Themenwelt

Schlaganfall

Jedes Jahr erleiden rund 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall, etwa 200.000 davon zum ersten Mal. Der sogenannte Apoplex ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland. Er tritt in der Regel plötzlich auf und kann von kaum spürbaren bis hin zu schweren, langfristigen Folgen reichen.

pflege.de gibt Ihnen hier einen kurzen Überblick mit den wichtigsten Infos zum Thema Schlaganfall. Weiterführende Infos finden Sie in unseren einzelnen Schlaganfall-Ratgebern.

Schlaganfall im Überblick

Inhaltsverzeichnis

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Schlaganfall: Definition

Ob Hirnschlag, Hirninfarkt, Apoplex oder Schlaganfall – alle Bezeichnungen meinen dasselbe: Bei einem Schlaganfall fallen Hirnfunktionen plötzlich aus.(1)

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Schlaganfall: Ursachen und Risikofaktoren

Die Ausfälle bei einem Schlaganfall entstehen durch eine akute Unterversorgung von Teilen des Gehirns mit Blut und damit Sauerstoff.

Ein Schlaganfall kann zwei mögliche Ursachen haben:(2)

  1. Eine Durchblutungsstörung im Gehirn
  2. Eine Hirnblutung

Begünstigt werden beide Ursachen durch verschiedene Risikofaktoren. Manche davon lassen sich nicht beeinflussen, andere hingegen schon. Tatsächlich gelten etwa 80 % aller Schlaganfälle als vermeidbar.(3)

Was Sie tun können, um Ihr persönliches Schlaganfall-Risiko zu senken, erfahren Sie in unserem Ratgeber Schlaganfall vorbeugen.

Experten-Info

Auch junge Menschen leiden zunehmend an Erkrankungen, die mit einem erhöhten Schlaganfall-Risiko einhergehen, wie Nikotinsucht, Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörungen.   

Dr. med. Christian  Saß
Facharzt für Neurologie

Schlaganfall-Arten

Man unterscheidet zwei Arten:(4)

  1. Ischämische Schlaganfälle werden ausgelöst durch ein Blutgerinnsel oder eine Arterienverkalkung, die ein Gefäß im Gehirn verschließt.
  2. Hämorrhagische Schlaganfälle werden ausgelöst durch eine Hirnblutung, häufig infolge von Bluthochdruck oder blutverdünnenden Medikamenten.

Ischämischer Schlaganfall

In den meisten Fällen lösen Durchblutungsstörungen im Gehirn einen Schlaganfall aus (ischämischer Schlaganfall).

Eine Durchblutungsstörung entsteht aufgrund eines Blutgerinnsels oder aufgrund einer Arterienverkalkung (fachsprachlich Arteriosklerose).

Durch Veränderungen kleiner Gefäße im Gehirn, Verengungen hirnversorgender Gefäße oder Vorhofflimmern im Herzen kann es zu einem Gefäßverschluss im Gehirn kommen.

In der Folge werden manche Hirnareale unzureichend mit Sauerstoff versorgt. Schlaganfälle aufgrund einer Mangeldurchblutung machen etwa 80 % aller Schlaganfälle aus.(4)

Hämorrhagischer Schlaganfall bei Hirnblutung

Rund 20 % aller Schlaganfälle werden durch Hirnblutungen hervorgerufen (hämorrhagischer Schlaganfall), beispielsweise im Rahmen einer Hypertonie oder durch die Einnahme blutverdünnender Medikamente.

Es gibt zwei Arten von Hirnblutungen: Entweder blutet es direkt ins Gehirngewebe, oder eine geplatzte Ader sorgt dafür, dass Blut zwischen die Hirnhäute läuft. Letzteres macht sich häufig durch einen plötzlichen, heftigen Kopfschmerz bemerkbar.

Eine Hirnblutung schädigt den von ihr betroffenen Teil des Gehirns unmittelbar.

Der Bluterguss kann zudem auf gesundes Gehirngewebe drücken und es schädigen.(4)

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Schlaganfall: Symptome und Schweregrade

Ein Schlaganfall tritt meist ohne Vorwarnung auf.

