Stuhlinkontinenz / Darminkontinenz

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Stuhlinkontinenz

Stuhlinkontinenz bezeichnet den unkontrollierbaren Verlust von Gasen, flüssigem oder festem Stuhl. Aus Schamgefühl verschweigen viele Betroffene ihre Beschwerden. Dabei leiden viel mehr Personen unter den Symptomen einer Stuhlinkontinenz als viele glauben: Laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft seien etwa fünf Prozent aller Deutschen von einer Stuhlinkontinenz betroffen.(1)

pflege.de beschreibt im Folgenden Ursachen sowie Symptome der Stuhlinkontinenz und stellt mögliche Therapieansätze vor.

Inhaltsverzeichnis

Stuhlinkontinenz / Darminkontinenz: Definition

Eine Stuhlinkontinenz liegt vor, wenn Darmgase, flüssiger oder fester Stuhl unkontrolliert entweichen. Betroffene können den Zeitpunkt der Entleerung nicht mehr zuverlässig selbst bestimmen. Eine andere Bezeichnung für die Stuhlinkontinenz lautet Darminkontinenz.

Frauen sind häufiger betroffen als Männer

Grundsätzlich sind Frauen aufgrund ihrer Anatomie und in Folge von Geburten häufiger betroffen als Männer. Zudem steigt das Risiko im Alter an, da die Gewebeelastizität und auch die Schließmuskulatur auf natürliche Weise abnimmt.(2) In vielen Fällen lassen sich die Symptome der Stuhlinkontinenz mithilfe von verschiedenen Behandlungsmethoden effektiv lindern. Zudem können geeignete Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz Betroffenen dabei unterstützen, sich im Alltag wieder sicherer zu fühlen.

Info

So funktioniert das Abschlusssystem

Die zugeführte Nahrung landet zunächst über die Speiseröhre im Magen, wo sie zersetzt wird. Anschließend gelangt der flüssige Mageninhalt über den Dünndarm in den Dickdarm. Dort wird der Stuhl wieder fest, in Richtung Enddarm transportiert und in der Regel ein- bis dreimal pro Tag ausgeschieden. Der Enddarm ist dehnbar und kann dadurch Stuhl sammeln. Wird der Enddarm gedehnt, erhält das Gehirn über die Nervenbahnen die Botschaft, dass er geleert werden muss. An der Entleerung sind unter anderem zwei Schließmuskeln beteiligt: Der innere Schließmuskel sowie der äußere. Den äußeren Schließmuskel kann der Mensch steuern, sodass er den Stuhl für eine gewisse Zeit zurückhalten kann. Der innere Schließmuskel wird durch Reflexe angespannt und wieder entspannt. Soll der Darm bewusst geleert werden, entspannt sich der äußere Schließmuskel und der Stuhl wird ausgeschieden. 

Symptome bei Stuhlinkontinenz

Erste Symptome einer Darminkontinenz liegen vor, wenn immer wieder Darmgase entweichen, ohne dass Betroffene dies bemerken. In dem Fall können sie den Abgang der Winde nicht mehr beeinflussen. Ein weiteres Anzeichen einer Darminkontinenz ist, wenn regelmäßig Verschmutzungen der Unterwäsche beobachtet werden, weil kleine Mengen an Darmschleim oder Stuhl unkontrolliert austreten. Besonders deutlich zeigt sich diese Form der Inkontinenz, wenn flüssiger Stuhl nicht mehr zurückgehalten werden kann. In schweren Fällen von Stuhlinkontinenz können Betroffene selbst festen Stuhl nicht mehr halten.

Stuhlinkontinenz: Schweregrade

Je nachdem, wie stark die Darminkontinenz ausgeprägt ist und welche Symptome auftreten, wird die Stuhlinkontinenz in drei unterschiedliche Grade eingeteilt.(2) Die nachfolgende Grafik gibt Ihnen einen Überblick über die Schweregrade bei einer Stuhlinkontinenz:

Info

Ärzte und Spezialisten bei Stuhlinkontinenz

Vielen Betroffenen fällt es schwer, über ihre Beschwerden zu sprechen. Jedoch lässt sich eine Darmschwäche oftmals gut behandeln, wenn die Stuhlinkontinenz-Ursachen erkannt wurden und die richtigen Therapiemöglichkeiten gewählt werden. Darum ist es so wichtig, dass sich Betroffene einem Arzt oder Spezialisten anvertrauen. Der eigene Hausarzt, ein Urologe oder der Proktologe können erste Untersuchungen vornehmen, um das Ausmaß und die Ursachen der Stuhlinkontinenz zu diagnostizieren. 

