Das Pflegezeitgesetz (PflegeZG) aus dem Jahr 2015

Weiterleiten
Pflegezeitgesetz

Beruf, Familie & Pflege vereinbaren – Geht das? Berufstätigen steht eine kurzfristige Auszeit von der Arbeit für die Organisation dringender notwendiger Hilfen für pflegebedürftige Angehörige zu. Außerdem können sie sich seit 2015 für häusliche Pflege sechs Monate lang ganz oder teilweise von der Arbeit freistellen lassen. Diese Rechte sichert Angehörigen das Pflegezeitgesetz zu, das 2014 verabschiedet wurde, seitdem zu den Pflegegesetzen gehört und das Familienpflegezeitgesetz ergänzt. Die komplexen Regeln und Inhalte des Gesetzes erklärt pflege.de einfach und verständlich.

Inhaltsverzeichnis

Definition: Was ist das Pflegezeitgesetz?

Das Pflegezeitgesetz (PflegeZG) erlaubt es Berufstätigen seit 2015, sich unter bestimmten Bedingungen für die häusliche Pflege von nahen Angehörigen ein halbes Jahr ganz oder teilweise von der Arbeit freistellen zu lassen (Pflegezeit). Werden Angehörige überraschend pflegebedürftig, dürfen Arbeitnehmer auch kurzfristig eine bis zu zehntägige Auszeit von der Arbeit nehmen.

Beruf Familie und Pflege vereinbaren
Ratgeber
Beruf, Familie & Pflege vereinbaren

Das Familienpflegezeitgesetz (FPfZG) regelt hingegen die Rechte Berufstätiger, wenn Sie bis zu zwei Jahre in Teilzeit arbeiten wollen, um nebenbei nahe Angehörige zu pflegen. Das Pflegezeitgesetz und das Familienpflegezeitgesetz bestehen nebeneinander, sind aber miteinander verzahnt. Entsprechend lassen sich zum Beispiel Pflegezeit und Familienpflegezeit miteinander kombinieren, wenn sie hintereinander genommen werden und insgesamt nicht länger als 24 Monate andauern. – Näheres dazu finden Sie in der Infobox „Kombinierbarkeit und Ende von Pflege- und Familienpflegezeiten“ im unteren Teil des Artikels.

Familienpflegezeitgesetz
Ratgeber
Familienpflegezeitgesetz (FPflZG) aus dem Jahr 2015

Welche Möglichkeiten haben Berufstätige im Rahmen des Pflegezeitgesetzes?

Mit dem Pflegezeitgesetz hat die Regierung ab 2015 mehr und bessere Möglichkeiten für pflegende Beschäftigte geschaffen, ihren Beruf und die Pflege eines nahestehenden Menschen zu vereinbaren. Gleichzeitig korrigierte sie auch die für alle Beteiligten sehr bürokratischen und für pflegende Berufstätige finanziell nachteiligen Regeln zur Familienpflegezeit, der bis zu zweijährigen Teilzeitarbeit Berufstätiger zu Pflegezwecken. Das zuvor geltende Familienpflegezeitgesetz wurde überarbeitet, da nur äußerst wenige pflegewillige Beschäftigte das Angebot genutzt hatten.

Nach dem Pflegezeitgesetz haben pflegewillige Berufstätige aktuell zwei Möglichkeiten, die Arbeit im Interesse der häuslichen Pflege vorübergehend neu zu organisieren:

