MEDICPROOF – Der Medizinische Dienst der Privaten

Medicproof

Wenn Sie privatversichert sind und einen Antrag auf Pflegegrad stellen, kommt ein Pflegegutachter von MEDICPROOF zu Ihnen ins Haus. Die MEDICPROOF GmbH ist der Medizinische Dienst der Privaten und für die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit von Privatversicherten zuständig. Ihre Versicherung entscheidet anschließend auf Basis des MEDICPROOF-Gutachtens über die Anerkennung Ihres Pflegegrads. Wie eine solche Begutachtung abläuft, wie Sie sich auf den MEDICPROOF-Besuch vorbereiten und was Sie noch zum Medizinischen Dienst der Privaten wissen sollten, erklärt pflege.de.

Inhaltsverzeichnis

MEDICPROOF: Definition

Die MEDICPROOF GmbH ist ein Tochterunternehmen des Verbandes der Privaten Krankenversicherung e.V. mit Sitz in Köln. MEDICPROOF koordiniert die Gutachtenerstellung für privat krankenversicherte Personen, die einen Antrag auf Pflegegrad gestellt haben. Sie ist also eine neutrale Schaltstelle und das private Pendant zum Medizinischen Dienst (kurz: MD).

MEDICPROOF: Aufgaben

Die zentrale Aufgabe von MEDICPROOF ist es, Gutachten zur Pflegebedürftigkeit zu erstellen und diese an Ihre Privatversicherung weiterzuleiten. Damit die Unabhängigkeit gegeben ist und der Gutachter Ihre Interessen als Versicherter und nicht etwa die der privaten Pflegeversicherung vertritt, arbeitet MEDICPROOF mit freiberuflichen Gutachtern zusammen. Diese stehen also in keinem Angestelltenverhältnis und sind zum Beispiel Ärzte oder Pflegefachkräfte. MEDICPROOF agiert damit genauso unabhängig wie die Gutachter der gesetzlichen Krankenversicherungen seit der Reform. Ob gesetzlich oder privat: Die Einstufung in einen Pflegegrad erfolgt nach denselben Kriterien.

MEDICPROOF übernimmt die Begutachtungen für Versicherte von insgesamt 42 privaten Krankenversicherungsunternehmen sowie der Postbeamtenkrankenkasse und der Krankenversorgung der Bundesbahnbeamten.(1)

Info
Was macht MEDICPROOF noch?

Neben den unabhängigen Pflegegrad-Gutachten erfüllt MEDICPROOF auch noch andere Aufgaben. Dazu gehören zum Beispiel die Beratung und Sicherung der Pflegequalität, indem Pflegetrainings bei dem Pflegebedürftigen Zuhause angeboten werden. Die Trainings – auch Pflegekurs oder Pflegeschulung genannt – sind dabei kostenlos und individuell auf Ihre Pflegesituation angepasst.

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MEDICPROOF-Pflegebegutachtung: Vom Antrag bis zum Pflegegrad

Wir zeigen Ihnen, inwieweit MEDICPROOF bei der Entscheidung über Ihren Pflegegrad mitwirkt. Diese Schritte erwarten Sie vom Antrag bis zum Pflegebescheid:

  1. Sie stellen einen Antrag auf Pflegegrad oder auf Höherstufung bei Ihrem privaten Versicherungsunternehmen.
  2. Ihr privates Versicherungsunternehmen beauftragt MEDICPROOF mit einem Pflegegutachten. Daraufhin bestimmt MEDICPROOF einen Gutachter, Sie müssen also nicht selbst nach einem Pflegegutachter suchen. Er setzt sich mit Ihnen in Verbindung, um einen Begutachtungstermin zu vereinbaren. Der Termin findet bei Ihnen zuhause statt.
  3. Der von MEDICPROOF beauftragte Gutachter führt die Begutachtung durch, in der er sich an definierten Bewertungskriterien orientiert. Hierbei werden Sie nicht körperlich untersucht – geprüft wird der Grad Ihrer Selbstständigkeit.
  4. Nach dem Begutachtungstermin erstellt er Ihr Pflegegutachten. Es enthält Empfehlungen zum Pflegegrad, aber auch zu notwendigen Hilfsmittel oder Maßnahmen, die Prävention und Rehabilitation betreffen.
  5. Der Gutachter leitet das Pflegegutachten an MEDICPROOF weiter. Der Medizinische Dienst der Privaten schickt es dann an Ihr privates Versicherungsunternehmen.
  6. Das private Versicherungsunternehmen erstellt Ihren Pflegebescheid, der auf dem Pflegegutachten von MEDICPROOF basiert.
  7. Spätestens fünf Wochen, nachdem Sie den Antrag gestellt haben, erhalten Sie den Pflegebescheid von Ihrem privaten Versicherungsunternehmen per Post. Der Bescheid informiert Sie darüber, ob und welcher Pflegegrad Ihnen anerkannt wurde. Dem Pflegebescheid sollte auch das Gutachten von MEDICPROOF beiliegen, damit Sie die Entscheidung nachvollziehen können.
Info
Unfairer Pflegegrad? Legen Sie Widerspruch ein

