Altersstarrsinn: Wesensveränderung im Alter

Alterstarrsinn

Das Alter bringt einige Veränderungen mit sich. Man ist nicht mehr so rege, wird vielleicht ein bisschen vergesslich, einige Dinge, die einem früher leicht von der Hand gingen, werden zur Herausforderung. Die einen nehmen diese Umstände gelassen hin, andere werden zunehmend ungehalten. In diesen Fällen kommt er dann immer häufiger zum Vorschein – der Altersstarrsinn. Ein Phänomen, das Betroffene wie Angehörige an ihre Grenzen bringen kann.

pflege.de unterstützt Sie dabei, solche Situationen besser einordnen zu können und gemeinsam gute Lösungen zu finden.

Inhaltsverzeichnis

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Altersstarrsinn: Was ist das?

Altersstarrsinn – auch Alterssturheit – bezeichnet die zunehmende Tendenz bei manchen älteren Menschen, an gewohnten Verhaltensweisen, Überzeugungen sowie Routinen festzuhalten und Veränderungen abzulehnen.

Da der umgangssprachliche Begriff Altersstarrsinn einen abwertenden Beiklang hat, sprechen Fachleute eher von Rigidität. Sie kommt zwar häufiger in späteren Lebensphasen vor, ist aber kein zwangsläufiges Merkmal des Alterns. Rigide Menschen erscheinen in der Regel als wenig flexibel.(1)

Info
Was bedeutet Rigidität?

Im psychologischen Sinne beschreibt Rigidität die Schwierigkeit, das eigene Denken, Fühlen oder Verhalten flexibel an neue Situationen anzupassen. Wer rigide reagiert, hält an Gewohntem fest – auch dann, wenn eine Veränderung objektiv sinnvoll wäre.

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Altersstarrsinn: Wie macht er sich bemerkbar?

Eigene Entscheidungen zu treffen und seinen Alltag selbst zu gestalten, ist ein Grundbedürfnis – in jedem Lebensalter. Ein klares „Nein“ ist daher zunächst nichts weiter als Selbstbestimmung. Häufig kommen Bedürfnisse nach Sicherheit und Kontrolle hinzu – besonders in einer Lebensphase, die von Veränderungen geprägt ist.(2)

Auffällig wird es erst dann, wenn das Festhalten an Gewohntem zur Belastung wird – und zwar nicht nur für die betroffene Person selbst und ihr Wohlbefinden, sondern auch für die Menschen in ihrem Umfeld. Diese fragen sich immer häufiger: „War das schon immer so oder verändert sich der vertraute Mensch?“

Typische Verhaltensweisen bei Altersstarrsinn

Und in der Tat bringt das Alter häufig neue Verhaltensweisen mit sich. Das geschieht nicht plötzlich, sondern entwickelt sich über einen längeren Zeitraum.

Meist machen sich zunächst folgende Muster bemerkbar:(1)

  • Das Festhalten an Gewohntem
  • Die Abneigung gegen alles Neue
  • Widerstand gegen Veränderungen
  • Starre Ansichten
  • Hang zu egozentrischem Verhalten
  • Eine mehr oder weniger ausgeprägte Ritualisierung
  • Eine übertriebene Vorsicht bis hin zur Ängstlichkeit

Jede Störung seiner zunehmend starren Alltagsstruktur wird dann für den älteren Menschen zu einer erheblichen Mehrbelastung.

Altersstarrsinn: Mögliche Ursachen

Mit dem Alter nehmen nicht nur die körperlichen, sondern auch die geistigen Fähigkeiten ab. Bis zu einem gewissen Grad ist das ein ganz normaler Teil des Älterwerdens. Unsere Wahrnehmung wird schlechter, wir denken langsamer und sind nicht mehr so aufnahmefähig. Das kann mit der Zeit dazu führen, dass wir uns verändern – die einen mehr, die anderen weniger.

Dabei sind die Ursachen für eine Wesensveränderung so vielschichtig wie die Menschen selbst. Sie setzen sich zusammen aus:(1)(2)

  • Psychologischen Schutzmechanismen: Wie geht die Seele des alternden Menschen mit den Veränderungen um, die die zweite Lebenshälfte mit sich bringt?
  • Körperlichen Veränderungen: Welche körperlichen Einschränkungen oder sogar Krankheiten hat die Person?
  • Sozialen Faktoren: Was bringt das Leben im Allgemeinen mit sich und hat im Laufe des Lebens gebracht?

