Stoma: Versorgung und Pflege

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Wenn bei Ihnen oder Ihrem Angehörigen ein Stoma angelegt werden muss, kommen erst einmal viele praktische Fragen auf: Kann ich das Stoma selbst versorgen? Welche Hygieneregeln sind zu beachten? Wie oft muss ich den Beutel wechseln? Haben sich die Betroffenen aber an den Umgang mit ihren künstlichen Ausgängen gewöhnt, stellen sie meist fest: Es ist gar nicht so schwer und die Lebensqualität steigt von Tag zu Tag.

pflege.de stellt Ihnen die Versorgung und Pflege der unterschiedlichen Stoma-Arten vor und geht dann auf die wichtigsten Maßnahmen vor allem für die häufigsten von ihnen, dem künstlichen Darm- sowie Blasenausgang, genauer ein.

Inhaltsverzeichnis

Definition: Was versteht man unter Stomaversorgung und Stomapflege?

Ein Stoma ist eine operativ hergestellte Körperöffnung, die lebensnotwendige Funktionen wie Ausscheidung, Ernährung oder Atmung unterstützt. Jedes Stoma wird mit einem speziellen Stomasystem, auch Stomaanlage genannt, versorgt. Es gibt für jede Stomaart ein passendes System. Bei einem Enterostoma wie bei einem Urostoma besteht es beispielsweise aus einer auf der Haut angebrachten Stomaplatte und einem Stomabeutel, der die Ausscheidungen auffängt. Die Stomaversorgung beschreibt zum einen den Wechsel und/oder die Reinigung der einzelnen Bestandteile dieses Systems. Zum anderen zählen die Pflege des Stomas selbst und der umliegenden Haut zur Stomaversorgung.

Arten der Stomaversorgung

Je nachdem, welche Stomaart vorliegt, zählen verschiedene Aufgaben zur Stomaversorgung:

  • Enterostoma (künstlicher Darmausgang) – Wechseln der Stomaanlage und des Beutels
  • Urostoma (künstlicher Blasenausgang / Harnableitung) – Wechseln der Stomaanlage und des Beutels
  • Gastrostoma (künstlicher Magenausgang) – Verabreichung der Sonderkost, Spülen der Magensonde
  • Tracheostoma (künstliche Öffnung an der Luftröhre) – Reinigung und Wechsel der Kanüle, Sekretmanagement

Was bei allen Stomaarten gleichermaßen im Fokus der Versorgung steht, ist die Reinigung und Pflege des Stomas selbst sowie der Haut, die das Stoma umgibt.

Hinzu kommt gegebenenfalls das Wundmanagement. Jedes Stoma ist eine operativ erzeugte Körperöffnung. Die entstandene Wunde darf sich nicht entzünden. Daher ist es wichtig, die Wundheilung zu unterstützen und rechtzeitig Problem zu erkennen.

Versorgung von Enterostoma und Urostoma

Die Versorgung von einem Enterostoma unterscheidet sich kaum von der eines Urostomas: Mit Ausscheidungen gefüllte Beutel müssen geleert oder ausgetauscht werden.

Die dafür notwendigen Versorgungssysteme lassen sich grundsätzlich in zwei Varianten einteilen, dem einteiligen und zweiteiligen Stomasystem. Beide bestehen aus einer Hautschutzplatte und einem Beutel, in dem sich die Körperausscheidungen sammeln.(1)

1. Einteiliges Stomasystem

Beim einteiligen Stomasystem ist der Beutel fest an die selbsthaftende Hautschutzplatte angebracht. Er schließt die Ausscheidungen sicher und geruchsdicht ein, bis entweder das komplette System gewechselt oder der Inhalt durch einen Auslass in die Toilette entleert wird. Bei sogenannten Ausstreifbeutel geschieht dies, indem Sie die Ausscheidungen herausdrücken.

Die Hautschutzplatte kann glatt oder konvex (nach außen gewölbt) sein. Die konvexe Form haftet besser an runden Hautstellen und Körperfalten. Das einteilige Stomasystem muss ein bis drei Mal pro Tag gewechselt werden.

