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Themenwelt Inkontinenzmaterial

Inkontinente Personen leben ständig in der Scham, sich unterwegs einzunässen, ziehen sich daher immer mehr zurück und versuchen sich mit Tricks und ungeeigneten Mitteln selbst zu helfen. Doch das muss nicht sein. Neben modernen Therapieverfahren helfen Inkontinenzprodukte unterschiedlicher Art dabei, das Leben mit Inkontinenz besser zu meistern und Folgeerkrankungen zu vermeiden. pflege.de stellt unterschiedliche Inkontinenzartikel vor und erklärt, welches Hilfsmittel bei Inkontinenz im individuellen Fall das richtige sein kann.

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Inkontinenzmaterial – Artikel & Produkte zur Inkontinenzversorgung

Inhaltsverzeichnis

WICHTIGER HINWEIS: Bedenken Sie bitte, dass Inkontinenzhilfsmittel eine Behandlung nur ergänzen und niemals ersetzen sollten.

Das richtige Hilfsmittel für jeden Zweck

Trotz vielfältiger Therapien dauert es bei manchen Menschen etwas länger, die Inkontinenz zu behandeln – und für diese Behandlungsphase brauchen sie das richtige Inkontinenzmaterial. Für jede Form und jede Ursache von Inkontinenz gibt es die passenden Inkontinenzartikel, die dafür sorgen, dass die Betroffenen ihr Leben unbeschwert genießen können und auf gesellschaftliche Ereignisse nicht verzichten müssen.

Dabei sollte sich nicht der Betroffene in seinem Tagesablauf an der Leistungsfähigkeit eines Inkontinenzprodukts orientieren, sondern er sollte ein Hilfsmittel wählen, das am besten zu seinen Aktivitäten im Alltag passt.

Welche Inkontinenzhilfsmittel sich am besten eignen, hängt von folgenden Faktoren ab:

  • Wie viel Sicherheit wünscht sich der Betroffene?
  • Welche Art der Inkontinenz liegt vor (Harninkontinenz und/oder Stuhlinkontinenz)?
  • Wieviel Harn wird unkontrolliert ausgeschieden?
  • Wann tritt die Inkontinenz auf (z. B. nur nachts)?
  • Ist der Betroffene noch mobil und beweglich?
  • Kann der Betroffene aufgrund seiner geistigen und körperlichen Verfassung die Inkontinenzversorgung selbst vornehmen?
  • Wie empfindlich sind die umliegenden Hautpartien (Hautreizungen, Wunden, Druckstellen)?
Info

Welche Inkontinenzhilfsmittel gibt es?

  • Windeln oder Einlagen saugen den Harn auf und binden ihn in ihrem Gewebe.
  • Funktionell-anatomische Hilfsmittel unterstützen die natürliche Haltefunktion.
  • Für eingeschränkt bewegliche Menschen eignen sich Toilettenhilfen.
  • Ableitende Hilfsmittel leiten den Harn aus den Harnwegen in einen Behälter.
  • Hygiene- und Qualitätshilfsmittel schützen die Haut und vermeiden Infektionen.
  • Hygiene-Hilfsmittel für pflegende Angehörige: Pflegehilfsmittel zum Verbrauch sind zwar keine unmittelbaren Inkontinenzhilfen, jedoch unterstützen sie pflegende Angehörige dabei, die Konsequenzen von Harnverlust zu behandeln.

Hilfsmittel bei Inkontinenz im Überblick

Manche Personen kommen mit funktionell-anatomischen Inkontinenz-Hilfsmitteln gut zurecht, die das natürliche Haltevermögen des Harn- und Geschlechtstrakts verbessern, andere wiederum profitieren von Toilettenhilfen wie Toilettensitzen oder Urinflaschen, wenn sie für konventionelle Toiletten nicht mehr beweglich genug sind und nur deswegen etwas daneben geht. Betroffene, die keine Kontrolle mehr über ihre Harnfunktion haben, sind eventuell mit ableitenden Hilfsmitteln, wie einem Katheterverfahren, besser bedient.

Inkontinenz - Definition, Formen und Ursachen
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Inkontinenz: Definition, Formen & Ursachen

Folgende Anforderungen sollten Inkontinenzprodukte erfüllen:

  • Inkontinenzprodukte dürfen nicht rutschen.
  • Inkontinenz-Hilfsmittel sollten gut hautverträglich sein.
  • Inkontinenzprodukte sollten die Selbstständigkeit des Betroffenen erhalten und eine einfache Handhabung erlauben.
  • Hilfsmittel sollten keine Geräusche wie etwas ein Rascheln erzeugen.
  • Inkontinenzartikel sollten sich nicht unter der Kleidung abzeichnen und Gerüche sicher verschließen.
Tipp

Ein Produkt allein wird nur selten allen Ansprüchen des Alltags gleichermaßen gerecht werden. Legen Sie sich daher besser ein Sortiment aus verschiedenen Inkontinenzartikeln zu. So stehen eventuell tagsüber im Büro Faktoren wie Geruchssicherheit und Tragekomfort im Vordergrund, während nachts Einlagen mit größerer Saugkraft nötig sind.

 

Windeln und Windelhosen für Erwachsene
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Windeln & Windelhosen für Erwachsene

Grundsätzlich kann man zwischen folgenden Inkontinenz-Hilfsmitteln unterscheiden:

  1. Aufsaugende Hilfsmittel
  2. Funktionell-anatomische Hilfsmittel
  3. Toilettenhilfen
  4. Ableitende Hilfsmittel
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1. Aufsaugende Hilfsmittel bei Inkontinenz

Am weit verbreitetsten sind aufsaugende Hilfsmittel. Dazu gehören:

Man unterteilt diese Produkte außerdem in einteilige Systeme, also Inkontinenzschutzhosen oder -slips, und zweiteilige Systeme, bestehend aus Vorlage und Netzhose. Außerdem kann zwischen Einweg- oder Mehrwegprodukten gewählt werden. All diese Hilfsmittel saugen dank moderner Inkontinenzmaterialien nicht nur Feuchtigkeit auf, sondern verhindern auch unangenehme Gerüche und Hautreizungen. Als weitere Unterstützung zur Versorgung einer Inkontinenz können neben Windeln, Einlagen und Vorlagen nachts Inkontinenzauflagen für die Matratze eine hilfreiche Ergänzung sein.

  • Aufbau von aufsaugenden Hilfsmitteln bei Inkontinenz

Alle aufsaugenden Inkontinenzhilfsmittel sind ähnlich aufgebaut und bieten Hilfe bei Inkontinenz:

Auf der körperabgewandten Seite besitzen sie in der Regel eine Außenfolie, zum Beispiel aus Polyethylen, die Wäsche und Kleidung vor Verschmutzung schützt. Auf der körperzugewandten Seite sorgt ein weiches Oberflächenvlies für ein angenehmes Hautgefühl und leitet die Flüssigkeit rasch an den Saugkern weiter. Dieser besteht aus einem Gemisch aus Zellstoff und einem speziellen Flüssigkeitsbinder, dem Superabsorber. Ihm ist es zu verdanken, dass Windeln seit Anfang der 80iger Jahre um mehr als die Hälfte dünner und leichter wurden. Denn der Superabsorber, der den Urin in Gel verwandelt, kann ein Vielfaches seines eigenen Volumens an Flüssigkeit binden und gibt sie auch bei Druck nicht wieder ab. Eltern werden das Wirkprinzip von Babywindeln kennen. Bei Inkontinenzslips oder -hosen verhindern zusätzlich elastische und nässeabweisende Bündchen an Bein- und Hüftabschluss das Auslaufen.

