Chronische Polyarthritis / Rheumatoide Arthritis

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Rheumatoide Arthritis / Polyarthritis

Die rheumatoide Arthritis oder chronische Polyarthritis ist die häufigste entzündliche Gelenkerkrankung in Deutschland. pflege.de gibt Ihnen einen Überblick über die Symptome, den Krankheitsverlauf und die bewährtesten Methoden zur Linderung von Gelenkschmerzen.

Inhaltsverzeichnis

Definition: Rheumatoide Arthritis / Chronische Polyarthritis

Was ist eine rheumatoide Arthritis bzw. eine chronische Polyarthritis? Wenn Sie sich mit diesem Krankheitsbild auseinandersetzen, werden Ihnen beide Begriffe begegnen. Tatsächlich ist „Rheumatoide Arthritis“ die internationale Bezeichnung. In Deutschland sprechen die Mediziner von der „Chronischen Polyarthritis“. „Rheuma“ ist eine Sammelbezeichnung für viele nicht verletzungsbedingte Erkrankungen des Binde- und Stützgewebes.

Die rheumatoide Arthritis bzw. chronische Polyarthritis ist eine chronische Gelenksentzündung an vielen Gelenken. Im Gegensatz zu einer akuten (Poly-)Arthritis gehen die Entzündungen auch nach Tagen oder Wochen nicht zurück. Man spricht ab einer Dauer von sechs Wochen von einer „chronischen Arthritis“.

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Frauen häufiger betroffen als Männer

Frauen sind rund dreimal häufiger von einer chronischen Polyarthritis /rheumatoiden Arthritis betroffen als Männer. Experten schätzen, dass rund 1 Prozent der Weltbevölkerung an dieser Erkrankung leidet. Eine chronische Polyarthritis kann übrigens in jedem Lebensalter auftreten, am häufigsten jedoch zwischen dem 40. und 60. Lebensjahr.

Chronische Polyarthritis: Symptome

Es sind zunächst oft die kleinen Gelenke wie Fingermittel- oder Zehengrundgelenke, bei denen sich eine chronische Polyarthritis bemerkbar macht. Die ersten Anzeichen einer rheumatoiden Polyarthritis sind:

  • Schmerzen (z. B. bei einem Händedruck, sog. „Begrüßungsschmerz“)
  • Schwellungen in den Gelenken
  • Hitzegefühl in den Gelenken
  • Funktionseinschränkungen

Wenn Sie solche Anzeichen an Finger, Zehen, Hand oder Fuß feststellen, sollten Sie immer an eine rheumatoide Polyarthritis denken – und sofort handeln. Wenn Sie nichts unternehmen, lassen Sie der Entzündung „freien Lauf“ bei ihrem Zerstörungswerk.

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Sind zunächst nur Finger, Hand, Zehen oder Fuß betroffen, so wird die Krankheit, wenn sie unbehandelt bleibt, auf weitere Gelenke übergreifen. Wie nach Plan entzünden sich die Gelenke dann systematisch: Zunächst die Fingergrundgelenke, dann die Kniegelenke, Handgelenke, Sprunggelenke, Zehen-, Ellenbogengelenke bis hin zur Halswirbelsäule.

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Chronische Polyarthritis und rheumatoide Arthritis meint dasselbe

In Deutschland sprechen die Mediziner von der „chronischen Polyarthritis“. Die „rheumatoide Arthritis“ ist die internationale Bezeichnung. Auf Arztbriefen wird die Krankheit mit „RA“ oder „cP“ abgekürzt.

Rheumatoide Arthritis in Hand & Finger

Seien Sie achtsam und handeln Sie nicht nach dem Motto „Ein Indianer kennt keinen Schmerz“. Natürlich können geschwollene Finger auch eine ganz andere Ursache haben. Aber Sie sollten in jedem Fall eine chronische Polyarthritis bzw. rheumatoide Arthritis ausschließen lassen. Machen Sie doch einfach einen kleinen Test:

  1. Schmerzen Ihre Finger, wenn Sie jemandem die Hand geben?
  2. Sind Ihre Finger oder Hände morgens steif und bleiben das sogar den ganzen Tag über?
  3. Fühlen Sie sich müde und abgeschlagen?
  4. Verlieren Sie an Gewicht und leiden unter Appetitlosigkeit?
  5. Haben Sie leichtes Fieber?

