Pflegekasse und Pflegerecht

pflege.de erklärt Ihnen die komplexen Sachverhalte rund um die Pflegeversicherung und die Pflegekasse, beschreibt das Pflegerade-System und gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Gesetze und Rechtsgrundlagen in der Pflege. In unseren entsprechenden Rubriken finden Sie außerdem alle Inhalte zu Pflegekasse und Pflegefinanzierung (Pflegegrade und mehr) oder zu Pflegegesetz und Pflegerecht (Vollmachten, SGB und Co.).

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Pflegeversicherung, Pflegezusatzversicherung und Krankenversicherung spielen bei der Versorgung von Pflegebedürftigen und Demenzkranken eine große Rolle. Um Leistungen der Kassen, wie beispielsweise Pflegegeld, zu erhalten, müssen Versicherte seit Januar 2017 in einen Pflegegrad eingestuft sein. Dazu prüft ein Gutachter des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) die vorhandenen Ressourcen des Betroffenen im Alltag und seinen Betreuungsbedarf.

Pflegeversicherung, Krankenversicherung und Pflegezusatzversicherung

  • Pflegeversicherung

    Die 1995 eingeführte soziale Pflegeversicherung hat das deutsche Sozialversicherungssystem um eine wertvolle neue Säule ergänzt und ist im Elften Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB XI) verankert. Als eine Art Teilkaskoversicherung sichert sie gesetzlich und privat Pflegeversicherte besser gegen die hohen Kosten der Pflege und Betreuung insbesondere im Alter ab. Sie finanziert schwerpunktmäßig reine Pflege- und Betreuungsleistungen von häuslichen Pflegediensten, Tages- oder Nachtpflegeeinrichtungen, ambulant betreuten Wohngruppen, Einrichtungen des Betreuten Wohnens oder Alten- und Pflegeheimen.

  • Krankenversicherung

    Ärztlich verordnete häusliche Krankenpflege trägt dagegen die Krankenversicherung vollständig. Sie ist im Fünften Buch des Sozialgesetzbuchs (SGB V) definiert. Die Krankenversicherung trägt grundsätzlich die Kosten für alle medizinisch notwendigen ambulanten und stationären Leistungen bei Krankheit von gesetzlich oder privat Krankenversicherten.

  • Pflegezusatzversicherung

    Um sich für das Pflegerisiko noch besser abzusichern, gibt es die Möglichkeit einer privaten Pflegezusatzversicherung. 2013 wurde neben den privaten Pflegezusatzversicherungen eine staatlich subventionierte Zusatzversicherung eingeführt: Der Pflege-Bahr, benannt nach dem damaligen Bundesgesundheitsminister Daniel Bahr.

Anspruch auf Leistungen der Pflegeversicherung

Soziale Pflegeversicherung
Ratgeber
Pflegeversicherung – Ratgeber für Versicherte

Um Leistungen der gesetzlichen oder privaten Pflegeversicherung zu erhalten, muss seit Januar 2017 einer der fünf Pflegegrade (1, 2, 3, 4 oder 5) vorliegen. Bis 31.12.2016 galten die drei Pflegestufen zur Einstufung der Pflegebedürftigkeit. Der Grad der Pflegebedürftigkeit ist ausschlaggebend dafür, welche Leistungen die Pflegekasse übernimmt. Zu den Leistungen der Pflegekasse zählen z. B.

Pflegesachleistungen
Ratgeber
Pflegesachleistung

Kriterien und Voraussetzungen für einen Pflegegrad

Um Anspruch auf Pflegeleistungen zu haben, müssen Versicherte zunächst einen Antrag auf Pflegegrad bei ihrer zuständigen Pflegekasse stellen. Danach werden sie von Gutachtern des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK; bei gesetzlich Versicherten) oder MEDICPROOF (bei privat Versicherten) nach dem Begutachtungssystem NBA untersucht. Auf Basis dieses Gutachtens weist die Pflegekasse dem Versicherten einen Pflegegrad zu, sofern er mindestens eine „geringe Beeinträchtigung der Selbstständigkeit“ (entspricht Pflegegrad 1) hat.