Info

Der Superabsorber

Der Superabsorber hat aber noch eine weitere Aufgabe: Er stoppt die Zersetzung des Harnstoffs durch Bakterien. Dadurch unterdrückt er nicht nur die Geruchsbildung, sondern schont auch den Säureschutzmantel der Haut. Hautirritationen oder -erkrankungen lassen sich auf diese Weise vermeiden. Dies macht die Anwendung aufsaugender Hilfsmittel für die Betroffenen deutlich angenehmer und weniger belastend und ermöglicht ihnen, weiterhin am sozialen Leben teilzuhaben.

Tipp

Aufsaugende Hilfsmittel eignen sich auch für das Toilettentraining: Ermuntern Sie sich oder Ihren inkontinenten Angehörigen doch, auf den Harndrang zu achten und in regelmäßigen Abständen zur Toilette zu gehen. Geht es doch einmal schief, ist es nicht schlimm, da der Urin zuverlässig aufgenommen wird.

  • Aufsaugende Hilfsmittel richtig einsetzen: das richtige Produkt für den richtigen Zweck

Oft reichen schon dünne Einlagen aus. In anderen Fällen empfehlen sich saugstärkere Produkte bis hin zu den dickeren und größeren Inkontinenzvorlagen mit Netzhosen / Fixierhosen sowie spezielle Slips und Inkontinenzhosen je nach Schweregrad der Inkontinenz. Die Windelhosen sind für die Nacht sowie für bettlägerige oder besonders unruhige Patienten, etwa bei Demenz, ideal. Speziell an den Männerkörper angepasst sind zum Beispiel verschiedene Penistaschen oder V-förmige Einlagen.

Bei Stuhlinkontinenz eignen sich die größeren Inkontinenzprodukte und vor allem die umschließenden Systeme wie Windeln oder Pants.

Tipp

Sie sind unsicher, welches Inkontinenzprodukt das richtige ist? Dann kann Ihnen sicher ein kostenloses Testpaket mit individuell für Sie, beziehungsweise Ihren Angehörigen, ausgewählten Produkten bei der Auswahl weiterhelfen.

  • Wichtiger Hinweis: Monatsbinden sind keine Alternative zu Inkontinenzartikeln

Manche Frauen versuchen, ihr Inkontinenzproblem mithilfe von Monatsbinden in den Griff zu bekommen. Obwohl Artikel zur Menstruationshygiene grundsätzlich ähnlich aufgebaut sind wie Inkontinenzprodukte, sollten Sie von dieser Lösung Abstand nehmen. Denn Monatsbinden sind für die Aufnahme von wenigen Millilitern Blut optimiert. Für Urin ist ihre Saugleistung daher zu gering. Damit sind sie keine verlässliche Hilfe bei Inkontinenz.

2. Funktionell-anatomische Hilfsmittel bei Inkontinenz

Manche Betroffene spüren ihren Harndrang zwar noch selbst, können den Urin aber nicht mehr zuverlässig einhalten. Als möglicher Grund hierfür kommt zum Beispiel eine schwache Beckenbodenmuskulatur, bei Frauen auch eine durch Schwangerschaft abgesenkte Gebärmutter in Frage. Auch bestimmte Krankheiten oder Operationen im Unterleib können dazu führen, dass Blasenschließmuskel oder Harnröhre nicht mehr optimal funktionieren. Für diese Fälle stehen verschiedene funktionell-anatomische Hilfsmittel zur Verfügung, welche die normale Blasenfunktion unterstützen.

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  • Für Frauen mit Belastungsinkontinenz

Für Frauen mit Stressinkontinenz / Belastungsinkontinenz werden neben Inkontinenztampons aus speziellem Kunststoffschaum auch Ringpessare aus Silikon angeboten, welche unter dem Blasenhals liegen. Diese können maximal 29 Tage getragen, anschließend gereinigt und erneut verwendet werden. Eine weitere Möglichkeit bieten Harnröhren-Plugs („Harnröhrenstöpsel“). Bei diesem Einwegartikel wird ein individuell angepasster Schlauch aus Silikon mit einer Einführhilfe in die Harnröhre eingebracht. An seinem Ende befindet sich ein Ballon, der sich über die Einführhilfe entfalten lässt, um die Entleerung der Blase zu verhindern.

 

  • Für Männer mit leichter bis mittelschwerer Inkontinenz

Betroffenen Männern hilft ein Penisbändchen gegen ungewollten Harnverlust. Es besteht aus einem schmalen Klettband, welches durch einen kleinen Ballon leichten Druck auf die Harnröhre ausübt und diese dadurch verschließt. Zum Wasserlassen wird der Ballon vorsichtig entleert um den Druck wieder abzubauen.

  • Für Männer mit milder bis moderater Inkontinenz

Das Inkontinenzprodukt Penisklemme ist speziell für Männer mit leichter bis moderater Inkontinenz entwickelt. Dabei wird ungewollter Harnverlust verhindert ohne jedoch die Durchblutung im Penis zu beeinträchtigen. Die Penisklemme besteht aus einem flexiblen Kunststoffring, der ein elastisches Klettband in Position hält und auf die Harnröhre drückt.

3. Toilettenhilfen bei Inkontinenz

Nicht alle Patienten mit Inkontinenz sind noch so mobil, dass sie alleine eine gewöhnliche Toilette aufsuchen können. In diesem Fall kann eine Toilettenhilfe von Vorteil sein, für die Betroffene meist die Unterstützung ihrer Angehörigen brauchen.

Je nachdem, ob die Betroffenen noch in der Lage sind, das Bett zu verlassen und ihren Harndrang zu spüren oder zu kontrollieren, können hierbei Hilfsmittel wie Toilettenstühle, Urinflaschen, Steckbecken oder eine einfache Toilettensitzerhöhung zum Einsatz kommen.

4. Ableitende Hilfsmittel bei Inkontinenz

Wenn Betroffene die Kontrolle über ihren Harndrang vollständig verloren haben, bieten Toilettenhilfen oder funktionell-anatomische Hilfsmittel keine Entlastung mehr. Wenn zudem saugende Hilfsmittel nicht ausreichen oder aus anderen Gründen nicht infrage kommen, sind harnableitende Hilfsmittel eine mögliche Alternative. Es gibt invasive Systeme, die in den Körper eingeführt werden müssen, aber auch nicht-invasive Hilfsmittel, die von außen am Körper getragen werden. Beliebt sind insbesondere Katheter, denn sie stellen sicher, dass die Blase vollständig entleert wird. Mit einer leeren Blase trauen sich viele Menschen endlich wieder aus dem Haus, weil sie nicht Gefahr laufen, dass unterwegs etwas schiefgeht.

  • Katheter

Katheter gibt es sowohl als Einmal- wie auch als Dauerkatheter, der längerfristig in der Harnröhre und -blase verbleibt oder durch die Bauchdecke den Harn ableitet. Letzterer kann bei pflegebedürftigen und bettlägerigen Menschen mit Inkontinenz zum Einsatz kommen, deren Blasenentleerung dauerhaft von außen gesteuert werden soll. Wegen der Infektionsgefahr eignen sich Dauerkatheter allerdings nur für den zeitlich begrenzten Einsatz und sind bei Inkontinenz nur dann sinnvoll, wenn andere Möglichkeiten ausgeschöpft sind.