 

Wenn Sie auf mehrere dieser Fragen mit „Ja“ antworten, sollten Sie auf jeden Fall Ihren Hausarzt aufsuchen und sich gründlich untersuchen lassen. Eine unbehandelte Polyarthritis kann z. B. Sehnenscheiden- oder Schleimbeutelentzündungen auslösen. Schlimmstenfalls entzünden sich sogar Organe wie Rippenfell oder Herzbeutel.

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Rheumaknoten

Manchmal entstehen im Verlauf einer chronischen Polyarthritis auch sog. Rheumaknoten: kleine, harte Knoten unter der Haut, die sich verschieben lassen. Sie kommen bei ca. 30 Prozent der Patienten vor und treten im Bereich der Sehnen, Bänder Ohren und Knochenvorsprüngen auf.

Rheumatoide Arthritis: Ursachen

Noch immer ist die Ursache einer chronischen Polyarthritis nicht genau bekannt. Vermutet wird etwa eine fehlerhafte Reaktion des Immunsystems (sog. Autoimmunerkrankung), bei der die Immunzellen den Körper selbst angreifen, statt sich um Eindringlinge von außen zu kümmern. Auch eine erbliche Veranlagung wird als Verursacher diskutiert. Ebenso könnten Gifte wie z. B. Tabakrauch die Entstehung einer rheumatoiden Arthritis mitbedingen. Eine relativ klar bestimmbare Ursache für eine rheumatoide Arthritis bzw. chronische Polyarthritis sind Infektionen, bei denen Bakterien in den Körper eingedrungen sind. Neue Erkenntnisse zeigen auch, dass es entzündungsfördernde Hormone (sog. Zytokine) gibt, die bei der Entstehung einer chronischen Polyarthritis eine Rolle spielen.

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Rheumatoide Arthritis: Verlauf & Stadien

Jede rheumatoide Polyarthritis nimmt einen individuellen Verlauf mit besseren und schlechteren Phasen. Viele Patienten müssen allerdings erkennen, dass sich das Krankheitsbild der rheumatoiden Polyarthritis verschlechtert und sich ihre Beschwerden im Laufe der Jahre verschlimmern und die beschwerdefreien Zeiträume kürzer werden.

Wenn sich eine Erkrankung plötzlich verschlimmert, sprechen die Mediziner von einem sog. Schub. Ein Schub ist eine zeitlich begrenzte Phase mit akuter Symptomatik, die in der Regel bleibende Veränderungen hinterlässt. Ein therapeutisches Ziel bei der Behandlung einer chronischen Polyarthritis ist die Verminderung dieser Schübe.

Rheumatoide Arthritis: Diagnose

Eine chronische Polyarthritis sicher zu diagnostizieren, ist eine wahre Herausforderung für jeden Arzt. Gerade zu Anfang geben die Blutwerte bei rheumatoider Arthritis noch keine klaren Hinweise. Oft fehlen etwa die sog. Rheumafaktoren (seronegative Polyarthritis) und die Blutsenkungsgeschwindigkeit ist normal.

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Bei der Spurensuche ist Ihr Arzt auf Ihre Mithilfe angewiesen. Wenn Sie die Vermutung haben, dass bei Ihnen evtl. eine Polyarthritis aufgetreten ist, dann sollten Sie Ihren Arztbesuch besonders gründlich vorbereiten. Versuchen Sie, folgende Fragen schon im Vorfeld zu klären.

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Checkliste zur Vorbereitung auf den Arztbesuch:

  • Sind Angehörige von Ihnen an Gelenkentzündungen erkrankt?
  • Haben/hatten Sie einen Beruf, der Sie schädigenden Stoffen oder starken körperlichen Belastungen aussetzt(e)?
  • Hatten Sie in letzter Zeit eine Infektion?
  • Fühlen Sie sich müde oder abgeschlagen?
  • Hatten/haben Sie leichtes Fieber?
  • Sind Ihre Finger, Zehen oder andere Gelenke morgens sehr steif?
  • Wie viele Gelenke machen Ihnen Schwierigkeiten?
  • Ernähren Sie sich abwechslungsreich?

