Tiefe Venenthrombose / Beinvenenthrombose (TVT / TBVT)

Tiefe Beinvenenthrombose

Tief in den unteren Muskelschichten der Beine befindet sich eine wichtige Station unseres Blutkreislaufs: In kleinsten Kapillargefäßen sammelt sich Blut, das von dort in größere Gefäße fließt und dann in noch größere Venen wandert, bis es schließlich durch die Beckenvene zirkuliert. Von dort geht’s zurück zum Herzen und dann erneut über die Arterien durch den Körper. Diese Reise des Blutes durch unseren Körper kann ins Stocken geraten, wenn sich in den Beinvenen ein Gerinnsel bildet, eine sogenannte Thrombose. Eine gravierende Form dieser Krankheit im Alter ist die tiefe Venenthrombose (TVT).

Inhaltsverzeichnis

Definition: Tiefe Beinvenenthrombose

Die tiefe Venenthrombose (TVT) ist hauptsächlich eine Thrombose im Bein. Als tiefe Venenthrombose beziehungsweise Beinthrombose bezeichnet man einen Thrombus in einer tiefen Beinvene (im Ober- oder Unterschenkel). Eine tiefe Venenthrombose wird auch als tiefe Beinvenenthrombose (TBVT), Phlebothrombose oder Thromboembolie bezeichnet.

Was die Medizin als „Phlebothrombose“ bezeichnet, wird umgangssprachlich auch „Tiefe Venenthrombose“ (TVT) genannt, denn es gibt auch oberflächlich liegende Venen. Bildet sich in den oberen Venen ein Gerinnsel, gehen Mediziner von einer oberflächlichen Beinvenenthrombose (OVT) aus. Phlebothrombose-Symptome wie schmerzende und angeschwollene Beine treten mitunter erst nach Jahren auf.

Kompliziert kann eine tiefe Beinvenenthrombose (TBVT) werden, wenn der Thrombus oder Teile davon (Emboli) vom Blutstrom mitgerissen werden und in die Lunge gelangen (Lungenembolie). Eine Spätfolge einer TBVT ist das post-thrombotische Syndrom (chronisches Venenleiden). So kann es durchaus sein, dass ein Betroffener lange Zeit gar nicht gemerkt hat, dass er an einer TBVT leidet – bis es zu einer Lungenembolie oder dem post-thrombotischen Syndrom gekommen ist.(1)

Info

Das Blut geht manchmal eigene Wege

Nicht jedes Gerinnsel in einer tiefen Vene führt zu einem vollständigen Verschluss des Gefäßes, also zu einer tiefen Venenthrombose. Bisweilen fließt das Blut noch, wenn auch vermindert. Manchmal versucht der Körper, die Stauung auszugleichen und bildet Umgebungskreisläufe (Kollateralvenen).

Tiefe Beinvenenthrombose: Ursachen

Es gibt drei Ursachen einer Thrombose, die für die tiefe Beinvenenthrombose und die tiefe Venenthrombose als ursächlich gelten:

  1. Schäden an der Gefäßwand
  2. Verminderte Strömungsgeschwindigkeit des Blutes
  3. Störungen der Blutgerinnung

Checkliste: Risikofaktoren für eine tiefe Venenthrombose

Es gibt Faktoren, die das Risiko, an einer tiefen Venenthrombose zu erkranken, deutlich erhöhen. Dazu zählen folgende Risikofaktoren:

  • Sie müssen oder mussten sich einer (orthopädischen oder größeren) Operation unterziehen.
  • Sie hatten bereits früher einmal eine Venenthrombose.
  • Sie haben eine (genetisch bedingte) Störung der Blutgerinnung.
  • Sie leiden an einer Tumorerkrankung.
  • Sie sind über 60 Jahre alt.
  • In Ihrer Familie gab es bereits Thrombosen.
  • Sie leiden an einer Herzinsuffizienz.
  • Sie sind stark übergewichtig (BMI über 30).
  • Sie haben eine akute Infektion.
  • Sie haben ausgeprägte Krampfadern.

