Gewalt in der Pflege

Gewalt in der Pflege

Gewalterfahrungen in der Altenpflege gehören für viele Menschen zum Alltag. Pflegebedürftige ältere Menschen sind besonders gefährdet, Opfer von Gewalt zu werden. Oft sind sie körperlich schwach und können sich nicht mehr gut äußern. Altersschwache Menschen sind schutzbedürftig, deshalb wiegt der Einsatz von Gewalt in der Pflege schwer. Manchmal üben auch Pflegebedürftige Gewalt gegenüber Pflegern, pflegenden Angehörigen und anderen pflegebedürftigen Personen aus. Wie Gewalt in der Pflege aussehen kann und was Betroffene tun können, um sie zu verhindern, erfahren Sie bei pflege.de.

Inhaltsverzeichnis

Gewalt in der Pflege: Definition

Wenn über das Thema Gewalt in der Pflege berichtet wird, geht es meistens um Gewalt gegenüber pflegebedürftigen Menschen. Die Weltgesundheitsorganisation WHO definiert Gewalt gegenüber älteren Menschen so:

Unter Gewalt gegen ältere Menschen versteht man eine einmalige oder wiederholte Handlung oder das Unterlassen einer angemessenen Reaktion im Rahmen einer Vertrauensbeziehung, wodurch einer älteren Person Schaden oder Leid zugefügt wird.

Dabei hängt Gewalt von unserem subjektiven Empfinden ab. Gesellschaftliche und kulturelle Normen spielen eine große Rolle. So  hat Gewalt viele unterschiedliche Gesichter: Anschreien und ruppig sein zählt genauso zu Gewalt, wie jemanden aus Bequemlichkeit falsch anzuziehen oder ihn zu ignorieren. Manchmal ist die Anwendung von Gewalt gar nicht beabsichtigt oder wird nicht als solche verstanden. Wenn Pflegebedürftige der Gefahr ausgesetzt sind, sich selbst zu verletzen, kann zum Beispiel das Fixieren rechtlich und auch ethisch legitimiert sein. Oberste Priorität sollte aber immer die leibliche und geistige Unversehrtheit des Pflegebedürftigen und aller Pflegenden sein.

Gewalt in der Pflege schließt nicht nur unangemessene Tätigkeiten durch das Pflegepersonal oder durch pflegende Angehörige gegenüber Pflegebedürftigen ein. Gewalt in der Pflege wird ebenso ausgeübt durch:

  • Pflegebedürftige gegenüber Pflegepersonal oder pflegenden Angehörigen
  • Pflegebedürftige gegenüber anderen Pflegebedürftigen, zum Beispiel Mitbewohner eines Pflegeheims

Formen von Gewalt in der Pflege

Die Stiftung Zentrum für Qualität in der Pflege (ZQP) unterscheidet fünf Formen von Gewalt in der Pflege(1):

Gewalt in der Pflege: Beispiele

Um Gewalt vorzubeugen, muss die Wahrnehmung für die verschiedenen Formen von Gewalt bei allen Beteiligten geschärft werden. Folgende Beispiele verdeutlichen, wie unterschiedlich Gewalt in der Pflege aussehen kann, die vom Pflegepersonal oder einem pflegenden Angehörigen ausgeübt wird.

1. Körperliche Gewalt

Körperliche Gewalt zählt zu den schwerwiegendsten Formen der Gewaltausübung in der Pflege. Beispiele für körperliche Gewalt in der Pflege können sein:

