Schmerzmanagement & Schmerztherapie in der Pflege

Weiterleiten
Abbildung

Die „Stiftung Patientenschutz“ geht davon aus, dass mehr als 260.000 Heimbewohner unter chronischen Schmerzen leiden, ohne eine geeignete Schmerztherapie zu erhalten. In der häuslichen Pflege zeigt sich ein ähnliches Bild. Für Sie als pflegender Angehöriger ist es deshalb besonders wichtig zu wissen, dass es viele Therapiemöglichkeiten bei starken oder chronischen Schmerzen gibt.

Um ihnen den Umgang mit Schmerzen im Pflegealltag zu erleichtern, hat pflege.de alles Wissenswerte zum Schmerzmanagement und zur Schmerztherapie in der Pflege verständlich für Sie zusammengefasst.

Inhaltsverzeichnis

Gerade ältere und pflegebedürftige Menschen leiden häufig unter chronischen Schmerzen, unglücklicherweise ohne angemessene Versorgung. Schmerzen zu erkennen, zu behandeln und möglichst zu lindern – das sind die Ziele des Schmerzmanagements und der Schmerztherapie. Die Behandlung richtet sich nach Stärke, Art und Lokalisation der Schmerzen. Eine Behandlungsmöglichkeit ist die Gabe von Medikamenten.

Info

Medikamentengabe

Die grundsätzliche Medikamentenplanung, Verschreibung und Dosierung von Medikamenten gehört ausschließlich in die Hände von Fachkräften, die Vergabe und Darreichung von Medikamenten sowie die Schmerzerfassung kann jedoch sehr gut von pflegenden Angehörigen durchgeführt werden.

Es brennt, es schneidet, es sticht – der Schmerz spricht viele Sprachen und alle erregen in der Regel sofort unsere Aufmerksamkeit. Schmerz signalisiert, dass etwas nicht in Ordnung ist. Die Hand auf der heißen Herdplatte sollte flugs entfernt werden. Dass sie sich gerade dort befindet, signalisiert das Nervensystem.

Schmerz: Definition

Schmerz ist ein „unangenehmes Sinnes- und Gefühlserlebnis, das mit einer tatsächlichen oder drohenden Gewebsschädigung verknüpft ist oder mit Begriffen einer solchen Schädigung beschrieben wird.“ So definieren die Experten der International Association for the Study of Pain (ISAP) den Schmerz (siehe Quelle 1).

Schmerzarten: kurzer Überblick

Muskeln, Knochen, Sehnen, innere Organe – Schmerz kann überall im Körper auftreten, aus unterschiedlichen Gründen und mit unterschiedlichen Schmerzsymptomen. Die folgende Tabelle gibt eine kurze Übersicht:

Bezeichnung Ursache Schmerzsymptome Mögliche Krankheitsursachen (Beispiele)
nozizeptiver/ somatischer Schmerz Schmerzrezeptoren des Körpers
(= Nozizeptoren) reagieren auf Schädigungen
Ziehen, Brennen an einer eindeutig bestimmbaren Stelle des Körpers, bewegungsabhängig
  • Wunden
  • Verbrennungen
  • Verätzungen
  • Entzündungen
viszeraler Schmerz ausgelöst v. a. vom inneren Organ im Bereich des Brustkorbs und Bauchraums eher dumpf, aber auch kolik- oder krampfartig, schlecht lokalisierbar
reflektorischer Schmerz Fehlhaltungen stechend, ziehend, dumpf
  • Rückenschmerzen
  • Spannungskopfschmerzen
psychosomatischer/ psychogener Schmerz seelische Belastungen wie Stress, Trauer etc. stechend, ziehend, dumpf
  • Kopfschmerzen
  • Bauchschmerzen
neuropathischer Schmerz Nervenschmerzen, weil der Nerv selbst geschädigt ist (z. B. durch Verletzung, Gifte, Entzündungen etc.) stechend, brennend, kribbelnd neuropathische Schmerzen können auch auftreten, wenn keine Schädigung mehr vorliegt (= chronischer Schmerz)
Info

Schmerz nicht immer eindeutig zuzuordnen

Zum Teil können auch mehrere Schmerztypen gleichzeitig auftreten, sodass der Schmerz nicht immer in eine spezifische Form eingeordnet werden kann.

