Notfallpass und Notfallmappe

Notfallpass und Notfalldokumente

In einem medizinischen Notfall kann jede Minute, ja jede Sekunde über Leben und Tod entscheiden. Damit Sanitäter oder Notärzte in einem solchen Ernstfall über wichtige medizinische Besonderheiten informiert werden und schnell handeln können, gibt es Notfalldokumente. Hier kommen der Notfallpass oder die Notfallmappe ins Spiel. In diesen Dokumenten sind die wichtigsten medizinischen Informationen zum Notfallpatienten, die Kontaktdaten von Angehörigen und andere hilfreiche Daten zusammengefasst.

pflege.de informiert Sie, was Notfallpass und Notfallmappe sind, wie Sie selbst Notfalldokumente für sich oder Ihre Angehörigen erstellen und worauf Sie dabei achten müssen.

Inhaltsverzeichnis

Was ist ein Notfallpass? Was ist eine Notfallmappe?

Notfallpass und Notfallmappe sollen im Notfall dem medizinischen Personal helfen, schnell die richtigen Entscheidungen zu treffen. Je nach Art des Notfalls können ganz unterschiedliche Informationen relevant sein. Ein Notfallpass oder Notfallausweis fasst die wichtigsten medizinischen Fakten über den Besitzer zusammen, die in einem gesundheitlichen Notfall von Bedeutung sind. Er sollte so klein sein, dass er zum Beispiel im Geldbeutel oder der Handtasche immer mitgeführt werden kann. Es gibt auch digitale Notfallpässe für das Smartphone.

Eine Liste mit den wichtigsten Inhalten eines Notfallpasses:

  • Biografische Angaben
  • Foto
  • Allergien
  • Impfungen
  • Chronische Krankheiten
  • Regelmäßig eingenommene Medikamente
  • Weitere medizinische Besonderheiten (Implantate, Herzschrittmacher etc.)
  • Gegebenenfalls Pflegegrad
  • Name und Kontaktdaten des Hausarztes
  • Hinweise auf Patientenverfügungen und Vollmachten
  • Bereitschaft zur Organspende im Ernstfall
  • Kontaktdaten von Angehörigen

Eine Notfallmappe ist, wie der Name schon sagt, umfangreicher als ein Notfallpass. Die in der Notfallmappe hinterlegten Informationen können sogar weit über medizinische Aspekte hinausgehen und zum Beispiel Hinweise zu finanziellen Aspekten, Versicherungen, Immobilien, Haustieren oder einem Testament enthalten.

Tipp
Kurzfassung der Notfallmappe

Da eine Notfallmappe unter Umständen sehr umfangreich ist, sollten Sie die medizinisch relevanten Informationen auf den ersten Seiten in Kurzfassung auflisten. Oder Sie führen zusätzlich zur Mappe auch einen Notfallpass.

Ist ein Notfallpass kostenlos?

Notfallpässe und Notfallmappen sind prinzipiell kostenlos. Denn Sie erstellen die Notfalldokumente selbst und sind dabei an keine besondere Form gebunden. Kostenlose Vorlagen zum Ausfüllen helfen natürlich sehr. Solche stellen zum Beispiel die Krankenversicherungen zur Verfügung. Wichtig ist in jedem Fall, dass schnell und zweifelsfrei erkennbar ist, zu wem Notfallpass und Notfallmappe gehören. Name, Geburtsdatum und ein aktuelles Passfoto sind deshalb unerlässlich. 

Europäischer Notfallausweis

Der europäische Notfallausweis erfüllt den gleichen Zweck wie jeder andere Notfallpass. Allerdings ist er mehrsprachig und hat eine europaweit einheitliche Form, damit er auch im Ausland schnell ausgelesen werden kann. Einen Vordruck erhalten Sie gegen eine geringe Gebühr beim Hausarzt oder in der Apotheke. Unter Pflegebedürftigen sind Auslandsaufenthalte die Ausnahme, deshalb reicht für diese Personen in der Regel ein deutscher Notfallpass.