Da sich die Nervenbahnen im Körper kreuzen, zeigen sich die Symptome in der Regel auf der gegenüberliegenden Körperseite. Ein Kribbeln in der linken Hand kann beispielsweise auf einen Schlaganfall in der rechten Hirnhälfte hindeuten.

Man unterscheidet drei Schweregrade:

  1. Leichter Schlaganfall (kurz TIA): Symptome bilden sich innerhalb von 24 Stunden zurück, gelten aber als Warnzeichen für einen schweren Schlaganfall.
  2. Stiller Schlaganfall: Bleibt oft unbemerkt, da unauffällige Hirnareale betroffen sind.
  3. Schwerer Schlaganfall: Größere und relevante Hirnareale sind betroffen, die Folgen sind oft gravierend und nicht immer vollständig rückbildbar.

Da jede Minute zählt, ist es wichtig, dass Sie die typischen Warnzeichen eines Schlaganfalls kennen und im Zweifel sofort handeln. In unserem Ratgeber Schlaganfall-Symptome erkennen erfahren Sie, worauf Sie konkret achten sollten.

Schlaganfall: Test und Diagnose

Ein Schlaganfall ist nicht immer sofort als solcher erkennbar.

Bei jedem Verdacht gilt: Sofort die 112 rufen. Im Krankenhaus wird zunächst geklärt, ob eine Durchblutungsstörung oder eine Blutung die Ursache ist.

Nur wenn diese Frage schnell beantwortet ist, kann gezielt behandelt werden. Idealerweise auf einer spezialisierten Stroke Unit.

In unserem Ratgeber Tests und Diagnose bei Schlaganfall erfahren Sie, welche Untersuchungen im Detail durchgeführt werden und was Sie im Akutfall beachten sollten.

Therapie und Reha nach einem Schlaganfall

Die Behandlungschancen sind am besten, wenn Schlaganfall-Patienten innerhalb der ersten Stunden versorgt werden.

Je nach Ursache kommen unterschiedliche Verfahren zum Einsatz:

  • Medikamentöse Behandlung zur Auflösung der Durchblutungsstörung.
  • Operative Verfahren, etwa zum Stoppen einer Hirnblutung oder zur Wiedereröffnung eines verschlossenen Gefäßes.

Nach der Akutbehandlung beginnt für viele Betroffene eine intensive Reha-Phase, in der verlorene Fähigkeiten wie Sprechen, Gehen oder Greifen wieder trainiert werden.

In unserem Ratgeber Schlaganfall-Behandlung & Reha erfahren Sie, welche Therapie-Formen es gibt und wie der Weg zurück in den Alltag gelingen kann.

Tipp
Darum ist eine Patientenverfügung sehr wichtig

Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken. Dieses Dokument entlastet zudem Ihre Angehörigen von schwierigen Entscheidungen, vermeidet Missverständnisse und schützt vor unerwünschter Über- oder Unterbehandlung. Nutzen Sie hierfür gerne die kostenlose Vorlage von pflege.de.

Bonus
Formular Patientenverfügung
  • PDF-Formular als Vorlage für Ihre Patientenverfügung
  • Online ausfüllen oder ausdrucken
  • Mit den Textbausteinen vom Justizministerium

Folgen nach einem Schlaganfall

Je nachdem, welcher Hirnbereich betroffen ist, können die Folgen eines Schlaganfalls sehr unterschiedlich ausfallen. Von kaum spürbaren Einschränkungen bis hin zu schweren, bleibenden Beeinträchtigungen.

Viele Betroffene sind nach einem Hirninfarkt auf Unterstützung im Alltag angewiesen. Etwa ein Viertel bleibt nach einem Schlaganfall dauerhaft pflegebedürftig.(3)(5)

In unserem Ratgeber Folgen eines Schlaganfalls erfahren Sie, welche Beeinträchtigungen je nach betroffener Hirnregion typisch sind und welche Mittel und Wege es gibt, um den Pflegealltag zu erleichtern.

