Dekubitusprophylaxe

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Dekubitusprophylaxe

Die beste Erkrankung ist die, die gar nicht erst entsteht. Da ein Dekubitus in einem fortgeschrittenen Stadium schwerwiegende gesundheitlichen Folgen haben und andere Krankheiten nach sich ziehen kann, ist eine bewusste Dekubitusprophylaxe so wichtig. Sowohl in der stationären Pflege im Pflegeheim als auch in der ambulanten Pflege wird auf die richtige Lagerung und Mobilisation von bewegungseingeschränkten Menschen durch praktisches Pflegewissen sehr viel Wert gelegt. Denn nur mit einer genauen Beobachtung und der frühzeitigen Behandlung kann ein Dekubitus vermieden werden. pflege.de stellt die wichtigsten Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe vor und gibt pflegenden Angehörigen Tipps für den Pflegealltag an die Hand.

Inhaltsverzeichnis

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Definition: Dekubitusprophylaxe

Wie kann man einen Dekubitus vorbeugen? Was ist eine erfolgreiche Dekubitusprophylaxe? Die Antwort darauf ist: durch eine vorausschauende Beobachtung und eine aufwändige und regelmäßige Lagerung von bewegungseingeschränkten Menschen.

Da die Ursache jeden Druckgeschwürs eine verminderte Durchblutung von Haut oder Gewebe ist, ist die wichtigste Prophylaxe die Mobilisation und damit ausreichende Sauerstoffversorgung von Haut und Gewebe. Durch die gezielte Lagerung und Mobilisation von Menschen erzielt man die bewusste Belastung und Entlastung von Haut und Gewebe. Dadurch kann man verhindern, dass auf eine Hautpartie zu viel Druck ausgeübt wird und sich ein Dekubitus entwickelt.

Dekubitusprophylaxe in der Pflegeplanung

Welch hohen Stellenwert die Dekubitusprophylaxe in der Pflege hat, wird an dem Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“ deutlich. In der Leitlinie für professionelle Pflegekräfte heißt es:

Übergreifende Zielsetzung des Expertenstandards … ist die Verhinderung eines Dekubitus.

Um dieses Ziel zu erreichen, spielt die Dekubitusprophylaxe in der Pflege- bzw. Maßnahmenplanung eine große Rolle.

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  • Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe in der Pflege“

Das Deutsche Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) hat den Expertenstandard herausgegeben. Die Basis bildet dabei die Definition eines Dekubitus laut European Pressure Ulcer Advisory Panel (EPUAP).

Der Expertenstandard zur Dekubitusprophylaxe nennt eine ganze Reihe von Zielen und Aufgaben, die die professionellen Pflegekräfte zu erfüllen haben. Pflegende Angehörige dürfen von den Profis Anleitung und Schulung zu folgenden Aspekten erwarten oder gezielt danach fragen:

  1. Wie werden Eigenbewegungen des Betroffenen ermöglicht?
  2. Wie wird eine Hautkontrolle durchgeführt?
  3. Wie funktioniert eine Druckentlastung?
  4. Wie werden Hilfsmittel richtig eingesetzt?
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Maßnahmen & Ziele der Dekubitusprophylaxe

Das oberste Ziel einer Dekubitusprophylaxe ist natürlich, die Entstehung eines Druckgeschwürs von vornherein zu verhindern. Dennoch respektiert z. B. der Expertenstandard ausdrücklich den Willen des Betroffenen. Lehnt jemand eine prophylaktische Maßnahme ab, weil sie ihm zu unbequem oder zu schmerzhaft ist, dann muss diese Ablehnung auch akzeptiert werden. Dies kann z. B. bei Sterbenden der Fall sein – und dann darf die Prophylaxe auch entfallen, weil sie einer guten (z. B. schmerzfreien) Palliativpflege widersprechen würde.