  • Bessere Haftung
  • Lässt sich gut unter der Kleidung kaschieren
  • Viele Träger empfinden das System als bequemer und hygienischer
  • Wechsel ist aufwändiger, da die Haut jedes Mal gereinigt werden muss
  • Haut wird durch den täglichen Wechsel stärker gereizt
  • Es wird mehr Material benötigt

2. Zweiteiliges Stomasystem

Bei der zweiteiligen Stomaanlage heißt die Hautschutzplatte Basisplatte, denn sie bildet die Basis für den abnehmbaren Beutel. Er lässt sich über einen Rastring befestigen und wieder ablösen. Der Beutel kann nach Gebrauch weggeworfen und durch einen neuen ersetzt werden. Auch für das zweiteilige Stomasystem gibt es Ausstreifbeutel, die Sie wiederverwenden können, nachdem Sie sie in der Toilette entleert haben.

Wie beim einteiligen System gibt es glatte oder konvexe Hautschutzplatten. Sie müssen aber bei zweiteiligen System nur etwa alle drei bis fünf Tage gewechselt werden.

  • Basisplatte ist ohne Beutel einfacher aufzukleben
  • Es können je nach Bedarf unterschiedliche Beutel verwendet werden
  • Geringerer täglicher Zeitaufwand zum Wechseln
  • Die Haut wird nicht so stark beansprucht, da die Platte weniger oft abgezogen wird
  • Rastring wird bei einigen Modellen als störend empfunden
  • Bei starker Beanspruchung kann sich der Beutel lösen

Versorgung eines Gastrostomas

Bei einem Gastrostoma wird ein flexibler Kunststoffschlauch operativ durch die Bauchdecke in den Magen gelegt (PEG-Sonde). Über diesen Schlauch erhalten Menschen ihre Nahrung, denen Essen und Trinken über den Mund nicht mehr möglich ist.

Info
Künstliche Ernährung mit PEG-Sonde

PEG ist die Abkürzung für perkutane endoskopisch kontrollierte Gastrostomie. Eine PEG-Sonde kommt bei der enteralen Ernährung zum Einsatz, wenn ein Patient nicht über die Nase (transnasal) sondern über die Bauchdecke künstlich ernährt werden muss.

Bei einem Gastrostoma zählt das Verabreichen der Sondenkost und die Reinigung der Sonde zu den täglichen Versorgungstätigkeiten. Damit die Magensonde nicht verstopft, Müssen Sie sie immer vor und nach der Nahrungsgabe gut durchspülen.

Außerdem gehört kurz nach dem Anlegen des Gastrostomas der Verbandswechsel zur Standardpflege. Sobald die Wunde aber vollständig abgeheilt ist, können Sie nach Rücksprache mit dem Arzt auf einen Verband verzichten.(2)

Versorgung eines Tracheostomas

Zu einer künstlichen Öffnung an der Luftröhre gehört ein komplett anderes Stomasystem. Bei dem sogenannten chirurgischen Tracheostoma besteht es meist aus einer äußeren und einer inneren Kanüle. Neben der Pflege des Tracheostomas gehört die Reinigung und der Wechsel der inneren Kanüle sowie das Sekretmanagement zur täglichen Versorgungsroutine.

Es gibt darüber hinaus die sogenannte Perkutane Dilatationstracheotomie (PDT), die aber nur für kurze Behandlungen, in der Regel noch im Krankenhaus, zum Einsatz kommt und daher keine Bedeutung in der Stomaversorgung zuhause hat.

Reinigung der Kanüle

Die Außenkanüle wird durch Fachpersonal oder einen Arzt in regelmäßigen Abständen steril gereinigt. Wie oft das geschieht hängt vom Zustand des Stomas ab, mindestens aber nach 28 Tagen. Die Innenkanüle können Sie nach fachkundiger Einweisung selbst reinigen – je nach Sekretmenge ein- bis mehrmals täglich.

Sekretmanagement

Zusätzlich zum Wechsel und zur Reinigung der Kanüle geht es bei der Versorgung eines Luftröhrenstomas um das sogenannte Sekretmanagement. Das bedeutet, dass Sie regelmäßig überschüssiges Sekret absaugen, um die Atmung der betroffenen Person zu erleichtern.

Wie Sie dabei Schritt für Schritt vorgehen, erklärt der Ratgeber Tracheostoma.

