Vaskuläre Demenz: Morbus Binswanger (SAE) & Multi-Infarkt-Demenz

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Vaskuläre Demenz

Schlaganfall und Demenz – Wie passt das zusammen? Leider sehr gut. Die vaskuläre Demenz ist nach Alzheimer die häufigste Demenzart, bei der kleine Schlaganfälle die Durchblutung stören und damit Gewebe im Gehirn zerstören. Heilungschancen für eine vaskuläre Demenz gibt es leider nicht, dafür aber gute Behandlungsmöglichkeiten, sofern die Demenz früh erkannt wird. Die häufigsten Formen von vaskulären Demenzen sind Morbus Binswanger und die Multi-Infarkt-Demenz. Inwiefern sie sich von anderen Demenzformen unterscheiden und was mögliche Ursachen und typische Symptome einer vaskulären Demenz sind, erklärt pflege.de im großen Überblick.

Inhaltsverzeichnis

 

Vaskuläre Demenz: Definition

Der Begriff „vaskulär“ bedeutet so viel wie „die Blutgefäße betreffend“. Daher sind „vaskuläre Demenzen“ der Überbegriff für alle Demenzformen, die durch Störungen der Blutversorgung im Gehirn verursacht werden. Aus unterschiedlichen Gründen wie Ablagerungen, Verengungen oder Verstopfungen können die Blutgefäße ihrem Auftrag, Blut zu transportieren, nicht mehr ausreichend nachkommen. Die Folge: Nervenzellen werden beschädigt oder sterben sogar ab. Ein Bluthochdruck ist häufig die zugrundeliegende Ursache, wobei auch Übergewicht oder Rauchen eine vaskuläre Demenz begünstigen können.
Die vaskulären Demenzen machen rund 15 % aller Demenzerkrankungen aus und sind demzufolge nach Alzheimer die häufigste Demenzform.

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Vaskuläre Demenzen: Multi-Infarkt-Demenz, Morbus Binswanger, SAE

Unter den vaskulären Demenzen sind Morbus Binswanger und die Multi-Infarkt-Demenz die häufigsten Klassifizierungen. Wie sie insgesamt in alle Demenzformen eingeordnet werden, erkennen Sie an der folgenden Infografik:

  • Multi-Infarkt-Demenz

Bei jeder vaskulären Demenz ist die Durchblutung des Gehirns gestört. Manchmal ist ein einzelner, schwerer Schlaganfall dafür verantwortlich, oft aber sind es mehrere, sog. Multi-Infarkte.

  • Morbus Binswanger bzw. SAE-Krankheit

Bei der häufigsten Form der vaskulären Demenz sind Wandverdickungen in kleinen Blutgefäßen des Gehirns (Arteriosklerose) die Ursache. Diese sog. „subkortikale arteriosklerotische Enzephalopathie (SAE-Krankheit)“, auch Morbus Binswanger genannt, wurde zuerst von dem deutschen Nervenarzt Otto Ludwig Binswanger (1852-1929) beschrieben. Manchmal wird auch der Begriff „subkortikale Demenz“ oder „subkortikale vaskuläre Demenz“ verwendet. Betroffen von diesem Krankheitsbild sind häufig Menschen, die schon lange Jahre an Bluthochdruck oder anderen Gefäßerkrankungen leiden.

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Tipp

Vaskuläre Demenzen gehören zu den vaskulären Enzephalopathien, d. h. es sind Erkrankungen oder Schädigungen des Gehirns („Enzephalopathien“), die das gesamte Gehirn betreffen.

Vaskuläre Demenz: Symptome

Eine vaskuläre Demenz kann sich schleichend oder abrupt und heftig entwickeln. Ausschlaggebend für den Verlauf sind die Anzahl und Stärke der Schlaganfälle. Damit zeigen sich auch die Symptome unterschiedlich schnell, je nachdem, wo sich die Schlaganfälle im Gehirn ereignen.

Zu den typischen Symptomen einer vaskulären Demenz zählen:

