Pflegeunterstützungsgeld: Lohnersatzleistung berechnen und beantragen

Pflegeunterstuetzungsgeld

Sie sind berufstätig und müssen sich nebenher um einen akuten Pflegefall in Ihrer Familie kümmern? Durch das Pflegezeitgesetz können nahe Angehörige kurzfristig unbezahlt bis zu zehn Tage von der Arbeit fernbleiben, um die Pflege ihres Angehörigen zu organisieren. In dieser Zeit sind sie finanziell durch das Pflegeunterstützungsgeld abgesichert. Dieser Anspruch gilt, sofern keine Entgeltfortzahlung aus tariflichen oder betrieblichen Regelungen gewährleistet ist.

Das Pflegeunterstützungsgeld soll pflegende Angehörige finanziell entlasten und die drängende Pflegeorganisation erleichtern. pflege.de klärt Angehörige auf über ihren Anspruch, geltende Voraussetzungen, die Höhe und den Antrag auf Pflegeunterstützungsgeld.

Inhaltsverzeichnis

Pflegeunterstützungsgeld: Was ist das?

Das Pflegeunterstützungsgeld ist eine Lohnersatzleistung der Pflegeversicherung für entgangenes Arbeitsentgelt während einer Pflegezeit von bis zu zehn Tagen. Es steht all jenen Beschäftigten zu, die kurzfristig die Pflege eines nahen Angehörigen organisieren müssen.

Pflegeunterstützungsgeld nach dem Pflegezeitgesetz

Der Anspruch auf Pflegeunterstützungsgeld ist in § 44a SGB XI (s. Quelle 1) gesetzlich verankert. Berufstätige Familienmitglieder sollen Zeit für die kurzfristige Organisation der Pflege eines Angehörigen gewinnen. Um dieses Ziel zu erreichen, wurde 2015 das Pflegezeitgesetz (PflegeZG, s. Quelle 2) verabschiedet. Es soll helfen, Pflege und Beruf besser zu vereinbaren.

Das Pflegezeitgesetz räumt Beschäftigten das Recht ein, in familiären Krisensituationen, wie einem akuten Pflegefall, bis zu zehn Arbeitstage der Arbeit fernzubleiben. In dieser Zeit sollten sie die pflegerische Versorgung eines nahen Familienmitglieds sicherstellen bzw. die Pflege organisieren. Wer die kurzzeitige Arbeitsverhinderung in Anspruch nimmt, erhält ein auf bis zu zehn Tage begrenztes Pflegeunterstützungsgeld.

Auf diese Weise können Arbeitnehmer akuten Pflegesituationen im Kreise naher Angehöriger nachgehen, Maßnahmen organisieren und müssen dabei nicht gänzlich auf Einnahmen verzichten. So wie Eltern Krankengeld bekommen, wenn sie sich um ihr krankes Kind kümmern, erhalten nahe Angehörige diese Lohnersatzleistung von der Pflegekasse der pflegebedürftigen Person.

Info

Wozu dient das Pflegezeitgesetz?

Die kurzzeitige Arbeitsverhinderung nach dem Pflegezeitgesetz (s. Quelle 2) ist für die Organisation von akuten Pflegemaßnahmen naher Angehöriger gedacht. Sie bietet Ihnen als Arbeitnehmer die Möglichkeit, bis zu zehn Arbeitstage frei zu nehmen, um die ersten Vorkehrungen im Pflegefall innerhalb der Familie zu treffen. Mehr Voraussetzungen und Details können Sie im Beitrag zum Pflegezeitgesetz nachlesen.

 

Voraussetzungen für Pflegeunterstützungsgeld

Um Pflegeunterstützungsgeld zu erhalten, müssen Versicherte einen Antrag bei der zuständigen Pflegekasse stellen. Dabei müssen folgende Voraussetzungen erfüllt werden:

  • Die Pflegesituation ist akut, also unvorhersehbar und unerwartet, eingetreten.
  • Der betroffene Angehörige wurde bereits als pflegebedürftig eingestuft bzw. der Eintritt einer baldigen Pflegebedürftigkeit ist mit Blick auf die Tatsachenlage sehr wahrscheinlich.
  • Der Antragsteller auf Pflegeunterstützungsgeld ist naher Angehöriger der pflegebedürftigen Person nach § 7 des Pflegezeitgesetzes.
  • Der berufstätige Angehörige beansprucht eine kurzzeitige Arbeitsverhinderung nach § 2 des Pflegezeitgesetzes.
  • Er erhält keine Entgeltfortzahlung vom Arbeitgeber während dieser Auszeit.
  • Der berufstätige Angehörige hat nach Absehbarkeit der Pflegesituation unverzüglich einen Antrag auf Pflegeunterstützungsgeld bei der Pflegekasse bzw. dem Pflegeversicherungsunternehmen (angeschlossen an die Krankenkasse) seines Angehörigen gestellt.
  • Zusammen mit dem Antrag hat der nahe Angehörige eine ärztliche Bescheinigung eingereicht, die die (absehbare) Pflegebedürftigkeit seines pflegebedürftigen Angehörigen sowie die Erforderlichkeit der Maßnahme deutlich macht.
  • Der nahe Angehörige befindet sich im beantragten Zeitraum weder in Pflegezeit nach § 3 Pflegezeitgesetz noch in Familienpflegezeit nach §§ 2 und 3 Familienpflegezeitgesetz (FPflZG).
  • Auch wenn der zu pflegende Angehörige im Ausland lebt, ist er bei einer deutschen Pflegeversicherung versichert.
  • Bei Erkrankung oder Unfall eines Kindes: Nahe Familienmitglieder erhalten kein Kranken- oder Verletztengeld nach § 45 SGB V oder § 45 Absatz 4 SGB VII.