Digitale Notfalldokumente: Handy Notfallpass

Einen Notfallpass aus Papier oder gar eine Notfallmappe tragen weniger Menschen stets bei sich, als ihr Handy. Deshalb können wichtige Daten für den Notfall auch auf Smartphones gespeichert werden. Für Pflegebedürftige kann ein digitaler Notfallpass Sinn ergeben, wenn sie das Handy meist in Reichweite aufbewahren.

Wie funktioniert der Notfallpass auf dem Handy?

Neuere Android- und iOS- Smartphones haben einen integrierten digitalen Notfallpass. Sie müssen also keine App herunterladen, um einen Notfallpass zu erstellen. Diesen können Sie auch aufrufen, ohne das Telefon zu entsperren. Das kann im Notfall sehr wichtig sein.

  • Notfallpass Android-Handy (ab Android 7): Klicken Sie auf dem gesperrten Bildschirm auf „Notfall“ oder auf „Notruf“. Dann auf „Notfallinformationen“. Nun werden bereits auf dem noch gesperrten Handy die gespeicherten Notfallinformationen dargestellt. Zum Bearbeiten klicken Sie auf das Stift-Symbol. Nun müssen Sie das Telefon entsperren und können dann die Informationen eingeben.
  • Notfallpass iPhone (ab iOS 8): Hier ist der Notfallpass Teil der „Health App“. Um Informationen zu hinterlegen, navigieren Sie über das Benutzer Icon oben rechts zu „Medizinische Daten“ > „Notfallpass“ > „Notfallpass konfigurieren“. Wichtig ist, dass Sie die Option „Im Sperrzustand zeigen“ aktivieren. Nur dann können Sanitäter den Notfallpass lesen, ohne Ihr iPhone zu entsperren.

Notfallpass-Apps mit erweiterten Funktionen

Falls Sie nicht die Bordmittel von Android und iOS nutzen möchten oder können, gibt es auch spezielle Notfallpass-Apps zum Download. Auch hier werden Informationen hinterlegt, die im Notfall ohne eine Entsperrung des Handys abgerufen werden können. Der Vorteil gegenüber der Standardfunktion von iOS und Android: Sie können mehr Informationen hinterlegen und besondere Zusatzangebote der jeweiligen App nutzen. Zum Teil sind diese Apps jedoch kostenpflichtig.

Notfalldaten auf Ihrer Versicherungskarte

Seit Mitte 2020 gibt es die Möglichkeit, wichtige Notfalldaten auch auf der elektronischen Gesundheitskarte (eGK), also der umgangssprachlichen „Versicherungskarte“, zu speichern. Mit einem entsprechenden Lesegerät können Ärzte dann im Notfall darauf zugreifen. Das wird auch als „Notfalldatenmanagement“ (NFDM) bezeichnet.(1)

Doch nicht nur in Notfällen, sondern auch bei normalen Behandlungen in Arztpraxen oder Krankenhäusern können die Informationen hilfreich sein. Denn neben wichtigen Gesundheitsdaten wie zum Beispiel Vorerkrankungen, Allergien und Medikamenteneinnahme können dort auch Erklärungen von Ihnen gespeichert werden. Also zum Beispiel Hinweise auf vorhandene Organspendeausweise oder Patientenverfügungen.

Um Notfalldaten auf Ihrer Gesundheitskarte zu speichern müssen Sie sich an einen Arzt wenden. Sie müssen zunächst eine Einwilligung in die Speicherung dieser Daten auf Ihrer Karte unterzeichnen. Dann können Sie gemeinsam mit dem Arzt entscheiden, welche Informationen und Erklärungen gespeichert werden sollen.

Notfallmappe in Papierform

Anders als Notfallpässe dienen Notfallmappen nicht allein dem akuten medizinischen Notfall. Sie sollen ganz allgemein in einem Krisenfall dafür sorgen, dass wichtige Entscheidungen der Person respektiert werden und Angehörigen der Umgang mit einem Notfall erleichtert wird. Ob jemand bereits pflegebedürftig ist oder nicht, spielt dabei keine Rolle. Eine Notfallmappe für Senioren und gesundheitlich gefährdete Menschen ist immer eine sinnvolle Vorsorge, zu der auch Vollmachten und Verfügungen gehören.

Notfallmappe selbst erstellen: Was gehört hinein?