Im Vergleich zu dem alten Pflegestufen-System ist nicht mehr der körperliche Unterstützungsbedarf in den Bereichen Körperpflege, Mobilität, Ernährung und Haushaltsführung entscheidend, sondern seit Januar 2017 der Grad der vorhandenen Selbstständigkeit in sechs Aktivitätsbereichen. Erfahren Sie mehr zu den Voraussetzungen für einen Pflegegrad im Beitrag Pflegegrade.

 

Info

Kostenloser Pfleegradrechner

Zur Vorbereitung auf den Termin mit dem Gutachter sollten Sie als pflegender Angehöriger einmal den kostenlosen Pflegegradrechner nutzen, um einen Überblick über Untersuchungsbereiche und Gewichtung der einzelnen Module zu bekommen. Auf dieser Basis können Sie vor dem Gutachter auch besser argumentieren, was bswp. Aufgaben sind, die in Ihrer täglichen Pflege besonders aufwändig sind.

Auch bei Höherstufungen von Leistungsempfängern, in Streitfällen und bei vielen anderen schwierigen Fragen setzen die Pflegekassen die Gutachter des MDK und anderer Organisationen ein.

Widerspruch bei Ablehnung eines Pflegegrads stellen – So geht‘s

Wird ein Antrag auf Pflegeleistungen von der zuständigen Pflegekasse abgelehnt oder bezweifeln Sie als betroffener Antragsteller oder Angehöriger den entschiedenen Pflegegrad, dann können Sie binnen vier Wochen nach Zustellung gegen den schriftlichen Bescheid der Pflegekasse Widerspruch einlegen: Widerspruch bei nicht genehmigtem Pflegegrad. Bis zum 31.12.2016 galt der Widerspruch bei nicht genehmigter Pflegestufe.

Ihren Antrag auf Anhebung des Pflegegrads stellen betroffene Pflegebedürftige oder Sie als Angehörige normalerweise auf Grundlage eines Wiederholungsgutachtens bei der Pflegekasse des Versicherten. Spätestens fünf Wochen nach diesem Antrag muss der Versicherte, der eine höhere Einstufung erreichen will, dann von einem von der Kasse benannten Gutachter begutachtet werden.

Bonus
Falscher Pflegegrad? Die Vorlage für Ihren Widerspruch

Den konkreten Einzelfall Ihres pflegebedürftigen Familienmitglieds sollten Sie als Angehöriger am besten durch eine erfahrene Pflegefachkraft, zum Beispiel die Pflegedienstleitung Ihres ambulanten Pflegedienstes oder eine Fachkraft mit Weiterbildung zur Pflegeberaterin, oder einen Fachanwalt prüfen lassen, ehe Sie mit ihm Widerspruch gegen die Ablehnung einer Pflegestufe / eines Pflegegrads einlegen.

Kurzer Überblick zur Pflegereform 2017: Fünf Pflegegrade haben zum 01.01.2017 die drei Pflegestufen ersetzt

Zum 01.01.2017 haben im Rahmen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) fünf Pflegegrade das bisherige System der drei Pflegestufen abgelöst. Eingeführt wurde zudem ein neues Prüfverfahren, das sog. NBA („Neues Begutachtungsassessment“) zur Begutachtung von neuen Antragstellern auf Pflegeleistungen.

Die fünf Pflegegrade (Pflegegrad 1, Pflegegrad 2, Pflegegrad 3, Pflegegrad 4 und Pflegegrad 5) berücksichtigen gerade Pflegebedürftige und Menschen mit eingeschränkter Alltagskompetenz wie Menschen mit Demenz, längerfristig psychisch Erkrankte oder geistig Behinderte stärker und machen auch für sie entsprechende Leistungen aus der Pflegeversicherung zugänglich.

Mit dem neuen Prüfverfahren NBA („Neues Begutachtungsassessment“) begutachten Fachleute des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) oder anderer von den Pflegekassen beauftragten Institutionen alle neuen Antragsteller auf Pflegeleistungen persönlich anhand eines Fragenkatalogs auf den Grad ihrer noch vorhandenen Selbstständigkeit. Entsprechend ihres Gutachtens entscheidet die zuständige Pflegekasse, ob sie ihrem Versicherten einen Pflegegrad zubilligt und jedem Grad entsprechende Pflegeleistungen gewährt oder ob der Antrag abgelehnt wird.

