Parkinson-Syndrom: Verlauf, Lebenserwartung und Therapie

Parkinson-Verlauf

Die Diagnose Parkinson kann für viele Betroffene und ihre Angehörige zunächst ein Schock sein. Doch was bedeutet es, an Parkinson erkrankt zu sein? Zwar ist Parkinson nicht heilbar, dennoch gibt es eine ganze Reihe von Behandlungsmöglichkeiten, die die Symptome lindern und Betroffenen Lebensqualität zurückgeben können.

pflege.de gibt einen Überblick über den Krankheitsverlauf und Therapiemöglichkeiten bei Parkinson.

Inhaltsverzeichnis

Morbus Parkinson: Verlauf & Stadien

Durch Forschungen ist bekannt, dass sich die typischen Symptome von Parkinson erst zeigen, wenn bereits etwa die Hälfte der Nervenzellen in der sogenannten substantia nigra („schwarze Substanz“) im Gehirn abgebaut ist.(1)

Dann ist der Krankheitsverlauf im Mittelhirn bereits fortgeschritten. Eindeutige Beschwerden können auch erst im Parkinson-Verlauf nach zehn Jahren oder mehr auftreten. Mit dem laufenden Nervenzellenverlust, nehmen auch die Krankheitssymptome zu. Dazu gehören beispielsweise:

  • Schmerzen im Schulter- und Nackenbereich
  • Schlafstörungen
  • Zittern
  • Schwierigkeiten beim Gehen und Stehen
  • leise und monotone Sprache

In den anfänglichen Stadien der Erkrankung lassen sich derartige Symptome durch eine angemessene Parkinson-Therapie deutlich verbessern. Spezielle Parkinson-Medikamente und Physiotherapie lindern in vielen Fällen die Beschwerden, sodass Betroffene wenig oder keine Einschränkungen haben.

Einige Zeit nach der Diagnose zeigen einige Patienten des primären Parkinson-Syndroms motorische Komplikationen wie Dyskinesien auf. Dem liegt meist das Zusammenwirken des Nervenzellverlusts und Medikamentennebenwirkungen zu Grunde. In der Regel bedarf es hier nur einer Anpassung der Medikamente, um solchen Begleiterscheinungen im Verlauf von Parkinson entgegenzuwirken.

Ältere Patienten leiden meist weniger an motorischen Komplikationen, sondern häufiger an den langfristigen Folgen des Parkinson-Syndroms. Diese schließen solche ein, die sich im Krankheitsverlauf weniger gut mit Medikamenten behandeln lassen. Gleichgewichtsstörungen, psychische Probleme oder geistige Veränderungen sind im höheren Lebensalter besonders ausgeprägt.

Info

Definition: Dyskinesie

Mit zunehmender Krankheitsdauer zeigen Parkinson-Patienten in vielen Fällen viel zu heftige Bewegungen. Diese sogenannten Überbewegungen werden als Dyskinesien bezeichnet. Dazu gehören beispielsweise unwillkürliche Bewegungen von Armen oder Beinen, ruckartige Bewegungen der Hände oder das ungewollte Schneiden von Grimassen. Der Grund dafür ist, dass im Körper entweder eine zu geringe oder zu hohe Dosis des Parkinson-Medikaments L-Dopa vorhanden ist. 

All dies können erste Anzeichen für eine Parkinson-Erkrankung sein. Im Parkinson-Verlauf können sich Symptome wie Muskelzittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor), Verlangsamung der Bewegungen und ein gebeugter Gang verstärken und sich auch auf Arme und Beine ausbreiten.

Durch spezielle Medikamente und Parkinson-Therapien lassen sich viele Symptome bessern, manche können sogar zeitweise verschwinden. Im Verlauf der Krankheit kann die Dosis an Medikamenten erhöht werden und in manchen Fällen ist auch eine Operation möglich oder sogar notwendig.

Tipp
Erfahren Sie mehr

In unserem Ratgeber zu Parkinson-Symptome, Diagnose & Test geben wir einen umfassenden Überblick über die typische Symptomatik bei Parkinson und wie die Diagnose gestellt wird. Lesen Sie selbst.

Schub bei Parkinson?