Etwas weniger stark (manche Experten sagen sogar: „unterhalb der Messbarkeit“) an der Entstehung einer tiefen Venenthrombose und generell von Thrombosen sollen die folgenden Faktoren beteiligt sein:

  • Nikotin- und Alkoholkonsum
  • Lange Flugreisen
  • Gipsverbände
  • Bluthochdruck
  • Hormonersatzpräparate (zum Beispiel gegen Wechseljahresbeschwerden)

Tiefe Beinvenenthrombose: Symptome / Anzeichen

Nicht jede tiefe Beinvenenthrombose macht laut auf sich aufmerksam. Typische Symptome einer Thrombose im Bein wie Schmerzen im Bein können mitunter erst nach Jahren auftreten. Manchmal ist die Entdeckung einer Thrombose im Bein ein Zufallsbefund, wie zum Beispiel bei einer Ultraschalluntersuchung.

Thrombose im Bein: Anzeichen

Viele Betroffene fragen sich: Wie fühlt sich eine Thrombose im Bein an? Bedeuten Schmerzen im Bein = Thrombose? Nicht unbedingt. Schmerzen im Bein können viele Ursachen haben und müssen nicht immer als Symptom für eine Beinvenenthrombose eingestuft werden. Aufmerksam sollten Sie sein, wenn sich einseitige Beschwerden zeigen, also sich eines Ihrer Beine auffällig verändert. Auf diese Anzeichen und Symptome sollten Sie achten:

Anzeichen einer Thrombose im Bein: Schmerz

  • Ziehen oder Spannungsgefühl im Bein
  • Krampfartige Schmerzen (ähnlich einem Muskelkater) beim Gehen
  • Druckgefühl im Bein
  • Schmerzen an den Fußsohlen, besonders beim Anheben der Ferse, wenn die Zehen noch den Boden berühren

Anzeichen für eine Thrombose im Bein: Hautveränderungen

  • Bläulich-rote Verfärbung der Haut
  • Glänzende Haut
  • Stark hervortretende Blutgefäße
  • Schwellungen am Knöchel oder an anderen Stellen des Beins
Info

Kaltes & angeschwollenes Bein = Notfall

Bei einem sehr schnellen Verschluss der tiefen Beinvene schwillt das Bein stark an und die Haut fühlt sich kalt an – das ist ein absoluter Notfall!

Anzeichen einer Thrombose im Bein: Gefühlsstörungen

  • Das Bein fühlt sich warm an.
  • Das Bein fühlt sich deutlich schwerer an als das andere.
  • Das Bein fühlt sich stellenweise verhärtet an.
Info

Wie erkennt man eine Thrombose im Bein?

So auffällig die Anzeichen einer Thrombose sein mögen, so selten treten sie auf. Experten sagen, dass sich nur bei der Hälfte aller Fälle von tiefer Venenthrombose überhaupt Symptome zeigen. Umso wichtiger ist die Kenntnis Ihrer ganz persönlichen Risikofaktoren – und eine gute Prophylaxe!

Tiefe Venenthrombose: Mehretagen-Thrombose

Das Gefäßsystem der Beine ist hochkomplex konstruiert und muss das Blut aus den Beinen zurück zum Herzen transportieren. Mediziner sprechen von den „Etagen des Venenabflusses“. Das Blut aus den kleinsten Gefäßen wie in den Zehen, dem Fuß und den Knöcheln sammelt sich in kleinen und allmählich größer werdenden Gefäßen und fließt dann über Unterschenkel, Kniekehle und Oberschenkel ins Becken. Entsteht eine Thrombose im Unterschenkel (sozusagen auf der „unteren“ Etage) kann sich die Stauung allmählich über Knie und Oberschenkel bis ins Becken hinein fortsetzen. Man spricht dann von einer Mehretagen-Thrombose – sie geht einher mit heftigen Schmerzen, Schwellungen und deutlichen Hautverfärbungen.

Beinvenenthrombose: Diagnose & Test

Eine Beinvenenthrombose mit den klassischen Anzeichen lässt sich schnell diagnostizieren. Bei unklaren Schmerzen in der Wade oder einer leichten Hautverfärbung fällt die Diagnose „Thrombose“ schon deutlich schwerer. Mit einem Thrombose-Test wird Ihr Arzt aber auch einem eher kleineren Gerinnsel auf die Spur kommen.