  • Kondomurinal

Das Kondomurinal stellt eine nicht-invasive Option für Männer mit Inkontinenz ohne Kontrolle über ihren Harndrang dar. Hierbei wird ein kondomartiger Überzieher über den Penis gestreift und mit einem hautfreundlichen Kleber fixiert. Das Kondomurinal ist am Ende mit einem Schlauch versehen, welcher den ablaufenden Urin in einen Beutel leitet. Moderne Produkte können bis zu 48 Stunden getragen werden, ohne Hautirritationen zu verursachen.

  • Urinbeutel

Er dient als Auffangbehältnis, wenn bei der Anwendung eines Katheters oder eines Kondomurinals der Urin nicht in die Toilette abgeleitet wird. Der Urinbeutel wird meist mit einer Manschette um den Oberschenkel oder an der Hüfte unter der Kleidung getragen. Es gibt aber auch Bettbeutel mit Tropfkammer für Bettlägerige. Je nach Produkt sind unterschiedliche maximale Tragezeiten zu beachten (24 Stunden bis 14 Tage).

Hilfsmittelkatalog
Ratgeber
Hilfsmittelverzeichnis & Hilfsmittelkatalog

Kosten und Kostenübernahme von Inkontinenzmaterial

Kostenträger von Inkontinenzmaterial: Krankenkasse statt Pflegekasse

Für die Kostenübernahme von Inkontinenzmaterial ist nicht die Pflegekasse, sondern die Krankenkasse zuständig.

Voraussetzungen für die Kostenübernahme durch die Krankenkasse:

Versicherte mit Inkontinenz können einen Zuschuss Ihrer Krankenkasse für Inkontinenzmaterial erhalten. Dazu benötigen sie ein ärztliches Attest mit folgenden Informationen:

  • Die Diagnose einer mindestens mittleren Harn- und/oder Stuhlinkontinenz. Dabei muss die Inkontinenz Folge einer anderen Erkrankung (wie z. B. Schlaganfall oder Demenz) oder Folge einer Operation sein. Eine Inkontinenz alleine ist keine Krankheit, sondern ein Symptom, das verschiedene Ursachen haben kann (z. B. Krankheit oder Folgeschäden einer Operation).
  • Der monatliche Bedarf an Inkontinenzmaterial.
  • Die Art der Inkontinenzartikel. Diese müssen im Hilfsmittelverzeichnis & Hilfsmittelkatalog gelistet sein.
  • Der voraussichtliche Behandlungszeitraum mit Inkontinenzmaterial.
  • Die medizinische Notwendigkeit der Verwendung von Inkontinenzhilfen.
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Kostenübernahme durch die Krankenkasse – So funktioniert‘s

  1. Der behandelnde Arzt verordnet in einem Rezept die Versorgung mit aufsaugenden Hilfsmitteln. Darauf müssen wie oben beschrieben Art und Schweregrad der Inkontinenz, der voraussichtliche Behandlungszeitraum, der monatliche Bedarf sowie die Art des Inkontinenzmaterials vermerkt sein.
  2. Versicherte reichen das Rezept in der Apotheke, einem Sanitätshaus oder einem Vertragspartner ihrer Krankenkasse ein. Fragen Sie vorab unbedingt bei Ihrer Krankenkasse nach, ob es Vertragspartner gibt, bei denen das Rezept eingelöst werden muss. Andernfalls kann die Kasse den Zuschuss verweigern.
  3. Versicherte erhalten das Inkontinenzmaterial entweder direkt in Apotheke oder Sanitätshaus oder bekommen es nach Bestellung nach Hause geliefert. Dabei leistet der Versicherte seine gesetzliche Zuzahlung direkt an den Versorger, den Rest der Kosten übernimmt die Krankenkasse.
Expertenmeinung
Dagmar Thieken
Dagmar Thieken

Mein Praxistipp
Inkontinenz ist ein großes Tabuthema ist in unserer Gesellschaft. Sofern sich Betroffene einem Arzt anvertrauen, können sie ein Rezept für Inkontinenzmaterial und damit auch finanzielle Förderung erhalten. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Es fällt dann evtl. nur die gesetzliche Zuzahlung (Rezeptgebühr) an. Wenn man ein komfortableres Produkt möchte, muss man als Patient aufzahlen. Es wissen relativ wenige von der Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung, weil sie auch nicht mit ihren Familien oder einem Arzt über ihre Inkontinenz sprechen. –> Lesen Sie das ganze Interview mit Frau Thieken Inkontinenzmaterial auf Rezept – So geht’s

Zuzahlung

  • Inkontinenzartikel zählen zu den sog. Verbrauchshilfsmitteln. Daher erhalten Versicherte medizinisch erforderliche Inkontinenzhilfen grundsätzlich von der Krankenkasse erstattet.
  • Versicherte ab 18 Jahren müssen jedoch eine gesetzlich vorgeschriebene Zuzahlung leisten. Das bedeutet: Versicherte müssen zehn Prozent der Kosten für Inkontinenzmaterialien selbst tragen, jedoch maximal 10 Euro pro Monat.
  • Bei einer Bestellung über das notwendige Maß hinaus (ob aufgrund einer größeren Menge oder besseren Qualität als verordnet) tragen Versicherte die entsprechenden Mehrkosten selbst.
Inkontinenzmaterial
Ratgeber
Inkontinenzmaterial – Artikel zur Inkontinenzversorgung

Zuzahlungsbefreiung

  • Grundsätzlich müssen alle Versicherte ab 18 Jahren diese Zuzahlung leisten. Kinder und Jugendliche sind von der Zuzahlung befreit.
  • Für Erwachsene gibt es die Möglichkeit, im laufenden Jahr von der Zuzahlung befreit zu werden, sofern sie ihre persönliche Belastungsgrenze überschritten haben.
    Diese Belastungsgrenze liegt bei zwei Prozent des jährlichen Bruttoeinkommens abzüglich der Freibeträge für Kinder und Ehe- oder Lebenspartner. Für Patienten mit einer schwerwiegenden chronischen Erkrankung liegt die Belastungsgrenze bei einem Prozent.
  • Eine Befreiung von gesetzlichen Zuzahlungen muss schriftlich bei der Krankenkasse beantragt werden. In der Regel sind dazu Belege der bisher geleisteten Zuzahlungen, Kopien der Einkommensnachweise sowie eine Bescheinigung des Arztes über eine chronische Erkrankung erforderlich. Details erhalten Sie auf Nachfrage bei Ihrer Krankenkasse.
Info

Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz sichert Beratungsanspruch für Versicherte

Gemäß Heil- und Hilfsmittelversorgungsgesetz (HHVG) haben Versicherte neben der Kostenerstattung durch die Krankenkasse die Möglichkeit,

  • dass Inkontinenzhilfen auf den jeweiligen Schweregrad der Inkontinenz angepasst werden.
  • mindestens solange eine telefonische Beratung und die kostenlose Erprobung unterschiedlicher Einzelprodukte zu erhalten, bis die Inkontinenzartikel gefunden sind, die perfekt zur individuellen Situation des Versicherten passen.
  • persönliche Einweisung und Beratung zum Inkontinenzmaterial zu erhalten, auf Wunsch auch im Rahmen eines Hausbesuchs in der Häuslichkeit des Versicherten.