Anders als bei Multiple Sklerose verläuft Parkinson nicht in Schüben. Es handelt sich um eine neurodegenerative Erkrankung, bei der im Krankheitsverlauf von Zeit zu Zeit Gehirnzellen absterben. Aus diesem Grund schreitet auch die Krankheit langsam voran und die Symptome werden stärker. Es kann zu zeitweisen und schubweisen Verschlechterungen kommen, die sich wie ein akuter Parkinson-Schub anfühlen. Allerdings werden diese in der Regel nicht durch das Parkinson-Syndrom selbst, sondern durch Begleiterkrankungen ausgelöst.

Lebenserwartung / Prognose: Ist Parkinson heilbar?

Eine Parkinson-Erkrankung lässt sich trotz der Kenntnisse und Forschungsergebnisse zwar nicht heilen, aber sie führt auch nicht unmittelbar zum Tod. Die Lebenserwartung unterscheidet sich, insbesondere in den ersten Parkinson-Stadien, heutzutage nicht deutlich von der eines gesunden Menschen. Das gilt vor allem für das idiopathische Parkinson-Syndrom, welches die häufigste Form der Parkinson-Syndrome ist. Auffällige Symptome können durch die richtigen Medikamente gelindert werden.

Im fortgeschrittenen Parkinson-Stadium kommen allerdings neben den motorischen Begleiterscheinungen weitere Symptome hinzu, die nicht so gut auf Parkinson-Medikamente ansprechen. Dazu gehören beispielsweise Schluckstörungen mit einem erhöhten Risiko von Lungenentzündungen oder eine Demenzerkrankung. Derartige Begleiterkrankungen können die Lebensqualität mindern. Besonders dann, wenn sich der Patient ohnehin im Parkinson Endstadium befindet. In dem Fall kann die Lebenserwartung erheblich abnehmen.

Nichtsdestotrotz können Betroffene neben Medikamenten weitere Therapiemöglichkeiten nutzen, um den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen. Damit kann ein hohes Maß an Lebensqualität erhalten bleiben, sodass die Lebenserwartung bei Parkinson nicht deutlich beeinträchtigt wird.

Tipp
Bleiben Sie aktiv

Trainieren Sie Bewegungsabläufe und gestalten Sie ihr Leben trotz Pakinson aktiv. Forschungsergebnisse zeigen, dass körperliche Aktivität körperliche sowie kognitive Fähigkeiten von Betroffenen verbessern.(2)

Parkinson: Therapie & Behandlung

Die Behandlung des Idiopathischen Parkinson-Syndroms konzentriert sich in erster Linie auf den Ausgleich des Botenstoffs Dopamin mit Hilfe von speziellen Parkinson-Medikamenten. Ergänzend dazu können Patienten auf eine Vielzahl weiterer Therapieansätze zurückgreifen. Die möglichen Parkinson-Therapien sind individuell auf den Patienten abzustimmen und abhängig vom Alter, dem Stadium und der sozialen Situation. Die Behandlung sollte rechtzeitig und altersgerecht eingeleitet werden, um schwerwiegende Folgen von Parkinson weitestgehend zu verhindern und die Beschwerden zu lindern. Dadurch sollen Betroffene eine gute Lebensqualität behalten.

Ziele der Therapie können beispielsweise sein:

  • Motorische Störungen behandeln
  • Pflegebedürftigkeit verhindern
  • Selbstständigkeit im Alltag und der Gesellschaft erhalten
  • Psychologische Symptome heilen
  • Begleiterkrankungen vermeiden

Parkinson-Medikamente

Die Behandlung mit Medikamenten kann nicht die ursächlichen Schäden des Nervensystems rückgängig machen. Vielmehr sollen die Medikamente den Dopamin-Mangel ausgleichen und auf diese Weise die Symptome der Erkrankung lindern. Dazu können verschiedene Medikamente zum Einsatz kommen, die einzeln oder auch in der Kombination verschrieben werden. Ziel ist eine lange Wirksamkeit, ohne dass der Patient unter Nebenwirkungen leiden muss. Die folgende Tabelle zeigt, welche Medikamente bei Morbus Parkinson Wirkung zeigen können:(3)

  1. L-Dopa
  2. MAO-B-Hemmer
  3. COMT-Hemmer
  4. Dopamin-Agonisten
  5. Anticholinergika

1. L-Dopa

Als wirksamstes Mittel, das zur Behandlung von Parkinson-Symptomen eingesetzt wird, gilt Levodopa (L-Dopa).(4) Das Medikament wird heutzutage mit sogenannten Decarboxylase-Hemmern kombiniert. L-Dopa ist eine Vorstufe von Dopamin, dessen Mangel als ursächlich für die Symptome gilt. L-Dopa wird im Gehirn des Betroffenen zu Dopamin umgewandelt. Folglich steigt der zu niedrige Dopaminspiegel an und, die Symptome, vor allem die Bewegungsverlangsamung und die Muskelsteifheit, können gelindert werden.