Stomaversorgung zuhause

Viele Menschen mit einem Stoma versorgen es selbst. Das gilt insbesondere für Träger eines künstlichen Darm- oder Blasenausgangs. Sie kennen ihren Körper am besten und können die Pflege und Versorgung ihres Stomas optimal auf ihre Bedürfnisse anpassen. Lediglich körperlich eingeschränkte Stoma-Patienten brauchen Unterstützung bei der Stomaversorgung. Dasselbe gilt für Betroffene mit einem Gastrostoma.

Schwieriger ist die selbstständige Versorgung eines Stomas an der Luftröhre (Tracheostoma). Erst nach einer professionellen Schulung durch einen Stomatherapeuten können die Betroffenen oder ihre Angehörigen sie selbst durchführen.

Unterstützung durch Angehörige oder Pflegedienst

Gerade in der häuslichen Pflege leisten Sie als pflegende Angehörige wichtige Unterstützungsarbeit bei der Stomaversorgung. An Ihrer Seite sollten Sie möglichst einen ambulanten Pflegedienst wissen: Er kann Sie in die alltäglichen Tätigkeiten einweisen und bei Problemen fachkundig beraten.

Tipp
Pflegegrad bei Unterstützungsbedarf

Menschen, die Unterstützung im Alltag oder bei Verrichtungen wie beispielsweise der Versorgung des Stomas benötigen, haben eventuell Anspruch auf einen Pflegegrad und damit auf finanzielle Unterstützung. Prüfen Sie mit dem kostenlosen Pflegegradrechner, ob das auch auf Sie zutrifft.

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Professionelle Hilfe von Stomatherapeuten

Egal welche Art von Stoma Sie versorgen müssen: Es ist ratsam, einen sogenannten Stomatherapeuten zurate zu ziehen. Er versorgt Sie mit Praxiswissen und Tipps im Auftrag Ihrer Krankenkasse und rechnet auch direkt mit ihr ab. Der Experte für künstliche Körperausgänge berät Sie bereits im Krankenhaus, direkt nach der Stoma-Operation. Er wird Sie, bei Bedarf, aber auch weiterhin zuhause unterstützen und Ihnen im Umgang mit Ihrem Stoma helfen.

Hilfsmittel für Entero- und Urostoma

Beim künstlichen Darmausgang und künstlichen Blasenausgang kommen ähnliche Versorgungssysteme zum Einsatz. Sie bestehen aus einer Hautschutzplatte und einem Beutel.

Hautschutzplatten

Die Hautschutzplatte hat zwei Aufgaben: Zum einen schützt sie die Haut vor Stuhl und Urin. Zum anderen wird an ihr der Beutel befestigt, der die Ausscheidungen auffängt. Auf der Unterseite befindet sich eine Haftfläche, mit der die Platte auf die Haut aufgebracht wird. In der Mitte ist ein Loch, durch das das Stoma hindurchschaut. Moderne Hautschutzplatten lassen sich leicht und ohne Rückstände wieder von der Haut lösen.

Je nachdem wo das Stoma sitzt, kommen unterschiedliche Hautschutzplatten zum Einsatz. Die nur wenige Millimeter dünne glatte Platte liegt plan, also gleichmäßig, auf der Haut auf und passt sich jeder Körperbewegung an.

Eine konvexe Hautschutzplatte ist weniger flexibel, und in der Mitte zum Bauch hin je nach Modell mehr oder weniger stark gewölbt. Dadurch haftet sie in direkter Stomaumgebung besser. Auch wenn das Stoma etwa in einer Hautfalte liegt oder es sich soweit zurückzieht, dass es auf gleicher Höhe mit der Haut ist (Retraktion), bietet sie sicheren Halt.

Tipp
Was tun, wenn die Hautschutzplatte nicht richtig haftet?

Um Unebenheiten auf der Haut auszugleichen und einen höheren Haftschutz Ihrer Hautschutzplatte zu erreichen, können Sie Modellierstreifen oder sogenannte Stomapasten verwenden, die zwischen Haut und Basisplatte aufgetragen werden. Achten Sie außerdem darauf, dass keine Ausscheidungen zwischen Hautschutzplatte und Haut geraten. Passiert das doch, müssen Sie die Hautschutzplatte in jedem Fall noch einmal wechseln.