Pflegeunterstützungsgeld berechnen

Die Höhe des Pflegeunterstützungsgeldes richtet sich ganz nach den Regularien für die Kinder-Krankengeld-Berechnung. Diese sind in § 45 Abs. 2 des SGB V (s. Quelle 3) etwas sperrig erläutert. Als Faustregel können folgende Bestimmungen festgehalten werden:

Pflegeunterstützungsgeld Höhe

  • 90 % des tatsächlich ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts aus beitragspflichtigem Arbeitsentgelt der Versicherten (ohne Einmalzahlung in den letzten 12 Monaten wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld)
  • 100 % des tatsächlich ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts aus beitragspflichtigem Arbeitsentgelt der Versicherten (mit Einmalzahlung in den letzten 12 Monaten wie Urlaubs- oder Weihnachtsgeld). Die 100 % des ausgefallenen Nettoarbeitsentgelts werden unabhängig von der Höhe der Einmalzahlung gezahlt.

Das Pflegeunterstützungsgeld darf pro Kalendertrag 70 % der Beitragsbemessungsgrenze nach § 233 Abs. 3 in der Krankenversicherung (SGB V) nicht überschreiten.

Info

Praxisbeispiel: Pflegeunterstützungsgeld berechnen

Ein Arbeitnehmer nimmt zur Organisation der Pflege seiner Mutter insgesamt für zehn Tage die kurzzeitige Arbeitsverhinderung in Anspruch. Für diesen Zeitraum ergibt sich für ihn ein Nettoverdienstausfall in Höhe von 670 Euro. Daraus ergibt sich ein Brutto-Pflegeunterstützungsgeld von 60,03 Euro pro Kalendertag (90% von 670 Euro geteilt durch 10 Tage).

Abweichungen, Sonderregelungen und Spezifikationen sind im Gesetzestext (§ 45 Abs.2, SGB V) verankert. Bei Fragen und Unklarheiten können sich Angehörige an die Pflegeversicherung der pflegebedürftigen Person wenden und die individuelle Höhe ihres Pflegeunterstützungsgeldes berechnen lassen.

Pflegeunterstützungsgeld: Antrag stellen

Das Pflegeunterstützungsgeld ist eine sogenannte Antragsleistung. Das heißt: Angehörige müssen zunächst einen Antrag bei der Pflegekasse des Pflegebedürftigen stellen, um Pflegeunterstützungsgeld zu erhalten.

Wo muss der Antrag gestellt werden?

Der Antrag auf Pflegeunterstützungsgeld muss bei der Pflegekasse bzw. dem privaten Versicherungsunternehmen der pflegebedürftigen Person gestellt werden – je nachdem, ob der Pflegebedürftige gesetzlich oder privat versichert ist. Erforderlich ist ein ärztliches Attest.

Info

Ärztliches Attest für den Antrag auf Pflegeunterstützungsgeld

Wer einen Antrag auf Pflegeunterstützungsgeld bei der Pflegekasse der pflegebedürftigen Person stellt, muss ein ärztliches Attest beilegen, das den Hilfebedarf und die akute Notsituation des nahen Angehörigen bestätigt. Dieses Attest kann allerdings auch nachgereicht werden.

Im Attest müssen folgende Angaben enthalten sein:

  • Name des pflegebedürftigen Angehörigen
  • Zeitraum der kurzzeitigen Arbeitsverhinderung
  • Ärztliche Bestätigung der Notwendigkeit zur Sicherstellung oder Organisation der Pflege für den nahen Angehörigen

Wann muss der Antrag gestellt werden?

Der Antrag auf Pflegeunterstützungsgeld muss so schnell wie möglich gestellt werden, d. h. sobald sich die akute Pflegesituation abzeichnet.

Wie muss der Antrag gestellt werden?

Angehörige können ein Formular für den Antrag auf Pflegeunterstützungsgeld bei der zuständigen Pflegekasse der pflegebedürftigen Person herunterladen oder es telefonisch bei der Pflegekasse anfordern.

 

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Erstelldatum: 7102.20.41|Zuletzt geändert: 0202.70.51
Quelle 1: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_11/__44a.html (letzter Aufruf am 15.07.2020)
Quelle 2: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
https://www.gesetze-im-internet.de/pflegezg/ (letzter Aufruf am 15.07.2020)
Quelle 3: Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz
https://www.gesetze-im-internet.de/sgb_5/__45.html (letzter Aufruf am 15.07.2020)
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