Schlaganfall – Wie geht es weiter?
Bei der Behandlung eines Schlaganfalls zählt jede Minute. Denn werden die Nervenzellen im Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, sterben sie ab. Das kann gravierende Folgen haben. Deshalb ist es so wichtig, bei den ersten Schlaganfall-Symptomen den Notruf zu wählen.
Der Rettungsdienst bringt den Schlaganfall-Patienten direkt ins Krankenhaus. Dort wird als erstes mithilfe einer bildgebenden Diagnostik – Computertomographie (CT) oder Magnetresonanztomographie (MRT) – die Ursache des Schlaganfalls geklärt.
Sobald das Ärzteteam weiß, ob es sich um einen Gefäßverschluss (ischämischer Schlaganfall) oder eine Hirnblutung (hämorrhagischer Schlaganfall) handelt, kann es die ersten Therapiemaßnahmen einleiten.(1)
Jede Schlaganfall-Behandlung beginnt mit der Akuttherapie und geht dann sehr schnell in die Rehabilitation über.
In vielen Kliniken gibt es spezielle Abteilungen für Schlaganfall-Patienten, sogenannte „Stroke Units“, die auf die multidisziplinäre Behandlung von Schlaganfällen spezialisiert sind.

Akutbehandlung bei Schlaganfall
Im Krankenhaus angekommen, beginnt für den Schlaganfall-Patienten die erste Phase der Therapie: die Akutbehandlung. Sie richtet sich danach, ob es sich um einen ischämischen oder hämorrhagischen Schlaganfall handelt.
Die Akutbehandlung verläuft in vier Stufen:(2)
- Verbesserung der Vitalfunktionen: Blutdruck, Blutzucker sowie Körpertemperatur einstellen und den Patienten mit Sauerstoff versorgen.
- Beseitigung der Ursache: Gerinnsel (ischämischen Schlaganfall) auflösen beziehungsweise Blutung stoppen (hämorrhagischen Schlaganfall), gegebenenfalls Auslöser operativ entfernen.
- Prävention vor einem erneuten Schlaganfall: Gründliche Untersuchung, um die Ursache zu ermitteln, und bei ischämischem Schlaganfall weiterhin blutverdünnende Medikamente verabreicht.
- Verringerung von Folgeschäden: Druck auf das Gehirngewebe verringern und Komplikationen behandeln.
Akuttherapie bei einem ischämischen Schlaganfall
Ist die Ursache für den Schlaganfall ein verstopftes Blutgefäß, versucht das Ärzteteam, das Gerinnsel aufzulösen beziehungsweise es zu entfernen.
Das gelingt in einigen Fällen bereits mithilfe der sogenannten Thrombolyse, kurz Lyse. Dafür wird dem Patienten ein blutverdünnendes Medikament verabreicht. Das sollte möglichst innerhalb der ersten 4,5 Stunden nach Auftreten der ersten Schlaganfall-Symptome geschehen. Denn je schneller mit der Lyse-Therapie begonnen wird, desto besser sind die Behandlungserfolge.
Bei einem größeren Blutgerinnsel kommt die Thrombektomie zum Einsatz. Dabei wird über die Leistenarterie ein Katheter eingeführt, mit dem das Operationsteam das Gerinnsel im Gehirn entfernt.(1)
Wenn möglich, versuchen Ärztinnen und Ärzte, beide Verfahren (Thrombolyse und Thrombektomie) zu kombinieren. Die Erfolgsaussichten sind umso größer, je früher nach Auftreten der Symptome die Behandlung erfolgen kann.

Akuttherapie bei einem hämorrhagischen Schlaganfall
Bei einer Hirnblutung muss zunächst der Blutdruck gesenkt und dann die Blutung – wenn nicht bereits von selbst geschehen – gestoppt werden. Nehmen die Patienten Blutverdünner, werden Gegenmittel eingesetzt, um die blutverdünnende Wirkung rückgängig zu machen.(3)
Um ausgetretenes Blut zu beseitigen, wird es in einer Operation entfernt, damit es das Gehirngewebe nicht weiter schädigt.