Schmerz: akut oder chronisch

Die Hand auf der heißen Herdplatte führt zu einem akuten Schmerzerlebnis, d. h. es gibt einen konkreten Auslöser für den Schmerz. Anders ist das bei der zweiten Art von Schmerz, nämlich dem chronischen (also dauerhaften und bleibenden) Schmerz, der auch dann auftreten kann, wenn keine akute Schädigung mehr vorliegt.

Info

In Deutschland leiden viele Menschen an chronischen Schmerzen

Laut GEK Arztreport 2016 leiden 3,26 Millionen Menschen in Deutschland an chronischen Schmerzen.

Tipp
Nutzen Sie den Pflegegradrechner von pflege.de

Menschen mit körperlicher Einschränkung wissen oft nicht, dass sie einen gesetzlichen Anspruch auf Unterstützung haben. Dazu benötigen sie einen Pflegegrad. Nutzen Sie den kostenfreien Pflegegradrechner von pflege.de und gelangen Sie in nur wenigen Schritten zu Ihrem persönlichen Ergebnis.

Akuter oder chronischer Schmerz: die Unterschiede

Schmerzart akut chronisch
Dauer nur kurz (Stunden bis Tage) lang andauernd (mehr als drei Monate) bzw. wiederkehrend
Ort genau lokalisierbar schwer lokalisierbar
Ursache akutes Ereignis (Schnittwunde etc.) multifaktoriell (bio-psycho-sozial)
Funktion Warnsignal des Körpers keine eindeutig erkennbare Funktion („eigenständige Erkrankung“)
Behandlung Behandlung der Ursache, Schonung langfristige interdisziplinäre Behandlung, Aktivierung, Schmerzbewältigung
Ziele Schmerzfreiheit Verbesserung der Lebensqualität, umfassende Schmerzlinderung

Schmerzmanagement: Definition & Ziele

Das Schmerzmanagement ist so etwas wie die „Verwaltung“ des Schmerzes. Die Ziele sind es, den Schmerz zu erkennen, Therapien einzuleiten und ihre Wirksamkeit zu beurteilen, um dann wieder nachzusteuern, wenn die Therapien nicht erfolgreich waren.

Schmerzmanagement in der häuslichen Pflege

Dank eines Schmerzmanagements sollen bereits erste Anzeichen von Schmerzen erkannt werden, damit eine geeignete Therapie beginnen kann. Dieses Schmerzmanagement liegt in den Händen von Pflegefachkräften und Medizinern. Für Pflegefachkräfte gibt es dafür spezielle Handlungsanweisungen:

  1. den Expertenstandard „Schmerzmanagement in der Pflege bei akuten Schmerzen“
  2. den Expertenstandard „Schmerzmanagement in der Pflege bei chronischen Schmerzen“

Beide Standards verpflichten Pflegefachkräfte dazu, Schmerzen bei Pflegebedürftigen wahrzunehmen und Risikofaktoren für Schmerzen zu erkennen – vom ersten Moment des pflegerischen Auftrages an. Die genaue Therapie und deren Kontrolle ist dann wieder Sache des Arztes.

Ob Sie bereits einen ambulanten Dienst eingeschaltet haben oder Ihren pflegebedürftigen Angehörigen ganz allein versorgen – Sie können dazu beitragen, dass er unter keinen Schmerzen leidet oder diese zumindest gelindert werden. Alles, was Sie dafür brauchen, ist Achtsamkeit und Beobachtungsgabe.

