Themenwelt Schlaganfall

Jedes Jahr erleiden knapp 270.000 Menschen in Deutschland einen Schlaganfall / Apoplex, rund 200.000 davon sind erstmalige Schlaganfälle. Das zeigt die Gefahr dieser Erkrankung: Ein Schlaganfall tritt erschreckend plötzlich auf und kann massive und langfristige Folgen haben. Dabei unterscheidet man zwischen einem leichten, schweren und einem sog. stillen Schlaganfall. Wie entsteht ein Schlaganfall und was sind mögliche Folgen eines Schlaganfalls? pflege.de gibt einen ausführlichen Überblick zum Schlaganfall, einer der häufigsten Krankheiten im Alter.

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Schlaganfall & Folgen: Leichter, schwerer & stiller Schlaganfall

Inhaltsverzeichnis

Definition Schlaganfall: Was ist ein Schlaganfall?

Hirnschlag, Hirninfarkt, Apoplex, Schlaganfall – alle Bezeichnungen meinen das Gleiche:

Eine plötzlich auftretende Durchblutungsstörung im Gehirn oder eine Blutung in das Gehirn.

Was aber passiert bei einem Schlaganfall? In 80 Prozent aller Fälle wird ein Blutgefäß im Gehirn durch ein Blutgerinnsel verschlossen. Der stete Blutstrom wird zum Rinnsal, versiegt vielleicht sogar völlig. Die Folge: Gehirngewebe wird plötzlich nur noch wenig oder gar nicht mehr durchblutet, erhält also weniger oder gar keinen Sauerstoff mehr. Die Zellen sterben ab und rund 70 Prozent der Schlaganfall-Patienten leiden an Langzeitfolgen wie z. B. Sprachstörungen oder halbseitiger Lähmung nach einem Apoplex. Die rasche Hilfe und Behandlung nach einem Schlaganfall ist deshalb so wichtig, um schnell reagieren zu können und die Durchblutungsstörung oder Blutung zu stoppen. Je mehr Zeit vergeht, d. h. je länger Gehirngewebe ohne Sauerstoff bleibt, desto gravierender können die Folgen eines Schlaganfalls sein.

Die zwei möglichen Ursachen für einen Schlaganfall sind

  1. Mangeldurchblutung aufgrund einer Arteriosklerose
  2. Hirnblutung

Die häufigste Schlaganfall-Ursache ist eine Durchblutungsstörung im Gehirn aufgrund einer Arteriosklerose (Arterienverkalkung). Dabei lagern sich innerhalb der Blutgefäße Fettstoffwechselprodukte ab und es kommt zu Verkalkungen der Blutgefäße. Diese Ablagerungen können sich losreißen und – vom Blutstrom fortgespült – z. B. im Gehirn kleinere Arterien verstopfen. Diese Durchblutungsstörung löst den Schlaganfall aus, weil manche Hirnareale nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt werden. Schlaganfälle aufgrund einer Mangeldurchblutung machen rund 80 Prozent aller Schlaganfälle aus.

Rund 20 Prozent aller Schlaganfälle werden durch Hirnblutungen hervorgerufen, etwa ausgelöst durch eine Kopfverletzung, z. B. nach einem Sturz, oder durch den Riss einer Arterie (z. B. bei Aneurysma, einer Gefäßaussackung).

Weitere Ursachen und Risikofaktoren eines Schlaganfalls finden Sie im Beitrag „Schlaganfall: Ursachen & Risikofaktoren vorbeugen“.

Symptome & Anzeichen eines Schlaganfalls

Ein Schlaganfall tritt meistens plötzlich auf – daher gibt es nur selten Vorboten, die auf einen Schlaganfall hindeuten. Erstes Anzeichen für einen Schlaganfall ist meist ein nahezu unerträglicher Kopfschmerz, gefolgt von Sprachstörungen, Schwindelgefühlen und Schluckstörungen. Alle Schlaganfall-Symptome werden durch den hohen Anstieg des Blutdrucks ausgelöst.

Schlaganfall: Symptome
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Schlaganfall: Symptome & Anzeichen

Daneben sind auch Lähmungserscheinungen, Taubheitsgefühl im Gesicht sowie Übelkeit typische Symptome eines Schlaganfalls. Nicht jeder Betroffene erlebt alle Symptome, zudem gibt es starke Unterschiede zwischen Frauen und Männern. Erfahren Sie mehr über Symptome, neurologische Ausfälle und Schlaganfall-Anzeichen im Beitrag „Schlaganfall: Symptome & Anzeichen erkennen“.

Schlaganfall: Test & Diagnose

Da ein Schlaganfall nicht immer mit typischen Symptomen einhergehen muss, ist er für Laien und Betroffene nicht immer sofort als solcher zu erkennen. Und dennoch ist es so wichtig, die Notsituation so schnell wie möglich zu erfassen und Hilfe zu rufen. Rufen Sie daher beim geringsten Verdacht sofort ärztliche Hilfe. Danach gilt es, die Ursache möglichst schnell zu identifizieren, d. h. herauszufinden, ob der Schlaganfall durch eine Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn ausgelöst wurde. Denn nur wenn die Ursache klar ist, kann der Schlaganfall schnell und effektiv therapiert werden. Weitere Informationen erhalten Sie im Beitrag „Schlaganfall: Test & Diagnose“.

Therapie, Reha & Behandlung eines Schlaganfalls

Die besten Erfolgschancen auf eine gute Rehabilitation haben Schlaganfall-Patienten, die innerhalb der ersten zwei bis drei Stunden nach dem Schlaganfall versorgt werden. Je nach Ursache des Schlaganfalls folgt eine medikamentöse Behandlung (sog. Lyse-Therapie) zur Auflösung der Durchblutungsstörung) oder eine Operation (um die Blutung im Gehirn zu stoppen und Blut abzusaugen). Meist werden Schlaganfall-Patienten auf einer separaten Station in der Klinik versorgt, sog. „Stroke Units“.

