Lewy-Body-Demenz / Lewy-Körper-Demenz

Lewy-Körper-Demenz

Die Lewy-Body-Demenz (kurz: LBD, auch: Lewy-Körperchen-Demenz oder Lewy-Körper-Demenz) zählt zu den neurodegenerativen Demenzformen und wird durch die namensgebenden Lewy-Körperchen in den Nervenzellen der Hirnrinde ausgelöst.(1) Die Lewy-Body-Demenz ist seltener als Alzheimer und wird bei rund fünf Prozent aller Demenzerkrankungen diagnostiziert.(2) Betroffene zeigen neben einer fortschreitenden Gedächtnis- und Bewegungsstörung auch auffällig schnelle Schwankungen ihrer geistigen Fähigkeiten und ihrer Wachheit im Tagesverlauf.

Inhaltsverzeichnis

Lewy-Body-Demenz / Lewy-Körperchen-Demenz: Definition & Bedeutung

Die Lewy-Body-Demenz (kurz: LBD, auch: Lewy-Körperchen-Demenz oder Lewy-Körper-Demenz, englisch Lewy-Body-Dementia) ist eine Form einer neurodegenerativen Demenz. Sie wird durch kleine Proteineinschlüsse in den Nervenzellen der Großhirnrinde ausgelöst. Charakteristisch für diese Form der Demenz sind vor allem psychotische Störungen, Bewegungsstörungen und im Tagesverlauf auffallend starke Schwankungen der Aufmerksamkeit sowie der geistigen und körperlichen Verfassung des Betroffenen.

Eine Lewy-Body-Demenz beziehungsweise Lewy-Körperchen-Demenz kann allein oder als Begleiterkrankung eines Parkinson-Syndroms auftreten.

Info

Was sind neurodegenerative Demenzen?

In der Medizin beschreibt der Begriff „neurodegenerativ“ Vorgänge, die den Verlust von Nervenzellen und damit den Verfall des Nervensystems verursachen. Neurodegenerative Erkrankungen sorgen deshalb für Funktionsstörungen des Nervensystems und der Psyche.(3) Demenz-Erkrankungen wie Alzheimer, die Frontotemporale Demenz oder auch die Lewy-Body-Demenz schädigen das Gehirn, sind also neurodegenerativ. Sie werden daher unter den neurodegenerativen Demenzen zusammengefasst. 

Was sind Lewy-Körperchen?

Der deutsche Nervenarzt Friedrich Lewy forschte um 1910 an Parkinson und entdeckte dabei kleine Eiweißablagerungen in den Nervenzellen des Mittelhirns bei Parkinson-Patienten. Diese runden Protein-Ablagerungen beziehungsweise „Körperchen“, wurden nach ihm („Lewy-Körperchen“) benannt.(4) Sie treten bei Parkinson und einer Lewy-Body-Demenz auf, jedoch in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns. Es kann ebenfalls vorkommen, dass sich bei Alzheimer Patienten Lewy-Body-Körperchen im Gehirn finden lassen, und bei Lewy-Body-Patienten die sogenannten Alzheimer Plaques.

Durch neue neuropathologische Untersuchungsverfahren wurde um 1989 bekannt, dass solche Lewy-Körperchen nicht nur im Mittelhirn, sondern auch in und unter der Großhirnrinde (kortikal und subkortikal) vorkommen können. Und dies auch bei Demenz-Patienten, die keine oder erst spät Parkinson-Symptome zeigten. Außerdem lösen sie nicht Parkinson aus, sondern ein anderes Krankheitsbild: die Lewy-Body-Demenz oder Demenz mit Lewy-Körperchen (kurz: „DLB“).(5)

Info

Levi Body Demenz oder Lewy Body Demenz?

Die richtige Bezeichnung lautet Lewy-Body-Demenz. „Lewy“ leitet sich vom deutschen Nervenarzt Friedrich Lewy ab. „Body“ kommt aus dem Englischen und bedeutet ins Deutsche übersetzt „Körper“. In der deutschen Sprache ist demnach auch die Rede von einer Lewy-Körper-Demenz.

Häufigkeit der Lewy-Körperdemenz

Um die Häufigkeit einer Lewy-Body-Demenz einzuordnen, müssen die verschiedenen Formen der Demenz beachtet werden. Bei den Demenz-Erkrankungen werden folgende Formen unterschieden: primäre und sekundäre Demenzen. Bei den primären wird noch die Unterscheidung in vaskuläre und neurodegenerative Demenzen vorgenommen.