Doch was auf den ersten Blick wie Sturheit wirkt, hat manchmal auch tiefere Ursachen. Deshalb lohnt sich immer ein zweiter Blick.

Wichtiger Hinweis
Anzeichen ernst nehmen

Ab wann ist es mehr als Altersstarrsinn? Viele Menschen verändern mit dem Alter ihr Verhalten. Doch manchmal steckt eine Krankheit wie beispielsweise eine Demenz oder eine Altersdepression dahinter. Beobachten Sie Ihren Angehörigen und holen Sie im Verdachtsfall ärztlichen Rat ein.

Tipp von der pflege.de Fachredaktion

Bei meiner Mutter dachte ich anfangs: Das ist eben das Alter. Sie wurde sturer, reizbarer und zog sich zunehmend zurück. Erst später wurde klar, dass dahinter bereits eine beginnende Demenz steckte.

 

Wichtig ist deshalb: Altersstarrsinn allein bedeutet nicht automatisch Demenz. Werden Veränderungen jedoch sehr auffällig oder kommen starke Vergesslichkeit, Misstrauen oder Wesensveränderungen hinzu, sollten Angehörige genauer hinsehen und ärztlichen Rat einholen.

Martina  Rosenberg
Chefredakteurin bei pflege.de & Pflegeexpertin

Altersstarrsinn als Vorbote der Demenz?

Bei einigen Betroffenen ist Altersstarrsinn ein Vorbote einer Demenz.(3) Das ist allerdings nicht zwangsläufig der Fall. Einige Demenz-Erkrankte entwickeln erst im späteren Krankheitsverlauf oder gar nicht die für Altersstarrsinn typischen Verhaltensweisen.

Gleichzeitig zeigen andere ältere Menschen starrsinniges Verhalten, ohne an einer Demenz erkrankt zu sein. Wenn Sie unsicher sind, ob Demenz der Grund für die Wesensveränderung sein könnte, kann der kostenlose Demenz-Test von pflege.de einen ersten Anhaltspunkt liefern.

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Altersstarrsinn als Folge einer Erkrankung?

Aber auch andere Erkrankungen können dazu führen, dass sich das Wesen eines Menschen verändert. So ist die Altersdepression eine der häufigsten psychischen Erkrankungen im Alter.

Darüber hinaus können folgende Krankheiten zu einer Wesensveränderung führen:

  • Schwerhörigkeit kann zur Folge haben, dass sich der Betroffene immer mehr zurückzieht, weil er Gesprächen nicht mehr folgen kann.
  • Bei Schilddrüsenüber- oder Unterfunktion kann ein hormonelles Ungleichgewicht zu extremen Verhaltensweisen führen.
  • Bei chronischen Lungenerkrankungen wie etwa COPD wird das Gehirn nicht ausreichend mit Sauerstoff versorgt, was auch Einfluss auf das Wesen haben kann.
  • Auch bei Herzerkrankungen wie etwa eine Herzinsuffizienz kommt es zu einer Minderdurchblutung des Gehirns mit Folgen für die kognitiven Fähigkeiten.
  • Schlaganfall-Patienten können je nach Ort und Stärke des Ereignisses zum einen aufgrund der Folgen zu Frustration und starrsinnigem Verhalten führen, zum anderen kann das Wesen sich ändern, weil bestimmte Gehirnregionen in Mitleidenschaft gezogen wurden.
  • Chronische Schmerzen (zum Beispiel aufgrund einer rheumatoiden Arthritis) kann zu einer geringen Frustrationstoleranz, Reizbarkeit und scheinbarer Sturheit führen.
  • Krebs, insbesondere ein Hirntumor, kann Veränderungen der Persönlichkeit verursachen.
Info
Was sind kognitive Fähigkeiten?

Kognitive Fähigkeiten sind alle Gehirnfunktionen, die uns Menschen dazu befähigen, unsere Umwelt wahrzunehmen, Signale zu verarbeiten und flexibel auf sie zu reagieren. Sie umfassen das Denken, das Lernen und das Erinnern in all ihren Facetten.