Je nachdem in welcher Gehirnregion sich die Einblutung befindet, kann das minimalinvasiv geschehen. Dann führt das Operationsteam einen Sauger durch die Schädeldecke in das betroffene Gebiet ein und saugt dort das Blut ab. Das ist bei oberflächlichen Blutungen eine geeignete chirurgische Technik.
Oder der Patient wird am offenen Gehirn operiert, beispielsweise um das Blut aus den Zwischenräumen der Hirnstruktur abzusaugen und so den Druck auf das Gewebe zu verringern.
Nicht immer erfolgt eine Operation am offenen Gehirn. Dieses Verfahren kommt jedoch nicht bei allen Hirnblutungen zur Anwendung, sondern hängt von der Art und Lokalisation der Blutung ab. In der Regel erfolgt die Überwachung auf der „Stroke Unit“, um den Blutdruck rasch zu senken und Komplikationen früh zu erkennen und zu behandeln. Bewusstlose oder beatmungspflichtige Patienten kommen direkt auf die Intensivstation und werden ganzheitlich überwacht.

Reha nach Schlaganfall
Die Rehabilitation beginnt bereits im Krankenhaus mit der Mobilisation und wird später stationär oder ambulant fortgeführt.
Es gibt neurologische und geriatrische Rehamaßnahmen, wobei die neurologische Reha deutlich mehr Therapie-Einheiten im Programm hat, die auch älteren Patienten zugutekommen können.(4)
Ziele der Reha-Maßnahmen nach einem Schlaganfall
Ziel der Reha ist, dass der Schlaganfall-Patient eine größtmögliche Selbstständigkeit erreicht.
Zum einen sollen verloren gegangene Funktionen und Fähigkeiten möglichst wiedererlangt werden.
Zum anderen sollen die Betroffenen zurückbleibende Defizite am Ende ausgleichen können, beispielsweise mit Hilfsmitteln.
Um das zu erreichen, arbeiten während der gesamten Rehabilitation verschiedene Fachgebiete zusammen, die gemeinsam für den Betroffenen einen individuellen Behandlungsplan ausarbeiten:
- Physiotherapie-Übungen schulen Gleichgewicht, Kraft und Ausdauer.
- Logopädie trainiert mit gezielten Übungen sprachliche Defizite sowie Schluckstörungen.
- Ergotherapie soll die Fähigkeiten verbessern, die für ein möglichst selbstständiges Leben nötig sind.
- Neuropsychologische Therapie trainiert unter anderem Gedächtnis, Aufmerksamkeit und Wahrnehmung. Auch Bewältigungsstrategien für den emotionalen Umgang werden vermittelt.
- Aktivierende Pflege unterstützt beim Essen, Waschen, An- und Auskleiden, und vermittelt, wie man sich dabei trotz Einschränkungen selbst helfen kann.
- Die Sekundärprävention umfasst Maßnahmen zur Anpassung des Lebensstils, um das Risiko eines erneuten Schlaganfalls zu reduzieren. Beispielweise eine Diätberatung, ein Bewegungsprogramm oder ein Programm zur Rauchentwöhnung.
Neurologische Reha nach einem Schlaganfall
In Deutschland wird die neurologische Rehabilitation in sechs Phasen eingeteilt. Sie reicht von Phase A – der bereits beschriebenen Akutbehandlung – bis Phase F:(4)
- A – Akutbehandlung
- B – Frührehabilitation
- C – Weiterführende Rehabilitation
- D – Anschlussheilbehandlung (AHB)
- E – Nachsorge und berufliche Reha
- F – Langzeitpflege / Erhaltung
Dabei durchläuft nicht jeder Betroffene alle Phasen der Rehabilitation. Je nach Schweregrad der Schlaganfall-Folgen und Therapie-Fortschritt können Sie auch einzelne Phasen überspringen.
Phase B: Frührehabilitation
Oberstes Ziel der Frührehabilitation (kurz: Frühreha) nach einem Schlaganfall ist es, die körperlichen Funktionen wiederherzustellen, insbesondere jener, die durch den Schlaganfall womöglich geschädigt wurden.
