Demenzgerechte Raumgestaltung

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Demenzgerechte Raumgestaltung

Personen mit Demenz fällt es mit dem Voranschreiten der Erkrankung zunehmend schwerer, Gefahren zuhause und im Freien richtig einzuschätzen. Demnach ist es wichtig, Betroffene im Verlauf der Demenz zu schützen und sie vor Gefahren zu bewahren. Dies gelingt zum einen durch eine demenzgerechte Gestaltung der Wohnräume sowie den Einsatz passender Hilfsmittel. pflege.de gibt Ihnen Hilfestellungen zur demenzgerechten Raumgestaltung an die Hand und erklärt, welche Hilfsmittel Ihnen und Ihrem Angehörigen mit Demenz helfen können.

Inhaltsverzeichnis

Demenzgerechte Raumgestaltung: räumliche und zeitliche Orientierung

Die oberste Grundregel bei der Raumgestaltung für Demenzerkrankte ist die übersichtliche und einfache Einrichtung des Wohnraums. Viele Sinneseindrücke können den Betroffenen schnell überfordern und es ihm erschweren, sich im Raum zu orientieren. Daher sollten Sie Möbel und Wohngegenstände auf ein Minimum reduzieren, sodass diese vorrangig den Ansprüchen und Bedürfnissen des Erkrankten entsprechen. Somit findet er möglichst schnell, was er sucht, und ist nicht unnötig frustriert. Gleiches gilt ebenso für das Nutzen und Finden von Räumen. Betroffene mit Demenz haben im Verlauf der Krankheit zunehmend Schwierigkeiten, sich in ihrer Wohnung zurechtzufinden und vergessen beispielsweise, wo das Badezimmer ist.

  • Räumliche Orientierung

Türen: Türen können die räumliche Orientierung von demenzerkrankten Menschen beeinflussen und stellen damit eine Barriere dar. Wenn möglich, empfiehlt es sich also, Zimmertüren offen zu lassen oder sogar auszuhängen. Ist dies nicht möglich, können Aufkleber mit einem Symbol für den entsprechenden Raum an den Türen eine praktische Orientierungshilfe sein, zu Beispiel das Symbol einer Badewanne und Toilette an der Badezimmertür. Personen mit Demenz können Bilder in der Regel einfacher deuten als beschriftete Türschilder.

Beleuchtung: Um Ängste und Verwirrtheit zu vermeiden, sollten Räume hell, und Treppen und Ecken gut ausgeleuchtet sein. Spiegelnde Flächen können verunsichern und sollten daher vermieden werden. Beim nächtlichen Toilettengang helfen LED-Nachtlichter mit Bewegungsmelder, sich in der Dunkelheit zu orientieren und Stürze zu vermeiden. Eine andere Möglichkeit sind Lichtbänder mit integrierten Bewegungs- und Helligkeitssensoren. Nachts sollten Lichtquellen auf 50 Lux gedimmt werden.

  • Zeitliche Orientierung

Auch die zeitliche Orientierung des Betroffenen können Angehörige mit einfachen, jedoch effektiven Hilfsmitteln für eine demenzgerechte Raumgestaltung stärken. Ein Kalender mit extra großen Zahlen und ausgeschriebenem Monat und Jahr sowie Symbol für die jeweilige Jahreszeit erleichtert Betroffenen, sich zeitlich zu orientieren und sich der Jahreszeit entsprechend zu kleiden. Als weitere Möglichkeit gibt es Telefone mit Bildtasten. Darauf ist jeder Taste das Bild einer Person bzw. ein Symbol einer Einrichtung, wie beispielsweise einer Arztpraxis, zugeordnet. Damit kann der Bewohner mit Demenz den entsprechenden Kontakt ohne die Eingabe von Ziffern anrufen. Hilfsmittel dieser Art können auch Sie als pflegender Angehöriger psychisch entlasten, da Sie damit wissen, dass sich Ihr Angehöriger mit Demenz in den eigenen Wohnräumen besser zurechtfindet und auch Sie jederzeit telefonisch kontaktieren kann.

3 Tipps für die Orientierung in einer demenzgerechten Wohnung

  1. Hängen Sie die Zimmertüren aus oder bringen Sie an den Türen Symbolaufkleber an.
    Damit beseitigen Sie Barrieren und können die Orientierung Ihres Angehörigen mit Demenz in der Häuslichkeit stärken. Hängen Sie Bilder an die Türen, die die Funktion des Raumes kennzeichnen, beispielsweise eine Badewanne für das Bad. Auch Bilder mit eigenen Möbeln oder persönlichen Gegenständen an Türen oder Schränken sind eine gute Orientierungshilfe.
  2. Sorgen Sie für eine umfassende Beleuchtung.
    Das erleichtert es Ihrem Angehörigen, sich in den Wohnräumen besser zu orientieren.
  3. Reduzieren Sie die Anzahl der Gegenstände in den Wohnräumen auf ein Minimum.
    Das erleichtert die räumliche Orientierung Ihres Angehörigen mit Demenz und räumt zudem Stolperfallen aus dem Weg.
Tipp
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Demenzgerechte Gestaltung: Wandflächen, Bodenbeläge und Kontraste

Personen mit Demenz nehmen die Atmosphäre in einem Raum intensiv wahr. Umso wichtiger ist es, dass die Wohnräume eines Betroffenen freundlich, aber dennoch simpel gestaltet werden.