Stuhlinkontinenz-Formen und ihre Ursachen

Die kontrollierte Ausscheidung von Stuhl ist ein komplexer Vorgang, an dem viele Faktoren beteiligt sind. Daher können ganz unterschiedliche Störungen in diesem Ablauf als Ursache für eine Darminkontinenz in Frage kommen. Je nach Ursache unterscheiden sich die folgenden Formen der Stuhlinkontinenz:

  1. Muskuläre Inkontinenz
  2. Neurogene Inkontinenz
  3. Konsistenzbedingte Inkontinenz
  4. Sensorische Inkontinenz
  5. Überlaufinkontinenz

Muskuläre Inkontinenz

Bei der muskulären Stuhlinkontinenz ist die Muskulatur, die an der Stuhlspeicherung und -ausscheidung beteiligt ist, nicht intakt. Schließmuskelschwäche oder Schließmuskeldefekte gelten als häufigste Ursache für eine Stuhlinkontinenz.(2) Ein Schaden des Schließmuskels kann zum Beispiel durch eine Operation ausgelöst werden. Häufig kann auch eine nachlassende Gewebeelastizität im Alter Ursache für die muskulären Störungen sein, die eine Stuhlinkontinenz auslösen können.(1)

Neurogene Inkontinenz

Neurologische Störungen können ebenso eine Stuhlinkontinenz zur Folge haben. Bei dieser Form verspürt der Betroffene keinen Stuhldrang, weil die Nervenimpulse falsche oder unzureichende Informationen über den Füllstand des Darms an das Gehirn weitergeben. Nervenschäden gehen oftmals mit Krankheiten wie Schlaganfall, Alzheimer oder Multiple Sklerose einher.(1)

Konsistenzbedingte Inkontinenz

Die Konsistenz des Stuhls spielt ebenfalls eine Rolle. So beeinträchtigt dünnflüssiger Stuhl die Kontinenz.(5) Chronisch entzündliche Darmerkrankungen wie die Colitis Ulcerosa oder Morbus Crohn sind Durchfallerkrankungen, die in vielen Fällen zu einer Stuhlinkontinenz führen. Zudem geht die Colitis Ulcerosa in der Regel mit entzündlichen Veränderungen an der Wand des Darms einher. Wandveränderungen im Enddarm können zusätzlich die Speicherfunktion der sogenannten Rektumampulle stören. Leidet ein Patient am Morbus Crohn am Enddarm, können Fistelbildungen den Schließmuskel nachhaltig stören.(1)

Sensorische Inkontinenz

Bei der Form der Stuhlinkontinenz liegt eine Störung der sensiblen Wahrnehmung der Schleimhaut des Analkanals vor. Mögliche Ursachen sind beispielsweise Hämorrhoiden oder Operationen am Darm.(2)

Überlaufinkontinenz

Wenn der Stuhl nicht vollständig ausgeschieden wird und zu lange im Dickdarm verbleibt, verliert er zunehmend Flüssigkeit, dickt ein und staut sich im Darm. In der Folge kann nur flüssiger Stuhl daran vorbei und tritt ungewollt aus.(3)

Stuhlinkontinenz bei Männern & Frauen

Laut der Deutschen Kontinenz Gesellschaft leiden mehr Frauen als Männer an einer Stuhlinkontinenz. So kommt die Darminkontinenz bei Frauen etwa vier bis fünf Mal häufiger vor. Neben den unterschiedlichen anatomischen Gegebenheiten im Beckenraum, kann die Belastung durch Schwangerschaften und Geburten Grund für die ungleiche Verteilung von Darminkontinenz bei Männern und Frauen sein.(1)

Stuhlinkontinenz nach der Geburt

Einige Frauen leiden nach ihrer Schwangerschaft und Geburt unter der sogenannten Belastungsinkontinenz, eine Form der Harninkontinenz. Grund dafür ist, dass der untere Bauchbereich einer besonders hohen Belastung ausgesetzt ist, sodass die Beckenbodenmuskulatur schwächer wird. Gleichzeitig kann ein geschwächter Beckenboden die Entstehung einer Stuhlinkontinenz begünstigen. Der Beckenboden bildet als Muskelgeflecht den Abschluss des Beckens nach unten und trägt die Bauchorgane; der Schließmuskel im Beckenboden dichtet Blase und Anus nach unten ab. Sinkt der Beckenboden in Folge der Entbindung ab, wird auch der Ringmuskel um den Anus nicht mehr in seiner vorgesehenen Position gehalten. Der Schließmuskel dichtet folglich nicht mehr zuverlässig ab, sodass Darmschleim oder sogar fester Stuhl unkontrolliert austreten.