Die Frühreha sollte bereits 24 Stunden nach der Aufnahme beginnen. Denn je früher eine aktivierende Pflege durch spezialisierte Pflegekräfte sowie ergotherapeutische, logopädische und physiotherapeutische Übungen umgesetzt werden, desto effektiver werden die Schlaganfall-Symptome behandelt und schwerere Folgeschäden verringert.(5)
Phase C: Weiterführende Rehabilitation
In der weiterführenden Reha steht die (Teil-)Mobilisierung und Wiederherstellung der Selbstständigkeit im Vordergrund. In der Regel werden sie in einer Reha-Klinik durchgeführt. Seltener gibt es auch ambulante Reha-Zentren.(6)
Phase D: Anschlussheilbehandlung (AHB)
Ziel der Anschlussheilbehandlung ist, weiterhin bestehende Einschränkungen und Fehlhaltungen zu mindern.
Phase E: Nachsorge und berufliche Reha
Ab hier erfolgt der Übergang von der medizinischen Reha zur Rückkehr ins Arbeitsleben. Sie findet nicht mehr in der Reha-Klinik statt, sondern beginnt, sobald der Betroffenen wieder zuhause ist. Schwerpunkt der Phase E ist neben der Alltagsbewältigung die Sicherung der Teilhabe am Arbeitsleben.
Phase F: Langzeitpflege / Erhaltung
Die letzte Reha-Phase F ist Patienten vorbehalten, die trotz intensiver Behandlung und Rehabilitation nach einem Schlaganfall einen dauerhaften Pflegebedarf haben. Hier richten sich die Maßnahmen schwerpunktmäßig nach der aktivierenden Langzeitpflege.
Geriatrische Rehabilitation
Für ältere Patienten mit mehreren Vorerkrankungen oder einem allgemein schlechten Gesundheitszustand eignet sich manchmal eher eine geriatrische Rehabilitation.
Hier liegt der Fokus darauf, dass die Betroffenen möglichst – wenn auch mit eventueller pflegerischer Unterstützung weiterhin zuhause wohnen können, also nach ihrem Schlaganfall nicht ins Pflegeheim müssen.
Dazu kommen ebenfalls neben der aktivierenden Pflege ergotherapeutische, logopädische und physiotherapeutische Fachgebiete zum Einsatz.
Darüber hinaus stehen folgende Punkte auf dem Plan:
- Medikamenten-Management
- Versorgung mit Hilfsmitteln
- Beratung zu Wohnraumanpassungen
- Pflegegrad-Beratung
Eine geriatrische Rehabilitation kann sowohl ambulant als auch in speziellen geriatrischen Reha-Kliniken durchgeführt werden.
Die Voraussetzungen sind, dass die Person
- mindestens 70 Jahre alt ist.
- mindestens zwei altersbedingte Krankheiten und Einschränkungen hat.
- einen Rehabilitationsbedarf hat.
Antrag auf Reha nach einem Schlaganfall
In der Regel stellt der Klinik-Sozialdienst bereits während Ihres Krankenhausaufenthaltes den Antrag auf Rehabilitation.
Wenn Sie eine Reha von zuhause aus beantragen, tun Sie das gemeinsam mit Ihrem Arzt oder Neurologen. Er stellt dann eine Reha-Verordnung mit dem beigefügten Befundbericht aus. Diese schicken Sie dann zusammen mit dem eigentlichen Antrag an den zuständigen Kostenträger. Sie können den Antrag mittlerweile bequem am heimischen PC bearbeiten und verschicken.
Welcher Kostenträger für die Rehabilitation nach einem Schlaganfall zuständig ist, richtet sich nach Ihrem Erwerbsstatus:
- Die Deutsche Rentenversicherung (DRV), wenn Sie berufstätig sind.
- Die Krankenkassen, wenn Sie Rentner oder Mitversicherter sind oder die DRV nicht zuständig ist.
- Die Berufsgenossenschaft, wenn es sich um einen Arbeits- oder Wegeunfall handelt.
Bewilligt werden im ersten Anlauf meist drei Wochen Reha. Sie kann aber verlängert werden. Außerdem müssen meist die Maßnahmen zuhause weitergeführt werden.
