Dekubitus Grade & Stadien

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Dekubitus Grade

Eine rote Stelle an der Ferse oder am Gesäß kann harmlos sein – oder der Beginn eines Dekubitus. Ein Dekubitus gehört zu den häufigsten Pflegefehlern bei mobil eingeschränkten Menschen und kann weitreichende und vor allem schmerzhafte Folgen für sie haben. Wird ein Dekubitus (auch Druckgeschwür genannt) nicht sofort behandelt, kann mit der Zeit Haut und Gewebe absterben. Dieser Prozess wird in vier Dekubitus-Grade eingeteilt. Ein Überblick über die Kategorisierung eines Dekubitus im Überblick.

Inhaltsverzeichnis

Dekubitus: Grade, Stadien & Kategorien

In der Medizin und Pflege gibt es eine verbindliche Dekubitus-Einteilung. Bis vor ein paar Jahren war die Einteilung in Dekubitus-Grade der Standard, seit 2015 hat sich in der professionellen Pflege die Bezeichnung Dekubitus-Kategorie durchgesetzt. Die unterschiedlichen Stadien der Dekubiti werden dabei mit den Ziffern 1 bis 4 (Dekubitus Grad 1 bzw. Dekubitus Kategorie 1, Dekubitus Grad 2 bzw. Dekubitus Kategorie 2, Dekubitus Grad 3 bzw. Dekubitus Kategorie 3, Dekubitus Grad 4 bzw. Dekubitus Kategorie 4) und manchmal auch mit den römischen Ziffern I bis IV (Dekubitus Grad I, Dekubitus Grad II, Dekubitus Grad III, Dekubitus Grad IV) bezeichnet.

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Begriffsverwendung „Dekubitus-Grade“ vs. „Dekubitus-Kategorien“

Seit 2015 gilt die Bezeichnung „Dekubitus-Grad“ durch „Dekubitus-Kategorie“ in der Medizin und Pflege als ersetzt. Dennoch wird die Bezeichnung „Dekubitus-Grad“ im Volksmund noch vorherrschend verwendet, weswegen auch pflege.de im folgenden Beitrag die Bezeichnung „Dekubitus-Grade“ nutzt.

Neben den Dekubitus-Graden 1 bis 4 erhielten zwei weitere Kategorien keine Ziffern, können aber wichtig sein, wenn die Tiefe eines Druckgeschwürs nicht festgestellt werden kann (z. B. durch Schorf auf der Wunde). Die professionelle Pflege orientiert sich dabei an der Dekubitus-Leitlinie von 2015:

Dekubitus-Grad Befund Wundbeschreibung
1 Nicht wegdrückbare Rötung Klar definierte, gerötete Hautstelle (manchmal auch Schwellung, Verhärtung oder Wärmegefühl an der Stelle). Die Rötung verschwindet erst nach längerer Zeit, mehreren Stunden, ggf. Tagen), wenn kein Druck auf die Hautstelle ausgeübt wird.
2 Teilverlust der Haut Blasen und kleine Hautschäden (ähnlich einer Hautabschürfung).
3 Vollständiger Hautverlust (Fett wird sichtbar) Verfärbung der Haut, offenes Geschwür. Das Gewebe an der betroffenen Hautstelle stirbt ab. Haut und Gewebe sind bis in die Tiefe hinein geschädigt. Die Schädigung kann bis auf die darunterliegenden Muskeln reichen.
4 Vollständiger Gewebeverlust Vollständiger Gewebeverlust. Knochen, Sehnen oder Muskeln liegen frei.
Keiner Kategorie zuweisbar: Tiefe unbekannt
Vermutete tiefe Gewebeschädigung: Tiefe unbekannt

So einfach diese Einteilung erscheint, so schwierig ist es in der Praxis, die Kategorie bzw. den Grad eines Dekubitus richtig einzuschätzen. Selbst unter einer Rötung kann bereits eine schwere Hautschädigung liegen, die nicht sichtbar ist. Ein Dekubitus unter einem Gipsverband ist schlichtweg nicht von außen zu sehen, jedoch sind Hinweise wie Schmerzen etc. wahrnehmbar und sollten ernst genommen werden.

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Ursachen eines Dekubitus

Jeder Dekubitus ist die Folge einer verminderten Hautdurchblutung, weil Druck auf eine Hautstelle ausgeübt wird. Je länger das Gewebe minderdurchblutet ist, umso gravierender sind die Schäden am Gewebe.

