Wechseldruckmatratzen

Wechseldruckmatratze

Wechseldruckmatratzen gehören zu den Antidekubitusmatratzen. Sie bestehen aus mehreren Luftkammern, die abwechselnd mit Luft auf- und abgepumpt werden. Auf diese Art und Weise werden einzelnen Körperregionen be- und entlastet und somit der Auflagedruck reduziert. Welche weiteren Vorteile Wechseldruckmatratzen haben und bei welchen Krankheitsbildern Sie diese nicht einsetzen sollten, hat pflege.de für Sie zusammengefasst.

Inhaltsverzeichnis

Funktion Wechseldruckmatratze

Wechseldruckmatratzen bestehen aus vielen aneinandergereihten Luftkammern, die in einem selbst wählbaren Rhythmus automatisch mit Luft befüllen und entleeren. Somit findet regelmäßig eine wechselnde Druckentlastung statt und einem Dekubitus kann vorgebeugt oder die betroffenen Hautpartien entsprechend geschont werden. Wie stark die einzelnen Luftkissen mit Luft befüllt werden, ist abhängig von dem Gewicht der betroffenen Person sowie der Liegeposition. Einstellen können Sie dies, bevor die Matratze in Betrieb genommen wird. Weiterentwickelte Systeme erkennen automatisch, wenn sich die Belastung ändert. Setzt sich der Patient beispielsweise hin, wird bei den automatisch geregelten Wechseldrucksysteme der Fülldruck der Luftkissen entsprechend erhöht oder gesenkt.

Bei Wechseldruckmatratzen kann manuell auch ein statischer Druck eingestellt werden und somit bleibt die Füllung in den Luftkissen gleich. Dies kann zum Beispiel die Lagerung oder auch die Pflege der Betroffenen erleichtern. So fällt es dem Betroffenen leichter sich aufzurichten, wenn die Luftkissen alle gefüllt sind und dem Druck nicht nachgeben.

Vor- und Nachteile

Ein wesentlicher Vorteil der Wechseldruckmatratzen ist, dass sie durch die Luftkammern nur ein geringes Gewicht haben und leicht in der Handhabung sind. Allerdings ist diese Matratzenart nicht bei allen Krankheiten hilfreich. Für Betroffene mit Wahrnehmungsstörungen, wie beispielsweise Schlaganfallpatienten und Alzheimerpatienten, sollte man bei der Wahl der Matratze vorsichtig sein. Bei längerem Gebrauch können die Nutzer das Gefühl für die eigenen Körpergrenzen verlieren und somit Wahrnehmungsstörungen auftreten. Wenn die Luftkammern maximal mit Luft gefüllt sind und ein hoher Druck entsteht, kann dies auch für Schmerzpatienten zu zusätzlichen Schmerzen führen. (1) Daher sollte vor dem Einsatz einer Wechseldruckmatratze abgewogen werden, ob dieses System für den Betroffenen und den Bedürfnissen passend ist.

Tipp
Betriebsgeräusche Wechseldruckmatratze

Beachten Sie, dass das permanente Auf- und Abpumpen der Luftkammern Betriebsgeräusche mit sich bringt. Besonders geräuschempfindliche Personen könnte dies bei einer Wechseldruckmatratze stören.

Übersicht der Vor- und Nachteile von Wechseldruckmatratzen:
  • Körpergewicht kann flexibel und einfach eingestellt werden
  • Durch die partielle Druckentlastung empfindlicher Körperregionen können sich bereits vorhandene Geschwüre zurückbilden
  • Geringes Gewicht und leichter Transport
  • Einfach Handhabung und leichter Auf- und Abbau
  • Möglichkeit eines integrierten Belüftungssystems
  • Förderung der Durchblutung

 

  • Anfallende Stromkosten beim Gebrauch
  • Kann aufgrund der monotonen Bewegung zu körperlichen Wahrnehmungsstörungen führen
  • Hohe Geräuschkulisse durch die Pumpen

Arten von Wechseldruckmatratzen

Das Prinzip der wechselnden Be- und Entlastung ist bei allen Wechseldruckmatratzen ähnlich. Um die passende Einstellung für die betroffenen Patienten zu wählen, gibt es verschiedene Möglichkeiten und Pumpensysteme.