  • Gedächtnisstörungen
    Beispiel: Auf einmal kann sich der Betroffene nicht mehr an Ereignisse erinnern, die erst kurze Zeit zurückliegen.
  • Denkstörungen
    Beispiel: Von einem Tag auf den anderen kann der Demenzkranke seinen Rasenmäher nicht mehr bedienen, obwohl er das sein Leben lang hervorragend beherrschte.
  • Orientierungsschwierigkeiten
    Beispiel: Plötzlich findet sich der Betroffene nicht mehr in seiner eigenen Wohnung zurecht.
  • Sprachstörungen
    Beispiel: Ganz unversehens finden Betroffene nicht mehr die richtigen Worte. Die sonst so unterhaltsamen Erzähler werden immer einsilbiger.
  • Bewegungsstörungen
    Beispiel: Der eben noch sportbegeisterte Senior geht plötzlich schwerfälliger, in kleinen Schritten; gewohnte Bewegungsabläufe wirken verlangsamt, unbeholfen und nicht ausbalanciert. Auch Stürze und Lähmungen können auftreten.
  • Seh- und Blasenstörungen (bis zur Inkontinenz)
  • Stimmungsauffälligkeiten
    Beispiel: Die immer gut gelaunte Person beginnt plötzlich, unkontrolliert zu lachen oder zu weinen (Affektlabilität).
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All diese Symptome können selbstverständlich auch andere Ursachen haben wie z. B. Vitamin- oder Flüssigkeitsmangel, Stoffwechselstörungen, Erkrankungen wie Parkinson oder Infektionen. Sollten Sie jedoch einige Auffälligkeiten bei Angehörigen oder Bekannten beobachten, so sollten Sie schnellstmöglich einen Arzt konsultieren und den Betroffenen zu einer Untersuchung bewegen. Das große Problem einer vaskulären Demenz ist, dass die Schlaganfälle überall im Gehirn auftreten können. Mal beeinflussen sie das Sprach-, mal das Bewegungszentrum. Mal sind sie heftig und verursachen starke Symptome, mal sind sie nur leicht und es kommt kaum oder zu gar keinen Symptomen.

Info

Alzheimer-Symptome treten plötzlich auf

Im Gegensatz zu Alzheimer können die Symptome bei einer vaskulären Demenz ganz plötzlich auftreten – je nachdem wo sich ein Blutgefäß im Gehirn verschlossen hat. Gerade die Multi-Infarkt-Demenz verläuft über lange Phasen nahezu unauffällig. Mal ist der Betroffene deutlich eingeschränkt, findet z. B. Worte nicht oder hat Schwierigkeiten, sich zu erinnern, dann ist er wieder klar. Nehmen Sie auch kleine Symptome ernst!

Das Wichtigste in Kürze

  • Vaskuläre Demenzen sind nach Alzheimer die zweithäufigste Form der Demenz.
  • Ursache für vaskuläre Demenzen sind Schlaganfälle, die die Durchblutung stören, wodurch das Gehirn unterversorgt und zerstört wird.
  • Symptome: Gedächtnis-, Sprach-, Denk- und Bewegungsstörungen, Orientierungsschwierigkeiten, Stimmungsauffälligkeiten
  • Der Verlauf der Krankheit hängt von der Anzahl und Stärke der Schlaganfälle ab.

Vaskuläre Demenz: Risikofaktoren

Eine vaskuläre Demenz ist zwar nicht heilbar, jedoch gibt es gute Chancen, gegen ihre Ursache, die Durchblutungsstörungen, vorzugehen. Wichtig ist, dass die Demenz möglichst früh erkannt und behandelt wird.

Risikofaktoren für vaskuläre Demenzen sind:

  • Bluthochdruck
  • Rauchen
  • Diabetes mellitus
  • Hohe LDL-Cholesterinwerte
  • Herzschwäche, Herzrhythmusstörungen

All diesen Risikofaktoren ist eines gemeinsam: Sie können zu Schädigungen der Blutgefäße, zu Ablagerungen (Arteriosklerose), zu schlechter Durchblutung und zu Schlaganfällen führen. Sollte keiner der Risikofaktoren zutreffen, so können auch familiäre Krankengeschichten eine vaskuläre Demenz begünstigen. Demnach besteht ein erhöhtes Risiko einer vaskulären Demenz, wenn Vorfahren, Eltern oder nahe Verwandte häufiger Schlaganfälle erlitten haben und wenn Familienmitglieder zu Bluthochdruck neigen.

Info

Risiken von Demenz minimieren

Das Risiko, an einer vaskulären Demenz zu erkranken, lässt sich nicht völlig ausschließen. Dennoch kann man durch gezielte Maßnahmen versuchen, das Risiko zu senken.
So kann man einer vaskulären Demenz vorbeugen:

  • normaler bzw. gut eingestellter Blutdruck
  • Verzicht auf Nikotin
  • gesunde Ernährung, ggf. Nahrungsergänzung
  • ausreichend Bewegung
  • geregelte Blutfett- und Blutzuckerwerte

 

Diagnostik: Vaskuläre Demenz

Ähnlich wie bei einer Demenz vom Typ Alzheimer wird ein Arzt kognitive Screening-Tests einsetzen, z. B. den Mini-Mental-Status-Test (MMST). Das ist ein einfacher Fragebogen („Welcher Tag ist heute?“), der dem Arzt dabei hilft, die kognitiven Fähigkeiten eines Patienten einzuschätzen. Neben dem MMST gibt es weitere Demenz-Tests wie den Uhrentest und DemTect-Test. Hinzu kommen körperliche Untersuchungen wie etwa Computer- oder Magnetresonanztomografie. Selbstverständlich gehören zur Untersuchung auch eine ganze Reihe von Laborwerten, die der Arzt erheben muss. Ein EKG ist ebenso notwendig wie eine Doppler-Sonografie der Hals- und Hirngefäße. Diese schmerzfreie Ultraschalluntersuchung kann einem Arzt erste Hinweise auf den Zustand der Blutgefäße geben.