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Tipps im Umgang mit Starrsinn im Alter

Altersstarrsinn beziehungsweise Rigidität kann für beide Seiten herausfordernd sein – für die älteren Menschen ebenso wie für ihre Angehörigen.

Der Alltag bringt immer wieder Situationen mit sich, die bei Senioren zu Verhaltensmustern führen, die typisch sind für Altersstarrsinn:(2)(3)

  • Neue Vorgehensweisen werden abgelehnt
  • Hilfsangebote werden verweigert
  • Misstrauen nimmt zu
  • Zieht sich immer mehr zurück
  • Nörgeln, Granteln und Feindseligkeit nehmen zu
  • Reagiert häufiger aggressiv
  • Verspürt vermehrt Unruhe oder Angst
  • Verfällt in depressive Verstimmungen

Um Ihnen zu helfen, mit solchen Situationen umzugehen, gehen wir im Folgenden näher auf diese Alltags-Beispiele ein.

Ziel in der Kommunikation – nicht nur mit Demenzerkrankten – ist dabei immer, schrittweise Akzeptanz zu erreichen, in dem Sie empathisch auf Ihren Angehörigen eingehen. Erklären Sie den Nutzen, aber respektieren Sie das Bedürfnis nach Selbstbestimmtheit.

Zur Not holen Sie sich Unterstützung von anderen Angehörigen oder Fachleuten, wie den Hausarzt oder das Pflegepersonal.

Alltags-Beispiel: Neue Vorgehensweisen werden abgelehnt

Auch wenn eine neue Lösung praktikabler wäre, hält die Person an Altbewährtem fest.

Dazu ein Alltags-Beispiel:

Das Smartphone bleibt ungenutzt, obwohl es die Kommunikation mit der Familie deutlich erleichtern würde. Eigentlich sehnt sich der Großvater nach mehr Kontakt zur Familie, aber er traut neuer Technik nicht über den Weg.

So könnten Sie darauf reagieren:

  • Reagieren Sie ruhig und respektvoll auf die abweisende Haltung des Großvaters.
  • Lassen Sie sich seine Bedenken, Ängste oder Erfahrungen erklären und zeigen Sie Verständnis.
  • Betonen Sie die Vorteile der neuen Technologie, ohne ihn zu drängen, sie zu nutzen. Führen Sie ihm vor, wie einfach die Anwendung ist.
  • Bieten Sie eine einfachere Lösung an, zum Beispiel ein Seniorentelefon oder -tablet, das leicht zu bedienen ist.
  • Achten Sie auf eine ruhige Atmosphäre. Ist der ältere Herr zu aufgebracht, warten Sie mit dem Thema, bis es besser passt.

Alltags-Beispiel: Hilfsangebote werden verweigert

Unterstützung von außen wird abgelehnt, selbst wenn der Bedarf offensichtlich ist.

Dazu ein Alltags-Beispiel:

Eine ältere Dame verweigert den Antrag auf Pflegegrad, weil sie „so etwas nicht braucht und alles noch allein schafft“. Doch seit Wochen läuft sie barfuß herum, weil sie sich die Socken nicht mehr anziehen kann.

So könnten Sie darauf reagieren:

  • Hören Sie sich die Bedenken in Ruhe an, ohne sofort Gegenargumente zu bringen.
  • Betonen Sie den Nutzen eines Pflegegrades, zum Beispiel die finanzielle Unterstützung für Umbauten und Hilfsmittel wie etwa eine Socken-Anziehhilfe..
  • Sammeln Sie gemeinsam mit Ihrer Angehörigen zunächst Informationen, etwa in der pflege.de-Themenwelt Pflegegrade.
  • Formulieren Sie Ihre Argumente positiv, statt zu drohen. Betonen Sie beispielsweise die Förderung der Autonomie, etwa durch ein barrierefreies Bad, statt der Abhängigkeit.
  • Geben Sie Beispiele, welche Menschen im Bekanntenkreis ebenfalls die Vorteile eines Pflegegrades nutzen.
  • Lassen Sie die Seniorin nicht allein mit den Antragsformularen. Helfen Sie ihr beim Ausfüllen.
  • Sind noch Fragen offen, gehen Sie mit ihr zur Seniorenberatung, um sich von Fachleuten beraten zu lassen.
Tipp von der pflege.de Fachredaktion

Aus eigener Erfahrung weiß ich, dass die Meinung der eigenen Tochter oder des eigenen Sohnes nicht immer das Gewicht hat, das man sich wünschen würde. Oft braucht es erst eine Person außerhalb der Familie, die genau dasselbe empfiehlt – und plötzlich findet der Rat Gehör.