Ihr Arzt wird Ihnen diese und noch mehr Fragen stellen. Er wird Sie eingehend körperlich untersuchen, möchte von Vorerkrankungen, Operationen und Allergien erfahren. Seien Sie offen und verschweigen Sie auch nicht, wenn Sie rauchen. Tatsächlich scheint gerade das Rauchen eine der Ursachen von Arthritis zu sein.

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Psychologische Betreuung bei Polyarthritis

Auch eine psychologische Beratung kann bei einer chronischen Polyarthritis hilfreich sein. Vor allem dann, wenn Sie von Ihrem Arzt aufgefordert werden, Gewicht zu verlieren (um die Gelenke zu entlasten) oder das Rauchen aufzugeben. Sprechen Sie offen mit Ihrem Arzt, ob und welche Hilfe Sie brauchen. Eine gute Anlaufstelle ist die deutsche Rheumaliga.

Ihr Arzt wird sich bei seiner Diagnose evtl. nach den sog. ACR-Kriterien richten (ACR = American College of Rheumatology), von denen bei der Feststellung einer rheumatoiden Polyarthritis mindestens vier vorliegen sollten.

  • Morgensteife (mind. eine Stunde anhaltend)
  • Entzündung in drei oder mehr Gelenken
  • Arthritis der Hand
  • Symmetrische Arthritis (betroffen sind die gleichen Gelenkregionen auf beiden Körperseiten, also z.B. beide Hände
  • Vorhandensein von Rheumaknoten
  • Rheumafaktoren im Blut
  • Gelenkveränderungen, die in einem Röntgenbild sichtbar sind.

Da diese Faktoren vor allem im Frühstadium der Erkrankung nicht immer vorliegen, haben europäische Mediziner der EULAR (europäische Rheumatologie-Gesellschaft) den Test noch ein wenig erweitert. Sie nutzen unter anderem ein Punktesystem, bei dem der Patient ab einer Zuteilung von sechs Punkten eindeutig als rheumatoide Arthritis-Patient eingestuft wird. Ihr Arzt sollte sich bei seiner Diagnosefindung auf wissenschaftlich erarbeitete Standard-Fragebögen stützen, um sich ein möglichst umfassendes Bild zu machen. Hausärzte, Internisten und Orthopäden können nur einen Verdacht auf die Krankheit rheumatoide Arthritis aussprechen. Die Diagnose sollte von einem Rheumatologen gestellt werden.

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Rheumatoide Arthritis: Behandlung & Therapie

Die beste Arthritis-Behandlung ist jene, die frühzeitig, maximal vier Monate nach Krankheitsbeginn, einsetzt. Es geht bei der Behandlung vor allem darum, Ihr Leiden zu lindern, Ihnen also die Schmerzen zu nehmen, die Entzündungen zu bekämpfen und Ihnen Ihre Beweglichkeit zu erhalten.

Ist eine rheumatoide Arthritis / chronische Polyarthritis heilbar? Zum aktuellen Zeitpunkt muss diese Frage noch verneint werden. Eine rheumatoide Arthritis / chronische Polyarthritis ist noch nicht heilbar. Aber durch den Einsatz von Medikamenten gelingt es häufig, die schmerzfreien Intervalle zu verlängern und die Krankheitsschübe deutlich zu verringern.

Möglichkeiten der Therapie: Rheumatoide Arthritis / chronische Polyarthritis ohne Medikamente behandeln

  1. Gelenkersatz
    In manchen Fällen, wenn etwa Gelenke bereits massiv zerstört sind oder aber die medikamentöse Therapie nicht ausreicht, kommt eine Operation in Frage, bei der die Gelenke ersetzt werden.
  2. Künstliche Gelenkversteifung
    Ist ein Gelenkersatz nicht möglich, so kann auch eine operativ Gelenkversteifung Schmerzlinderung bringen. Manchmal genügt es auch, wenn der Chirurg ein Gelenk von zerstörtem Gewebe befreit.
  3. Physio- und/oder Ergotherapie
    Ein weiterer Baustein der Therapie sind Bewegungsübungen im Rahmen einer Physio- und/oder Ergotherapie.
  4. Kälte- und Wärmeanwendungen
    Auch Kälte- oder Wärmeanwendungen können hilfreich sein. Bäder in Schwefel- oder Solebädern lindern Schmerzen und Verspannungen, die leicht entstehen, wenn man sich nicht richtig bewegen kann.