Wenn man nur die neurodegenerativen Demenzen betrachtet, ist die Lewy-Body-Demenz nach Alzheimer die zweithäufigste Demenzform.(6) Werden alle Formen der Demenz untersucht, dann tritt die Lewy-Body-Demenz nach Alzheimer und den vaskulären Demenzen am dritthäufigsten auf.(7)

Info

Primäre und sekundäre Demenzen

Demenz-Erkrankungen lassen sich in primäre Demenzen und sekundäre Demenzen unterteilen. Sekundäre Demenzen können beispielsweise durch Hirnverletzungen oder Giftstoffe auftreten. Diese schädigen das Gehirn und sorgen so für eine Abnahme der geistigen Leistungsfähigkeit. Die primären Demenzen lassen sich in vaskuläre Demenzen (Durchblutungsstörungen der Nervenzellen) und neurodegenerative Demenzen (Abbau von Nervenzellen) unterteilen.

Lewy-Körperchen-Demenz: Symptome & Anzeichen

Im Gegensatz zu den Eiweißablagerungen (sogenannte Plaques), die bei einer Demenz vom Typ Alzheimer auftreten, sind die Lewy-Körperchen viel seltener. Doch bereits im frühen Stadium können sie heftige Symptome auslösen.(2) Diese müssen jedoch nicht alle auftreten. Die nachfolgende Tabelle gibt einen Überblick über die möglichen Symptome bei einer Lewy-Body-Demenz:

Symptome bei Lewy-Körper-Demenz Beschreibung und Vorkommen
Optische beziehungsweise visuelle Halluzinationen
  • Patienten sehen Menschen oder Tiere
  • Akustische Halluzinationen kommen kaum vor
  • Früh im Krankheitsverlauf
Bewegungsstörungen und Störungen im Gangbild

(Diese Symptome werden oft fälschlicherweise mit einer Parkinson-Erkrankung in Verbindung gebracht. Viele Lewy-Body-Demenz-Patienten stürzen häufiger und verlieren manchmal für mehrere Minuten das Bewusstsein.)

  • Motorische Muskelsteifigkeit (Rigor)
  • Zittern der Hände (Tremor)
    verlangsamte Bewegungen (Akinese)
  • Gestörtes Gangbild (kleine Schritte, nach vorne gebeugt, zur Seite geneigt (sogenanntes Pisa-Syndrom))
  • Weniger Ausdruck im Gesicht (Hypomimie)
  • Etwa ein Jahr nach Beginn der Erkrankung
Aufmerksamkeitsstörungen und Schwankungen in der geistigen Verfassung
  • Starke Schwankungen in der Aufmerksamkeit und Wachheit
  • Abwechslung von fit und munter zu verwirrt und orientierungslos
  • Sprache wird meist erst im späteren Verlauf beeinträchtigt
Schlafstörungen beziehungsweise Verhaltensstörungen im Traumschlaf
  • Fehlende motorische Hemmung
  • Dadurch sprechen, schreien oder bewegen (REM-Schlaf-Verhaltensstörung) im Schlaf
  • Auch tagelanger Tiefschlaf möglich
Depressionen und Wahn
Kreislaufstörungen
  • Niedriger Blutdruck
  • Besonders nach dem Aufstehen, nach längerem Sitzen oder Stehen
Körperliche Beeinträchtigungen
  • Inkontinenz
  • Sprach- und Schluckstörungen
  • Im weiteren Verlauf der Krankheit
Info

Verwechslungsgefahr von Alzheimer & LBD

Sehr häufig wird fälschlicherweise eine Demenz vom Typ Alzheimer diagnostiziert, obwohl eine Lewy-Body-Demenz vorliegt. Ein etwas sicherer Hinweis können die sogenannten extrapyramidalmotorischen Störungen sein, also Störungen der Bewegung, der Muskeln und der Körperhaltung. Deshalb ist vor allem eine frühzeitige Sturzprophylaxe wichtig. Auch Halluzinationen sind dringend behandlungsbedürftig, beispielsweise zusammen mit einem Psychiater.

Ursachen & Risikofaktoren der Lewy-Körperchen-Demenz

Laut der Deutschen Alzheimer Gesellschaft (DAlzG) sind bislang keine Risikofaktoren bekannt, die eine Lewy-Körperchen-Demenz begünstigen. In wenigen Familien wurde die Erkrankung durch ein verändertes Erbgut hervorgerufen und nachgewiesen. Dabei waren die gleichen Gene betroffen, deren Mutation auch Parkinson auslöst.(2) Auch die Ursachen für die Entstehung der Eiweißablagerungen sind nicht bekannt.