Grundsätzlich gilt: Je mehr Informationen, desto besser. Sie können also gar nicht zu viele Themen erwähnen, solange Sie die Mappe gut strukturieren. Am Anfang sollten Sie aber auf jeden Fall wichtige medizinische Informationen in Kurzfassung niederschreiben, damit Sie im Notfall schnell darauf zugreifen können.

Tipp
Vorsicht bei Original-Dokumenten

Denken Sie daran, dass Sie die Mappe im Notfall an das Krankenpersonal aushändigen werden. Alle Dokumente sollten also besser in Kopie hinterlegt sein, damit Sie diese ersetzen können, falls die Mappe verloren geht.

Das gehört in eine Notfallmappe:

  • Name, Adresse, Alter und ein Foto
  • Medizinisch relevante Informationen (Vorerkrankungen, Medikamentenplan, Allergien, usw.)
  • Ausführliche Informationen zu Verletzungen, OPs und Behandlungen
  • Namen und Kontaktdaten behandelnder Ärzte
  • Patientenverfügungen
  • Vollmachten (Vorsorgevollmacht, Betreuungsvollmacht)
  • Organspendeausweis oder Ähnliches
  • Hinweise auf Versicherungen und finanzielle Absicherung
  • Hinweise auf Besitztümer (Kraftfahrzeuge, Immobilien, usw.)
  • Verfügungen für den Todesfall und die Bestattung
  • Testament

Ist der Besitzer der Notfallmappe bereits pflegebedürftig, so sind in einer Notfallmappe neben medizinischen Informationen auch die Kontaktdaten der pflegenden Angehörigen oder der jeweiligen Einrichtung, die Patientenverfügung und die bestehenden Vollmachten wichtig, sofern es diese gibt.

Tipp
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Sonderfall: Notfallmappe bei Demenz

Notfallpatienten mit einer Demenz stellen einen besonderen Fall dar, weil sie selbst keine verlässlichen Auskünfte geben können. In diesem Fall ist eine Notfallmappe empfehlenswert, denn sie bietet ausreichend Platz für alle relevanten Informationen. Zusätzlich zu den üblichen medizinischen Themen sollten Sie dann auch auf allgemeine Gewohnheiten des Demenzerkrankten und pflegerische Besonderheiten eingehen. Also zum Beispiel, welche Vorgänge bei dem Demenzerkrankten problematisch sind und welche besonders wichtig.

Wo kann ich eine Notfallmappe bestellen?

Vorgefertigte Notfallmappen zum Ausfüllen finden Sie bei den meisten Krankenkassen kostenlos als Download . Sie können die entsprechenden Dateien herunterladen und die Notfallmappe am PC ausfüllen oder gleich ausdrucken und dann per Hand ausfüllen. Natürlich können Sie auch fertige Vordrucke online bestellen oder im Buchhandel kaufen, wenn Sie sich das Ausdrucken ersparen möchten.

Häufig gestellte Fragen

Was ist ein Notfallpass?

Ein Notfallpass ist ein Dokument für medizinische Notfälle. Es soll Ersthelfern, Sanitätern und Ärzten wichtige Informationen über den Patienten liefern, falls dieser selbst keine Auskunft geben kann.

Wo finde ich den Notfallpass auf dem Handy?

Egal ob iPhone oder Android: Der Notfallpass sollte abrufbar sein, auch wenn das Handy noch gesperrt ist. Klicken Sie einfach auf dem Sperrbildschirm auf „Notfall“ oder „Notruf“ und dann auf „Notfallinformationen“ oder „Notfallpass“. Falls ein digitaler Notfallpass auf dem Handy eingerichtet worden ist, können Sie die Informationen jetzt auslesen.

Was steht in einem Notfallpass?

Folgende Informationen gehören unbedingt in einen Notfallpass:

  •  Name, Adresse, Alter
  • Foto
  • Allergien
  • Impfungen
  • Chronische Krankheiten
  • Regelmäßig eingenommene Medikamente
  • Weitere medizinische Besonderheiten (Implantate, Herzschrittmacher etc.)
  • Name und Kontaktdaten des Hausarztes
  • Hinweise auf Patientenverfügungen und Vollmachten
  • Bereitschaft zur Organspende im Ernstfall
  • Kontaktdaten von Angehörigen

Was gehört in eine Notfallmappe?