Bei der Diagnosestellung einer Beinvenenthrombose helfen:

  • eine gründliche Anamnese
  • eine Blutuntersuchung
  • bildgebende Verfahren wie Sonografie und Phlebografie(2) (eine Art des Röntgens der Venen)

Beinvenenthrombose: Behandlung & Therapie

Nach der Diagnose kann zunächst durch die Gabe gerinnungshemmender Mittel versucht werden, den Thromboseprozess zu stoppen und somit eine Lungenembolie zu verhindern. Auch der blockierte Blutfluss soll so wiederhergestellt werden. Neben der Medikamenteneinnahme sind außerdem die Hochlagerung des Beins sowie ein Kompressionsverband oftmals die ersten Behandlungsschritte. Daran können sich weitere Behandlungsmethoden oder eine Beinvenenthrombose-Therapie anschließen.

Info

TBVT ist immer ein Notfall!

Eine tiefe Beinvenenthrombose (TBVT) ist immer ein Notfall, denn das Auflösen eines Gerinnsels gelingt nur innerhalb der ersten fünf Tage nach seiner Entstehung. Danach ist der Thrombus schon zu fest mit der Gefäßwand verwachsen. Es ist also wichtig, dass Sie frühzeitig einen Arzt aufsuchen, um sofort eine gesicherte Diagnose und eine adäquate Versorgung zu erhalten.

Behandlungsmethoden und Beinvenenthrombose-Therapie

  • Thrombolyse
    Bei dieser Beinvenenthrombose-Behandlung wird versucht, die Gerinnsel mit Medikamenten (per Infusion) aufzulösen. Die besten Chancen auf Erfolg bestehen innerhalb der ersten fünf Tage nach der Entstehung der Beinthrombose. Allerdings ist die Thrombolyse durchaus riskant, weil die verabreichten Medikamente massiv in die Blutgerinnung eingreifen und es zu schweren Blutungen kommen kann.
  • Thrombektomie
    In besonders schweren Fällen sind auch Operationen bei der Entfernung von Thrombose im Bein erfolgreich; allerdings nur bei einem Verschluss der Oberschenkel- oder Beckenvene und das auch nur in der Frühphase (maximal fünf Tage nach Entstehung). Unter Narkose wird dem Patienten bei einer Thrombektomie das Gerinnsel aus der Vene entfernt.

Weitere Möglichkeiten von Operation bei Thrombose:

  • Ballonkatheter
    Die gestaute Vene wird chirurgisch eröffnet. Ein Katheter mit einem aufblasbaren Ballon wird in der Vene am Thrombus vorbeigeschoben. Ist der Katheter unmittelbar hinter dem Thrombus, wird der Ballon aufgeblasen. Beim Zurückziehen des Katheters kann der Thrombus nun mit herausgezogen werden.
  • Offene Thrombektomie
    Die Vene wird direkt am Thrombus geöffnet, dieser wird entfernt und das Gefäß anschließend vernäht.
  • Kompressions-Thrombektomie
    Dieses Verfahren kommt zur Anwendung, wenn das Gerinnsel in den Beinvenen liegt (Venenklappen). Per Katheter wird der Thrombus entweder entfernt oder mit Druck aus der Vene herausgepresst.
  • Arteriovenöse Fistel
    Um ein Wiederauftreten des Gerinnsels in der Beckenvene zu verhindern, wird diese operativ mit einer Arterie verbunden. Der Zusammenschluss (Fistel) erhöht die Strömungsgeschwindigkeit des Blutes. Die Fistel schließt sich später von selbst oder wird in einer erneuten Operation wieder geschlossen.(3)

Therapien einer Beinvenenthrombose ohne Operation

  • Kompressionstherapie
    Wenn das Bein abgeschwollen ist, wird der feste Kompressionsverband durch einen individuell angepassten Kompressionsstrumpf ersetzt. Mit diesem äußeren Druck auf das Bein soll der Thrombus daran gehindert werden, weiterzuwachsen. Außerdem beschleunigt der äußere Druck den Blutfluss zum Herzen. Ein Kompressionsstrumpf kann die Wahrscheinlichkeit eines post-thrombotischen Syndroms verhindern. Medizinische Kompressionsstrümpfe können das Risiko einer erneuten Thrombose und sogar das Auftreten eines postthrombotischen Syndroms minimieren.
  • Antikoagulantien
    Diese Substanzen hemmen die Gerinnung (wie auch Heparin). Um erneute Thrombosen zu verhindern, werden Patienten nach einer Heparin-Gabe im Akutstadium auf andere blutgerinnungshemmende Tabletten umgestellt.