Stomabeutel – Arten & Größen

Stomabeutel werden verwendet, um Stuhl oder Urin aufzufangen. Sie kommen also nur beim Enterostoma (Darmstoma) und Urostoma (Blasenstoma) zum Einsatz.

Stomabeutel für das Enterostoma

Es gibt grundsätzlich zwei Arten von Stomabeutel für künstliche Darmausgänge:

1. Geschlossene Beutel (Einmal-Beutel) werden meist bei einem Dickdarmstoma (Colostoma) verwendet. Der geschlossene Stomabeutel fängt den breiigen oder geformten Stuhl sicher auf.

2. Offene Beutel (Ausstreifbeutel) verwenden dagegen meist Träger eines Dünndarmstomas (Ileostoma). Die eher flüssigen Ausscheidungen können mit dieser wiederverwendbaren Variante mehrmals täglich über eine Öffnung am unteren Ende des Beutels in die Toilette entleert werden. Danach können Sie den Beutel wieder absolut dicht verschließen. Geruch und Flüssigkeit gelangen nicht nach außen. Ein neuer Beutel wird erst benötigt, wenn der verwendete Beutel undicht ist, nicht mehr an der Platte befestigt bleibt oder das Befestigungssystem defekt ist.

Damit Luft aus dem Beutel entweichen kann, aber keine unangenehmen Gerüche, haben einige Beutelmodelle am oberen Ende einen Aktivkohlefilter. Sie halten etwa 12 bis 24 Stunden. Danach kann der Filter verstopfen, die Luft bleibt im Beutel und muss auf anderem Wege abgeleitet werden. Beim Ausstreichbeutel geht das etwa über die untere Öffnung zum Entleeren.

Stomabeutel für das Urostoma

Urostomabeutel haben in der Regel ein Ventil zum regelmäßigen Entleeren der Flüssigkeit. Zusätzlich verfügen Sie über eine Rücklaufsperre, die verhindert, dass der Urin zurück zum Stoma fließt. Dies ist wichtig, um Infektionen zu verhindern.

Welche Größe ist die richtige?

Stomabeutel gibt es in den Größen: Mini, Midi und Maxi. Welche Größe für Sie die richtige ist, entscheiden Sie je nach Situation und Menge der Ausscheidung.

So können Sie für den Alltag zum Beispiel eher kleine Beutel nutzen, die Sie leicht unter der Kleidung verbergen können. Nachteil ist, dass Sie sie häufiger entleeren müssen. Ein Beutel mit mehr Füllvolumen haftet dagegen manchmal schlechter an der Haut. Deshalb wählen viele für die Nacht spezielle Beutel, die sie, statt auf der Haut zu tragen an das Bett hängen können.

Tipp
Besseres Tragegefühl mit Vlies

Viele Betroffene bevorzugen Stomabeutel, die mit einem Vlies bezogen sind. Der Beutel fühlt sich damit wie Stoff an. Das ist nicht nur angenehmer auf der Haut, auch Raschelgeräusche werden so gedämpft.

Kosten übernimmt die Krankenkasse

Für jede Stomaart gibt es ein passendes Stomasystem. Die einzelnen Komponenten dafür sind im Hilfsmittelverzeichnis gelistet. Sie müssen etwa Ihre Stomabeutel nicht selbst kaufen. Die Kosten dafür übernimmt die Krankenkasse.

Darüber hinaus gibt es verschiedene Hilfsmittel, die zum Beispiel eine zuverlässige Haftung oder einen optimalen Hautschutz gewährleisten. Dazu zählen beispielsweise:

  • Spezielle Hautschutzmittel
  • Hautschutzpasten
  • Modellierstreifen
  • Hautschutzringe

Aber auch Reinigungs- und Hautpflegemittel sowie Haltegürtel, die das Stomasystem fixieren, sind im Sanitätshaus erhältlich und werden von der Krankenkasse bezahlt.