Schlaganfall: Therapie
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Schlaganfall: Behandlung, Therapie & Reha

Ein Schlaganfall zieht danach in der Regel eine langfristige medikamentöse Behandlung nach sich, um die Ursachen des Schlaganfalls zu behandeln. Zudem ist nach einem Schlaganfall sehr häufig eine Reha notwendig, bei der Betroffene je nach Folge des Schlaganfalls häufig das Sprechen und Gehen wieder lernen müssen. Mehr Details erfahren Sie im Beitrag „Schlaganfall: Therapie, Reha & Behandlung“.

Tipp

Das Risiko für einen erneuten Schlaganfall ist in den ersten 12 Monaten nach einem Schlaganfall besonders hoch. Um im Notfall schnelle Hilfe zu alarmieren und wertvolle Zeit zu gewinnen, haben sich Notrufsysteme bewährt, die Betroffene rund um die Uhr am Handgelenk tragen können.

Schlaganfall: Alter & Statistik

In welchem Alter tritt ein Schlaganfall typischerweise auf? Und sind mehr Frauen oder Männer von einem Schlaganfall betroffen? Ein höheres Lebensalter ist zwar einer der Risikofaktoren eines Schlaganfalls, doch auch jüngere Menschen und sogar Kinder im Mutterleib können einen Schlaganfall erleiden. Die Schlaganfall-Statistik weist nach, dass ca. fünf bis zehn Prozent der Schlaganfälle Menschen unter 50 Jahren treffen. Bei jungen Menschen liegen die Ursachen für einen Schlaganfall zumeist in einer Hirnblutung, wie sie nach einem Sturz oder einer Kopfverletzung beim Sport ausgelöst werden kann. Dies veranschaulichen ein paar Beispiele:

  • Schlaganfall mit 23 Jahren: Der Fußballspieler Dietmar Hamann erlitt mit 23 Jahren einen Schlaganfall. Im Krankenhaus stellten die Mediziner Lähmungen, Sprachstörungen und Durchblutungsstörungen in der linken Körperhälfte fest. Vier Stunden später waren alle Symptome abgeklungen, typisch für eine transitorische ischämische Attacke, kurz „TIA“ (s. u.). Dietmar Hamann hatte Glück und behielt keine Langzeitfolgen des Schlaganfalls. (Quelle)
  • Schlaganfall mit 43 Jahren: Die amerikanische Filmschauspielerin Sharon Stone musste mit 43 Jahren nach dem Apoplex das Gehen und das Sprechen wieder neu lernen.
  • Schlaganfall mit 47 Jahren: Die deutsche Schauspielerin und Komikerin Gaby Köster erlitt vor einigen Jahren einen schweren Schlaganfall, an dessen Folgen, einer halbseitigen Lähmung, sie bis heute leidet.

Ein Schlaganfall mit 20, 30 oder 40 Jahren ist keineswegs ungewöhnlich. Die Symptome eines Schlaganfalls bei jungen Menschen sind dabei nicht anders als bei älteren Menschen. Sie haben auch nichts mit dem Alter zu tun, sondern mit der Art (ischämischer oder hämorrhagischer Apoplex) und Schwere des Apoplex.

Ähnlich zu den Symptomen hängt die Therapie, Reha und Behandlung eines Schlaganfalls weniger vom Alter als vielmehr von der Schwere und der Art des Schlaganfalls ab.

 

Ischämischer Schlaganfall & hämorrhagischer Schlaganfall

Es gibt zwei Arten von Schlaganfall (Apoplex, Hirnschlag, Hirninfarkt): den ischämischen Schlaganfall und hämorrhagischen Schlaganfall.

  • Ischämischer Schlaganfall

Ein ischämischer Apoplex wird durch eine Mangeldurchblutung hervorgerufen, bei der ein Blutgerinnsel aufgrund einer Arteriosklerose (Arterienverkalkung) die Blutzirkulation im Gehirn verstopft oder ganz unterbricht. Damit kann das Blut nicht mehr ungehindert in die Arterien strömen und eine oder mehrere Hirnregionen erhalten zu wenig Sauerstoff.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ursache: Durchblutungsstörung des Gehirns durch Arteriosklerose
  • Folge: Unterversorgung mit Blut und Sauerstoff von Hirnregionen. Hirnzellen sterben ab.
  • Vorkommen: Mit rund 80 Prozent aller Schlaganfälle ist der ischämische Apoplex die häufigste Art aller Schlaganfälle.
  • Begriffsherkunft: „ischämie“ (griechisch) = „zurückhalten“
  • Hämorrhagischer Schlaganfall / Hirnblutung

Ein hämorrhagischen Apoplex wird durch eine Hirnblutung ausgelöst, etwa durch ein plötzlich reißendes Aneurysma, dem Platzen eines Blutgefäßes. Die Ursache für ein Aneurysma kann eine angeborene Missbildung sein, aber auch eine Schädigung der Gefäße durch Arteriosklerose ist möglich.

Durch das Platzen des Blutgefäßes entsteht ein Bluterguss innerhalb des Gehirns, der auf das umliegende Gewebe drückt und Hirnfunktionen stört. Das Wort „Hämorrhagie“ stammt aus dem Griechischen und bedeutet so viel wie „Austreten von Blut“. Auch bei schweren Hirnverletzungen, z. B. nach einem Unfall mit Schädel-Hirn-Trauma, kann als Folge ein Schlaganfall auftreten.

