media4care Logo

Beschäftigung und Spiele für Demenzkranke

Weiterleiten
Demenz-Beschäftigung / Demenz-Spiele

Jeder Mensch hat ein natürliches Bedürfnis nach Beschäftigung – egal ob es berufliche oder familiäre Aufgaben sind, die eigenen Hobbys, Sport oder die Pflege seiner sozialen Kontakte. Dieses Bedürfnis nach Beschäftigung besteht auch im Alter und auch bei einer Demenz-Erkrankung weiterhin. Daher ist die Aktivierung und Beschäftigung von Personen mit Demenz so wichtig und steht nicht nur bei vielen Pflege-Einrichtungen ganz oben auf der Tagesordnung, sondern auch bei der häuslichen Betreuung durch pflegende Angehörige. Ganz nach dem Motto: „Wenn Du Menschen mit Demenz nicht beschäftigst, beschäftigen sie Dich“. pflege.de stellt unterschiedliche Beschäftigungsmöglichkeiten für Demenzkranke vor und gibt Tipps für Spiele und Übungen.

Inhaltsverzeichnis

Beschäftigung für Demenzkranke

Menschen, die an Demenz erkrankt sind, haben Probleme, ihre gewohnten, alltäglichen Aufgaben zu meistern. Sie machen „Fehler“, weil sie Dinge nicht mehr genau wissen oder Handlungen nicht mehr ausführen können. Manchmal trauen sie sich aber auch selbst nichts mehr zu und ziehen sich zurück. Jede gute Pflege und Betreuung weiß deshalb, wie wichtig Beschäftigung für Demenzkranke ist.

Beschäftigung mit Demenzerkrankten
  • Sie schützt vor Einsamkeit.
  • Sie reaktiviert vertraute Handlungen (z. B. Singen oder Backen).
  • Sie trainiert noch vorhandene Fähigkeiten.
  • Sie gibt Struktur im Alltag.
  • Sie sorgt für gute Laune, für Abwechslung und Lebensfreude.
  • Sie stärkt das Selbstvertrauen des Betroffenen. Er hat das Gefühl, noch etwas zu können, etwas wert zu sein.

Beschäftigung bei Demenz: Vorsicht vor Überforderung

Wenn Sie sich als pflegender Angehöriger fragen, wie Sie Ihren demenziell erkrankten Angehörigen gezielt beschäftigen können, müssen Sie behutsam und individuell vorgehen. Nicht alle Beschäftigungen eignen sich für jeden Betroffenen und jedes Stadium der Demenz gleich gut. Je fortgeschrittener die Demenz ist, desto sensibler müssen Sie auf die Einschränkungen eingehen. Während bei einer leichten Demenz Gedächtnisspiele durchaus sinnvoll sind und noch Spaß machen, können sie bei einer mittelschweren Demenz zu erheblicher Verunsicherung führen. Da werden dann einfachste Sprichworte nicht mehr erinnert, das Versagen führt beim Erkrankten zu großer Enttäuschung, oft auch zu Scham und zum Rückzug. Genau das gilt es zu vermeiden.

5 Regeln für die Beschäftigung bei Demenz

  1. Beachten Sie das Stadium der Demenz: Wie weit ist die Demenz fortgeschritten? Was kann der Betroffene noch, was schon nicht mehr?
  2. Berücksichtigen Sie persönliche Vorlieben und Abneigungen, denn die Beschäftigung sollte Spaß machen. Nicht jeder Mensch bastelt gern und nicht jede ältere Frau möchte sich noch mit Hausarbeit beschäftigten.
  3. Respektieren Sie die Entscheidung des Demenzkranken. Lassen Sie es zu, wenn der Erkrankte gar nicht beschäftigt werden möchte, sondern Ihnen vielleicht einfach nur zuschaut, wenn Sie etwas erledigen oder ihm etwas vorlesen.
  4. Akzeptieren Sie es, wenn der Erkrankte eine Beschäftigung ablehnt, die er sonst immer gern gemacht hat. Vielleicht ist es Zeit für etwas Neues.
  5. Tolerieren Sie „Fehler“. Schimpfen Sie nicht, wenn etwas nicht klappt und drängen Sie auch nicht auf eine Wiederholung oder das Erreichen von Zielen.