Zudem kann es trotz Vorsichtsmaßnahmen während der Geburt zu einem Dammriss kommen. Ein Dammriss ist eine Verletzung des Gewebes unterhalb der Scheide. In manchen Fällen wird gleichzeitig der nahegelegene Anal-Schließmuskel verletzt, sodass er nicht mehr einwandfrei funktioniert. In der Folge verliert die Betroffene die Kontrolle über den Zeitpunkt der Stuhlausscheidung. Derartige Kontinenzprobleme können entweder unmittelbar nach der Schwangerschaft auftreten oder Jahre nach der Geburt entstehen.(1)

Stuhlinkontinenz nach einer Operation

Auch nach Operationen im Analbereich kann es zu einer Darminkontinenz kommen. Chirurgische Eingriffe in diesem Bereich können zum Beispiel nötig werden, wenn Darmtumore entfernt werden müssen oder sich Analfisteln gebildet haben. Analfisteln sind schmerzhafte röhrenförmige Verbindungen, die sich infolge von Entzündungen, insbesondere bei chronisch-entzündlich Darmerkrankungen, im Körperinneren bilden können.(2)

Allerdings werden inzwischen zunehmend schonende Operationsverfahren angewandt, bei denen der Schließmuskel erhalten bleibt. Nichtsdestotrotz können Vernarbungen in der nahen Umgebung sowie der Verlust von Darmanteilen nach der Operation eine Darminkontinenz auslösen.

Behandlung / Therapie

Die Behandlungsmethoden einer Darminkontinenz richten sich immer nach den jeweiligen Ursachen, die die Stuhlinkontinenz-Symptome ausgelöst haben. Ist eine Krankheit für die Beschwerden verantwortlich, muss zunächst diese Grunderkrankung therapiert werden. Daher ist es immer ratsam, sich vertrauensvoll an einen Arzt oder ein sogenanntes Kontinenz-Zentrum zu wenden.

In vielen Fällen tragen bereits konservative Therapien zu einer Besserung der Beschwerden bei. Erst wenn diese keine Besserung der Beschwerden erzielen, sollten operative Maßnahmen in Betracht gezogen werden.(4)

Grundsätzlich kommen folgende Behandlungsmöglichkeiten bei einer Stuhlinkontinenz in Frage:

  • Stuhlgangsregulierung
  • Beckenbodentraining bei Stuhlinkontinenz
  • Biofeedback
  • Elektrostimulation
  • Operationen

Stuhlgangsregulierung bei Darminkontinenz

Ein wichtiger Schritt bei der Stuhlinkontinenz-Therapie ist die Regulierung eines geschmeidigen Stuhlgangs. Ein geschmeidiger Stuhlgang heißt nicht zu fest und nicht zu weich. Ziel der Stuhlgangsregulierung ist es ebenso, regelmäßig die Toilette zu besuchen, um den Darm zu entleeren.

Zudem hat die Ernährung einen entscheidenden Einfluss auf die Konsistenz des Stuhls. Demnach sollte die Ernährung bei Stuhlinkontinenz ballaststoffreich und ausgewogen sein. Blähende Speisen (Bohnen, Kohl oder Ähnliches) sollten Betroffene vermeiden.(2) Stark quellende Getreideschalen oder Saaten, wie etwa indische Flohsamen, sorgen hingegen für ein höheres Stuhlvolumen und normalisieren dadurch die Stuhlkonsistenz.

Darüber hinaus kann eine ausreichende Flüssigkeitsaufnahme deutliche Verbesserungen erzielen. Jedoch sollten Flüssigkeiten wie Kaffee oder Alkohol gemieden werden, da sie den Darm zusätzlich reizen.(2) Hilfreich kann außerdem regelmäßige Bewegung sein. Spaziergänge unterstützen bekanntlich die Verdauung.