Tipp
Demenzwoche 2021: Aktionswoche Demenz von pflege.de

Vom 20. September bis zum 24. September 2021 veranstaltete pflege.de ein eigenes Programm zur Demenzwoche unter dem Motto „Derselbe Mensch“. pflege.de sprach dazu mit verschiedenen Menschen aus dem Demenzalltag. Die Gespräche wurden aufgenommen und können Sie sich noch ansehen.

Diagnostik von Lewy-Body-Demenz

Die Diagnose einer Lewy-Body-Demenz zu Lebzeiten ist eher schwierig, denn viele Symptome deuten auf die Krankheitsbilder Alzheimer und Parkinson hin. Wichtige Hinweise liefern allerdings die psychischen Auffälligkeiten und die oft starken Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit am Tag. Ein wesentlicher Fokus bei der Diagnostik liegt daher auf den typischen klinischen Symptomen.(4)

Patienten mit einer Lewy-Body-Demenz haben oft visuell-konstruktive Defizite. Dies kann sich darin äußern, dass der Betroffene zum Beispiel Schwierigkeiten hat, etwas auf ein Blatt Papier zu zeichnen oder aus seinem Gedächtnis auf das Papier zu übertragen. Um diese Defizite aufzuzeigen, kann der sogenannte Uhrentest sinnvoll sein. Andere neurologische Tests, wie beispielsweise der Mini Mental Status Test (MMST), helfen hingegen in der Regel nicht bei der Diagnose einer Lewy-Körper-Demenz.(8)

Fünf mögliche Warnzeichen für eine Lewy-Körperchen-Demenz:

  • Der Betroffene stürzt häufig und zeigt Parkinson-ähnliche Symptome.
  • Die Person entwickelt ein auffälliges Gangbild: Sie geht langsamer als früher oder auffällig nach vorne beziehungsweise zur Seite gebeugt.
  • Der Betroffene verliert häufig das Bewusstsein (zum Beispiel morgens nach dem Aufstehen).
  • Es treten häufig visuelle Halluzinationen auf. Das heißt, der Betroffene sieht angsteinflößende Menschen oder Tiere.
  • Manchmal ist er/sie gar nicht ansprechbar und kurz darauf doch wieder klar und orientiert.

Die Häufigkeit dieser Ereignisse kann dem Arzt helfen, eine Diagnose zu treffen. Technische, bildgebende Verfahren, wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT), geben keinen Hinweis auf eine Lewy-Body-Demenz. Sie werden im Rahmen der Diagnose jedoch trotzdem durchgeführt, um andere Erkrankungen, wie etwa einen Hirntumor, auszuschließen.(4) Das gleiche gilt für Bluttests.

Letztlich lässt sich eine Lewy-Body-Demenz erst nach dem Tod sicher nachweisen, wenn bei der Obduktion (Untersuchung des Toten) die Eiweißeinschlüsse (Lewy-Körperchen) in und unter der Großhirnrinde nachgewiesen werden.

Tipp
Notieren Sie alle auffälligen Ereignisse

Halten Sie alle Auffälligkeiten möglichst frühzeitig schriftlich fest – zum Beispiel in einem Pflegetagebuch. In einem Pflegetagebuch können Sie außerdem dokumentieren, in welchen alltäglichen Lebensbereichen Unterstützung benötigt wird, wie etwa bei der Körperpflege, Mobilität oder hauswirtschaftlichen Versorgung. Diese Notizen können beim Arztbesuch wichtige Informationen geben und bei zunehmendem Unterstützungsbedarf auch im Rahmen einer Pflegebegutachtung zum Einsatz kommen. Nutzen Sie dafür gerne die kostenlose Vorlage von pflege.de.

Bonus
Ihr Pflegetagebuch – zur Dokumentation Ihres persönlichen Pflegebedarfs
  • Dokumentation leicht gemacht
  • Gut vorbereitet in die Pflegebegutachtung
  • Fairen Pflegegrad erhalten

Lewy-Body-Demenz: Verlauf

Die Lewy-Body-Demenz beginnt zumeist ab dem 65. Lebensjahr. Die durchschnittliche Krankheitsdauer liegt bei acht Jahren.(2)

Eine Lewy-Körperchen-Demenz entwickelt sich unterschiedlich schnell. Wegen der Parkinson-ähnlichen Symptome (zum Beispiel Muskelzittern, langsame Bewegungen und eingeschränkte Mimik) besteht auch hier eine Verwechslungsgefahr mit einem anderen Krankheitsbild, das wiederum andere Therapien erfordert und auch einen anderen Verlauf nimmt.