Das Wichtigste in Kürze

  • Ursache: Blutung in das Gehirn, Hirnblutung
  • Folge: Der Bluterguss im Gehirn drückt auf die angrenzenden Hirnregionen und schädigt die betreffenden Hirnfunktionen.
  • Vorkommen: Ein hämorrhagischer Schlaganfall ist seltener und kommt in rund 20 Prozent aller Schlaganfälle vor.
  • Begriffsherkunft: „hämorrhagie“ (griechisch) = „Austreten von Blut“
Tipp

Kaum ein Schlaganfall gleicht dem anderen. Wichtig ist immer, bereits bei den ersten Symptomen & Anzeichen sofortige ärztliche Hilfe zu holen, um die Folgen des Apoplex abzumildern. Nehmen Sie also ein Kribbeln im Arm oder plötzliche Sehstörungen ernst. In der Medizin gibt es eine Reihe von Tests und Diagnosen, die rasch Klarheit verschaffen.

Schlaganfall Schweregrade: leichter, stiller und schwerer Schlaganfall

1. Leichter Schlaganfall /transitorische ischämische Attacke / TIA-Schlaganfall

Wenn die Symptome eines Schlaganfalls innerhalb von 24 Stunden wieder verschwinden und nur ein kleines Gebiet im Gehirn betreffen, liegt ein leichter Schlaganfall bzw. kleiner Schlaganfall vor. Mediziner sprechen in diesem Fall von einer vorübergehenden (transitorischen) ischämischen Attacke (kurz: TIA). In den meisten Fällen des TIA-Apoplex ist nur ein kurzer Klinikaufenthalt nötig, allerdings oft auch die lebenslange Einnahme von Blutverdünnern, um das Risiko eines schweren Schlaganfalls zu senken.

Ein leichter Schlaganfall wird häufig auch „kleiner Schlaganfall“, „TIA-Schlaganfall“ oder „TIA-Apoplex“ oder „kleiner Hirnschlag“ bzw. „leichter Hirnschlag“ genannt.

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Wissenschaftler vermuten, dass eine leichte TIA sogar eine Art „Schutz“ gegen einen schweren Schlaganfall gewährt. Den bisherigen Forschungen zufolge könnte eine TIA das Hirngewebe dazu bringen, sich auf einen schweren Schlaganfall einzustellen.

Jeder vorübergehende TIA-Apoplex kann also Vorbote eines großen bzw. schweren Schlaganfalls sein. Achten Sie besonders auf leichte Einschränkungen wie z. B. Sehstörungen oder ein kurzes Kribbeln in Arm oder Bein. In jedem Falle sollte schnellstmöglich ein Arzt verständigt werden.

Info

Auf leichten Schlaganfall kann innerhalb von 12 Monaten ein schwerer Schlaganfall folgen

Mehr als 20 Prozent der Menschen, bei denen ein leichter Schlaganfall auftrat, erleiden innerhalb des folgenden Jahres auch einen schweren Schlaganfall. Daher ist es hilfreich, sein Umfeld für mögliche Symptome zu sensibilisieren und Hilfsmittel wie z. B. einen mobilen Notruf zu nutzen, damit man selbst oder Angehörige im Notfall schnell Hilfe alarmieren können.

2. Stiller Schlaganfall / unbemerkter Schlaganfall

Je nachdem, wo eine transitorische ischämische Attacke (TIA) im Hirn auftritt, sind die Folgen mal bemerkbar, mal nicht. Tatsächlich können auch scheinbar vollkommen gesunde Menschen bereits einen Schlaganfall erlitten haben, obwohl sie keine Symptome gezeigt haben. Oder die Symptome waren da, verschwanden aber nach kurzer Zeit wieder. Ursache eines stillen Schlaganfalls ist ebenso eine Durchblutungsstörung im Gehirn – einzig mit dem Unterschied, dass die Durchblutungsstörung unauffällige Hirnbereiche trifft und die Zellen dieser Bereiche absterben. Sofern das betroffene Hirnareal also nicht für das Sprechen oder Gehen zuständig ist, treten auch keine typischen Symptome auf und die Schäden bleiben zunächst unbemerkt.

Ein stiller, unbemerkter Schlaganfall lässt sich danach erst per bildgebender Diagnostik, z. B. mit einem CT oder MRT, feststellen. In einer Studie wurde nachgewiesen, dass jeder fünfte Betroffene, der wegen eines akuten Schlaganfalls im Krankenhaus war, bereits zuvor einen stillen, unbemerkten Schlaganfall erlitten hatte.

Bei einem stillen oder stummen Schlaganfall finden sich im CT oder MRT deutliche Zeichen eines Infarktes oder einer Blutung, auch noch lange Zeit nach dem Schlaganfall.

3. Schwerer Schlaganfall

Bei einem schweren Schlaganfall sind größere und vor allem relevante Bereiche des Gehirns von der Durchblutungsstörung teilweise oder ganz abgeschnitten. Es kommt zum Absterben vieler Gehirnzellen, die Folgen sind gravierend und zeigen sich meist in Lähmungen und Störungen, die manchmal nicht mehr zurückgebildet werden können.

Folgen eines Schlaganfalls

Die Folgen eines Schlaganfalls hängen demzufolge also ganz von den betroffenen Hirnregionen ab.