Tipp
Treppenlift

Genießen Sie das Leben im eigenen Zuhause auch bei Schmerzen beim Treppensteigen: Ein Treppenlift schenkt Komfort und Sicherheit. Er schützt Sie vor kritischen Situationen und gefährlichen Stürzen. Wir helfen Ihnen mit unserem Treppenlift-Service gerne dabei, den optimalen Treppenlift zu finden.

So sollten Sie davon ausgehen, dass bei Ihrem Pflegebedürftigen evtl. akute oder chronische Schmerzen vorliegen, wenn er

  • eine akute Verletzung etc. erlitten hat.
  • an einem Geschwür (Dekubitus, Ulcus cruris, diabetischer Fuß) leidet.
  • an Gelenk-, Muskel- oder anderen Erkrankungen (z. B. Arthritis) leidet.
  • in der Vergangenheit oft Schmerzen hatte (z. B. Phantomschmerzen nach Amputation).

In all diesen Fällen sollten Sie mit einem Arzt sprechen. Nur er kann Schmerzen richtig diagnostizieren und eine entsprechende Therapie einleiten. Seien Sie dabei behutsam und arbeiten Sie mit dem Pflegebedürftigen, nicht gegen ihn.

Schmerzmanagement: 5 Tipps für pflegende Angehörige

  1. Zeit nehmen: Nehmen Sie sich Zeit für Ihren pflegebedürftigen Angehörigen, fragen Sie ihn nach Schmerzen und sorgen Sie auch dafür, dass er die Medikamente zur richtigen Zeit, in der richtigen Dosierung und der richtigen Applikationsart erhält – sofern Sie dafür zuständig sind.
  2. Ablenkung ermöglichen: Sprechen Sie über alternative Möglichkeiten, Schmerzen zu lindern. Bei leichten Schmerzen wirkt manchmal schon etwas Ablenkung (Handarbeit, Fernsehen, Vorlesen etc.) schmerzreduzierend.
  3. Angehörigen ernst nehmen: Seien Sie offen für Schmerzäußerungen und nehmen Sie sie ernst (informieren Sie die ambulanten Pflegekräfte bzw. den Hausarzt).
  4. Bestärken Sie den Pflegebedürftigen: Bleiben Sie gelassen, wenn starke schmerzstillende Medikamente verordnet werden – bestärken Sie Ihren Pflegebedürftigen darin, dass solche Medikamente notwendig sind und die Verordnung sorgfältig abgewogen wird.
  5. Schmerzskalen kennen: Machen Sie sich mit Schmerzskalen vertraut und wenden Sie sie an, wenn Ihr pflegebedürftiger Angehöriger sich nicht mehr äußern kann.

Schmerzmanagement: Schmerzerkennung & Schmerzbewertung

Es ist nicht einfach, Schmerzen zu erkennen, wenn Menschen sich nicht äußern können. Doch es gibt eine Reihe von Hilfsmitteln, sog. Schmerzskalen, die Ihnen und dem Betroffenen helfen auszudrücken, ob Schmerzen vorliegen und wie stark sie sind.

Tipp
Lernen Sie mehr über typische Alterskrankheiten

Wissen ist die beste Prävention! Lesen Sie sich auf pflege.de schlau und erfahren Sie, wie typische Krankheiten im Alter aussehen, wie z. B. Thrombose, Diabetes oder Schlaganfall. Informieren Sie sich darüber, wie diese Krankheiten entstehen und was Sie für eine gute Prävention tun können.

Assessmentinstrumente bei Schmerzen

Der englische Begriff Assessment bedeutet so viel wie „Bewertung oder Einschätzung“. Genau darum geht es auch, wenn Assessmentinstrumente bei Schmerzen eingesetzt werden. So ist ein sog. „Initiales Assessment“ eine erste Befragung des Pflegebedürftigen, ob er Schmerzen hat, wie oft diese auftreten, ob sie akut oder chronisch oder wie stark sie sind.