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Interview

Expertentipps: Inkontinenzversorgung & Kontinenztraining

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Simone Hartmann-Eisele
Im Interview
Simone Hartmann-Eisele
Diplom-Pflegepädagogin

Simone Hartmann-Eisele ist staatlich geprüfte Altenpflegerin und Diplom-Pflegepädagogin. Sie arbeitet als Kontinenzberaterin, hält Vorträge zum Thema Inkontinenz und lehrt im Studiengang „Pflege“ an der Hochschule in Ludwigshafen.

Aus Angst vor einem Malheur einfach weniger trinken? Simone Hartmann-Eisele weiß, dass das unglaublich kontraproduktiv ist. „Konzentrierter Urin reizt die Blase noch viel mehr und verstärkt den Harndrang“. Doch viele dieser einfachen und wichtigen Tipps kennen Betroffene nicht. Kontinenzberaterin Hartmann-Eisele erklärt im Interview mit pflege.de, warum man Inkontinenzmaterial nicht pauschal empfehlen kann, welche Getränke Betroffene besser meiden und wie effektiv Beckenbodenübungen und Toilettentraining wirklich sind.

Frau Hartmann-Eisele, Sie sind Kontinenzberaterin in einem Krankenhaus. Wie sieht ihr Berufsalltag aus?

Unsere Beratungsstelle ist angegliedert an eine geriatrische Einrichtung. Wir betreuen also vor allem hochaltrige Patienten im Krankenhaus sowie deren pflegende Angehörige. Betroffene, die uns aufsuchen, haben entweder eine neu aufgetretene Inkontinenz, z. B. aufgrund eines Schlaganfalls oder einer Bewegungseinschränkung in Folge eines Sturzes, oder leiden unter einer schon langen bestehenden Inkontinenz. Unser Schwerpunkt ist dann die Förderung oder bestenfalls Wiederherstellung der Kontinenz. Wenn dies nicht möglich ist, versuchen wir die Beschwerden mit Hilfsmitteln zu kompensieren und zu lindern. Dafür üben wir mit den Patienten und Angehörigen den Einsatz von Inkontinenzmaterialien und beraten intern sowie extern Pflegekräfte.

Wie kommt es überhaupt, dass Menschen mit einer Inkontinenz erst nach Jahren eine Beratungsstelle aufsuchen?

Es ist nicht selten, dass Patienten bereits seit Jahrzehnten unter einer Inkontinenz leiden und sich erst dann an Beratungsstellen wie uns wenden. Wenn ich dann frage, welche Angebote sie bereits in Anspruch genommen haben oder mit wem sie über ihre Inkontinenz gesprochen haben, heißt es oft „Ich habe noch nie mit irgendjemandem darüber gesprochen“. Inkontinenz ist einfach ein wahnsinniges Tabuthema – insbesondere für ältere Menschen.

Zur Versorgung einer Inkontinenz gibt es auf dem Markt eine Reihe an unterschiedlichen Inkontinenzmaterialien. Welche eignen sich besonders gut zur Versorgung einer Inkontinenz und wonach sollte ich ein Hilfsmittel auswählen?

Man kann nicht pauschal ein Inkontinenzhilfsmittel empfehlen, sondern muss sich die individuelle Situation des Betroffenen anschauen.
Simone Hartmann-Eisele

Der Hilfsmittelmarkt ist unglaublich groß und damit auch unübersichtlich. Ich glaube das Allerwichtigste ist es, dass Patienten eine fachkundige Beratung zu Hilfsmitteln erhalten. Denn welches Hilfsmittel sich für eine Person eignet, muss ganz individuell entschieden werden. Es kommt vor allem auf die motorischen Fähigkeiten der Person an, da diese sich sicher fühlen muss und in der Anwendung möglichst unabhängig sein soll. Deswegen müssen Hilfsmittel an die Bedürfnisse des Betroffenen angepasst werden. Bin ich viel zuhause? Habe ich etwas vor und bin den ganzen Tag unterwegs? Was habe ich für eine Inkontinenzform? Verliere ich tröpfchenweise Urin oder in schwallartigen, großen Mengen? Und wie häufig kommt es dazu? An all diese Dinge muss die Hilfsmittelauswahl angepasst werden. Man kann nicht pauschal ein Inkontinenzhilfsmittel empfehlen, sondern muss sich die individuelle Situation des Betroffenen anschauen. Deswegen ist die Beratung zu Inkontinenzmaterialien so wichtig und aufwendig.

Wie wichtig sind spezielle Produkte zur Versorgung einer Inkontinenz? Kann man nicht einfach auch handelsübliche Monatsprodukte, die Frauen während ihrer Periode nutzen, zur Versorgung der Inkontinenz verwenden?

Es ist sehr wichtig, Patienten darüber aufzuklären, dass sie Inkontinenzmaterialien und keine Monatsprodukte nutzen sollten. Denn dort gibt es erhebliche Unterschiede in der Funktionsweise. Inkontinenzhilfsmittel können Urin im Inneren der Inkontinenzvorlage schnell aufsaugen, damit keine dauerhafte Nässe entsteht. Außerdem sorgen Inkontinenzmaterialien dafür, dass der pH-Wert des Urins neutralisiert wird. Hautirritationen entstehen in der Regel, wenn Vorlagen dauerhaft nass sind, weil sie eine geringe Qualität aufweisen oder nicht für Urin gedacht sind, wie z. B. handelsübliche Binden. Dadurch wird der Urin nicht zersetzt, sondern alkalisch, also ätzend.

Betroffene mit Inkontinenz schämen sich oftmals für ihre Erkrankung und haben Angst, in der Öffentlichkeit bloßgestellt zu werden. Muss ich als Betroffener Sorge haben, dass Inkontinenzmaterialien nicht ausreichend Flüssigkeit aufsaugen und womöglich sogar auslaufen?

Meiner Meinung nach können geeignete Hilfsmittel fast immer eine Inkontinenz kompensieren. Dabei ist aber eine Doppelstrategie sehr wichtig: Es geht einerseits darum, die Kontinenz zu fördern, zum Beispiel durch Toilettentraining, und andererseits adäquate Hilfsmittel richtig einzusetzen.

Aufgrund der Tabuisierung von Inkontinenz haben viele Betroffene Angst, dass ihr Umfeld von der Erkrankung erfährt. Haben Sie Tipps, wie inkontinente Personen ihre Privatsphäre wahren können z. B. beim Kauf von Inkontinenzmaterial?

Ich empfehle, sich Inkontinenzmaterialien durch den Hausarzt oder Urologen rezeptieren und wenn ein geeignetes Produkt gefunden ist, liefern zu lassen. Diese werden dann direkt in neutralen Verpackungen geschickt. In einer Apotheke oder einem Sanitätshaus kann man dem Verkäufer ansonsten einen Zettel mit seinem Anliegen über den Tresen reichen oder fragen, ob man einen separaten Gesprächsraum aufsuchen kann, in dem einem die Produkte gezeigt werden.

Für die Inkontinenzversorgung unterwegs hat jeder Patient seine ganz eigene Strategie. Es gibt natürlich auch Hilfsmittel, die für unterwegs sehr gut geeignet sind, wie z. B. kleine faltbare Urinale, sogenannte Uribags. Für Männer ist es auch wichtig, Produkte speziell für Männer zu benutzen wie z. B. sogenannte Kondom- oder Tropfurinale, die vorne ein Reservoir haben und die geringe Menge Urin auffangen können. Da geht es wieder um die individuelle Kontinenz-Beratung und die Frage „Was ist für diese Person, in dieser Situation das geeignete Hilfsmittel?“.