Ort der Durchblutungsstörung Folgen des Schlaganfalls (Auswahl)
Schlaganfall im Kleinhirn
  • Koordinationsstörungen
  • Gleichgewichtsstörungen
  • Zittern
Schlaganfall im Stammhirn
  • Sehstörungen
  • Schwindel
  • Erbrechen
  • unkontrollierte Bewegungen
  • Lähmungen an Arm und Bein
Schlaganfall im Ohr (Hörsturz)
  • Hörverschlechterung
  • Taubheit
  • Ohrgeräusche (Klingeln, Pfeifen, Rauschen)
  • Schwindel

Schlaganfall rechts / Schlaganfall links

Zudem hängen die Folgen eines Schlaganfalls davon ab, in welcher Gehirnhälfte der Schlaganfall auftritt. Als Folge des Schlaganfalls werden dann Funktionen gestört, die entweder in der rechten oder linken Gehirnhälfte angesiedelt sind. Weil sich die Hirnnerven aber überkreuzen, zeigen sich die Symptome immer an der gegenüberliegenden Körperhälfte. Ein Kribbeln in der linken Hand kann auf einen Schlaganfall in der rechten Hirnhälfte hindeuten. Ist nach dem Schlaganfall die rechte Seite gelähmt, so geschah der Apoplex in der linken Hirnhälfte.

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Außerdem verursacht ein Schlaganfall in der linken bzw. rechten Gehirnhälfte jeweils typische Folgen:

  • Schlaganfall links – Folgen:

Bei einem Schlaganfall in der linken Gehirnhälfte kommt es u. a. zu Sprachstörungen oder Sprachverlust.

  • Schlaganfall rechts – Folgen:

Bei einem Schlaganfall in der rechten Gehirnhälfte kommt es u. a. zu Orientierungsstörungen und Einschränkungen in der räumlichen Wahrnehmung. Außerdem kann es zu Persönlichkeitsveränderungen kommen, z. B. einer Depression. Auch der sog. „Neglect“, die Vernachlässigung einer Körperhälfte, kann Folge eines Schlaganfalls in der rechten Gehirnhälfte sein, weil die Wahrnehmung gestört ist. Dabei nehmen Betroffene eine Seite ihres Körpers und ihrer Umgebung nicht mehr richtig wahr.

Typische Folgen eines Schlaganfalls

Je nach Schweregrad und Lokation der Durchblutungsstörung oder Blutung im Gehirn, fallen die Symptome und Folgen eines Schlaganfalls ganz unterschiedlich aus. Einem Hirnschlag oder Apoplex folgen manchmal keine, manchmal sehr schwerwiegende Einschränkungen. Mal ist es nur eine vorübergehende leichte Gesichtslähmung (der hängende Mundwinkel), mal aber bleibt eine ganze Körperseite taub, die Sprache ist eingeschränkt oder sogar vollkommen verloren gegangen.

Die typischen Folgen eines Schlaganfalls sind:

  • Sprachstörungen, Schluckstörungen und Störungen der Nahrungsaufnahme
    Bei 70 Prozent der Betroffenen kommt es nach einem Schlaganfall zu Störungen beim Sprechen, Essen und Trinken, Kauen und Schlucken (Dysphagie). Manchmal sind die Störungen so schwerwiegend, dass die Betroffenen auf fremde Hilfe und Spezialnahrung wie z. B. Trinknahrung angewiesen sind.
  • Lähmungserscheinungen
    Eine häufige Folge von schweren Schlaganfällen sind auch Lähmungen, etwa des Gesichts oder einer Körperseite. (s. Absatz unten „Lähmung nach Schlaganfall)
  • Aufmerksamkeitsstörungen
    Aufmerksamkeitsstörungen sind ebenfalls häufig, z. B. mangelnde Konzentrationsfähigkeit.
  • Gedächtnisstörungen (nicht zu verwechseln mit einer Demenz)
  • Störungen der Sinnesempfindungen
    Manche Betroffene können nach einem Schlaganfall z. B. Kälte- und Wärmereize nicht mehr wahrnehmen oder unterscheiden.
  • Embolien, Lungenentzündung und Thrombosen nach Schlaganfall
    Bei schweren Schlaganfällen kann es zu weiteren Komplikationen kommen: Embolien und Lungenentzündungen, Thrombosen (in den Bein- und Beckenvenen) sowie auch zu Harnwegsinfekten.
  • Schwaches Immunsystem
    Der Körper und das Immunsystem des Schlaganfall-Patienten sind nach einem Apoplex stark geschwächt. Dabei können schon harmlose Infektionen schnell gefährlich werden.
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Lähmung & Epilepsie nach Schlaganfall

Zwei besondere Apoplex-Folgen sind die Epilepsie und Lähmung nach einem Schlaganfall:

  • Lähmung nach Schlaganfall / Hemiparese

Lähmungen, z. B. die typische unvollständige Halbseitenlähmung, die sog. Hemiparese, sind eine häufige Folge von Schlaganfällen. So können z. B. der linke Arm, das linke Bein gelähmt sein – der Mediziner spricht dann von „Apoplex mit Hemiparese links“.

Manchmal bilden sich diese Lähmungen auch unter Therapie und Reha nur unvollständig zurück. Bei fast der Hälfte aller Schlaganfall-Betroffenen kommt es zu dauerhaften Einschränkungen und einer Pflegebedürftigkeit nach dem Schlaganfall.

  • Epilepsie nach Schlaganfall

Tatsächlich kann ein Schlaganfall auch eine Epilepsie auslösen. Dieser Verdacht liegt dann nahe, wenn ein erster epileptischer Anfall innerhalb von sieben Tagen nach einem Schlaganfall auftritt. Gerade bei Schlaganfällen in der rechten Gehirnhälfte ist das Risiko einer Epilepsie laut Studien erhöht.