Tipp
Führen Sie ein Stuhltagebuch

Ein Stuhltagebuch kann Ihnen dabei helfen, Ihre eigenen Toilettengewohnheiten besser kennenzulernen. Es unterstützt Sie dabei, ein Gespür dafür zu entwickeln, welche Speisen und Gewohnheiten Ihre Kontinenz entweder fördern oder die Beschwerden verschlimmern. Das hilft nicht nur Ihnen, sondern auch Ihrem Arzt bei der Diagnostik weiter.(1)

Beckenbodentraining: Übungen bei Stuhlinkontinenz

Ein geschwächter Beckenboden kann sowohl einen Risikofaktor für die Harninkontinenz als auch für die Stuhlinkontinenz darstellen. Daher gilt es, den Beckenboden mit gezielten Übungen nachhaltig zu stärken. Regelmäßiges Beckenbodentraining dient nicht nur der Stuhlinkontinenz-Behandlung, sondern auch der Prophylaxe und kann schon vorbeugend durchgeführt werden.

Tipp
Führen Sie regelmäßig Beckenbodenübungen aus

Um Ihre Muskulatur im Beckenboden wieder zu stärken, eignen sich ein paar Übungen, die Sie ganz einfach mit der Vorlage von pflege.de durchführen können.

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Biofeedback bei Stuhlinkontinenz

Diese Methode eignet sich insbesondere für Patienten, die Probleme haben, den eigenen Beckenboden und die Schließmuskelspannung selbst bewusst wahrzunehmen. Ein Biofeedbackgerät kann Betroffenen dabei helfen.(2) Dazu wird ein kleiner Ballon im Analkanal platziert, der gezielt zusammengedrückt werden muss. Über ein Signal wird dem Betroffenen während des Schließmuskeltrainings angezeigt, wie hoch der jeweilige Kneifdruck ist. Auf diese Weise wird das Beckenbodentraining effizienter.

Elektrostimulation bei Stuhlinkontinenz

Darüber hinaus kann Elektrostimulation unterstützen, die Schließmuskelfunktion wieder zu verbessern. Hierbei wird der Schließmuskel durch Reizstrom passiv angespannt.

Operationen bei Darminkontinenz

Wenn konservative Therapien keine ausreichende Verbesserung bringen, können bei Darminkontinenz auch Operationen wieder zur Kontinenz verhelfen.

Sakrale Nervenstimulation (sogenannter Darm- oder Blasenschrittmacher)

Bei Nervenschäden im Beckenbereich kann die sakrale Nervenstimulation zum Erfolg führen. Bei diesem Verfahren wird ein kleiner Schrittmacher ins Gesäß implantiert, der schwache elektrische Impulse an die sogenannten Sakralnerven abgibt. Die Sakralnerven sind die Nerven, die Beckenboden, Darm und Blase steuern. Das fördert in der Regel die Kontinenz im Falle einer Darmschwäche, kann aber auch bei Blasenschwäche positive Auswirkungen haben. Deshalb wird in diesem Zusammenhang auch vom Darm- oder Blasenschrittmacher gesprochen. Zur Stuhlentleerung wird der Schrittmacher einfach abgeschaltet.

Operationen am Schließmuskel

Liegen der Darminkontinenz Verletzungen am Schließmuskel zugrunde, kann eine Sphinkter-Reparatur durchgeführt werden. Hier werden in der Regel bei Vollnarkose Defekte mit einer Naht repariert.

Gegebenenfalls kann der defekte Schließmuskel auch rekonstruiert werden. Dazu wird die Muskellücke, die beispielsweise durch einen Dammriss entstanden ist, mit einem körpereigenen Implantat ersetzt. Das Implantat besteht meist aus einem Muskel des Oberschenkels.(1)

Ist eine Schließmuskelrekonstruktion nicht möglich, kann auch ein künstlicher Schließmuskel implantiert werden. Dies ist allerdings ein komplexer Eingriff, der nur selten durchgeführt wird. Das Risiko einer Infektionsgefahr ist durch den Fremdkörper sehr hoch.(1)

Hilfsmittel bei Stuhlinkontinenz

Verschiedene Hilfsmittel können die Stuhlinkontinenz zwar nicht heilen oder die Beschwerden lindern. Vielmehr sind sie dazu da, den Betroffenen ein sicheres Gefühl im Alltag zu geben. Denn viele Stuhlinkontinenz-Patienten ziehen sich aus Scham zurück und meiden viele Aktivitäten. Um eine soziale Isolation zu verhindern und für mehr Lebensqualität zu sorgen, stehen Betroffenen unterschiedliche Hilfsmittel zur Verfügung. Darüber hinaus stellen Stuhlinkontinenz-Hilfsmittel eine große Hilfe für Pflegende im Pflegealltag dar.