  • grob oder zu fest anfassen, schlagen, kratzen, schütteln
  • unbequem hinsetzen oder hinlegen
  • unerlaubt oder häufig freiheitsentziehende Maßnahmen anwenden
  • unangemessen unterstützen, zum Beispiel zu schnell oder zu ruckartig
  • mit zu heißem oder zu kaltem Wasser waschen
  • beim Verbandswechsel oder der Versorgung eines Dekubitus unachtsam sein
  • zu schnelle Verabreichung von Nahrung: „stopfen“, keine Schluckpausen lassen
  • zum Essen zwingen
  • bei einer Inkontinenz zur Verwendung von Windeln oder Dauerkatheter zwingen, um nicht zur Toilette begleiten zu müssen
  • eigenmächtige Entfernung von Kotsteinen ohne Rücksprache mit dem behandelnden Arzt (Straftatbestand der vorsätzlichen Körperverletzung)
  • freiheitsentziehende Maßnahmen: anschnallen, festbinden, in einem Raum einschließen
  • Bettgitter oder Stecktische anwenden, ohne einen triftigen Grund zu haben
  • ungewünschte und nicht verordnete Medikamente geben, um die pflegebedürftige Person ruhig zu stellen
  • absichtlich Hindernisse in den Raum stellen, um den Bewegungsradius der Person einzuschränken
  • Nahrungs- und Flüssigkeitsentzug
  • Hilfsmittel wie Klingel, Brille, Prothese oder Gehstock wegnehmen

2. Psychische Gewalt und falsche Kommunikation

Beispiele für psychische Gewalt in der Pflege oder eine falsche Kommunikation können sein:

  • unangemessenes Ansprechen: anschreien, schimpfen oder rügen
  • missachten oder ignorieren
  • über Tagesablauf, Beschäftigung oder Kontakte entscheiden
  • über den Kopf hinweg sprechen/nicht ausreden lassen
  • Bedürfnisse bagatellisieren, zum Beispiel durch Aussagen wie „Stellen Sie sich nicht so an“
  • unangemessene Sprache benutzen: Duzen, „Lätzchen“, „Pampers“
  • ein Zimmer betreten, ohne davor anzuklopfen
  • Blickkontakt vermeiden
  • die pflegebedürftige Person wie ein Kind ansprechen oder behandeln
  • religiöse Vorschriften missachten
  • die Nachtruhe stören, zum Beispiel wenn zwei Personen in einem Zimmer untergebracht sind und eine Person viel Betreuung braucht
  • Kontakte zu anderen Menschen erzwingen/verweigern

3. Vernachlässigung

Beispiele für Vernachlässigung in der Pflege können sein:

  • schlecht pflegen oder medizinisch versorgen, zum Beispiel mangelhafte Wundversorgung
  • unzureichend im Alltag helfen
  • emotionale Bedürfnisse übergehen
  • lange auf Hilfe warten lassen
  • Bewegung verweigern
  • schmutzige Kleidung nicht wechseln
  • nicht bei der Körperpflege unterstützen
  • „Gefährliche Pflege“: nicht richtig beaufsichtigen, beispielsweise beim Duschen
  • Zahnprothesen vorenthalten
  • falsch kleiden (nicht die eigene Wäsche, nicht wettergerecht oder einen fremden, ungewohnten Stil anziehen)
  • Gefahrenquellen ignorieren

4. Finanzielle Ausnutzung

Beispiele für die finanzielle Ausnutzung in der Pflege können sein:

  • unbefugt über persönliches Vermögen des Pflegebedürftigen verfügen
  • den Pflegebedürftigen zu Geldgeschenken überreden oder nötigen
  • Geld oder Wertgegenstände entwerten
  • über Finanzen der pflegebedürftigen Person bestimmen, zum Beispiel Geld vorenthalten
  • Informationen vorenthalten

5. Intime Übergriffe

Beispiele für intime Übergriffe können sein:

  • ungefragt Briefe für die pflegebedürftige Person öffnen
  • Hilfe bei der Körperpflege bei offener Tür leisten
  • Schamgefühle oder Intimsphäre verletzen
  • sexuelle Andeutungen machen
  • Intimkontakte verlangen oder erzwingen

Gewalt in der Pflege: Warum werden Pflegende gewalttätig?