Beinvenenthrombose-Therapie: Blutgerinnungsfaktoren im Auge behalten

  • INR Wert
    Bei der Einnahme vieler Medikamente muss darauf geachtet werden, dass der sogenannte INR-Wert wöchentlich per Blutprobe erhoben wird. INR steht für „International Normalized Ratio“ und dieser Wert erfasst die Blutgerinnungsfaktoren. Der INR-Wert gilt heute als deutlich zuverlässiger und vergleichbarer als der nur noch in Deutschland erhobene Quick-Wert.(4)
  • Quick-Wert
    Der Quick-Wert beschreibt, inwieweit das Vitamin-K-abhängige Gerinnungssystem bei einem Menschen gebremst wird. Vitamin K ist im Körper für die Gerinnung zuständig. Einige Medikamente hemmen die Blutgerinnung, indem sie die Aufnahme von Vitamin K vermindern. Eine Behandlung mit gerinnungshemmenden Medikamenten dauert wegen der Gefahr eines Wiederauftretens durchaus einige Monate.
Info

Blutkontrollen sind ratsam

Inzwischen gibt es weitere Antikoagulantien, bei denen eigentlich keine regelmäßigen Blutkontrollen mehr erforderlich sind. Die Arnzeimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) mahnt aber, auch bei den sogenannten direkten oralen Antikoagulantien (DOAK) wie zum Beispiel Thrombinhemmern, das Blut regelmäßig auf den INR-Wert hin zu untersuchen.(5)

Venen-Thrombose: Komplikationen & Spätfolgen

Wer einmal eine Thrombose hatte, kann sich davon vollständig wieder erholen. Doch er hat ein höheres Risiko, wieder daran zu erkranken. Man spricht dann von einer Rezidiv-Thrombose. Dieses Risiko ist in den ersten sechs bis 12 Monaten nach einer Tiefen Venenthrombose am größten.

Außerdem bleiben in der Mehrzahl aller Fälle von tiefer Beinvenenthrombose Schäden in der Vene zurück:

  • Die Gefäßwände können Beschädigungen davontragen.
  • Die Venenklappen können geschädigt sein.
  • Die Venenklappen können gegebenenfalls nicht mehr richtig schließen.
Info

Lungenembolie als Folge einer tiefen Venenthrombose

Bei einer tiefen Venenthrombose tritt oft eine Lungenembolie auf. Luftnot, Herzrasen, Brustschmerzen oder eine plötzliche Bewusstlosigkeit sind hier die Alarmzeichen.

Bei einer tiefen Venenthrombose im Oberschenkel kommt es oft zu einer Zerstörung der Venenklappen. Der Körper steuert dagegen, indem er das Blut aus den tiefen Venen, wo es nicht mehr weitergeht, in die oberflächlichen Venen umleitet. Die Folge: Es bilden sich Krampfadern. Manchmal schwillt das Bein auch an und die Haut verfärbt sich bräunlich (Post-thrombotisches Syndrom). Zusätzlich kann es zu einem Geschwür am Unterschenkel kommen (Ulcus cruris). Grundsätzlich sollten sich Personen mit einem Thrombose-Risiko eingehend mit Maßnahmen der Thromboseprophylaxe auseinandersetzen.

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Erstelldatum: 8102.11.1|Zuletzt geändert: 1202.80.8
(1)
Deutsche Gesellschaft für Phlebologie e.V. (DGP)
www.phlebology.de/patienten/venenkrankheiten/postthrombotisches-syndrom/ (letzter Abruf am 08.08.2021)
(2)
Deutsche Gesellschaft für Phlebologie e.V. (DGP)
www.phlebology.de/patienten/diagnose/phlebografie (letzter Abruf am 08.08.2021)
(3)
Deutsche Gesellschaft für Angiologie (DGA)
www.awmf.org/uploads/tx_szleitlinien/065-002k_S2k_VTE_Venenthrombose-Lungenembolie_2017-04.pdf (letzter Abruf am 08.08.2021)
(4)
Deutsche Herzstiftung e.V.
www.herzstiftung.de/herz-sprechstunde/alle-fragen/quick-wert (letzter Abruf am 08.08.2021)
(5)
Arnzeimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ)
www.akdae.de/Arzneimitteltherapie/LF/PDF/OAKVHF.pdf (letzter Abruf am 08.08.2021)
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