  1. Bis zu zehntägige Arbeitsverhinderung:
    Kurzfristig dürfen sie für höchstens zehn Arbeitstage von der Arbeit fernbleiben, wenn sie dringend Hilfe für einen unerwartet pflegebedürftigen Angehörigen organisieren müssen. Dafür reicht es im Notfall, den Arbeitgeber mit einem entgegengenommenen Anruf oder mit einer vom Empfänger bestätigter E-Mail an den Vorgesetzten oder die Personalabteilung zu informieren (vgl. § 45, SGB V). Allerdings darf der Arbeitgeber einen Nachweis über die Pflegebedürftigkeit des Angehörigen z. B. von dessen Hausarzt verlangen. Während dieser Auszeit in Notfällen erhalten Beschäftigte als Lohnersatz das sog. Pflegeunterstützungsgeld von bis zu 90 Prozent des Netto-Monatslohns. Diese Lohnersatzleistung müssen sie aber bei der Pflegekasse ihres Pflegebedürftigen beantragen. Sie fließt also nicht automatisch.
  2. Die Pflegezeit:
    Eine bis zu sechsmonatige teilweise oder vollständige Freistellung von der Arbeit können alle Berufstätigen in Anspruch nehmen, die in einem Unternehmen mehr als 15 Mitarbeitern (Vollzeit- und Teilzeitkräfte, Mini- und Midi-Jobber zählen mit) arbeiten und einen nahen Angehörigen pflegen möchten. Diese sogenannte Pflegezeit müssen sie spätestens zehn Tage vor dem geplanten Beginn bei ihrem Arbeitgeber persönlich und mit einem formlosen Anschreiben anmelden.
    Neben der Pflegezeit haben Berufstätige in Unternehmen mit mehr als 25 Mitarbeitern alternativ die Möglichkeit der Familienpflegezeit. Dabei dürfen Arbeitnehmer ihre Arbeitszeit für maximal 24 Monate auf die wöchentliche Mindestarbeitszeit von 15 Stunden reduzieren, um nahe Angehörige zu pflegen. Diesen Anspruch regelt das Familienpflegezeitgesetz. Damit ihr Lebensunterhalt in dieser Zeit besser abgesichert wird, gewährt der Bund ein zinsloses Darlehen.

 

Anspruch auf Lohnfortzahlung haben Arbeitnehmer im Rahmen der Familienpflegezeit nicht. Spätestens acht Wochen vor Beginn müssen sie ihrem Arbeitgeber die geplante Teilzeitarbeit aufgrund häuslicher Pflege eines nahen Angehörigen anmelden. Mehr Infos zur Familienpflegezeit erhalten Sie  im Artikel zum Familienpflegezeitgesetz (FPfZG).

Pflegeunterstützungsgeld
Ratgeber
Pflegeunterstützungsgeld: Lohnersatzleistung für Pflegende
Info

Kombinierbarkeit und Ende von Pflege- und Familienpflegezeiten

  • Kombination nacheinander möglich: Pflegezeit und Familienpflegezeit können auch nacheinander genommen werden, wenn Berufstätige dies mit ihren Arbeitgebern regeln können. Doch die Gesamtzeit ihrer pflegebedingten verringerten Arbeitszeit (Pflegezeit + Familienpflegezeit) darf 24 Monate nicht überschreiten.
  • Ende der Pflege- und Familienpflegezeiten: Ist der oder die nahe Angehörige nicht mehr pflegebedürftig, wird dessen häusliche Pflege unmöglich oder verstirbt er oder sie, enden Pflege- oder Familienpflegezeiten vier Wochen nach Eintritt dieser Umstände. Sie als pflegender Angehöriger müssen Ihren Arbeitgeber sofort über diese Umstände informieren.
  • Vorzeitiges Ende von Pflege- und Familienpflegezeiten: In allen anderen Fällen dürfen Pflege- und Familienpflegezeiten nur mit Zustimmung Ihres Arbeitgebers vorzeitig beendet werden.

Sonderregel zur Sterbebegleitung eines Angehörigen

Wenn sich Arbeitnehmer intensiv um einen schwerkranken nahen Angehörigen in seiner letzten Lebensphase kümmern wollen, können sie laut dem Pflegezeitgesetz sogar drei Monate von der Arbeit freigestellt werden. Anspruch darauf haben Berufstätige laut Bundesgesundheitsministerium auch, wenn der Sterbenskranke zum Beispiel im Rahmen der Palliativpflege in einem Hospiz versorgt wird.

