Parkinson-Syndrom: Verlauf, Lebenserwartung und Therapie

Parkinson-Verlauf

Es ist für viele Betroffene und/oder Angehörige ein Schock, wenn der Arzt die Diagnose Parkinson trifft. Nach einer Zeit der Unsicherheit des Betroffenen und der zunehmenden Symptome hat die Krankheit einen Namen: Parkinson. Doch was bedeutet es, an Parkinson erkrankt zu sein? Zunächst das Wichtigste: Parkinson ist nicht lebensbedrohlich und es gibt eine ganze Reihe von Therapien, die Symptome lindern und Betroffenen Lebensqualität zurückgeben können. Der große Ratgeber von pflege.de zum Krankheitsverlauf und Therapiemöglichkeiten bei Parkinson.

Inhaltsverzeichnis

Parkinson: Verlauf

Durch Forschungen ist bekannt, dass ein Parkinson-Syndrom erst auffällig wird, wenn bereits etwa die Hälfte der Nervenzellen in der sogenannten substantia nigra („schwarze Substanz“) im Gehirn abgebaut ist.(1) Dann ist der Krankheitsverlauf im Mittelhirn bereits fortgeschritten, die Symptome von Parkinson sind aber noch nicht besonders auffällig. Vielmehr ist es die Häufung von mehreren Symptomen, die Hinweise auf eine Erkrankung geben können und Betroffene zunächst einmal verunsichert.

Mögliche Symptome sind beispielsweise:

  • Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich
  • Schlafstörungen
  • Zittern
  • Schwierigkeiten beim Gehen und Stehen
  • leise und monotone Sprache

All dies können erste Anzeichen für eine Parkinson-Erkrankung sein. Im Verlauf der Erkrankung können sich Symptome wie Muskelzittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor), Verlangsamung der Bewegungen und ein gebeugter Gang verstärken und sich auch auf Arme und Beine ausbreiten.

Durch spezielle Medikamente und Parkinson-Therapien lassen sich viele Symptome bessern, manche können sogar zeitweise verschwinden. Im Verlauf der Krankheit kann die Dosis an Medikamenten erhöht werden und in manchen Fällen ist auch eine Operation möglich oder sogar notwendig (siehe unten „Parkinson-Therapie: Operation“).

Parkinson: Lebenserwartung

Eine Parkinson-Erkrankung ist trotz der Kenntnisse und Forschungsergebnisse nicht heilbar. Die Krankheit ist jedoch nicht lebensbedrohlich und auffällige Symptome können durch die richtigen Medikamente und unterschiedliche Therapieansätze gelindert werden. Damit können Betroffene ein hohes Maß an Lebensqualität aufrechterhalten und ihr Leben im Alter dennoch bestmöglich genießen.

Tipp
Bleiben Sie aktiv

Trainieren Sie Bewegungsabläufe und gestalten Sie ihr Leben trotz Pakinson aktiv. Forschungsergebnisse zeigen, dass körperliche Aktivität körperliche sowie kognitive Fähigkeiten von Betroffenen verbessern.(2)

Parkinson: Therapie

Ob Medikamente und/oder Psychotherapie – es gibt verschiedene Therapieansätze, die im Falle einer Parkinson-Erkrankung in Frage kommen können, um die Beschwerden Betroffener zu lindern.

Tipp
Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse

Sofern eine ärztliche Verordnung vorliegt, kann die Krankenkasse die Kosten für die unterschiedlichen Therapien und Hilfsmittel erstatten. Informieren Sie sich dazu am besten bei Ihrer zuständigen Krankenkasse.

Parkinson-Therapie: Medikamente

Es sind vor allem Medikamente, die bei einem Parkinson-Syndrom verordnet werden, um die Symptome der Erkrankung zu lindern. Folgende Medikamente können bei Parkinson Wirkung zeigen:(3)

  1. L-Dopa
  2. MAO-B- & COMT-Hemmer
  3. Dopamin-Agonisten
  4. Glutamat-Antagonisten
  5. Anticholinergika

 

1. L-Dopa

Als wirksamstes Mittel, das zur Behandlung von Parkinson-Symptomen eingesetzt wird, gilt Levodopa (L-Dopa).(4) Das Medikament wird heutzutage mit sogenannten Decarboxylase-Hemmern kombiniert. L-Dopa ist eine Vorstufe von Dopamin, dessen Mangel als Ursache von Parkinson gilt. L-Dopa wird im Gehirn des Betroffenen zu Dopamin umgewandelt – der zu niedrige Dopaminspiegel steigt, die Symptome – vor allem die Bewegungsverlangsamung und die Muskelsteifigkeit – können dadurch gelindert werden. Die Decarboxylase-Hemmer sind bei der Gabe von L-Dopa äußerst wichtig, denn sie sorgen dafür, dass L-Dopa ungehindert ins Gehirn transportiert wird und sich dort entfalten kann.