Einstellung des Pumpensystems

Für das Pumpensystem gibt es drei mögliche Einstellungen:

  • Manuelle Einstellung: Hier wird die Pumpe manuell eingestellt und das Gewicht des Patienten muss eingestellt werden.
  • Automatische Einstellung: Das System erkennt automatisch das Körpergewicht der Person und stellt den Luftdruck entsprechend ein. Bei manchen Systemen wird auch die Liegeposition des Patienten erkannt und die Druckverteilung automatisch bei einer Umpositionierung angepasst.
  • Statischer Druckeinstellung: Diese Einstellung sorgt dafür, dass der Druck konstant bleibt. So können Sie die Luftkammern permanent mit maximalem Druck befüllen. Dies dient zur Unterstützung bei pflegerischen Tätigkeiten oder um einfacher eine aufrechte Sitzhaltung einzunehmen.

Matratzenmaterial

Auch beim verwendeten Oberflächenmaterial der Wechseldruckmatratze kann man zwischen einem luftundurchlässigem sowie einem feinporig gelöcherten Material wählen. Die Wechseldruckmatratze aus luftundurchlässigem Material fühlt sich von der Liegeoberfläche wie eine herkömmliche Matratze an. Die zweite Variante aus dem feinporig gelöcherten Material sorgt für einen kontinuierlichen Luftstrom. Nutzt man diese Matratze mit einem atmungsaktiven und luftdurchlässigen Bezug, wird ein gutes Mikroklima unterstützt. Unter Mikroklima versteht man die relative Feuchte sowie die Temperatur zwischen Haut und Matratze. Durch den permanenten Luftstrom bleibt die Matratze angenehm kühl und auch Schwitzen wird reduziert (s. Quelle 2). Daher eignet sich die Wechseldruckmatratze mit Luftstrom besonders für stark schwitzende Personen.

Wichtiger Hinweis Wechseldruckmatratzen beziehen

Oftmals wird angenommen, dass Wechseldruckmatratzen nicht bezogen werden dürfen. Diese Annahme ist falsch. Es sollen keine Lagerungshilfsmittel auf druckentlastende Matratzen gelegt werden, da sonst die Wirkung gemindert werden kann. Unter Lagerungshilfsmittel versteht man gepolsterte Auflagen oder Felle und Kissen. Bettlaken oder auch Inkontinenzauflagen können und sollen verwendet werden. (3)

Zwei- und Drei-Kammer-Wechseldrucksystem

Bei den Wechseldruckmatratzen werden sowohl Zwei-Kammer- als auch Drei-Kammer-Systeme eingesetzt. Das Wirkungsprinzip bleibt gleich. Bei einem Zwei-Kammer-System wird jeweils eine Kammer mit Luft befüllt, während die zweite Kammer leer bleibt. Bei einem Drei-Kammer-System werden zwei Kammern mit Luft gefüllt, während die dritte Kammer leer bleibt. Im Abstand von ungefähr 10 bis 20 Minuten wird die Luft abgepumpt und die leeren Kammern neu mit Luft befüllt. So kann das Blut im entlasteten Gewebe zirkulieren. Die einzelnen Körperstellen werden vom Auflagedruck entlastet und dann wieder belastet.

Der Kopf- und Halsbereich wird statisch gelagert, das heißt, dass die Kammern oder Luftzellen hier permanent gefüllt sind.

Neben dem Zwei-Kammer- und Drei-Kammer-System ist ein weiteres Unterscheidungsmerkmal auch die Größe der einzelnen Luftkammern. Je nachdem welche Auflagefläche gewünscht ist und die damit verbundene Entlastungswirkung, kann zwischen groß- und kleinzelligen Kammern gewählt werden. Die großzelligen Kammern haben eine Breite von mindestens 10 Zentimetern. Die kleinzelligen Systeme sind entsprechend schmaler. Vorteil der breiteren Kammern ist, dass die Entlastungswirkung durch die größere Auflagefläche höher ist als ggf. bei schmaleren Modellen. (4)

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Mögliche Größen der Wechseldruckmatratze

Die meisten Wechseldruckmatratzen werden in Krankenhäusern und Pflegeheimen eingesetzt. Daher entsprechen diese den gängigen Maßen von Pflegebetten mit den Abmessung 80 x 200 cm oder 90 x 200 cm. Es bieten aber verschiedene Anbieter auf Abmessungen von bis zu 120 cm in der Breite und 220 cm Länge.

Kosten für Wechseldruckmatratzen

Wie bei allen Antidekubitusmatratzen variieren auch für die Wechseldruckmatratzen die Kosten. Durch die integrierten Luftpolster und einer eingebauten Pumpe liegen die Kosten für eine neue Matratze zwischen 800 und 1.500 Euro. Natürlich gibt es auch preiswertere als auch deutlich teurere Wechseldruckmatratzen. Wichtig ist vor allem, dass die Matratze die gewünschten Anforderungen erfüllen. Auch in puncto Geräuschkulisse durch die Pumpen sollte man sich vorab ausführlich informieren.

