Ulcus cruris (offenes Bein): venosum, arteriosum & Behandlung

Ulcus cruris

Viele Menschen haben im fortgeschrittenen Alter mit verengten Arterien und Venenproblemen zu kämpfen. Eine gefürchtete Folge kann die Entstehung eines Geschwürs am Unterschenkel sein, ein sog. Ulcus cruris. Dieser kann durch die dauerhafte Stauung des Blutes verursacht werden. pflege.de erklärt das Krankheitsbild und zeigt Möglichkeiten auf, wie Sie die Wundheilung unterstützen können.

Inhaltsverzeichnis

Ulcus cruris: Definition

Wörtlich übersetzt heißt Ulcus „Geschwür“ und cruris „Unterschenkel“. Das heißt, ein Ulcus cruris ist ein Geschwür am Unterschenkel.

Ulcus cruris: Entstehung

Die Arterien transportieren das sauerstoff- und nährstoffreiche Blut ins Gewebe und die Venen sorgen für den Abfluss des sauerstoff- und nährstoffarmen Blutes zurück zum Herzen. Wenn es zu einer Verengung in den Arterien oder zu einem Rückstau in den Venen kommt, wird das nachfolgende Gewebe nicht mehr ausreichend versorgt.

Kommt dieses Problem dauerhaft in den Beingefäßen vor, entsteht in der Folge ein Ulcus cruris (sog. offenes Bein). Dabei handelt es sich um eine chronische Wunde am Unterschenkel.

Für viele Betroffene und ihre pflegenden Angehörigen stellt sich die Frage, wann es sich bei einer Wunde, bzw. bei einem Geschwür am Unterschenkel um ein Ulcus cruris handelt und nicht um eine andere chronische Wunde.

Laut der Definition der Initiative Chronische Wunden e.V. (ICW) wird ein Ulcus folgendermaßen definiert: „Als Ulkus/Geschwür wird eine tiefe Wunde bezeichnet, die mindestens bis in die Dermis/Unterhaut reicht.“

Ein Ulcus cruris kann schwerwiegende Folgen haben: Die betroffene Person kann im schlimmsten Fall nur noch unter Schmerzen auftreten und ist in ihrer Mobilität stark eingeschränkt.

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Ulcus cruris: Ursachen

Die Ursache des Ulcus cruris liegt in einer unzureichenden Durchblutung des Hautgewebes, bedingt durch arterielle oder venöse (oder beides) Gefäßschädigungen.

Im Folgenden werden die drei verschiedenen Arten des Ulcus cruris anhand der Ursachen und Symptome vorgestellt.

Ulcus cruris: Arten und Symptome

Venös-bedingter Ulcus cruris (Ulcus cruris venosum)

Einem venös-bedingten Ulcus cruris liegt eine chronische Venenschwäche (chronisch-venöse Insuffizienz – CVI) zugrunde. Das Blut, das aus den Beinen zurück zum Herzen fließen soll, wird am Abfließen behindert. In der Unterschenkelregion kann es dann zu einem Stauungssyndrom kommen. Dabei sammelt sich Wasser (Gewebeflüssigkeit) im Bein an und es kommt zu einer Schwellung (Ödembildung). Die Ansammlung von Flüssigkeit führt zu einem erhöhten Druck im Gewebe und auf die kleinen Blutgefäße. Dies wiederum bedingt die Minderdurchblutung der Haut. In der Folge entsteht ein venöser Ulcus cruris.

Der chronischen Venenschwäche gehen meistens Krampfadern (sog. Varikosis) voraus.

Die folgenden Erkrankungen können zu einer chronischen Venenschwäche und damit zu einem venösen Ulcus cruris führen:

Arteriell-bedingter Ulcus cruris (Ulcus cruris arteriosum)

Ein Ulcus cruris kann auch entstehen, wenn die Arterien in den Beinen eingeengt sind. Mediziner sprechen von peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK), auch bekannt als Schaufensterkrankheit. Die Verengung der Arterien führt dazu, dass das Gewebe in den Beinen nicht ausreichend durchblutet wird. Infolgedessen nimmt die Haut Schaden und es entsteht ein Ulcus cruris.

Es gibt Risikofaktoren, die die Entwicklung einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit begünstigen. Damit erhöht sich das Risiko für die Entstehung eines Ulcus cruris arteriosum.