Verantwortlich dafür ist die Stelle im Gehirn, die vom Schlaganfall betroffen ist. Liegt sie nahe der Hirnrinde, steigt das Epilepsie-Risiko.

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Interview

„Das Alter per se ist ein Risikofaktor für Schlaganfall“

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Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz
Im Interview
Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz

Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz ist Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall-Gesellschaft und leitet die Klinik für Neurologie am Evangelischen Klinikum in Bielefeld.

Ist der Schlaganfall wirklich eine typische Krankheit im Alter? Wenn ja, wie kann man sich bestmöglich davor schützen, um das eigene Schlaganfall-Risiko so gering wie möglich zu halten? Und falls man doch von einem Schlaganfall betroffen ist – wie stehen die Therapiechancen? pflege.de sprach im Interview mit Prof. Dr. med. Wolf-Rüdiger Schäbitz von der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft.

Lieber Herr Schäbitz. Wie würden Sie einen Schlaganfall einem 10-jährigen Kind oder einer 90-jährigen Person erklären? Also möglichst einfach und verständlich.

Ein Schlaganfall ist sozusagen eine Durchblutungsstörung des Gehirns mit der Folge, dass die Funktion der nicht richtig durchbluteten Gehirnareale gestört ist. Diese Funktionsstörung führt wiederum zu Symptomen wie Lähmungen, Sehstörungen, Sprachstörungen usw. – den typischen Folgen eines Schlaganfalls.

Der Schlaganfall wird oft zu den häufigsten Krankheiten im Alter gezählt. Ist er aber wirklich eine typische Alterskrankheit? Ein Schlaganfall trifft ja auch junge Menschen.

Ja, man kann schon sagen, dass ein Schlaganfall häufiger im fortgeschrittenen Alter auftritt. In über 50 Prozent der Fälle trifft es über 65-Jährige, in rund 15 Prozent sind Personen unter 40/45 Jahren betroffen. Also gar nicht so wenige Personen, die bereits in jungen Jahren einen Schlaganfall erleiden.

Was sind die typischen Risikofaktoren für einen Schlaganfall?

Eine Person über 70 Jahre hat ein höheres Schlaganfall-Risiko als eine Person mit 60 Jahren.
Prof. Dr. med. Schäbitz

Die Hauptrisikofaktoren für einen Schlaganfall sind Bluthochdruck und das sog. Vorhofflimmern. Andere Schlaganfall-Risikofaktoren, die weniger stark, aber dennoch relevant sind, sind Diabetes, Rauchen, Bewegungsmangel und Fettstoffwechselstörung. Wie ich schon sagte, steigt das Risiko für einen Schlaganfall mit dem Alter an. Wenn jemand älter als 70 Jahre ist, ist sein Risiko höher als bei einer Person mit 60 Jahren. Mit 80 Jahren ist das Risiko wiederum größer als mit 70 usw. Das Alter per se ist schon ein Risikofaktor für einen Schlaganfall.

Ok, das heißt also: Welche Personengruppe hat das höchste Schlaganfall-Risiko?

Eine ältere Person ab 70 Jahren mit Bluthochdruck und Diabetes und die raucht hat ein höheres Risiko an einem Schlaganfall zu erkranken als eine junge Person, die sich gesund ernährt, sich ausreichend bewegt, nicht raucht und keine anderen Risikofaktoren hat.

Da klingt ja schon einmal raus, dass eine gesunde Ernährung und viel Bewegung eine gute Prävention eines Schlaganfalls sind. Was sind Ihre persönlichen Praxistipps zur Prävention eines Schlaganfalls?

Die besten Tipps zur Prävention eines Schlaganfalls sind letztendlich immer die Vermeidung von Risikofaktoren. Das heißt: Maßnahmen, die effektiv einem Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel und letzten Endes auch Diabetes vorbeugen und verhindern. Die Vermeidung dieser Faktoren und ein allgemein gesunder Lebensstil sind demnach die beste Prävention.

Dazu gehört im ersten Schritt, dass man sich vernünftig ernährt, d. h. eine balancierte, ausgewogene z. B. mediterrane Diät zu sich führt. Also überwiegend Gemüse, nicht zu viel Fleisch, nicht zu viel Alkohol. Alkohol ist zwar nicht komplett verboten, aber nur in sehr geringen Mengen. Und natürlich ist ausreichende Bewegung sehr wichtig. 20 bis 30 Minuten Bewegung pro Tag, bei der man leicht schwitzt, ist ideal. Und wenn Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck vorliegen, sollte man die natürlich auch behandeln. Das sind so die Hauptregeln zur Prävention eines Schlaganfalls.

Sie sind Mitglied der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft, die auf ihrer Seite einen Schlaganfall-Risikotest anbietet. Damit sollen Personen ihr persönliches Schlaganfall-Risiko einschätzen können. Empfehlen Sie persönlich solche Tests?

Deutsche Schlaganfall Gesellschaft

Prof. Dr. med. Schäbitz ist Pressesprecher der Deutschen Schlaganfall Gesellschaft

Ja, diesen Selbsttest empfehlen wir ausdrücklich. Wissen Sie, diese Tests sind ja eine Art Screening. Sie ersetzen keine ärztliche Untersuchung, aber jemand, der z. B. familiär vorbelastet ist, vielleicht sogar den ein oder anderen Risikofaktor hat und älter wird, für den ist solch ein Test eine Chance. Wenn der Test auffällig ist, sollte er unbedingt immer zum Arzt gehen und dann können Risikofaktoren frühzeitig überprüft und entsprechende Behandlungen eingeleitet werden. Ich sehe einen solchen Test daher für jeden als Chance und empfehle den durchaus.