Eine Notfallmappe ist eine umfangreichere Version eines Notfallpasses. Sie sollte alle Informationen enthalten, die in einem medizinischen Notfall wichtig sind. Darüber hinaus gehören in eine Notfallmappe Patientenverfügungen, Vollmachten und alle Informationen, die Angehörige im Falle eintretender Pflegebedürftigkeit oder im Todesfall benötigen oder unbedingt berücksichtigen sollen.

Kann ich auf meiner Gesundheitskarte Notfalldaten speichern?

Ja, aber nur mit Hilfe eines Arztes. Unter dem Stichwort „Notfalldatenmanagement“ (NFDM) können Ärzte Notfalldaten auf Ihrer elektronischen Gesundheitskarte speichern. Aber nur mit Ihrer ausdrücklichen Einwilligung.

Benötige ich eine PIN um Notfalldaten auf der Gesundheitskarte einzusehen?

Nein, dafür reicht ein spezielles Lesegerät. Solche Lesegeräte stehen nur medizinischem Personal zur Verfügung. Sie selbst müssen sich an einen Arzt wenden, wenn Sie Ihre Notfalldaten auf Ihrer Gesundheitskarte anpassen möchten.

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Erstelldatum: 2202.10.71|Zuletzt geändert: 2202.11.11
(1)
Kassenärztliche Bundesvereinigung (2021): Notfalldatenmanagement (NFDM)
https://www.kbv.de/html/nfdm.php (letzter Abruf am 11.07.2021)
(2)
Bildquelle
©Christian Schwier - stock.adobe.com
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Interview

Was steckt hinter dem Notfallregister für gesundheitlich eingeschränkte Menschen?

Philipp Cachée
Im Interview
Philipp Cachée
Katastrophen- und Zivilschutz Berlin, Sachverständiger, Hochschuldozent

Philipp Cachée ist studierter Krisen- und Katastrophenschützer. Von der freiwilligen Feuerwehr über die Tätigkeit im Rettungsdienst bis hin zu internationalen Einsätzen ist er seit vielen Jahren immer vorne mit dabei, wenn Hilfe gebraucht wird. So war er zum Beispiel auch 2005 nach dem Hurricane Katrina in den USA im Einsatz. Seit einigen Jahren liegt der Fokus auf seinem Hauptberuf und der Nachwuchsfortbildung. Den aktiven Dienst in den Hilfsorganisationen hat er nach über 20 Jahren beendet.

Unter der Adresse www.notfallregister.eu gibt es seit Oktober 2022 die Möglichkeit, sich in das Notfallregister einzutragen. Gedacht ist das für alle Personen, die bei einem Blackout oder in einem Katastrophenfall besondere Aufmerksamkeit benötigen. Behörden, Rettungsdienste und Katastrophenhelfer können dann im Notfall auf diese Daten zugreifen und wissen, wo welche besondere Hilfe benötigt wird.

Das Projekt wurde ehrenamtlich von Katastrophenschützern ins Leben gerufen und wird aktuell noch privat finanziert. pflege.de hat mit Philipp Cachée gesprochen, einem der Köpfe hinter der Initiative. Erfahren Sie im Interview, wie es zu der Idee kam, wie das Notfallregister funktioniert und welche Vorteile es bietet.

pflege.de: Herr Cachée, wie kam es zu der Idee für das Notfallregister?

Hr. Cachée: Ich bin in Berlin für die Gefahrenabwehr- und Katastrophenschutzpläne in einem Bezirk mit über 300.000 Einwohnern verantwortlich. Dort haben wir uns zuletzt intensiver mit Stromausfall-Szenarien beschäftigt. Und wir haben festgestellt, dass es keine zentrale Erfassung von Heimbeatmungsplätzen oder Kunstherzpatienten gibt. Wir wissen also gar nicht, wo ein Stromausfall in Wohnhäusern und Heimen unmittelbar lebensbedrohlich wird.

Und wir kennen von vielen Evakuierungsmaßnahmen, zum Beispiel bei Bränden, solche Situationen: Plötzlich steht man vor Menschen, die man nicht ohne Weiteres aus ihrer Wohnung evakuieren kann, weil sie zum Beispiel lebenserhaltende Geräte benötigen. In solchen Fällen müssen wir dann ad hoc Lösungen finden, was weder für diese Menschen noch für uns besonders angenehm ist.