Gewalt in der Pflege kann die unterschiedlichsten Ursachen haben. Einige Menschen wissen gar nicht, dass ihr Verhalten als unangemessen oder übergriffig verstanden werden kann, weil sie nicht richtig für das Thema sensibilisiert worden sind. Der Grund ist dann schlicht und ergreifend Unwissenheit und keinesfalls eine boshafte Absicht. Meistens kommen mehrere Faktoren zusammen, die dann erst alle zusammen „das Fass zum Überlaufen“ bringen.

Die Herausforderungen des Pflegeberufs

Der Pflegeberuf ist körperlich und mental anstrengend. Aktuell steht das Pflegesystem in Deutschland vor großen Herausforderungen. Es herrscht akuter Fachkräftemangel und der Beruf des Altenpflegers wird schlecht bezahlt. Daher gilt der Beruf des Altenpflegers als sehr unattraktiv. Das führt dazu, dass nur wenige Menschen eine Ausbildung als Altenpfleger beginnen. Auch ein Mangel an Pflegekompetenz wegen einer schlechten oder gar keiner Ausbildung gilt als ursächlich für Gewalt in der Pflege.

Info

Beruf Altenpfleger – kompetente Berufspraxis ist wesentlich für Gewaltprävention

Der Beruf des Altenpflegers ist anspruchsvoll. Altenpfleger müssen Kompetenzen wie verstehende Demenzdiagnostik oder gewaltfreie Kommunikation beherrschen. Altenpfleger müssen wissen, wie sie mit herausforderndem Verhalten von Pflegebedürftigen professionell umgehen und welche Techniken es für den Stressabbau gibt. Dies sind Grundvoraussetzungen für den Beruf. Pflegewissenschaftliche Studien zeigen, dass Professionalität und ein hohes Maß an Selbstreflexion wichtig für die Gewaltprävention sind.

Gewalt in der Pflege: Persönliche Motive für gewalttätiges Verhalten von Pflegenden

Ein hohes Aggressionspotenzial durch eigene Gewalterfahrungen erhöht das Risiko für gewalttätige Eskalationen in der Pflege. Suchterkrankung und gesundheitliche Probleme lassen Hemmschwellen sinken und begünstigen übergriffiges Verhalten. Entwickelt sich ein zu starkes Abhängigkeits- oder Dominanzverhältnis zwischen Pflegenden und Gepflegten kann es zu übertriebenen Erwartungshaltungen kommen.

Gewalt in der Pflege: Prävention & Maßnahmen für Pflegende

Aggressionen können konstruktiv geäußert werden, als Gefühl positiver Lebenskraft und Energie, zum zielgerichteten Handeln oder als Selbstschutz. Aggressionen können aber auch destruktiv sein und sich in Gewalt gegen andere äußern. Um Gewalt in der Pflege zu vermeiden, sollten Betroffene lernen, wie sie mit aufkeimenden aggressiven Gefühlen umgehen können.

Achten Sie auf Anzeichen der Überforderung. Diese können sich psychisch und körperlich äußern, zum Beispiel durch

  • ständiges Müde sein
  • innere Unruhe
  • Niedergeschlagenheit
  • Gereiztheit
  • Schlafstörungen
  • Kopfschmerzen
  • Rückenschmerzen
  • Herzrasen

Wenn Menschen ihre Angehörigen zuhause selbst pflegen, geraten sie oft in Situationen der Überforderung. Um gezielt Entlastung zu schaffen und drohende Eskalationen zu vermeiden, sollten Pflegebedürftige sich zu ihrer Pflegesituation beraten lassen. Über die persönlichen Ansprüche auf Pflegeleistungen und Möglichkeiten der Organisation und Unterstützung werden Betroffene in einer individuellen Pflegeberatung nach § 7a SGB XI kostenlos informiert.(2)