Die regelmäßige Reinigung des Intimbereichs ist wichtig, um Infektionen vorzubeugen. Haben Sie praktische Tipps, wie man den Intimbereich bei einer Inkontinenz am besten reinigt?

Wir erleben es oft, dass Patienten aus Angst vor Geruchsbildung ihre Haut übermäßig und mit aggressiven Produkten reinigen. Wir empfehlen für die Intimhygiene hingegen nur klares Wasser, da es bei qualitativ hochwertigen Inkontinenzhilfsmitteln keine Rücknässe gibt. Die Vorlage neutralisiert den Geruch und die Haut bleibt trocken. Dadurch müssen sich Betroffene auch nicht nach jedem Urinverlust waschen.

Für eine gelungene Intimpflege kann ich Betroffenen aber folgende Tipps geben:

  • Nicht reiben, sondern tupfen.
  • Auf Seife verzichten, da diese den pH-Wert des Intimbereichs aus dem Gleichgewicht bringt.
  • Auf Produkte ohne Alkohol, Desinfektionsmittel und Farb- oder Duftstoffe setzen.
  • Reinigungstücher nur benutzen, wenn sie keinen der genannten Stoffe enthalten.

Wenn ein Feuchttuch die genannten Inhaltsstoffe nicht enthält, ist es aber prinzipiell für die Intimhygiene geeignet?

Schauen Sie nach, welche Inhaltsstoffe im Produkt enthalten sind und probieren Sie, ob Sie das Produkt vertragen. Weniger ist in diesem Fall mehr.
Simone Hartmann-Eisele

Ja, es gibt inzwischen auch spezielle Reinigungstücher für inkontinente Menschen mit empfindlicher Haut. Diese reinigen nicht nur den Intimbereich, sondern wirken auch rückfettend und pflegend. Mein Tipp ist: Schauen Sie nach, welche Inhaltsstoffe im Produkt enthalten sind und probieren Sie, ob Sie das Produkt vertragen. Weniger ist in diesem Fall mehr.

Viele Betroffene wissen, dass eine Inkontinenz eine erhebliche Belastung für die empfindliche Haut im Intimbereich darstellt. Welche Hautpflegeprodukte empfehlen Sie inkontinenten Personen und welche Produkte sollten sie vermeiden?

Verzichten sollte man auf jeden Fall auf Fettsalben wie Melkfett oder reine Zinksalben, da diese die Haut nicht atmen lassen und schwer zu entfernen sind. Dadurch strapazieren sie die Haut ungemein. Es gibt auch spezielle Intimpflege- und Schutzcremes, aber ich persönlich rate auch hier zu einem sparsamen Einsatz. Wenn es Hautprobleme wie Rötungen oder Juckreiz gibt, sollte der Betroffene auf jeden Fall einen Arzt aufsuchen. Bei vielen älteren Frauen liegt die Ursache dieser Reizung an einem lokalen Östrogenmangel im Intimbereich, der zu einer juckenden sowie rissigen Vaginalschleimhaut führt. In diesem Fall kann ein Gynäkologe eine östrogenhaltige Salbe verschreiben, die die Schleimhaut wieder aufbaut und ggf. die Kontinenzsituation verbessert. Halten Sie am besten Rücksprache mit Ihrem behandelnden Arzt.

Neben der Versorgung mit Hilfsmitteln ist die Stärkung des Beckenbodens oftmals ein elementarer Teil der Kontinenzförderung. Worauf muss ich bei diesem Training achten?

Bei der Beckenbodentherapie ist es wichtig, dass ein Patient eine gute, individuelle Anleitung von einem ausgebildeten Physiotherapeuten erhält. Dieser sollte am besten eine Weiterbildung für Beckenbodentraining absolviert haben und gut geschult sein. Denn es ist keine einfache Aufgabe, den Beckenboden zu trainieren. Betroffene müssen erst einmal ein Gefühl dafür bekommen, welche Muskeln in welcher Intensität angespannt werden müssen – man sieht den Beckenboden ja nicht. Da ist es tatsächlich wichtig, dass das Training individuell und fachkundig angeleitet wird.

Außerdem gibt es noch unterstützende Techniken, sogenannte Biofeedback- bzw. Elektrostimulations-Geräte, die über eine Sonde vaginal bzw. rektal eingeführt werden. Mit diesen kann man die Anspannung des Beckenbodens messen. Dadurch kann man selbst kontrollieren wie gut man die Übungen wirklich ausführt. Aber das sind natürlich Maßnahmen, die man nur mit einer guten, qualifizierten Physiotherapie umsetzt.

Kann ein Arzt denn das Beckenbodentraining beim Physiotherapeuten verordnen oder muss ich für die Kosten selbst aufkommen?

Sowohl die Beckenbodentherapie als auch die genannten medizinischen Hilfsmittel sind vom Arzt verordnungsfähig bzw. rezeptierbar. Diese werden dann beispielsweise für ein halbes Jahr von der Kasse übernommen.

Nach welcher Zeit des Beckenbodentrainings kann ich mit ersten Erfolgen erzielen?

Wenn die Beckenbodenübungen gut angeleitet werden und jemand diese gleich umsetzen kann, wird man die Effekte, je nach Ursache der Inkontinenz, bereits nach ein paar Wochen spüren.
Simone Hartmann-Eisele

Wenn die Beckenbodenübungen gut angeleitet werden und jemand diese gleich umsetzen kann, wird man die Effekte, je nach Ursache der Inkontinenz, bereits nach ein paar Wochen spüren. Natürlich lassen sie auch wieder nach, wenn man nicht regelmäßig trainiert, das sind ja Muskeln. Aber generell ist Beckenbodentraining äußert effektiv – nicht nur für Belastungsinkontinenz, sondern auch für Drangprobleme oder bei Restharnbildung. Das orientiert sich wirklich an einem regelmäßigen und sehr disziplinierten Training. Der Schlüssel für den Erfolg liegt sowohl in der fachkundigen Anleitung als auch in der eigenen Motivation und Fähigkeit, die Übungen umzusetzen. Jemand, der eine Demenz hat, wird gar nicht dazu in der Lage sein, die Übungen ein bis zwei Mal täglich in Eigenregie durchzuführen.

Das sogenannte Toilettentraining verbinden viele Menschen vermutlich eher mit Kindern. Es kann aber auch durchaus bei inkontinenten Erwachsenen sinnvoll sein. Wie wird ein Toilettentraining durchgeführt?

Toilettentraining heißt, dass man Toilettengänge geplant durchführt, um Entleerungsintervalle zu verlängern oder zu verkürzen. Das heißt, es gibt sehr viele unterschiedliche Varianten des Toilettentrainings, die man je nach ursächlichem Problem anwenden würde. Allen gemein ist, dass man die Toilette geplant aufsucht. Am häufigsten versuchen wir die Intervalle mit dem Training zu verkürzen. Nach unserer Erfahrung gehen Menschen meist zu selten auf die Toilette. Grundlage dieses Trainings ist in der Regel ein Miktionsprotokoll, also ein Blasentagebuch, was pflege.de auf seiner Seite ja auch zum Download anbietet. Wir bitten die Patienten dann für drei Tage folgende Angaben mit Uhrzeit zu dokumentieren:

Nach unserer Erfahrung gehen Menschen meist zu selten auf die Toilette.
Simone Hartmann-Eisele
  • Trinkmenge sowie Art der Getränke
  • Toilettengänge
  • Angabe, ob sie die Toilette trocken erreicht haben.

