Parkinson-Demenz: Definition
Unter einer Demenz beim primären Parkinson-Syndrom versteht man eine Demenz, die sich im Verlauf einer Parkinson-Erkrankung entwickelt. Davon betroffen ist rund ein Drittel aller Parkinson-Patienten.

Statistik: Risiko einer Parkinson-Demenz bei Demenzkranken
Parkinson-Demenz: Ursachen
Das Spiel der Botenstoffe in den Nervenzellen unseres Gehirns ist ebenso komplex wie überaus sensibel. Auch bei einer Parkinson-Demenz gilt, dass Botenstoffe und Eiweißteile bei der Entstehung eine Rolle spielen wie bei einer Demenz vom Typ Alzheimer. Tatsächlich sind die Ursachen einer Parkinson-Demenz nicht abschließend geklärt, Wissenschaftler u. a. aus der Alzheimerforschung vermuten aber folgende Ursachen:

- Mangel an Dopamin
- Lewy-Körperchen
- Mangel an Acetylcholin
Der Mangel am Botenstoff Dopamin in der substantia nigra („schwarze Substanz“) im Mittelhirn gilt unter Forschern als einer der Auslöser des Parkinson-Syndroms. Der Mangel an Dopamin (das die körperliche Beweglichkeit steuert) beeinflusst zugleich die Menge an Acetylcholin (das die geistige Beweglichkeit steuert) im Gehirn und lässt sie zunächst überschießen. Das wird im Frühstadium eines Parkinson-Syndroms oft medikamentös ausgeglichen. Im weiteren Verlauf der Parkinson-Erkrankung sterben nicht nur jene Zellen ab, die Dopamin erzeugen, sondern auch jene, die Acetylcholin hervorbringen. Die Folge: Der Acetycholin-Spiegel sinkt. Ein Mangel an Acetylcholin aber, das ist aus der Alzheimer-Forschung bekannt, kann eine Demenz auslösen.
Zudem konnten bei verstorbenen Patienten mit Parkinson-Demenz auch die sog. Lewy-Körperchen im Gehirn nachgewiesen werden. Lewy-Körperchen sind Eiweißteilchen, die sich bei einer Parkinson-Demenz vor allem in der substantia nigra ablagern – anders als bei der Lewy-Körperchen-Demenz, wo sie sich vor allem in der Großhirnrinde ansammeln.
Unter Experten gilt es als unumstritten, dass auch Hormone wie Noradrenalin (steuert die Wachheit und Aufmerksamkeit) und Serotonin („Wohlfühlhormon“) eine Parkinson-Demenz begünstigen können.
Parkinson-Demenz: Risiko
Das Risiko, im Verlauf einer Parkinson-Erkrankung auch an einer Demenz zu erkranken, hängt von mehreren Faktoren ab:
- Lebensalter
- Krankheitsdauer
- Auftreten von Halluzinationen
- Depression (z. B. Altersdepression)
Erste Hinweise, ob sich eine Demenz ankündigt, sollten deshalb aufmerksam beobachtet werden. Gerade für Angehörige eines Parkinson-Patienten ist eine gute Beobachtung wichtig. Nur so können sie den Krankheitsverlauf einschätzen, rechtzeitig mit den Ärzten sprechen, Therapien und Medikamente anpassen lassen – und auch das Risiko einer Demenz schon früh erkennen.
Angehörige können vor allem folgende vier Bereiche beobachten:
- Ist der Betroffene oft apathisch oder depressiv?
- Ist der Betroffene oft ängstlich?
- Hat der Betroffene Halluzinationen?
- Ist der Betroffene tagsüber oft sehr müde?
Wer diese Fragen überwiegen mit „Ja“ beantworten kann, sollte mit dem Betroffenen darüber sprechen bzw. mit ihm einen Neurologen konsultieren, um weitere Tests durchführen zu lassen.
Parkinson-Demenz: Diagnose
Nicht jede kognitive Störung, die während einer Parkinson-Erkrankung auftritt, muss gleich eine Demenz sein. Es gibt auch andere psychische oder körperliche Erkrankungen, die den Symptomen einer Demenz ähneln können (z. B. Desorientierung durch Flüssigkeitsmangel oder Halluzinationen durch Medikamenten-Nebenwirkungen).
Eine sichere Diagnose können Experten stellen, wenn mindestens zwei der vier kognitiven Funktionen eingeschränkt sind:
- Aufmerksamkeit
- Exekutive Funktionen (z. B. Planen, Organisieren, Strukturieren von Aufgaben)
- Visuell-räumliche Funktionen
- Freier Abruf von Gedächtnisinhalten
Allerdings müssen diese Einschränkungen so ausgeprägt sein, dass sie den Alltag beeinträchtigen. Eine umfassende Anamnese und Tests wie bspw. der PANDA-Test oder Demenz-Tests wie der Uhrentest, MMST oder DemTect-Test können eine Parkinson-Demenz bestätigen oder ausschließen. Auch Bildgebende Verfahren wie etwa eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) können Veränderungen im Gehirn zeigen – die Atrophie (Schrumpfung) von Hirngewebe.