Beschäftigung bei Demenz: Viele Möglichkeiten für gemeinsame Momente im Alltag

Wenn Sie überlegen, welche Beschäftigung für Ihren an Demenz erkrankten Angehörigen in Frage kommen könnte, dann gibt es eine Inspirationsquelle. Und zwar die Qualitätsrichtlinien für Betreuungskräfte nach § 87b SGB XI. Dort werden Beschäftigungen aufgezählt, die Betreuungskräfte im Rahmen der zusätzlichen Betreuungs- und Entlastungsleistungen anbieten können – und das können Sie bestimmt auch:

  • Malen und Basteln, handwerkliche Arbeiten und leichte Gartenarbeiten
  • Kochen und Backen
  • Erinnerungsalben anfertigen (sog. „Erinnerungspflege“)
  • Spaziergänge und Ausflüge
  • Lesen und Vorlesen
  • Musik hören, Musizieren, Singen
  • Bewegung und Tanzen
Entlastungsbetrag
Ratgeber
Betreuungs- und Entlastungsleistungen

Hobby und Haushalt

Hobbys wie Basteln oder Gartenarbeit lassen sich leicht durchführen, wenn Ihr Angehöriger das schon früher gerne mochte oder immer machen wollte, aber nie die Zeit dafür fand. Haushaltstätigkeiten sind ebenso kein Problem, da der Betroffene ja in einem Haushalt lebt, so dass Sie ihm einzelne Aufgaben übergeben können. Allerdings müssen Sie darauf achten, dass sich der Demenzkranke nicht verletzt, etwa an spitzen Scheren oder Messern. Und natürlich sollte die Beschäftigung ihn auch nicht überfordern, was gerade bei Gartenarbeiten schnell passieren kann.

Nehmen Sie sich deshalb Zeit, wenn Sie wissen, dass Ihr demenzkranker Angehöriger gern helfen möchte, und akzeptieren Sie seine nachlassenden Fähigkeiten. Setzen Sie weder ihm noch sich selbst ein konkretes Ziel. Machen Sie aus der Beschäftigung einfach die Gestaltung gemeinsamer Zeit – ganz ohne Leistungsdruck und konkretes Ergebnis.

Beispiele für kreative und hauswirtschaftliche Beschäftigungen:

  • Arbeiten mit Wolle oder Stoff
  • Knöpfe sortieren
  • Wäsche zusammenlegen („Socken-Memory“)
  • Saisonale Fensterdeko basteln
  • Arbeiten mit Holz, Umgang mit Werkzeug
  • „Bürotätigkeiten“ wie Papier sortieren lassen, buntes Papier lochen

Lesen und Vorlesen

Gerade bei fortschreitender Demenz fällt es vielen Betroffenen schwer, noch selbst zu lesen. Umso lieber mögen sie es, wenn ihnen vorgelesen wird.

Demenz - Demenzformen
Ratgeber
Demenz – Demenzformen, Diagnose, Ursachen, Symptome & Test

Sie als pflegender Angehöriger oder als Alltagsbegleiter können entweder aus speziellen Büchern oder einfach aus der Tageszeitung oder aus Zeitschriften, die der Demenzkranke früher selbst gerne gelesen hat, vorlesen. Beachten Sie beim Vorlesen aber folgende Rahmenbedingungen:

  • Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung (kein Radio, kein Fernsehen im Hintergrund).
  • Sprechen Sie langsam, deutlich und laut genug.
  • Nehmen Sie kurze Texte oder nur einzelne Kapitel, damit Ihr Zuhörer Ihnen auch folgen kann.
  • Achten Sie bei der Textauswahl darauf, dass Sie keine schweren Themen berühren. Daher sollten z. B. Kriegserinnerungen, dramatische oder furchterregende Fantasy-Thriller tabu sein, denn das kann Kriegstraumata wieder wachrufen oder Ängste schüren.
  • Wählen Sie eher heitere Geschichten aus, die vielleicht zur Kinder- oder Jugendzeit Ihres Angehörigen passen.
  • Sprechen Sie über das Gehörte, stellen Sie Fragen („Kennst Du das auch?“ – „War das früher bei Euch auch so?“)
Info

Vorlesen

Wenn wir zuhören, erhöht sich die Durchblutung unseres Gehirns. Das haben Studien erwiesen. Vorlesen kann für Menschen mit Demenz so aktivierend sein wie z. B. Kopfrechnen bei einem gesunden.