  • Wandflächen

Helle Wandfarben oder Tapeten sowie eine Deckenbeleuchtung mit warmem Licht verleihen den Räumen ein freundliches Ambiente. Eher weniger geeignet sind hingegen aufgeregte Mustertapeten, weil sie bei Menschen mit Demenz optische Illusionen verursachen können.

  • Bodenbeläge

Bodenbeläge sollten in erster Linie rutschsicher und pflegeleicht sein. Für Küche, Bad oder Waschraum eignet sich Linoleum, für Wohn- und Schlafzimmer ist Parkett oft die richtige Wahl. Teppiche und Matten sind potenzielle Stolperfallen und gehören daher eher nicht in die Wohnung von demenzerkrankten Menschen. Verzichten Sie auch auf wechselnde Bodenstrukturen oder stark reflektierende Böden. Derartige Bodenbeläge können Menschen mit fortgeschrittener Demenz durch ihren unruhigen oder spiegelnden Effekt verunsichern und mögliche Ängste verstärken.

  • Kontrastreiche Umgebung

Für Menschen mit Demenz im fortgeschrittenen Stadium sind Wohn- oder Gebrauchsgegenstände teilweise sehr schwer auffindbar. Daher kann man Betroffene durch eine kontrastreiche Gestaltung der Wohnräume unterstützen. Durch die farbige Hervorhebung von wichtigen Alltagsgegenständen wie zum Beispiel Lichtschalter oder der Toilettenbrille können sie Betroffene schneller finden und wahrnehmen. Das gilt auch umgekehrt: Interessante Fototapeten, Wand-Tattoos, Folien oder die passenden Farben sehen nicht nur schön aus, sondern können gefährliche Bereiche auch verbergen. So verschwindet beispielsweise die Wohnungstür optisch beziehungsweise wird getarnt, wenn sie in derselben Farbe gestrichen wird wie die Wand beziehungsweise die Umgebung.

Weil dementiell erkrankte Personen sehr sensibel auf Farben reagieren können, gilt es, Farbakzente richtig einzusetzen. Insbesondere dunkle Töne sollte man nur gezielt und ausgewählt verwenden, da sie negative Gefühle auslösen können. Eine dunkle Fußmatte oder ein dunkler Teppich können im fortgeschrittenen Stadium der Demenz bspw. als nicht überwindbares Loch im Boden gedeutet werden. Dies kann im schlimmsten Fall dazu führen, dass Bewohner mit Demenz bestimmte Areale des Hauses oder der Wohnung nicht mehr betreten, weil sie Angst davor haben. Wählen Sie zur Einrichtung von Wohnräumen daher besser sanfte Farben wie zum Beispiel eine cremefarbene Fußmatte!

Tipp
Dunkle Farben können auch eine Grenze symbolisieren

Diese „Angst“ vor dunklen Farben kann man aber auch bei der Wohnraumgestaltung von Demenzkranken verwenden. Menschen mit Demenz haben oftmals eine Lauftendenz und leiden aufgrund dessen unter einer starken inneren Unruhe. Wenn man verschlossene Türen (zum Beispiel Haus- oder Wohnungstüren) mit einem dunklen Vorhang verhängt, verliert sie für Personen mit Demenz ihren Aufforderungscharakter und damit mindert sich sein Interesse, durch die Tür gehen zu wollen. So ist es unter Umständen möglich, eine Lauftendenz zu mindern, was Angehörige psychisch entlastet.

6 Tipps für die farbige Gestaltung einer demenzgerechten Wohnung

  1. Gestalten Sie die Wände hell und freundlich.
    So nimmt Ihr Angehöriger mit Demenz eine positive Atmosphäre wahr und negative Gefühle können dadurch minimiert werden.
  2. Verzichten Sie auf auffällige Mustertapeten.
    Zu unruhige Muster können bei Personen mit Demenz optische Illusionen auslösen.
  3. Arbeiten Sie mit Kontrasten.
    Heben Sie zum Beispiel Lichtschalter und Toilettenbrille mit einem starken Kontrast vom Rest der Wohnumgebung ab. Das hilft Betroffenen bei der Orientierung.
  4. Decken Sie Türen mit Aufforderungscharakter mit dunklen Vorhängen ab.
    Damit verlieren Türen ihren Reiz und man kann die Lauftendenz von Personen mit Demenz abschwächen.
  5. Wählen Sie einfarbige Flächen.
    Während einfarbige Flächen beruhigend wirken, sind Muster für Betroffene mitunter diffus und verwirren.
  6. Greifen Sie zur Signalfarbe bei wichtigen Bereichen oder Gegenständen.
    Wichtige Bereiche oder Gegenstände sind besonders gut erkennbar, wenn sie rot hervorgehoben sind – zum Beispiel Geschirr oder Griffe von Besteck.