Reha-Klinik für Schlaganfallpatienten in der Nähe
Nach einem Schlaganfall ist es wichtig, schnell die passende Reha-Klinik zu finden. Je nach Wohnort, Art der Rehabilitation und individuellem Bedarf gibt es unterschiedliche Einrichtungen.
Bei der Suche nach einer geeigneten Klinik hilft unter anderem die Internetseite der Deutschen Rentenversicherung: Hier finden Sie eine Suchfunktion, mit der Sie Reha-Einrichtungen in Ihrer Nähe gezielt finden können.
Lebenserwartung und Prognose nach einem Schlaganfall
Es gibt Schlaganfall-Patienten, die sich vollständig erholen und keine schweren Folgeschäden davontragen. Das hängt unter anderem von folgenden Faktoren ab:
- Welcher Bereich im Gehirn betroffen ist
- Wie schwer der Schlaganfall war
- Wie schnell der Patient ärztliche Hilfe erhielt
- Wie schwerwiegend die Schlaganfall-Folgen waren
Tatsächlich haben Menschen unter 70 Jahren eine größere Chance, dass sie nach einem Schlaganfall wieder gesund werden beziehungsweise etwaige Einschränkungen durch eine Rehabilitation beseitigt werden konnten.
Allerdings bleiben auch rund 60 Prozent der Patienten noch ein Jahr nach dem Schlaganfall auf Therapie, Hilfsmittel oder Pflege angewiesen.(8)
Häufig gestellte Fragen
Wie wird ein Schlaganfall behandelt?
Die Ursache des Schlaganfalls entscheidet alle weiteren Behandlungsschritte: Bei einem ischämischen Schlaganfall folgt meist die Thrombolyse. Bei einem hämorrhagischen Schlaganfall wird die Blutung operativ gestoppt und entfernt. In allen Fällen schließen sich an die Akuttherapie umfangreiche Reha-Maßnahmen an.
Wie sieht die Akutbehandlung nach einem Schlaganfall aus?
Die akute Schlaganfall-Therapie baut auf vier Grundansätzen auf: Verbesserung der Vitalfunktionen, Beseitigung der Ursache, Prävention vor einem erneuten Schlaganfall und die Verringerung/Vermeidung von Folgeschäden.
Welche ist die beste Reha-Klinik nach einem Schlaganfall?
Die „beste“ Reha-Klinik gibt es nicht pauschal – sie hängt immer vom individuellen Bedarf des Betroffenen ab. Bei der Suche nach einer geeigneten Einrichtung hilft das behandelnde Ärzteteam, der Sozialdienst der Klinik sowie die Online-Kliniksuche der Deutschen Rentenversicherung.
Wie lange bleibt man nach einem leichten Schlaganfall im Krankenhaus?
Bei einem leichten Schlaganfall dauert der Krankenhausaufenthalt in der Regel 3 bis 7 Tage.
Wie lange ist man nach einem leichten Schlaganfall krankgeschrieben?
Es gibt keine gesetzlich festgelegte Dauer für die Krankschreibung nach einem leichten Schlaganfall. Die Zeitspanne hängt von den individuellen Einschränkungen und der beruflichen Tätigkeit ab. Bei einem sehr leichten Verlauf ohne bleibende Schäden sind Betroffene oft nach 4 bis 8 Wochen wieder arbeitsfähig.
Wie lange zahlt die Krankenkasse die Reha nach einem Schlaganfall?
In der Regel genehmigen die zuständigen Kostenträger im ersten Schritt eine Reha für drei Wochen. Mit einer überzeugenden Begründung kann sie dann verlängert werden.
Wie geht es nach der Reha bei einem Schlaganfall weiter?
Nach einem Reha-Aufenthalt erfolgt die Schlaganfall-Nachsorge durch einen Neurologen. Gemeinsam mit dem behandelnden Hausarzt wird unter Umständen auch der Lebensstil angepasst, vor allem die Ernährung, Bewegung und Rauchentwöhnung betreffend. Die Teilnahme an einer Schlaganfall-Selbsthilfegruppe ist eine weitere Option.