Zu welchem Arzt muss ich gehen um herauszufinden, ob ich schlaganfallgefährdet bin?

Wenn Sie einen akuten Schlaganfall haben, müssen Sie immer sofort den Rettungsdienst bzw. Notarzt (112) anrufen. Aber wenn es um die Beurteilung des möglichen Risikos geht, ist der erste Weg zum Hausarzt sinnvoll. Er macht die Risiko-Evaluation und untersucht, ob ggf. ein Bluthochdruck, Diabetes oder beispielsweise eine Herz-Rhythmus-Störung vorliegt. Der Hausarzt wird dann – wenn erforderlich – auch weitere Untersuchungen veranlassen wie z. B. ein Ultraschall der Gehirnversorgung oder eine kardiologische Untersuchung und stellt entsprechende Überweisungen für Fachärzte aus.

Nicht immer ist ein Schlaganfall ja sofort als akuter Schlaganfall auffällig. Manchmal gibt es die sog. „stillen Schlaganfälle“, die weder von Betroffenen noch von deren Umfeld als solche erkannt werden. Wie kann man das medizinisch erklären, dass man rein gar nichts davon mitbekommt?

Es ist schon so, dass auch die stillen Schlaganfälle – oder wie wir sagen „stummen Schlaganfälle“ – mild ausgeprägte Symptome zeigen. Diese Symptome werden jedoch häufig nicht als Schlaganfall-Symptom bewertet, daher bleiben sie „still“. Das kann z. B. mal ein kurzer Schwindel oder mal ein Kribbeln sein. Es kann auch mal ein Kopfschmerz sein oder wenn mal beim Zeitunglesen die Hand ein bisschen wackelt.

Dass ein „stiller Schlaganfall“ gar keine Symptome verursacht, ist eher selten der Fall. Meistens werden die Symptome einfach gar nicht bemerkt, weil stille Schlaganfälle in aller Regel kleinere Schlaganfälle sind, die letzten Endes keine Funktionsstörung verursachen. Damit sind stille Schlaganfälle natürlich prinzipiell auch als gutartiger zu bewerten als schwere Schlaganfälle.

Das heißt, dass „stille Schlaganfälle“ dann Hirnareale treffen, die nicht so bedeutende Funktionen haben wie andere Areale und die Funktionsstörungen daher nicht so gravierend sind?

Genau so ist es.

Wie viele Schlaganfälle bleiben unentdeckt bzw. „still“ oder „stumm“?

Da gibt es nicht wirklich verlässliche Daten bedingt durch die Tatsache, dass Betroffene die Symptome nicht bemerken und demzufolge nicht zum Arzt gehen und nicht untersucht werden.

Ich gehe aber davon aus, dass das schon eine niedrige, zweistellige Prozentzahl sein muss, 15 Prozent vielleicht. Aber ob es so viele sind, ist letztlich nur eine Vermutung.

Neben den stillen Schlaganfällen gibt es auch die schweren Schlaganfälle, die durchaus heftige und typische Symptome zeigen. Was sind Ihrer Erfahrung nach die fünf typischen Symptome, die ziemlich sicher auf einen Schlaganfall hindeuten?

  1. Eine Lähmung, z. B. der Arme oder Beine.
  2. Eine Sprachstörung, also wenn der Patient auch einfache Sätze wie „Heute regnet es“ nicht mehr nachsprechen kann.
  3. Eine einseitige Lähmung des Gesichts wie ein hängender Mundwinkel. Wenn man z. B. sieht, dass aus der einen Seite aus dem Mund Tee rausläuft oder so.
  4. Sensibilitätsstörungen wie z. B. ein Kribbeln im Arm oder Bein.
  5. Koordinationsstörungen, die sich auch im Gang o. ä. zeigen.

Kann ein Schlaganfall auch im Schlaf nachts auftreten?

Ja, das passiert sogar gar nicht selten. Häufig tritt ein Schlaganfall in den frühen Morgenstunden auf, das hat einfach mit der circadianen Rhythmik (Anm. d. R.: Schlaf-Wach-Rhythmus) zu tun und das gibt es einfach.

Nun zum Thema Erste Hilfe bei Schlaganfall: Was ist das Wichtigste, was ich tun kann, wenn eine Person in meiner Familie, im Freundeskreis oder Umfeld einen Schlaganfall erleidet und ich einen solchen erkenne? Wie reagiere ich im Notfall richtig?

Sie rufen sofort die 112. Das Wichtigste ist, dass der Rettungsdienst alarmiert wird und so schnell wie möglich Hilfe eintrifft. Am besten teilen Sie bereits am Telefon Ihren Verdacht auf einen Schlaganfall mit.

Und was kann ich in der Zeit tun, bis der Rettungsdienst eintrifft? Man soll dem Betroffenen meines Wissens ja auch nichts mehr zu trinken und zu essen geben, ihm gut zureden und auf keinen Fall seine Beine hochlagern.

Erste Hilfe nach Schlaganfall? Das Wichtigste ist die Aktivierung des Rettungssystems mit großem Abstand zu allen anderen Maßnahmen.
Prof. Dr. med. Schäbitz

Ja, aber das ist alles eigentlich zweitranging. Sie können denjenigen natürlich beruhigen und darauf achten, dass er nicht stürzt, falls er eine Gangstörung hat. Aber all das sind Dinge, die dem gesunden Menschenverstand entsprechen. Das Wichtigste ist die Aktivierung des Rettungssystems mit großem Abstand zu allen anderen Maßnahmen. Es gibt im Endeffekt keine spezifischen, wichtigen oder essentiellen Maßnahmen, die man dann durchführen kann oder muss, bis der Rettungsdienst eintrifft.