Risikofaktoren für einen Ulcus cruris arteriosum

Mischform (Ulcus cruris mixtum)

Manchmal sind sowohl die Venen (chronisch-venöse Insuffizienz) als auch die Arterien (periphere arterielle Verschlusskrankheit) krankhaft verändert. In diesem Fall kann ein Ulcus cruris mixtum entstehen.

Symptome eines Ulcus cruris mixtum: Die Symptome und Erscheinungsformen des venös-bedingten Ulcus cruris unterscheiden sind grundlegend vom arteriell-bedingten Ulcus cruris. Bei einem Ulcus cruris mixtum kommt es zu einer Vermischung der Symptome. Mit der nachfolgenden Checkliste können Sie einen vorhandenen Ulcus cruris besser einschätzen.

Checkliste Ulcus cruris

venös-bedingter Ulcus cruris arteriell-bedingter Ulcus cruris
Lokalisation häufig am Innenknöchel oder an der Vorderseite des Unterschenkels häufig am Außenknöchel oder an den äußeren Fußrändern
Wundumgebung je nach Stadium:

  • Wassereinlagerung
  • starke Hautpigmentierung
  • normale Hautfarbe
blasse und kalte Haut (aufgrund der Minderdurchblutung)
Wundrand
  • unregelmäßig
  • flach
wie ausgestanzt
Wundtiefe oberflächlich bis mäßig tief häufig sind tiefere Hautstrukturen mitbetroffen
Kompression Kompression i. d. R. unbedingt erforderlich je nach Stadium der pAVK
Puls am Fuß gut tastbar mäßig bis nicht tastbar
Wundflüssigkeit meist starker Austritt meist geringer Austritt
Schmerzen Schmerzlinderung, wenn Beine hochgelegt werden (hat eine entstauende Wirkung) Schmerzlinderung bei Beintieflagerung (hat eine durchblutungsfördernde Wirkung)

(Tabelle in Anlehnung an Quelle 1)

Info

Nagelwachstum bei Ulcus cruris

Zusätzlich kann bei allen drei Formen des Ulcus cruris das Nagelwachstum gestört sein. Manchmal sind die Zehennägel auch verfärbt oder besonders brüchig. Gegebenenfalls ist eine medizinische Fußpflege notwendig.

Ulcus cruris: Untersuchung & Diagnostik

Die Diagnostik des Ulcus cruris beinhaltet zum einen die Untersuchung der Blutgefäße, z. B. mittels Gefäßultraschall (sog. Duplexsonografie). Damit kann festgestellt werden, ob die Arterien oder Venen (oder beides) krankhaft verändert sind. Zum anderen findet in der Diagnostik eine Wundbeurteilung statt. Es wird zum Beispiel ein Wundabstrich gemacht, um festzustellen, ob eine Besiedlung mit dem multiresistenten Keim MRSA vorliegt.

Ulcus cruris: Krankheitsverlauf & Prognose

Bei einem Ulcus cruris handelt es sich um eine chronische Wunde, die durch eine verzögerte Wundheilung gekennzeichnet ist. Grund hierfür ist die krankhafte Veränderung der Blutgefäße, die zu einer mangelnden Versorgung des Gewebes und der Wunde führt. Um den Schweregrad eines Ulcus cruris zu bestimmen, bezieht sich der Expertenstandard „Pflege von Menschen mit chronischen Wunden“ auf die nachfolgende Klassifikation von Knighton et al. (siehe Quelle 2).

Bestimmung des Schweregrades eines Ulcus cruris

Schweregrad des Ulcus cruris Beschreibung des Ulcus cruris anhand seiner Tiefenausdehnung
Grad 1 ein Ulcus, dessen Tiefenausdehnung die Oberhaut und die Lederhaut (mittlere Hautschicht) nicht überschreitet
Grad 2 ein Ulcus, dessen Ausdehnung die Unterhaut erreicht
Grad 3 ein Ulcus, dessen Ausdehnung eine Sehne, einen Knochen, ein Band oder ein Gelenk erreicht
Grad 4 ein Ulcus mit Tiefenausdehnung bis zur Sehne, zum Knochen, Band oder Gelenk und zusätzlicher Entzündung (Abszess und/oder Entzündung des Knochenmarks)
Grad 5 ein Ulcus mit Tiefenausdehnung bis zur Sehne, zum Knochen, Band oder Gelenk und abgestorbenem Gewebe (Nekrose) in der Wunde
Grad 6 ein Ulcus mit Tiefenausdehnung bis zur Sehne, zum Knochen, Band oder Gelenk sowie abgestorbenem Gewebe (Nekrose) in der Wunde und im umliegenden Gewebe