Dekubitus Grad 1

Jeder Dekubitus beginnt mit einer Rötung. Durch den Fingertest lässt sich ziemlich sicher herausfinden, ob es sich um einen Dekubitus handelt: Bildet sich nach dem Drücken auf die Stelle ein weißer Rand um die Rötung, liegt mit ziemlicher Sicherheit kein Dekubitus vor. Bleibt die Rötung nach dem Drücken auf die Hautpartie erhalten, liegt vermutlich ein Dekubitus vor.

Dennoch sollte man beim Fingertest beachten, dass auch andere Faktoren eine Hautrötung verursachen können wie z. B.:

  • Insektenstich oder -biss
  • Allergie gegen Salben etc.
  • Infektion
  • Feuchtigkeit
Tipp

Der Fingertest bei Dekubitus gibt Ihnen einen ersten Hinweis. Bei Menschen mit dunkler Haut ist er allerdings nicht aussagekräftig. Dennoch sollte jede Hautveränderung Ihre Aufmerksamkeit erregen.

Die Dekubitusprophylaxe und die Dekubitus-Behandlung bei Grad 1 können pflegende Angehörige selbst vornehmen, während die Behandlung ab Dekubitus-Grad 2 ausschließlich in die Verantwortung von Fachkräften gehört.

Erste Hilfe bei Dekubitus-Grad 1:

  • Sorgen Sie für eine sofortige Druckentlastung (z. B. Hochlagern der Ferse).
  • Infomieren Sie den Hausarzt bzw. die professionelle Pflegekraft des ambulanten Pflegedienstes.
  • Greifen Sie nicht zu Hausmitteln wie Salben etc.

Das Hochlagern der betroffenen Hautstelle ist bei den Fersen noch relativ einfach, bei einem Dekubitus am Gesäß wird das schon schwieriger. Hier benötigt man als private Pflegeperson das Wissen erfahrener Pflegekräfte, die einem unterschiedliche Lagerungstechniken zeigen und dafür sorgen, dass regelmäßig umgelagert wird.

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Die richtige Lagerung bei Dekubitus

Jede Lagerung, die ein Körperteil entlastet, führt dazu, dass andere Körperteile stärker belastet werden. Deshalb gehört die Lagerung in die Hände von Fachkräften, die Ihnen auch wichtige Tipps geben. Als pflegender Angehöriger können Sie aber dafür sorgen, dass Lagerungshilfsmittel (Kissen oder Antidekubitus-Matratzen) von der Kranken- oder Pflegekasse genehmigt werden und rasch zu Ihnen ins Haus kommen.

Sorgen Sie bei Ihrem mobil eingeschränkten Angehörigen für Abwechslung beim Liegen oder Sitzen. Es gibt viele Hilfsmittel, die Ihnen dabei helfen können. Und bedenken Sie auch, dass ein Dekubitus immer ein Warnsignal ist, dass der Betroffene anfällig für ein Druckgeschwür ist.



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Dekubitus Grad 2, 3 und 4

Ist ein beginnender Dekubitus (Grad 1) unentdeckt geblieben und diagnostiziert ein Hausarzt oder eine Pflegefachkraft einen Dekubitus von Grad 2 oder höher, so ist die erste Behandlung wiederum die sofortige Druckentlastung. Dadurch kommt die Blutversorgung der Hautstelle wieder in Gang, weitere Schäden werden zumindest vermindert.

Bei der Behandlung sind Sie als pflegender Angehöriger nun auf die Versorgung des Betroffenen durch Fachkräfte angewiesen. Grundsätzlich sind Dekubiti ab dem Grad 2 sog. sekundäre Wunden, die häufig nur schlecht heilen und unbedingt in die Hände von Fachkräften gehören.

 

Info

Sekundäre Wunden

Als sekundäre Wunden werden in der Medizin u. a. infektionsgefährdete Wunden bezeichnet, bei denen die Wundränder weit auseinanderliegen, sodass die Wunde zunächst wieder aufgefüllt werden muss.