Wie hilfreich ist es für Betroffene, wenn sie nach einem Schlaganfall in spezialisierte „Stroke Units“ in Klinken eingeliefert werden? Was sind die Vorteile solcher Abteilungen?

Die Erstversorgung in einer Stroke Unit ist essentiell. In Deutschland wird heutzutage auch der Großteil – ich will nicht sagen alle Schlaganfall-Patienten – auf solchen Stroke Units behandelt. Über die letzten Jahre hat sich auf diesem Gebiet eine Behandlungsexpertise entwickelt, so dass Schlaganfälle in solchen Einheiten besser behandelt werden als z. B. in Krankenhäusern, die das nicht vorhalten oder in anderen Abteilungen oder internistischen Kliniken. In Stroke Units ist die diagnostische und therapeutische Expertise sehr hoch und daher können die Experten einschätzen, ob im individuellen Fall z. B. eine Spezialtherapie möglich und nötig ist wie z. B. eine Lyse-Therapie oder eine katetherbasierte sog. Thrombektomie. Mit diesem Verfahren kann das Blutgerinnsel, was das Gehirngefäß verstopft, entfernt werden.

Auf diesen Stroke Units wird nicht nur die Akuttherapie gestartet, sondern es erfolgt in den folgenden Tagen auch ein Herz-Kreislauf-Monitoring. Nach der Akuttherapie wird der Fokus auf die Ursachenforschung des Schlaganfalls gelegt. Das ist natürlich wichtig, damit man den Patienten effektiv behandeln kann, dass er nicht demnächst einen neuen Schlaganfall bekommt.

Wenn ein Patient mit der Diagnose „Schlaganfall“ in eine Klinik eingewiesen wird: Was wird standardmäßig untersucht und welche Maßnahmen werden bei jedem Patienten eingeleitet?

Es wird immer das Herz-Kreislauf-Monitoring gemacht, bei dem Herzfrequenz, Atemfrequenz und Blutdruck beobachtet werden. Zudem werden natürlich bei allen Schlaganfall-Patienten mithilfe bildgebender Verfahren wie MRT und CT die gehirnversorgenden Gefäße untersucht, um die Art und das Ausmaß des Schlaganfalls abzuklären. Sofern ein Schlaganfall nicht durch eine Durchblutungsstörung (sog. ischämischer Schlaganfall) sondern durch eine Gehirnblutung ausgelöst wurde, liegen die Untersuchungsmaßnahmen im Ermessen des behandelnden Arztes.

Wann hat man bessere Chancen auf eine gute Schlaganfall-Therapie? Bei einem ischämischen oder hämorrhagischen Schlaganfall?

Dank des neuen Verfahrens der Thrombektomie stehen die Behandlungschancen nach einem ischämischen Schlaganfall besser.

Was war der größte Behandlungserfolg eines Patienten, den Sie je erlebt haben?

Es gibt tatsächlich Heilungserfolge, die an Wunderheilung grenzen kann.
Prof. Dr. med. Schäbitz

Im Bereich der Thrombektomie gibt es tatsächlich Heilungserfolge, die an Wunderheilung grenzen kann: Es gibt Fälle, in denen der Patient mit einer schwerstgradigen Lähmung in die Klinik kommt und bei Entlassung eine Woche später keinerlei Einschränkungen mehr hat – sofern er nach dem Schlaganfall schnell in die Klinik gebracht wurde. Das ist gar nicht mal so selten und natürlich ein riesiger Erfolg der medizinischen Therapie. Solche Behandlungserfolge treten seit Etablierung der Thrombektomie immer häufiger auf, sind aber ausschließlich bei ischämischen Schlaganfällen möglich.

Inwiefern spielt eine hohe Motivation der Patienten bei der Behandlung und Rehabilitation nach einem Schlaganfall eine Rolle?

Das spielt natürlich eine große Rolle, weil sich der Therapieerfolg nach der Beteiligung des Patienten richtet. Je motivierter der Patient ist und je optimistischer er an die Sache rangeht, desto besser sind laut der klinischen Erfahrung die Rehabilitationserfolge und Rückbildungen der neurologischen Symptome bzw. deren Defizite.

Also würden Sie sagen ist eine gute Motivation und ein starker eigener Wille sehr wichtig, um nach einem Schlaganfall die Folgen möglichst zu minimieren und gut zu behandeln?

Auf alle Fälle.

Die Folgen eines Schlaganfalls hängen immer von Art und Ausmaß des Schlaganfalls ab. Was sind aus Ihrer Berufserfahrung die häufigsten Folgen eines Schlaganfalls?

Die stärksten Beeinträchtigungen nach einem Schlaganfall resultieren aus schwerwiegenden Lähmungen und Sprachstörungen. Das sind die Hauptsymptome, die den weiteren Verlauf determinieren.

Und natürlich gibt es weitere Symptome, die nicht unbedingt etwas mit der initialen Schlaganfall-Symptomatik zu tun haben, die sich aber im Verlauf des Schlaganfalls entwickeln können und gar nicht mal selten sind. Das sind zum Beispiel Depressionen oder kognitive Störungen, die dann eben in der Alltagsfunktionalität Probleme bereiten können.

Durch die Folgen eines Schlaganfalls sind viele Personen nach einem Schlaganfall auf Unterstützung oder Pflege angewiesen. Wie organisiert man es in der Familie am besten, wenn mein Angehöriger nach einem Schlaganfall entlassen wird?