Tipp
Schenken Sie ihren Gefühlsreaktionen viel Aufmerksamkeit

Lernen Sie, Ungeduld, Enttäuschung, Frust oder Angst möglichst früh bei sich zu erkennen. Informieren Sie sich über kleine Entspannungstechniken und Ablenkstrategien, die Sie leicht in den Pflegealltag integrieren. Beobachten Sie einmal an sich selbst, welche Aufgaben bei Ihnen zu Anspannung führen und wie Sie solche Situationen ggf. meiden können. Das geht z. B., indem Sie entweder einen Kollegen bitten, die für Sie schwierige Aufgabe zu übernehmen oder – in der häuslichen Pflege – indem Sie einen ambulanten Pflegedienst für bestimmte pflegerische Aufgaben bestellen.

6 Entspannungstechniken für Pflegepersonen in kritischen Situationen

  1. Verlassen Sie rechtzeitig den Raum, wenn Sie merken, dass Sie die Wut überkommt.
  2. Wenden Sie sich von der Auslöser-Situation ab und schließen Sie die Augen. Atmen Sie ganz langsam zehn Mal tief durch und konzentrieren Sie sich auf das Zählen.
  3. Eine Abkühlung wirkt Wunder: Spritzen Sie sich Wasser ins Gesicht oder auf Ihre Unterarme.
  4. Zerknüllen Sie ein Papier und werfen es mit voller Wucht an eine Wand – dies aber bitte nicht in Anwesenheit des Pflegebedürftigen.
  5. Reden Sie regelmäßig mit anderen Menschen über das, was Sie ärgert oder traurig macht. Linderung verschafft nicht nur ein ausführliches Gespräch über Ihren Frust. Seinem Unmut Luft machen hilft vielen dabei, sich besser zu fühlen. Bitten Sie jemanden darum, einmal kurz Dampf abzulassen, ohne Wenn und Aber. Das kann wie ein reinigendes Gewitter wirken!
  6. Lassen Sie sich professionell beraten. Auf der Homepage des Zentrums für Qualität in der Pflege können Sie gezielt nach Angeboten für die ambulante oder stationäre Pflege suchen.
Info

Beratungseinsätze zur Pflege zuhause

Beratungseinsätze nach § 37.3 SGB X sind für Menschen gedacht, die einen Angehörigen zuhause pflegen und Pflegegeld beziehen.(3) Je nach Pflegegrad findet der Beratungseinsatz alle drei bis sechs Monate statt. Dabei werden Sie von einem Mitarbeiter eines Pflegedienstes besucht, der Sie zu Ihrer Situation als pflegender Angehöriger berät. Im Vordergrund stehen Fragen zur Beschaffung von Hilfsmitteln, Hebetechniken, Lagerungstechniken, Wohnraumanpassung und Fragen zu Höherstufungsanträgen. Fragen Sie Ihren Berater gezielt nach Entlastungsmöglichkeiten und Techniken des Stressabbaus.

Wieso Gewalt durch pflegende Angehörige entsteht

Viele pflegende Angehörige übernehmen die häusliche Pflege eines Familienmitglieds im plötzlichen Pflegefall spontan und ohne darauf vorbereitet zu sein. Für wie lange, ist in den meisten Fällen nicht absehbar. Im Durchschnitt beträgt die ambulante Pflege eines Angehörigen etwa zehn Jahre. In dieser Zeit ändert sich das Abhängigkeitsverhältnis zwischen dem Gepflegten und dem Pflegenden und das Leben im Alter allgemein.

Ein Rollenwechsel (zum Beispiel die Mutter, die „zum Kind“ wird, und die Tochter, die sie versorgt) kann für beide Seiten belastend sein. In einigen Fällen drohen Konflikte aus früheren Zeiten wieder auszubrechen. Das Risiko, den Gepflegten für Vergehen aus der Vergangenheit büßen zu lassen, steigt, wenn das Verhältnis der Beteiligten in der Vergangenheit belastet war.