Info

Nebenwirkungen von L-Dopa

So wirksam L-Dopa ist, so reich ist es auch an Nebenwirkungen. Bei einer L-Dopa-Therapie kann es oft zu motorischen Komplikationen in Form von Wirkungsfluktuationen und Dyskinesien kommen. Zudem hat L-Dopa eine kurze Verweildauer im Körper. Der Wirkstoffspiegel sinkt schon vier bis sechs Stunden nach der Einnahme. Leider nehmen im Verlauf der Therapie mit L-Dopa auch die Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Infektionen zu.(3)

2. MAO-B- & COMT-Hemmer

MAO-B und COMT-Hemmer werden in der Regel gemeinsam mit L-Dopa eingesetzt, weil sie dessen Wirkung verlängern können. Sie hemmen den Abbau von Dopamin im Gehirn.

3. Dopamin-Agonisten

Dopamin-Agonisten ahmen das fehlende Dopamin im Gehirn sozusagen nach und gleichen den Mangel an Dopamin zugunsten eines ungestörten Bewegungsverlaufs aus. Sie wirken ähnlich gut wie L-Dopa und tun das auch im weiteren Behandlungsverlauf noch – was L-Dopa nicht kann.

Möglicher Nachteil von Dopamin-Agonisten: Gerade zu Beginn einer Therapie mit Dopamin-Agonisten kommt es zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Magenschmerzen, Schläfrigkeit oder auch Psychosen.

4. Glutamat-Antagonisten

Glutamat-Antagonisten sorgen dafür, dass Glutamat seine Wirkung im Gehirn nicht vollends entfalten kann. Dahinter steht die Beobachtung, dass viele Parkinson-Patienten zu viel Glutamat im Gehirn haben. Das führt oft zu einem Parkinson-Tremor (Muskelzittern).

5. Anticholinergika

Anticholinergika gehören zu den am häufigsten verwendeten und am besten erforschten Medikamente bei der Parkinson-Therapie. Anticholinergika hindern einen Botenstoff namens Acetylcholin daran, sich sozusagen hemmungslos im Gehirn auszubreiten. Da Parkinson-Patienten viel Acetylcholin im Gehirn aufweisen (weil ihnen unter anderem Dopamin als Regulativ dagegen fehlt), führt dessen Eindämmung dazu, dass Symptome wie Zittern oder Muskelsteifigkeit abnehmen.

Info

Anticholinergika stehen im Verdacht, Demenz auszulösen

Anticholinergika können allerdings auch das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, erhöhen. Das fanden britische Forscher im Jahr 2019 in einer Studie heraus. Noch ist unklar, ob Anticholinergika auch eine Demenz auslösen können.(5)

Parkinson-Therapie: physikalische Verfahren

Muskelzittern, Gehstörungen und eine eingeschränkte Mimik – die Symptome bei einem Parkinson-Syndrom sind vielfältig. Ebenso vielfältig sind auch die physikalischen Therapien, die eingesetzt werden können, um Betroffenen zu helfen. Dazu zählen:

  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Stimm- und Sprechtherapie

Das Ziel dieser Therapien bei Parkinson ist zum einen die Verbesserung der Lebensqualität, aber auch die Prävention von Stürzen, die bei einer Parkinson-Erkrankung leider häufig Gefahren darstellen. Der schlurfende Gang, die kleinen Schritte und die stockenden Bewegungen führen oft zu (schweren) Stürzen.

Parkinson-Therapie: Kunst- und Psychotherapien

Kunst-, Mal- oder Tanztherapie können – je nach Interessenslage des Erkrankten – durchaus positive Auswirkungen auf die Stimmung und die Unternehmungslust haben. Sie sorgen zugleich für Kontakt zu anderen Betroffenen und können alte oder sogar neue Hobbys (re-)aktivieren.