Besonders herausfordernd für die Angehörigen sind die Verhaltensauffälligkeiten des Betroffenen bei einer Lewy-Body-Demenz. Wahnhafte Perioden, Halluzinationen und körperliche Beeinträchtigungen führen oft zu einem Rückzug der erkrankten Person. Umso wichtiger ist es, dass Angehörige gut über das Krankheitsbild informiert sind – um wiederum auch andere, nahestehende Personen und Pflegekräfte über die Erkrankung mitsamt ihren Symptomen aufklären zu können.

Tipp
Pflegekurse für Angehörige

Um pflegebedürftige Personen bestmöglich zu umsorgen, können Angehörige in Pflegekursen speziell geschult werden. So gibt es beispielsweise Grundlagen-Kurse zu häuslicher Pflege, aber auch Kurse zu verschiedenen Krankheiten, unter anderem zur Demenz. Pflegekurse werden von Pflegekassen oder anderen lokalen Einrichtungen angeboten. In der Regel übernehmen die Pflegekassen die Kosten.

Lewy-Körper-Demenz: Endstadium

Gerade für Angehörige ist die Lewy-Body-Demenz besonders fordernd. Sie müssen sich darauf vorbereiten, dass der Betroffene oft stürzt, im Schlaf um sich schlägt (weil er zum Beispiel Angstträume hat und darauf auch körperlich reagiert), plötzlich das Bewusstsein verliert oder beginnt, an Inkontinenz zu leiden.

Vor allem die Bewegungseinschränkungen und die Sturzgefahr führen dazu, dass die Betroffenen schließlich bettlägerig werden. Sehr häufig kommt es im Endstadium zu Schluckstörungen (Dysphagie) und dadurch zu einer Lungenentzündung, die zum Tode führen kann.

Tipp
Mit diesen Hilfsmitteln können Sie den Pflegealltag mit Lewy-Body-Demenz erleichtern

Organisieren Sie bei einer Lewy-Körper-Demenz auch die passenden Hilfsmittel für Ihren Angehörigen. Mit einem Hausnotrufsystem oder einem mobilen Notruf kann Ihr Angehöriger zum Beispiel nach einem Sturz schnell Hilfe organisieren. Ein GPS-Tracker ermöglicht Ihnen die exakte Lokalisierung Ihres demenzerkrankten Angehörigen, falls er eine Lauftendenz zeigt oder sich verirrt hat.

Pflegegrad bei Lewy-Körper-Demenz

Mit einem anerkannten Pflegegrad haben Betroffene einer Lewy-Body-Demenz und deren Angehörige unter anderem Anspruch auf Hilfsmittel. Sie sind sich unsicher, ob bei Ihrem demenzerkrankten Angehörigen ein Pflegegrad (ehemals Pflegestufe) vorliegt? Der kostenlose Pflegegradrechner von pflege.de unterstützt Sie bei der Errechnung des voraussichtlichen Pflegegrads und bringt Sie in nur wenigen Schritten zu Ihrem persönlichen Ergebnis.

Pflegegradrechner von pflege.de
Jetzt Pflegegrad berechnen!

Mit dem Pflegegradrechner können Sie überprüfen, ob in Ihrer Situation Aussicht auf Erfolg bei der Beantragung eines Pflegegrades besteht:

  • Detaillierte Erfassung der Situation
  • Am Begutachtungsverfahren orientiert
  • Einfach & kostenlos

Therapie bei Lewy-Body-Demenz

Wie viele andere Demenzerkrankungen, lässt sich auch die Lewy-Körperchen-Demenz bisher nicht heilen.(9) Mit medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapiemöglichkeiten können jedoch die Symptome gelindert werden.