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Dekubitus: Das sind die Ursachen, Prävention & Therapie

Ansonsten gelten u. a. folgende Ziele bei jeder Dekubitusprophylaxe:

  • Risikofaktoren erkennen, ausschalten bzw. vermindern
  • Dekubitus durch eine individuelle Prophylaxe verhindern
  • Hautschäden vermeiden
  • Förderung der Eigenbewegung (Mobilität) des Betroffenen

Es ist ein ganzes Bündel von Maßnahmen zur Dekubitusprophylaxe dafür nötig:

  • Regelmäßige (tägliche) Kontrolle der gesamten Haut
  • Hautreinigung stets mit adäquaten Mitteln (z. B. nicht austrocknend)
  • Hautpflege mit Wasser-in-Öl-Emulsionen
  • Tragen atmungsaktiver Kleidung
  • Frühzeitiger Wechsel von Inkontinenzmaterialien
  • Kontrolle des Ernährungszustandes (möglichst abwechslungsreiche Kost und ausreichende Versorgung mit Vitaminen und Nährstoffen, etc.)
  • Gute Flüssigkeitsversorgung (um die Austrocknung des Körpers zu verhindern)

Lagerung bei Dekubitus

Um einem Dekubitus vorzubeugen, gibt es unterschiedliche Prinzipien der Lagerung:

  • 30°-Lagerung
  • 90°-Lagerung (veraltet)
  • 135°-Lagerung

Stand der aktuellen Forschung ist inzwischen die sog. 30-Grad-Schräglagerung. Sie gilt als risikoärmste Lagerung und verhindert bestmöglich Druckschäden an anderen Körperstellen. Da der Betroffene dabei auf dem Rücken liegt, kommt diese Lagerungsart den meisten Personen sehr entgegen.

Eine gute Alternative ist die 135-Grad-Lagerung. Wie diese Lagerungstechniken angewendet werden, können Sie sich in diesem Video anschauen.

Info

90-Grad-Lagerung gilt als veraltet

Die 90-Grad-Lagerung sollte bei der Dekubitusprophylaxe nicht mehr angewandt werden, weil dabei zu viel Gewicht auf den Oberschenkelknochen (Trochanter) einwirkt.

Jede Lagerung muss individuell auf den Betroffenen und die Position des Dekubitus am Körper abgestimmt sein. Selbstverständlich muss auch regelmäßig eine Lageveränderung durchgeführt werden, um den Druck auf die übrigen Körperteile zu vermindern. Früher wurde ein zweiständiges Lagerungsintervall empfohlen. Doch der Expertenstandard „Dekubitusprophylaxe“ regelt das deutlich anders.

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Ausschlaggebend für die Häufigkeit der Lagerung ist lt. Expertenstandard die individuelle Situation: Manch Betroffener muss häufiger gelagert werden, der andere weniger. Das Intervall der Lagerung hängt von drei Faktoren ab:

  1. dem individuellen Dekubitusrisiko des Betroffenen
  2. den therapeutischen und pflegerischen Zielen
  3. den individuellen Möglichkeiten und der Eigenbewegung des Betroffenen.
Tipp

Bei einer Umlagerung der Person sollten Sie immer auch den Hautzustand kontrollieren und Ihren Angehörigen auf Schmerzen hin befragen bzw. beobachten.

Bewegung ist auch Prophylaxe

Für manchen Betroffenen mag schon die regelmäßige Lagerung genug Bewegung sein. Manch anderer würde gern etwas mehr tun. Sie können das – ggfs. gemeinsam mit den Pflegekräften – unterstützen, wenn Kraft und Bewegungsmöglichkeiten des Betroffenen das zulassen:

  • Lassen Sie den Betroffenen auch einmal an der Bettkante sitzen.
  • Wenn möglich, ist auch der Tausch zwischen Bett und Rollstuhl oder Stuhl eine „bewegende“ Alternative.
  • Gehen und Stehen sind gute Möglichkeiten, um den Kreislauf in Schwung zu bringen (evtl. brauchen Sie hier die Hilfe einer zweiten Person, möglichst einer Pflegekraft).
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Bewegung einplanen

Jeder Betroffene soll so gut wie möglich mobilisiert werden. Wundern Sie sich also nicht, wenn die Pflegekraft Sie darauf hinweist, dass sie einen individuellen Bewegungsplan erstellt und durchführen möchte. Die aktivierende Pflege ist ein Grundprinzip in der modernen Pflege. Sie können sie fördern, indem Sie z. B. Ihren pflegebedürftigen Angehörigen ermuntern, bei Bewegungsübungen so aktiv wie möglich mitzumachen.