Tipp
Prüfen Sie Ihren möglichen Anspruch auf Unterstützung nach einem Schlaganfall

Sind Sie oder eine Person in Ihrem Umfeld nach einem Schlaganfall auf fremde Unterstützung im Alltag angewiesen, besteht möglicher Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung. Grundvoraussetzung hierfür ist ein anerkannter Pflegegrad. Mit dem kostenlosen Pflegegradrechner von pflege.de können Sie den voraussichtlichen Pflegegrad berechnen.

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Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Schlaganfall? Einfach erklärt!

Ein Schlaganfall ist eine plötzlich auftretende Durchblutungsstörung im Gehirn (ischämischer Schlaganfall) oder Blutung in das Gehirn (hämorrhagischer Schlaganfall). Bei rund 80 Prozent aller Schlaganfall-Patienten kommt es zu einer plötzlichen Durchblutungsstörung im Gehirn. Je nach Bereich kann eine andere Funktion dabei in Mitleidenschaft gezogen werden. Rund 70 Prozent der Schlaganfall-Patienten leiden unter Langzeitfolgen wie zum Beispiel Sprachstörungen oder halbseitiger Lähmung.

Was ist ein Apoplex?

Ein Apoplex ist der medizinische Fachausdruck für Schlaganfall.

Was passiert bei einem Schlaganfall?

In 80 Prozent aller Schlaganfälle wird ein Blutgefäß im Gehirn durch ein Blutgerinnsel verschlossen. In der Folge wird das Gehirngewebe nur noch wenig oder gar nicht mehr durchblutet. In diesen Fällen kommt weniger oder kein Sauerstoff mehr ins Gehirn, wodurch die betroffenen Zellen im Gehirn absterben.

Welche Arten von Schlaganfall gibt es?

Es gibt zwei Arten von Schlaganfall: den ischämischen Schlaganfall und den hämorrhagischen Schlaganfall.

Was ist ein ischämischer Schlaganfall?

Ein ischämischer Schlaganfall tritt in 80 Prozent aller Schlaganfälle auf und ist die Folge einer Durchblutungsstörung des Gehirns.

Was ist ein hämorrhagischer Schlaganfall?

Ein hämorrhagischer Schlaganfall tritt in 20 Prozent aller Schlaganfälle auf und ist die Folge einer Blutung in das Gehirn.

Was ist ein Hirninfarkt?

Ein Hirninfarkt (auch Hirnschlag) ist ein anderes Wort für ischämischer Schlaganfall. Hier ist die Ursache eine Durchblutungsstörung des Gehirns durch Arteriosklerose (Arterienverkalkung).

Was ist ein Gehirnschlag?

Ein Gehirnschlag (auch Hirnschlag) ist ein anderes Wort für ischämischer Schlaganfall. Hier ist die Ursache eine gestörte Durchblutung des Gehirns durch Arteriosklerose (Arterienverkalkung).

Was ist eine Hirnblutung?

Eine Hirnblutung ist ein anderes Wort für hämorrhagischer Schlaganfall. Hier ist die Ursache eine Blutung in das Gehirn.

Was ist ein stiller/stummer Schlaganfall?

Ein stiller oder auch stummer Schlaganfall wird vom Betroffenen kaum bis gar nicht bemerkt. Dies kann zum Beispiel dann der Fall sein, wenn der Schlaganfall einen Bereich im Gehirn trifft, in dem keine kritischen Funktionen (wie zum Beispiel Sprechen oder Sehen) angesiedelt sind.