Zu den Schmerz-Assessmentinstrumenten gehören u. a. Formulare für die Befragung, aber auch einige Skalen, mit denen Vorhandensein und Stärke der Schmerzen gemessen werden.

Schmerzintensität: Schmerzskalen

Mit einfachen Skalen können Betroffene bzw. ihre Angehörigen Schmerzen erfragen, erkennen und hinsichtlich ihrer Stärke bewerten. Einige Skalen kann der Betroffene selbst anwenden (Selbsteinschätzung), andere kommen dann zur Anwendung, wenn der Betroffene nicht oder nicht mehr in der Lage ist, seine Schmerzen klar zu äußern und in ihrer Stärke zu beschreiben (Fremdeinschätzung).

Instrumente zur Selbsteinschätzung des Schmerzes

Verbale Rating Skala (VRS): Mit der verbalen Ratingskala wird der Schmerz mit Hilfe von Begrifflichkeiten ausgedrückt und so die Intensität eingestuft. Die Einstufung fällt den meisten Betroffenen leicht, da man die Stärke des Schmerzes sowieso oft verbal mit diesen Begriffen ausdrückt. Sie ist vor allem bei langfristiger Dokumentation wie bei Schmerztagebüchern nützlich (siehe Quelle 2 & 3).

Numerische Rating Skala (NRS): Die Numerische Rating Skala ist vergleichbar mit der Verbalen Rating Skala, jedoch werden bei ihr Zahlen anstatt Begriffe verwendet. Dabei ist die Zahl null gleichbedeutend mit keinem Schmerz und die Zahl zehn mit den stärksten vorstellbaren Schmerzen. Die Skala ermöglicht durch die Zahlenwerte eine noch detailliertere Abstufung der Schmerzintensität.

Visuelle Analog Skala (VAS): Die Visuelle Analog Skala erfasst die Schmerzintensität mit Hilfe eines Reglers. Patienten, die Schwierigkeiten haben, ihre Schmerzen in Zahlen auszudrücken, können dann ihren Schmerz im Verhältnis einordnen. Durch die Skala kann der Schmerz sehr differenziert und in kleinen Abstufungen angegeben werden. Viele der Visuellen Analog Skalen in Papierform haben auf der anderen Seite eine Numerische Rating Skala, womit der Schmerz anschließend quantifiziert werden kann.

Gesichter-Skala: Die Gesichter-Skala eignet sich vor allem zur Einschätzung von Schmerzen bei Kindern, denn ihre Schmerzintensität wird von außen oft missinterpretiert und zum Teil unterschätzt. Kindern ab vier Jahren können daher die Gesichter bzw. Smileys auf der Skala gezeigt werden. Anschließend sollen sie auf ein Gesicht, welches wiedergibt wie sehr ihnen etwas schmerzt, zeigen.

Instrumente zur Fremdeinschätzung – ein Beispiel

Manche Pflegebedürftige sind nicht in der Lage, Schmerzen zu äußern, z. B. weil sie etwa an einer schweren oder mittelgradigen Demenz leiden. Hier ist die Fremdeinschätzung wichtig. Sie als pflegender Angehöriger müssen sehr genau beobachten, ob am Verhalten des Pflegebedürftigen etwas auf Schmerzen hindeutet. Es gibt auch hier wissenschaftlich fundierte Skalen zur Schmerzeinschätzung, z. B. die „Beurteilung von Schmerzen bei Demenz (BESD)“.

Beurteilung von Schmerzen bei Demenz (BESD): Bei der BESD werden je nach Schmerzstärke Punktwerte zwischen 0 und 2 für insgesamt fünf Kriterien vergeben. Hierzu soll der Betroffene zunächst zwei Minuten beobachtet und anschließend eine Punktzahl für jedes Kriterium eingetragen werden.