Die sogenannten Decarboxylase-Hemmer sind bei der Gabe von L-Dopa äußerst wichtig, denn sie sorgen dafür, dass L-Dopa ungehindert ins Gehirn transportiert wird und sich dort entfalten kann.

Info

Nebenwirkungen von L-Dopa

So wirksam L-Dopa ist, so reich ist es auch an Nebenwirkungen. Bei einer L-Dopa-Therapie kann es oft zu motorischen Komplikationen in Form von Wirkungsfluktuationen und Dyskinesien kommen. Zudem hat L-Dopa eine kurze Verweildauer im Körper. Der Wirkstoffspiegel sinkt schon vier bis sechs Stunden nach der Einnahme. Leider nehmen im Verlauf der Therapie mit L-Dopa auch die Nebenwirkungen wie Übelkeit, Erbrechen und Infektionen zu.(3)

2. Monoaminooxidase-B-Hemmer (MAO-B-Hemmer)

Ein weiteres Medikament, um das primäre Parkinson-Syndrom zu behandeln, sind die sogenannten Monoaminooxidase-B-Hemmer. MAO-B-Hemmer werden in der Regel gemeinsam mit L-Dopa eingesetzt, weil sie dessen Wirkung verlängern können. Medikamente aus der Gruppe der Monoaminooxidase hemmen den Abbau von Dopamin im Gehirn.

3. Catechol-O-Methyltransferase-Hemmer (COMT-Hemmer)

Durch die Hemmung des Enzyms COMT wird die Wirkungsdauer von L-Dopa verlängert. Medikamente dieser Gruppe werden vor allem bei Betroffenen angewandt, die Wirkungsfluktuationen bei der Einnahme von L-Dopa zeigen.

4. Dopaminagonisten

Dopaminagonisten ahmen das fehlende Dopamin im Gehirn nach und gleichen den Mangel an Dopamin zugunsten eines ungestörten Bewegungsverlaufs aus. Medikamente dieser Gruppe können zur alleinigen Therapie sowie zur Kombinationstherapie verschrieben werden.

Dopaminagonisten wirken zwar ähnlich gut wie L-Dopa, jedoch weisen sie mehr Nebenwirkungen auf. Gerade zu Beginn einer Behandlung mit Dopaminagonisten kommt es in vielen Fällen zu unangenehmen Nebenwirkungen wie Übelkeit, Magenschmerzen, Schläfrigkeit oder auch Psychosen. Durch eine sorgfältige Auswahl möglicher und ergänzender Medikamente kann die Verträglichkeit verbessert werden.

5. Anticholinergika

Anticholinergika zählen zu den ältesten und am besten erforschten Medikamenten bei der Parkinson-Therapie. Parkinson-Patienten weisen viel Acetylcholin im Gehirn auf, weil ihnen unter anderem der Botenstoff Dopamin fehlt. Die sogenannten Anticholinergika regulieren das Verhältnis der beiden Botenstoffe zugunsten von Dopamin. Vorrangig wurden sie bisher zur Behandlung des Zitterns (Tremor) sowie zur Verringerung des Speichelflusses eingesetzt. Heutzutage kommen Anticholinergika seltener zum Einsatz, da sich inzwischen andere Medikamente bewährt und etabliert haben.

Info

Anticholinergika stehen im Verdacht, Demenz auszulösen

Anticholinergika können allerdings auch das Risiko, an einer Demenz zu erkranken, erhöhen. Das fanden britische Forscher im Jahr 2019 in einer Studie heraus. Noch ist unklar, ob Anticholinergika auch eine Demenz auslösen können.(5)

CBD bei Parkinson?

Hanf (Cannabis sativa) zählt zu den ältesten Kulturheilpflanzen der Menschheit. Im Jahr 2020 wurde das Betäubungsmittelgesetz dahingehend geändert, dass Cannabis als Arzneimittel erkrankten Menschen leichter zugänglich gemacht wird. Ob CBD therapeutische Möglichkeiten in der Behandlung von Parkinson hat, ist bisher nicht eindeutig.