Hilfsmittel bei Dekubitus

Manchmal reicht es schon aus, die Bettdecke aufzufalten und einige Kissen als Unterstützung zu geben, damit eine Lagerung schonend und schmerzfrei erfolgt. Doch natürlich gibt es auch eine ganze Reihe von Hilfsmitteln, die durch die Krankenkasse (SGB V) oder Pflegekasse (SGB XI) gefördert oder geliehen werden können. Allerdings muss z. B. für ein Kissen oder eine Matratze auch eine spezielle Verordnung (Rezept) vom Arzt vorliegen.

Hilfsmittel
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Das zählt zu den Hilfsmitteln für Senioren: Ein Überblick

Erfahrene Pflegekräfte haben bei den Hilfsmitteln ein klares Motto: „Weniger ist mehr.“ Schließlich braucht jedes Kissen, jeder Fersenring etc. Platz im Bett. Kommen beim Betroffenen noch Drainagen, Verbände, Schienen oder Prothesen zum Einsatz, wird der Platz im Bett schnell knapp. Jedes Dekubitus-Hilfsmittel hat vor allem einen Zweck: Es soll den Druck vom Körper bzw. einer bestimmten Körperstelle nehmen. Für diese Druckentlastung gibt es unterschiedliche Hilfsmittel:

  • Antidekubitus-Hilfsmittel (z. B. Matratzen und -auflagen)
  • Weichlagerungssysteme (besonders weiche Matratzen, die die Auflagenfläche des Körpers vergrößern und damit den Druck auf einzelne Körperstellen vermindern)
  • Wechseldrucksysteme (Matratzen mit Luftkammern, die abwechselnd per Kompressor mit Luft gefüllt werden)
  • Micro-Stimulations-Systeme (Matratzen, bei denen die Federn z. B. auf die Atembewegungen des Liegenden reagieren)

Ungeeignet sind dagegen u. a.:

  • Felle
  • Fersen- oder Ellenbogenschoner aus Fell
  • Wasserkissen
  • Watteverbände
  • Gummiringe
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Hilfsmittel individuell auf die Person anpassen

Alle Hilfsmittel müssen zum Betroffenen passen. Nicht jeder profitiert z. B. von einer Weichlagerung. Durch die weiche Lagerung spürt der Liegende nicht mehr, wo sein Körper anfängt und wo er aufhört. Das kann Menschen mit Demenz z. B. sehr stark irritieren.

Dekubitus Salbe / Creme

Melkfett, Vaseline oder Zinkpaste finden sich in vielen Haushalten – doch für eine Dekubitusprophylaxe sind sie gänzlich ungeeignet, weil sie die Haut austrocknen oder die Poren verstopfen. Als Hautschutz bzw. Dekubitusprophylaxe eignet sich z. B. eine spezielle Hautschutzfilm-Creme, die vom Arzt verordnet wird. Eine solche Creme schützt die Haut z. B. vor Beschädigungen durch Ausscheidungen, verstopft aber nicht die Poren.