Die maximale Schmerzstärke bzw. Punktzahl beträgt zehn Punkte. Dabei sind diese Werte jedoch nicht mit denen der numerischen Rating Skala gleichzusetzen, sondern müssen aufgrund des Krankheitsbildes differenziert beurteilt werden. Es kann beispielsweise nicht sichergestellt werden, dass bei einem Punktwert von null Schmerzfreiheit vorliegt, da der Betroffene seine Schmerzen eventuell einfach nicht zeigt (siehe Quelle 4).

Kriterium/Schmerzstärke 0 1 2
Gesichtsausdruck
  • lächelnd
  • neutral
  • traurig
  • ängstlich
  • sorgenvoll
  • „Grimassen“
  • verzweifelt
  • Stirn in Falten gezogen
  • Augen zugekniffen
Körpersprache
  • entspannt
  • angespannt
  • nervöses Hin- und Hergehen
  • Nesteln
  • starr
  • geballte Fäuste
  • angezogene Knie
  • Sich entziehen oder Wegstoßen
  • Schlagen
Trost
  • nicht notwendig
  • Ablenken oder Beruhigen durch Stimme oder Berührungen möglich
  • Trösten, Ablenken, Beruhigen nicht möglich
Atmung (unabhängig von der Lautäußerung)
  • normal
  • gelegentlich angestrengt
  • kurze Phasen von Hyperventilation
    (= beschleunigte Atmung)
  • lautstarkes angestrengtes Atmen
  • lange Phase von Hyperventilation
  • Cheyne-Stoke-Atmung (An- und Abschwellen des Atemflusses mit Atempausen)
negative Lautäußerung
  • keine
  • gelegentliches Stöhnen oder Ächzen
  • leise, negative oder missbilligende Äußerungen
  • Weinen
  • unruhiges, wiederholtes Rufen
  • lautes Stöhnen oder Ächzen

 

Info

Wichtige Info: BESD durch Laien schwer anzuwenden

Bei der Einschätzung von Schmerzen mit den Skalen kommt es auf die richtige Anwendung an. Die BESD-Skala wird beispielsweise als effektiv zur Beurteilung durch Fachkräfte eingestuft, jedoch erzielen Laien damit deutlich schlechtere Ergebnisse. Lassen Sie sich daher die Skalen genau erklären und versuchen Sie nicht, diese ohne Rücksprache anzuwenden.

Tipp
Lassen Sie sich helfen bei Schwierigkeiten!

Seien Sie nicht besorgt, wenn Ihnen die Anwendung einer Skala Schwierigkeiten bereitet. Holen Sie sich Hilfe! Lassen Sie sich von Ihrem Hausarzt oder dem ambulanten Dienst die Anwendung einer Skala zeigen – so helfen Sie dabei, evtl. Schmerzen bei Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen zu erfassen und regelmäßig zu kontrollieren. Einige Assessmentinstrumente gehören auch in die Hand einer erfahren professionellen Pflegefachkraft.

Schmerztherapie: Definition

Mit dem Begriff „Schmerztherapie“ werden alle therapeutischen Maßnahmen bezeichnet, die der Schmerzlinderung dienen. Da zumeist mehrere Fachdisziplinen (Ärzte, Psychologen, Physiotherapeuten etc.) in der Schmerztherapie zusammenarbeiten, wird auch von „Schmerzmanagement“ gesprochen. Die Schmerztherapie ist sozusagen ein Teil des Schmerzmanagements.

Ein anerkanntes Schema zur Behandlung von Schmerzen, ist das der Weltgesundheitsorganisation. Der Einsatz und die Verabreichung von Schmerzmedikamenten folgen stets einem festen Plan und sind u. a. abhängig davon, ob akute oder chronische Schmerzen bekämpft werden müssen.