Gewalt in der Pflege: Durch Wissen vorbeugen

Unzureichendes Wissen über die bestehenden Pflegetechniken spielt eine große Rolle bei der Entstehung von Gewalt in der Pflege im häuslichen Umfeld. Wer beispielsweise nicht weiß, wie man eine Person rückenschonend aus dem Bett bewegt (zum Beispiel mittels kinästhetischer Mobilisation) oder wie er sie beim Duschen unterstützt, der setzt seinen Körper unnötigerweise einer hohen Belastung aus, was letztlich zu Stress und Gereiztheit führt.

Erschwerend hinzu kommt, dass Menschen, die die Pflege in der Häuslichkeit organisieren, weniger Möglichkeiten zum Abschalten und im schlimmsten Fall keine Kraft mehr für soziale Aktivitäten haben. Vereinsamung, beengte Wohnverhältnisse und finanzielle Probleme können weitere Stressoren sein, die Gewalt in der Pflege begünstigen.

Tipp
Holen Sie sich Unterstützung

Gehen Sie achtsam mit sich und Ihren Kräften um. Gönnen Sie sich auch mal eine Auszeit. Dazu können Sie vielerlei Angebote wahrnehmen, auf die Sie gesetzlichen Anspruch haben. Verhinderungspflege oder stundenweise Seniorenbetreuung sind mögliche Beispiele, die Sie bei Inanspruchnahme entlasten könnten. Diese Angebote ermöglichen es Ihnen, regelmäßige Besuche bei Freunden oder das Training im Sportclub einzuplanen. So schaffen Sie sich persönliche Auszeiten von der Pflege und etwas Zeit für Sie allein.

Eignen Sie sich auch das nötige Pflegewissen für Angehörige an. Nehmen Sie dazu beispielsweise auch das Angebot kostenloser Pflegekurse für Angehörige wahr, die die Pflegekasse pflegenden Angehörigen anbietet. Darin werden wichtige Fertigkeiten für eine eigenständige oder teilweise Durchführung der Pflege vermittelt. Das gibt Ihnen Sicherheit für Ihren Pflegealltag. Außerdem haben Sie in dem Rahmen die Möglichkeit, sich mit anderen pflegenden Angehörigen auszutauschen.

Gewalt in der Pflege: Wenn Pflegebedürftige aggressiv werden

Bewohner in Pflegeheimen geben mit dem Einzug einen großen Teil ihrer Selbstständigkeit auf. Viele Aktivitäten werden genau strukturiert, um einen reibungslosen Ablauf in der Einrichtung zu gewährleisten. Mittagessen um 12:00 Uhr, Bettruhe ab 22:00 Uhr, Duschen Donnerstagvormittag: Manche Bewohner haben ein Problem damit, wesentliche Aktivitäten des Tages nicht mehr selbst bestimmen zu können und entwickeln deswegen ein aggressives Verhalten.

Als störend kann auch der unfreiwillige Kontakt zu Mitbewohnern oder Pflegern im Pflegeheim empfunden werden. Aggressives Verhalten von Pflegeheimbewohnern tritt häufig bei der Körperpflege oder bei Körperkontakt auf. Nach einem aggressiven oder gewalttätigen Übergriff ist das Verhältnis zwischen den Beteiligten häufig beeinträchtigt.

Gewalt durch Pflegebedürftige zuhause

Auch wenn Menschen zuhause gepflegt werden, sind sie vor Frustration ob des Verlustes der Selbständigkeit nicht gefeit. Im familiären Umfeld ist Hilfebedürftigkeit für manche Menschen schwerer zu akzeptieren, als eine professionelle Dienstleistung eines Pflegedienstes in Anspruch zu nehmen.

Der bei Pflegetätigkeiten unvermeidliche Eingriff in die Intimsphäre bspw. bei der Hilfe zur Körperhygiene wird von manchen Betroffenen als entwürdigend empfunden. Nicht jeder Pflegebedürftige möchte sich bei der Intimhygiene von seinen Kindern helfen lassen. Überlegen Sie zusammen mit ihrem Angehörigen, was für Sie beide in Ordnung ist und welche Aufgaben lieber von einem Pflegedienst übernommen werden sollten.