Hilfsmittel zur Stärkung der Sicherheit bei Personen mit Demenz

Die zunehmende Desorientierung und Vergesslichkeit bei einer Demenzerkrankung birgt viele Risiken im Alltag. Sie als pflegender Angehöriger sind möglicherweise besorgt, dass sich Ihr Verwandter in Ihrer Abwesenheit verletzen könnte und möchten seinen Wohnraum so sicher wie möglich gestalten. Hierzu gibt es eine Vielzahl von nützlichen Hilfsmitteln, die Sie bei der Raumgestaltung bei Demenz unterstützen kann.

Im Allgemeinen empfiehlt es sich zur Sturzprophylaxe Stolperfallen wie lose Kabel oder Teppiche zu entfernen. Achten Sie zudem darauf, den Wohnraum gut auszuleuchten und ein Nachtlicht zur besseren Orientierung in der Dunkelheit zu installieren. Auch im Badezimmer erleichtern einfache Hilfsmittel wie zum Beispiel Haltegriffe und Anti-Rutsch-Matten den Alltag des Betroffenen und erleichtern die Körperpflege. Sollte es jedoch zu einem Sturz Ihres Angehörigen kommen, ist ein Schloss mit einer sogenannte Not- und Gefahrenfunktion hilfreich. Damit können Sie jede Tür öffnen, auch wenn im Zylinder bereits ein Schlüssel steckt.

Tipp
Mehr Sicherheit in der Küche

Eine große Gefahr im Haushalt stellen auch elektronische Geräte für Personen mit Demenz dar. Daher können am Herd sogenannte Herdschutzknöpfe oder auch Schutzknöpfe installiert werden, die das Einschalten des Herds verhindern. Das gibt vor allem Angehörigen ein gutes und beruhigendes Gefühl. Als weitere Sicherheitsmaßnahme sollten in Wohnungen von Personen mit Demenz in allen Räumen Rauchmelder installiert werden, um im Falle eines Brands schnell alarmiert zu werden. Weitere Sicherheit in der Küche bietet ein Schubladenschutz, der das Öffnen nur mithilfe eines Mechanismus zulässt.

7 Tipps für mehr Sicherheit im Haushalt von Personen mit Demenz

  1. Schließen Sie Reinigungsmittel und andere giftige Substanzen sicher weg.
    Dies gelingt durch einen Schubladenschutz oder abschließbare Schränke.
  2. Kleben Sie Ecken und Kanten ab, um das Verletzungsrisikos zu reduzieren.
    Bei einer räumlichen Desorientierung kann sich Ihr Angehöriger mit Demenz ansonsten bei einem Sturz verletzen.
  3. Nutzen Sie Schutzkappen, um Steckdosen abzudecken.
    Steckdosen-Klappen verhindern, dass Ihr Angehöriger versucht, in die Steckdose zu greifen oder mit einem Gegenstand hineindrückt.
  4. Installieren Sie Rauchmelder in allen Räumen.
    Sie dienen der allgemeinen Sicherheit und schnellen Alarmierung im Fall eines Brands.
  5. Verwenden Sie Schutzknöpfe für den Herd, damit dieser nicht ungewollt angeschaltet wird.
    Um sicherzugehen, dass Ihr Angehöriger mit Demenz nicht vergisst, den Herd abzuschalten, leisten Herdschutzknöpfe wertvolle Hilfe.
  6. Meiden Sie Spiegel.
    Spiegel gegebenenfalls durch einen Vorhang tarnen oder ganz auf sie verzichten, da Menschen mit Demenz manchmal ihr eigenes Spiegelbild nicht mehr erkennen und sich erschrecken.
  7. Organisieren Sie für Ihren Angehörigen ein Telefon mit Bildtasten.
    Mit einem demenzgerechten Seniorentelefon gehen Sie sicher, dass Sie Ihr pflegebedürftiger Angehöriger jederzeit anrufen kann.
Tipp
Maßnahmen sollen primär dem Schutz der Person dienen

Seien Sie sensibel für die Gefühle und Fähigkeiten Ihres demenzerkrankten Angehörigen. Die umgesetzten Maßnahmen sollen nicht dafür sorgen, den Menschen mit Demenz zu entmündigen, sondern ihn vor sich oder vermeidbaren Gefahrenquellen zu schützen. Im Ratgeber Alltagshilfen und Hilfsmittel bei Demenz erfahren Sie, mit welchen Mitteln erkrankungsbedingte Herausforderungen bewältigt werden können.

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Erstelldatum: 8102.70.81|Zuletzt geändert: 1202.90.9
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