Info

Automatische Einstufung beim Vorliegen einer Pflegestufe

Wer vor Inkrafttreten des PSG II bereits eine anerkannte Pflegestufe („0“, 1, 2, 3) hatte, erhielt von seiner Pflegekasse automatisch einen Pflegegrad zugeteilt. Er musste nicht noch einmal separat nach dem neuen Begutachtungsverfahren NBA beurteilt werden.

Mehr Leistung im Alter: Mit einer Pflegezusatzversicherung sichern Sie sich gegen ungedeckte Kosten ab

Die gesetzliche und die private Pflegeversicherung zahlen als Teilkasko-Versicherung nur einen Teil anfallender Kosten für ambulante, teilstationäre oder stationäre Altenpflege. Die Ausgaben für notwendige Leistungen im Pflegefall gehen jedoch häufig darüber hinaus. Sie können sich deshalb zusätzlich und frühzeitig durch eine staatlich geförderte private Pflegezusatzversicherung z. B. bei Ihrer Pflegekasse oder einer privaten Versicherung gegen dieses finanzielle Risiko absichern. Dabei können Sie zwischen drei Möglichkeiten wählen:

  1. Pflegerentenversicherung: Diese Pflegezusatzversicherung ist eine Lebensversicherung, die beim Eintreten der Pflegebedürftigkeit als monatliche Rente abhängig vom jeweiligen Hilfsumfang ausgezahlt wird.
  2. Pflegekostenversicherung: Eine Pflegekostenversicherung übernimmt Teile oder den Gesamtumfang der Restpflegekosten, die nicht durch die gesetzliche Pflegeversicherung gedeckt werden.
  3. Pflegetagegeldversicherung: Pro Tag nachgewiesener Pflegebedürftigkeit erhält der Versicherte je nach anerkannter Pflegestufe Tagegeld. Für die Zahlung von Pflegetagegeld ist die tatsächliche Nutzung des Geldes für Pflegeleistungen unerheblich, d. h. Sie können das Geld auch zu Ihrem privaten Vergnügen ausgeben.
Pflegezusatzversicherung
Ratgeber
Pflegezusatzversicherung

Pflegerecht: Die wichtigsten Gesetze im Gesundheitswesen

Der Bereich Pflegegesetz & Pflegereform gibt Ihnen einen Überblick über die wichtigsten Gesetze im Bereich Pflege und Gesundheit und hält Sie mit aktuellen Rechtsprechungen auf dem neuesten Stand.

  • Pflegeversicherungsgesetz (SGB XI)

    Die Pflegeversicherung für alle gesetzlich und privat Versicherte wurde 1995 vom Gesetzgeber beschlossen und deckt heute die reinen Pflege- und Betreuungskosten ab. Der Leistungsumfang je Pflegestufe (bis 31.12.2016) bzw. Pflegegrad (seit 01.01.2017) ist im Pflegeversicherungsgesetz genau definiert. Im Rahmen des Zweiten Pflegestärkungsgesetzes (PSG II) gab es in der Pflegeversicherung zum 01.01.2017 die bislang größten Veränderungen: Die etwa 1,5 Millionen Demenzkranken in Deutschland erhalten seitdem die gleichen Leistungen ihrer Pflegekassen wie körperlich Pflegebedürftige. Mit dem PSG II wurden zum 01.01.2017 zudem die bisher geltenden drei Pflegestufen durch fünf Pflegegrade abgelöst. Durch das neue  Beurteilungs- und Prüfverfahren NBA („Neues Begutachtungsassessment“) wird der Grad der Selbstständigkeit jedes Antragstellers auf Pflegeleistungen beurteilt, der auch für den Umfang gewährter Pflegeleistungen ausschlaggebend ist.

  • Krankenversicherungsgesetz (SGB V)

    Das bereits unter Reichskanzler Otto von Bismarck eingeführte Krankenversicherungsgesetz kommt vollständig für medizinisch notwendige ambulante und stationäre Leistungen für erkrankte Versicherte auf. Heute wird das Krankenversicherungsgesetz auch als Fünftes Buch im Sozialgesetzbuch (SGB V) bezeichnet, nach dem sämtliche Leistungen von niedergelassenen Haus- und Fachärzten sowie Krankenhäusern und Reha-Einrichtungen erfasst und finanziert werden.