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Erstelldatum: 7102.90.5|Zuletzt geändert: 6202.70.7
(1)
Stiftung Deutsche Schlaganfall-Hilfe (ohne Jahr): Was ist ein Schlaganfall?
www.schlaganfall-hilfe.de/de/verstehen-vermeiden/was-ist-ein-schlaganfall (letzter Abruf am 07.07.2026)
(2)
Klinik für Neurologie und Neurophysiologie am Universitätsklinikum Freiburg (ohne Jahr): Schlaganfall: Ursachen, Symptome und Diagnose in Freiburg
www.uniklinik-freiburg.de/neurologie/behandlung/schlaganfall/ursachen-symptome-diagnose.html (letzter Abruf am 07.07.2026)
(3)
Deutsche Schlaganfallbegleitung (DSB) gGmbH (2026): Schlaganfall: Zahlen, Daten, Fakten
https://schlaganfallbegleitung.de/wissen/schlaganfall-fakten (letzter Abruf am 07.07.2026)
(4)
Bundesministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz (BMASGPK) (2020): Schlaganfall: Was ist das?
www.gesundheit.gv.at/krankheiten/gehirn-nerven/schlaganfall/formen.html (letzter Abruf am 07.07.2026)
(5)
C. Roth-Sackenheim (2020): Wir wollen und wir können das!
https://pmc.ncbi.nlm.nih.gov/articles/PMC7652051/ (letzter Abruf am 07.07.2026)
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Interview

„Das Alter per se ist ein Risikofaktor für Schlaganfall“

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Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz
Im Interview
Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz

Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz ist Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und leitet die Klinik für Neurologie am Evangelischen Klinikum in Bielefeld.

Ist der Schlaganfall wirklich eine typische Krankheit im Alter? Wenn ja, wie kann man sich bestmöglich davor schützen, um das eigene Schlaganfall-Risiko so gering wie möglich zu halten? Und falls man doch von einem Schlaganfall betroffen ist – wie stehen die Therapiechancen? pflege.de sprach im Interview mit Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz von der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft.

Lieber Herr Schäbitz, wie würden Sie einen Schlaganfall einem 10-jährigen Kind oder einer 90-jährigen Person erklären? Also möglichst einfach und verständlich.

Prof. Dr. Schäbitz: Ein Schlaganfall ist sozusagen eine Durchblutungsstörung des Gehirns mit der Folge, dass die Funktion der nicht richtig durchbluteten Gehirnareale gestört ist. Diese Funktionsstörung führt wiederum zu Symptomen wie Lähmungen, Sehstörungen, Sprachstörungen und so weiter – den typischen Folgen eines Schlaganfalls.

Der Schlaganfall wird oft zu den häufigsten Krankheiten im Alter gezählt. Ist er aber wirklich eine typische Alterskrankheit? Ein Schlaganfall trifft ja auch junge Menschen.

Prof. Dr. Schäbitz: Ja, man kann schon sagen, dass ein Schlaganfall häufiger im fortgeschrittenen Alter auftritt. In über 50 Prozent der Fälle trifft es über 65-Jährige, in rund 15 Prozent sind Personen unter 40/45 Jahren betroffen. Also gar nicht so wenige Personen, die bereits in jungen Jahren einen Schlaganfall erleiden.

Eine Person über 70 Jahre hat ein höheres Schlaganfall-Risiko als eine Person mit 60 Jahren.
Prof. Dr. med. Schäbitz

Was sind die typischen Risikofaktoren für einen Schlaganfall?

Prof. Dr. Schäbitz: Die Hauptrisikofaktoren für einen Schlaganfall sind Bluthochdruck und das sogenannte Vorhofflimmern. Andere Schlaganfall-Risikofaktoren, die weniger stark, aber dennoch relevant sind, sind Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel und Fettstoffwechselstörung. Wie ich schon sagte, steigt das Risiko für einen Schlaganfall mit dem Alter an. Wenn jemand älter als 70 Jahre ist, ist sein Risiko höher als bei einer Person mit 60 Jahren. Mit 80 Jahren ist das Risiko wiederum größer als mit 70 und so weiter. Das Alter per se ist schon ein Risikofaktor für einen Schlaganfall.

Ok, das heißt also: Welche Personengruppe hat das höchste Schlaganfall-Risiko?

Prof. Dr. Schäbitz: Eine ältere Person ab 70 Jahren mit Bluthochdruck und Diabetes mellitus und die raucht hat ein höheres Risiko an einem Schlaganfall zu erkranken als eine junge Person, die sich gesund ernährt, sich ausreichend bewegt, nicht raucht und keine anderen Risikofaktoren hat.