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Vaskuläre Demenz: Verlauf / Stadien

Im Gegensatz zu einer Demenz vom Typ Alzheimer, die normalerweise langsam beginnt und sich kontinuierlich verschlechtert, kann eine vaskuläre Demenz ganz plötzlich auftreten, sich abrupt verschlechtern, zum Stillstand kommen oder sich sogar leicht bessern.
Sie kann auch dazu führen, dass die Betroffenen ihren Alltag nicht mehr selbstständig bewältigen können, sie bettlägerig werden und eine Rund-um-die-Uhr-Betreuung benötigen. Eine weit fortgeschrittene vaskuläre Demenz unterscheidet sich in ihrem Verlauf nicht mehr von einer Demenz vom Typ Alzheimer.

Therapie der vaskulären Demenz

Eine vaskuläre Demenz ist nicht heilbar, aber sie lässt sich unter Umständen günstig beeinflussen.

  1. Auf Nikotin verzichten und Gewicht abnehmen
    Übergewicht kann eine vaskuläre Demenz begünstigen.
  2. Blutverdünnende Medikamente einnehmen
    Wer schon einmal einen Schlaganfall erlitten hat oder zur Risikogruppe zählt, sollte seinen Arzt auf blutverdünnende Medikamente ansprechen. So kann man einen Schlaganfall bzw. weitere Schlaganfälle möglicherweise verhindern.
  3. Therapiemaßnahmen ergreifen
    Wer schon einmal einen Schlaganfall erlitten hat, kann die Folgen im Gehirn therapieren: zum Beispiel durch Physio- oder Ergotherapie, durch Logopädie oder Gedächtnistraining.
  4. Herzschwäche und Herzrhythmusstörungen behandeln
    Wer zugrundeliegende Erkrankungen wie Herzschwäche oder Herzrhythmusstörungen behandeln lässt, kann damit das Risiko eines Schlaganfalls senken.
Info

Mischform aus Alzheimer & vaskulärer Demenz

Übrigens ist es gar nicht so selten, dass Patienten an einer Mischform aus Alzheimer und vaskulärer Demenz erkranken. Gerade bei älteren Menschen sind solche Mischformen häufig. Umso wichtiger ist es, dass die Form einer Demenz genau bestimmt wird. Nur dann können die Ärzte auch die richtige Therapie verordnen – so werden z. B. bestimmte Medikamente (sog. Antidementiva) zwar bei Alzheimer, jedoch nicht bei einer vaskulären Demenz eingesetzt. Umso wichtiger sind hier eine detaillierte Diagnose und eine entsprechende ärztliche Behandlung.

Vaskuläre Demenz: Lebenserwartung

Eine vaskuläre Demenz verkürzt das Leben. Der Grund für die geringere Lebenserwartung bei Menschen mit einer vaskulären Demenz liegt zum einen in der Gefahr eines weiteren Schlaganfalls oder auch Herzinfarktes und zum anderen daran, dass eine Demenz immer Komplikationen verursacht (z. B. Lungenentzündungen durch Verschlucken oder Druckgeschwüre durch Bettlägerigkeit). Umso wichtiger sind eine gute und wertschätzende Pflege, Betreuung und Aktivierung, die den Betroffenen dabei helfen, so lange als möglich selbstbestimmt am Leben teilzunehmen, unter Menschen zu sein, an Aktivitäten teilzunehmen und auch Neues kennenzulernen.

Tipp

Bedenken Sie, dass eine Demenz zwar eine ernsthafte, schwere und sehr herausfordernde Erkrankung ist, aber die Betroffenen sind Menschen wie die Gesunden auch. Sie sind nicht ihre Krankheit, sondern sie haben eine Erkrankung – und deshalb haben sie auch ein Recht darauf, sich möglichst frei zu bewegen, sich Wünsche zu erfüllen und so selbstständig wie möglich zu leben. Das geht am besten, wenn pflegende Angehörige und Familienmitglieder die Erkrankung offen und klar kommunizieren. So haben auch andere (Nachbarn, Freunde usw.) die Chance, offen und ehrlich mit dem Erkrankten umzugehen. Lassen Sie als Angehöriger die Krankheit nicht zum Tabu werden – und lassen Sie den Erkrankten nicht allein.

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Erstelldatum: 6102.11.61|Zuletzt geändert: 9102.70.91
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