  • Hospiz- und Palliativgesetz

    Das seit 2016 geltende Hospiz- und Palliativgesetz sorgt dafür, dass mehr Geld für die Begleitung und Betreuung von Sterbenskranken durch geschulte Palliativ-Pflegekräfte insbesondere in Hospizen zur Verfügung steht. Durch Neuregelungen in der Kranken- und Pflegeversicherung werden Medizin, Pflege und Hospizarbeit stärker als bisher miteinander vernetzt. Spürbar mehr Geld erhalten Hospize, deren Tagessätze pro Patient zum Jahresbeginn um mehr als 25 Prozent von bislang 198 Euro auf 255 Euro angehoben worden sind. Zudem tragen die Krankenkassen künftig 95 statt 90 Prozent der zuschussfähigen Kosten von Hospizen. Die restlichen 5 Prozent müssen Hospize häufig mit Unterstützung von ehrenamtlichen Kräften und freiwilligen Spenden stemmen.
    Bei der Palliativpflege von Todkranken durch Spezialisierte Ambulante Palliativpflege (SAPV) in deren Zuhause oder in Hospizen stehen die Schmerzlinderung und die soziale Begleitung von unheilbar Kranken in ihrer letzten Lebensphase im Fokus.

  • Präventionsgesetz

    Mit dem seit 24. Juli 2015 geltenden „Gesetz zur Stärkung der Gesundheitsförderung und der Prävention“ soll die Gesundheitsförderung und Krankheitsvorbeugung (Prävention) gerade in Schulen, Kindertagesstätten oder Betrieben gestärkt werden. Die Leistungen der Krankenkassen zur Früherkennung von Krankheiten werden damit ausgebaut und das Zusammenwirken von Betrieblicher Gesundheitsförderung (BGF) und Arbeitsschutz wird zunehmend verbessert. Wichtigstes Ziel: Für jeden Krankenversicherten sollen ab 2016 rund 7 Euro für Prävention ausgegeben werden.

  • Patientenrechtegesetz

    Mit dem Patientenrechtegesetz erhielten Patienten 2013 u. a. das Recht auf umfassende und rechtzeitige Aufklärung vor allen Behandlungen durch ihren Arzt, was auch im Bürgerlichen Gesetzbuch (BGB) verankert wurde. Sie müssen nun über alle wesentlichen Umstände der Behandlung wie Diagnose, Folgen, Risiken und Alternativen umfassend und rechtzeitig informiert werden. Was Patientenschutzorganisationen jedoch immer noch kritisieren: Bei Haftungsstreitigkeiten nach Behandlungsfehlern wurden die Patientenrechte kaum gestärkt. Das heißt, dass Patienten ihrem Arzt nach wie vor einen Behandlungsfehler nachweisen müssen, wenn sie auf Schadensersatz klagen wollen. Lediglich bei „groben Fehlern“ müssen die Ärzte, Zahnärzte oder Krankenhäuser Beweise liefern, warum ihrer Ansicht nach kein Behandlungsfehler vorliegt.

Auszug: Urteile zur Pflege- und Krankenversorgung

pflege.de unterstützt Sie als pflegender Angehöriger auch dabei, mehr zu den Rechten von Pflege- und Krankenversicherten zu erfahren, um dieses Wissen auch für Ihre pflege- oder betreuungsbedürftigen Familienmitglieder nutzen können. Damit Sie ein Gespür dafür bekommen, wie Gerichte in strittigen Fällen entscheiden, stellen wir Ihnen einige Grundsatzurteile zu Heimentgelten, Zahlungspflichten von Kindern mittelloser pflegebedürftiger Eltern und Kassenleistungen für besondere Hilfsmittel vor.