Bei einem sehr schweren Schlaganfall sollte man sich frühzeitig auf Pflegeportalen informieren und passende Pflege für seinen Angehörigen organisieren.
Prof. Dr. med. Schäbitz

Das hängt erheblich von der Schwere des Schlaganfalls ab. Wenn es nur ein leichter Schlaganfall war oder einer, bei dem eine Rückbildung möglich ist, dann ändert sich vielleicht gar nicht viel und der Betroffene kann ganz normal in seine Wohnung zurückkehren. Wenn es ein schwerer Schlaganfall war, dann muss möglicherweise schon mehr Unterstützung oder Pflege organisiert werden. Manchmal muss man auch überlegen, ob die Betroffenen überhaupt wieder zuhause leben können oder in einer Einrichtung versorgt werden müssen.

Meistens hat man als Angehöriger in so einem Fall aber etwas mehr Zeit für diese Organisation, weil Patienten mit einem schweren Schlaganfall nach der Akuttherapie in der Regel noch in die Reha gehen. Und dann sollte man auch die Reha bestenfalls noch abwarten um zu sehen, wie sich der Zustand des Patienten entwickelt und verbessert.

Das heißt, es empfiehlt sich, mit der Organisation der Versorgung noch die Reha abzuwarten?

Man kann das nicht pauschal sagen, weil es wesentlich vom Ausmaß und Typ des Schlaganfalls abhängt. Bei leichten Schlaganfällen sollte man die Reha abwarten, bei einem sehr schweren Schlaganfall sollte man sich schon vorher auf Pflegeportalen informieren und Pflege organisieren, weil man in der Regel weiß, dass der Patient nicht mehr alleine in seinem Zuhause leben kann.

Wie groß ist die Gefahr, dass Betroffene nach dem ersten Schlaganfall einen weiteren Schlaganfall erleiden? Laut Statistik sind von den 270.000 Schlaganfällen pro Jahr rund 70.000 Wiederholungs-Schlaganfälle.

Ja, es gibt eine Reihe an Rezidiv-Schlaganfällen (Anm. d. R.: wiederholte Schlaganfälle) und die Zahl liegt bei rund 50.000 bis 70.000 pro Jahr. Dass jeder Patient nach einem ersten Schlaganfall einen zweiten Schlaganfall erleidet, stimmt nicht, weil das im Wesentlichen von der jeweiligen Situation des Patienten abhängt. Auch wegen dieses hohen Rezidiv-Risikos ist aber so wichtig, nach dem ersten Schlaganfall die genauen Ursachen zu erforschen, um daraus eine gute Sekundär-Prävention aufbauen zu können. Ich muss aber auch dazu sagen, dass man nicht bei jedem Patienten eine Ursache findet, und gerade bei diesen Patienten ist die Wiederauftretens-quote erhöht, weil man in dem Sinne ja auch keine Risikofaktoren ausschalten kann, wenn man sie nicht kennt.

Man kann keinem Patienten sagen ‚Ich garantiere Ihnen, dass Sie keinen Schlaganfall mehr bekommen‘.
Prof. Dr. med. Schäbitz

Andererseits gibt es aber auch Patienten, bei denen man keine Ursache findet, obwohl man sie sorgfältig untersucht, und deren Risikopotential dennoch sehr gering ist. So oder so kann man keinem Patienten sagen „Ich garantiere Ihnen, dass Sie keinen Schlaganfall mehr bekommen“.

Welchen Rat geben Sie diesen Patienten zur Prävention eines wiederholten Schlaganfalls?

Dabei gelten die selben Präventionsmaßnahmen wie vor Erstschlaganfällen. Die entscheidenden Faktoren sind einfach eine gesunde Ernährung, ausreichend Bewegung, kein Diabetes, kein Bluthochdruck usw. Ein Schlaganfall trifft ja in der Regel nicht die fitten 60- oder 70-Jährigen, die keinen Risikofaktor haben, sondern die anderen.

Wie hoch ist die Lebenserwartung von Patienten nach einem ersten Schlaganfall? Wie viele Menschen sterben innerhalb des ersten Jahres nach dem Schlaganfall?

Die Mortalität von Patienten nach einem ersten Schlaganfall liegt bei 25 bis 30 Prozent. Das betrifft allerdings nur die Subgruppe der sehr schweren Schlaganfälle. Das sind ja letztlich Patienten, die schwerste Lähmungen, schwerste Sprachstörungen, schwerste Sehstörungen haben und die nach dem ersten Schlaganfall in der Regel bettlägerig und stark pflegebedürftig sind. Von diesen schwerwiegenden Fällen stirbt eine sehr hohe Zahl innerhalb des ersten Jahres. Bei solchen Patienten treten eben neben den Schlaganfall-Folgen auch häufig Komplikationen wie z. B. Pneumonien, Lungeninfektionen, auf.

Grundsätzlich ist das Immunsystem nach dem ersten Schlaganfall geschwächt, daher sind Patienten nach einem ersten Schlaganfall insgesamt anfälliger für Infektionen und dergleichen.

Zuletzt noch ein Blick in die Zukunft: Was tut sich auf dem Gebiet der Früherkennung eines Schlaganfalls? Was wird in Zukunft möglich sein? Was sind aktuelle spannende Tendenzen aus der Schlaganfall-Forschung?

Da kann ich Ihnen drei positive Tendenzen nennen:

  1. Ein Bereich der Forschung dreht sich aktuell um die Verbesserung der Akuttherapie. Da haben wir ja mit der Thrombektomie eine sensationell wirksame neue Therapiemethode hinzugewonnen. Die Forschung fokussiert sich aktuell darauf, diese weiter zu verbessern und zu optimieren und vielleicht sogar den Einsatz von zusätzlichen Medikamenten zu dieser Therapie zu prüfen.
Erstelldatum: .62.017102|Zuletzt geändert: .92.509102
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