Stomabeutel wechseln – Versorgung in 4 Schritten

Egal ob Enterostoma oder Urostoma – das Leeren des Stomabeutels beziehungsweise Wechseln des Stomasystems erfolgt auf gleiche Art und Weise. Wie Sie genau vorgehen hängt lediglich davon ab, ob Sie ein einteiliges oder zweiteiliges Stomasystem verwenden.
Der Versorgungswechsel erfolgt in vier Schritten:
  1. Vorbereitung
  2. Entfernen der Stomaanlage beziehungsweise des vollen Beutels
  3. Reinigung der Haut
  4. Anbringen der neuen Stomaanlage beziehungsweise des leeren Beutels

Schritt 1: Vorbereitung

Legen Sie sich sämtliche Versorgungsmaterialien, die Sie für den Wechsel des Stomasystems benötigen, bereit. Dazu gehören:(3)

  • Einweg-Waschlappen oder unsterile Kompressen zur Reinigung der Haut
  • Schüssel mit lauwarmem Wasser
  • pH-neutrale und unparfümierte Seife oder spezielle Stomapflegeprodukte
  • Wattestäbchen
  • ein kleiner Müllbeutel zur Entsorgung der benutzten Stomaversorgung und Reinigungstücher/Kompressen
  • einen neuen Stomabeutel und eine neue Basisplatte (je nach verwendetem System)
  • Gegebenenfalls eine Verschlusskappe (bei Ausstreifbeutel)
  • Nagelschere, um gegebenenfalls das Loch für das Stoma passend zu machen
  • Stomapaste, wenn nötig
Tipp
Wählen Sie einen guten Zeitpunkt zum Wechseln des Stomas

Um das Risiko eines unkontrollierten Austritts von Ausscheidungen zu vermeiden, passen Sie möglichst die ideale Tageszeit ab, um den Stomabeutel zu wechseln. So sollten Sie etwa den Urostomabeutel direkt nach dem Aufstehen wechseln. Ein Wechsel des Dünndarmstomabeutels bietet sich vor einer Mahlzeit an.

Schritt 2: Entfernen der Stomaanlage oder des vollen Beutels

Beim Wechsel eines einteiligen Stomasystems wird die gesamte Stomaanlage vorsichtig von oben nach unten von der Haut abgezogen. Sie lösen das Stomasystem also vom Bauch abwärts. Gewechselt wird, sobald der Beutel bis maximal zur Hälfte gefüllt ist. Zu voll sollte er nicht werden, da er sonst platzen kann.

Entleeren Sie den Beutel in der Toilette und entsorgen Sie alle weiteren benutzten Materialien in einem Entsorgungsbeutel im Restmüll. Sie sollten den Wechsel des einteiligen Stomasystems ein bis drei Mal am Tag, nach Bedarf auch häufiger vornehmen.

Handhabung des zweiteiligen Stomasystems

Bei einem zweiteiligen Stomasystem können Sie den Beutel gesondert wechseln. Die Basisplatte kann ein bis drei Tage auf der Haut verbleiben. Ist ein Beutel voll, können Sie ihn also entweder über einen Rastring abnehmen und durch einen neuen ersetzen – oder Sie leeren ihn in der Toilette aus, um ihn dann wieder zu befestigen. Das hängt davon ab, ob Sie einen geschlossenen oder offenen Beutel verwenden.

Die Hautschutzplatte ziehen Sie wie beim einteiligen Stomasystem vorsichtig von oben nach unten ab. Angenehmer ist es, wenn Sie dabei mit der freien Hand leicht gegen die Bauchdecke oberhalb der Stomaversorgung drücken, um die Haut nicht zu sehr mit anzuheben.

Schritt 3: Reinigung des Stomas

Haben Sie das Stomasystem entfernt, steht zunächst die Reinigung und Pflege der umliegenden Haut und des Stomas selbst an.

Mit einem Einweg-Waschlappen oder unsterilen Kompressen reinigen Sie zunächst die Haut. Benutzen Sie keine Frotteewaschlappen. Sie sind nicht nur zu rau für die empfindliche Haut, sondern beherbergen durch die Mehrfachverwendung auch zahlreiche Keime.

In der Regel reicht warmes Wasser. Möchten Sie auf Seife nicht verzichten, achten Sie darauf, dass sie ph-neutral ist oder benutzen Sie spezielle Reinigungsmittel für Stomata. Hautfalten können Sie mit einem Wattestäbchen reinigen. Trocknen Sie die Haut anschließend gut ab.