Wenn Sie keinen Pflegegrad oder einen zu niedrigen Pflegegrad anerkannt bekommen haben, können Sie Widerspruch einlegen. Dafür haben Sie vier Wochen Zeit. Schauen Sie in das Gutachten von MEDICPROOF. Es hilft Ihnen, Ihren Pflegegrad-Widerspruch zu begründen.

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Ablauf der Pflegebegutachtung von MEDICPROOF

Der Gutachter von MEDICPROOF kommt für die Pflegebegutachtung zu Ihnen nach Hause. Sollten Sie bereits im Pflegeheim leben, findet sie in der entsprechenden Einrichtung statt. Bei diesem wichtigen Termin müssen Sie nicht allein sein: Ihr gesetzlicher Betreuer oder Ihr Angehöriger, der Sie möglicherweise bereits unterstützt, kann Ihnen zur Seite stehen und Auskunft über den Pflegebedarf geben. Das erwartet Sie am Tag der Begutachtung:

  1. Der Gutachter nimmt sich etwa eine Stunde Zeit für Sie.
  2. Er stellt Ihnen Fragen zu Ihrer Selbstständigkeit und Ihrem Hilfebedarf aus sechs verschiedenen Modulen. Diese Module entsprechen den geltenden Begutachtungsrichtlinien nach dem zweiten Pflegestärkungsgesetz (PSG II).
  3. Der Gutachter wirft einen Blick in die pflegerelevanten Zimmer, etwa Schlafzimmer und Badezimmer, um sich ein Bild von Ihrer Wohnsituation zu machen und Vorschläge zur Verbesserung machen zu können. Das kann zum Beispiel bedeuten, dass er Ihrer privaten Pflegeversicherung vorschlägt, die (anteiligen) Kosten für einen Badewannenlift zu übernehmen.
  4. Anschließend schickt der Gutachter eine Empfehlung über Art und Umfang der Pflegeleistungen an das zuständige Versicherungsunternehmen.
Tipp
So läuft eine Pflegebegutachtung aus Sicht einer Gutachterin ab

In unserem Interview berichtet Dr. Regina Grundler aus ihrer Sicht als Pflegegutachterin. Erfahren Sie, was die meistgestellten Fragen von Versicherten ist, welche Tipps die Gutachterin gibt und wie sie es schafft, die vielen Bewertungskriterien in einem flüssigen Gespräch unterzubringen.

So bereiten Sie sich auf den Termin mit MEDICPROOF vor

Wenn Sie wissen, wie eine Pflegebegutachtung abläuft, können Sie sich besser auf den Termin vorbereiten. Machen Sie sich vor allem Ihren eigenen Pflegebedarf bewusst, indem Sie ein Pflegetagebuch führen. Dazu können Sie unsere kostenlose Vorlage oder die von MEDICPROOF verwenden. Das Pflegetagebuch hilft dem Gutachter später auch, eine genauere Idee von Ihrem Pflegeaufwand zu bekommen.

Bonus
Ihr Pflegetagebuch – zur Dokumentation Ihres persönlichen Pflegebedarfs
  • Dokumentation leicht gemacht
  • Gut vorbereitet in die Pflegebegutachtung
  • Fairen Pflegegrad erhalten

Werden Sie bereits von einem Pflegedienst betreut, sollte dieser Ihnen die Pflegedokumentation zukommen lassen. Planen Sie genug Vorlaufzeit ein, damit die Dokumente zum Begutachtungstermin bei Ihnen sind.