Deshalb kam die Idee auf, ein Notfallregister zu schaffen. Darin sollten Menschen mit besonderem Hilfsbedarf erfasst werden, sodass wir bei der Planung und im Notfall wissen, wer uns wo erwartet.

pflege.de: Wer hat das Notfallregister ins Leben gerufen, finanziert und umgesetzt?

Hr. Cachée: Das Notfallregister hatte ich als Skizze schon vor über einem Jahr im Kopf. Im Laufe dieses Jahres kamen viele weitere Einsätze hinzu, bei denen sich die Idee immer ein Stück weiterentwickelt hat. Schlussendlich hat die aktuelle Lage, insbesondere die Gefahr von großflächigen Stromausfällen, die Umsetzung aus meiner Sicht notwendig gemacht.

Ich habe dann erst einmal recherchiert, ob es so etwas irgendwo schon gibt. Aber weder in Deutschland noch in Österreich oder der Schweiz konnten mir Amtskollegen weiterhelfen. Ehrlich gesagt waren die meisten selbst erstaunt darüber, dass es nichts dergleichen gibt, weil diese Informationen für uns so wichtig sind.

Also haben wir uns zusammengetan, um das Notfallregister ins Leben zu rufen. Beteiligt sind viele Funktionäre aus anerkannten Hilfsorganisationen im Katastrophenschutz, wie zum Beispiel der ehemalige Präsident der Bundesanstalt Technisches Hilfswerk, Albrecht Broemme. Aber auch Experten wie der österreichische Krisen- und Blackout-Spezialist Herbert Saurugg.

Programmiert wurde die Software größtenteils ehrenamtlich von Katastrophenschützern, die hauptberuflich als Programmierer arbeiten. Die Kosten tragen aktuell wir als Beteiligte. Wir gründen gerade einen Verein, damit wir uns über Spenden finanzieren können. Unser Ziel ist es aber, dass das Notfallregister kostenlos und unabhängig bleibt.

pflege.de: Wie funktioniert das Notfallregister? Wer kann sich dort eintragen?

Hr. Cachée: Zunächst einmal alle Personen, die dauerhaft gesundheitliche Einschränkungen haben. Dazu gehören Einschränkungen der Sinne (Blindheit, Taubheit) und der Mobilität, Behinderungen und die Abhängigkeit von technischen Geräten. Also alles vom Beatmungsgerät bis hin zur Magensonde. Außerdem werden Informationen erhoben, die für eine Evakuierung und mögliche Betreuung notwendig sind.

Neben Privatpersonen können sich auch Einrichtungen in das Notfallregister eintragen. Hier geht es um Pflegeheime, Dialysezentren, Intensivpflege WGs, Demenz WGs und ähnliche Institutionen. Hier wird dann erfasst, wie viele Bewohner mit welchen Einschränkungen dort leben, wer die Einrichtung leitet und so weiter. Auch Informationen zu Notstromaggregaten sind relevant. Wir müssen zum Beispiel wissen, wie lange eine Einrichtung sich selbst mit Strom versorgen kann.

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pflege.de: Manche Menschen haben sicherlich Bedenken, persönliche Gesundheitsdaten auf einer Webseite zu teilen. Können Sie diesen Menschen die Angst nehmen? Was unternehmen Sie, um die Daten zu schützen?

Hr. Cachée: Datenschutz steht bei uns an erster Stelle. Es ist klar, dass es sich hier um sensible Daten handelt, die ganz besonders geschützt werden müssen.

Wir haben uns deshalb bewusst für ausschließlich deutsche Rechenzentren entschieden. Dort stehen eigene Server, die nur von uns genutzt werden. Diese Server erfüllen alle Voraussetzungen, welche gesetzlich gefordert sind. Wir gehen aber noch weiter und haben zusätzliche Sicherheitsmaßnahmen ergriffen, die weit über die gesetzlichen Anforderungen hinausgehen.