Obwohl CBD scheinbar beruhigend auf das Nervensystem wirkt, Schmerzen lindern kann und entzündungshemmende Eigenschaften besitzt, spricht die American Academy of Neurology die therapeutische Wirksamkeit von Cannabis sowohl für den Tremor als auch für Dyskinesien ab. Nichtsdestotrotz kann sich CBD positiv auf die nicht-motorischen Symptome (zum Beispiel Schlafstörungen) auswirken. Ob CBD bei Parkinson in Frage kommt, muss der Arzt im Einzelfall nach sorgfältiger Nutzen-Risiko-Abwägung entscheiden.

Parkinson-Therapie: physikalische Verfahren

Muskelzittern, Gehstörungen und eine eingeschränkte Mimik – die Symptome bei einem Parkinson-Syndrom sind vielfältig. Ebenso vielfältig sind auch die physikalischen Therapien, die eingesetzt werden können. Sie sollen dem Betroffenen das Gefühl geben, selbst aktiv gegen die Folgen von Parkinson anzugehen und gegen sie an zu wirken. Zu den Möglichkeiten zählen:

  • Physiotherapie
  • Ergotherapie
  • Stimm- und Sprechtherapie

Das Ziel dieser Therapien bei Parkinson ist die Verbesserung der Lebensqualität. Physio- und Ergotherapien zielen beispielsweise darauf ab, die Beweglichkeit und das Wohlbefinden Betroffener zu erhalten oder wiederherzustellen. Dazu werden individuelle Interessen des Betroffenen für die Therapie berücksichtigt, um die Behandlung möglichst abwechslungsreich zu gestalten. Die klassische Krankengymnastik kann zum Beispiel durch ein Gangtraining oder Tanzen ergänzt werden. Derartige Behandlungsmöglichkeiten zielen auch darauf ab, das Sturzrisiko zu senken. Der schlurfende Gang, die kleinen Schritte und die stockenden Bewegungen führen oft zu (schweren) Stürzen. Mit Hilfe von ergo- und physiotherapeutischen Maßnahmen wird beispielsweise die Beinmuskulatur des Erkrankten gestärkt und ein Gangtraining absolviert.(6) (7)

Parkinson-Übungen

Im Rahmen der Physiotherapie mit professioneller Unterstützung oder auch eigenständig können Bewegungsübungen bei der Parkinson-Therapie unterstützen. Zwar haben sie keine direkte Wirkung auf den Krankheitsverlauf, jedoch können sie einzelne Symptome lindern und dadurch schwerwiegende Folgen verhindern. Parkinson-Übungen können beispielsweise der Bewegungsarmut entgegenwirken und die Koordinationsfähigkeit verbessern.

Im fortgeschrittenen Parkinson-Stadium beginnen Patienten Gleichgewichtsstörungen zu zeigen, was in vielen Fällen den Gang beeinträchtigt. Mit Hilfe von gezielten Übungen lernen Betroffene ein besseres Körpergefühl zu haben und den Gleichgewichtssinn zu stärken. Damit können Patienten aktiv etwas dagegen tun, Stürze oder andere Folgen zu meiden. Gleichzeitig kann Bewegung das Selbstbewusstsein des Betroffenen fördern und möglicherweise positive Auswirkungen auf das Gemüt des Betroffenen haben. Parkinson-Übungen sollten regelmäßig durchgeführt werden.

Pflege & Pflegeplanung

Mit abnehmender Selbstständigkeit des Betroffenen, kann er im Parkinson-Spätstadium pflegebedürftig werden. Dann kann für ihn und seine Angehörigen gegebenenfalls eine pflegerische Aufklärung hilfreich sein. Denn erkennt der pflegende Angehörige beispielsweise frühzeitig eine aufkommende Schluckstörung, kann besser darauf reagiert werden.

Hinzu kommt, dass motorische Einschränkungen und die psychische Belastung die Pflege bei Parkinson erschweren. Hier sind viel Verständnis, Feingefühl sowie Akzeptanz gefordert. Auch ein gewisses Maß an Geduld müssen die Pflegepersonen mitbringen, da mit der Erkrankung eine Verlangsamung der Bewegungen einhergeht.

Grundsätzlich steht bei der Parkinson-Pflegeplanung im Vordergrund, die Selbstständigkeit des Patienten so lange wie möglich aufrechtzuerhalten.