 

Mein Tipp: Holen Sie sich Unterstützung von Menschen, denen Ihr Angehöriger vertraut. Das kann der Hausarzt sein, ein guter Freund der Familie oder auch der Pfarrer. Manchmal hilft dieser Blick von außen dabei, festgefahrene Strukturen aufzubrechen.

Martina  Rosenberg
Chefredakteurin bei pflege.de & Pflegeexpertin
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Alltags-Beispiel: Misstrauen nimmt zu

Erfahrungen, Verluste und veränderte Lebensumstände haben die ältere Person verunsichert. Es fällt ihr immer schwerer, fremden Menschen zu vertrauen.

Dazu ein Alltags-Beispiel:

Opa lehnt eine Haushaltshilfe strikt ab, obwohl ihm der Haushalt zunehmend schwerer fällt. Er will keine Fremden in seiner Wohnung.

So könnten Sie darauf reagieren:

  • Auch hier gilt es vor allem, sich erst ein mal die Befürchtungen schildern zu lassen und sie ernst zu nehmen.
  • Betonen Sie, welche Vorteile eine Haushaltshilfe bringen kann.
  • Bieten Sie an, eine geprüfte, vertrauenswürdige Person zu engagieren. Vereinbaren Sie zunächst ein Kennenlern-Gespräch.
  • Legen Sie feste Zeitfenster fest. Wenn möglich, sind Sie bei den ersten Terminen vor Ort.
  • Beginnen Sie mit einer Testphase, zum Beispiel ein Mal pro Woche für ein bis zwei Stunden und steigern Sie dann bei Bedarf den Einsatz Schritt für Schritt. So kann sich Ihr Opa langsam daran gewöhnen.
  • Am Ende muss der Betroffene selbst die Entscheidung treffen, wer zu welchen Zeiten und welchen Bedingungen kommt. Am besten legen Sie das schriftlich fest.

Alltags-Beispiel: Zieht sich immer mehr zurück

Eine Geburtstagseinladung, das Familientreffen im Café oder mit Freunden ins Kino – was früher zum Leben dazugehörte, wird immer häufiger abgesagt. Oft traut sich die Person nicht mehr allein vor die Tür oder hat zunehmend Schwierigkeiten, den Gesprächen in einer Gruppe zu folgen.

Dazu ein Alltags-Beispiel:

Die Einschulung des Enkels wird im familiären Kreis in einem Restaurant gefeiert. Früher hätte sich die Großmutter sehr darauf gefreut, doch diesmal sagt sie kurzfristig ab, obwohl es sich um ihren Lieblingsenkel handelt.

So könnten Sie darauf reagieren:

  • Formulieren Sie die Einladung rechtzeitig – und zwar einfach, freundlich, kurz und mit konkreten Angaben.
  • Fragen Sie freundlich nach, warum die Großmutter nicht kommen möchte.
  • Betonen Sie, wie wichtig der Tag für den Enkel ist und wie viel es ihm bedeutet, dass sie kommt.
  • Bauen Sie Schwellen ab, etwa indem Sie die Großmutter abholen und wieder nach Hause fahren. Stellen Sie in Aussicht, dass sie nicht bis zum Ende bleiben muss, sondern bestimmen kann, wann sie wieder heim möchte.
  • Bieten Sie Alternativen an, wenn sich die Großmutter nicht überreden lässt: ein Essen im kleineren Rahmen an einem anderen Tag, eine Gruß-Karte oder eine Videobotschaft für den Enkel.