Ganz wichtig: Verhalten Sie sich bei dem Termin so wie immer. Vermeiden Sie falschen Stolz und stellen Sie Ihren Pflegeaufwand nicht als geringer dar. Ebenso wenig sollten Sie sich natürlich unselbstständiger darstellen, als Sie sind.

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MEDICPROOF-Pflegegutachten: Bewertungskriterien und Punktevergabe verstehen

Der Gutachter erstellt das MEDICPROOF-Pflegegutachten anhand des sogenannten „Begutachtungsassessments NBA“. Das Begutachtungssystem berücksichtigt sechs Begutachtungsbereiche:

  1. Mobilität
  2. Kognitive und kommunikative Fähigkeiten
  3. Verhaltensweisen und psychische Problemlagen
  4. Selbstversorgung
  5. Bewältigung von und selbstständiger Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen und Belastungen
  6. Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte

Für die unterschiedlichen Lebensbereiche in den Modulen vergibt der Gutachter jeweils Punkte von null bis drei. Je höher der Hilfebedarf in dem jeweiligen Bereich, desto höher auch die Punktzahl. Am Ende entscheidet die Gesamtpunktzahl über den Pflegegrad.

Tipp
Mehr zu den Kriterien und Endergebnissen

In unserem Ratgeber zu den Pflegegraden erfahren Sie, wie Sie die Kriterien der Pflegebegutachtung gewichtet werden und welche Gesamtpunktzahl welchem Pflegegrad entspricht.

Hinweise zur Punktevergabe: Das bedeuten die Begriffe

Das Punktesystem definiert Ihren Hilfebedarf bei verschiedenen Tätigkeiten. Wir erklären, was es mit den Begriffen im Pflegegutachten auf sich hat:

  • 0 Punkte bedeutet „vorhanden“ oder „unbeeinträchtigt“ – Beispiel: Das Treppensteigen ist „unbeeinträchtigt“ oder die zeitliche Orientierung ist „vorhanden“
  • 1 Punkt bedeutet „größtenteils vorhanden/unbeeinträchtigt“
  • 2 Punkte bedeuten „in geringem Maße vorhanden / beeinträchtigt“
  • 3 Punkte bedeuten „nicht vorhanden“ oder „beeinträchtigt“

Ähnlich wird beim Thema Häufigkeit („nie“, „selten“, „häufig“ und „immer“) oder dem zeitlichen Aufwand bei krankheits- oder therapiebedingten Anforderungen verfahren („entfällt/selbstständig“, „täglich“, „wöchentlich“, „monatlich“). Wer sich beispielsweise täglich Insulinspritzen setzen lässt, bekommt entsprechend mehr Punkte als der monatliche Arztbesuch, zu dem Sie Ihr pflegender Angehöriger fährt.

 

MEDICPROOF-Gutachter – Wer ist das?

Die MEDICPROOF GmbH arbeitet mit unabhängigen Ärzten und Pflegefachkräften zusammen, die zu Ihnen nach Hause kommen, um die Begutachtung in Ihrem gewohnten Umfeld durchzuführen. Hier können die Gutachter Ihre Situation am besten einschätzen. Weil die Gutachter freiberuflich sind, sind sie unabhängig und stehen in keinem Angestelltenverhältnis, das sie beeinflussen könnte. Auf diese Weise wird sichergestellt, dass Ihre Pflegebedürftigkeit neutral beurteilt wird.

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Erstelldatum: 7102.80.22|Zuletzt geändert: 2202.90.92
(1)
MEDICPROOF GmbH
www.medicproof.de/unternehmen.html (letzter Abruf am 28.06.2021)
(2)
MEDICPROOF Pflegegutachten
https://www.medicproof.de/unternehmen/#c337
(3)
Begutachtungs-Richtlinien (BRi) 2021
www.mdk.de/fileadmin/MDK-zentraler-Ordner/Downloads/01_Pflegebegutachtung/21_05_17_BRi_Pflegebeduerftigkeit.pdf
(4)
Bildquelle
© MEDICPROOF
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Interview

Die Unterschiede zwischen MEDICPROOF und MDK

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Dr. Regina Grundler
Im Interview
Dr. Regina Grundler
Ärztin

Dr. Regina Grundler ist Ärztin für Allgemeinmedizin mit Zusatzbezeichnung Sozialmedizin. Nach einigen Jahren in Klinik und Praxis arbeitet sie seit 1998 als Pflegegutachterin und seit 2013 als ärztliche Mitarbeiterin im Supervisionsteam von MEDICPROOF. Sie beschäftigt sich u. a. mit der bundesweiten Schulung der MEDICPROOF-Pflegegutachter und der Sicherung der Gutachtenqualität.