Daraus wird z. B. ersichtlich, dass die Toilette nur alle drei bis vier Stunden aufgesucht wird und es nach drei Stunden zu einem ungewollten Harnverlust kommt. Unsere Empfehlung ist meistens, dass der Betroffene dann die nächsten zwei bis drei Tage tagsüber alle zwei Stunden die Toilette aufsucht, ganz egal ob er muss oder nicht. Und die Erfahrung zeigt, dass sich die Kontinenz durch diese einfache Maßnahme erheblich verbessert. Es ist oft das Problem, dass die Menschen, wenn die Blase voll ist, erst im letzten Moment merken, dass sie auf Toilette müssen. Im Alter setzt der Harndrang deutlich später ein, sodass dann die Blase schon prall gefüllt ist. Wenn die Menschen dann noch bewegungseingeschränkt sind und der Toilettengang sowieso schon länger dauert, kommt es häufig zu einem ungewollten Harnverlust. Wenn ich aber früher loslaufe, habe ich mehr Zeit und die Blase ist noch nicht so voll. Es ist daher eine ganz einfache, aber effektive und nebenwirkungsfreie Strategie, die auch noch das Bewusstsein schult.

Insbesondere bei einer Dranginkontinenz haben Betroffene den Wunsch, die Anzahl ihrer Toilettengänge zu minimieren. Sollten inkontinente Personen ihre Trinkmenge daher reduzieren?

Es ist unglaublich kontraproduktiv, die Trinkmenge zu reduzieren.
Simone Hartmann-Eisele

Auf keinen Fall! Es ist unglaublich kontraproduktiv, die Trinkmenge zu reduzieren. Und das ist etwas, was Patienten häufig nicht wissen. Wenn sie weniger trinken, ist der Urin viel konzentrierter, was man aus der eigenen Beobachtung ja kennt. Der Urin ist dunkler und er riecht vielleicht strenger. Konzentrierter Urin reizt die Blase noch viel mehr, verstärkt den Drang und fördert die Inkontinenz, da konzentrierter Urin schlechter gehalten werden kann. Die Trinkmenge zu reduzieren, ist also absolut kontraproduktiv und verstärkt die Dranginkontinenz. Daher mein Tipp: Lieber eine ausreichende Menge trinken und die Toilettengänge planen. Wenn man das Problem hat, dass man nachts zu häufig raus muss, kann man versuchen die nötige Trinkmenge bis 17 Uhr zu sich zu nehmen und dann vor der Nacht weniger zu trinken. Aber die Gesamttrinkmenge an sich sollte nicht reduziert werden.

Außerdem gibt es auch Getränke, die den Drang verstärken. Von Koffein und Alkohol weiß man das vielleicht. Aber viele Menschen reagieren auch sensibel auf Zuckerersatzstoffe, wie sie z. B. in Light-Getränken enthalten sind. Und auch zitrushaltige Säfte können den Drang verstärken. Sie müssen nicht, aber können zu einem erhöhten Harndrang führen, wenn Menschen da sensibel sind.

Das waren spannende Einblicke und mit Sicherheit praktische Tipps für unsere Leser. Vielen Dank für das Interview, Frau Hartmann-Eisele.

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Inkontinenzmaterial auf Rezept – So geht‘s

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Im Interview
Dagmar Thieken
Examinierte Krankenschwester

Dagmar Thieken ist examinierte Krankenschwester und seit 23 Jahren Fachberaterin für Kontinenz bei der Firma Attends. Sie berät und unterstützt Kunden darin, das ideale Produkt zur Inkontinenzversorgung zu finden.

Personen mit Inkontinenz erhalten von ihrem Arzt ein Rezept für Inkontinenzmaterial. Dadurch tritt die Krankenkasse für die Übernahme der Kosten ein. Was viele nicht wissen: Wie geht es weiter, wenn sie ihr Rezept für Inkontinenzmaterial haben? Wie finden sie das für sie ideale Inkontinenzprodukt? pflege.de sprach im Interview mit Frau Dagmar Thieken über den Anspruch, Inkontinenzmaterial auf Rezept zu erhalten.

Frau Thieken, Sie beraten zum Thema Kontinenz. Wo gibt es bei Ihren Patienten noch das größte Aufklärungspotential?

Am häufigsten kläre ich Patienten über unterschiedliches Inkontinenzmaterial auf. Wir definieren gemeinsam die Stärke der Inkontinenz und ermitteln, wie der Patient den Urin verliert: schwallartig, tröpfchenweise oder mit Stuhlgang. Danach entscheide ich, welches Produkt für die Versorgung der Inkontinenz zielführend ist.

Und das zweite große Thema in der Beratung ist natürlich die Frage: Übernimmt meine Kasse die Kosten für Inkontinenzmaterial? Muss ich etwas dazu bezahlen?

Wie viele Menschen wissen Ihrer Erfahrung nicht darüber Bescheid, dass es eine Zuzahlung für Inkontinenzprodukte durch die Krankenkasse gibt?

Inkontinenz ist ein großes Tabuthema ist in unserer Gesellschaft. Sofern sich Betroffene einem Arzt anvertrauen, können sie ein Rezept für Inkontinenzmaterial und damit auch finanzielle Förderung erhalten. Die Krankenkasse übernimmt die Kosten. Es fällt dann evtl. nur die gesetzliche Zuzahlung (Rezeptgebühr) an. Wenn man ein komfortableres Produkt möchte, muss man als Patient aufzahlen.

Es wissen relativ wenige von der Kostenübernahme für Inkontinenzmaterial durch die gesetzliche Krankenversicherung.
Dagmar Thieken

Es wissen relativ wenige von der Kostenübernahme durch die gesetzliche Krankenversicherung, weil sie auch nicht mit ihren Familien oder einem Arzt über ihre Inkontinenz sprechen. Sie können Inkontinenzprodukte in Geschäften kaufen und das ist dann erst mal der diskretere Weg, um es weiter zu verheimlichen.

Welche Voraussetzungen gelten, um ein Rezept für Inkontinenzmaterial zu bekommen?

Generell gilt: Anspruch hat der, der innerhalb von vier Stunden mehr als 100 ml Urin verliert. Ich möchte diese Definition aber abwandeln. Denn für den einen sind 100 ml irgendwann nichts mehr, für den anderen sind vielleicht schon ein paar Tröpfchen, die er verliert, eine totale Katastrophe.

Wenn man merkt, dass man nach dem Wasserlassen für eine längere Zeit tröpfelt oder eben beim Aufstehen, Treppensteigen oder Husten Urin verliert, sollte man unbedingt zum Arzt gehen und fragen, ob man Anspruch auf ein Rezept für eine Inkontinenzversorgung hat.

Muss ich mich als Patient für ein Rezept vorab beim Arzt untersuchen lassen? Muss der Arzt diesen von Ihnen beschriebenen Grenzwert der 100 ml innerhalb von vier Stunden erst dokumentieren bevor ich ein Rezept bekomme?

Das hängt vom Arzt ab. Die Ursachen für eine Inkontinenz sind vielfältig und eine Inkontinenz kann von sehr vielen Krankheiten ausgelöst werden. Ich kann z. B. eine Demenz, eine Beckenbodenschwäche oder Diabetes haben und dadurch inkontinent sein.