Generell verzichten sollte man in der häuslichen Pflege auf folgende Mittel verzichten:

  • Desinfektionsmittel und Antiseptika (schädigen die normale Hautflora und trocknen aus)
  • Alkohol und Franzbranntwein (entfetten die Haut)
  • Körperpuder (kann die Haut verletzen)

Dekubitus Matratze / Antidekubitusmatratze

Eine Antidekubitusmatratze soll verhindern, dass zu viel Gewicht auf einer zu eng umgrenzten Körperstelle zu liegen kommt. Das gelingt auf zwei Arten:

  1. Der Druck wird auf eine größere Auflagefläche verteilt (Weichlagerungssysteme).
  2. Der Druck wird immer nur kurze Zeit auf eine bestimmte Stelle ausgeübt (Wechseldrucksysteme).
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Dekubitus-Matratze auf Rezept

Mit einem Rezept vom Arzt erhalten Versicherte eine solche Matratze bei der Kranken- oder Pflegekasse. Sie sollten jedoch vorher genau klären, welche spezielle Matratze für ihren persönlichen Bedarf in Frage kommt. Wichtig ist, dass eine Dekubitusmatratze sehr schnell eingesetzt wird, wenn ein Dekubitus diagnostiziert wurde.

Dekubitus Kissen / Antidekubituskissen

Nicht jeder, der einen Dekubitus hat, liegt dauerhaft im Bett. Viel öfter sitzen pflegebedürftige Menschen tagsüber – oft über Stunden – in ihrem Lieblingssessel. Auch dann ist die Gefahr groß, dass ein Dekubitus entsteht, v. a. am Gesäß (sog. Decubitus Sacralis). Ein Dekubitus-Sitzkissen kann hier sehr gut als Prophylaxe eingesetzt werden. Auch für Rollstuhlfahrer gibt es spezielle Sitzkissen, die den Druck auf Gesäß und Oberschenkel vermindern.

Hautpflege zur Dekubitusprophylaxe

Eine gesunde elastische Haut ist eine gute Vorbeugung vor einem Dekubitus. Leider lässt gerade das Alter die Haut eher spröde und trocken werden. Umso wichtiger ist es, dass bei der Hautpflege von Pflegebedürftigen einige Faktoren berücksichtigt werden:

  • Verzicht auf tägliche Ganzkörperwaschungen, wenn es nicht erforderlich ist.
  • Keine Verwendung alkalischer Seifen, die die Haut entfetten und den pH-Wert ungünstig beeinflussen.
  • Hautreinigung unter Zuhilfenahme von viel klarem Wasser und bei Bedarf Syndets, um stärkere Verschmutzungen zu entfernen.
  • Belebende Körperwaschungen, z. B. mit einem Zusatz von Rosmarinlotion oder Pfefferminztee, wirken erfrischend und trocknen die Haut nicht aus.
  • Beruhigende Körperwaschungen (z. B. mit Lavendellotion) sorgen für Wohlbefinden und können schlafanstoßend wirken.
  • Solange es geht, sollte der Betroffene zur Toilette gehen dürfen oder geführt werden.
Körperpflege / Hautpflege
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Körperpflege & Hautpflege bei Pflegebedürftigen

Ernährung zur Dekubitusprophylaxe

Es gibt keine Studien, die belegen, dass sich ein Dekubitus allein durch die richtige Ernährung verhindern lässt. Dennoch kann man bei Pflege eines Angehörigen darauf achten, dass er ausreichend und abwechslungsreich isst. Eine Mangelernährung oder ein schlechter Hautzustand, der durch eine Fehlernährung verursacht wurde, können zum Entstehen eines Dekubitus beitragen. Und dagegen kann man als Pflegender einiges tun:

  • Reichern Sie bei Bedarf die Lieblingsspeisen mit Trinknahrung und Zusatznahrung an, um ihn optimal zu versorgen.
  • Fördern Sie seine Mobilität durch kleine Spaziergänge (wirkt appetitanregend).
  • Holen Sie bei Schluckstörungen (Dysphagie) Hilfe durch Logopäden oder Ergotherapeuten.
  • Sorgen Sie dafür, dass der Betroffene genügend trinkt.
  • Achten Sie darauf, dass die Mundpflege gewissenhaft durchgeführt und der Zahnstatus regelmäßig untersucht wird (auch auf schlecht sitzende Prothesen achten).

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Erstelldatum: .13.508102|Zuletzt geändert: .4.909102
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