Kunst- und Psychotherapien

Künstlerische Therapien wie etwa Kunst-, Mal- oder Tanztherapien können ebenso in Erwägung gezogen werden. Die Therapie kann sich beispielsweise, je nach individueller Zielstellung, positiv auf die Motorik, die Stimme und die soziale Teilhabe auswirken. So können sie, je nach Interessenslage des Erkrankten, positive Auswirkungen auf die Stimmung und die Unternehmungslust haben. Sie sorgen zugleich für Kontakt zu anderen Betroffenen und können alte oder sogar neue Hobbys (wieder) aktivieren. Das kann womöglich schwerwiegenden Folgen wie etwa eine Depression verhindern.

Gleiches gilt für die Psychotherapie bei Parkinson. Im Rahmen der Psychotherapie, erfahren die Patienten, sich mit der Erkrankung auseinanderzusetzen. Über seine Probleme und Zukunftsängste zu sprechen kann in vielen Fällen sehr hilfreich sein. Gemeinsam mit einem Psychotherapeuten Lösungen zu entwickeln und von ihm beraten zu werden, kann das emotionale Wohlbefinden des Betroffenen entscheidend verbessern. Gleichzeitig entlastet es Angehörige oder andere Bezugspersonen.

Info

Alternative Therapien

Eine alternative Behandlung durch Akupunktur, Magnetstimulation oder Massage kann sich im Einzelfall eignen. Therapiemöglichkeiten wie eine Massage lockern beispielsweise Muskelverspannungen und das kann einen hohen Wert für einen Parkinson-Erkrankten haben. Es kann sich für viele Betroffene lohnen, unterschiedliche Medikamente und Behandlungsmöglichkeiten auszuprobieren, bis sie die individuell beste Therapie gefunden haben.

Operation: Tiefenhirnstimulation / Hirnschrittmacher

Wenn Medikamente in der Therapie nicht helfen, kann auch eine Operation zur Verbesserung der Symptomatik eines primären Parkinson-Syndroms in Erwägung gezogen werden. Um motorische Komplikationen wie etwa das Zittern zu verbessern, hat sich beispielsweise die sogenannte tiefe Hirnstimulation (kurz: THS) bewährt. Die Tiefenhirnstimulation wurde in den aktuellen Leitlinien der deutschen Gesellschaft für Neurologie (DGN) als fester Bestandteil der Behandlung des Morbus Parkinson-Syndroms im fortgeschrittenen Stadium aufgenommen.(3)

Bei diesem Verfahren implantieren die Chirurgen Elektroden im Gehirn des Patienten und einen kleinen Schrittmacher in dessen Brust. Aus diesem Grund ist die Tiefenhirnstimulation umgangssprachlich auch als Hirnschrittmacher bekannt. Per Fernbedienung sind die Elektroden via Schrittmacher in der Brust von außen zu steuern. Tatsächlich sind die Erfolge der tiefen Hirnstimulation oft bedeutend: Ein Parkinson Tremor kann zum Beispiel vollständig verschwinden und Medikamente können vermindert werden. Jedoch sind Parkinson-Operationen immer mit einem Risiko verbunden, sodass der Arzt Risiken und Erfolgsaussichten individuell gegeneinander abwägen muss.

Wichtig ist, dass die Tiefenhirnstimulation bei Parkinson nur eine symptomatische Behandlung darstellt und die Symptome lindert. Der sogenannte Hirnschrittmacher hat keinen Effekt auf das Voranschreiten der Krankheit.

Info

Prominente Parkinson-Patienten machen Mut

Auch prominente Parkinson-Patienten wie Michael J. Fox oder Ottfried Fischer gehen trotz der Erkrankung noch auf die Bühne, schreiben Bücher und halten Vorträge – das kann vielen anderen Parkinson-Patienten als Vorbild dienen und ihnen Mut machen, nicht aufzugeben. Es kann sich für viele Betroffene lohnen, unterschiedliche Medikamente und Therapien auszuprobieren, bis man die individuell beste Therapie gefunden hat, die die eigene Beweglichkeit erhalten kann.