Alltags-Beispiel: Nörgeln, Schimpfen und Feindseligkeit nehmen zu

Einige ältere Menschen machen ihrem Frust darüber, dass sie mit immer mehr Schwierigkeiten in ihrem Alltag kämpfen, mit ständigen Unmutsäußerungen Luft.

Dazu ein Alltags-Beispiel:

Sie besuchen Ihren Angehörigen mehrmals pro Woche. Doch statt Freude darüber erwarten Sie Vorwürfe, Gemecker und Gejammer.

So könnten Sie darauf reagieren:

  • Das Wichtigste vorweg: Nehmen Sie es nicht persönlich. Ignorieren Sie Anschuldigungen.
  • Sagen Sie ruhig, dass Sie die Gefühle verstehen. Aber setzen Sie auch klare Grenzen, zum Beispiel: „Ich möchte gern, dass wir ruhig miteinander reden, ansonsten verschieben wir das Gespräch auf später.“
  • Versuchen Sie Ihren Angehörigen mit positiven Dingen abzulenken, um aus dem negativen Verhalten herauszukommen.
  • Vermeiden Sie Themen, die Ihren Angehörigen garantiert auf die Palme bringen. Und warten Sie für wichtige Gespräche einen geeigneten Zeitpunkt ab.
  • Atmen Sie tief durch, bleiben Sie ruhig und sprechen Sie in kurzen Sätzen, um die Situation zu deeskalieren.
Tipp von der pflege.de Fachredaktion

Das ist leider ein sehr häufiges Phänomen – und ich kenne es aus eigener Erfahrung nur zu gut. Man möchte helfen, organisiert, unterstützt und ist da. Trotzdem bekommt man oft Vorwürfe, Ablehnung oder negative Stimmung zurück. Das kann auf Dauer sehr erschöpfend sein und Angehörige an ihre Grenzen bringen.

 

Wenn Sie das erleben, versuchen Sie bewusst kleine Pausen einzubauen und auch auf sich selbst zu achten. Und ganz wichtig: Sie sind nicht schuld an der Situation – auch wenn Sie oft mit einem schlechten Gewissen nach Hause gehen. Vermutlich tun Sie bereits alles, was in Ihrer Macht steht.

Martina  Rosenberg
Chefredakteurin bei pflege.de & Pflegeexpertin

Alltags-Beispiel: Reagiert häufiger aggressiv

Bei einigen Menschen mit Altersstarrsinn äußert sich die Frustration über Veränderungen und Verluste in aggressivem Verhalten.

Dazu ein Alltags-Beispiel:

Es gibt Tage, da können Sie tun, was Sie wollen, nichts ist richtig und Ihr Angehöriger reagiert darauf mit zunehmender Aggression.

So könnten Sie darauf reagieren:

  • Bleiben Sie gelassen und versuchen Sie Ihren Angehörigen zu beruhigen. Verwenden Sie selbst keine Schimpfwörter. Sie würden das aggressive Verhalten noch befeuern.
  • Zeigen Sie, dass Sie seine Gefühle ernst nehmen, zum Beispiel: „Ich sehe, dass dich das wirklich wütend macht.“
  • Bieten Sie Optionen an, etwa indem Sie fragen, wie man das Problem regeln könnte.
  • Versuchen Sie, ihn abzulenken.
  • Setzen Sie klare Grenzen, wie etwa: „Ich bleibe hier, solange wir respektvoll miteinander sprechen. Wenn es erneut scharf wird, beende ich das Gespräch.“
  • Vermeiden Sie eine körperliche Konfrontation, zur Not verlassen Sie den Raum.
  • Wenn Sie das aggressive Verhalten überfordert, holen Sie sich Rat und Hilfe bei Fachleuten. Das kann der behandelnde Arzt sein, ein spezialisierter Therapeut, eine Senioren- oder Pflegeberatung.

Alltags-Beispiel: Verspürt vermehrt Unruhe oder Angst

Es gibt viele Gründe für Unruhe und Rastlosigkeit bei älteren Menschen: Schmerzen, Unsicherheit, eingeschränkte Mobilität, seelische Belastung – und nicht zuletzt kann sie ein Vorbote einer Demenz sein. Neben der Ursachensuche gilt es, ihm ein sicheres Umfeld zu bieten, indem er zur Ruhe kommen kann.

