gerade zu Beginn der Erkrankung heilen die meisten Entzündungen wieder ab, sodass sich auch die Symptome zurückbilden.

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Tatsächlich kommt es nur in wenigen Fällen (unter 5 Prozent) zu einer sehr schweren Behinderung. In dem Fall erhalten Betroffene i. d. R. einen Pflegegrad. Damit erhalten Pflegebedürftige Anspruch auf viele Unterstützungsleistungen wie bspw. den Einbau eines Treppenlifts, Gehhilfen oder Hilfsmittel aus dem Hilfsmittelverzeichnis. Personen, die sich unsicher sind, ob ihnen ein Pflegegrad zugesprochen werden kann, können mithilfe eines Pfleggradrechners ermitteln, wie hoch der mögliche zukünftige Pflegegrad sein wird.

Bleibt der Verlauf der MS über fünf bis zehn Jahre relativ stabil, ist die Wahrscheinlichkeit sogar hoch, dass die MS einen relativ milden Verlauf nehmen wird.

Zu Beginn der Erkrankung treten bei rund 90 Prozent der Betroffenen Schübe auf. Nach rund zehn bis 15 Jahren geht die Erkrankung bei rund 30 bis 40 Prozent der Betroffenen in einen sekundär chronisch progredienten (fortschreitenden) Verlauf über. Bleibt die MS über mehr als 20 Jahre stabil, so liegt die Wahrscheinlichkeit eines relativ gutartigen Verlaufs sogar bei rund 90 Prozent. Lediglich 10 Prozent der an MS Erkrankten haben von Beginn an einen primär-chronisch progredienten Verlauf, also eine allmähliche fortschreitende Verschlechterung, ohne dass sich einzelne Schübe klar voneinander abgrenzen lassen.

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Informieren Sie sich über MS-Selbsthilfe

Sollte bei Ihnen oder Ihren Angehörigen eine MS diagnostiziert worden sein, sollten Sie sich recht schnell mit anderen Betroffenen zusammenschließen. Es gibt eine ganze Reihe von Vereinen und Verbänden, in denen Sie sich austauschen können. Das ist vor allem deshalb wichtig, weil viele Informationen über MS recht drastisch ausfallen. Umso wichtiger sind hier aufklärende Gespräche und Berichte von gleichfalls Betroffenen.

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Erstelldatum: .72.908102|Zuletzt geändert: .31.609102
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