Medikamentöse Therapie bei einer Lewy-Body-Demenz

Einsatz von Cholinesterasehemmern

Bei einer Therapie sprechen Lewy-Body-Betroffene gut auf moderne Antidemetiva, wie zum Beispiel Acetylcholinesterase-Hemmer beziehungsweise Cholinesterasehemmer, an. Antidemetiva sind Medikamente, welche die geistige Leistungsfähigkeit verbessern und das Fortschreiten von einer Lewy-Body-Demenz verlangsamen sollen.(10) Daher werden sie bei der Behandlung von Demenzen eingesetzt. Zu diesen Antidemetiva-Medikamenten gehören auch die sogenannten Cholinesterasehemmer. Diese können sich zum Beispiel positiv auf optische Halluzinationen, Verwirrtheit und Verhaltensstörungen auswirken.(11)

Cholinesterasehemmer verhindern, dass das Acetylcholin, ein Botenstoff des zentralen Nervensystems, abgebaut wird. Dazu blockieren sie das Enzym Cholinesterase, welches für den Abbau zuständig ist. So soll das Gehirn länger eine gute Leistungskraft beibehalten. In der Demenz-Therapie werden solche Cholinesterasehemmer eingesetzt, weil sie den Verlauf der Erkrankung positiv beeinflussen und das Auftreten von Symptomen verlangsamen können.(12)

Neuroleptika beziehungsweise Antipsychotika

Der Einsatz von Neuroleptika, auch Antipsychotika genannt, ist bei Menschen mit einer Lewy-Body-Demenz schwierig. Antipsychotika werden unter anderem bei der Behandlung von Psychosen, wie beispielsweise einer Schizophrenie, eingesetzt. Sie wirken Wahnvorstellungen sowie Halluzinationen entgegen und haben gleichzeitig meist eine beruhigende Wirkung. Bei Demenzen sollen vor allem Verwirrtheitszustände und starke Unruhe gemildert werden.(13)

Personen mit einer Lewy-Body-Erkrankung reagieren jedoch meistens sehr sensibel beziehungsweise überempfindlich auf Neuroleptika. Sie vertragen diese Medikamente daher eher schlecht. Diese Überempfindlichkeit bezeichnet man als neuroleptische Sensitivität. Viele Medikamente sind nicht für die Behandlung einer Lewy-Body-Demenz zugelassen, können aber manchmal im Einzelfall gut wirken. Hier müssen Ärzte deshalb sehr behutsam vorgehen.(7)

Tipp
Holen Sie sich Hilfe von Experten

Die Diagnose Lewy-Body-Demenz stellt den Betroffenen und seine Angehörigen vor eine große Herausforderung. Um mit diesem Thema besser zurechtzukommen, können Sie sich Hilfe und Rat von Experten einholen. Regelmäßiger Austausch mit Ärzten, Pflegekräften oder Ergo- und Physiotherapeuten kann hierbei hilfreich sein. Diese Menschen können Ihnen Tipps für den Umgang mit der Krankheit und der Bewältigung im Alltag geben.

Nicht-medikamentöse Therapie bei einer Lewy-Body-Demenz

Gerade die nicht-medikamentöse Therapie ist bei einer Lewy-Body-Demenz besonders wichtig – und damit sind auch pflegende Angehörige in besonderer Weise gefordert. Bei den Behandlungsformen gelten die gleichen Empfehlungen wie bei der Alzheimer-Krankheit. Diese sollen geistige Fähigkeiten aufrechterhalten, das Wohlbefinden erhöhen und dem Patienten helfen, seinen Alltag besser zu meistern. Verfahren wie Physiotherapie (Krankengymnastik), Ergotherapie, Logopädie und Verhaltenstherapie können, wenn ärztlich verordnet, auch von der Krankenkasse erstattet werden.(4)

Folgende nicht-medikamentöse Behandlungsformen werden unter anderem bei einer Lewy-Body-Demenz empfohlen:(14)

  • Kognitives Training / Gedächtnistraining
    Hier sollen das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit und das Denken und die Konzentration gefordert und gefördert werden. Mit alltagnahen Aktivitäten, meistens in Gruppen, wird so die Hirnleistung trainiert. Häufig wird das Realitätsorientierungstraining (kurz: „ROT“) eingesetzt. Mit Uhren, Kalendern, Namensschildern und so weiter sollen die Betroffenen sich besser in Bezug auf Zeit und Umgebung orientieren. So werden kognitive Fähigkeiten und die Kommunikation gesteigert.
  • Ergotherapie, Logopädie, Physiotherapie, Verhaltenstherapie
    Mit diesen verschiedenen Therapieformen sollen alltägliche Fähigkeiten erhalten bleiben. Sie zielen zum Beispiel auf den besseren Umgang mit einer Schluckstörung, mit Förderung der körperlichen Leistungsfähigkeit oder der Behandlung einer Depression ab. Dadurch soll die Lebensqualität verbessert werden. Auch Angehörige erhalten hierbei oft wertvolle Tipps oder Anleitungen, zum Beispiel zur Nahrungsaufnahme oder Körperpflege.
  • Musiktherapie, Kunsttherapie, Erinnerungstherapie
    Bei diesen Formen der Therapie liegt der Fokus auf dem Erinnern. Dies geschieht beispielsweise durch das Hören oder Spielen von Musik, malerische Tätigkeiten oder den Austausch in einer Gruppe zu Bildern und Geschichten. Dadurch sollen freudige Emotionen geweckt, Depressionen gelindert und die Kreativität angeregt werden. So kann die Stimmung und das Wohlbefinden der betroffenen Person gehoben und das Selbstvertrauen gesteigert werden.