  • Keine höheren Heimentgelte ohne Bewohnerzustimmung: Senioreneinrichtungen dürfen Heimentgelte nicht einseitig ohne die Zustimmung ihrer Bewohner, ihrer jeweiligen Betreuer oder der Bewohnerbeiräte erhöhen. Mit dieser Grundsatzentscheidung im Falle einer Berliner Seniorenresidenz hat das Landgericht Berlin einer Klage der Verbraucherzentralen und der Verbraucherzentrale Bundesverband (vzbv) gegen den Heimvertrag dieser Einrichtung stattgegeben (Aktenzeichen: 15 0 181/12, Urteil vom 13.11.2012).
  • Kinder zahlen für mittellose Eltern im Heim (Elternunterhalt): Auch wenn das Verhältnis zu den Eltern zerrüttet ist, müssen Kinder für den Unterhalt ihrer verarmten pflegebedürftigen Eltern im Heim zahlen. Im konkreten Fall entschied der Bundesgerichtshof (BGH), dass erwachsene Kinder auch ihre psychisch kranken Eltern unterstützen müssen (: XII ZR 148/09). Derartige Erkrankungen seien eine „schicksalhaft bedingte Entwicklung“, die in innerfamiliärer Solidarität getragen werden müsse. Allerdings muss die Unterhaltszahlung für die Kinder zumutbar sein, urteilte der BGH in anderen Entscheidungen. Denn niemand darf durch die finanzielle Unterstützung der Eltern seinen eigenen Lebensstandard übermäßig zurückschrauben müssen oder gar selbst zum Sozialfall werden.
  • Kostenübernahme von Elektrorollstuhl mit Mundsteuerung genehmigt: Ermöglichen erst besonders aufwändige, technisch hochmodern ausgestattete Hilfsmittel einem behinderten Menschen ein menschenwürdiges Dasein, müssen Krankenkassen diese genehmigen, auch wenn sie Bedenken gegen den Einsatz hegen. Das hat das Bundesverfassungsgericht in einem Weg weisenden Urteil entschieden (Az. 1 BvR 120/09). Im konkreten Fall hatte eine vollständig gelähmte, an amyothropher Lateralsklerose (ALS) erkrankte Frau erreicht, dass sie nicht nur Anspruch auf einen Elektrorollstuhl hat, sondern ihre Krankenkasse auch die vollen Kosten von Mundsteuerung und zusätzlicher Sonderausstattung dieses Hilfsmittels übernehmen muss.
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Erklärungen, Checkliste, Schaubild und mehr. Alle Infos zum Pflegegrad.

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Erstelldatum: .22.215102|Zuletzt geändert: .11.609102
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So können pflegende Angehörige ihre Rente aufbessern

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Manuela Budewell
 
Manuela Budewell
Manuela Budewell arbeitet seit 1987 bei der Deutschen Rentenversicherung Bund und war bereits in verschiedenen Bereichen tätig. Seit Ende 2011 arbeitet sie in der Pressestelle der DRV Bund in Berlin.

Menschen, die pflegebedürftige Familienmitglieder, Freunde oder Nachbarn zuhause pflegen, können ihre Rente aufbessern. In Deutschland pflegen Millionen von Menschen ihre pflegebedürftigen Angehörigen zuhause – und treten dafür oft im Berufsleben kürzer. Das hat auch Auswirkungen auf ihre Rente: Wer aufgrund der Pflege weniger arbeitet, bezieht weniger Gehalt und zahlt damit auch weniger Beiträge in die Rentenkasse ein. Die Pflegezeit lässt sich allerdings auf die Rente anrechnen. Und das ist im Zuge der Einführung des Pflegeneuausrichungsgesetzes und des sog. Flexirentengesetzes seit 2017 noch leichter als vorher. Wie das genau funktioniert und welche Voraussetzungen erfüllt werden müssen, erklärt Rentenexpertin Manuela Budewell von der Deutschen Rentenversicherung Bund (DRV) im pflege.de-Interview.

Liebe Frau Budewell, erklären Sie uns doch bitte einmal: Wie kann ich während der Pflege meine Rente aufbessern?

Wer ehrenamtlich jemanden in dessen häuslicher Umgebung pflegt, hat unter bestimmten Voraussetzungen die Möglichkeit, sich dafür sog. Pflegebeitragszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung gutschreiben zu lassen. Dadurch können Lücken in der Erwerbsbiografie geschlossen und Rentenansprüche erhöht werden.

Wer ehrenamtlich jemanden in dessen häuslicher Umgebung pflegt, hat die Möglichkeit, sich dafür sog. Pflegebeitragszeiten in der gesetzlichen Rentenversicherung gutschreiben zu lassen.
Manuela Budewell

Welche Voraussetzungen gelten für mich als pflegender Angehöriger, um die Pflegezeit auf die Rente anrechnen lassen zu können?