Die Wundheilung hängt zum einen von den örtlichen Faktoren, wie der Größe und der Tiefenausdehnung der Wunde ab, der Menge an Wassereinlagerungen im Gewebe und ob bspw. eine Infektionskrankheit vorhanden ist. Auch der Schweregrad der zugrundeliegenden Gefäßschädigung ist ausschlaggebend für die Wundheilung. Besonders bei einem Ulcus cruris mixtum, bei dem sowohl die Arterien als auch die Venen beteiligt sind, ist von einer längeren Heilungszeit auszugehen.

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Exkurs: Was ist der Unterschied zwischen Arterie und Vene?

Arterien befördern das sauerstoffreiche Blut vom Herzen in den Körper bzw. das sauerstoffarme Blut vom Herzen in die Lunge. Venen hingegen transportieren das sauerstoffarme Blut vom Körper zum Herzen, bzw. das sauerstoffreiche Blut von den Lungen zum Herzen. D. h. die Arterien führen das Blut immer vom Herzen aus weg und die Venen führen das Blut zum Herzen hin.

Ulcus cruris: Behandlungsmethoden

Welche Behandlung ist sinnvoll bei einem Ulcus cruris? Grundsätzlich ist das immer eine individuelle Entscheidung von Arzt, Wundmanager, Pflegekraft, Patient und den pflegenden Angehörigen. Da sowohl die Wunde selbst als auch die Grunderkrankung behandelt werden muss, richtet sich das therapeutische Vorgehen nach der individuellen Situation. Folgende Behandlungsmethoden sind je nach Ursache des Ulcus cruris möglich:

Wundversorgung

Grundsätzlich orientiert sich die Wundversorgung an den Phasen der Wundheilung. Heutzutage wird meistens eine feuchte Wundbehandlung bevorzugt. Von einer eigenständigen Behandlung mit Hausmitteln wie Salben, Honig oder Zucker ist unbedingt abzuraten. Zu einem umfassenden Wundmanagement bei einem offenen Bein gehört auch die regelmäßige Kontrolle des Beinumfangs, um die Wassereinlagerungen zu beurteilen. Zusätzlich muss die umliegende Haut geschützt werden, z. B. durch eine Hautschutzcreme mit Barrierefunktion oder einem transparenten Hautschutzfilm.

Tipp
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Schmerzlinderung durch Kompression

Vielen Patienten mit venös-bedingtem Ulcus cruris verschafft die Kompression der Beine mit Kompressionswickeln oder individuell angepassten Kompressionsstrümpfen eine Erleichterung und Schmerzlinderung. Durch die Kompression der Venen wird der Rückfluss des Blutes zum Herzen gefördert. Dadurch können sich Wassereinlagerungen im Gewebe zurückbilden. Sprechen Sie vorher mit Ihrem Arzt, ob diese Methode für Ihren Fall geeignet ist.

Chirurgische Wundbehandlung (Debridement)

Um die Wundheilung zu fördern, ist es in manchen Fällen notwendig, die Wunde chirurgisch zu behandeln. So kann sie bspw. gereinigt werden.

Tipp
Laufen und Liegen bei venös-bedingtem Ulcus cruris

Wenn bei Ihnen ein venös-bedingter Ulcus cruris festgestellt wurde, gilt der Grundsatz: Lieber Laufen und Liegen als Sitzen und Stehen! Damit regen Sie die Durchblutung in Ihren Beinen an.

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Erstelldatum: 0202.10.61|Zuletzt geändert: 0202.20.02
Bildnachweis
©istock.com/choja
Quelle 1: von Reibnitz, C.; Skowronsky, A. (2018)
Wundversorgung von A–Z, Springer-Verlag, Berlin.
Quelle 2: Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege (DNQP) (Hrsg.) (2015)
Expertenstandard Pflege von Menschen mit chronischen Wunden. Osnabrück. https://www.dnqp.de/fileadmin/HSOS/Homepages/DNQP/Dateien/Expertenstandards/Pflege_von_Menschen_mit_chronischen_Wunden/ChronWu_Akt_Literaturstudie-Anlage.pdf
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