MEDICPROOF begutachtet als „Medizinischer Dienst der Privaten“ privat Versicherte auf den Grad ihrer Pflegebedürftigkeit hin. Das Pendent für gesetzlich Versicherte ist der Medizinische Dienst der Krankenversicherung, kurz MDK. pflege.de sprach im Interview mit Dr. Regina Grundler über Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen MEDICPROOF und MDK.

Info
Anmerkung der Redaktion

Seit dem Reformgesetz von 2019 heißt der MDK nur noch Medizinischer Dienst (MD). In diesem Interview ist weiterhin die Rede von „MDK“, weil das Reformgesetz zum Zeitpunkt der Veröffentlichung noch nicht in Kraft getreten war.

Liebe Frau Grundler, Sie sind seit 1998 als Pflegegutachterin tätig und haben in Ihrem Berufsleben bereits tausende Pflegebegutachtungen durchgeführt. Sie waren früher als Ärztin beim MDK beschäftigt und arbeiten seit 2013 für MEDICPROOF.

Zum Einstieg: Wie viele privat Versicherte gibt es in Deutschland im Vergleich zu gesetzlich Versicherten?

Die Zahl der Privatversicherten in Deutschland ist seit vielen Jahren stabil und liegt bei zehn bis elf Prozent. In Zahlen sind das momentan rund 8,8 Millionen privat Versicherte in Deutschland. Und worauf ich gleich zu Beginn hinweisen möchte: Es gibt keine privaten „Kassen“, sondern es sind private „Versicherungsunternehmen“ (lacht).

Wie viele Begutachtungen nimmt MEDICPROOF pro Monat vor?

Es gibt keine privaten Kassen, sondern es sind private Versicherungsunternehmen.
Dr. Regina Grundler

Im Jahr 2016 hatten wir monatlich durchschnittlich 16.000 bis 17.000 Begutachtungen, die Zahl der Begutachtungen steigt aber stetig an. Im Jahr 2017 haben wir insgesamt knapp 200.000 Aufträge bearbeitet.

Wie viele Gutachter stemmen dieses Auftragsvolumen?

Das sind rund 1.100 Gutachter bei MEDICPROOF.

Und welchen Hintergrund haben MEDICPROOF-Gutachter?

Ärzte und Pflegefachkräfte sind die beiden Professionen, die wir bei MEDICPROOF beschäftigen. Im Prinzip ist die Pflegebegutachtung ideal durch beide zu bewerkstelligen.

Sind die Gutachter bei MEDICPROOF festangestellt oder arbeiten sie freiberuflich?

Das ist ein wesentlicher Unterschied zwischen MEDICPROOF und MDK. Ich habe auch viele Jahre für den MDK gearbeitet, so dass ich den MDK auch ganz gut kenne. Dadurch dass MEDICPROOF-Gutachter freiberufliche Honorarkräfte und nicht festangestellt sind (wie MDK-Gutachter), sind sie flexibler was z. B. das Angebot der Begutachtungszeit angeht. Die Gutachter haben ihren eigentlichen Beruf und arbeiten nebenbei als Pflegegutachter und bieten auch gerne mal abends oder am Samstag eine Begutachtung an. Ich selbst habe auch schon an Feiertagen begutachtet. Das klingt jetzt im ersten Moment ein bisschen bedenklich, aber für die Familien ist das eigentlich ein guter Service, weil sich dann niemand Urlaub nehmen muss.

Zudem sind unsere Gutachter weisungsungebunden. Sie sind nur der Begutachtungs-Richtlinie, ihrem Gewissen und ihrer fachlichen Kompetenz verpflichtet.

Gutachter von MEDICPROOF sind unabhängiger als die des MDK.
Dr. Regina Grundler

Heißt das, dass Ihre Gutachter unabhängiger sind als die Gutachter des MDK?