Sofern pflegende Angehörige die Pflegezeit auf ihre Rente anrechnen möchten, dürfen sie die Pflege nicht erwerbsmäßig leisten. Übrigens können das auch Nachbarn oder Bekannte sein, die jemanden pflegen – man muss mit der pflegebedürftigen Person also nicht zwingend verwandt sein. Der Pflegebedürftige muss mindestens Pflegegrad 2 haben. Zudem muss die Pflege mindestens zehn Stunden, verteilt auf wenigstens zwei Tage pro Woche, in häuslicher Umgebung erfolgen. Werden mehrere Personen gepflegt, können die einzelnen Pflegezeiten zusammengerechnet werden. Wichtig ist auch: Eine neben der Pflege ausgeübte Tätigkeit darf 30 Stunden in der Woche nicht überschreiten.

Wie berechnen sich die Rentenbeiträge?

Grundlage für die Berechnung der Rentenversicherungsbeiträge ist die sog. Bezugsgröße. Sie wird jährlich neu bestimmt und liegt im Jahr 2019 bei 3.115 Euro monatlich in den alten Bundesländern und bei 2.870 Euro monatlich in den neuen Bundesländern. Der Pflegegrad des Pflegebedürftigen und der Umfang der durchgeführten Pflege bestimmen die Höhe der Rentenbeiträge. Hat die pflegebedürftige Person Pflegegrad 5 und erhält ausschließlich Pflegegeld, werden für den Pflegenden die monatlichen Höchstbeiträge in Höhe von rund 580 Euro gezahlt. Aus einem Pflegegrad 2 mit dem Bezug von Pflegesachleistungen ergeben sich dagegen rund 110 Euro monatlich als Beitrag in die gesetzliche Rentenversicherung.

Die Höhe des Pflegegrades hat also eine Auswirkung auf die Höhe der Rentenbeiträge?

Ja. Wie gesagt richtet sich die Höhe der Rentenbeiträge nach dem Pflegegrad des Pflegebedürftigen und nach dem Umfang, in dem professionelle Pflegedienste bei der Versorgung helfen. Beim Pflegebedürftigen selbst muss mindestens der Pflegegrad 2 festgestellt worden sein. Als Faustregel gilt: Je höher der Pflegegrad ist und je weniger professionelle Unterstützung in die Versorgung des Versicherten eingebunden wird, desto mehr Rente bekommen Pflegende für ihre Tätigkeit.

Je höher der Pflegegrad ist und je weniger professionelle Unterstützung in die Versorgung des Versicherten eingebunden wird, desto mehr Rente bekommen Pflegende für ihre Tätigkeit.
Manuela Budewell

Was sind jetzt die Neuerungen für pflegende Rentnerinnen und Rentner?

Die Neuerungen ergeben sich aus dem Flexirentengesetz des Jahres 2017.

Dieses beinhaltet u. a., dass auch für Rentner, die eine volle vorzeitige Altersrente (= Frührente) bekommen, Rentenbeiträge für die ausgeübte Pflege gezahlt werden. Diese erhöhen die Rente ab Erreichen der regulären Altersgrenze (die sog.  Regelaltersgrenze). Erst wenn die reguläre Altersgrenze erreicht ist und die Rente als volle Rente gezahlt wird, entfällt die Beitragspflicht der Pflegekasse.

Neu ist auch, dass die Regelaltersrente nunmehr als Teilrente zwischen 10 und 99 Prozent beantragt werden kann. Wer also jemanden pflegt und seine Altersrente ab Erreichen der regulären Altersgrenze als Teilrente in Höhe von beispielsweise 99 Prozent bezieht, für den werden dann weiterhin Pflegebeiträge gezahlt. Diese erhöhen die Regelaltersrente jeweils zum 01. Juli des Folgejahres. Sollte die Pflegetätigkeit enden, kann die Altersrente wieder als Vollrente beantragt werden.

Info
Regelaltersgrenze

In der deutschen gesetzlichen Rentenversicherung haben Rentenversicherte einen Anspruch auf die sog. Regelaltersrente, wenn sie die Regelaltersgrenze erreicht und eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren hinter sich haben.