Je nach Stoma-Art unterscheidet sich die Wischrichtung:

  • Ein Urostoma wird von innen nach außen gereinigt, also von der Stomaöffnung kommend nach außen. Mit dieser Technik soll verhindert werden, dass Bakterien und Keime über das Stoma in die Harnblase gelangen.
  • Ein Enterostoma wird von außen nach innen gereinigt. Es wird zunächst in kreisförmige Bewegungen um das Stoma herum gereinigt. Die Kreise werden dann immer kleiner ausgeführt, bis hin zum Innenpunkt, dem Stoma.
Tipp
3 Tipps für die Reinigung und Pflege des Stomas
  1. Benutzen Sie keinen Zellstoff oder Taschentücher. Geraten Fussel in das Stoma, könnte es sich im schlimmsten Fall entzünden. Verwenden Sie stattdessen weiche und saugfähige Materialen wie Einweg-Waschlappen oder Kompressen.
  2. Verzichten Sie darauf, Öle, Pflegeschaum oder Enthaarungscremes zu verwenden. Ihr Stomasystem könnte die Haftung verlieren und nicht mehr gut an der Haut kleben.
  3. Verwenden Sie benutzte Materialien immer nur einmal.

Schritt 4: Anbringen der Stomaanlage/ des leeren Beutels

Jetzt kann die frische Stomaanlage wieder aufgeklebt beziehungsweise bei einem zweiteiligen System der ausgeleerte oder neue Beutel wieder am Rastring befestigt werden.

Ist die Haut zum Beispiel aufgrund von Narbengewebe uneben, können Sie mit Modellierstreifen oder einer sogenannten Stomapaste die Auflagefläche Glätten. Achten Sie darauf, dass das Loch der Stomaanlage nicht kleiner oder größer als das Stoma ist. Es darf keine Haut frei liegen, das Stoma aber auch nicht eingezwängt werden. Schneiden Sie es gegebenenfalls auf die ideale Größe zurecht.

Dann kleben Sie die Anlage von unten nach oben um das Stoma herum auf. Drücken Sie anschließend in Rückenlage mit der flachen Hand leicht auf die Versorgung, um sie gleichmäßig zu fixieren.

Tipp
Hautschutzplatte anschmiegsamer machen

Um eine festere Hautschutzplatte anschmiegsamer zu machen, können Sie sie vor dem Auftragen für ein paar Minuten nah am Körper halten, zum Beispiel im Hosenbund. Sie wird so auf Körpertemperatur erwärmt und damit flexibler. Nutzen Sie nicht die Mikrowelle oder den Ofen, denn dann wird die Haftungsfähigkeit der Platte mit großer Wahrscheinlichkeit zerstört.

Stomaversorgung: Die richtige Hautpflege

Es ist wichtig, dass die Haut, die das Stoma umgibt, intakt und gesund ist. Denn eine gesunde und gepflegte Haut ist wichtig, damit das Stomasystem gut haftet und somit richtig funktionieren kann.

Für die schonende Pflege eignen sich pH-neutrale und fettfreie Pflegeprodukte. Es gibt Lotionen, Sprays und Cremes extra für die Stomapflege. Welches Produkt Sie für Ihr individuelles Stoma verwenden sollten, besprechen Sie am besten mit Ihrem Stomatherapeuten.

Rasur für Stoma

Damit Sie Ihr Stomasystem gut auf der Haut befestigen können, ist es hilfreich, die entsprechende Hautumgebung von Haaren zu befreien. Sie können mit einem herkömmlichen Rasierer die Haare entfernen, bestenfalls mit einem Einwegrasierer.

Info
Handhygiene ist wichtig bei Stoma-Versorgung

Achten Sie bei der Versorgung Ihres Stomas stets auf eine gute Handhygiene. Bei einem Darmstoma oder Blasenstoma ist keine Desinfektion nötig. Sie sollten sich aber vor und nach der Versorgung gründlich die Hände waschen.

Bei der Versorgung eines Tracheostomas müssen Sie dagegen unbedingt vor und nach dem Wechsel der Kanüle Ihre Hände desinfizieren.