Möglichkeiten der Therapie: Rheumatoide Arthritis / chronische Polyarthritis medikamentös behandeln

Zu Beginn einer Arthritis-Behandlung werden sog. Basistherapeutika eingesetzt. Gelegentlich werden diese Medikamente einzeln eingesetzt, manchmal miteinander kombiniert. Basistherapeutika wirken nicht sofort, sondern oft erst nach ein bis vier Monaten. Sie müssen also Geduld haben. Ihr Arzt sollte in dieser Zeit regelmäßig Ihr Blut untersuchen, denn alle Medikamente können mitunter schwerwiegende Nebenwirkungen haben (z. B. Nieren- oder Leberstörungen). Deshalb müssen Sie als Patient regelmäßig zur Kontrolluntersuchung gehen.

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Biologicals bei Polyarthritis

Einen heilenden Effekt auf die Arthritis verspricht eine neue Art von Medikamenten, die sog. Biologicals. Das sind gentechnisch hergestellte Hemmstoffe, die Entzündungen wirksam bekämpfen und das Fortschreiten der Arthritis aufhalten können.

Tipp
Heilpflanzen

Heilpflanzen wie die Teufelskralle oder Fischöl-Präparate zeigen bei einer Arthritis durchaus gute Effekte. Besprechen Sie den Einsatz solcher Helfer vorab mit Ihrem Arzt, um das Risiko von möglichen Nebenwirkungen auszuschließen.

Rheumatoide Arthritis: Den Alltag bewältigen

Sollten Sie derart stark von einer rheumatoiden Arthritis betroffen sein, dass Sie Ihren Alltag nicht mehr richtig bewältigen können, sollten Sie darüber nachdenken, sich Hilfe zu holen. Für viele Hilfsmittel aus dem Hilfsmittelverzeichnis übernimmt Ihre Pflegekasse die Kosten. Diese unterstützen Sie dabei, Ihren Alltag selbständig zu gestalten. Beispielsweise, indem Sie einen Rollator als Gehhilfe verwenden oder sich Haltegriffe im Badezimmer einbauen lassen. Sogar der Umbau des Badezimmers in ein barrierefreies Bad wird unter bestimmten Voraussetzungen (Wohnraumanpassung bei anerkanntem Pflegegrad) gefördert. Ziehen Sie auch die Möglichkeit einer Haushaltshilfe oder einer anderen Dienstleistung für Senioren in Betracht. Voraussetzung für die Übernahme vieler Kosten ist, dass der Medizinische Dienst der Krankenversicherung (MDK) oder MEDICPROOF Sie in einen der fünf Pflegegrade einstuft. Ob Sie Anspruch auf einen Pflegegrad haben, können Sie mit dem kostenlosen Pflegegradrechner von pflege.de überprüfen.

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Rheumatoide Arthritis: Ernährung – 3 Tipps aus der Küche

Eine direkte Arthritis-Diät gibt es nicht. Allerdings bringen bestimmte Produkte und manches Essverhalten viele Vorteile bei einer rheumatoiden Arthritis mit sich:

  1. Ein erster Tipp für alle, die ein wenig mehr auf den Rippen haben: Jedes Kilogramm Körpergewicht, das nicht auf Ihren Gelenken lastet, schont diese! Abnehmen durch eine reduzierte Nahrungsaufnahme bei übergewichtigen Arthritis-Patienten kann also schon erste Schmerzen lindern.
  2. Ein zweiter Tipp gilt den Fleischessern unter Ihnen: Fleisch enthält Arachidonsäure und aus der bildet der Körper Stoffe, die Entzündungen fördern. Eine fleischarme oder gar -freie Kost (vegetarisch) ist für Arthritis-Patienten deshalb durchaus vorteilhaft.
  3. Ein dritter Tipp betrifft die ausreichende Kalzium- und Vitaminzufuhr. Milch und Milchprodukte sowie Gemüse, Obst und Getreideprodukte versorgen Ihren Körper mit Kalzium und Vitaminen. Mit dieser Ernährung können Sie u.a. Ihre Knochen und Gelenke stärken und auch einer Osteoporose vorbeugen.
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Erstelldatum: .81.018102|Zuletzt geändert: .02.909102
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