Ja, das würde ich so sagen.

Wie viele Begutachtungen führt ein MEDICPROOF-Gutachter pro Monat durch? Kann sich das jeder Gutachter neben seinem Hauptjob selbst einteilen und organisieren?

Ja, richtig. Grundsätzlich sagt der Gutachter, was er für uns leisten kann und dann versuchen wir ihn, je nach Region, mit diesen Aufträgen zu versorgen. Unsere Bedingung ist allerdings, dass jeder Gutachter eine gewisse Zahl an Gutachten für uns macht, einfach damit er die Routine behält und eine gute Qualität der Begutachtung gewährleisten kann. Wenn jemand z. B. nur ein Pflegegutachten pro Monat machen möchte, dann sehen wir das sehr kritisch. Es gibt Gutachter, die zehn Gutachten pro Monat machen, andere übernehmen 20 Gutachten pro Monat oder mehr.

Wie sehen die Aufgaben des Pflegegutachters genau aus? Soweit ich informiert bin, werden die freiberuflichen Gutachter von der MEDICPROOF-Zentrale in Köln koordiniert und geschult.

Ganz genau, so ist es. Der Gutachter selbst hat keinen Kontakt zum privaten Versicherungsunternehmen des Antragstellers. Wir in der MEDICPROOF-Zentrale vermitteln zwischen den privaten Versicherungsunternehmen und den Gutachtern, verteilen die Aufträge je nach Region. Das heißt: Das Versicherungsunternehmen schickt den Auftrag an uns, wir prüfen ob die Daten vollständig sind usw., und weisen den Auftrag dann einem Gutachter zu. Der Gutachter hat in der Regel 17 Tage Zeit. In diesen 17 Tagen muss der Gutachter den Kontakt zum Antragsteller aufnehmen, den Termin vereinbaren, den Hausbesuch durchführen, das Gutachten fertigstellen und dieses wieder an uns zurücksenden. Und da schließt sich wieder der Kreis zu seiner doch vielleicht größeren Unabhängigkeit im Vergleich zu einem MDK-Gutachter. Wir in der MEDICPROOF-Zentrale sind immer dazwischen geschaltet, so dass kein MEDICPROOF-Gutachter im direkten Kontakt mit dem Versicherungsunternehmen steht. Der Gutachter bleibt unabhängig und weisungsungebunden.

Ich selber bin früher öfter in Hausbesuchen gewesen, in denen ich darüber aufklären musste, dass ich selbst nicht vom Versicherungsunternehmen komme, sondern dass ich ein völlig unabhängiger neutraler Gutachter bin, der in dem Moment vielleicht sogar gar nicht weiß, von welchem Versicherungsunternehmen der Auftrag zur Begutachtung kommt. Das kann ich in den Daten finden, klar, aber in der Regel ist das für den Gutachter nicht relevant.

Sie haben jetzt schon ein paar mal auf kleine Unterschiede zwischen MDK und MEDICPROOF hingewiesen. Was sind die drei größten Unterschiede zwischen MDK und MEDICPROOF?