Normalerweise macht ein Hausarzt zunächst Untersuchungen wie Ultraschall und einen Urinstatus, wenn ich ihm sage, dass ich Urin verliere. Aber auch andere Ärzte sind für das Thema sensibilisiert. So wird mich z. B. auch mein Gynäkologe darauf ansprechen, wenn er meinen Unterleib abtastet und ich dabei Urin verliere. Und genauso gut kann es sein, dass ich beim Diabetologen bin und mit ihm drüber spreche, dass ich nicht mehr merke, wenn ich Urin verliere. Oder wenn ein Urologe feststellt, dass die Prostata vergrößert ist. Oder oder oder.

An eine solche Erstdiagnose können sich verschiedenste Untersuchungen anschließen, müssen aber nicht. Es kommt wirklich auf den Arzt an, mit dem ich über mein Anliegen spreche.

Das heißt der Arzt an sich kann dann entscheiden, ob er ein Rezept für Inkontinenzmaterial ausstellt oder nicht.

Ganz genau, so ist es.

Was steht auf dem Rezept, das der Arzt ausstellt?

Auf dem Rezept für die Inkontinenzprodukte müssen vier Angaben enthalten sein:

  1. Diagnose
    Der Arzt muss angeben, ob es sich um eine Harninkontinenz oder Stuhlinkontinenz oder Harn-Stuhl-Inkontinenz handelt.
  2. Inkontinenzmaterial
    Die verordneten Produkte müssen nicht namentlich auf dem Rezept genannt werden. Auf dem Rezept sollte einfach nur „Inkontinenzmaterial“ stehen.
  3. Zeitraum der Versorgung
    Der Arzt vermerkt auf dem Rezept auch den Zeitraum der Versorgung. Ich rate ausdrücklich dazu, dass der Arzt eine „Dauerversorgung“ vermerkt. So ist das Rezept bis zu einem Jahr gültig oder bis auf Widerruf und man muss sich nicht immer wieder ein neues Rezept holen. Bei manchen Kassen gilt ein Rezept nur für ein halbes Jahr, bei anderen nur für vier Wochen. Am unverfänglichsten ist daher, wenn auf dem Rezept eine „Dauerversorgung“ verordnet wird.
  4. Unterschrift und der Eindruck des Arztes
    Zuletzt muss das Rezept vom Arzt unterschrieben werden.
Mein Tipp: Lassen Sie sich vom Arzt ein Rezept für „Dauerversorgung“ ausstellen. So ist das Rezept bis zu einem Jahr gültig und man muss sich nicht immer wieder ein neues Rezept holen.
Dagmar Thieken

Wenn diese vier Dinge auf dem Rezept vermerkt sind, dann ist es perfekt.

Ist es wichtig, welcher Arzt das Rezept ausstellt?

Nein. Orthopäden sind jetzt nicht so üblich, aber ob es ein Hausarzt, ein Urologe oder Gynäkologe, Diabetologe ist, ist ganz egal. Diese Ärzte können ja die Diagnose stellen und auch ein Rezept für Inkontinenzmaterial ausstellen.

Sie hatten eben gesagt, dass auf dem Rezept noch kein Produkt oder bestimmter Hersteller vermerkt werden. Wer entscheidet, welches Material ich als Patient erhalten soll?

Genau, auf dem Rezept ist nur eine Versorgung für „Inkontinenzmaterial“ festgeschrieben. Damit gehen Sie als Patient zum Inkontinenzversorger – das kann die Apotheke, das Sanitätshaus oder direkt der Leistungserbringer wie z. B. wir als Attends sein – und erhalten eine Beratung zu der Vielfalt der Produktpalette. Der Inkontinenzversorger ist verpflichtet, den Versicherten hinsichtlich des idealen Produkts zu beraten. In einem Beratungsbogen wird das für den Patienten richtige Produkt ermittelt. Da gibt es bei Attends z. B. immer ein Paket, in dem verschiedenste Gratisproben enthalten sind.

Und das läuft immer genau so?

Wenn der Patient ein Rezept erhalten hat, dann ja. Wir stellen aber leider immer wieder fest, dass sich viele Personen selbst erstversorgen mit Produkten aus dem Drogeriemarkt, die gar nicht zur Form der Inkontinenz passen. Die Folge sind dann häufig Harnwegsinfekte, Pilzinfekte und Hautschäden.

Welche Produkte sind im Leistungsumfang der Krankenkassen enthalten?

Die Kassen definieren ganz klar pro Grad einer Inkontinenz (leichte, mittlere oder schwere Inkontinenz) ein oder zwei zuzahlungsfreie Produkte, für diese werden dann keine „wirtschaftlichen Aufzahlungen fällig“. Diese Produkte müssen dem Kunden zuzahlungsfrei (ohne Aufzahlung) angeboten werden – abgesehen von der gesetzlichen Zuzahlung, also der Rezeptgebühr.

Gleichzeitig kann man den Versicherten auch andere Produkte vorstellen, die höherwertig sind und über das im Hilfsmittelverzeichnis gelistete Maß hinausgehen. Die Entscheidung liegt dann beim Betroffenen selbst, ob er diese wirtschaftliche Aufzahlung leisten möchte oder nicht.

Sie haben die Begriffe „gesetzliche Zuzahlung“ und „wirtschaftliche Aufzahlung“ genannt. Können Sie genauer darauf eingehen?

Die gesetzliche Zuzahlung ist die ordinäre Rezeptgebühr, die wir alle zahlen, wenn wir nicht befreit sind. Von der Zuzahlung befreit sind z. B. Menschen mit einer Behinderung, einem geringen Einkommen, chronisch Kranke oder Kinder.

Wirtschaftliche Aufzahlung sind hingegen die Mehrkosten, die Versicherte leisten müssen, wenn sie nicht das „Kassenprodukt“ wünschen, sondern ein alternatives Produkt, das ihnen einen Mehrwert bietet und das über die “medizinisch notwendige“ Versorgung hinausgeht.

Ok. Dann einmal zum Prozedere: Wenn ich als Patient ein Rezept für Inkontinenzmaterial vom Arzt erhalte, wie geht es dann weiter?

Sie rufen bei Ihrer Krankenkasse an und fragen, welcher Leistungserbringer versorgen darf. Attends z. B. kann fast alle Rezepte einlösen. Hier erhalten Sie eine Beratung, finden gemeinsam das Produkt, das am besten zu Ihrer individuellen Form der Inkontinenz passt, und müssen dann ggf. eine gesetzliche Zuzahlung („Rezeptgebühr“) leisten.

Sie können sich aussuchen, ob Sie Ihre Produkte direkt mitnehmen oder nach Hause geliefert haben möchten. Die Lieferung nach Hause hat den Vorteil, dass es sehr diskret ist und auf dem Paket außen auch nicht erkennbar ist, von wem es stammt und was darin enthalten ist. Es ist aber auch möglich, das Paket zum Pflegedienst, zu Angehörigen oder zum Nachbarn schicken zu lassen.

So ersparen Sie es sich, ständig und andauernd das Material schleppen zu müssen. Wenn ich eine kleine Vorlage nutzen, ist das ja noch ganz einfach zu schaffen, aber wenn ich eine Windelversorgung brauche, sind es Kisten, die wir durch die Gegend tragen.

Muss ich mir ein neues Rezept vom Arzt holen, wenn sich mein Bedarf ändert?