Hilfsmittel bei Parkinson

Neben medikamentösen, physikalischen und alternativen Therapien können auch schon einfache Hilfsmittel im eigenen Haushalt Betroffenen das Leben mit der Krankheit Parkinson erleichtern. Damit können sich Betroffene ihre Selbstständigkeit erhalten und Bewegungsabläufe trainieren. Zu möglichen Hilfsmitteln gehören:

  • Mobilitäts- und Gehhilfen: Bei den typischen Gangstörungen durch Parkinson können Mobilitäts- und Gehhilfen im Alltag unterstützen und die Bewegungsroutine trainieren.
  • Schlüsselhilfe / Aufsperrhilfe: Parkinson-Patienten mit starkem Muskelzittern in der Hand haben oft Probleme, den Schlüssel ins Schlüsselloch zu treffen. Zur Unterstützung gibt es kleine Schlüsselaufsätze, die die Position fixieren und das Einstecken des Schlüssels wesentlich erleichtern.
  • Hilfsmittel für das Essen, Trinken und Kochen: Spezielles Essbesteck aus dickem Edelstahl liegt besonders gut in der Hand und kann Parkinson-Patienten dabei unterstützen, trotz starkem Muskelzittern in der Hand weiterhin selbstständig zu essen. Es gibt auch spezielle Gabeln und Löffel für Parkinson-Patienten (sogenanntes Stabilisationsbesteck), die das Zittern kompensieren, so dass Betroffene Mahlzeiten problemloser und selbstständig einnehmen können.
  • Hilfsmittel zum Anziehen: Gerade feinmotorische Handgriffe wie das Anziehen von Strümpfen, Schuhen oder das Zuknöpfen von Kleidungsstücken stellt Parkinson-Patienten vor Herausforderungen. Spezielle Hilfsmittel erleichtern die alltäglichen Handgriffe beim Anziehen wesentlich und erhalten dem Betroffenen mehr Selbstständigkeit und Privatsphäre.
Tipp
Erkundigen Sie sich bei Ihrer Krankenkasse

Sofern eine ärztliche Verordnung vorliegt, kann die Krankenkasse die Kosten für die unterschiedlichen Therapien und Hilfsmittel erstatten. Informieren Sie sich dazu am besten bei Ihrer zuständigen Krankenkasse.

Häufig gestellte Fragen

Wie verläuft Parkinson?

Grundsätzlich variieren das Symptombild, der Krankheitsverlauf und Schweregrad der Erkrankung stark von Patient zu Patient.Oftmals erkranken Patienten schon deutlich vor der Parkinson-Diagnose. Weil der Zellschwund im Gehirn kontinuierlich fortschreitet, nehmen auch die Symptome zu. Dadurch zeigt Parkinson einen stadienhaften Verlauf, der mit verschiedenen motorischen und psychologischen Beeinträchtigungen einhergeht. In den ersten Krankheitsjahren lassen sich viele Beschwerden durch eine Kombination aus Medikamenten und physiotherapeutischen Maßnahmen lindern. Mit fortschreitender Erkrankung lässt in vielen Fällen die Wirkungsdauer der Medikamente nach. Gleichzeitig nehmen nicht-motorische Symptome wie beispielsweise kognitive oder psychische Störungen zu. Mit Hilfe geeigneter, individueller Therapiemethoden haben Betroffene in der Regel eine annährend normale Lebenserwartung.

Wie schnell schreitet Parkinson voran?

Der Krankheitsverlauf sowie der Schweregrad der Erkrankung ist von Patient zu Patient unterschiedlich. Daher lässt sich nicht pauschal beantworten, wie schnell Parkinson voranschreitet. In den ersten Krankheitsjahren lassen sich die Symptome durch eine Kombination aus Medikamenten und Physiotherapien deutlich lindern.

Wie lange kann man mit Parkinson leben?

Dank vielfältiger Therapiemöglichkeiten ist die Lebenserwartung mit Parkinson vergleichbar mit der einer gesunden Person.

Was tun bei Parkinson?

Ist die Diagnose durch einen Facharzt gestellt, gibt es vielfältige Möglichkeiten Parkinson zu therapieren. Dank der Parkinson-Forschung können bei vielen Patienten Symptome des primären Parkinson-Syndroms wie Muskelsteifigkeit und Ruhezittern bereits medikamentös gemindert werden. Neben der medikamentösen Behandlung, gibt es weitere Therapiemöglichkeiten, um Beschwerden zu lindern. Diese reichen von physikalischen Verfahren wie Physio- oder Ergotherapie bis hin zu alternativen Therapien wie Kunsttherapien oder Massage. In seltenen Fällen kommt auch eine Operation in Frage.

Was hilft gegen Parkinson?

Die Behandlung besteht in der Regel aus einer Kombination von Medikamenten und unterschiedlichen begleitenden Therapien wie zum Beispiel Krankengymnastik, Sprach- und Ergotherapie.