Alle Daten werden von den Nutzern und Nutzerinnen freiwillig hinterlegt und DSGVO-konform gespeichert. Sie dürfen ausschließlich im Rahmen der Einwilligungserklärung von uns verwendet und weitergegeben werden. Dabei wird jeder Zugriff auf die Daten registriert und stichprobenartig überprüft.

pflege.de: Nehmen wir an, es gibt einen Notfall. Wie können Notfallhelfer jetzt auf die wichtigen Daten zugreifen?

Hr. Cachée: Um auf die Daten zugreifen zu können, müssen sich Leitstellen und Behörden um eine allgemeine Nutzungserlaubnis bewerben. Sie müssen sich also registrieren. Dabei wird jede einzelne Anfrage von uns geprüft und erst dann wird der Zugang gewährt.

Registrierte Behörden und Leitstellen haben aber nicht einfach grenzenlosen Zugriff auf alle Daten, sondern stellen gezielte Anfragen an das System und können nur auf Daten aus ihrem geographischen Zuständigkeitsbereich zugreifen. Diese Anfragen lassen sich nur nach dem Straßennamen oder über eine Bereichsmarkierung auf einer Karte stellen.

pflege.de: Aktuell (im November 2022) befindet sich das Notfallregister im Aufbau. Je mehr Menschen und Behörden sich dort registrieren, desto besser funktioniert es. Wie ist die Nachfrage? Füllt sich das Register?

Hr. Cachée: Ich kann stolz sagen, dass wir aktuell in Deutschland und Österreich bereits sehr viele Registrierungen von Menschen mit Hilfsbedarf und von Einrichtungen haben. Und täglich kommen neue hinzu. Dabei wurde das Notfallregister erst im Oktober 2022 gestartet.

Auch viele Leitstellen und Behörden haben sich bereits registriert. Die Hilfsdienste für den Katastrophenschutz sind eng vernetzt, da hat sich die Nachricht über das Notfallregister schnell verbreitet.

Wichtig ist aber, dass das Register eine Informationsquelle für Einsatzorganisationen und Katastrophenschutzbehörden ist. Für die Nutzung dieser Informationen sind die Einsatzkräfte und Behörden selbst verantwortlich. Wir als Verein können lediglich die Möglichkeit anbieten. Das heißt also, dass bitte niemand erwarten darf, dass durch die Registrierung ganz automatisch im Ernstfall beispielsweise ein persönliches Notstromaggregat gebracht wird.

pflege.de: Sie sind hauptberuflich verantwortlich für eine Berliner Behörde für Katastrophenschutz. Deshalb die Frage an Sie als Experten: Sollten gesundheitliche eingeschränkte Personen besondere Vorkehrungen für den Ernstfall treffen?

Hr. Cachée: Ja, ganz klar. Jeder Bürger, jede Bürgerin muss einen Beitrag zum Katastrophenschutz leisten. Das Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe empfiehlt, sich so einzurichten, dass jeder sich für mindestens 10 Tage selbst versorgen kann. Das ist notwendig, damit Behörden Zeit haben, sich auf die jeweilige Lage einzustellen, die sogenannte „Chaosphase“ zu überwinden und Ersatzmaßnahmen in die Wege zu leiten.

Dafür sind ganze einfache Maßnahmen geeignet. Konservenbüchsen und Trinkwasservorräte für 10 Tage sind schon ein wichtiger Schritt, wenn jeder Einzelne diese Vorsorge trifft. Menschen, die auf Medikamente angewiesen sind, sollten davon auch einen kleinen Notfallvorrat haben.

Menschen mit Einschränkungen empfehle ich, eine Trillerpfeife oder eine Handhupe bereitzuhalten. So können sie im Notfall akustisch auf sich aufmerksam machen, wenn zum Beispiel das Telefon oder der Hausnotruf von der Stromversorgung abgeschnitten sind. Idealerweise kennen auch die Nachbarn die Situation und kommen im Notfall zu Hilfe.

Kleine Vorbereitungen und Nachbarschaftshilfe können in Katastrophenfällen den entscheidenden Unterschied machen. Das erlebe ich bei meiner Arbeit immer wieder.

pflege.de: Vielen Dank für diese wertvollen Tipps. Und dass Sie sich die Zeit genommen haben, mit uns über das Notfallregister zu sprechen!

Erstelldatum: 2202.11.11|Zuletzt geändert: 2202.21.21
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