Wenn sich Ihr Bedarf ändert, wird die Menge angepasst und ein neues passendes Produkt bestimmt und geliefert. Sie müssen Sich dafür kein neues Rezept vom Arzt holen.
Dagmar Thieken

Nein, überhaupt nicht. Wenn man ein Rezept abgegeben hat mit einer Dauerversorgung und sich der Bedarf ändert, wird die Menge angepasst und auch ein neues passendes Produkt bestimmt und geliefert. Dazu muss man einfach Rücksprache mit dem Inkontinenzversorger halten.

Das ist eigentlich für den Patienten relativ smart. Gerade bei älteren Menschen kann es mit einer leichten Harninkontinenz anfangen und später wird die Inkontinenz verstärkt. Es wäre ganz schön aufwendig, wenn ich dann jedes Mal zum Arzt müsste.

Über welche Mengen wird mir ein Rezept ausgestellt? Wie lange reichen die verordneten Hilfsmittel in der Regel aus? Ist es pauschal eine Art Flatrate?

Ja, das kann man so sagen. Der Patient erhält eine Flatrate für eine kontinuierliche und zweckmäßige Versorgung.

Wenn ich mal eine Herausforderung habe und Durchfall bekomme, brauche ich eben auch mal drei, vier Tage ein ganzes Paket. Das ist dann halt so. Aber mal ganz ehrlich, ich sag den Kunden auch immer „Sie können ja nicht die Hand drunter halten. Es ist einfach so, wie es ist.“ – dann braucht der Kunde für die Herausforderung eben einmal mehr Material.

Welche Kasse bezahlt die Inkontinenzhilfsmittel auf Rezept? Ist es meine Krankenkasse oder die Pflegekasse?

Den Zuschuss für Inkontinenzmaterial gewährt immer die Krankenkasse, nie die Pflegekasse.
Dagmar Thieken

Es ist immer die Krankenkasse.

Während die Krankenkasse die medizinisch notwendige Versorgung liefert, bietet die Pflegekasse Materialien zur Unterstützung der Pflege.

Wie genau ist diese „medizinisch notwendige Versorgung“ durch die Krankenkasse definiert?

Die „medizinisch notwendige Versorgung“ ist die Versorgung, die „wirtschaftlich ausreichend und zweckmäßig ist“ – angepasst an die Menge, Größe und Qualität der Inkontinenzmaterialien. Wenn Patienten eine schwere Form der Inkontinenz haben, benötigen sie sehr viele und saugstarke Produkte – anders als bei Patienten mit einer nur leichten Inkontinenz.

Was passiert, wenn ich mit dem verordneten Hilfsmittel nicht zurechtkomme?

Dann können Sie einfach noch einmal mit dem Inkontinenzversorger besprechen.

Anhand von Fragen wird ermittelt, welches Produkt in der Sekunde für den Patienten notwendig ist. Sitzt er im Rollstuhl? Ist er bettlägerig? Kommt der Urin mittlerweile schwallartig oder verliert er den ganzen Urin? Diese ganzen Dinge müssen abgeklärt werden und dann kann man problemlos das passende Produkt ermitteln.

Wie hoch sind die Kosten, die bei einer Inkontinenzversorgung ohne Rezept monatlich auf einen zukommen? Sprich: Wie viel Geld kann man sparen, wenn man sich ein Rezept für Inkontinenzmaterial beim Arzt holt?

Wenn Sie ein Rezept für Inkontinenzmaterial haben, können Sie bis zu 100 Euro im Monat sparen.
Dagmar Thieken

Bei einer leichten Inkontinenz beläuft sich die Ersparnis auf mindestens 40 Euro pro Monat. Bei einer schwereren Form der Inkontinenz mit Stuhlinkontinenz liegen wir bei über 100 Euro pro Monat.

Es gibt viele Kunden, die anfangs selbst bezahlen bis irgendwann diese finanzielle Belastung so groß wird, dass sie erst dann diese Hemmschwelle überschreiten und sich einem Arzt anvertrauen – die eigentlich keine Hemmschwelle ist. Denn wir sprechen von Millionen von Menschen in Deutschland, die von einer Inkontinenz betroffen sind.

Was glauben Sie sind die größten Hemmungen der Personen, warum sie sich keinem Arzt anvertrauen, sondern ihre Inkontinenz erst einmal verbergen?

Das ist eine gute Frage. Man spricht ja von einem erlernten Verhalten. Man wird geboren und ist erst einmal inkontinent. Im Erwachsenenalter ist es dann ein absolutes No Go, ins Bett zu machen und den Urin nicht halten zu können.

Dadurch dass es eine erlernte Fähigkeit ist, „trocken zu sein“, wird es als totaler Makel von den Leuten empfunden, wenn man Urin oder Stuhl nicht mehr halten kann. So nach dem Motto „Kuck mal, die macht Pipi in die Hose!“

Personen mit Demenz wissen oft nicht mehr, wie sie heißen, aber sie wissen noch ‚Ich darf nicht ins Bett machen!‘
Dagmar Thieken

Sie fühlen sich richtig schuldig zum Teil, weil sie eine erlernte Fähigkeit verloren haben. Und es ist eben mit einem richtigen Makel verbunden, weil es eine Ausscheidung ist, die ich nicht mehr kontrollieren kann. Das merkt man ja auch gerade so im dementen Bereich. Wenn wir da Personen haben, die inkontinent sind und nachts unbedingt zur Toilette wollen. Es ist meistens begründet auf der Tatsache, dass sie Urin- oder Stuhldrang haben. Personen mit Demenz wissen oft nicht mehr, wie sie heißen, aber sie wissen noch „Ich darf nicht ins Bett machen!“

Was ist Ihr Tipp für Personen mit einer Inkontinenz?

Sprechen Sie mit einem Arzt darüber! Bei vielen Inkontinenzformen kann man eine Verbesserung erzielen, auch wenn man die Symptome nicht ganz in den Griff bekommt.

Lassen Sie sich pH-neutrale Inkontinenzmaterialien geben, um Hautschäden vorzubeugen. Und nutzen Sie Produkte, die Gerüche sicher verschließen. Das entspannt Sie und lässt Sie weiterhin sicher fühlen und am sozialen Leben teilnehmen.

Wie wichtig ist es, das passende Produkte für die Versorgung der eigenen Inkontinenz zu finden?

Es ist unwahrscheinlich wichtig, das passende Produkt zu finden! Und es hängt immer stark von der Beratung und dem Vertrauen des Patienten in die Beratung ab. Ich muss als Berater versuchen, dem Patienten über gezielte Fragen seinen Bedarf zu entlocken und ihn dazu zu bringen, offen mit mir zu sein. Nur so kann ich ihm ein Produkt für seine persönliche Situation empfehlen.

Ich hatte letztens eine Kundin, die erst beim zweiten Gespräch erzählt hat, dass sie Kleidergröße 64 trägt. Auch das muss ich wissen, damit wir eine ausreichend große Vorlage wählen. Also: Seien Sie offen und lassen Sie sich auf die Beratung ein! Es kommt Ihnen nur zugute.

Vielen Dank für das informative Gespräch, Frau Thieken!

Gerne.

Info
Keine medizinische Beratung

Wir machen darauf aufmerksam, dass die Aussagen des Interviews Hilfestellungen und Aufklärung bieten, jedoch keine medizinische Beratung beim Arzt ersetzen sollen.

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Erstelldatum: .61.118102|Zuletzt geändert: .82.509102
Bildquelle
© Fotografie Anne
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