Dazu ein Alltags-Beispiel:

Ihre Großtante ist rastlos, zappelt rum, kann nicht ruhig sitzen und steht immer wieder ohne erkennbaren Grund auf. Außerdem versichert sie sich regelmäßig, ob die Tür auch wirklich verschlossen ist. Obendrein begleiten Schlafstörungen die permanente Unruhe.

So könnten Sie darauf reagieren:

  • Sorgen Sie für eine ruhige Umgebung.
  • Erarbeiten Sie mit Ihrer Großtante regelmäßige Routinen für den Alltag, um ihr Sicherheit zu geben.
  • Bauen Sie regelmäßige Bewegungseinheiten in den Alltag ein, beispielsweise einen Abendspaziergang.
  • Geben Sie der Seniorin etwas in die Hand, womit sie spielen kann, zum Beispiel einen Ball zum Kneten oder eine Perlenschnur. Noch besser ist eine sinnvolle Beschäftigung, wie etwa Handarbeiten oder Gemüse putzen.
  • Auch ausreichendes Trinken und regelmäßige Mahlzeiten können die Unruhe reduzieren.
  • Schlagen Sie Ihrer Großtante Meditations- oder Entspannungstechniken vor.
  • Wenn alles nicht hilft, lassen Sie sich vom behandelnden Ärzteteam über mögliche Medikamente beraten.
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Alltags-Beispiel: Verfällt in depressive Verstimmungen

Manchmal ist es mehr als schlechte Laune. Ältere Menschen neigen stärker zu Depressionen, Frauen doppelt so häufig wie Männer. Die Gründe sind vielschichtig: das Alter, zunehmende körperliche Gebrechen, die soziale oder familiäre Situation.(4)

Dazu ein Alltags-Beispiel:

Ihr Onkel verliert sich immer mehr in eine kritische Rückschau auf sein Leben: Die Kindheit war nicht einfach, das Berufsleben herausfordernd, die Familie konfliktbeladen. Was ist geblieben nach all den Jahren?

So könnten Sie darauf reagieren:

  • Suchen Sie das Gespräch: Hören Sie zu, ohne zu urteilen und ermutigen Sie Ihren Onkel, über seine Gefühle zu reden.
  • Strukturieren Sie gemeinsam mit dem älteren Herrn den Alltag. Bauen Sie kleine, erreichbare Aufgaben ein, regelmäßige Mahlzeiten, einen festen Schlafrhythmus und Bewegung an der frischen Luft.
  • Versuchen Sie, die sozialen Kontakte Ihres Onkels zu mobilisieren.
  • Ein Ehrenamt kann wieder Sinn in den Alltag bringen.
  • Vermeiden Sie Stresssituationen. Wenn sinnvoll, bieten Sie Entspannungstechniken an.
  • Beobachten Sie, ob es sich bei den Befindlichkeiten um Niedergeschlagenheit oder schlechte Laune handelt, oder ob sich bereits eine Depression manifestiert hat.
  • Schlagen Sie wenn nötig professionelle Unterstützung durch den Hausarzt oder einem Psychotherapeuten vor.

Altersstarrsinn vorbeugen

Wie heißt es doch so schön: Alt werden ist nichts für Feiglinge. Zum Glück gibt es einiges, das wir tun können, um den körperlichen und geistigen Verfall so lange wie möglich hinauszuzögern.

Dazu gehören vor allem:(4)

  • Regelmäßige körperliche Aktivitäten an der frischen Luft, zum Beispiel Spaziergänge im Grünen, Fahrradfahren, Schwimmen oder Gartenarbeit, ist gut für Muskulatur und Kreislauf. Sonnen- und Tageslicht wirken sich zudem positiv auf die Grundstimmung aus.
  • Wechselduschen, Kneippsche Güsse oder Saunagänge halten den Kreislauf fit.
  • Gleichgewichtssinn trainieren, etwa indem Sie auf einem Bein stehend die Zähne putzen.
  • Gymnastik schult die Koordination der Bewegungen ebenso wie die Nerven. Auch das Gehirn wird dadurch besser versorgt.
  • Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, um sämtliche Körperfunktionen zu unterstützen – egal wie alt Sie sind. Erfahren Sie mehr in unserem Ratgeber Ernährung im Alter.
  • Die geistigen Leistungen aktiv halten können Sie mit Gedächtnistraining wie zum Beispiel Quiz oder Kreuzworträtsel.
  • Für die Seele sorgen Sie am besten mit offenen Gesprächen über Sorgen und Probleme. Ob Familie, Freunde oder in einer Selbsthilfegruppe – fressen Sie Ihre Sorgen nicht in sich hinein.
  • Früherkennung ist ein elementarer Faktor, um körperliche oder seelische Erkrankungen frühzeitig behandeln zu können und damit die Folgen möglichst gering zu halten.