Analtampon

Der Analtampon ist ein diskretes Hilfsmittel, welches den unkontrollierten Verlust von festem Stuhl verhindern soll. Das Hilfsmittel wird vorrangig bei einer Stuhlinkontinenz in Folge eines geschwächten Schließmuskels eingesetzt. Der Analtampon funktioniert ähnlich wie ein Tampon, welcher von Frauen während der Menstruation genutzt wird. Wie ein Zäpfchen kann er vom Patienten selbst vollständig in das Rektum eingeführt werden. Der Vorteil ist, dass keine unangenehmen Gerüche austreten können.(2)

Fäkalkollektor

Fäkalkollektoren funktionieren vom Prinzip her wie Stoma-Beutel. Das Hilfsmittel ist eine hygienische Lösung für bettlägerige Patienten, die unter einer Stuhlinkontinenz leiden. Dabei handelt es sich um einen Beutel, der über dem After platziert wird und den Stuhl aufnimmt. Dadurch können keine unangenehmen Gerüche austreten. Im Gegensatz zu aufsaugendem Inkontinenzmaterial, kommt die Haut dadurch gar nicht erst mit dem Stuhl in Berührung. So können Hautirritationen verhindert und chronischen Wunden wie dem Dekubitus entgegengewirkt werden. Der Fäkalkollektor wird in verschiedenen Ausführungen angeboten und kann ein Volumen von bis zu 1000 ml fassen.(6)

Info

Medikamente bei Stuhlinkontinenz

Abführmittel (Laxanzien) können den Stuhlgang fördern oder gegen eine Verstopfung zum Einsatz kommen. Sogennante Peristaltikhemmer bewirken das Gegenteil und werden bei Durchfallerkrankungen eingesetzt. Beide Medikamente können dadurch die Stuhlgänge der Betroffenen regulieren. Bei dünnflüssigem Stuhl sorgen Flohsamenschalen dafür, überschüssiges Wasser im Darm zu binden und den Stuhlgang zu formen. Auf diese Weise wird der Stuhl fest.

Aufsaugendes Inkontinenzmaterial

Personen, die unter einer Stuhlinkontinenz leiden, können zudem auf aufsaugendes Inkontinenzmaterial zurückgreifen. Bei Stuhlinkontinenz eignen sich insbesondere größere Systeme. Dazu zählen beispielsweise verschließbare Produkte wie Windeln für Erwachsene. Diese funktionieren wie herkömmliche Babywindeln und werden eng am Körper getragen. Dadurch, dass sie großflächig sind und viel Flüssigkeit aufnehmen können, bieten sie einen sicheren Rundumschutz. Zudem können Patienten auf Bettschutzeinlagen zurückgreifen. Diese schützen die Matratze und andere Oberflächen, falls der Stuhl ungewollt austritt.

Tipp
Kostenfreie Pflegehilfsmittel helfen Ihnen

Falls Sie zu Hause gepflegt werden und einen anerkannten Pflegegrad haben, haben Sie einen Anspruch, Ihre Stuhlinkontinenz mit verschiedenen Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch zu versorgen. Diese dienen dazu, den Pflegealltag von Ihnen und Ihrer Pflegeperson zu erleichtern. Bettschutzeinlagen gehören beispielsweise zu den sogenannten Pflegehilfsmitteln zum Verbrauch, genau wie Desinfektionsmittel und Handschuhe. Letztere Produkte können insbesondere für Ihre Pflegeperson eine große Hilfe darstellen. Denn sie vermeiden mögliche Infektionen, die durch Berührung mit dem Stuhl entstehen könnten. 

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Häufig gestellte Fragen

Was ist Stuhlinkontinenz?

Stuhlinkontinenz beschreibt den Austritt von Gasen, dünnflüssigem oder festem Stuhl, der nicht kontrolliert werden kann. Stuhlinkontinenz wird auch Darminkontinenz genannt. Grundsätzlich sind Frauen aufgrund anatomischer Ursachen und in Folge von Geburten häufiger betroffen als Männer. Zudem steigt das Risiko im Alter an, da die Gewebeelastizität und auch die Schließmuskulatur auf natürliche Weise abnimmt.

Was sollten Patienten bei Stuhlinkontinenz tun?