Musik, Tanzen und Bewegung

Gezielte körperliche Bewegung kann sich bei Demenz durchaus positiv auswirken. Allein Musikhören ist für viele Menschen mit Demenz ideal, denn bekannte Schlager aus der Jugendzeit stimulieren fröhliche Erinnerungen, können sogar bei Depression helfen und die Stimmung aufhellen. Bekannte Lieder zu singen oder sogar dazu zu musizieren oder den Takt zu schlagen – das funktioniert selbst dann, wenn der Betroffene nicht mehr sprechen kann. Da das Langzeitgedächtnis bei einer Demenz am längsten erhalten bleibt, können auch Liedtexte und -melodien aus der Kinder- und Jugendzeit noch lange abgerufen werden.

Umbau Wanne zur Dusche
Services
Barrierefreie Dusche. Ihr Badumbau in wenigen Stunden.

Beim Tanzen und gemeinsamen Singen stellt sich schnell ein Gemeinschaftsgefühl ein. Der Isolation und dem Rückzug wird so Einhalt geboten. Und selbst wer die Liedtexte nicht mehr genau kennt, kann noch mitsummen oder mitschunkeln und so teilnehmen.

Als musikalische und motorische Beschäftigungsmöglichkeiten bieten sich an:

  • Gemeinsames Musizieren mit einfachen Instrumenten
  • Bekannte Lieder singen, evtl. mit Gitarrenbegleitung
  • Gemeinsam vertraute Musik hören
  • Sich gemeinsam zu Stimmungsliedern bewegen (schunkeln, tanzen usw.)
  • Sitzgymnastik mit Hintergrundmusik
  • Regelmäßige Spaziergänge
Tipp

Bei alten Volksliedern und ihren Texten ist nicht jeder sattelfest. Wenn es Ihnen auch so geht und evtl. die gute alte Mundorgel nicht mehr vorhanden ist: Das Internet leistet Unterstützung wie z. B. hier.

Erinnerungspflege

Die Erinnerung an Ereignisse und Beziehungen von früher tut vielen Demenzkranken gut, weswegen man die sog. „Erinnerungspflege“ bei vielen Demenzkranken praktiziert. Wenn sich Menschen mit Demenz an Beziehungen mit lieben Menschen oder lebensgeschichtliche Ereignisse erinnern, trägt dies zu ihrem Wohlbefinden bei und sie fühlen sich wieder stärker in ihrer Identität. Stellen Sie als Pflegender oder Angehöriger konkret Fragen zu Kindheit oder Jugend, beispielsweise zu zeitgeschichtlichen Ereignissen aus der Kindheit oder Jugend des Demenzkranken. Sie sollen den Demenzkranken motivieren, sich an Erlebnisse zu erinnern und Geschichten von früher zu erzählen. Parallel dazu können Sie auch in Fotoalben von früher blättern, dem Demenzkranken Fragen stellen, oder selbst gemeinsam Alben oder eine Erinnerungskiste anfertigen.

Curabox Kostenlose Pflegehilfsmittel
Services
Kostenlose Pflegehilfsmittel monatlich nach Hause

Sinneserfahrungen und Berührungen

Neben der Erinnerung ist die Berührung an sich ein unverzichtbarer Bestandteil des menschlichen Lebens. Menschen mit Demenz, die über Worte und Gesten nur noch schwer zu erreichen sind, können auch durch Berührung aktiviert werden und man kann daraus wiederum Beschäftigungen und Spiele ableiten.

Beispiele:

  • Massagen mit Igelbällen
  • Sinnesspiele: Kleine Gegenstände in einem Kirschkernsack suchen lassen
  • Unterschiedliche Materialien in einer zugedeckten Kiste erfühlen lassen
  • Gewürze riechen lassen und damit die Erinnerung aktivieren
  • Barfußpfade, Sinnesgärten u. ä.
Info

Ilses weite Welt

Auch die Produkte aus der „Fühlwelt“ von Ilses weiter Welt sollen Demenzkranke beschäftigen. Spezielle Stofftiere sollen die taktile Wahrnehmung der Betroffenen stimulieren und ihre Aufmerksamkeit wecken.

Spiele für Demenzkranke

Es gibt Spiele, die speziell für Demenzkranke entwickelt wurden. Sie sollen gezielt motorische Fähigkeiten trainieren, den Spaß am Raten und am modernen Gedächtnistraining wecken. In den letzten Jahren sind immer mehr solcher Demenzspiele auf den Markt gekommen, die meistens auf Erinnerungsvermögen, Motorik und Rätseln abzielen (s. u.).