  1. MEDICPROOF-Gutachter sind freiberuflich und auf Honorarbasis angestellt, die Gutachter des MDK arbeiten hingegen ausschließlich als Pflegegutachter und sind fest angestellt. Für MEDICPROOF-Gutachter ergibt sich durch die Freiberuflichkeit eine größere zeitliche Flexibilität – sowohl was den Tag und die Uhrzeit der Begutachtung anbelangt als auch die Länge des Begutachtungstermins. MEDICPROOF-Gutachter arbeiten bspw. tagsüber als Assistenzarzt im Krankenhaus oder als Pflegefachkraft in einer Senioreneinrichtung und machen abends noch einen Hausbesuch. Dadurch sind sie ganz anders getaktet und flexibler.
  2. Zudem bietet MEDICPROOF eine sog. pflegefachliche Stellungnahme an, was der MDK in der Form nicht bietet. Das ist ein zusätzlicher Besuch einer Pflegefachkraft, den der Gutachter nach dem Hausbesuch veranlassen kann, wenn er z. B. Defizite wie einen beginnenden Dekubitus beobachtet hat. Für diese Stellungnahme kommt – ohne dass sich der Versicherte weiter darum kümmern muss und ohne weitere Kosten – zwei bis drei Wochen nach Terminabsprache eine Pflegefachkraft, um vor Ort diese Defizite (wie z. B. die Gefahr einer Dekubitusentwicklung) im Detail zu analysieren und Lösungen zu entwickeln. Im Nachgang können wir von MEDICPROOF dann z. B. einen Pflegekurs für den Angehörigen in der Häuslichkeit ermöglichen und anbieten. Das heißt die Pflegefachkraft könnte den Angehörigen mit Pflegewissen schulen, wie man richtig lagert um ein Druckgeschwür künftig zu vermeiden.
    Großes Thema ist auch immer der Umgang mit Personen mit Demenz. Der Gutachter bemerkt z. B., dass der Ehepartner dringend Unterstützung benötigt, um mit dem lieb gewordenen Lebenspartner auch in diesem schweren Krankheitsstadium adäquat und liebevoll umzugehen. Dann organisieren wir dafür professionelle Fachkräfte, die diese Schulung und Beratung in der Häuslichkeit vor Ort leisten. Das hat in der Form kein Pendant beim MDK.
  3. MEDICPROOF begutachtet anders als der MDK nicht im Krankenhaus. Sofern für Patienten im Krankenhaus ein Eilantrag auf Pflegegrad gestellt wird, kommen wir nicht in die Klinik zur Begutachtung, sondern entscheiden den Pflegegrad erst einmal nach Aktenlage. Der Eilantrag muss innerhalb von einer Woche erledigt sind, bei uns wird er tagesgleich erledigt. Dieser Antrag kommt per Fax rein und unser Team entscheidet über den voraussichtlichen Pflegegrad. Der ist nur vorläufig, aber dann wissen die Versicherten und ihre Angehörigen schon mal, in welche Richtung es geht. Das hilft den Familien, auch kurzfristig Pflege zu organisieren und man weiß, welche Leistungen man in Anspruch nehmen kann. Einige Wochen später kommt dann der tatsächliche Gutachter zum Hausbesuch oder ins Pflegeheim und stellt den endgültigen Pflegegrad fest. Sollte der letztendlich niedriger sein als die Vorab-Schätzung, hat das keine Konsequenzen und Versicherte müssen nichts zurückzahlen o. ä. Der vorläufige Pflegegrad gilt solange, bis der Gutachter ihn bestätigt, einen höheren oder niedrigeren Pflegegrad ermittelt.

Gibt es Unterschiede zwischen einer Pflegebegutachtung eines Versicherten durch den MDK und durch MEDICPROOF?

Gutachter von MEDICPROOF und MDK arbeiten nach den gleichen Richtlinien. Die Bewertungskriterien sind für alle Gutachter identisch.
Dr. Regina Grundler

Grundsätzliche Unterschiede gibt es nicht, weil die Gutachter von MEDICPROOF und vom MDK nach den gleichen Richtlinien arbeiten und demnach die Bewertungskriterien für alle Gutachter identisch sind. Es gibt identische Vorgaben zur Terminvereinbarung, zu den Fristen, sogar das Gutachtenformular ist fast identisch.

Ich durfte im Jahr 2016 an der Erstellung der neuen Begutachtungsrichtlinien in den Arbeitsgruppen in Berlin teilnehmen, das war sehr spannend. Deshalb kann ich getrost feststellen, dass die Inhalte im Gutachten identisch sind. Was MEDICPROOF und MDK einzig unterscheidet, ist die Reihenfolge der Bearbeitungspunkte. Aber grundsätzlich finden sich in den beiden Gutachten die gleichen Inhalte. Und das ist das, was zählt!

Begutachten beide Institutionen, also MDK und MEDICPROOF, nach ein und derselben gesetzlichen Grundlage?

Ja.

Leistungen gesetzlicher Pflegekasse entgegen privater Versicherungsunternehmen: Gibt es pro Pflegegrad die gleichen Pflegeleistungen?

Absolut. Das sind ja Dinge, die vom Gesetzgeber vorgegeben werden, genauso die Begutachtung und die Kriterien. Hier darf es keine Unterschiede geben.

Vielen Dank für die spannenden Einblicke und Ihre Zeit!

Erstelldatum: 8102.30.12|Zuletzt geändert: 2202.90.92
(1)
Bildquelle
© Robert Kneschke / Fotolia.com
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