Welche Art der Behandlung angebracht ist, unterscheidet sich je nach Stadium der Erkrankung und der Symptome.

Angehörige können auch im Alltag viel für die Betroffenen tun. Gesunde Ernährung, liebevolle Zuwendung und ein wertschätzender Umgang sowie die Teilhabe am sozialen Leben und Freizeitangeboten können Lewy-Body-Erkrankten das Leben angenehmer machen. Denn auch Menschen mit einer Demenz wollen akzeptiert werden.

Info

Stress vermeiden bei Lewy-Body-Demenz

Menschen mit einer Lewy-Body-Demenz reagieren sehr sensibel auf ihre Umwelt. Sie sind bei allen therapeutischen Angeboten darauf angewiesen, dass die Betreuer die speziellen Herausforderungen einer Lewy-Body-Demenz kennen und achtsam darauf reagieren. Eine Überforderung oder eine übermäßige Sinnesstimulation müssen unbedingt vermieden werden.

Lewy-Body-Demenz: Lebenserwartung

Eine Lewy-Body-Demenz ist ein besonderer Typus von Demenz. Daher kann auch die Krankheitsdauer sehr unterschiedlich ausfallen. Nach dem ersten Einsetzen der Symptome beträgt die Lebenserwartung durchschnittlich meist sechs bis zwölf Jahre.(7)

Lewy-Body-Demenz: Erfahrungsberichte

Als pflegender Angehöriger kann ein Austausch mit anderen Betroffenen bei der Verarbeitung des Erlebten helfen. Teilen Sie Ihre Erfahrungen, wie zum Beispiel in der Facebook-Gruppe „Ich pflege!“. Im Internet finden Sie ebenfalls Fachseiten, Erfahrungsberichte, Fallbeispiele oder Selbsthilfegruppen für pflegende Angehörige.

Tipp
Gut informiert mit dem kostenlosen pflege.de-Newsletter

Sie wollen keine aktuellen Informationen zur Pflege und neuen Ratgeber auf pflege.de verpassen? Dann melden Sie sich gerne für den kostenlosen pflege.de-Newsletter an.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Lewy-Body-Demenz?

Die Lewy-Body-Demenz zählt zu den neurodegenerativen Demenzformen und wird durch die namensgebenden Lewy-Körperchen in den Nervenzellen der Hirnrinde ausgelöst. Die Lewy-Body-Demenz ist seltener als Alzheimer und wird bei rund fünf Prozent aller Demenzerkrankungen diagnostiziert. Betroffene zeigen neben einer fortschreitenden Gedächtnis- und Bewegungsstörung auch auffällig schnelle Schwankungen ihrer geistigen Fähigkeiten und ihrer Wachheit im Tagesverlauf.

Was sind Lewy-Körperchen?

Der deutsche Nervenarzt Friedrich Lewy forschte um 1910 an Parkinson und entdeckte dabei kleine Eiweißreste in den Nervenzellen des Mittelhirns bei Parkinson-Patienten. Diese „Körperchen“ wurden nach ihm („Lewy-Körperchen“) benannt. Sie treten bei Parkinson und einer Lewy-Body-Demenz auf, jedoch in unterschiedlichen Bereichen des Gehirns. Es kann ebenfalls vorkommen, dass sich bei Alzheimer Patienten Lewy-Body-Körperchen im Gehirn finden lassen, und bei Lewy-Body-Patienten die sogenannten Alzheimer Plaques.

Welche Ursachen hat eine Lewy-Körperchen-Demenz?