Daneben können Sie Ihren demenzkranken Angehörigen aber auch mit herkömmlichen Spielen und ggf. angepassten Spieregeln herausfordern und beschäftigen. Am besten eignen sich dazu Spiele, die von Kindheit an vertraut sind, wie Würfelspiele oder Mensch ärgere Dich nicht. Passen Sie die Spielregeln dabei unbedingt auf die Demenz-Symptome an und variieren sie sie.

Tipp

Achten Sie darauf, dass das Spiel nicht zu Leistungsdruck führt. Variieren Sie die Spielregeln lieber, als zu konsequent auf deren Einhaltung zu achten und Ihren demenzkranken Spielepartner damit zu verunsichern. Planen Sie genügend Zeit für das Spiel ein und sparen Sie nicht mit Lob und Anerkennung.

Spiele für Senioren mit Demenz: eine kleine Auswahl

  • Vertellekes – das neue Spiel

Am Tisch sitzen und Geschichten erzählen – Das ist die Grundidee dieses Spiels. Spielplan und -karten liefern die Impulse fürs Gespräch. Es geht um Rätselraten, Wortsammlungen und Redensarten. Das Spiel Vertekelles ist sehr beliebt und kostet rund 80 Euro.

  • Bunte Mischung

 

168 Spielkarten und schon können Sie mit Ihrem demenzkranken Angehörigen loslegen: Zu Themen wie Natur, Damals, Zu Hause, Bewegung oder Rätseln werden Fragen gestellt, Lieder gesungen oder Gymnastikaufgaben gestellt.

Das Kartenspiel Bunte Mischung kostet ca. 30 Euro, es gibt zwei Bände, die aber unabhängig voneinander sind.

  • Erinnere Dich – Memory

Ein Memory-Spiel mit großen Karten und leicht erkennbaren Bildern – so gelingt das Anfassen und Aufdecken leicht. Auf den Karten finden sich bekannte Gegenstände, die – wie bei jedem Memory – paarweise auftreten. Doch das Sammeln ist nur ein Ziel. Genauso wichtig ist es auch, dass die Karten zum Erzählen anregen. Die Kosten für das Memory Erinnere Dich liegen bei ca. 35-40 Euro.

  • Groß-Puzzles: 6 Motive für die Aktivierung von Demenzkranken

Einfache Puzzles mit gerade mal vier Teilen je Motiv machen das Zusammenfügen leicht. Die Motorik wird trainiert, ein hübsches Bild entsteht und ganz nebenbei entspannt sich ein Gespräch, über Damals und Heute, über heitere Erinnerungen aus der Familiengeschichte. Die Groß-Puzzles kosten um die 30 Euro.

  • Tablet für Demenzkranke

Neben Brettspielen und Puzzles gibt es inzwischen auch Anbieter von Tablets, die speziell auf die Beschäftigung von Demenzkranken ausgerichtet sind. Sie eignen sich sowohl für den Privathaushalt als auch fürs Pflegeheim und sollen Menschen mit Demenz individuell betreuen und beschäftigen. Der Anbieter mediadementia bietet z. B. über 500 demenzgerechte Spiele, kurze Filme und Rätsel an, die entweder einzelne Personen oder Gruppen aktivieren und ihre Erinnerungen wecken sollen.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

/ 5 Bewertungen

Sie haben bereits bewertet.
Vielen Dank! Haben Sie noch Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge?
Vielen Dank für Ihre Anmerkungen!
Erstelldatum: .9.116102|Zuletzt geändert: .4.909102
Bildquelle
Bild 1: © WavebreakmediaMicro / Fotolia.com, Bild 2: © Gabriele Rohde / Fotolia.com, Bild 3: © Robert Kneschke / Fotolia.com
Demenz Tablet Media Dementia
Services
Das Demenz-Tablet für mehr Lebensfreude. Kostenlos testen!
Pflegegradrechner
Services
Einfach, schnell und kostenlos zum persönlichen Ergebnis
Abbildung
Services
Mobiler Notruf - Sicherheit für unterwegs
Wanne zur Dusche umbauen
Services
Barrierefreie Dusche. Ihr Badumbau in wenigen Stunden.
Kostenlose Pflegehilfsmittel small
Services
Kostenlose Pflegehilfsmittel monatlich nach Hause
Notruflotse Serviceteaser
Services
Der Notruflotse - Geräte, Anbieter & Preise vergleichen!
Demenz Prävention large
Gastbeitrag
Meine 7 Tipps zur Prävention einer Demenz
Pflegeberatung Paragraph 37.3
Services
Kostenlose Pflegeberatung - Pflicht bei Pflegegeld-Bezug!
24 Stunden Pflege finden Small
Services
24-Stunden-Pflegekraft ganz einfach legal anstellen
Diatgnose Demenz in Familie
Gastbeitrag
Die Diagnose Demenz in unserer Familie – Meine Erfahrungen
Gastbeitrag