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Für die Versicherungspflicht und die damit verbundene Beitragszahlung sollten Sie darauf achten, dass der Pflegebedürftige rechtzeitig einen Antrag auf Pflegegrad und Pflegeleistungen bei der Pflegekasse stellt
Manuela Budewell

Je nach bezogenen Leistungen des Pflegebedürftigen und dem Grad seiner Pflegebedürftigkeit werden von der Pflegekasse Rentenbeiträge zwischen rund 110 und 580 Euro im Monat in die Rentenkasse für den Pflegenden eingezahlt. Nach einem Jahr Pflege kann sich dadurch die spätere monatliche Rente zwischen ca. 6 und 31 Euro erhöhen.

An einem konkreten Beispiel (für die alten Bundesländer und bei Vorliegen aller weiteren Voraussetzungen) festgemacht heißt das: Ein Sohn pflegt seine Mutter mit Pflegegrad 3 allein zuhause. Die Mutter bezieht Pflegegeld. Die Pflegekasse der Mutter zahlt während der Zeit der Pflege für den Sohn einen monatlichen Rentenbeitrag in Höhe von rund 249 Euro, der für ihn in die Rentenkasse eingezahlt wird. Seine monatliche Bruttorente erhöht sich dadurch nach einem Jahr Pflegezeit um ca. 13 Euro.

Hat die Zuzahlung zur Rente Nachteile für die restlichen gezahlten Rentenbeiträge, bspw. aus einer Nebenbeschäftigung oder einer vormals voll ausgeübten Beschäftigung?

Nein – je mehr und je höher die Beiträge zur Rente sind, desto höher ist die spätere Rente!

Wie können pflegende Angehörige die Renten-Beiträge von der Pflegekasse für pflegende Angehörige bekommen? Muss ich die Rente beantragen? Und an wen kann ich mich dann wenden?

Wer ehrenamtlich pflegt, muss keinen separaten Antrag stellen, sondern lediglich einen Fragebogen ausfüllen. Den bekommt man bei der Pflegekasse des Pflegebedürftigen. Wer sich näher informieren möchte, kann dies bei seinem Rentenversicherungsträger, einem ehrenamtlichen Versichertenberater in der Nähe, bei der Kranken- oder Pflegekasse oder auch einem Pflegestützpunkt vor Ort tun.

Haben Sie abschließend noch ein paar Tipps für unsere pflege.de-Leser?

  1. Stellen Sie rechtzeitig einen Antrag auf Pflegeleistungen! Das Engagement für den Pflegebedürftigen allein reicht nicht aus: Für die Versicherungspflicht und die damit verbundene Beitragszahlung sollten Sie darauf achten, dass der Pflegebedürftige rechtzeitig einen Antrag auf Pflegegrad und Pflegeleistungen bei der Pflegekasse stellt und dort auch Angaben zu Ihrer Pflegetätigkeit vornimmt. Der Zeitpunkt der Antragstellung ist wichtig für den Leistungsbeginn.
  2. Informieren Sie sich über Auswirkungen auf die Betriebsrente! Regelaltersrentner sollten sich vor dem Antrag auf eine Teilrente unbedingt bei einer Auskunfts- und Beratungsstelle der Rentenversicherung individuell auch zu Auswirkungen auf eine eventuelle Betriebsrente o. ä. informieren.
  3. Lassen Sie sich die Höhe Ihrer späteren Rente berechnen! Achten Sie auf die gegebenenfalls neben der Pflege ausgeübte Tätigkeit, da diese 30 Stunden in der Woche nicht überschreiten darf, wenn die Rentenbeiträge für die Pflegezeit in Anspruch genommen werden sollen. Beim Arbeitgeber können Sie sich informieren, wie sich eine Reduzierung Ihrer Arbeitsstunden auf Ihr Gehalt auswirkt. Anschließend kann Ihnen die Rentenversicherung mitteilen, wie sich das veränderte Gehalt und die Pflegebeiträge bei Ihrer späteren Rentenhöhe bemerkbar machen.

Vielen Dank für das Gespräch!

Bild: © Manuela Budewell

Erstelldatum: .12.109102|Zuletzt geändert: .82.509102
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