Bislang sind keine Risikofaktoren bekannt, die eine Lewy-Körperchen-Demenz begünstigen. In wenigen Familien wurde die Erkrankung durch ein verändertes Erbgut hervorgerufen und nachgewiesen. Dabei waren die gleichen Gene betroffen, deren Mutation auch Parkinson auslöst. Auch die Ursachen für die Entstehung der Eiweißablagerungen sind nicht bekannt.

Welche Symptome zeigen sich bei einer Lewy-Body-Demenz?

Folgende Symptome treten bei einer Lewy-Body-Demenz auf: Optische beziehungsweise visuelle Halluzinationen, Bewegungsstörungen und Störungen im Gangbild, Aufmerksamkeitsstörungen und Schwankungen in der geistigen Verfassung, Schlafstörungen beziehungsweise Verhaltensstörungen im Traumschlaf, Depressionen und Wahn, Kreislaufstörungen, körperliche Beeinträchtigungen wie zum Beispiel Inkontinenz.

Welche Leitlinie gilt für die Lewy-Body-Demenz?

Für die Lewy-Body-Demenz und andere Arten der Demenz gilt die sogenannte S3-Leitlinie „Demenzen“. Diese lässt sich auf dem Portal der Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften e.V. (AWMF) finden.

Worin unterscheiden sich die Symptome bei einer Lewy-Body-Demenz und einer Parkinson-Erkrankung?

Bei einer Lewy-Körper-Demenz treten die motorischen Störungen wie Händezittern im Gegensatz zu Parkinson erst im späteren Krankheitsverlauf auf. Dafür zeigen sich typische Demenz-Symptome früher. Wichtige Hinweise auf eine Lewy-Body-Demenz liefern daher die psychischen Auffälligkeiten und die oft starken Schwankungen der geistigen Leistungsfähigkeit im Tagesverlauf.

Wie wird eine Lewy-Body-Demenz diagnostiziert?

Die Diagnose einer Lewy-Body-Demenz zu Lebzeiten ist eher schwierig, denn viele Symptome deuten auf die Krankheitsbilder Alzheimer und Parkinson hin. Wichtige Hinweise liefern allerdings die psychischen Auffälligkeiten. Die Häufigkeit dieser Ereignisse kann dem Arzt helfen, eine Diagnose zu treffen. Technische, bildgebende Verfahren, wie die Computertomographie (CT) oder die Magnetresonanztomographie (MRT), geben keinen Hinweis auf eine Lewy-Body-Demenz. Sie werden jedoch trotzdem durchgeführt, um andere Erkrankungen auszuschließen. Letztlich lässt sich eine Lewy-Body-Demenz erst nach dem Tod sicher nachweisen, wenn bei der Obduktion (Untersuchung des Toten) die Eiweißeinschlüsse (Lewy-Körperchen) in und unter der Großhirnrinde nachgewiesen werden.

Wie sieht die Therapie bei einer Lewy-Body-Demenz aus?

Eine Lewy-Körperchen-Demenz lässt sich bisher nicht heilen. Mit medikamentösen und nicht-medikamentösen Therapiemöglichkeiten können jedoch die Symptome gelindert werden. Medikamente wie Cholinesterasehemmer können sich positiv auf optische Halluzinationen, Verwirrtheit und Verhaltensstörungen auswirken. Therapieformen wie beispielsweise Gedächtnistraining oder Ergotherapie sollen geistige Fähigkeiten aufrechterhalten, das Wohlbefinden erhöhen und dem Patienten helfen, seinen Alltag besser zu meistern.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

/ 5 Bewertungen

Sie haben bereits bewertet.
Vielen Dank!
Wir haben Ihre Bewertung erhalten.
Vielen Dank für Ihre Anmerkungen!
Haben Sie noch Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge?