Da klingt ja schon einmal raus, dass eine gesunde Ernährung und viel Bewegung eine gute Prävention eines Schlaganfalls sind. Was sind Ihre persönlichen Praxistipps zur Prävention eines Schlaganfalls?

Prof. Dr. Schäbitz: Die besten Tipps zur Prävention eines Schlaganfalls sind letztendlich immer die Vermeidung von Risikofaktoren. Das heißt: Maßnahmen, die effektiv einem Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel und letzten Endes auch Diabetes vorbeugen und verhindern. Die Vermeidung dieser Faktoren und ein allgemein gesunder Lebensstil sind demnach die beste Prävention.

Dazu gehört im ersten Schritt, dass man sich vernünftig ernährt, das heißt eine balancierte, ausgewogene zum Beispiel mediterrane Diät zu sich führt. Also überwiegend Gemüse, nicht zu viel Fleisch, nicht zu viel Alkohol. Alkohol ist zwar nicht komplett verboten, aber nur in sehr geringen Mengen. Und natürlich ist ausreichende Bewegung sehr wichtig. 20 bis 30 Minuten Bewegung pro Tag, bei der man leicht schwitzt, ist ideal. Und wenn Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck vorliegen, sollte man die natürlich auch behandeln. Das sind so die Hauptregeln zur Prävention eines Schlaganfalls.

Sie sind Mitglied der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft, die auf ihrer Seite einen Schlaganfall-Risikotest anbietet. Damit sollen Personen ihr persönliches Schlaganfall-Risiko einschätzen können. Empfehlen Sie persönlich solche Tests?

Logo der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft

Prof. Dr. med. Schäbitz ist Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft

Prof. Dr. Schäbitz: Ja, diesen Selbsttest empfehlen wir ausdrücklich. Wissen Sie, diese Tests sind ja eine Art Screening. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung, aber jemand, der zum Beispiel familiär vorbelastet ist, vielleicht sogar den ein oder anderen Risikofaktor hat und älter wird, für den ist solch ein Test eine Chance. Wenn der Test auffällig ist, sollte er unbedingt immer zum Arzt gehen und dann können Risikofaktoren frühzeitig überprüft und entsprechende Behandlungen eingeleitet werden. Ich sehe einen solchen Test daher für jeden als Chance und empfehle den durchaus.

Zu welchem Arzt muss ich gehen um herauszufinden, ob ich schlaganfallgefährdet bin?

Prof. Dr. Schäbitz: Wenn Sie einen akuten Schlaganfall haben, müssen Sie immer sofort den Rettungsdienst beziehungsweise Notarzt (112) anrufen. Aber wenn es um die Beurteilung des möglichen Risikos geht, ist der erste Weg zum Hausarzt sinnvoll. Er macht die Risiko-Evaluation und untersucht, ob gegebenenfalls ein Bluthochdruck, Diabetes oder beispielsweise eine Herz-Rhythmus-Störung vorliegt. Der Hausarzt wird dann – wenn erforderlich – auch weitere Untersuchungen veranlassen wie zum Beispiel ein Ultraschall der Gehirnversorgung oder eine kardiologische Untersuchung und stellt entsprechende Überweisungen für Fachärzte aus.

Nicht immer ist ein Schlaganfall ja sofort als akuter Schlaganfall auffällig. Manchmal gibt es die sogenannten „stillen Schlaganfälle“, die weder von Betroffenen noch von deren Umfeld als solche erkannt werden. Wie kann man das medizinisch erklären, dass man rein gar nichts davon mitbekommt?

Prof. Dr. Schäbitz: Es ist schon so, dass auch die stillen Schlaganfälle – oder wie wir sagen „stummen Schlaganfälle“ – mild ausgeprägte Symptome zeigen. Diese Symptome werden jedoch häufig nicht als Schlaganfall-Symptom bewertet, daher bleiben sie „still“. Das kann zum Beispiel mal ein kurzer Schwindel oder mal ein Kribbeln sein. Es kann auch mal ein Kopfschmerz sein oder wenn mal beim Zeitunglesen die Hand ein bisschen wackelt.