Dekubitusbehandlung bei Grad 2, 3 oder 4

Jede Dekubitusbehandlung richtet sich nach den Phasen einer Wundheilung:

  1. Exsudationsphase (Blutstillung und Wundreinigung)
  2. Granulationsphase (Aufbau von neuen Gefäßen und Gewebe)
  3. Epithelisierungsphase (Wundverschluss durch neues Gewebe, Narbenbildung)

In jeder Phase kommen bei der Dekubitusbehandlung von Grad 2, 3 oder 4 – neben der Druckentlastung – unterschiedliche Methoden zum Einsatz, um die Wundheilung zu ermöglichen:

  • Débridement (Reinigung der Wunde, Entfernung von abgestorbenem Gewebe)
  • Förderung des Granulationsgewebes (durch Feuchthalten der Wunde)
  • Förderung der Epithelisierung (Feuchthalten und Schutz des Epithels beim Verbandwechsel)
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Für die Behandlung eines Dekubitus von Grad 2, 3 oder 4 gibt es eine Fülle an bestimmten Wundverbänden, die den Standard der feuchten Wundbehandlung erfüllen. Es handelt sich dabei um sog. hydroaktive Wundauflagen, die für ein feuchtes Milieu in der Wunde sorgen, denn nur auf einem feuchten Milieu gelingt die Wundbehandlung. Der alte Mythos von der „frischen Luft, die an die Wunde muss“, ist längst widerlegt. Ein feuchter Wundverband führt zu einer schnelleren Heilung als eine trockene Wunde, die an der Luft heilen soll.

Die Vorteile der feuchten Wundbehandlung sind:
  • In der Reinigungsphase werden die Reinigung der Wunde gefördert und weitere Zellschäden vermieden.
  • In der Granulationsphase wird die Bildung von Gewebe angeregt.
  • In der Epithelisierungsphase kommt es zu einer schnelleren Bildung von Epithelzellen und einer verringerten Narbenbildung.

Übrigens vermindern feuchte Wundverbände auch die Schmerzen des Betroffenen. Die feuchten Wundauflagen verkleben nicht mit der Wunde, sind also leichter abzulösen und schonen das zarte nachwachsende Hautgewebe.

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Plastische Chirurgie zur Dekubitusbehandlung

Nicht immer gelingt eine vollständige Abheilung des Dekubitus. Zudem ist die Behandlung immer mit Schmerzen verbunden, dauert lange und belastet den Betroffenen (und seine Angehörigen) sehr. In manchen – schweren – Fällen wird deshalb auf die plastische Chirurgie gesetzt, bei der ganze Hautteile transplantiert werden, um den Dekubitus wieder zu verschließen.

Jede Dekubitus-Behandlung in den höheren Graden gehört in die Hände von geschulten Fachkräften (Ärzte oder Pflegekräfte). Doch auch pflegende Angehörige können bei Dekubitus Grad 2, 3 und 4 noch eine Menge tun. Das betrifft zwar nicht die Wundversorgung, aber einige Störfaktoren, die eine Wundheilung behindern können:

  • Sorgen Sie dafür, dass Krankheiten im Alter wie z. B. Diabetes, Herz- oder Niereninsuffizienz erkannt und behandelt werden. Dies fördert auch die Wundheilung bei einem Dekubitus.
  • Legen Sie großen Wert auf eine ausgewogene Ernährung und vermeiden Sie Fehl- oder Mangelernährung.
  • Achten Sie darauf, dass Sie für die Hautpflege Ihres Angehörigen nur Produkte verwenden, die speziell auf die ältere Haut (Haut im Alter) abgestimmt sind.
  • Sofern es geht, sollten Sie die Mobilität des Betroffenen fördern, sodass das Herz- und Kreislaufsystem angemessen belastet werden.

Dekubitus-Behandlung: Ja, aber nicht in jedem Fall

Natürlich ist es ein pflegerisches Ziel, einen Dekubitus zu verhindern bzw. ihn zu behandeln. Doch es gibt auch Situationen, in denen die Therapie eines Dekubitus nicht mehr das oberste Ziel der Pflege ist oder sein kann:

  • Befinden sich Menschen in lebensbedrohlichen Situationen (z. B. in einer intensivmedizinischen Behandlung) kann es sein, dass eine Dekubitusbehandlung nicht vorrangig ist.
  • Bei Sterbenden sind oft andere Prioritäten wichtiger als die (womöglich aufwendige und schmerzhafte) Behandlung eines Dekubitus.

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Erstelldatum: .32.508102|Zuletzt geändert: .12.019102
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