Verbandsmaterial & Wundauflagen

Verbandsmaterial

Pflaster, Kompressen und Verbände: Die Fülle an verfügbarem Verbandsmaterial und Wundauflagen ist schier unendlich. Die Spannweite reicht von überlieferten Hausmitteln bis hin zu modernsten Hightech-Wundauflagen. Für die Betroffenen mit akuten oder chronischen Wunden als auch für deren pflegende Angehörige ist die Menge an Möglichkeiten meist kaum mehr zu überblicken. Was ist nun das richtige Mittel zur Behandlung der Wunde?

Vorab ist zu sagen, dass die Versorgung schwerer akuter und vor allem chronischer Wunden Teil der medizinischen Behandlungspflege ist und damit in die Hände von ausgebildeten Fachkräften gehört. Sie können sich in diesem pflege.de-Ratgeber jedoch einen Überblick über die vorhandenen Materialien verschaffen und sich damit informiert und aktiv am Heilungsprozess beteiligen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist Verbandsmaterial? Traditionelle und moderne Wundbehandlung

Bei der Wundbehandlung wird unterschieden zwischen

  • der traditionellen (trockenen) Wundbehandlung und
  • der modernen (hydroaktiven) Wundbehandlung

Beide Therapieformen haben ihre Berechtigung, jedoch muss die Wahl der jeweiligen Behandlungsform individuell erfolgen.

Traditionelle/trockene Wundbehandlung

Klassisch für die trockene Wundbehandlung ist die Verwendung von Kompresse und Pflaster. Sie wird i. d. R. bei kleinen, leicht heilenden Wunden eingesetzt.

Ziele der trockenen Wundbehandlung:

  • Aufnahme der Wundflüssigkeit
  • Schutz der Wunde vor äußeren Einflüssen (Feuchtigkeit, Schmutz etc.)
  • Auftragen von Arzneimitteln (Salbe, Tinktur etc.)
  • Abpolstern der Wunde

Traditionelle Wundauflagen in der Übersicht:

  • Pflaster, Wundschnellverband, Wundpflaster, Haushaltspflaster, Heftpflaster:

Für eine schnelle Versorgung akuter Wunden, z. B. einer Schnittwunde, die beim Schneiden mit einem scharfen Messer entstanden ist, sind klassische Pflaster das erste Mittel der Wahl. Sie gehören zur Grundausstattung einer jeden Hausapotheke und decken die Wunde hygienisch sauber ab. Kleinere Blutmengen werden durch die innenliegende saugende Auflage aufgenommen.

  • Mullkompressen, Wundkompressen:

Mullkompressen gibt es in steriler (keimfreier) und unsteriler (keimarmer) Form. Mullkompressen werden aufgrund ihrer rauen Oberfläche auch zur Wundreinigung verwendet. Es handelt sich um ein feines bis grobes Baumwollgewebe mit mäßiger Saugkraft. Auch sie sind das erste Mittel der Wahl, wenn im Haushalt ein Unfall passiert ist und eine Wunde schnell und unkompliziert abgedeckt werden muss.

Für die Behandlung chronischer Wunden sind sie jedoch weniger gut geeignet, da sie mit der Wunde verkleben können. Eine verklebte Kompresse abzulösen, ist sehr schmerzhaft und stört zudem die Wundheilung.

Info

Wohin mit altem Verbandsmaterial?

Gebrauchte Wund- und Heftpflaster sowie Verbandsmaterial aus der häuslichen Versorgung können, sofern sie nicht hochinfektiös sind, als Restmüll entsorgt werden. Allerdings sollten diese Abfälle noch einmal in einer separaten Plastiktüte eingepackt werden.

  • Saugkompressen:

Wenn eine Wunde stark nässt, können spezielle Saugkompressen verwendet werden. Zusätzlich schützen sie die Wunde durch ihre gute Polstereigenschaft.

  • Beschichtete Wundgaze, Wundgitter, Gazewundauflage, Fettgaze:

Wundgaze besteht aus einem Gitternetz, das mit einer speziellen fetthaltigen Salbe getränkt ist. Das sog. „Wundgitter“ ist eine hydrophobe (wasserabweisende) Wundauflage und sorgt dafür, dass die darüberliegende Kompresse nicht mit der Wunde verklebt.

  • Aktivkohlekompressen:

Wundauflagen mit Aktivkohle eignen sich, um unangenehme Gerüche aus der Wunde zu binden. Darüber hinaus haben sie eine keimreduzierende Wirkung. Wichtig ist, dass diese Kompressen nicht zerschnitten werden dürfen!

Moderne/hydroaktive Wundbehandlung

Die moderne Wundbehandlung zielt darauf ab, die Wundheilung durch ein feuchtwarmes Milieu zu fördern. Dementsprechend wirken moderne Wundauflagen einer Austrocknung der Wunde entgegen und ein Verkleben mit der Wundauflage wird verhindert. Hydroaktive Wundauflagen kommen insbesondere bei chronischen Wunden, wie Ulcus cruris, Dekubitus und diabetischer Fuß zum Einsatz.

Die Ziele der hydroaktiven Wundbehandlung wurden von T. D. Turner bereits in den 1970er Jahren definiert:

  • feuchtes Milieu im Wundbereich
  • Entfernung überschüssiger Wundflüssigkeit und sonstiger Geweberesten
  • Ermöglichung eines Gasaustauschs
  • Warmhalten der Wunde durch thermische Isolierung
  • Schutz vor (weiteren) Infektionen
  • sanfte Ablösung der Wundauflagen
  • keine Abgabe von Fasern oder Stoffen in die Wunde

Moderne Wundauflagen in der Übersicht:

  • Hydrofaser/Hydrofiberverband:

Diese Wundauflage bildet bei der Aufnahme überschüssiger Wundflüssigkeit ein Gel. Das wiederum ermöglicht es, die Wundauflage sanft abzulösen. Dadurch wird die Wundheilung nicht gestört.