Dass ein „stiller Schlaganfall“ gar keine Symptome verursacht, ist eher selten der Fall. Meistens werden die Symptome einfach gar nicht bemerkt, weil stille Schlaganfälle in aller Regel kleinere Schlaganfälle sind, die letzten Endes keine Funktionsstörung verursachen. Damit sind stille Schlaganfälle natürlich prinzipiell auch als gutartiger zu bewerten als schwere Schlaganfälle.

Das heißt, dass „stille Schlaganfälle“ dann Hirnareale treffen, die nicht so bedeutende Funktionen haben wie andere Areale und die Funktionsstörungen daher nicht so gravierend sind?

Prof. Dr. Schäbitz: Genau so ist es.

Wie viele Schlaganfälle bleiben unentdeckt beziehungsweise „still“ oder „stumm“?

Prof. Dr. Schäbitz: Da gibt es nicht wirklich verlässliche Daten bedingt durch die Tatsache, dass Betroffene die Symptome nicht bemerken und demzufolge nicht zum Arzt gehen und nicht untersucht werden.

Ich gehe aber davon aus, dass das schon eine niedrige, zweistellige Prozentzahl sein muss, 15 Prozent vielleicht. Aber ob es so viele sind, ist letztlich nur eine Vermutung.

Neben den stillen Schlaganfällen gibt es auch die schweren Schlaganfälle, die durchaus heftige und typische Symptome zeigen. Was sind Ihrer Erfahrung nach die fünf typischen Symptome, die ziemlich sicher auf einen Schlaganfall hindeuten?

Prof. Dr. Schäbitz: Da gibt es mehrere, die ich Ihnen gerne aufzähle:

  1. Eine Lähmung, zum Beispiel der Arme oder Beine.
  2. Eine Sprachstörung, also wenn der Patient auch einfache Sätze wie „Heute regnet es“ nicht mehr nachsprechen kann.
  3. Eine einseitige Lähmung des Gesichts wie ein hängender Mundwinkel. Wenn man zum Beispiel sieht, dass aus der einen Seite aus dem Mund Tee rausläuft oder so.
  4. Sensibilitätsstörungen wie zum Beispiel ein Kribbeln im Arm oder Bein.
  5. Koordinationsstörungen, die sich auch im Gang oder ähnlichem zeigen.

Kann ein Schlaganfall auch im Schlaf nachts auftreten?

Prof. Dr. Schäbitz: Ja, das passiert sogar gar nicht selten. Häufig tritt ein Schlaganfall in den frühen Morgenstunden auf, das hat einfach mit der circadianen Rhythmik (Anmerkung der Redaktion: Schlaf-Wach-Rhythmus) zu tun und das gibt es einfach.

Nun zum Thema Erste Hilfe bei Schlaganfall: Was ist das Wichtigste, was ich tun kann, wenn eine Person in meiner Familie, im Freundeskreis oder Umfeld einen Schlaganfall erleidet und ich einen solchen erkenne? Wie reagiere ich im Notfall richtig?

Prof. Dr. Schäbitz: Sie rufen sofort die 112. Das Wichtigste ist, dass der Rettungsdienst alarmiert wird und so schnell wie möglich Hilfe eintrifft. Am besten teilen Sie bereits am Telefon Ihren Verdacht auf einen Schlaganfall mit.

Erste Hilfe nach Schlaganfall? Das Wichtigste ist die Aktivierung des Rettungssystems mit großem Abstand zu allen anderen Maßnahmen.
Prof. Dr. med. Schäbitz

Und was kann ich in der Zeit tun, bis der Rettungsdienst eintrifft? Man soll dem Betroffenen meines Wissens ja auch nichts mehr zu trinken und zu essen geben, ihm gut zureden und auf keinen Fall seine Beine hochlagern.

Erstelldatum: 7102.01.62|Zuletzt geändert: 6202.50.6
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Bildquellen
Bild 1: © German Stroke Society, Bild 2: © istock.com/Highwaystarz-Photography, Bild 2: © Deutsche Schlaganfall Gesellschaft
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