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Hautschutz und Wundversorgung

Der regelmäßige Wechsel des Stomasystems beansprucht die das Stoma umgebende Haut besonders stark. Einige betroffene Personen haben mit Hautreizungen und Entzündungen zu kämpfen. Halten Sie bei den ersten Anzeichen dafür Rücksprache mit Ihrem Arzt oder Stomatherapeuten. Hinweise für Probleme sind rote oder geschwollene Hautpartien sowie pochende Schmerzen.

Bevor Sie ein neues Stomasystem anlegen, achten Sie stets darauf, dass Haut und Stoma sauber und trocken sind. Trocknen Sie das empfindliche Stoma, indem Sie es behutsam abtupfen. Versuchen Sie nicht zu reiben oder fest zu wischen, um die Haut direkt an der Stomaöffnung nicht zu verletzen.

Häufig gestellte Fragen

Was gehört zur Stomaversorgung?

Was zur Stomaversorgung gehört, hängt von der Stoma-Art ab: Bei einem Enterostoma (Kolostoma & Ileostoma) und bei einem Urostoma gehören erstens der Wechsel des Beutels, zweitens das Entleeren des Beutels und drittens die Pflege und Reinigung des Stomas zur Stomaversorgung.

Bei einem Gastrostoma zählt das Verabreichen der Sondenkost, das Spülen der Sonde und kurz nach dem Anlegen des Gastrostomas der Verbandswechsel zu den täglichen Versorgungstätigkeiten.

Bei einem Tracheostoma sind der Wechsel und die Reinigung der Kanülen sowie die Hautpflege und das regelmäßige Absaugen von Sekret und Schleim Bestandteile der Versorgung.

Was ist ein Stomabeutel?

In einen Stomabeutel werden Urin oder Stuhl durch einen künstlenen Blasen- oder Darmausgang  abgeleitet. Der Beutel ist an einer Hautschutzplatte befestigt, die um das Stoma herum angeklebt wird. Es gibt geschlossene Stomabeutel und solche, die zum Entleeren und Wiederverwenden geeignet sind. Dazu gehören zum Beispiel Ausstreifbeutel. Bei einem einteiligen Stomasystem wird der Beutel zusammen mit der Hautschutzplatte ausgetauscht. Beim zweiteiligen System kann der Beutel dagegen abgenommen werden, während die Hautschutzplatte auf der Haut verbleibt.

Wie oft wechselt man einen Stomabeutel?

Ein Stomabeutel wird mehrmals täglich gewechselt, etwa drei Mal pro Tag. Bei einem zweiteiligen Stomasystem kann die Basisplatte, an der der Beutel befestigt wird, drei bis fünf Tagen auf der Haut verbleiben.

Wie oft wechselt man einen Stoma-Ausstreifbeutel?

Ausstreifbeutel werden nach dem Entleeren gespült und wiederverwendet. Das spart Material und ist gut für die Umwelt. Ausstreifbeutel werden in der Regel gewechselt, sobald der Stomabeutel undicht ist, nicht mehr an der Platte befestigt bleibt oder das Befestigungssystem defekt ist. Empfohlen wird aber, ihn mindestens täglich auszutauschen.

Was wenn sich das Stoma entzündet?

Jede Veränderung, die Sie an Ihrem Stoma oder der Haut drumherum feststellen, sollten Sie mit Ihrem Stomatherapeuten oder Arzt besprechen. Um Entzündungen vorzubeugen, achten Sie bei der Stomaversorgung stets darauf, dass die Haut und das Stoma sauber und trocken sind, bevor Sie ein neues Stomasystem anlegen.

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Erstelldatum: 1202.01.11|Zuletzt geändert: 3202.01.52
(1)
Selbsthilfe Stoma-Welt e.V.: Leben mit Stoma
https://www.stoma-welt.de/leben-mit-stoma/ (letzter Abruf am 31.07.2023)
(2)
pqsg Das Altenpflegemagazin im Internet: Standard Verbandswechsel PEG / PEJ
https://www.pqsg.de/seiten/premium/artikel/hintergrund-standard-peg-verband.htm (letzter Abruf 01.08.2023)
(3)
pqsg Das Altenpflegemagazin im Internet: Standard "Kolostomaversorgung"
https://www.pqsg.de/seiten/premium/artikel/hintergrund-standard-kolostoma.htm (letzter Abruf am 31.07.2023)
(4)
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