Bei Anzeichen einer Stuhlinkontinenz, sollte der erste Schritt sein, die Hilfe eines Arztes zu suchen. Auch, wenn es schwerfällt über das Thema Stuhlinkontinenz zu sprechen, weil es nach wie vor mit viel Scham verbunden ist. Dabei können Betroffene in vielen Fällen dank verschiedener Behandlungsmöglichkeiten sogar wieder kontinent werden. Der Arzt wird dem Betroffenen womöglich viele Fragen stellen, um die Ursache seiner Beschwerden zu ermitteln. Daher ist es ratsam, ein sogenanntes Stuhltagebuh zu führen. Dieses hilft auch dem Patienten dabei, sein eigenes Stuhlgangsverhalten kennenzulernen und Auffälligkeiten zu dokumentieren.

Welcher Arzt kann mir bei Stuhlinkontinenz helfen?

Grundsätzlich können Sie sich zunächst an Ihren Hausarzt wenden, falls Sie Stuhlinkontinenz-Symptome bei sich entdecken. Er kann schon erste Untersuchungen vornehmen und die Ursache ermitteln. Womöglich wird er Sie anschließend an einen Arzt mit Spezialwissen überweisen, der dabei hilft, eine Lösung zu finden. Dazu kommen Ärzte folgender Fachrichtungen in Frage:

  • Proktologe, bei Erkrankungen des Enddarmes
  • Chirurge, bei Erkrankungen des Darmes
  • Neurologe, bei Nervenschäden
  • Geriater, bei altersbedingter Stuhlinkontinenz

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Erstelldatum: 7102.60.22|Zuletzt geändert: 2202.10.4
(1)
Deutsche Kontinenz Gesellschaft
www.kontinenz-gesellschaft.de/fileadmin/user_content/startseite/patienten/krankheiten_therapien/stuhlinkontinenz/DKG_Stuhlink_05-14.pdf (letzter Abruf am 11.11.2021)
(2)
Inkontinenz Selbsthilfe e. V.
www.inkontinenz-selbsthilfe.com/stuhlinkontinenz (letzter Abruf am 11.11.2021)
(3)
Barmherzige Brüder Klinikum St. Elisabeth Straubing GmbH
www.klinikum-straubing.de/kontinenz-und-beckenbodenzentrum/unser-behandlungsangebot/stuhlinkontinenz.html (letzter Abruf am 11.11.2021)
(4)
Chirurgisches Zentrum Zürich Standort Klinik Hirslanden
www.hirslanden.ch/de/klinik-hirslanden/centers/chirurgisches-zentrum-zuerich/kompetenzen/mastdarm/stuhlinkontinenz.html (letzter Abruf am 11.11.2021)
(5)
Deutschsprachige Medizinische Gesellschaft für Paraplegiologie: S2k-Leitlinie zur Neurogene Darmfunktionsstörung bei Querschnittlähmung
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/179-004l_S2k_Neurogene-Darmfunktionsstoerung-Querschnittlaehmung_2019-10_1.pdf (letzter Abruf am 11.11.2021)
(6)
GKV-Hilfsmittelverzeichnis 2021
www.rehadat-gkv.de/produkt/index.html?pgnr=15&aonr=25&ugnr=10&produktId=15.25.10.0004&page=1&size=50 (letzter Abruf am 11.11.2021)
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Inkontinenz: Erfahrungsbericht aus der Beratung

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Franziska Baur
Im Interview
Franziska Baur
Examinierte Gesundheits- und Krankenpflegerin

Als Fachberaterin für Kontinenz berät und betreut sie seit mehreren Jahren die Kunden der PAUL HARTMANN AG zum Thema Inkontinenz und hilft Betroffenen, das optimale Produkt für ihre Inkontinenzversorgung zu finden.

Im Gespräch mit pflege.de erzählt die Kontinenzberaterin Franziska Baur von ihrer Erfahrung aus der Beratung. Sie teilt häufig gestellte Fragen und Tipps rund ums Thema Inkontinenz.

Frau Baur, Sie sind Beraterin für Kontinenz. Zu welcher Form von Inkontinenz beraten Sie am häufigsten?

Ich führe jeden Tag viele Beratungsgespräche. Am meisten berate ich ab der mittleren bis schweren Urininkontinenz.

Beraten Sie nur Menschen, die gerade erst inkontinent geworden sind oder auch Menschen mit langjähriger Inkontinenz?

Ich spreche sowohl mit Inkontinenz-Neulingen als auch langjährigen Inkontinenten.

Wozu müssen Sie in der Beratung am meisten aufklären? Was sind häufig gestellte Fragen von Betroffenen?