Erstelldatum: 6102.11.42|Zuletzt geändert: 1202.90.03
(1)
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.: Andere Demenzformen
www.deutsche-alzheimer.de/demenz-wissen/andere-demenzformen (letzter Abruf am 25.08.2021)
(2)
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.: Die Lewy-Körperchen-Demenz (2018)
www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/Alz/pdf/factsheets/infoblatt14_lewy-koerperchen-demenz_dalzg.pdf (letzter Abruf am 07.09.2021)
(3)
Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz: Neurodegenerativ (2021)
www.gesundheit.gv.at/lexikon/n/neurodegernativ-hk (letzter Abruf am 07.09.2021)
(4)
Alzheimer Gesellschaft Berlin e.V.: Lewy-Body-Demenz (2020)
www.alzheimer-berlin.de/demenz/lkd (letzter Abruf am 07.09.2021)
(5)
Alzheimer Gesellschaft Berlin e.V.: Lewy-Body-Demenz (2007)
www.alzheimer-berlin.de/fileadmin/alzheimerberlin/pdf/Mitt_32_Lewy-Koerper-Demenz_2007_1_.pdf (letzter Abruf am 07.09.2021)
(6)
Spektrum.de: Die vergessene Demenz (2014)
www.spektrum.de/magazin/lewy-koerperchen-demenz-gedaechtnisprobleme-und-halluzinationen/1303130 (letzter Abruf am 07.09.2021)
(7)
MSD Manual: Lewy-Körperchen-Demenz und Parkinson-Demenz (2021)
www.msdmanuals.com/de-de/heim/st%C3%B6rungen-der-hirn-,-r%C3%BCckenmarks-und-nervenfunktion/delirium-und-demenz/lewy-k%C3%B6rper-demenz-und-parkinson-demenz (letzter Abruf am 07.09.2021)
(8)
Deutsches Ärzteblatt: Demenz mit Lewy-Körpern und Parkinson-Krankheit mit Demenz (2010)
www.aerzteblatt.de/archiv/78529/Demenz-mit-Lewy-Koerpern-und-Parkinson-Krankheit-mit-Demenz (letzter Abruf am 07.09.2021)
(9)
Alzheimer Gesellschaft Hamburg e.V.: Lewy-Körperchen Demenz (2021)
www.alzheimer-hamburg.de/demenz/lewy-koerperchen-demenz.html (letzter Abruf am 07.09.2021)
(10)
Neurologen und Psychiater im Netz: Psychopharmaka: Antidementiva
www.neurologen-und-psychiater-im-netz.org/psychiatrie-psychosomatik-psychotherapie/therapie/pharmakotherapie/antidementiva/ (letzter Abruf am 20.09.2021)
(11)
MSD Manual: Demenz mit Lewy-Körperchen und Demenz bei M. Parkinson (2018)
www.msdmanuals.com/de-de/profi/neurologische-krankheiten/delir-und-demenz/demenz-mit-lewy-k%C3%B6rperchen-und-demenz-bei-m-parkinson (letzter Abruf am 07.09.2021)
(12)
Gesundheitsinformation.de: Wie gut helfen Cholinesterasehemmer? (2021)
www.gesundheitsinformation.de/wie-gut-helfen-cholinesterasehemmer.html (letzter Abruf am 07.09.2021)
(13)
Therapie.de: Neuroleptika (2021)
www.therapie.de/psyche/info/index/therapie/psychopharmaka/neuroleptika/ (letzter Abruf am 20.09.2021)
(14)
Deutsche Alzheimer Gesellschaft e.V.: Die nicht-medikamentöse Behandlung von Demenzerkrankungen (2016)
www.deutsche-alzheimer.de/fileadmin/Alz/pdf/factsheets/infoblatt6_nichtmedikamentoese_behandlung.pdf (letzter Abruf am 07.09.2021)
Pflegegradrechner
Services
Einfach, schnell und kostenlos zum persönlichen Ergebnis
Abbildung
Services
Mobiler Notruf - Sicherheit für unterwegs
Kostenlose Pflegehilfsmittel small
Services
Kostenlose Pflegehilfsmittel monatlich nach Hause
Notruflotse Serviceteaser
Services
Der Notruflotse - Geräte, Anbieter & Preise vergleichen!
Demenz Prävention large
Gastbeitrag
Meine 7 Tipps zur Prävention einer Demenz
Pflegeberatung Paragraph 37.3
Services
Kostenlose Pflegeberatung - Pflicht bei Pflegegeld-Bezug!
Das könnte Sie auch interessieren
Alzheimer-Demenz
Alzheimer
Alzheimer – Definition, Symptome & mehr
Umgang mit Demenzerkrankten
Umgang
Wie reagieren? Tipps zum Umgang mit Demenz
Hilfe für Angehörige
Demenz-Hilfe
Demenz-Hilfe » Entlastung für Angehörige
Demenz Test Übersicht
Demenz-Tests
Demenz-Test: Früherkennung von Alzheimer
Demenzwoche
Demenzwoche
Demenzwoche 2021 » Programmübersicht
Vaskuläre Demenz
Vaskuläre Demenz
Vaskuläre Demenz: Morbus Binswanger & mehr