Eine Psychotherapie hat vielfältige positive Wirkungen:

  • Sie kann der Depression vorbeugen.
  • Sie kann dabei helfen, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen.
  • Sie kann dabei unterstützen, dem Leben einen Sinn zu verleihen.
  • Sie kann – auch für die Angehörigen des Betroffenen – das Leben mit der Erkrankung erleichtern.

Die Erfahrungen mit alternativen Therapien wie Akupunktur, Magnetstimulation oder Massage lassen sich nicht verallgemeinern. Im Einzelfall können diese Therapiemethoden helfen, relativ zuverlässig sind die Erfolge durch eine Massage. Eine Massage lockert Muskelverspannungen und das hat ohne Zweifel einen hohen Wert für einen Parkinson-Erkrankten.

Info

Prominente Parkinson-Patienten machen Mut

Auch prominente Parkinson-Patienten wie Michael J. Fox oder Ottfried Fischer gehen trotz der Erkrankung noch auf die Bühne, schreiben Bücher und halten Vorträge – das kann vielen anderen Parkinson-Patienten als Vorbild dienen und ihnen Mut machen, nicht aufzugeben. Es kann sich für viele Betroffene lohnen, unterschiedliche Medikamente und Therapien auszuprobieren, bis man die individuell beste Therapie gefunden hat, die die eigene Beweglichkeit erhalten kann.

Parkinson-Therapie: Operation

Wenn Medikamente als Parkinson-Therapie nicht helfen, kann auch eine Operation die Symptomatik eines Parkinson-Syndroms verbessern. Zwei Operationsmethoden sind dabei möglich:

1. Stereotaxie

Bei der Stereotaxie wird eine Sonde ins Gehirn eingeführt. Stark aktive Areale sollen durch die Berührung mit der Sonde beruhigt oder sogar stillgelegt werden.

2. Tiefe Hirnstimulation (THS) zur Verbesserung von Bewegungsstörungen

Die tiefe Hirnstimulation (THS) ist ein etabliertes Verfahren zur Behandlung von Parkinson und wird heute bei der überwiegenden Zahl der Patienten durchgeführt.(3) Dabei implantieren die Chirurgen Elektroden im Gehirn des Patienten und einen kleinen Schrittmacher in dessen Brust. Anders als bei der Stereotaxie, bei der Hirnbereiche unwiederbringlich zerstört werden, blockieren die Elektroden lediglich die Signale von Regionen. Per Fernbedienung sind die Elektroden via Schrittmacher in der Brust von außen zu steuern. Tatsächlich sind die Erfolge der THS oft bedeutend – ein Parkinson Tremor kann zum Beispiel vollständig verschwinden, Medikamente können vermindert werden.

Info

Gut zu wissen

Die Tiefe Hirnstimulation (THS) wurde in den aktuellen Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) als fester Bestandteil der Behandlung des Parkinson-Syndroms im fortgeschrittenen Stadium aufgenommen.(3)

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Erstelldatum: 7102.20.2|Zuletzt geändert: 1202.70.91
(1)
Max-Planck-Institut für Neurobiologie
www.neuro.mpg.de/373976/research_report_328335?c=373596 (letzter Abruf am 12.07.2021)
(2)
Martine Lauze, Jean-Francois Daneault & Christian Duval: The Effects of Physical Activity in Parkinson’s Disease (Forschungsbericht 2016)
https://content.iospress.com/download/journal-of-parkinsons-disease/jpd160790?id=journal-of-parkinsons-disease%2Fjpd160790 (letzter Abruf am 15.07.2021)
(3)
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Leitlinie "Parkinson-Syndrom, idiopathisch" (2016)
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-010k_S3_Parkinson_Syndrome_Idiopathisch_2016-06-abgelaufen.pdf (letzter Abruf am 19.07.2021)
(4)
Fachmagazin "JAMA Internal Medicine" (2014): Connolly BS, Lang AE. Pharmacological treatment of Parkinson disease: a review
https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/1861807 (letzter Abruf am 12.07.2021)
(5)
Fachmagazin "JAMA Internal Medicine" (2019): Anticholinergic Drug Exposure and the Risk of Dementia; A Nested Case-Control Study
https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2736353 (letzter Abruf am 19.07.2021)
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