Häufig sprechen wir über die richtige Anwendung der Produkte. Aber auch Produktauswahl und die finanzielle Frage, welche Kosten die Krankenkasse übernimmt, werden häufig besprochen. Ich erkläre häufig den Unterschied zwischen der gesetzlichen Zuzahlung und der wirtschaftlichen Aufzahlung.

Inkontinenz ist noch immer ein gesellschaftliches Tabu-Thema. Was sind aus Ihrer Erfahrung heraus die Gründe dafür?

Im Beratungsgespräch höre ich oft heraus, dass sich die Betroffenen schämen und deshalb ihre Erkrankung verschweigen. In ihren Köpfen herrscht das Bild „Nur kleine Kinder machen in die Hose“. Im Kindesalter haben wir Kontinenz als Fähigkeit erlernt, sie dann zu verlieren fühlt sich nach einem plötzlichen Kontrollverlust an. Vor allem Männer fühlen sich nicht mehr als Mann, wenn sie inkontinent werden.

Wir sollten als Gesellschaft einfach viel mehr über das Thema Inkontinenz sprechen, weil es sehr viele Menschen betrifft.
Franziska Baur

Hat sich dahingehend etwas in den letzten Jahren getan?

Ja, ich denke, dass das Thema Inkontinenz in den letzten Jahren durch Werbung und Kommunikation vor allem präsenter geworden ist. Diese Maßnahmen sollen dazu beitragen, dass Inkontinenz gesellschaftstauglicher wird. Trotzdem bleibt das Schamgefühl bestehen.

Wieso unterscheidet sich der gesellschaftliche Umgang von Inkontinenz bei Männern von dem bei Frauen?

Weil Frauen Monatshygiene nutzen oder genutzt haben, sind sie es gewohnt, entsprechende Produkte zu verwenden. Männer haben größere Hemmungen darüber zu sprechen und nach Hilfe zu fragen. Viele denken, dass das nicht zum starken Geschlecht bzw. zur Männlichkeit passt.

Welchen Tipp haben Sie für Angehörige, die z. B. ihre Eltern sensibel auf das Thema ansprechen möchten?

Das ist eine gute Frage, die sich sicherlich nicht pauschal beantworten lässt. Ich halte es für wichtig, in dem Gespräch hervorzuheben, dass sie nicht allein in dieser Situation sind. Viele Menschen – besonders im höheren Alter – sind von Inkontinenz betroffen.

Hilfreich kann aber auch sein, konkrete Lösungsvorschläge zu liefern. Zum Beispiel eine Inkontinenzversorgung auf Rezept: Sie bietet Sicherheit im Alltag, so aktiv dieser auch sein mag. Auch finanzielle Vorteile können hier genannt werden. Zeigen Sie Ihren Eltern Produkte, die sie testen können. Die richtige Versorgung oder auch Behandlung ermöglicht ein normales, gesellschaftliches Leben.

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Wer klärt über die Behandlungsmöglichkeiten von Inkontinenz auf?

Im Regelfall macht das der behandelnde Arzt. Die Therapie richtet sich nämlich immer nach der Diagnose, weil es viele Ursachen für Inkontinenz gibt. Wichtig ist dafür, dass der Patient offen über seine Symptome spricht.

Ursachen von Inkontinenz sind vielfältig. Welche Therapieansätze gibt es?

Bei leichter bis mäßiger Stressinkontinenz ist regelmäßige Beckenbodengymnastik in jedem Alter erfolgsversprechend. Am Anfang sollte ein Physiotherapeut die Übungen erklären. Eine unterstützende Therapiemöglichkeit ist die Elektrostimulation. Elektrische Impulse stimulieren die Beckenbodenmuskulatur und stärken sie so.

Zu den Ursachen gehört manchmal auch Übergewicht. In diesem Fall kann hilfreich sein, durch eine ausgewogene Ernährung und ausreichend Bewegung gesund abzunehmen. Auch chronische Verstopfungen können Inkontinenz hervorrufen. Heftiges Pressen kann die Beckenbodenmuskulatur beeinflussen. Gegen Verstopfungen kann der Arzt bspw. stuhlregulierende Maßnahmen verschreiben.

Welche alltäglichen Ängste haben Menschen mit Inkontinenz?

Es gibt vielerlei Ängste, die oftmals mit dem Alltag außerhalb der eigenen Wohnung zusammenhängen. Zum Beispiel besteht die Sorge eines zu saugschwachen Inkontinenzproduktes oder der Geruchsentwicklung. Diskretion ist vor allem außerhalb der Wohnung ein großes Thema.