Was kann ich selbst tun bei Parkinson?

Neben der ärztlichen Behandlung können auch Sie etwas tun. Eine gesunde Ernährung sowie regelmäßige Bewegung – mit oder ohne professionelle Unterstützung – kann in vielen Fällen sehr hilfreich sein. Zwar wirken sie sich nicht direkt auf den Krankheitsverlauf aus, jedoch können sie einzelne Symptome lindern. Spezielle Übungen bei Parkinson können beispielsweise der Bewegungsarmut entgegenwirken und die Koordinationsfähigkeit verbessern.

Darüber hinaus kann es Ihnen helfen, wenn Sie über Ihre Beschwerden und Ängste sprechen. Wenden Sie sich doch einmal an eine Selbsthilfegruppe bei Parkinson. Hier treffen Sie auf andere Betroffene, die die Herausforderungen des Alltags mit Parkinson ebenso erleben wie Sie. Möglicherweise fällt es Ihnen im Rahmen der Selbsthilfe leichter, über Ihre Sorgen und Ängste zu sprechen. Zudem können Sie Ihre Tipps mit anderen teilen und gleichzeitig wertvolle Tipps von Gleichgesinnten erhalten. Das kann sich nicht nur positiv auf Ihr Selbstbewusstsein und Ihre Stimmung auswirken, sondern auch Ihren Weg mit Parkinson entscheidend verbessern.

Was passiert, wenn Parkinson nicht behandelt wird?

Parkinson-Erkrankte leiden nicht nur unter motorischen, sondern auch unter nicht motorischen Begleiterscheinungen von Parkinson. Die motorischen Symptome von Parkinson lassen sich in vielen Fällen durch spezielle Parkinson-Medikamente behandeln. So können Betroffene ihre Lebensqualität weitestgehend erhalten. Jedoch helfen Medikamente nur dabei, die Beschwerden zu lindern, nicht aber dem Fortschreiten der Krankheit entgegenzuwirken. Darum nimmt auch die Symptomatik trotz Behandlung weiterhin zu. Wird Parkinson gar nicht behandelt, haben Betroffene meist größeres Leid, denn motorische sowie nicht motorische Begleiterscheinungen können Betroffene in ihrem Alltag stark einschränken.

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Erstelldatum: 7102.20.2|Zuletzt geändert: 1202.21.71
(1)
Max-Planck-Institut für Neurobiologie
www.neuro.mpg.de/373976/research_report_328335?c=373596 (letzter Abruf am 12.07.2021)
(2)
Martine Lauze, Jean-Francois Daneault & Christian Duval: The Effects of Physical Activity in Parkinson’s Disease (Forschungsbericht 2016)
https://content.iospress.com/download/journal-of-parkinsons-disease/jpd160790?id=journal-of-parkinsons-disease%2Fjpd160790 (letzter Abruf am 15.07.2021)
(3)
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Leitlinie "Parkinson-Syndrom, idiopathisch" (2016)
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/030-010k_S3_Parkinson_Syndrome_Idiopathisch_2016-06-abgelaufen.pdf (letzter Abruf am 19.07.2021)
(4)
Fachmagazin "JAMA Internal Medicine" (2014): Connolly BS, Lang AE. Pharmacological treatment of Parkinson disease: a review
https://jamanetwork.com/journals/jama/article-abstract/1861807 (letzter Abruf am 12.07.2021)
(5)
Fachmagazin "JAMA Internal Medicine" (2019): Anticholinergic Drug Exposure and the Risk of Dementia; A Nested Case-Control Study
https://jamanetwork.com/journals/jamainternalmedicine/fullarticle/2736353 (letzter Abruf am 19.07.2021)
(6)
Österreichische Parkinson Gesellschaft (2019): Broschüre "Leben mit Parkinson"
www.parkinson.at/files/CONTENT/OEPG/Patienten%20Info/UCB-AT_%c3%96PG%20Brosch%c3%bcre%20Leben%20mit%20Parkinson%202019_FINAL.pdf (letzter Abruf am 17.12.2021)
(7)
Deutsche Gesellschaft für Neurologie (DGN): Leitlinie "Parkinson-Syndrom, idiopathisch" Kurzfassung
https://dgn.org/wp-content/uploads/2013/01/030010_LL_kurzfassung_ips_2016.pdf (letzter Abruf am 17.12.2021)
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