Alzheimer oder Parkinson-Demenz?
Eine Parkinson-Demenz weist andere Symptome auf als eine Demenz vom Typ Alzheimer. Wo liegt der Unterschied zwischen einer Parkinson-Demenz und Alzheimer?
Zwei wesentliche Unterschiede gibt es zwischen Alzheimer- bzw. Parkinson-Demenz:
- Menschen mit Parkinson-Demenz können noch neue Inhalte lernen und abspeichern. Es dauert vielleicht etwas länger und geht auch nur langsam – doch das ist eine Fähigkeit, die bei einer Demenz vom Typ Alzheimer nicht mehr vorhanden ist.
- Auch die Gedächtnisstörungen treten bei einer Parkinson-Demenz erst relativ spät im Verlauf der Erkrankung auf.
Parkinson-Demenz: Vorbeugen & Leben
Zwar lässt sich der Zellabbau, der die Parkinson-Demenz hervorruft, nicht verhindern, doch gibt es Hinweise darauf, dass sich der Ausbruch einer Demenz im Rahmen einer Parkinson-Erkrankung mit entsprechender Demenz-Therapie zumindest verzögern lässt. Zugleich sind die folgenden Tipps empfehlenswert, wenn bereits eine Parkinson-Demenz besteht – sowohl für Betroffene selbst als auch für Angehörige von Menschen mit Parkinson-Demenz.
5 Tipps für Betroffene, um mit einer Parkinson-Demenz zu leben
- Achten Sie darauf, genügend zu trinken. Dehydrierung ist eine Gefahr bei Parkinson.
- Achten Sie auf Ihre Ernährung. Sie sollte möglichst ausgewogen, fettarm und kalziumreich sein.
- Machen Sie Gehirnjogging wie z. B. Sudoku, Rätsel oder Denksportaufgaben. Nach aktivem Gehirntraining steigt der Dopaminspiegel nachgewiesenermaßen an.
- Nutzen Sie kreative Therapien wie Malen, Musik, Sport – körperliche Bewegung fördert auch die geistige Beweglichkeit.
- Treffen Sie sich mit Freunden und mit anderen Betroffenen. Soziale Kontakte bereichern nicht nur Ihren Alltag, sondern tragen auch dazu bei, dass Sie nicht vereinsamen.
5 Tipps für Angehörige für den Umgang mit einer Parkinson-Demenz
Auch Sie als Angehöriger eines Menschen mit Parkinson-Demenz können es sich mit den folgenden Tipps ein wenig einfacher machen:
- Achten Sie auf die Ernährung Ihres Angehörigen und darauf, dass Medikamente und manche Lebensmittel nicht miteinander kombiniert werden. Eiweißhaltige Lebensmittel vermindern z. B. die Wirkung von L-Dopa, einem Medikament zur Behandlung von Parkinson.
- Nutzen Sie Angebote wie Tages- und Nachtpflege, damit Sie entlastet werden und ein bisschen freie Zeit haben. Zudem stehen anerkannt Pflegebedürftigen Betreuungs- und Entlastungsleistungen zu, die Sie für die stundenweise Betreuung Ihres Angehörigen oder Dienstleistungen für Senioren wie Alltagsbegleiter, Besuchsdienste usw. nutzen können.
- Nehmen Sie mobile Hilfsdienste oder das Angebot von Kuren für pflegende Angehörige in Anspruch – auch Sie haben ein Recht auf Urlaub! Denken Sie daran, dass Sie z. B. Anspruch auf Verhinderungspflege/ Urlaubspflege haben. Wenden Sie sich an eine Selbsthilfegruppe und tauschen Sie sich mit anderen Angehörigen aus. Schon das Gespräch in einem geschützten Rahmen kann Sie entlasten und lässt Sie mit Ihren Sorgen nicht alleine.
- Reagieren Sie sensibel auf Halluzinationen oder Aggressionen – sie sind nicht persönlich gemeint, sondern Folge einer Erkrankung. Der Betroffene kann sie nicht steuern.
Prüfen Sie präventive Maßnahmen im häuslichen Umfeld. Kann Ihr Angehöriger die Treppe noch bewältigen oder das Bad mitsamt der Badewanne weiterhin sicher nutzen? Bedenken Sie, dass Ihr Angehöriger bei anerkanntem Pflegegrad Anspruch auf Unterstützung bei der Wohnraumanpassung hat, die Sie für Maßnahmen zugunsten eines barrierefreien Badezimmers oder den Einbau eines Treppenlifts nutzen können.