Häufig gestellte Fragen

Was ist Altersstarrsinn?

Altersstarrsinn ist die Tendenz einiger älterer Menschen, an Gewohnheiten, Überzeugungen oder Verhaltensweisen festzuhalten. Sie haben Angst vor Veränderungen, weswegen Sie sich lieber davor verschließen. Dabei geht es ihnen vor allem um Sicherheit, Selbstbestimmung und den Wunsch, Vergangenes zu bewahren.

Woran erkenne ich Altersstarrsinn?

Zu den typischen Anzeichen von Altersstarrsinn gehört es, dass jemand an Gewohnheiten oder Routinen festhält, selbst wenn es bessere Alternativen gibt. Veränderungen werden strikt abgelehnt. Ein starrsinniger Mensch ist in seinen Meinungen oder Entscheidungen unflexibel. Er ist meist nicht bereit, etwas Neues zu lernen oder Hilfe anzunehmen. Konflikte entstehen vor allem, wenn jemand Veränderungen in ihrem persönlichen Umfeld vornehmen möchte.

Was verbirgt sich hinter Sturheit im Alter?

Sturheit im Alter bezeichnet allgemein eine verstärkte Tendenz, an Gewohnheiten, Meinungen oder Routinen festzuhalten und Veränderungen abzulehnen.

Wie kommt es zur Wesensveränderung im Alter?

Mit dem Alter wird die Wahrnehmung schlechter, das Denken langsamer, die Aufnahmefähigkeit und Flexibilität nimmt ab. Das führt auch dazu, dass sich Menschen mit zunehmendem Alter verändern. In der Summe entstehen Wesensveränderungen im Alter in der Regel durch eine Mischung aus gesundheitlichen, psychischen und sozialen Faktoren. Sie fallen also von Mensch zu Mensch sehr unterschiedlich aus.

Was tun bei Starrsinn im Alter?

Begegnen Sie Starrsinn im Alter mit Ruhe, Empathie und klarer Kommunikation. Auch feste Routinen sowie Wahlmöglichkeiten statt Befehle helfen beim Umgang mit Menschen, die Ihnen mit Altersstarrsinn begegnen. Beziehen Sie die Person aktiv in die Alltagsplanung mit ein. Kommen Symptome wie Schmerz, Unruhe, Müdigkeit, Verwirrung oder Gedächtnisverlust hinzu, sollten Sie ärztlichen Rat suchen.

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Erstelldatum: 6202.50.12|Zuletzt geändert: 6202.50.62
(1)
Faust, V. (ohne Jahr): Wie wir uns im Alter verändern
www.psychosoziale-gesundheit.net/psychohygiene/alter.html (letzter Abruf am 13.05.2026)
(2)
Buchmann, K.-P. (2023): Stigma Altersstarrsinn. In: Gewalterleben in der stationären Langzeitpflege. Springer, Berlin, Heidelberg
https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-662-66706-4_5 (letzter Abruf am 13.05.2026)
(3)
Deutsches Grünes Kreuz (2004): Verhaltensänderungen im Alter
dgk.de/fileadmin/user_upload/AIW/pdf/d-002-19-c-verhaltensaenderungenalter_st.pdf (letzter Abruf am 13.05.2026)
(4)
Landschaftsverband Westfalen-Lippe (LWL) (2014): Die Seele stärken: Hilfe im Alter
www.lwl.org/psychiatrieverbund-download/pdf/LWL_Geronto-Ratgeber_2014.pdf (letzter Abruf am 13.05.2026)
(5)
Bildquelle
© Jacob Wackerhausen | istock.com
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