  1. Schmerztherapie bei akuten Schmerzen: Bei akuten Schmerzen kommt es auf einen raschen Wirkbeginn an, der aber nur kurz anhält. Zumeist wird hier auch nur ein Medikament über einen kurzen Zeitraum (Stunden, Tage) gegeben.
  2. Schmerztherapie bei chronischen Schmerzen: Bei chronischen Schmerzen erfolgt oft eine Gabe mehrerer Medikamente, die in regelmäßigen Abständen (über Wochen und sogar Jahre) gegeben werden. Sie wirken eher langsam und haben eine entsprechend lange Wirkungsdauer.
Info

Beratungseinsatz für Pflegegeldempfänger

Pflegegeld-Bezieher sind ab Pflegegrad 2 gesetzlich dazu verpflichtet, in bestimmten Abständen Beratungseinsätze nach § 37.3 SGB XI in Anspruch zu nehmen. So soll die Qualität der Pflege in der häuslichen Umgebung gesichert werden. Pflegefachkräfte geben Angehörigen dabei hilfreiche Tipps zur Pflege und individuellen Hilfestellung.

Schmerztherapie: Schmerz-Stufenschema nach WHO

Der WHO-Stufenplan ist eine medikamentöse Schmerztherapie in drei Stufen. Sie beginnt mit Nicht-Opioiden, geht über schwach wirkende Opioide bis hin zu stark wirksamen Opioiden (z. B. Morphin).

Schmerzlinderung – es müssen nicht immer Medikamente sein

Ein und derselbe Schmerz wird nicht immer gleich wahrgenommen. Wenn wir abgelenkt sind, fallen uns Schmerzen manchmal weniger auf. Diese Erkenntnis aus vielen Studien können Sie auch als pflegender Angehöriger nutzen:

  • Helfen Sie Ihrem pflegebedürftigen Angehörigen durch eine verständnisvolle Haltung.
  • Fragen Sie ihn, was ihm guttun könnte (Arzt rufen oder einfach die Hand halten?).
  • Lassen Sie den Pflegebedürftigen nicht allein, wenn er Schmerzen hat.
  • Führen Sie – in Absprache mit dem Arzt oder Therapeuten – Bewegungs- oder Atemübungen durch, wenn diese erfahrungsgemäß schmerzlindernd wirken.
  • Suchen Sie gemeinsam mit dem Pflegebedürftigen nach Beschäftigungen, die vom Schmerz ablenken.

All diese Maßnahmen können Schmerzen lindern und die Lebensqualität Ihres Angehörigen steigern. Die Voraussetzung ist allerdings, dass Art und Ursache der Schmerzen festgestellt und auch soweit wie möglich therapeutisch behandelt werden.

Info

Medizinisches Cannabis zur Schmerzlinderung

Seit 2017 ist medizinisches Cannabis in Deutschland zugelassen und auf Rezept erhältlich. Die genaue Wirkung der in den Cannabis-Pflanzen enthaltenen Substanzen ist nicht bekannt, es wird jedoch davon ausgegangen, dass die Wirkung insgesamt hemmend ist und eine Verlangsamung im Gehirn stattfindet. Konsumenten fühlen sich entspannt und euphorisch, was dazu führen kann, dass sie Schmerzen nicht mehr als störend empfinden. Der Schmerz wird also eigentlich nicht gemindert, sondern der Patient wird erfolgreich abgelenkt (siehe Quelle 5).

Multimodale Schmerztherapie: Die Kombination macht’s

Eine Therapie bei chronischen Schmerzen wird in manchen Fällen als multimodale Behandlung angeboten. Diese multimodale Therapie (Anwendung mehrerer Behandlungsmaßnahmen) kommt dann in Frage, wenn unimodale Therapien, also einzelne Therapiemaßnahmen, nicht das gewünschte Ziel der Schmerzlinderung erreicht haben und über einen Zeitraum von mindestens zwölf Wochen wirkungslos blieben. Zur Auswahl bzw. Kombination steht eine Vielzahl von therapeutischen Maßnahmen:

  • Medikamente (z. B. gegen Schmerzen und Entzündungen oder Depressionen wie Altersdepressionen)
  • Physikalische Therapie (z. B. Bewegungstherapie, Krankengymnastik, Sporttherapie, aber auch Massagen, Wärme-, Kälte- und Wasseranwendungen)
  • Psychologisch-verhaltensmedizinische Therapie (z. B. Patientenschulungen, Entspannungsübungen)
  • Invasive Verfahren (z. B. Injektionen zur örtlichen Betäubung)
  • Komplementäre Verfahren (z. B. Akupunktur und Nervenstimulation)

Multimodale Therapie sinnvoll?