Palliativpflege
Ratgeber
Palliativpflege: Ratgeber für Familienangehörige

Welche Pflegebedürftigen gelten als „nahe Angehörige“?

Mit dem Pflegezeitgesetz hat der Gesetzgeber den Kreis der Menschen großzügig erweitert, die als „nahe Angehörige“ von Berufstätigen gepflegt werden können. Nunmehr können nicht nur Kinder ihre Eltern, Eltern ihre Kinder oder Geschwister ihre Brüder oder Schwestern pflegen. Auch z. B. Stiefeltern, Schwager und Schwägerin sowie gleichgeschlechtliche Lebenspartner, mit denen Berufstätige schon mindestens ein Jahr zusammenwohnen, werden als „nahe Angehörige“ anerkannt. Für die Versorgung all dieser nahestehenden Menschen können Beschäftigte die kurzfristige Auszeit von der Arbeit, die kurzzeitige Pflegezeit oder die längerfristige Familienpflegezeit in Anspruch nehmen.

Zinsloses Darlehen statt Lohnfortzahlung während der Pflegezeiten

Während der Pflegezeit oder der Familienpflegezeit steht Berufstätigen keine Lohnfortzahlung zu. Stattdessen haben Sie Anspruch auf ein zinsloses Darlehen des Bundes, um ihren Lebensunterhalt finanziell abzusichern. Zudem genießen Berufstätige während der Pflege- oder Familienpflegezeiten vollen Kündigungsschutz.

Info

Regeln zum Darlehen während der Pflegezeit

  1. Wie kommen Sie an das Darlehen? Das zinslose Darlehen während der Pflegezeit müssen pflegewillige Berufstätige beim Bundesamt für Familie und zivilgesellschaftliche Aufgaben in Köln beantragen.
  2. Wie hoch ist das zinslose Darlehen? Das zinslose Bundes-Darlehen während der Pflegezeit garantiert Ihnen monatlich lediglich eine Summe von mindestens 50 Euro und höchstens „die Hälfte des durch die Arbeitszeitreduzierung fehlenden Nettogehalts“.
  3. Auszahlung und Rückzahlung des Darlehens: In monatlichen Beträgen wird Ihnen das zinslose Darlehen ausgezahlt. Nach dem Ende der Pflegezeit zahlen Sie es in der Regel in vereinbarten Raten zurück. Nur in besonderen Härtefällen, z. B. bei Krankheit des pflegenden Berufstätigen, darf das Bundesamt auf die Rückzahlung des Kredits verzichten.

Sozialversicherung während der Pflegezeit oder Familienpflegezeit

Damit alle Berufstätigen während ihrer Pflegezeit oder ihrer Familienpflegezeit auch sozial abgesichert sind, hat der Gesetzgeber vorgesorgt: In diesen Zeiträumen zahlt die Pflegekasse des Pflegebedürftigen Zuschüsse und Beiträge für die Sozialversicherungen des pflegenden Arbeitnehmers. Näheres zur Unfall- und Arbeitslosenversicherung des pflegenden Berufstätigen können Sie in im Artikel über das Familienpflegezeitgesetz nachlesen.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

/ 5 Bewertungen

Sie haben bereits bewertet.
Vielen Dank! Haben Sie noch Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge?
Vielen Dank für Ihre Anmerkungen!
Erstelldatum: .22.406102|Zuletzt geändert: .21.609102
Abbildung
Services
Einfach, schnell und kostenlos zum persönlichen Ergebnis
Treppenlift Vergleich
Services
Treppenlift-Angebote vergleichen & bis zu 30% sparen
Pflegeberatung Paragraph 37.3
Services
Kostenlose Pflegeberatung - Pflicht bei Pflegegeld-Bezug!
Abbildung
Services
Schneller Pflegegrad-Widerspruch: So einfach geht's.
Abbildung
Services
Kostenlose Pflegehilfsmittel monatlich nach Hause
Prevago Patientenverfügung
Services
Anwaltlich geprüfte Patientenverfügung zum Vorteilspreis.
Das könnte Sie auch interessieren