Wechseldruckmatratze auf Rezept

Wie bei Antidekubitusmatratzen üblich, übernimmt die Krankenkasse auch die Kosten für eine Wechseldruckmatratze, vorausgesetzt ein ärztliches Attest liegt vor. Je nach Leistungsvereinbarung werden die Kosten anteilig oder ganz übernommen. Liegt neben dem ärztlichen Attest noch ein Pflegegrad vor, ist die Pflegekasse und nicht die Krankenkasse für die Kostenübernahme zuständig. Vor der Anschaffung einer Wechseldruckmatratze sollten Sie in jedem Fall vorher mit dem behandelnden Arzt und der Krankenkasse Kontakt aufnehmen.

Tipp
Anspruch auf Stromkostenerstattung

Da eine Wechseldruckmatratze Strom benötigt, haben Sie Anspruch auf eine Stromkostenerstattung. Voraussetzung dafür ist, dass das elektrische Hilfsmittel, in diesem Fall die Wechseldruckmatratze, vom Arzt verordnet und von der Krankenkasse bezahlt wurden. (5)

Auflagen für Wechseldruckmatratzen

Neben den Wechseldruckmatratzen gibt es auch entsprechende Auflagen, die auf die herkömmliche Matratze gelegt und mit einem Gummiband oder Klettverschluss befestigt werden. Diese Auflagen empfehlen sich zur Prophylaxe oder bei Dekubitusgrad 1. Die Wechseldruckauflagen arbeiten wie die entsprechenden Matratzen. Meist bestehen sie aus einem Zwei-Kammer-System, welches mittels einer integrierten, elektrischen Pumpe, abwechselnd mit Luft auf- und abgepumpt wird. Die Auflagen sind in der Regel dünner als die Matratzen, so dass die Druckentlastung auch weniger effektiv ist.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine Wechseldruckmatratze?

Eine Wechseldruckmatratze wird zur Dekubitusprophylaxe sowie zur Behandlung eines Dekubitus eingesetzt. Die Matratze bestehen aus verschiedenen Luftkammern, die mittels einer integrierten, elektrischen Pumpe abwechselnd auf- und abgepumpt werden. Somit wird der Auflagedruck auf die empfindlichen Körperstellen reduziert.

Sind Wechseldruckmatratzen auch für Schmerzpatienten geeignet?

Grundsätzlich ist es ratsam, vor der Anschaffung einer Dekubitusmatratze oder auch Wechseldruckmatratze mit dem behandelnden Arzt zu sprechen. Gerade bei Schmerzpatienten können die Symptome bei einer Wechseldruckmatratze verstärkt werden. Wenn die Luftkammern maximal aufgepumpt sind, können diese die Schmerzen verstärken.

Was kostet eine Wechseldruckmatratze?

Durch die unterschiedlichen Modelle und Hersteller variiert die Preisspanne für Wechseldruckmatratzen. Im Durchschnitt liegen die Kosten zwischen 800 und 1.500 Euro.

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Erstelldatum: 1202.60.82|Zuletzt geändert: 1202.70.22
(1)
IGAP Institut für Innovationen im Gesundheitswesen und angewandte Pflegeforschung e.V (2001)
https://www.dekubitus.de/pw-tipps/wechseldruck-systeme (letzer Abruf am 02.06.2021)
(2)
BVMed-Portal (2021)
http://www.dekubitus-forum.de/df-de/dekubitus-glossar/dekubitus-glossar-luftstromtherapie (letzter Abruf am10.06.2021)
(3)
Carenetic GmbH (2021)
https://www.yumpu.com/de/document/read/38233519/stellungnahme-zur-mdk-aussage-spannbezuge-auf-ad-systemen (letzter Abruf am 10.06.2021)
(4)
Portal für Qualitätsmanagement und Service in der geriatrischen Pflege (2015)
https://pqsg.de/seiten/openpqsg/hintergrund-wechseldrucksysteme.htm (letzter Abruf am 14.06.2021)
(5)
Sozialverband VdK Deutschland e. V. (2017)
https://www.vdk.de/deutschland/pages/themen/gesundheit/71994/strom_fuer_hilfsmittel_krankenkassen_erstatten_kosten_auf_antrag?dscc=ok (letzter Abruf am 08.06.2021)
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