5 Übungen: So beschäftigen und aktivieren Sie Ihren Angehörigen mit Demenz

Weiterleiten
Marc Aurel Engels
 
Marc Aurel Engels

Marc Aurel Engels entwickelte aus einer persönlicher Erfahrung mit dem Thema Demenz in seiner Familie ein Tablet, das Betreuer und Angehörige bei der Aktivierung und Beschäftigung von Demenzkranken unterstützt. 2013 kam das erste Tablet auf den Markt, heute wird es in über 3000 Pflegeheimen genutzt.

Personen mit kognitiven, körperlichen oder psychischen Beeinträchtigungen können mit geeigneten Maßnahmen nachhaltig gefördert werden und damit ihre noch vorhandenen Ressourcen erhalten. Gezielte Aktivierung kann nicht nur helfen, körperliche und geistige Restfähigkeiten zu erhalten, sondern trägt zudem maßgeblich zum emotionalen Wohlbefinden des Betroffenen bei. Marc Aurel Engels stellt als Gastautor im pflege.de-Magazin 5 Tipps zur Beschäftigung und Aktivierung bei Personen mit Demenz vor.

Übung 1: Ausmalbilder

Bieten Sie Ihrem Angehörigen mit Demenz Vorlagen zum Ausmalen an. Durch das Ausmalen einfacher Motive können Personen mit Demenz gleichzeitig beschäftigt wie aktiviert werden. Konzentration als auch die Feinmotorik des Betroffenen werden gleichermaßen gefördert. Die Symbole können entsprechend der Vorlieben oder biografischen Erlebnisse der Person gewählt werden, so dass gleichzeitig Gesprächsstoff entsteht.

  • Analoge Variante:
    Drucken Sie beliebige Vorlagen aus und organisieren Sie Stifte, die der Betroffene gut halten kann. Auf Wunsch können Sie das Motiv auch thematisch auf andere Übungen zur Beschäftigung abstimmen. Ein Erfolgserlebnis: Ihr Angehöriger kann sein Werk später an ein Familienmitglied verschenken und ist stolz, etwas geschaffen zu haben.
  • Digitale Variante:
    Sofern Sie ein Demenz-Tablet besitzen, können Sie Ihrem Angehörigen auch Ausmalbilder in digitaler Form anbieten. Bei Motiven mit Malrand kann Ihr Angehöriger nicht über das Motiv hinausmalen und hat so ein größeres Erfolgserlebnis und möglicherweise auch mehr Spaß dabei. Zudem bietet diese Variante den Vorteil, dass sie auch von körperlich eingeschränkten Patienten genutzt werden kann, weil nur ein Finger für das Ausmalen notwendig ist.
Services
Das Demenz-Tablet für mehr Lebensfreude. Kostenlos testen!

Übung 2: Biografiearbeit mit Fotos

Menschen mit Demenz fällt es oft schwer, neue Informationen aufzunehmen. Deshalb ist es wichtig, mit Erinnerungsarbeit in vergangenen Zeiten zu schwelgen und abgespeicherte Erlebnisse abzurufen. Das Betrachten von Fotos, die für den Betroffenen mit positiven Gefühlen behaftet sind, vermittelt Personen mit Demenz ein Gefühl von Sicherheit und weckt die Lebensgeister. Wichtig ist dabei, auf die Lebensgeschichte (Großeltern, Eltern, Freunde) und die Hobbies der Person einzugehen und so für ein Gefühl von Geborgenheit zu sorgen.