Aggressionen in der Pflege: Persönlichkeitsveränderung durch Krankheiten

Aggressive Verhaltensmuster können auch durch das Vorliegen bestimmter Krankheiten bedingt werden: Eine frontotemporale Demenz geht beispielsweise mit einer erheblichen Persönlichkeitsveränderung und aggressivem Verhalten einher. Bei Erkrankungen wie Alzheimer, Chorea Huntington, Multi-Infarkt-Demenz, Epilepsie, Hirnverletzung oder Schlaganfällen wird die Steuerungsfunktion des Stirnhirns eingeschränkt. Das kann ungerichtete und unberechenbare aggressive Handlungen hervorrufen. Auch Depressionen im Alter führen in einigen Fällen zu aggressivem Verhalten.

Manche Erkrankte verlieren ihre natürliche Hemmschwelle komplett und bringen zum Beispiel ihr sexuelles Verlangen sehr direkt zum Ausdruck. Für Pfleger stellen solche Situationen eine Herausforderung dar, besonders dann, wenn sie noch neu im Beruf sind. Unverarbeitete Erlebnisse in der Biografie können das Gewaltpotenzial von pflegebedürftigen Menschen im hohen Alter steigern.

Pflegebedürftige Personen lassen ihre negativen Emotionen und Aggressionen manchmal auch an anderen Pflegebedürftigen aus, beispielsweise an anderen Bewohnern einer Pflegeeinrichtung.

Tipp
Besonnen reagieren: So können Sie Aggressionen von Pflegebedürftigen reduzieren
  1. Versuchen Sie herauszufinden, was die Ursache für das Verhalten des Pflegebedürftigen ist. Hat derjenige vielleicht Schmerzen oder Angst oder empfindet er Scham?
  2. Machen Sie sich mit den Gewohnheiten, dem Lebensweg, den Bedürfnissen und Wünschen des Pflegebedürftigen vertraut. Wenn Sie erst einmal wissen, was den Pflegebedürftigen aggressiv macht, können Sie kritische Situationen ggf. im Vorhinein umgehen.
  3. Bleiben Sie freundlich, aber bestimmt. Reden sie bedächtig und bewegen Sie sich ruhig. Versuchen Sie, die ruhige Stimmung durch Blickkontakt auf die pflegebedürftige Person zu übertragen. So entschärfen Sie bedrohliche Situationen.
  4. Bringen Sie Gegenstände aus der Reichweite des Pflegebedürftigen, mit denen er schlagen oder werfen könnte.
  5. Bieten Sie eine Lösung für akute Probleme an: Das können Medikamenten gegen Schmerzen sein oder einfach die Ermunterung, zur Toilette zu gehen.
  6. Holen Sie sich Hilfe. Versuchen Sie nicht, allein mit der Situation fertig zu werden, sondern fragen Sie jemanden, Sie dabei zu unterstützen.
  7. Melden Sie jeden gewalttätigen Vorfall Ihrem Vorgesetzten und dokumentieren Sie die Situation sachlich und klar.

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Erstelldatum: 8102.90.6|Zuletzt geändert: 1202.60.4
(1)
Report "Gewaltprävention in der Pflege" (2017) des Zentrums für Qualität in der Pflege (ZQP)
www.zqp.de/wp-content/uploads/Report_Gewalt_Praevention_Pflege_Alte_Menschen.pdf (letzter Abruf: 04.06.2021)
(2)
Sozialgesetzbuch XI, § 7a
https://dejure.org/gesetze/SGB_XI/7a.html (letzter Abruf: 04.06.2021)
(3)
Sozialgesetzbuch XI, § 37
www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__37.html (letzter Abruf: 04.06.2021)
(4)
Bildquelle
© yupachingping / Fotolia.com
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