  • Alginat:

Alginat besitzt die Eigenschaft, dass es überschüssige Wundflüssigkeit und Gewebereste aufnehmen kann. Dadurch wird die Wunde gereinigt und die Wundheilung angeregt.

  • Hydrogel:

Bevor Hydrogel auf eine Wunde aufgetragen werden kann, muss diese gereinigt werden. Hydrogel kann z. B. zur Wundreinigung, Wundbefeuchtung und zur Säuberung infizierter Wunden angewendet werden.

  • Silberhaltige Wundauflage:

Seit langer Zeit ist bekannt, dass Silber eine keimabtötende Wirkung besitzt. Aus diesem Grund wird es auch heute noch bei infektionsgefährdeten oder bereits infizierten Wunden als Wundauflage eingesetzt.

  • Schaumverband, Schaumstoffwundauflage, Hydropolymere:

Wundauflagen aus Schaumstoff zeichnen sich durch ihre sehr gute Aufnahme von überschüssiger Wundflüssigkeit aus. Zusätzlich handelt es sich um eine Wundauflage, die nicht mit der Wunde verklebt. Vorteilhaft ist auch, dass sie in Kombination mit Kompressionsverbänden angewendet werden können.

  • Hydrokolloide Wundauflage:

Die wohl bekannteste hydrokolloide Wundauflage ist das klassische Blasenpflaster. Es ist selbsthaftend und wasserfest. Es bildet an der Oberfläche ein Gel, was für eine gute Wundreinigung spricht.

  • Semipermeable (halbdurchlässige) Wundfolie, Filmverband:

Die meist durchsichtige, selbstklebende und wasserfeste Folie kann auf trockenen, oberflächlichen Wunden aufgeklebt werden, um dort ein feuchtes Wundmilieu zu schaffen.

Info

Verbandmittel sind verordnungsfähig!

Wer zahlt Verbandsmaterialien eigentlich? Verbandmittel können vom Arzt verordnet werden. Als Patient sollten Sie darauf achten, dass sie nicht gemeinsam mit den Hilfs- oder Pflegehilfsmitteln auf einem Rezept verordnet werden, sondern dass sie getrennt rezeptiert werden.

Welches Verbandsmaterial für welche Wunden? Die Auswahl geeigneter Wundauflagen und Verbandsmaterialien

Nach heutigem Stand der Wissenschaft sollte sich die Auswahl der Materialien insbesondere

  • am Patientenkomfort,
  • an der jeweiligen Phase der Wundheilung,
  • der Menge an Wundflüssigkeit,
  • den Kosten und
  • an den individuellen Erfahrungen der Betroffenen und der versorgenden Angehörigen und Fachkräften orientieren.

Besonders wichtig ist es, bestehende Pflasterallergien oder -unverträglichkeiten zu berücksichtigen. Die Haut wird mit zunehmendem Alter trockener, dünner und damit auch empfindlicher gegenüber bestimmten Materialien. Trockene und juckende Haut im Alter hat spezielle Bedürfnisse, denen Sie mit angemessener Pflege gut begegnen können.

Info

Hygiene ist Voraussetzung für gute Wundversorgung

Die Hygiene spielt bei der Wundversorgung eine wichtige Rolle. Eine saubere und gepflegte Umgebung ist wichtig, um das Infektionsrisiko bei Wunden zu reduzieren. Die curabox von pflege.de liefert Ihnen monatlich Pflegehilfsmittel zum Verbrauch – und das unter bestimmten Voraussetzungen kostenlos. Informieren Sie sich jetzt!

Phasen der Wundheilung

Die Wundheilung ist ein automatischer Prozess im Körper, der einsetzt, sobald eine Verletzung vorhanden ist.

Die Wundheilung läuft üblicherweise in drei aufeinanderfolgenden Phasen ab. Die Besonderheit bei chronischen Wunden ist, dass die einzelnen Phasen bedingt durch die Grunderkrankung (z. B. Diabetes mellitus oder chronisch venöse Insuffizienz) deutlich länger dauert. Außerdem können hier unterschiedliche Phasen der Wundheilung gleichzeitig stattfinden. Nachfolgend werden die Phasen der Wundheilung idealtypisch dargestellt:

  1. Reinigungsphase

Zunächst findet eine Reinigung der Wunde durch Ausschwemmung von Bakterien mit dem Blut statt. Anschließend werden die Blutgefäße eng gestellt, die Blutung gestoppt und die Blutgerinnung aktiviert.

  1. Granulationsphase

Es werden neue Blutgefäße und neues Gewebe gebildet. Durch die neuen Blutgefäße sieht die Wunde ähnlich aus wie eine Himbeere. Die Wunde ist nun sehr empfindlich und muss beim Verbandswechsel entsprechend vorsichtig behandelt werden.

  1. Regenerationsphase

Die neuen Hautzellen wachsen vom Wundrand ausgehend Richtung Wundmitte zusammen. Es bildet sich Narbengewebe und die Wunde verschließt sich.

Wundbehandlung in der häuslichen Pflege: Was können pflegende Angehörige tun?

Die Versorgung von schweren Wunden ist Teil der medizinischen Behandlungspflege und gehört in die Hände von ausgebildeten Fachkräften. Pflegende Angehörige können dennoch dafür sorgen, dass die Wundheilung voranschreitet (bzw. nicht gestört wird), indem sie bewährte Hygienemaßnahmen in der häuslichen Pflege umsetzen und auf die richtige Ernährung im Alter setzen.

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Erstelldatum: 0202.10.61|Zuletzt geändert: 0202.40.1
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