In der Studie „Breaking the Silence“ haben wir Folgendes herausgefunden:

40 % der Betroffenen meiden gesellschaftliche Anlässe, um ihre Inkontinenz zu verstecken. Das geht allerdings mit der Gefahr einher, zuhause zu vereinsamen.
Franziska Baur

Welche Tipps haben Sie für Betroffene, die ihren Alltag draußen verbringen und sich sicher fühlen wollen?

Betroffene sollten sich mit ihrer Inkontinenz auseinandersetzen und verschiedene Möglichkeiten für sich persönlich durchtesten. Nur so können sie letztlich ein Produkt wählen, welches genügend Saugleistung hat. Unterwegs ist es grundsätzlich hilfreich, Produkte zu verwenden, die leicht gewechselt werden können, z. B. in einer engen Kabine.

Da in vielen Herren-Toiletten noch keine Hygiene-Mülleimer stehen, kann es nützlich sein, eine kleine Plastiktüte für die Entsorgung mitzunehmen.

Zu welchen Pflegemaßnahmen raten Sie? Welche Pflegetipps geben Sie Betroffenen mit an die Hand?

Wenn über Inkontinenz gesprochen wird, sollte auch immer an eine gute und regelmäßige Intimhygiene mit passenden Produkten gedacht werden. Dazu gehört, die Haut zu beobachten. Die richtige Hautpflege ist wichtig, z. B. mit Hautschutzcremes, die speziell für Inkontinenzprodukte konzipiert sind.

Welche Fehler sind vermeidbar?

Ich höre im Gespräch leider immer wieder, dass viele Betroffene Babypflegeprodukte aus dem Drogeriemarkt verwenden. Diese Produkte sind nicht für die Bedürfnisse von reifer Haut konzipiert.

Außerdem wird oft die falsche und zu viel Creme im Intimbereich aufgetragen. Diese dichtet das Vlies des Inkontinenzmaterials ab und die Flüssigkeit kann nicht aufgenommen werden. Somit kommt es zu Ausläufen. Cremes zu verwenden ist zwar grundsätzlich wichtig, sie sollten aber sparsam aufgetragen werden.

Wie und wo sollten Betroffene am besten ihr Inkontinenzmaterial wechseln und entsorgen (lassen)? Wie regelmäßig muss das Material gewechselt werden?

Zuhause wechseln Betroffene das Material am besten auf der Toilette und entsorgen es im Badezimmer-Mülleimer, also im Hausmüll. Unterwegs sollten Betroffene, wie bei Monatshygieneprodukten auch, die ausgelegten Hygienebeutel benutzen.

Grundsätzlich gilt: Bei Stuhlinkontinenz muss das Produkt direkt nach einem unkontrollierten Stuhlabgang gewechselt werden. Bei Urininkontinenz zeigt der Nässeindikator am Produkt – sofern vorhanden – den richtigen Wechselzeitpunkt an.

Welche Tipps haben Sie für pflegende Angehörige, die sich um inkontinente Menschen kümmern?

An erster Stelle steht für mich Geduld und Einfühlungsvermögen. Angehörige sollten sich aber auch eingestehen, wenn sie bei der Pflege Unterstützung benötigen. Hilfe können sie sich z. B. durch einen Pflegedienst oder andere Angehörige holen.

Für den Umgang mit Inkontinenz sollten praktische Voraussetzungen geschaffen werden, wie z. B. das Bereitstellen eines Mülleimers im Badezimmer oder Einmalhandschuhe und Desinfektionsmittel für den pflegenden Angehörigen.

Pflegende Angehörige haben die Möglichkeit, spezielle Pflegeschulungen zu besuchen, in denen Sie über den praktischen Umgang mit Inkontinenz aufgeklärt werden.

Was raten Sie Betroffenen, die mit ihrer Situation als inkontinente Person nicht gut zurechtkommen?

Betroffene sollten eine Beratung in Anspruch nehmen, um ein sicheres Produkt zu bekommen. Es tut aber auch gut, sich dem Partner, Familienangehörigen und dem Freundeskreis zu öffnen und über seine Inkontinenz zu sprechen. Damit fällt das Thema Verheimlichen weg und macht die Situation leichter.

Betroffene können Hilfe und Verständnis auch in einer Selbsthilfegruppe finden. Ein großer Pluspunkt ist neben praktischen Tipps das Gefühl, nicht allein mit der Inkontinenz zu sein.

Danke für das Gespräch, Frau Baur.

Erstelldatum: 0202.10.6|Zuletzt geändert: 1202.01.8
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