Eine multimodale Therapie ist sinnvoll, wenn der Patient mindestens drei der folgenden fünf Fragen mit Ja beantwortet:

  1. Beeinträchtigt der chronische Schmerz Ihre Lebensqualität?
  2. Sind einzelne Schmerztherapien (z. B. Medikamente oder physikalische Maßnahmen) wirkungslos geblieben?
  3. Leiden Sie unter einer Medikamentenabhängigkeit?
  4. Leiden Sie unter psychischen Begleiterkrankungen, die den Schmerz verstärken?
  5. Leiden Sie unter körperlichen Erkrankungen wie Diabetes, Herzerkrankungen, Lungenerkrankungen etc.?

Wenn der behandelnde Hausarzt die Antworten des Betroffenen bestätigt, sind die Voraussetzungen für eine multimodale Schmerztherapie erfüllt.

Info

Recht auf Schmerztherapie

Jeder Schmerzpatient hat einen rechtlichen Anspruch auf eine individuelle Schmerztherapie, denn die ärztliche Berufsordnung verpflichtet die Ärzte dazu, Leiden zu lindern – und das ist das Ziel einer Schmerztherapie.

Wie hat Ihnen der Artikel gefallen?

/ 5 Bewertungen

Sie haben bereits bewertet.
Vielen Dank! Haben Sie noch Anmerkungen oder Verbesserungsvorschläge?
Vielen Dank für Ihre Anmerkungen!
Erstelldatum: 9102.90.02|Zuletzt geändert: 0202.80.72
Deutsche Schmerzgesellschaft e.V.
https://www.dgss.org/patienteninformationen/herausforderung-schmerz/was-ist-schmerz/
Deutsches Netzwerk für Qualitätsentwicklung in der Pflege
https://www.dnqp.de/de/instrumente-schmerzeinschaetzung/
International Association for the study of pain
http://www.iasp-pain.org/Education/Content.aspx?ItemNumber=1519&navItemNumber=577
Grünewald, Doris (Charité Universitätsmedizin Berlin)
https://www.dbfk.de/media/docs/regionalverbaende/rvno/AGPQ/2015_05_08_Gruenewald_Schmerzen-erkennen-aber-wie.pdf
Deutsches Ärzteblatt
https://www.aerzteblatt.de/blog/98040/Kann-Cannabis-Schmerzen-wirklich-lindern
Grafiken
pflege.de
Pflegegradrechner
Services
Einfach, schnell und kostenlos zum persönlichen Ergebnis
Kostenlose Pflegehilfsmittel small
Services
Kostenlose Pflegehilfsmittel monatlich nach Hause
Pflegeberatung Paragraph 37.3
Services
Kostenlose Pflegeberatung - Pflicht bei Pflegegeld-Bezug!
Notruflotse Serviceteaser
Services
Der Notruflotse - Geräte, Anbieter & Preise vergleichen!
Abbildung
Services
Kostenlos individuelle Pflegeschulung erhalten
Demenz - Demenzformen
Ratgeber
Demenz – Demenzformen, Diagnose, Ursachen, Symptome & Test
24 Stunden Pflege finden Small
Services
24-Stunden-Pflegekraft ganz einfach legal anstellen
Seniorensport - Fit im Alter bleiben
Ratgeber
Seniorensport: Fit im Alter
Das könnte Sie auch interessieren