  • Analoge Variante:
    Kennen auch Sie das? Fotos aus alten Zeiten werden oft in Kisten verstaut und nur noch selten betrachtet. Die Erinnerungsstücke können jedoch optimal zur Biografiearbeit mit Demenzkranken verwendet werden. Gestalten Sie thematische Fotoalben mit Bildern aus der Vergangenheit des Betroffenen und sprechen Sie mit der Person über das Erlebte. Bilder eignen sich sehr gut als Impulsgeber für Gespräche und sorgen zudem für Entspannung und schöne Momente.
  • Digitale Variante:
    Falls Ihr Angehöriger ein Demenz-Tablet hat, können Sie Ihre digitalen Fotos von Speichermedien ganz einfach auf das Tablet laden, ohne sie vorher ausdrucken zu müssen. Ihr Angehöriger kann selbstständig durch einfaches Wischen über den Bildschirm weiterblättern – dies sorgt für ein positives Erfolgserlebnis. Die Tablet-Lösung bietet Kindern, Enkeln und Freunden des Betroffenen zusätzlich die Möglichkeit, Fotos von aktuellen Geschehnissen über eine App an die an Demenz erkrankte Person zu schicken, und sie so an schönen Alltagsmomenten teilhaben zu lassen.

Übung 3: Bewegung

media4care Tablet Pflegende Angehörige

Bewegung ist wichtig – insbesondere bei Menschen, die an Demenz erkrankt sind. Regelmäßige Bewegungstrainings verbessern nicht nur den Gesundheitszustand des Betroffenen, sondern helfen zudem Altersdepressionen und Stürzen vorzubeugen und Alltagsaufgaben besser zu bewältigen. Empfohlen werden Übungen zur Verbesserung der Koordination und des Gleichgewichtes, wobei es dabei weniger um die Perfektion der Bewegungsabläufe geht sondern vielmehr um Spaß und das Miteinander. Seien Sie kreativ und führen Sie gemeinsam mit Ihrem Angehörigen Übungen durch, die verschiedene Sinne anregen. Materialien wie Bälle, Tücher oder Luftballons eignen sich dafür optimal.

  • Analoge Variante:
    Kaufen Sie hierzu Bücher oder Set-Karten mit Bewegungsübungen speziell für Demenzerkrankte, um eine Überforderung des Betroffenen zu vermeiden. Eine weitere Möglichkeit ist der Besuch von Bewegungsgruppen für Demenzkranke und ihre Angehörigen, um die soziale Interaktion zu fördern. Sport in der Gruppe verbindet und ermöglicht ein soziales Umfeld, was sich wiederum positiv auf das Selbstbewusstsein des Betroffenen auswirkt.
  • Digitale Variante:
    Ein Demenz-Tablet beinhaltet zahlreiche Kurzvideos, die wirksame Trainings- und Gleichgewichtsübungen zeigen und die von Alltagsmaterialien wie Tüchern, Bällen, Haarbändern oder Papierrollen unterstützt werden können. Damit werden motorische und psychische Komponenten gleichermaßen gefördert. Der große Vorteil: Sie als Angehöriger müssen die Übung nicht selbst vorführen oder nach geeigneten Büchern oder Videos suchen. Je nach Stadium der Demenz kann der Betroffene die Übungen selbständig ohne Ihr Beisein durchführen.

Übung 4: Selbstständigkeit im Alltag

Ist Ihr an Demenz erkrankter Angehöriger mit einfachen Alltagsaufgaben überfordert und traut sich immer weniger zu? Im Laufe der Krankheit gehen oftmals Fähigkeiten wie das Anziehen, Kochen oder das Ablesen der Uhr verloren. Mit verschiedenen Übungen können kognitive Fähigkeiten trainiert und so die Alltagsfähigkeiten des Betroffenen verbessert werden.

  • Analoge Variante:
    Beziehen Sie Ihren an Demenz erkrankten Angehörigen regelmäßig in alltägliche Handlungen wie Frisieren, gemeinsames Ankleiden oder das Sortieren von Lebensmitteln in unterschiedliche Produktgruppen (Obst, Gemüse, Milchprodukte etc) ein. Dies gibt dem Betroffenen ein Gefühl von Selbstständigkeit und Stolz.
  • Digitale Variante:
    Auch Demenz-Tablets verfügen über abwechslungsreiche Inhalte zum Training der Alltagskompetenz. Mit einfachen Übungen wie “Geld zählen” und “Uhrzeit lesen” werden bereits abgespeicherte Fähigkeiten trainiert, wobei den Betroffenen durch die spielerische Trainingsform der Erfolgsdruck genommen wird. Digitale Inhalte sind zudem von Vorteil, da die Gegenstände (Uhr, Münzen) nicht angeschafft werden müssen, sondern direkt auf dem Tablet bereitgestellt werden.

Übung 5: Musizieren

Musik eignet sich vor allem deshalb sehr gut als Therapieform bei an Demenz erkrankten Menschen, da sie eng mit Emotionen verknüpft ist und durch die Vermittlung von positiven Gefühlen aggressives Verhalten reduzieren kann. Demenzerkrankte, die früher ein Musikinstrument gespielt haben, werden durch Musik aktiviert, auch wenn sie eventuell nur noch einzelne Töne auf dem Instrument abspielen können. Aber auch für alle anderen Betroffenen stellt das Musizieren eine Möglichkeit dar, sich auszudrücken und in Kontakt mit der eigenen Gefühlswelt zu treten.

  • Analoge Variante:
    Wählen Sie ein passendes Musikinstrument je nach Stadium der Demenz aus. Ganz wichtig: Üben Sie keinen Leistungsdruck auf den Betroffenen aus. Es gibt Instrumente, die speziell für die Arbeit mit Demenz- und Alzheimer-Patienten entwickelt wurden und leicht zu bedienen sind. Alternativ bieten sich Klanghölzer, Rasseln und Trommeln an, mit denen auch ohne Vorkenntnisse Klänge erzeugt und Ressourcen gefördert werden können.
  • Digitale Variante:
    Ein Demenz-Tablet bietet die Möglichkeit, über eine digitale Tastatur Klavier zu spielen. Mit dieser Funktion können selbst stark körperlich eingeschränkte bzw. bettlägerige Menschen aktiviert werden, weil das Tablet auch im Liegen bedient werden kann. Die Töne werden nur durch einfaches Berühren der Tasten abgespielt.
Expertenmeinung
5 Fragen an Marc Aurel Engels
5 Fragen an Marc Aurel Engels

1. Was sind die Vorteile der digitalen Aktivierung von Personen mit Demenz im Vergleich zur analogen?
Einer der größten Vorteile ist ohne Zweifel die Platzersparnis, da alle Inhalte (Spiele, Rätsel, Videos, Fotos etc.) auf einem einzigen Gerät gespeichert und mit nur einem Knopfdruck abrufbar sind. Dazu kommt die Flexibilität, die die digitale Variante bietet: Je nach Tagesverfassung kann man kinderleicht von einem Kurzfilm zu einer Malübung wechseln oder sich spontan Familienbilder von früher ansehen.


2. Ist die digitale Aktivierung für jede Person und jede Form der Demenz geeignet?
Ja, generell kann die digitale Aktivierung bei jeder Art von Demenz eingesetzt werden, solange die Inhalte in unterschiedlichen Schwierigkeitsstufen angeboten werden. Ob diese Form der Aktivierung im Einzelfall das Richtige ist, hängt vom Betroffenen ab.


3. Was sind Gefahren und Risiken der digitalen Aktivierung bei Personen mit Demenz?
Eine Gefahr, die die digitale Lösung mit sich bringt, ist, dass ein Tablet als Ersatz für persönliche Gespräch anstatt als Assistenz-Tool eingesetzt wird. Digitale Bilderserien, Kurzfilme und Spiele dienen als Impulsgeber für persönliche Gespräche und sollen sie keinesfalls ersetzen.


4. Inwiefern müssen Personen mit Demenz zur digitalen Aktivierung angeleitet werden? Wie hoch ist die Hemmschwelle gegenüber „modernen“ Medien?
Es gibt sehr viele Personen mit Demenz, die in erster Linie sehr neugierig auf diese neue Beschäftigungsform reagieren und von Anfang an gespannt und motiviert sind. Andere sind im ersten Moment eher skeptisch, nehmen die Neuerung anschließend aber mit großer Begeisterung an.


5. Was war das bisher schönste Erlebnis in der digitalen Arbeit mit Demenzkranken?
Es ist wirklich schwer von dem einen, SCHÖNSTEN Erlebnis zu berichten. Ich muss sagen, wir bekommen jeden Tag tolle, berührende Rückmeldungen von unseren Kunden und jede einzelne motiviert uns dazu, unser Produkt weiterzuentwickeln, um in Zukunft noch mehr Menschen eine Freude machen zu können!

Erstelldatum: .31.908102|Zuletzt geändert: .11.609102
Bildquelle
©Media4Care/Shutterstock.com
Das könnte Sie auch interessieren